Mit der sogenannten Uraufnahme und der beginnenden Landvermessung zählte Kötzting insgesamt 159 Anwesen. Die Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuzeichnen und möglichst genau zu dokumentieren, ist das Anliegen dieser Häuserchronik. Wer sich näher mit den frühen Entwicklungen unserer Heimatstadt beschäftigen möchte – von den ersten Urhöfen bis zur Erhebung Kötztings zum Landgerichtsort –, findet dazu ausführliche Informationen in einem einleitenden Blogbeitrag.
Eine grafische Übersicht über die bereits veröffentlichten Hauschroniken gibt auch die neue interaktive Karte.
Bei den nun folgenden zehn Anwesen ist allerdings eine Besonderheit zu beachten: Die Häuser mit den alten Hausnummern 113 bis 123 bestanden bereits lange vor dem großen Marktbrand von 1867, wurden nach der Katastrophe jedoch nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten errichtet. Mit der Neuordnung des unteren Marktes und dem Bau der unteren Marktstraße, des Pfeffergrabens sowie später der Holzapfelstraße entstand ein neuer Ortsteil, in den die bisherigen Hausnummern übertragen wurden.
Die Identifizierung dieser Anwesen ist deshalb heute nicht mehr über ihre frühere Lage möglich, sondern ausschließlich über die weitergeführten alten Hausnummern.
Auf dem Areal des alten Schlossgartens ist nicht nur das eine oder andere Haus entstanden, wie man in dieser Dokumentation sehen wird, sondern es war auch der Standort für Kötztings erstes eigenes Schulgebäude, das hier in einem eigenen Unterkapital behandelt wird.
1. Hausnummer 116 beim Schlossgärtner
2. Hausnummer 116 a beim Hofmann Naze Anker1
3. Hausnummer 116 b das "Alte Schulhaus" ANker
4. Hausnummer 116 1/2 a Rothbauer Josef und Franziska Anker 2
Alte Hausnummer 116
beim Schlossgärtner
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| AKH DIA-Repro 694 Leonhard Mittermayer, der Schlossgärtner Hardl, mit seinem 2. Tugendkränzchen |
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| Vermessungsamt Cham Detail aus 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01 |
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| Serwuschok Luftaufnahmen - 1957 - die alte Gärtnerei Großmann - der Rest des Schlossgartens |
Macht man sich auf die Suche nach dem frühesten Besitzer des Hauses mit der alten Hausnummer 116, so kommt man tatsächlich sehr schnell auf die Familie Mittermayer, als ein Franz Mittermayer, Bürger und Gärtner aus Straubing den damaligen Schlossgarten und das Wohnhaus erworben hat.
Von diesem Punkt aus gilt es nun noch weiter in die Vergangenheit zu blicken.
Franz Mittermayr erwirbt das Anwesen im Jahre 1750 vom damaligen Kötztinger Kammerer Johann Andreas Druckmüller. In dem Akt heißt es, dass dieser den "Schlossgarten" von der verwitweten Pflegerin Theresia von Mayr gekauft hatte.
Nun kann ich es zwar nicht beweisen, dass dieser Hofmannsche Plankengarten der spätere Schlossgarten ist, aber manches spricht dafür.
Zum einen wird beim späteren Schlossgartenverkauf ausdrücklich hervorgehoben, dass dieser komplett umzäunt (beplankt) ist und zum zweiten ist bekannt, dass der Bürger Wolf Seider um diese Zeit auf dem Hause mit der alten Hausnummer 136 gelebt hatte und dessen Rückgebäude stößt nun zufällig fast genau mit der nördlichen Ecke des Gartengrundstücks zusammen.
Martin Hofmann
Johann Jakob von Mayr und Maria Theresia von Imhof
"1694²²/₄ – 1732¹¹/₁₆ (†) Johann Jakob von Mayr (Freiherr von Mayr), Rat und Pfleger, bisher Salzbeamter in St. Nicola; vorher „geleitete Kriegsdienste“, 1695⁴/₄ vorhandene Reise nach Brüssel. Mayr hielt sich 1704⁷/₅ schon seit einem Jahr wegen kriegerischer Ereignisse um Kötzting zu Straubing auf. Seine Witwe Maria Theresia geb. von Imhof starb 1734. Vater des Johann Jakob: Marx Christoph Freiherr von Mayr war Pfleger von Kirchberg (siehe dort) und unter Pflegskommissär Halsfeldt von Stadtamhof und schließlich G.L. Fasc. 1820 Pfleger von Mayr).
