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Samstag, 2. Mai 2020

Kötztings Häuserchronik - Hausnummer 1 - die Torschmiede

Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 158 Anwesen.
Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren ist das Ziel dieser Häuserchronik.
Die Anfänge und die Entwiclung Kötztings können von der Teilung der Urhöfe bis hin zur Auswahl als Landgerichtsort in einem einleitenden Blog nachgelesen werden.

Hausnummer 1 

Der Kuglmeierschmied


 
Hans Kuglmeier sen.  Repro Nr. 369 Arbeitskreis Heimatforschung Kötzting


Es kommt nicht von ungefähr, dass die Schmiede vor dem obern Tor im 19. Jahrhundert bei der Landvermessung und der Anlage der Grundsteuerkataster die Hausnummer 1 bekommen hat. In vielen Bürger- Steuer oder Militärabgabenlisten, die sich über die Jahrhunderte angesammelt haben, beginnt der Schreiber offensichtlich "oben" beim ersten Gebäude nach dem Chamauer Tor mit der Zählweise und arbeitete sich die linke Marktstraßenseite hinunter. 
Manchmal hilft aber auch eine zusätzliche Ortsangabe "Schmiede bei dem obern Tor" oder ähnliches, um den Besitzer "festnageln" zu können
Ausschnitt aus der Uraufnahme von 1832: die Torschmiede  - Hausnummer 1 - war bis zum Marktbrand von 1867 innerhalb der Marktbefestigung

 Die Schmiede waren in der damaligen Zeit unverzichtbar für ein Gemeinwesen. In manchen Orten wurden die Schmiede in den Ehehaftordnungen aufgeführt. Das bedeutete unter anderem, dass der einzelne Schmied gewisse Pflichten zu erfüllen hatte, dass er aber andererseits auch eine gewisse Monopolstellung beanspruchen konnte und die Dorfbewohner nur bei ihm arbeiten lassen mussten.
Die Schmiede wurden hier in Kötzting in Huf-, Hammer- und Waffenschmiede eingeteilt, wobei es sich bei den Waffen- und Hammerschmieden eher um Werkzeugmacher  handelte.
Der Schmied am obern Tor war in erster Linie ein Hufschmied, schmiedete aber auch Werkzeuge.



1450:  "Jorg Smidn by dem Tor" zahlt für die Schmiede und "item von dem Pad". In dieser Zeit gab es noch nicht durchgängig die heutige Namensgebung von Vornamen und Nachnamen, hier hieß er eben der "Schmied Georg" (HaStA München KL Rott 112)
Unser Jörg Schmied hatte auch noch die Honigwiese in "Pacht. Nachdiem dieser Flurname mehrmals in Kötzting vergeben
worden ist, kann ich dieses Grundstück (noch) nicht eindeutug verorten.

1534: kennen wir wieder einen Jörg Schmied (sicherlich eine oder zwei Generationen dazwischen und auch nicht sicher, ob dieser auf derselben Schmiede gearbeitet hatte), der in der Kastenamtsrechnung erwähnt wird, als er aus einer Eisenstange ein, nicht näher beschriebenes, "Werkzeug" hergestellt hatte.
 In den folgenden Jahren tauchen die Kötztinger Schmiede regelmäßig bei Reparaturarbeiten am Pflegerschloss und am Amtshaus auf, ohne allerdings die Handwerker einem einzelnen Anwesen zuordnen zu können.

Diese Zuordnung klappt erst wieder im 17. Jahrhundert, und ab hier können wir auch die lückenlose Besitzerliste bis herauf in die Gegenwart zusammenstellen.
Nach der vollkommenen Zerstörung Kötztings im November 1633 dauerte es eine Weile, bis sich das Leben wieder normalisieren konnte, die Häuser wieder bewohnbar waren und das Leben wieder in - für damalige Verhältnisse - ruhigeren Bahnen laufen konnte.

Michael Wutzlhofer

Ein sichtbares Zeichen für eine beginnende Normalisierung der Lebensumstände ist sicherlich, wenn Handwerker wieder beginnen, Lehrlinge auszubilden. Schon seit Ende der 1640er Jahre taucht Michael Wutzlhofer in den verschiedenen Rechnungen des Landgerichts als Lieferant und Handwerker in Sachen Eisen auf und 1653 lässt er vor dem Magistrat und seinen Handwerkskollegen einen Lehrvertrag protokollieren. Ein Lehrvertrag bedeutete für die Lehrlinge damals, Lehrgeld zu bezahlen. Der Lehrherr verpflichtete sich dazu, ihn auszubilden und am Ende der Ausbildung freisprechen zu lassen. 

