Die Pfingsttuscher
Pfingsten in Kötzting - mit Ausnahme des Pfingstrittes - ist ohne die Begleitung durch die Pfingsttuscher nicht mehr vorstellbar. Anders als der Kult um den Pfingstl selber, der in Kötzting erst ab dem Jahre 1927 belegbar ist, wird der Brauch des Pfingsttuschens in Kötzting wohl schon viel länger praktiziert, auch wenn auch hier der neu gegründete Kötztinger Trachtenverein wohl die Keimzelle zumindest der Weiterführung dieses alten Brauches gewesen ist.
Schaut man sich in den veröffentlichten Schriften der Volks- und Heimatkunde unter dem Stichwort Peitschenknallen genauer um, so wird es im ganzen mitteleuropäischen Raum als ein Mittel angesehen, mit dem früher der Winter vertrieben und der Frühling begrüßt werden sollte. Insbesondere von den deutschen Mittelgebirgen bis in den Alpenraum ist dieser Brauch flächendeckend anzutreffen, auch wenn sich die Art und die Größe der verwendeten Peitschen sehr unterscheidet bzw. unterschied.
In manchen Quellen ist auch das Vertreiben von bösen Geistern und/oder von Wölfen als ein zusätzlicher der Grund für das Knallen mit den Peitschen angeführt.
Von Konrad Krämer - dem Ostmarkonkel - haben wir eine Zusammenstellung ausgestorbener Berufe und darunter befindet sich auch eine Beschreibung über das Leben und Wirken der "Waldhirten".
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| StA Kötzting Manuskript von Conrad Krämer |
Die "Goißln" der Kötztinger Männer - früher Mitglieder des Trachtenvereins und heutzutage unter dem Dach des Burschen- und Wanderervereins - sind im Vergleich zu den in anderen Landstrichen gebräuchlichen Peitschen besonders große - respektive - lange Exemplare.
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| DIA-Repro 71119 von links Baumann Sepp, Liebl Ferdl, Bielmeier Mich, Radlinger Josef geb 1914 |
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Schon im Jahre 1926 findet sich anlässlich einer Gautrachtenversammlung ein Hinweis auf das Pfingsttuschen: (KA vom Juni 1926)
"Viechtach. (Trachtenverein) Werbetag.
Am 12. und 13. Juni ds. Js. wird hier unter Mitwirkung vieler auswärtiger Trachtenvereine vom Volkstrachtenverein „Waldler“ Viechtach ein Werbetag veranstaltet. Das Programm für diesen Werbetag sieht für Samstag abends Begrüßungsfeier mit Aufführung historischer Tänze vor.
Sonntag früh halb 6 Uhr ist Weckruf nach Waldlerart (Pfingsttuschen), vormittags Gottesdienst mit anschließender Gefallenenehrung, nachmittags großer historischer Festzug, abends Festball. Im Hinblick darauf, dass diese Veranstaltung eine Belebung des Heimatgedankens bedeutet, dürfte mit einem guten Besuch zu rechnen sein.
Zusätzlich belegbar sind die "Tuscher" in unserem Raum auch mit der Gründung und Konsolidierung des Kötztinger Trachtenvereins zu Ende der Zwanziger ( genauer am 20.3.1927) und Anfang der Dreißiger Jahre.
In der Chronik des Trachtenvereins findet sich bereits im Mai 1929 - in Hinblick auf den bevorstehenden Pfingstritt - der Beschluss, dass "nach dem Zapfenstreich und auch am Pfingstmontag der Pfingsttuscher auftreten" sollten.
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| Archiv Sperl, Chronik des Trachtenvereins Kötzting |
Zusammen mit dem Pfingstl, dem Kötztinger Wasservogel, gehörten die Pfingsttuscher zum festen Repertoire der Kötztinger Trachtler, mit dem sie im Jahre 1936 regelrecht auf Tournee gegangen waren. Überliefert sind große Auftritte beim "Kongress für Freizeit und Erholung in Hamburg und bei den Olympischen Spielen in Berlin. Bei der Eröffnung des Berliner Olympiastadions standen die Kötztinger Pfingsttuscher dann sogar mitten im großen Rund und führten der Welt ihr Können vor.
Auf einem - leider nur als Zeitungsfoto erhaltenen - Bild sehen wir Conrad Krämer d.A. - Ostmarkonkel - mit zwei seiner "Kreationen", einer langen Goassl und dem Pfingstl, noch in der alten Variante sowohl mit einem Strohrock als auch mit Fichten/Tannenzweigenl.