"Ambts RechnungKayserl: Landtge=
Es ist damit sicher anzunehmen, dass der Eigenname "Schlossgarten" durch den außergewöhnlich langen Zeitraum entstanden ist, in der Johann Jakob von Mayr der Kötztinger Pfleger gewesen ist.
Auf einem Stich des Michael Wenings, der 1726 im Rahmen seiner Historico-Topographica Descriptio veröffentlicht wurde ist der Garten außerhalb der Marktbefestigung deutlich zu erkennen.
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| Detail aus: "Das kurfüstliche Schloss samt dem Markt Kötzting" (1726) von Michael Wening |
Hier die eigenhändige Unterschrift des Kötztinger Pflegers:
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| StadtA XIII 25 |
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| PfA Kötzting Band 18 Seite 53 |
Am 12.11.1732 jedenfalls veräußerte Maria Theresia von Mayr, die Witwe des Obristwachtmeisters und Pflegers Johann Jakob von Mayr ihren: "oberhalb des Wolfgang Härtl Webers Haus liegend und umb und umb eingefangenen aigenthumblichen Gartten mit der darinstehenden Wohnbehausung sambt dem vorhandenen Sommerhäusl und anderem Gartnerey Zugehoer" um 400 Gulden an den Pellkoverschen Verwalter Johann Ander >Druckmüller und dessen Frau Maria Rosina.
Johann Ander Druckmüller und Maria Rosina Fischer
NB: (Nota Bene)
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| PfA Kötzting Band 14 Seite 48 Heiratseintrag JA Druckmüller und Maria Rosina Fischer |
Am 22.11. 1728 heiratete der ehrenwerte Herr Johann Andreas Druckmüller, Richter und Verwalter in Ränkam und Sohn des ehrenwerten Richters und Verwalters in Hohenwarth Johann Georg Druckmüller und dessen Ehefrau Agathe, seine Braut, die Maria Rosina Theresia Fischer, Tochter des ehrenwerten
Franz Mittermayer und Rittaller Anna Maria
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| StadtA Kötzting MR von 1750 Seite 7 |
Franz Mittermayr Stüfftgarttner alda hat vermög Rhats Protokoll de dato 17. Febr. ao diss für das ufm erkhaufft sogenannten Schlossgartten Ihme verlichene Burgersrecht pactiertermassen erlegt: 10 Gulden."
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| StadtA Kötzting MR von 1753 |
Franz Mittermayer und Theresia Mittermayer
Hier: Drückl 113 - Hartl 114 - Hofmann 115 - Mittermayr 116 Obermayr117
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| HStA München KL Rott B5 von 1777-1800: Franz Mittermayr Schlossgartner |
Dieser "Cessionsbrief" - eigentlich vom Inhalte her ein Testament - genannte Urkunde begann damit, dass Franz Mittermayer die Kötztinger Obrigkeit zu sich ins Haus bat, die ihn dann " in dem Nebenstübl zwar bethlägrig jedoch bei vollkommener Vernunft angetroffen" hatte.
Er bestimmte, dass seine Gesamtbesitz auf seine Schwester Theresie übergehen solle. .... "jedoch nur in dem Fahl wenn es Gott gefällig seyn sollte ihme bekennne an seiner gegenwärtigen Krankheit aus der Zeitlichkeit zu fordern, in Gegenfall und wenn er wiederum Reconvalefieren werde, soll gegenwärtiger Cessions Contract in sein voriges Nichts zuruck tretten."
Franz Mittermayer und Haas Maria Anna
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| StA Landshut Rentamt Kötzting B27 |
Schötz Georg und Maria Anna Mittermayer
"Laut Brief vom 12.9.1781 hat der verstorbene Ehemann Franz Mittermayer anliegendes Anwesen ..... nebst einigen auswärtigen Grundstücken von seinen Eltern übernommen und die gegenwärtige Besitzerin hat bey ihrer Wiederverheiratung am 13. Juni 1818(?) mit obigen Georg Schötz nebigen Besitz demselben nicht angeheirathet, sondern den Kindern erster Ehe vorbehalten. "
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 |
(Hauseigenthümer:/ PlNro 252
1. Hausptgebäude
2. Nebengebäude
1 Stallung mit darauf befindlichem Futterboden
Eine Scheune mit Dreschtenne
Handzeichen des Josepf Fischer
Unter der Erde: 1 Keller
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am Boden unterm Dach
Pfingsten im Hause Mittermayer:
In den Marktrechnungen des Jahres 1839 ist vermerkt, dass er aus der Marktkasse für seine Aufgabe einen Zuschuss in Höhe von 10 Gulden erhalten hatte. Seine Pfingstbraut war Margarethe Windorfer.