Staatsarchiv Landshut
Markt Kötzting P1

Aufnembung eines Schmidthandtwerchs,
Michael Wuzlhover Schmidt beim obern Thor, stelt seinen Lehrjungen Hansen Wolfsperger bey Cammerer und Rathe, im beyswesen zwayer maister, Andreen Prändl (Hammermühle) und Hans Stöckhl (Dachauerschmied in der Metzstraße) beede Schmidt und burger auch Hans Höchten wagnern und burgern alhir, vor, das er denselben, wie Handwerchs gebräuchig zway jarlang Lernen will, welche Jahr sich verwichen Neue Jahr anfangen, und sich zu solcher Zeit Anno 1655 widerumben enden sollen, und gübt zu Lehrgelt 8 fl halbentheill auf ano 1654 völlig zuentrichten, dann so gübt Lehrjung für allerley bemühung 1 fl Item dass aufdingen, ledig zellen und Lehrbrüef zallen beede Theil zugleich, und zu der ledig zellung soll der Maister dem Lehrjungen ain Beschlag Zeug hergeben schuldig sein, desswegen beede Thaill dem Ambtskammerer das Handtglüb geben, deme also nachzekhommen
Actum den 22. Jenner Ano 1653
Die Schmiedelehre dauerte damals also 2 Jahre und die 9 Gulden (8+1) waren in der direkten Nachkriegszeit des Dreissigjährigen Krieges eine äußerst anspruchsvolle Summe Geldes.
Wu(r)tzlhofer Michael tauchte bereits ab Ende der 40er Jahre des 17. jahrhunderts immer wieder in den verschiedenen Rechnungen der Behörden auf.

Lärnbecher Georg (Besitzer)


Wutzlhofer Michael scheint seinen Teil des Lehrvertrages nicht eingehalten zu haben (gewollt oder ungewollt) da bereits im Jahre 1654 als Besitzer der Schmiede der Wiesmüller Lärnbecher Georg auftaucht, der SEINE "Schmittstatt am obern Tor" kostenlos an den Grafenwiesener Hufschmied Hans Müller verstiftet. Eine Hinterstube mit Kammer und Boden behält sich der Besitzer vor und die einzige Auflage für den neuen Schmied ist, dass dieser "ime Lärnpecher diss Jahr bei der Müllen, Saag und Hof zu Gadstorf alle Schmidtarbeith verrichten solle."  Staatsarchiv Landshut
Markt Kötzting P1

Müller Hans (Pächter)

Alle Lebenszeichen, die diese Handwerker hinterlassen haben, sind ausschließlich Bemühungen beim Pfleggericht und beim Markt Kötzting. Die Geschäfte mit Privatpersonen haben natürlich keinen Niederschlag gefunden.
Gleichzeitig geben uns aber die Leistungen bzw. die Lieferungen an das Landgericht auch einen Einblick in manche (kleinen) Baudetails. So wird Hans Müller 1655 mit 29 Kreuzer für "105 starke Nögl und 2 große Eiserne Ring zu der Aufzugsbrücke" bezahlt. Anders als heutzutage, wo wir über einen aufgeschütteten Damm in die Kirchenburg hineingehen/fahren können, war die Burg damals mit einer Aufzugsbrücke gesichert. In der Point (also der Bereich zwischen dem heutigen Gesundheitsamt/Finanzamt und der TCM-Klinik) standen damals der kurfürstliche Zehentstadel, und beim Zehenteinfahren der Pfleggerichtsuntertanen waren zwei Torbänder zerbrochen,welche der Schmied wieder repariert hatte.
Ähnlich wie heutzutage auch, musste der Meister aber seine Befähigung erst mal nachweisen. Am 30.4.1655 wurde im Kötztinger Verhörsprotokoll niedergeschrieben:
AA X 32:
Verhör gehalten den 30. Apprill, sein gesessen die 3 Cammerer, dann Sigmund Raidt, Hans Schreiner, Ander Pillich und Jakob Passauer.





Geschäfft: Lehr: und Geburtsbrief bringen
Hannß Müller Schmidt beim Obern Thor, ist auferladen worden, sein Lehr und Geburtsbrief Iner den Negsten 6 Wochen zebringen, deßwegen er georgen Lärnpecher auf der Wißmüll zu ainem Porgen vorgestellt hat, welcher auch das Handtglüb Herrn Camer Fischer geben.
Das Handglüb, das Handgelübde ist der Handschlag anstelle einer Unterschrift

