Das, was wir in den letzten beiden Jahren - weltweit - durchgemacht haben, gab es auch bereits in früheren Jahrenzehnten und Jahrhunderten.
Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen, möchte ich daran erinnern, dass schon einmal der Pfingstritt umgeleitet hatte werden müssen, weil im Zellertal eine Viehseuche ausgebrochen war, (Damals ging der Ritt dann nach Schönbuchen).
Dann hatten wir zum Beispiel einen verheerenden Seuchenzug im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, von dem Martin Demmerl seinen Chef berichtete und dem viele Bewohner Kötztings und des Umlands zum Opfer gefallen waren.
Aus dem Zeitraum des 30jährigen Krieges, kennen wir Berichte über viele Ausbrüche der Pest, die dann sogar zum Bau eines neuen Friedhofes in Kötzting geführt hatte. (Nun der Alte Friedhof)
Aus den Marktrechnungen Kötztings der Jahre 1679 und 1680 kennen wir nun sogar die (baulichen) Maßnahmen, die der Markt damals ergriffen hatte, um sich und seine Bewohner vor
StA Kötzting Marktrechnung von 1679 |
der "Contagions Leüff" zu schützen. (also der Ansteckungswelle) zu schützen
Hier nun die Maßnahmen im einzelnen:
1679:
Erstgemelter Taller (eigentlich ein Hufschmied auf der späteren Drunkenpolzschmiede wurde in einem Rechnungsbeitrag oberhalb für die Lieferung von Dachschindeln bezahlt) hat zu dennen Wachtheißern, Markhtthorn und Dierln, so wegen der Contagions Leüff Auf: und Zuegerichtet werden müessen, Inhalt der Zöttl 310: Lattennögl gemacht und hergeben, darvon ihme bezalt worden umb iedes Hundert 24 xr träfft 1 fl 14 xr 4 H:
Von Aufrichtung solcher Wachtheißer, Verwahrung der Thor, machung der Schranckhpaum, und andere dergleichen Arbeith wie es der zöttl weißt, hat beeden Zimmermaistern Simon Stainpöckhen und Caspar Staudacher bezalt werden müessen 5 fl 54 xr
Hier ist also die Rede von mehreren Markttoren, die nun mit Wachthäusern versehen werden und von Schrankbäumen, also beweglichen Schranken, die an den Ortszufahrten eine Kontrolle ermöglichen, bzw. die Einfahrt zuerst einmal ganz verhinderten sollten.
Vom Neigerschmied zu Neukirchen seindt zu dennen Schranckhpaumen 4 Vorhengschlößer erkhaufft und darvor bezalt worden 1 fl 13 xr
Ein "Neiger" ist eine langer Bohrer.
4 Markttore hatte Kötzting, da würden die 4 abschließbaren Schranken sehr gut passen.
Ingleichen Adamen Schwölbmern burger und Crambhandlern alhir, umb 600 zu dennen Wachtheißern und Thorm bedürfftigen Prötnöglen wie solches das Zöttl zuerkhennen gibt 1 fl 30 xr
Andren Lehner Schreiner, hat 6 hilzerne Täfel gemacht worauf man die Banifirte Örtter geschriben, und solche vor die Thörr gehenckht, warfür er eingenommen 10 xrNachdeme wegen der laidtigen Contagion grosse Sorg und Gfahr verhandten gewest, hat man uf Schluß aines ganzen Rhats, dem H: Gross Martyrer Sebastiano zu Ehren, umb Vorbitt und Abwendtung dem ain h: Ambt und zwo h: Messen halten: und lesen lassen, derentwillen hat Herr Pfarrer und die Khürchendienner nach Außweiß Scheins empfangen 3 fl 41 xr
1680:
StA Kötzting Marktrechnung von 1680 |
Hannsen Poll Mauerer, welcher under dem Thor bay der Markhtmüll, ain außgebroches Loch vermauert, ain halb Taglohn entricht mit 9 xr
Diese Mauererarbeit muss nicht unbedingt mit den folgenden Schutzmaßnahmen zusammenhängen, erzählt uns aber ein kleines Detail aus dem alten Kötzting. Das Markttor an der Brücke (Oberbergerbrücke) war also marktseitig angebracht und stand auf einem gemauerten Sockel.
Bei den Wachtheisl vor den Thorn, hat man 100 gannze Pröttnögl vonnetten gehebt, destwegen dann Hannß Greymueth die bezallung erhalten mit 16 krzVOR jedem Tor stand also nun ein Wachthaus- vermutlich eher ein Schilderhaus -, die nun wieder instand gesetzt werden mussten.
den 21. Febr: Veithen Immerl Schreinern umb 2 gemachte Aushenckh Täffl, warauf die inficirte und Bannifirte Ortt geschriben worden bezalt.
Arnold Paar Schlossern vor ain gemachtes Schlössl vor die Schranckhpaumb bezalt. 2 krz
Ein neues Jahr braucht neue Anschlagtafeln, auf denen die gefährlichen Ortschaften (nun sprach man bereits von "infizierten" Orten) aufgelistet waren und erneut wurden Schlösser benötigt, um - vermutlich nachts - die Straßen zu sperren.
Die Seuche grassierte und immer neue Ortschaften wurden unter einen "Bann" gestellt, von denen vermutlich weder Fuhrwerke noch Waren eingeführt werden durften.
Zur Abschreckung der Torwächter wurde auch die Bewaffnung aufgerüstet: Von Zuerichtung ainer Hellenparthen hat Schlosser Arnoldt Par empfangen 6 krz.
Nachdeme die vorhero gemachte Tafl vor dem Thörn warauf die Bannifirte Örther aufgezaichnet; zu clain worden und wegen der je lenger je mehr specificirten örther, kain spatium mehr vorhandten, gewest, hat man zu dem Endte 5 neue grössere Tafl machen lassen: und dafür dem 9. August Wolfen Immerl Scheiner bezallen müessen 30 krz
Die Anschlagtafeln waren zu klein geworden und so musste 5 neue, größere her.
Und wieder mussten die - vermutlich provisorisch zusammengeschusterten - Wachthäuser und Markttore repariert werden.
Im Heft 2021/3 von "Der Bayerwald" des Bayrischen Waldvereins beschreibt Herr Perlinger, der frühere Stadtarchivar von Furth im Wald die Schanzanlagen im Grenzgebiet bei Eschlkam.
Hier ein kleiner Ausschnitt, in der er von einer "drohenden Seuchengefahr" aus Böhmen berichtete, die zur Neuerrichtung bzw. Reparatur der Schanzanlagen und Wegverhaue führte.
Ausschnitt aus "Der Bayerwald" 3/2021 |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.