Frau Margaretha Windorfer heiratete später dann nach Straubing, Herrn Otto Ludsteck, und beide ließen sich als junge Familie mit der damals fortschrittlichsten und brandneuen Technik abbilden, der Photographie.
Auch wenn das Familienbild 20 Jahre nach dem Pfingstgeschehen entstanden ist, so blicken wir doch einer Pfingstbraut aus dem Jahr 1839 ins Gesicht. Viele Jahre später ließ sich Frau Ludsteck noch einmal abbilden und nun ist sie eine vornehme Bürgersfrau aus der Straubinger Oberschicht
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Margaretha Windorfer, verheiratete Ludsteck |
| Vergleicht man ihr Bild, das einer stolzen Straubinger Bürgerin, mit dem bekannten Bild ihres früheren Pfingstbräutigams, der ja bekanntermaßen unverheiratet geblieben war und daher ein erneutes Tugendkränzchen zu seinem Jubiläum erhalten hatte, dann kann man wohl nur das Hohe Lied des Ehestandes singen.;-))). Sein Single-Dasein hat ihm, zumindest optisch, nicht zum Vorteil gereicht. |
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| KA vom 1. Oktober 1902 |
Der Verweis auf das Jahr 1840 ist falsch. Mittermayer und Windorfer waren 1839 das Kötztinger Pfingstbrautpaar gewesen.
Leonhard Mittermayer
Die Franz Mittermayerische Gärtnerswitwe Anna nun verehelichte Schütz Haus Nro 116 von Kötzting übergiebt an ihren Sohn Leomnhard Mittermeier
1. den Leonhard Mittermeier Bürger und
2. den Matthias Lommer Webermeister v K deshalb weil die Beklagten das Regen- und Gießwasser von seinem bisherigen Wasserverlaufe weg leite und solches gegen sein neuerbautes Wohnhaus hinleiten, wodurch ihm an dem Gemäuer Schaden zugeht und bittet derselbe um Abstellung dieses Unfuges. Die Beklagten erinnern dagegen, dass sie an dem bisherigen Laufe des Wassers eine Änderung nicht vorgenommen haben und somit sie den Kläger keinen Schaden zufügen können. Auf amtliches Zureden endlich kommen die Teile dahin überein dass der bisherige Wasserlauf beibehalten und jede Neuerung an diesem Gießwasserlaufe vermieden werde wogegen Henneberger verbindlich macht den Wassergraben zu reinigen und zu unterhalten"
"8. August 1844: Leonhard Mittermeier Bürger dahier belangt den Buchbinder Xaver Henneberger deshalb, weil er unmittelbar an seinem Wohnhause unter dem Dachvorschuss eine Holzlege behaupten will, die er ihm nicht zugestehen könne.
Beklagter erinnert, dass er die fragliche Fläche als sein Eigentum anzusprechen habe, sich jedoch ì
Franz Mittermayer und Franziska Bär
Karl Diermeier spricht die Grenze in der vom k Geometer gezogenen Vermessung an während Franz Mittermeier die Grenze in gerader Richtung bezeichnet, wodurch ihm das bezeichnete Eck zufällt. Beide Teile kamen hierauf dahin überein, dass Franz Mittermeier baldigst seinen Wiesteil Plan Nr 1079 H Nr 116 durch den Bezirksgeometer auf den Grund des Vermessungsplanes wird abnehmen lassen und erklärt derselbe im Voraus dass er die sich hieraus ergebene Grenzlinie anerkennen "wird.