Georg Lärnbecher, der Besitzer der Schmiede, verstirbt 1660 und sein umfangreicher Grundbesitz wird, wie damals üblich, sofot nach seinem Tode in Form eines schriftlichen Inventariums protokolliert.
Stadt A AA XI/13
Weitters haben die eingangs obgemelte Schäzmänner die Schmidtstatt beim obern Thor geschäzt per 200 Gulden
Den Werchzeug aber, dessen ein Pläßbalg, 1 Ampoß, 1 Nagldockhen und 1 Sperhackhen verhanden ist, habens angeschlagen uf 25 Gulden

Von Hans Müller kennen wir aus demselben Jahr einen interessanten Eintrag: Das Spital Kötzting, damals noch im Inneren des Marktes beheimatet und noch nicht über die Brücke hinaus ausgelagert brauchte neue Maße für die Elle - ein Längenmaß - und den Metzen - ein Hohlmaß.
Für die Beschlagung dieser "Normmaße" wurde der Schmied bezahlt.
1664 finden wir im Zusammenhang mit Hans Müller einen der wenigen - eigentlich den einzigen, der mir bekannt geworden ist - Hinweise über Reparaturarbeiten an dem Palisadenzaun. Er wird bezahlt "für die Schmiedearbeith zu dem Vorwerk und Anhefftung der Stakheten". Rentkastenamt Straubing R 2527
Nachdem es nicht wahrscheinlich ist, dass der Staat (Rentkastenamt) Reparaturen an den Holzpalisaden des Marktes Kötzting bezahlt, sind wohl auch Teile der Kirchenburgbefestigung aus Holz gewesen, möglicherweise der Teil, der zum Regen hin absichert.
Nach einigen Streitigkeiten finden wir unseren Schmied auch mal für einen und mal nur für einen halben Tag im Kötztinger Gefängnis, wenigstens sollte er die dortigen "Plech und Stefften an die Penckh im Amtshaus", also die Befestigungsmaterialien für Gefangene, gut kennen, da er für diese Handwerksleistung fürs Amtshaus im Jahre 1664 bezahlt worden war.



Korherr Hans

Im Jahre 1694 leiht sich Korherr Hans, der Kötztinger Bürger und Hufschmied, von der Kapelle Grafenwiesen 100 Gulden für den Kauf der Schmiede und unterschreibt dafür eine Schuldverschreibung. Zwei Jahre später leiht er sich erneut 25 Gulden, diesmal beim Spital in Kötzting, und widerlegt dafür ebenfalls die "Schmiedte beim obern Tor". 1707 veranlasst der Magistrat den Zwangsverkauf der Schmiede - steht seit 5 Jahren unbemayert - an Hans Dachauer, einen Schmied aus Zandt.

 Dachauer Hans


Bei ihm stellt der erste Nachweis in den Dokumenten gleich eine Strafe dar, eine Flachsstrafe.

Flachs zu dörren kann eine explosive Angelegenheit sein, weshalb die Kötztinger Flachsdörre außerhalb des Marktes, in der Ziegelgasse gelegen ist. Nun waren manche Bürger versucht, den eigenen Backofen mit der Resthitze zum Flachsdörren zu benutzen...wurden sie erwischt, dann drohte eine empfindliche Strafe.Leider ist Dachauer Hans kein langes Leben beschieden, bereits 1710 verkauft seine Witwe Katahrina das "Häusl samt der Schmidtgerechtigkeit" um 170 Gulden an den Kötztinger Bürger und Hufschmied


Martin Präntl

Dieser Präntl muss nun mit dem Anwesen auch die darauf lastenden "Hypotheken" übernehmen, die wohl schon seit den Zeiten des Hans Müller auf dem Haus liegen:
20 fl vom Spital
15 fl von Gotteshaus Moosbach
100 fl von der Schlosskapelle Grafenwiesen.
Einschub: Zu diesen Zeiten gab es keine Banken, um sich zu verschulden bzw. um Geld aufzunehmen, sondern es waren die Kirchen, Spitäler und Stiftungen und manchmal auch Vormundschaften , die Gelder zu einem staatlich festgesetzten Zinssatz (5 Prozent) verleihen durften. Es geht aber munter weiter mit dem Besitzerwechsel. Prändtl Martins Tochter Maria Corona (interessanter Vorname) schließt bereits 1703 mit dem Hohenkemater Schmied Weber Jakob einen Vertrag zur zukünftigen Heirat. Zehn Jahre später übergibt der Schwiegervater Präntl die Schmiede (samt all den Schulden) an den Tochtermann. 
Eintrag des Eheversprechens - de futuro - also für die Zukunft zwischen Jakob Weber und Maria Corona Prändtl im November 1703. Pfarrarchiv Kötzting Matrikel 3 Seite 633



