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Samstag, 10. Februar 2024

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 67

  Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen.

Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik.
Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt können von der Teilung der Urhöfe bis hin zur Auswahl als Landgerichtsort in einem einleitenden Blog nachgelesen werden.


alte Hausnummer 67
--- eingegangen ---



Diesem kleinen Haus am linken Regenufer war nur eine sehr geringe Lebensspanne als eigenständiges Gebäude beschieden. 
Grundsätzlich entstanden im Jahre 1804 durch ein Abspaltung, war es vermutlich im Jahre 1811, bei der Erstellung des Häuser- und Rustikalsteuerkatasters, eine noch viel zu unfertige Baustelle, als dass die Behörden dafür eine eigene Hausnummer vergeben hätten. 
Anders dann 1840, im Grundsteuerkatasters war es zwar als eigenständige Hausnummer aufgeführt, befand sich aber bereits - wiederum - in Besitz des Nachbarn, damals des Lederers Leonhard Jungmann.
Auch im nächsten Katasterband - 1860 - blieb die Situation unverändert, das Häuschen hatte seine eigen Hausnummer, gehörte aber zum Gesamtbesitz des Lederers Lukas.
Bereits mit dem revidierten Kataster von 1910 endete das Eigenleben des Hauses als eigenständiges Anwesen bereits wieder. Dort ist die alte Nummer 67 nur mehr als eine kleine "Randnotiz"  - des eigentlichen Anwesens mit der Nummer 68 - vorgetragen.
StA Landshut Grundsteuerkataster 5054 


Stoiber Josef und Katharina


Seit dem 17.7.1780 waren der Thürnhofener Josef Stoiber und dessen Frau Katharina  die Besitzer des Rotgerber- und Ledereranwesens gleich am Regen und 15. Mai 1804 entschieden sich die beiden, sowohl einen Teil ihres Grundbesitzes an die Färbersfamilie Kraus zu veräußern, wie auch ihr Gebäude aufzuteilen.
Im Vertrag vor dem Magistrat ließt sich das folgendermaßen:
"... von ihrer Bürgerlichen Behausung den südlichen Teil von der Mitte des Flezfensters bis zur Mitte des Kuchelfensters an abschneiden  und wo sofort eine Neue Scheidewand entstehen muss,  nebst dem oberen Stockwerk in der neml. Weite und Länge, dann den  Hausboden bis auf den Durchzug wo ein neuer Verschlag auf Kosten  des Käufers angebracht werden muss.
Die Kuchel wird auf diese Art gemeinschaftlich und die beiden  Contrahenten machen sich verbindlich, auf gleiche Kosten hirin eine Scheidewand aufzuführen, der Kamin ist auf diese Art  ebenfalls commun."
Die beiden Familien Stoiber und Greinel also bekamen quer durch ihre Küche nun eine Scheidewand, um den einen Kamin somit gemeinsam benutzen zu können. 

Greimel Anton und Elisabeth Millner


800 Gulden musste Anton Greimel/Greinel/Kreiml für diesen abgetrennten Hausanteil im Jahre 1804 bezahlen. Vier Jahre zuvor hatte der Tuchmachersohn Anton Greimel aus Frontenhausen mit der verwitwete Kötztinger Insassin Elisabeth Müller/Millner einen Heiratsvertrag geschlossen und ihr darin 150 Gulden an Mitgift zugesagt. Anton "Greiml" erwarb noch im selben Jahr das "kleine" Bürgerrecht Kötztings als Insasse, also als ein Bürger ohne Grundbesitz.
Bevor Elisabeth Müller eine neue Heirat eingehen konnte, musste jedoch zunächst ihren Kinder - aus ihrer Ehe mit Adam Müller - deren väterliches Erbe gesichert werden.
Aus diesem Vertrag kennen wir die Namen dieser Kinder; es waren dies Kinder: Adam, 15 Jahre,  Walburga, 13 1/2 Jahre, Theresia, 9 Jahre und Margaretha, 3 1/2 Jahre alt. Auch die "Tuchmachersgerechtigkeit" und der Vorrat an Ausgangsmaterialien wurden wertmäßig geschätzt und den 4 Kindern gemeinschaftlich mit 500 Gulden an Vermögen zugeschrieben.
Der Tuchmacher Johann Adam Miller war selber bereits ein Inwohnerssohn und nun war es seiner Witwe ermöglicht, zusammen mit ihrem neuen Ehemann sich in Kötzting ein Haus zu kaufen - bzw. zu errichten - und somit Besitzbürger zu werden.
Bei seinem Tode - am 6.1.1799 - wurde Johann Adam Millner als Tütler bezeichnet.
Am 25.2.1800 jedenfalls heirateten "Josef Anton Kreiml", Sohn des Anton Kreimls, eines Panniicius  - also Tuchscherers - aus Frontenhausen, die Witwe Elisabeth Millner.