"7. Mai 1851: Zwischen dem hiesigen Schlossgärtner Franz Mittermeier und seinen Anwesensgebkäufer Leonhard Mittermeier led Stands ist bei Vermittlungsamt wegen verschiedener Differrenzen Klage angemeldet und wurde zwischen den Teilen auf obrikeitliche Bemühung nachstehende Übereinkunft erzielt: Vermög Protokollverhandlung dato 28. November 1844 in Klagsachen der Anna Mittermeierin Gärtnerin von hier gegen Leonhard Mittermeier als früheren Besitzer des Schlossgärtneranwesens hat der Beklagte seinen drei noch ledigen Geschwistern Anna Mittermeier dann Josef und Jakob Schötz gegen 60 fl Abfindungssumme und einen jährlichen Herbergszins von 4 fl die Herberge in seinen Nebenhause bis zu deren Standesänderung eingeräumt. Von dieser von Leonhard Mittermeier eingegangenen Verpflichtung wurde nach Angabe des Franz Mittermeier, welcher das fragl Anwesen von Leonhard Mittermeier laut Kaufbrief vom 27. März 1848 um 2450 fl erworben der nunmehrige Besitzer nicht in Kenntnis gesetzt, und erhebt aus diesem Grunde gegen den Anwesengebkäufer Leonhard Mittermeier Klage wegen zu leistender Entschädigung und
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Nr. |
"Spenglermeister Amann und Schlosser Haas besichtigen Schulhausdach und stellen fest, dass nicht nur das Dachblech schadhaft ist sondern auch das darunterliegende Gebälk verfault ist. Das Dach muss total abgedeckt, die Balken erneuert und das schadhafte Blech ausgewechselt werden.
Einwandfreies Dachblech kann wieder verwendet werden. Die gesamte Reparatur einschließlich Dachrinnen beläuft sich auf 1403 Mark.
Zimmermeister Holzer verlange für Balken 210 Mark und
Maurermeister für Gesims und Kamin 26 Mark.
1889 Schulhausdach bereits wieder so hinfällig das total neu gedeckt werden muss. Im Jahre 1890 bis 93 wird schadhaftes Dach wieder erneuert.
Schötz Schlossermeister hat die Reparatur ausgeführt, wieder erhebliche Mängel."
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| StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 97 Neubau der Straße zum neuen Schulhaus |
Ersten kann man hier gut erkennen, wie das Schulhaus mitten hinein in den alten Schlossgarten platziert wurde und zweitens - hier vielleicht nur schwer zu entziffern - haben wir mit dem Plan eine exakte Besitzerliste der Kötztinger Anwesen links und rechts der Marktstraße mit allen Namen.
Was aus heutiger Sicht natürlich regelrecht ins Auge sticht sind die beiden Anwesen, die an der Stelle stehen/standen, an der heute die jeweiligen Verlängerungen der Metz- und der Schirnstraße sich befinden.
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| Serwuschok Luftaufnahmen - 1957 - Kötztings Altes Schulhaus - nun das Kötztinger Parkhaus. |
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| Serwuschok 216 der Kötztinger Stadtrat tagt im Klassenzimmer |
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| Serwuschok090 die Mitglieder des Kötztinger Stadtrates im Schneetreiben.im Januar 1973 |
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| U111-4 Altes Schulhaus |
| Als im Jahre 1976 die Entscheidung angestanden hatte, an dieser Stelle ein Parkhaus zu errichten - zeitgleich bestand in der Marktstraße bereits die Riesenbaugrube des späteren neuen Kaufhauses Wanninger - schrieb sich der Kötztinger Ehrenbürger August Philipp Henneberger seinen Frust über dieses Vorhaben von der Seele. |
Ohne alte Schule "trostlose" Hinterhausumgebung
Kötzting (na = Frau Renate Serwuschok). In der Ausgabe vom 12. August stellte die Kötztinger Umschau den Abbruch des alten Schulhauses und den Beginn des geplanten Neubaues und die Anlage eines Parkplatzes zur Diskussion. Kunstmaler August Philipp Henneberger, Ehrenbürger der Stadt, spricht sich dafür aus, das Stadtbild auch in diesem Bereich unverändert zu lassen. Er habe sich schon bei Errichtung der Landwirtschaftsschule und später auch beim Kindergartenprojekt leidenschaftlich dafür eingesetzt, Burganlage und Pfarrkirche nicht zu verbauen. Aus der Distanz von einem Vierteljahrhundert drängt sich die Frage auf, ob ihm immer erst die Vergangenheit recht geben muss. Vor dem Hintergrund der jüngsten Bemühungen um die Sanierung der Altstadt gewinnt Hennebergers Beitrag zu diesem aktuellen Thema noch an Bedeutung:
„Die Gretchenfrage ist immer wieder: soll man Altes abreißen oder erhalten, ich bin für erhalten! Meines Erachtens hat man in Kötzting schon viel zu viel abgerissen, zu viel Altes. Die künstlerische Gestaltung, Strukturierung und Anpassung an das Neue, wird immer mehr zurücktreten müssen, wenn sie nicht um ausgesprochene Stadtteilkommunikationszentren handelt. Die moderne Bautechnik ist in der Lage, erhaltungswürdige Gebäude durch entsprechenden inneren Ausbau allen nur denkbaren Ansprüchen anzupassen. In der speziellen Fall des alten Schulhauses an der Holzapfelstraße ist vom denkmalpflegerischen und städtebaulichen Gesichtspunkt her unbedingt erforderlich, für die Erhaltung der Fassade aus dem späten 19. Jahrhundert zu plädieren. derselben.