Weber Jakob 


In einem ersten Schritt muss Weber zuerst einmal all die Hypotheken auf seinen Namen umschreiben lassen. Jakob Weber war wohl eher ein ruhiger, arbeitsamer Mann, da wir von ihm bzw. über ihn keinerlei Einträge in den Akten finden. Im Mai 1735 verstirbt er, und bereits im September desselben Jahres verkauft seine Witwe die "zugefallene Hufschmiedsberechtigkeitsbehausung vor dem obern Tor sambt Werkzeug und Schraubstock und Kohlen" um 300 Gulden an den Wetterfelder Hufschmied 



Jakob Moosmüller 

 und dessen Frau Anna Maria. Die bekannten Grundschulden werden einfach weitergereicht und die Witwe Weber behält sich:  "das hintere Stibl zur freien Wohnung ad dies vitae", also auf Lebenszeit. Das wird eine lustige Wohngemeinschaft in dem kleinen Haus werden, denn die Witwe hat schon ein kleines Strafregister, "umb sye die Anna Barbara Pachmayrin auch Bürgerin, alda im Tohrn ain S:V: Hurn verscholden". Für diesen Zornesausbruch durfte sie dann 3 Stunden in der Geige ausharren. 


Wie bei all den Schmieden zuvor, finden sich in den diversen Rechnungsreihen nur Kleinigkeiten über deren Lieferungen bzw. Handwerksleistungen. Hier eine Besonderheit, das Petschaft des Marktes, also das Marktsiegel - ein Objekt, das im Inneren Rat immer nur der jeweilige Amtskammerer in Händen hatte - musste neu gemacht werden - 15 Kreuzer kostete das gute Stück. 1745 steht dann der nächste Wechsel an. Das Ehepaar Moosmüller verkauft die Schmiede, nun kostet das gute Stück bereits 400 Gulden - an den "Schmiedemeister unter der bayerischen Artillerie"


Johann Georg Hospach 

 

Im Jahre 1756 verhandelten der Amtskammerer Hospach  und sein damaliger Vizekammerer Luckner mit dem Kloster Rott wegen eines erneuten Mühlenneubaues an einem vom Markt Kötzting gewünschten Standort. Sie versichertem dem Kloster für alle Zeiten gerade zustehen, wenn durch den Sagmühlenbau am danebenliegenden Wiesengrundstück ein Schaden entstünde. Aus dieser, "Herrensäge" genannten, Sägemühle wurde 100 Jahre später auch eine Brauerei und ist heutzutage der Lindnerbräu.

Doch weiter mit unserem Hufschmied. Im Jahre 1763 wird er - als Amtskammerer - Teil eines Streits mit dem Pfarrer Mack. Dieser Streit wird später unter der Ägide des Kammerers Luckner richtig heftig werden. Es geht um eine (Kötztinger) Wasserleitung, die vom Marktbrunnen herunter bis zum sogenannten Schlosswassergrand vor der Kirchenburg reicht. Diese (Kötztinger) Wasserleitung hatte der Pfarrer ohne Rücksprache bzw. Erlaubnis von Seiten des Marktes angezapft (Rhörnstöckhl) und damit Wasser in seinen Pfarrhof (um)leiten lassen.
Interessant an diesem jahrzehntelangen Wasserstreit ist, dass die Quellen für dieses Wasser ausnahmslos auf Kloster Rottischen Grund liegen, die Kötztinger dieses aber als das ihrige betrachten. Auch diesmal wird der nächste Besitzübergang nicht durch eine Generationsnachfolge erzielt. Johann Georg Hospach, der Kammerer und Schmied stirbt am 19.12.1769 und seine Witwe übernimmt im März 1770 durch einen Übernahmevertrag - unter Berücksichtigung der Erbansprüche der Kinder - die Schmiede und schließt nachfolgend einen Heiratsvertrag mit dem aus Grün in Böhmen stammenden Schmiedegesellen

  

                                                    Kuchler Josef (Pächter)


