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Dienstag, 18. August 2026

Ein Bild und seine Geschichte ..... die Kötztinger Stadtwaage

 Im Jahre 1956 erhielt die Stadt Kötzting eine technische Errungenschaft, die

Stadtwaage

Nun konnten die vielen Schlachttiere – Kötzting hatte damals noch mindestens sechs aktive Metzgereien mit eigenen Schlachthöfen, ganz zu schweigen von den zahlreichen Privatschlachtungen bei einigen Gastwirtschaften – auch gewogen werden. Interessant ist allerdings die Frage, wo diese Tiere gewogen werden mussten, bevor es diese öffentliche Waage gab.

Die neue Einrichtung wurde jedenfalls gut angenommen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass in späteren Jahren Frau Kolbeck (Gams) diese Waage bedient hat.

Das Gebäude - bzw. der Ort auf dem das heutige Gebäude errichtet ist und heutzutage eine Filiale des Chamer Finanzamtes - hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Hier stand einmal das Pfarrwidtum und danach einmal das Kötztinger Gefängnis. Hier saß bereits der Räuber Heigl ein und hier gelang ihm in den Anfangsjahren sogar seine berühmte Flucht. (Es ist die Geschichte mit dem vergessenen Hut.).

Foto KU von 1956




KÖZ vom August 1957


In einem Beitrag der Umschau aus dem Jahre 1956 wird auch die Situation in Kötzting beschrieben, wo und wie in Kötzting die Schlachttiere gewogen wurden, bevor es die Stadtwaage gegeben hat. >>>> im Rathaus(!)

"na. Kötzting. Ein Jubiläum, das in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden kann, weil man einfach nicht daran denkt, kann die städtische Waage feiern. Vor 30 Jahren wurde das Wiegehäuschen beim Gefängnis erbaut und die erste damals schon gebrauchte Fuhrwerkswaage angeschafft, die bis 1956 treue Dienste geleistet hat. Vor 1928 wurde das Kleinvieh im Erdgeschoss des Rathauses gewogen. Diese Viehwaage bestand auch noch, als die Fuhrwerkswaage gekauft worden war. Sie wurde erst aus der historischen Umgebung verdrängt, als 1937 der Umbau des Rathauses erfolgte.

Viele Kötztinger werden sich an diese gemütlichen Zeiten noch erinnern können. Damals hatten also tatsächlich zum „Obersten Verwaltungsgebäude“ der Marktgemeinde Kötzting Schweinchen und kleinere Rindviecher Zutritt. Nach dem Erwerb der gebrauchten Fuhrwerkswaage von der Baywa wurde das Wiegehäuschen gebaut. Ein prachtvoller Kastanienbaum musste zu diesem Zweck fallen, und viele, die in diesem Baum, noch dazu dem Wappenbaum Kötztings, ein Schmuckstück für den ganzen Ort sahen, konnten sich nicht recht damit abfinden, dass er einem solchen Projekt weichen sollte. Heute kann man das Wiegehaus wirklich nicht als störend oder gar als einen Schandfleck bezeichnen. Es ist ein nettes kleines Gebäude, dessen große Fenster sich vor allem während der warmen Monate mit ihrem Blumenschmuck sehr gefällig ausnehmen.

Die im Haus selbst untergebrachte Viehwaage weist eine Traglast von 26 Zentnern auf. Die 1956 neu gekaufte Autowaage hat ein Tragvermögen von 20 Tonnen. Sie ist also auch für Lastwagen geeignet. Wir haben uns mit Herrn Rieger, dem seit fast zwei Jahren tätigen Wiegewart, ein wenig unterhalten und erfahren, dass er wöchentlich mindestens 40 und höchstens 80 bis 100 Wiegungen vorzunehmen hat. Für Kötzting eine sehr beachtliche Anzahl. Hochbetrieb herrscht vor allem am Schlachttag, also jeden Montag, wenn Händler und Metzger die Schlachttiere wiegen lassen. Im Wochendurchschnitt könne man mit 30 bis 40 Schweinen, fünf bis zehn Kälbern und fünf bis sieben Rindern rechnen.

Neben diesen Wiegegeschäften falle hauptsächlich noch das Wiegen von Brennmaterial, von Nutzholz, Stroh und Heu an. Im Herbst komme noch Tannenreisig hinzu. Nicht selten bringt auch die Polizei die „Kunden“. Dann müssen Lastzüge, bei denen eine Überladung vermutet wird, das Gewicht feststellen lassen. Meistens bestätige sich die Annahme der Polizei. Auf diese Weise ist die städtische Waage auch ab und zu ein ausführendes Organ der Hüter des Gesetzes, das keiner Täuschung unterliegt, sondern mit oft rücksichtsloser Genauigkeit anzeigt, wie „gewichtig“ die Schuld des ertappten Verkehrssünders ist. Wenn man die Lasten, die diese Waage im Laufe der Jahre zu tragen hat, addieren wollte und könnte, ergäbe sich bestimmt ein sehr respektables Gewicht.  "





Serwuschok516 1970-8-9-x Nr. 47 Interessant ist hier auch das längst abgerissene Rückgebäude des
Hotels zur Post. Bild vom August 1970
 

Obwohl die Straße an dieser Stelle – vor allem wegen der in Kötzting damals mitunter üblichen, unvernünftig schnellen Fahrweise seiner Bewohner – sehr unübersichtlich war, wurde dieser Platz aufgrund seiner zentralen Lage gern als Treffpunkt für Busreisen genutzt.
Serwuschok006 1973-10-30  Der Kötzting Waldverein trifft sich für einen Ausflug. 

KU Juli/August 1969  Abfahrt einer Kötztinger Reisegruppe 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden. Das Marker steht in der Karte dort, wo früher die Marktwaage stand.

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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