Jedem Bauherrn mit gutem Architekten ist es möglich, dieses alte Gebäude nach seinen Wünschen ausbauen zu lassen, ohne den Charakter dieses Hauses zu zerstören. Dazu sind noch Möglichkeiten gegeben, hinter der alten Schule weiter auszubauen. Ich könnte mir auch vorstellen, wie diese in ihrer architektonische Gliederung ausgewogene Vorderfront farblich zu gestalten wäre. Auch den Treppenaufgang könnte mal reizvoll machen, und Tiefgaragen wären möglich.
Es werden Überlegungen angestellt, die Schule abzureißen und an ihrer Stelle einen Parkplatz errichten zu lassen. Man stelle sich dann das Stadtbild „ohne dieses Gebäude vor; die trostlose Hinterhausumgebung.
Jede fortschrittliche Gemeinde ist bestrebt, den Autoverkehr aus dem Stadtkern fern zu halten, Fußgängerzonen zum Vorteil der Geschäftsleute und der Kunden zu errichten und mit einem dringenden Bedürfnis, der überhandnehmenden Verkehrsdichte ein Ende zu machen. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als es noch kein Auto in Kötzting gab – sie war nicht so hektisch aber gemütlicher - Das Programm der „Jungen Union“ ist jedenfalls zu begrüßen und man sieht bereits endlich erfreuliche Erfolge auf die "Aktion Stadtbild" mit Unterstützung der Bevölkerung Kötztings ist auf dem richtigen Weg."
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| KU vom 3.12.1976 Abbruch des Schulhauses |
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| Foto Wild Siegi - um 1985, da war noch alles in Ordnung im neuen Parkhaus |
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| Foto Pongratz: und dann war auch dieses Gebäude Geschichte |
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| Detail aus StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570: der Marktbrand in Kötzting |
Bereits am Folgetag versuchte sich der damalige Bezirksamtmann Carl von Paur durch ein tabellarisches Protokoll ein Bild von der katastrophalen Lage und den Bauschäden in Kötzting zu machen..
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| StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 |
"Mittermaier Franz Gärtner
Die Beschreibung der Gebäude vor dem Brande vide Protokoll sub Nro XLBefund:
ad 1) das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt. Schaden total.
ad 2) Von dem Gebäude stehen noch die 4 Umfassungsmauern mit einem Gewölbe, welches letztere unverkennbare Spuren zeigt, dass es aus den Fugen gerathen ist. Eine fernere Beibehaltung wagt man nicht zu begutachten.
Due durch Abbruch zu gewinnenden Materialien werden durch die Arbeitslöhne für Abbruch aufgewogen werden
Schaden total
ad 3) Das Gebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt Schaden total.
Nachdem es im Markt Kötzting nun bereits der zweite Marktbrand - der erste war im Jahre 1717 - gewesen war, der seinen Ausgang in der Mitte der Marktstraße und, mit seinen verheerenden Auswirkungen fast gleichartig, vom Friedhof bis in den unteren Markt reichte, schritt man von der Planungsseite zu einem vorbeugenden Brandschutz und bildete durch die neu anzulegenden Straßen regelrechte Brandschneisen. So wurde die Verlängerung der Metz- und der Schirnstraße hinüber zur - heutigen - Gehringstraße erst im Nachgang dieses Brandes durchgesetzt, was den Verlust von zwei Marktlehen bedeutete, die auf dem Platz dieser neuen Verbindungstraßen gestanden hatte. In gleicher Weise wurde die Torstraße leicht gedreht - Verlust ein Haus gegenüber dem vorherigen Zustand und auch die heutige untere Marktstraße erhielt erst durch die neuen Planungen ihre heutige Gestalt, zumindest was die Verkehrswege angeht.