ab. Der Übergabevertrag umfasst eine Summe von nunmehr 996 Gulden.
Für sie und für die drei Hospachischen Kinder werden zur Vertragsunterzeichnung amtlich bestellte Beiständer angeordnet. Franziska Hospach übernimmt die am 14.11.1747 "eingethane: negst dem obern Thor und Mathiaßen Fischer Schreiners Behausung entlegene Hueff- und Waffenschmiedgerechtigkeits Behausung samt der sub dato 5ten Appril 1753 darzue erkaufft und hinder der Behausung entlegene Wurzgärtl, nitminder das weitters gegen Wilhelmb Finckhen zue entlegene kleine Wurzgärtl, ferner der erst kurz ober der nunmehrigen beschlagbrucken erricht sogenannte Neubau, desgleichen all unterm 14ten Merz abhin inventierter Schmidwerchzeug und andere Meubln ohne Ausnamb."
Die Liste der Grundschulden ist schon wieder angestiegen. Und auch einige Rechnungen sind zu begleichen, wobei vor allem eine solche an den Herrn Apotheker in Cham heraussticht, die 11 Gulden ausmacht. Bei einem Umrechnungskurs von ungefähr 1:150 wären das heutzutage stolze 1650 Euro an den Herren Apotheker.
Im Heiratsvertrag bringt der Hochzeiter sein Heiratsgut ein und sie vermacht ihm - erneut unter Berücksichtigung der Erbansprüche der Hospachkinder -  die Schmiede, zumindest auf 18 Jahre, sollte sie eher versterben. Nach Ablauf der 18 Jahre solle er die Schmiede, vorzugsweise an den Sohn Jakob Hospach und sollte dies nicht möglich sein, dann an die Tochter Franziska, übergeben. Bereits im Jahr drauf verstirbt seine Frau und Kuchler Joseph heiratet ein zweites Mal, diesmal Helena Hofmann eine Schusterstochter aus Kötzting.
Als 1777 Franziska, das jüngste Kind der Hospacheheleute verstarb, wird eine Erbverteilung protokolliert und dabei sehen wir, dass der ältere der Buben, Georg Erhard, der beim Tode des Vaters noch als "in München studierend" bezeichnet worden war, nun als lediger Badersgeselle sein Brot verdient und der jüngere Bruder Jakob, der Wunschkandidat der Mutter für die Nachfolge auf der Schmiede, dermalen als Schmied in Landshut in Arbeit ist.
 

 

Kuchler Josef (Besitzer)

 1789 dann haben wir einen Cessionsbrief, in dem Jakob Hospach, nunmehr Häusler in Schachendorf,
auf die ihm - 18 Jahre nach Absterben seines Vaters - zufallende Schmiede verzichtet und sich von seinem Stiefvater eine Restsumme auszahlen lässt.

 

Kuchler Helene (geborene Hofmann)

 

1799 geht der Besitz an seine zweite Frau, Helena über, die Kaufsumme ist mittlerweile auf 2000 Gulden gestiegen. Trotzdem ist Kuchler Josef weiterhin aktiv und steigert beim Verkauf der Grundstücke des aufgelösten Klosters Rott mit; der "kleine Urtlacker", also eine Fläche auf dem heutigen Schinderbuckel, wird sein Eigentum und auch bei der Multererwiese kann er zugreifen.

Den Besitzübergang von den Kuchlers zu den Kuglmeier können wir noch nicht belegen, in der "Neuen Zeit" des Königreichs Bayern endeten die Briefprotokollreihen und damit die "einfache" Methode, um Besitztiteln nachzuforschen.


Kuglmeier Georg und Haselsteiner Anna Maria



Im Jahre 1814 jedenfalls können wir das Schmiedepaar Georg Kuglmeier und seine Frau Anna Maria aus Dörfling bereits über die Geburt ihres ersten (in Kötzting geborenen) Kindes belegen. Frühe Namensvorkommen weisen auf eine Herkunft aus dem Falkensteiner Gebiet hin, in dem die Kuglmeiers bereits im 17. Jahrhundert als Schmiede nachweisbar sind.
Mit Eintritt der Familie Kuglmeier ist es nun aber auch Schluss mit den Verkäufen an andere Schmiede, das Anwesen bleibt ab jetzt in Familienbesitz.Der Ausnahmsschmied Georg stirbt 1846 an AltersschwächeDie Ausnahmsschmiedin Anna Maria wird 89 Jahre alt und stirbt 1865 an Altersschwäche

Kuglmeier Georg und Hastreiter Katharina


1837 erhält der Sohn Georg Kugelmeier das Kötztinger Bürgerrecht, nachdem er von seinem Vater "das Häusl mit Hufschmiedsgerechtigkeit" übernommen hatte. Im selben Jahr heiratet er Theresia Mühlbauer aus Zeltendorf,  die selber aber bereits drei Jahre später verstirbt. Georg Kuglmeier heiratet nun erneut, diesmal Hastreiter Katharina aus Neukirchen, mit welcher er dann einige Kinder hat.
Theresa stirbt 1840 mit 41 Jahren an der Lungensucht
Katharina erleidet einen Schlaganfall 1865
Georg, dann schon in der Ausnahm, stirbt an Altersschwäche 1881

 Kuglmeier Georg und Weber Franziska

1866 heiratet der nächste Georg Kuglmeier seine Braut, Fräulein Franziska Weber aus Oberfaustern.
Diese Generation trifft es nun hart, denn sie erleiden, wie viele, viele andere Kötztinger Bürger einen Totalverlust beim großen Marktbrand von 1867.