Die frischen Hausbesitzer blieben jedoch nicht lange auf dem Haus, denn bereits mit dem Juni 1812 haben wir mit dem Johann Reininger den nächsten Bewohner

Johann Reininger  


Schon 3 Jahre - 1815 - danach tauschte dieser das Haus gegen das des Ehepaares Müller, gleich in der Nähe und ebenfalls am Regenfluss entlegen..
Der Tauschvertrag über 350 Gulden, die den Wertunterschied der beiden Häuser ausmachten, enthält auch einen interessanten Passus.
"... daß die Müllerschen Eheleute beym Abzug von ihrem vertauschten Hauß ausser einem Hafen, Tischen und Werkzeug nichts mit sich nehmen dürften, sondern alles was Nagel und Band hält dem Raininger rücklassen müssen, welcher ihnen hierfür baar 28 fl vergütet hat."
Das dieser Passus aufgenommen werden musste, hatte sicherlich seinen Grund, dass vorher manche der Tauschobjekte von Türrahmen, Türblättern und Fensterläden entkleidet worden waren.
Der Spruch von Allem, was nicht "Niet- oder Nagelfest" sei, kommt wohl von solch schlechter Erfahrung.  

Anton Müller und Margaretha Lecker

Von diesem neuen Besitzerpaar haben wir aus dem Jahre 1828 den seltenen Fall einer Bauanfrage zusammen mit einem Bauplan, der uns sogar noch eine Frontansicht des Hauses vermittelt.
StA Kötzting AA XI 67 von 1828

StA Kötzting AA XI 67 von 1828


Anton Müller stellte den Antrag, dass er aus seinem "Stallerl" eine Wohnung bauen dürfe, was seinem Nachbarn, dem Lederer Josef Stoiber aber missfiel.
1. Das Licht zu seiner Werkstatt würde ihm dadurch genommen.
2. Obwohl der Bau mit Steinen ausgeführt werden solle, sei die Feuersgefahr nicht gebannt.
"Diesen Neufang könne er nicht gestatten und zwar um so weniger, als Müller ohnehin nur ein halbes Leerhaus besizt und auch diese zu errichtende neue Wohnung wieder abtrümmern und verkaufen würde."
"Unterzeichnet Joseph Stoiber"
 Da Stoiber die Sache vor Gericht klären lassen wollte, blieb dem Magistrat gar nichts anderes übrig, als Müller aufzufordern, den Bau bis zur Klärung der Frage einzustellen und wird ebenfalls auf den Rechtsweg verwiesen.

Leonhard Jungmann



Im April und im März 1840 war es dann auch schon wieder vorbei mit der "Selbstständigkeit" des kleinen Häuschens, denn Leonhard Jungmann aus Straubing erwarb kurz hintereinander sowohl das Haus mit der Nummer 68 von Wolfgang Ludwig, als auch das kleine (Anbau)Häuschen des Anton Müller.

StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 Umschreibeheft
"Den 2ten März 1840 verkaufte Wolfgang Ludwig in Kötzting das Wohnhaus mit Stall, Stadl und realer Rothgärbers Gerechtsame, dann 2 Gärteln um 2400 fl als ludeigen an Leonhard Jungmann in Straubing ohne sonstige Aenderung."


StA Landshut Rentamt Kötzting B 28 Umschreibeheft
"Den 15. April 1840 verkaufte Anton Müller in Kötzting an Leonhard Jungmann von da sei ludweigenes Wohnhaus nebst Gärtl um 700 fl ohne sonstige Veränderung."



StA Landshut Grundsteuerkataster von 1840
Im Mieterkataster desselben Jahres wurde bereits nicht mehr zwischen den beiden Hausteilen unterschieden, und, nachdem in der Tabelle auch keine Mieter ausgeführt sind, hatte er wohl die beiden Hausbestandteile tatsächlich wieder zu einer Einheit zusammenfassen können, was ja vermutlich nur bedeutete, dass er die Küchentrennwand wieder hatte entfernen lassen.
Nichts desto trotz sind in der Hausbeschreibung noch beide Hausnummern aufgeführt sind.
StA Landshut Grundsteuerkataster 5045
"Leonhard Jungmann bürgerlicher Lederermeister
/:Hauseigenthümer:/
HsNo 67 I 2 Wohnzimmer, 1 Küche und 1 Kammer
HsNo 68 I 2 Zimmer, Kammer,  Küche dann Werkstätte und 1 Laden, Hausboden unterm Dach

2. Nebengebäude
1 Scheune mit Durchfahrt und 2 Trockenböden

3. Nebengebäude
1 Holzschupfe"

Gerhard Lukas


Im renovierten Katasterband von1860 ff heißt es unter der Nummer 67 mit dem Besitzer Gerhard Lukas dann nur noch kurz und bündig:
StA Landshut Grundsteuerkataster 5054 

"Nach Anmeldeprotokoll No 216 und Brief vom 20ten April 1855 von Leonhard Jungmann mit dem Anwesen HsNo 68 um 5300 fl erkauft."

Und so wurde dieses kleine Häuschen 36 Jahre, nachdem es seine Selbstständigkeit erlangt hatte und sogar eine eigene - weil genau zu diesem Zeitpunkt in Bayern die Haus- und Plannummern vergeben worden waren -  Hausnummer "ergattern" konnte von seinem "Altanwesen" wieder eingefangen und in den Baukörper so weit wieder integriert, dass man heute keine Spuren des Eigenlebens mehr erkennen kann.

Am Ende nur noch ein paar Bilder des "Lukasanwesens"

DIA-Repro 396 

DIA-Repro 397

Foto Josef Barth




Hier eine Meisteraufnahme von KB Krämer



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