Wie man an dem Bild gut im Vergleich erkennen kann, war das neu errichtete Haus - hier mit seiner Plannummer als 252 angegeben - ziemlich genau auf seinem alten Platz wieder errichtet worden.
Im direkten Zusammenhang mit der benachbarten Schule steht eine Beschwerde aus dem Jahre 1870 (StadtA Kötzting 602/1), bei der eine Gefahr für die Schulkinder wegen des ruinösen Gartenzauns des Franz M. beschrieben wird. Für diejenigen, die sich an die Situation nicht – oder nicht mehr – erinnern können, verdeutlicht das Bild mit den wartenden Stadträten im Winter bei Schneefall die Situation. Der Pausenhof wird durch eine Mauer vom tiefer liegenden Gartengrundstück abgestützt, und darauf steht ein Gartenzaun. Ist dieser morsch, dann können die Schüler dort abstürzen. Ich erinnere mich noch gut an diesen eisernen Zaun aus meiner Schülerzeit und an so manche – fehlgeschlagene – Mutprobe einiger Mitschüler, die beweisen sollte, dass man im Winter mit der Zunge daran lecken könne, ohne sofort festzufrieren ...
Mittermayer Franz und Achatz Franziska

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| StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 7 Nr. 364 Mittermeier Anna |
Die oben bezeichnete Anna Mittermaier hat durch ihren Buder den Gärtner Franz Mittermaier heute...."
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| Der Schlussteil des Testaments mit den eigenhändigen Unterschriften der Anna Mittermayr und des Landrichters Carl v. Paur. |
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| Hier das Foto des verschlossenen und versiegelten Testaments der Frau Anna Mittermayr aus dem Jahre 1861 |
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| StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 43 Nr. 95 Hanr 115 a Mittermeier Leonhard von 1902 |
116 >>>> nun die Seilerei und Gärtnerei Hofmann
116 a >>>> später Hofmann Ignaz in der Holzapfelstraße
Hofmann Mathias und Fischer Anna
Drei Kinder des Paares finden sich in den Kötztinger Pfarrmatrikeln: Anna - 4.5.1869-, Franz Xaver - 30.4.1871 - und Franz Joseph 25.2.1873.
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| StaA Kötzting AA VIII 12 |
Hofmann Anna
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 1860-1910 |
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| StA Landshut: Rep 166N-12 Schachtel 25 Verlassenschaftsakten von 1883 Nr. 11 Mittermeier Franz Gärtnerswitwer |
In diesem neuen Straßenabschnitt hatte der Seilermeister Hofmann sein neues Wohnhaus errichtet und hier baute seine Witwe weiter:
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| Hier gut zu erkennen, die Stützmauer, die den Pausenhof begrenzte und dem Schuppen als Auflager diente. |
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| Hier der "echte" Lageplan um 1900, als die obere Gehringstraße noch gar nicht bebaut war. |
Die weitere Besitzübertragung verlief übers Eck. Der Seiler Mathias Hofmann hatte einen Bruder, den späteren Bäckermeister Franz Xaver Hofmann - aus dem Hofmann-Bäcker wurde später der Liebl-Beck, alte Hausnummer 2 - und dessen Sohn, wieder ein Franz-Xaver konnte das Anwesen von der Witwe Anna Hofmann erwerben und wurde nun der neue Seilermeister in Kötzting.
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| StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 61 Nr. 11 von 1918 Hanr 116 Hofmann Anna |
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In dem Protokoll des Nachlassverfahrens ist von den drei Kindern des Paares die Rede. Die Tochter Anna war am 8.5.1891 mit gerade mal 22 Jahren und die beiden anderen Kinder bereits im frühen Kinderalter verstorben.
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Hofmann Franz Xaver und Wanninger Theresa
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| DIA-Repro 1454: links Conrad Krämer d.A. rechts der Hofmann Seiler |
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DIA-Repro 3155 Turnverein ca. 1932 hinten links oben Elisabeth Schödlbauer/Herre Pfingstbraut von 1931, mittlere Reihe 2.v.links Hofmann Anni Tochter von Seiler,, ? , Kellnhofer Marerl, ganz rechts Pagany Lina ? (Huber) |
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| DIA-Repro 191 Gehringstraße 1938 Hofmann Seiler Haus, von links Frau Hilda Sperl, Kuchler Fannerl (Frau Praller) Kind Mali Sperl (Amalie Mannig), Frau Lautenschlager, Kind im Vordergrund Traudl Kroher, der Mann ist Franz Bauer später Postbote, war damals Lagerarbeiter bei Kroher. Heute unvorstellbar, bot die Gärtnerei + Seilerei Hofmann ihren Kunden auch an, nur Blumen-Fexer, also bewurzelte Stecklinge zu kaufen.