 

StaLA Rep 164-8 Nr. 1570 
  Hausnummer 1 Kuglmaier Georg Schmid

Wohnhaus mit Schmiedwerkstätte, 2-stöckig gemauert mit Legschindeldachung, das Mauerwerk unten größtenteils von Bruchsteinen, oben gemischt mit Fachwerk. 
Die Schupfe von Holz mit Legschindelbedachung

 

 

 

 

 

 

 

 

Befund:
Das Umfassungsgemäuer vom allegierten Wohnhaus war ohnehin schlecht hergestellt und hat durch den Brand noch derart gelitten, daß ihm keinerlei Tragfähigkeit zuzutrauen ist, aus welchem Grunde man den Brandschaden als einen totalen erkennt. Die hölzerne Schupfe ist unter der Macht der Flammen spurlos verschwunden, folglich ebenfalls Total=Beschädigung.
Ausmaß der Gebäude:
Länge 45 Fuß
Tiefe 39 Fuß
Höhe von der Planie bis zum First 31 Fuß
Schupfe 17 mal 17.30 Fuß   12 Fuß Hoch
Das ursprüngliche Schmiedeanwesen war also 2-stöckig gemauert und den ersten Stock muss man sich als Fachwerkbau vorstellen, dessen einzelne Fächer dann ausgemauert waren. Bei einer Gesamthöhe bis zum First von knapp 10 m hat das Gebäude dann auch ein sehr steiles Dach besessen, was bei einer Schindelbedachung auch von Vorteil ist.
Nach dem Marktbrand - es war ja nicht der erste - entschloss sich der Magistrat, Feuerschneisen anzulegen und veränderte dabei auch den Straßenverlauf der heutigen Torstraße:



Wie man erkennen kann, fallen dabei die Anwesen 159, 1 und das mit "X" bezeichnete Markttor, das Chamauer Tor, dem Straßenbau zum Opfer.
Dem Torschmied Kuglmeier Georg wurde nun ein neuer Bauplatz angeboten (mit blauem Kreuz bezeichnet), ein Angebot, das er auch annahm. Dieser Bauplatz hatte jedoch seine Tücken.
Das neue Haus sollte auf einem Platz errichtet werden, der jahrhundertelang Teil des Kötztinger Verteidigungssystems gewesen war, die Bollburg.
Dieses System aus Graben, Wall, Palisaden und erneutem Graben war zwar im Laufe der letzten Jahrzehnte gänzlich verschwunden und nur noch der Name "Bollburg" zeugte noch von der alten Wehranlage, hatte jedoch im Untergrund seine Spuren hinterlassen, er war schlichtweg nicht tragfähig.

Im Stadtarchiv sind die alten Sitzungsprotokolle des Marktrates vorhanden und am 13.8.1867 heißt es unter dem Tagesordnungspunkt: Hausbau des Schmiedes Kuglmeier:
Auf erstatteten und mündlichen Vortrag wird einstimmig beschlossen wie folgt:
Nach eingenommenen Augenschein hat man die Überzeugung gewonnen, daß um den ganzen Markt ein breiter Graben gezogen war und dieser vor hundert Jahren eingefüllt worden ist. Auf diesen Graben soll das Kuglmeierhaus erbaut werden. Kuglmeier findet aber keinen festen Baugrund.
Nach Aussage des Bauaufsehers Winkler und Mauerermeisters Wilhelm bleibt nichts überig als Bursten zu schlagen. (Bürsten=Pirsten sind lt. Riepl Hartholzpfähle, die als Fundament in die Erde gerammt werden.)
Nachdem Kuglmeier wegen der Baulinie von seinem Bauplatz verrückt wurde so treffen die Kosten zum Ausbau des Grundes die Commune Kötzting.
Der Baurat Bart(h) wurde daher beauftragt, diesen Bau durch Sachverständige herstellen zu lassen.


Seit 1867 dann steht die "obere Schmiede" an dem Platz, an dem sie heute noch zu finden ist.