Eugen Hubrich - Kötztinger Ehrenbürger seit dem Jahre 1953 - war Mitte der Dreißiger Jahre Schriftleiter und Autor beim Organ des Bayerischen Waldvereins, der Zeitschrift " Der Bayerwald", die es heut noch gibt und Teil der Gruppe, die nach Norddeutschland fuhr. Er beschreibt bereits die Abfahrt auf dem Kötztinger Bahnhof in einer für ihn typischen und sehr überschwänglichen Art und Weise.
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| Eugen Hubrich in "Der Bayerwald" September/Oktober 1936 |
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| Leider ist die Druckgrafik in den Dreißiger Jahren nicht besonders gewesen..... |
Nach einem für unser heutiges Verständnis nur schwer erträglichen "Jubelbericht" über den Auftritt der Kötztinger auf dem Kongress berichtet Hubrich vom Festzug in Hamburg und auch dies in einer sehr stark national überhöhten Art und Weise:
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| Sammlung Christa Bauer Trachtengruppe der Bayerischen Ostmark mit Franz Zitzelsberger als "Taferlbub" |
Weiter gings mit der ganzen " Mannschaft" nach Berlin:
Das Bild mit Conrad Krämer und seiner "Truppe" in Berlin unter den Linden haben wir auch in unserer Sammlung im Archiv.
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| Sammlung Christa Bauer: Kötztinger Trachtler "Unter den Linden" in Berlin im Sommer 1936 |
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| DIA-Repro 1679 >>>>>> recht im Hintergrund die Pfingsttuscher. |
Dasselbe Bild im drauffolgenden Jahr; Pfingsttraditionen und die Pfingsttuscher - obwohl von Hubrich ausdrücklich so bezeichnet - waren nicht - noch nicht - miteinander verbunden.
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| KU 1949-5 |
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| Foto Schwarz |
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| Kretschmerarchiv: Pfingsten 1957 Umschläge 3 u 4 |
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| Kretschmerarchiv: Pfingsten 1957 Umschläge 3 u 4 |
Pfingsttuscher fielen angenehm auf
Bad Kötzting. Aus Anlass des großen Gäubodenfestes in Straubing nahm am vergangenen Montag der Kötztinger Volks- und Gebirgstrachtenverein mit einer Abordnung von 15 Personen an dem am Nachmittag stattfindenden Festzug teil. Bei allen Teilnehmern wird dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders zu erwähnen ist, dass die Pfingsttuscher an der von Heiterkeit bestimmten Tag innerhalb unserer Volksgruppe angenehm aufgefallen sind. (KU vom August 1955)
Pfingsttuscher wurden umjubelt
na. Kötzting. An dem altherkömmlichen Gäubodenfest in Straubing nahmen auch heuer wieder 20 Kötztinger Trachtler in alter Volkstracht, 17 Pfingstreiter mit ihren Pferden, die eigens in die Gäubodenstadt transportiert werden mussten, und drei Pfingsttuscher (Georg Emberger, Josef Wurm und Pielmeier aus Reitenstein) teil. Sie alle waren im großen Festzug, der fast 100 Vereine zählte, vertreten. Stürmisch umjubelt und begeistert aufgenommen wurden neben den Pfingstreitern auch die Pfingsttuscher, die es zukünftig knallen ließen. (KU vom August 1957 )
Und weiter geht`s mit dem Wechselspiel zwischen Pfingstl- und Pfingsttuschern
Aus dem Frühjahr 1977 haben wir nun eine Bilderserie, die die "Nachwuchsarbeit" des Kötztinger Trachtenvereins dokumentiert, bei der Sperl Poidl versucht, seinen Mannen die richtige Technik beizubringen.
Die Fotos und der dazugehörige Artikel stammen von Frau Renate Serwuschok:
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| Der Meister: Sperl Poidl, 70 Jahre alt, und seine Lehrlinge, Reininger Siegfried, Kreitmeier Karl, Mühlbauer Arndorf |
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| Das Endstück macht die "Musik" |
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| IMmer wieder wird das letzte "Schnürl" erneuert |
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| So steht der Meister |
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| Und so hat der Lehrling - mit Recht - Angst um seine Unversehrtheit |
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| KU vom April 1977 |
Mit Sperl Walter und Kuchler Heini, die sich bereits bei der Aktivierung der Mannschaften für die Maibaumaufstellung hervorgetan hatten und dem Arndorfer Köppl Rudi (aka Schiedermeier) und Sauerer Stefan ging das Pfingsttuschen fast nahtlos auf den Kötztinger Burschenverein über.