Ernst Großmann und Maria Hofmannrs. Kötzting. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde gestern auf dem hiesigen Gottesacker Frau Therese Hofmann, Seilermeisters- und Gärtnereibesitzerswitwe, zur letzten Ruhe geleitet. In Anlehnung an den 21. Psalm, der mit den Worten beginnt: „Wie freute ich mich, als man mir sagte; zum Hause des Herrn wollen wir wallen“ schilderte Stadtpfarrer Josef Augustin in seiner Grabrede das Leben der Verewigten als eine große Wallfahrt, deren Höhepunkte ihre Gänge zum Wallfahrtsheiligtum Weißenregen waren. Der Geistliche sprach aber auch von der liebevollen Hingabe, mit der Therese Hofmann ihren Gatten, dem sie 1914 Lebensgefährtin wurde, und den fünf Töchtern Frau und Mutter war. Geprägt war ihr Wesen von einer Frohnatur, die immer nach Wegen suchte, anderen Freude zu machen. Der Verein christlicher Mütter geleitete Therese Hofmann auf ihrem letzten Weg. Unter der Leitung von Chordirigent Georg Krämer sang der Stadtpfarrkirchenchor am Grabe: „Gute Mutter, ruh in Frieden!“ Die Gärtnerei Großmann: Mit seiner Herkunft als Gartengestalter, konnte Ernst Großmann auch den Auftrag übenehmen, Kötztings neuen Stadtpark zu gestalten: KU vom Mai 1953: Stadtgarten bis Pfingsten sicher fertigDie „Kinder“-Treppe wird im Frühjahr verbreitert Kötzting. Die Arbeiten am Stadtgarten in der Bahnhofstraße wurden wegen der nicht mehr günstigen Witterung in diesen Tagen eingestellt. Mit dem Abbruch des Zaunes am ehemaligen „Gefängnisgarten“ – temperamentvoll als der „Schandfleck“ bezeichnet – mit der Errichtung der neuen, gefälligen Quadermauer und der wesentlich verbesserten Verbreiterung des Gehsteiges wurde bereits jetzt eine erfreuliche Verbesserung des Stadtbildes erreicht. Die weitere Ausgestaltung des Stadtgartens hat der Stadtrat bis zum kommenden Frühjahr zurückgestellt. Neuerdings wurde erwogen, an Stelle von Hohenbogenplatten mehr Schmuckstrauchwerk als Blumen für die Pergola, das Schmuckstück der künftigen Gartenanlage, Ziegel zu verwenden. Völlig überraschend verstarb Ernst Großmann mit 47 Jahren inmitten der Aufbauphase seiner Gärtnerei. Hier der Bericht über die Beerdigung in der Kötztinger Zeitung: " Am Grabe von Ernst GroßmannKötzting. Wie wir in der Mittwochnummer schon berichteten, löste der so plötzliche Tod des Gärtnermeisters Ernst Großmann bei der Bevölkerung tiefe Trauer aus. So war es nur selbstverständlich, dass schon bei der Aussegnung eine große Trauergemeinde dem Sarge folgte und in den folgenden Tagen dem im Leichenhaus aufgebahrten teuren Toten der Besuch vieler stiller Trauernder galt. Wer aber Zeuge der Beerdigungsfeierlichkeiten am Freitag vormittag war, der wurde sich erst bewusst, welcher Beliebtheit und Wertschätzung sich Herr Großmann trotz seines verhältnismäßig kurzen Hierseins erfreuen durfte. Nicht nur die Bewohner Kötztings, sondern der ganzen Umgebung folgten in großer Zahl dem Sarge. Die Spitze des Trauerzuges bildete die Stadtkapelle Menacher sowie die Freiw. Feuerwehr, die Kolpingsfamilie und eine Abordnung der Obstverwertungsgenossenschaft. H. H. Kooperator Haltrich, der die Einsegnung vornahm, streifte kurz den Lebensweg des Heimgegangenen, der im Städtchen Hohenelbe das Licht der Welt erblickte. Eine zweijährige Gefangenschaft warf in der er sich wahrscheinlich den Keim zu seinem Leiden holte, war für ihn nicht das Ende seines Leides, er