Noch in selben Jahr beantragte Georg Kuglmeier, dass an seinem Haus eines der neuen Straßenlaternen angebracht wird, Laternen, die natürlich jeden Abend angezündet und am Morgen dann wieder gelöscht wurden. Die Frage, die geklärt werden musste, war, ob diese Laternen mit Petroleum oder mit Unschlitt (Tierfett) betrieben werden sollten.
Auf bzw. unter dem Torplatz in Kötzting lag eine zentrale Verteilerstelle der Kötztinger Wasserversorgung. Hier trennte sich das "märktische" Wasser für die verschiedenen Brunnen der Marktstraße (bis hinunter zur Kirchenburg) und die Kommunbrauerei von der, die jetzige Holzapfelstraße hinabführenden, Leitung der Schule, Dreger, Lemberger und der übrigen Wasserkäufer im Pfeffergraben. Dieser Abzweig war wohl "etwas" störungsanfällig
Genau an der Hausecke des Anwesens Kuglmeier befand sich der Wasserabzweig, eine Stelle, die sich lt. dem damaligen Kötztinger Wassermeister Holzer "namentlich nach schlechtem Wetter sehr gerne verlegt". In diesem Falle musste die 8 Schuh (=ca. 2,40m) tief gelegene Leitung aufgegraben werden, was immer wieder enorme Kosten verursachte.
Der Vorschlag des Wassermeisters war es nun, "ein gewölbten schlupfteres Kessel" (=ein gemauertes Gewölbe) anzulegen, um das leidige und teure Aufgraben ein für alle Mal zu erledigen.

Stadtarchiv Bad Kötzting 630-1 Abrechnung der Baukosten
530 Stück Ziegel - 3 Zentner Kalk - Sand ist vorhanden
Ich finde es bemerkenswert, dass die Ausführung dieses kleinen Gewölbes mit all den dazugehörigen Arbeiten nur 1 Tag für den Wassermeister und jeweils 2 Tage für einen Mauerer und seinen Helfer gebraucht hat. Um die Baugrube wieder zu schließen, war ja alleine ein Mann einen halben Tag beschäftigt, also war diese gar nicht mal so klein


Georg Kuglmeier baute dann, 15 Jahre nach dem erzwungenen Neubau, sein Haus weiter aus.
StALa Baupläne Kötzting Schachtel 21 Nr- 3131 von 1883
 Es entsteht ein Backofen und die Toilette im ersten Stock wird erneuert.



Hier die Legende etwas vergrößert: Es sind die Nachbarn recht gut zu erkennen:
Kaufmann Lex ist der Vorgänger des Kaufhauses Wanninger
Das Haus mit Garten der Anna Barth ist in eben diesem ausgegangen
Der Bäcker Hofmann wurde später der Lieblbecker
Anton Schreil ist heute Elektro Altmann


Interessant ist weiter noch an diesem Lageplan, dass der heutzutage obere Teil der Gehringstraße hier noch als Fußweg benamst ist.
Im Stadtarchiv befindet sich ein großer Bestand an sogenannten Familienstammbögen, bei denen für jeden Kötztinger Bürger - die Männer als Familienoberhäupter -  ein eigenes Datenblatt ausgefüllt wurde. 
Stadtarchiv Kötzting A 024 Buchstabe "K"
Beim Sohn Johann, der den Betrieb ja dann auch übernahm und damit der neue Hausbesitzer wurde, steht dann der Vermerk: "nun verehelicht, siehe eigenen Familienstandsbogen“.
Tochter Franziska lebte und arbeitete in München und die Tochter Katharina war mit Josef Heimler in Punzendorf verheiratet.
Da Punzendorf ein Ortsteil von Konzell ist, und im Akt des Georg Kuglmeier ein Schriftwechsel aus dem Jahre 1912 mit dem Pfleggericht Mitterfels beiliegt, in dem vermerkt ist, dass "Kuglmeier sich seit 6 Jahren in Konzell aufhalte", steht zu vermuten, dass er wenige Jahre nach der Übergabe an seinen Sohn Hans zu seiner Tochter nach Konzell verzogen ist.



Kuglmeier Johann und Neumayr Anna Maria

Repro 2415 vom Arbeitskreis Heimatforschung ungefähr von 1908
Betrachtet man das Bild, dann hatte obiger Georg Kuglmeier 1867 durchaus Erfolg mit seinem Antrag, der Magistrat möge an seinem Haus eine Straßenlaterne anbringen.

Am 29.4.1903 heiratete Hans Kuglmeier seine Braut Anna Maria aus Zenching mit demselben Datum erhält er auch sein "Heimatrecht " in Kötzting.
 
















1955 war sein 81. Geburtstag und 1956 feierte Hans Kuglmeier seinen 82. Geburtstag, die Kötztinger Umschau gratulierte beide Male recht herzlich.
Auch von Kuglmeier Hans gibt es einen Familienstammbogen - übrigens mit dem Ende des ersten Weltkriegs ist in Bayern auch die (Un)Sitte des Heimatrechts abgeschafft worden. Aus diesem Grund gibt es diese Informationsquelle nicht mehr.