| Foto Christa Rabl-Dachs: Johannes Reil |
| Foto Christa Rabl-Dachs: Bastian Breu |
| Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Stefan Nass, Heinz Kolbeck, Korbinian Kühlmeyer, Manuel Moser, Roland Schreiner |
| Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Stefan Seiderer, Simon Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Roland Schreiner, Fabian Wagner, Johannes Reil |
| Foto Christa Rabl-Dachs: Stefan Nass, Stefan Seiderer, Korbinian Kühlmeyer |
| Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Jonas Fechter, Stefan Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Simon Seiderer, Fabian Wagner, Johannes Reil, Stefan Nass |
| Foto Christa Rabl-Dachs: v.l. Roland Schreiner, Fabian Wagner, Johannes Reil, Simon Seiderer, Korbinian Kühlmeyer, Stefan Seiderer, Jonas Fechter, Stefan Nass |
| Foto Christa Rabl-Dachs: Johannes Reil |
| Foto Christa Rabl-Dachs: Korbinian Kühlmeier |
Ein Dutzend Mitglieder
Denn seit dem ersten Aufruf zum gemeinsamen Training auch für Neulinge habe sich viel getan, sagt Korbinian Kühlmeyer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Ein bis zwei neue Tuscher seien seit dem öffentlichen Aufruf jedes Jahr dazugekommen, zwei 16- und 17-jährige Mitglieder aus dem Burschen-Wander-Verein erst noch dieses Jahr. „Die Werbung im Verein läuft“, freut sich Kühlmeyer sichtlich.
Aber natürlich könne es nie genug Pfingsttuscher geben, weshalb bei den Trainings am Jahnplatz auch jetzt jederzeit Interessierte willkommen seien. „Zwölf junge Burschen, die die Goaßl bereits beherrschen, zählen zu der Truppe, plus die beiden Neuzugänge.
Nicht nur Pfingsten im Einsatz
Die meisten Einsätze hätten sich natürlich rund um die Pfingstfest-Tage in Bad Kötzting, weiß Kühlmeyer. Alleine darum sei es wichtig, dass die Zahl der Mitglieder der Truppe hoch bleibe. Aber auch zu anderen Gelegenheiten, etwa wenn befreundete Burschenvereine feierten oder auch beim Frühlingsfest des Burschenvereins dieses Wochenende, kämen sie zum Einsatz. Dieses Jahr stehe für einen besonderen Auftritt auch die Lagergartenschau in Furth im Wald auf dem Terminplan der Pfingsttuscher: Am 12. und 19. Juli wird es nachmittags ein Pfingsttuscher-Workshop mit Vorführungen geben.
Was die Gruppe der Tuscher besonders freut, erzählt Kühlmeyer sich, ist, dass es mittlerweile auch schon Anfänger aus anderen Orten geben habe, wo sich junge Menschen für das Tuschen interessieren. Anfragen, denen man gerne nachkomme, wie er sagt: „Wo die herkommen, ist uns ja erst einmal egal, uns geht es darum, die Tradition weiterzugeben.“
Mit etwas Taktgefühl könne das Tuschen übrigens so gut wie jeder lernen, und Angst vor Verletzungen brauche auch niemand haben, sagt Korbinian Kühlmeyer. Darum müsse auch niemand mit einem Helm oder ähnlichen „Schutzeinrichtungen“ zum ersten Training kommen. Nur feste Schuhe, etwas handwerkliches Ding sein, weil ein fester Stand wichtig sei, da die Drehung aus dem Oberkörper kommen müsse. Er selbst verbrauche daher etwa zwei Jahre ein paar Haferlschuhe, schätzt Korbinian Kühlmeyer.
Was für die Pfingsttuscher dabei bleiben möchte, der könne sich seine eigene Goaßl über einen Kontakt einer Seilerei in Österreich besorgen – die sei nicht viel teurer als ein paar Haferlschuhe.
Also, nichts Wunder, wenn es in den kommenden Wochen wieder einmal etwas lauter wird am Samstagabend. Es sind dann nur die Pfingsttuscher, die schon einmal für die Auftritte an den Festtagen (und darüber hinaus) üben, um die zahlreichen Umzüge an diesen Tagen anzukündigen.
Nach diesem Jahr davon geht Kühlmeyer aus, könne die Leitung der Gruppe nach zwei Jahren hätten dann auch in jüngere Hände gegeben werden, wo sie schließlich auch hingehöre.
| Foto Pongratz: vor dem Einzug in den Hof des Hotels zur Post. |
| Foto Pongratz: beim Bierzelteinzug |
| Foto Pongratz: beim Bierzelteinzug |
🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.
⭐ Pfingstritt
Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting oder auch unter der Markergruppe Vereine und Veranstaltungen beim Burschen- und Wandererverein.
Viel Freude beim Entdecken!









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