Familienstammbogen Hans Kuglmeier * 1874


Kuglmeier Hans und Berta
Im Zuge der Erbfolge - so der Grundsteuerkataster im Staatsarchiv Landshut - werden nun - 1937 - Kuglmeier Hans und seine Frau Berta, das neue Schmiedeehepaar, und der Vater Hans Kuglmeier - oben für seine Jubelgeburtstage gefeiert -   geht in den verdienten Ruhestand.
Repro 589 des Arbeitskreises Heimatforschung, die Torstraße in den 30er Jahren

Jahre vorher, Pfingsten 1930, stand Hans Kuglmeier im Kötztinger Mittelpunkt, er war Pfingstbräutigam und seine Braut war die Hastreiter Babette.

von links. Josef Schödlbauer, Hastreiter Babette, Hans Kuglmeier und


1980 zum 50jährigen Jubiläum Frau Ellmann(Hastreiter), Hans Kuglmeier und Bepp Schödlbauer als Ehrengäste
Kuglmeier Hans seit 1937 der Kuglmeierschmied
Hans Kuglmeier sen. in seinem Element als Hufschmied












Kuglmeier Hans und Haushofer Sieglinde

Hans Kuglmeier Altpfadfinder mit seiner
Fanfare mit dem Kötztinger Stammeswimpel
Details kann man in den 3 Beiträgen nachlesen

Es geht in die nächste Hufschmiedegeneration, und hier kommen zuerst einmal die Kötztinger Pfadfinder ins Spiel. Hans Kuglmeier, Leiter und Stammesvorsitzender bei den Kötztinger Pfadfindern ist auf vielen Bildern in jedem der drei Beiträge über die Kötztinger Pfadfinder zu finden.  Teil 1 ------  Teil 2 -------   Teil 3

Zuerst die Pfadfinder, dann die Kötztinger Feuerwehr mit seinem Spielmannszug, der Burschenverein und die Kolpingsfamilie von all diesen Aktivitäten haben wir Bilder und Nachrichten aus vielen Jahrzehnten. Aber natürlich war Hans Kuglmeier in erster Linie ein Schmied, ein Hufschmied.

Repro 0371


Repro 473: Hans Kuglmeier bei der Arbeit mit seinem Helfer Wensauer (Simmerl) Willi

Ganz links außen Hans Kuglmeier zusammen mit den Kötztinger Pfadfindern auf Besuch beim früheren
Kötztinger Stadtpfarrer Dietl, ihr großer Förderer in den 50er Jahren.
Wenn mir jemand helfen kann, würde ich gerne die anderen Personen kennen.
Der 7. von links ist Brandl Wick und genau in der Mitte sollte Vogl Erhard sein.

Repro 378 es ist bei diesem Bild nicht bekannt, ob es ein Treffen der Burschen oder von Kolping war,
Ebenfalls nur vermutet ist das Lokal:  Januel, weil an der Wand auf die Kötztinger Kolpngsfamilie hingewiesen wird.
Nun aber Pfingsten 1963, der Schmiedesohn Hans Kuglmeier wählt sich seine Pfingstbraut, die er Jahre später auch heiraten wird, Fräulein Sieglinde Haushofer.


Bild aus dem Krämerarchiv:
vl. Maimer Ferdinand, Sieglinde Haushofer, Hans Kuglmeier, german Rauscher


















Repro 2279 Arbeitskreis Heimatforschung

1971 anlässlich der Weihe der neuen Fahne trafen sich zu einem anschließenden Gruppenbild viele der damals noch lebenden Pfingstbräutigame:
Ein tolles Bild zeugt von längst vergangenen Zeiten und Männern.
3. von links Hans Kuglmeier sen. und in der Mitte in der hinteren Reihe zwischen Sperl Georg und Huber Xaver Hans Kuglmeier jun.

Das wars aber noch nicht mit Pfingsten im Hause Kuglmeier:
1985 stand Andrea Kuglmeier als Braut im Mittelpunkt des Pfingstgeschehens:
Im Jahre des großen Stadtjubiläums gaben sich die Ehre:
vl. Richter Gerhard, Andrea Kuglmeier, Karl-Heinz Krämer und Barth Sepp



2001 war dann Johannes Kuglmeier jun. unser Pfingstbräutigam:

vl. Michael Piendl - Angelina Vogl - Hans Kuglmeier jun. Stephan Schiedeck


Hier das dazu gehörige Pfingstkranzl


Hier endet nun meine Chronik über das markante Haus an Kötztings historischen Ortsrand, die Schmiede am oberen Tor, sicherlich eines der ganz alten Anwesen aus der Anfangszeit Kötztings

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