musste auch noch die Heimat verlassen. Durch seine Tüchtigkeit fand er hier nicht nur eine 2. Heimat, sondern auch das Eheglück, das leider nur wenige Jahre währte, denn nach kaum 5 Jahren wurde er nun von der Seite seiner Gattin und den 2 Töchterchen gerissen, denen seine ganze Sorge und Liebe galt. Die schönen Blumen, die unter seiner Hand gediehen und so oft unsere Pfarrkirche und das Josefskrankenhaus schmückten, liegen nun als letzter Gruß an seinem Grabe. Neben der Witwe und den Waisen verloren in ihm viel einen wirklichen Wohltäter, die Vereine einen treuen Kameraden. Dies brachten auch die Herren Traurig, Sonnleitner und Gläßl bei ihrer Kranzniederlegung zum Ausdruck. Der verstärkte Kirchenchor sang das Lied „Näher mein Gott zu Dir“ und das Lied vom guten Kameraden. Intoniert von der Stadtkapelle, bildete den Schluss der erhebenden Trauerfeier. Pfingsten im Hause Großmann - Pfingstbrautpaar 1964
Bräutigam: Gunther Veit, Angestellter, Gartenstraße Braut: Emmi Götz, Verkäuferin, Gehringstraße, verh. Haimerl,Brautführer: Josef Schödlbauer jun., Kaufmann, und Michael Herre, Kaufmann, Bahnhofsweg, Als Maria Grossmann und ihre Tochter Emmi Haimerl ihren Blumenladen und die Gärtnerei im Jahre 1968 dann umfassend erneuerten, schrieb Frau Renate Serwuschok auch über die Geschichte der Kötztinger Gärtnerei inmitten de Marktes in ihrem Werbebeitrag zur Geschäftseröffnung Zwischen Tradition und Fortschritt: Blumenfachgeschäft Ernst Großmann, Kötzting Bad Kötzting. Man schrieb das Jahr 1888, als die Landwirtin Anna Hofmann inmitten des Marktes Kötzting daran ging, ein bisher nur ackerbaulich genütztes Grundstück mit Gemüse zu bepflanzen. Sie legte damit gleichsam den Samen für einen Gartenbaubetrieb, der heute als Blumengeschäft Ernst Großmann zwischen Tradition und Fortschritt sein 80jähriges Jubiläum feiern kann. Der Unternehmungsgeist seiner Gründerin schlug im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln. Ein zielstrebiger Aufbauwille und die Tüchtigkeit der Erben bereiteten den Boden, auf dem schon seit acht Jahrzehnten alles das wächst, blüht und gedeiht, was den Menschen im Lebensalltag Freude bringen will nach dem von dieser Branche geprägten Wort: „Lasst Blumen sprechen!“ Kurz nach der Jahrhundertwende übernahm der Schreinermeister Xaver Hofmann das Anwesen. Den bescheidenen Verhältnissen wurde nun neben der Landwirtschaft und dem Gemüseanbau auch eine Seilerei betrieben. Das Geschäft behauptete sich aber seinen eigentlichen Aufschwung erlebte es jedoch erst, als die Tochter Maria 1949 zusammen mit ihrem Mann Ernst Großmann den Betrieb pachtete, der ihr dann zehn Jahre später als Erbe zufiel. Die Nachkriegsjahre waren vorbei und die Währungsreform überstanden. Ernst Großmann, den es aus Schlesien in den Bayerischen Wald verschlagen hatte, konnte nicht viel mehr als seine fachlichen Qualitäten als Gärtnermeister retten. Die aber genügten, um in tatkräftiger Auf- und Ausbauarbeit den Grundstock für die geschäftliche Aufwärtsentwicklung zu legen. Spezialisiert auf Gartenbau und Landschaftsgestaltung, ergänzte Ernst Großmann mit seiner Frau Maria, die eine gute Fachausbildung in einer Blumenbinderei und eine vierjährige Gehilfenzeit in größeren Blumengeschäften nachweisen konnte, geradezu ideal. Aber schon 1954 nahm ihm der Tod das Handwerkszeug aus der Hand, mit dem er so trefflich umzugehen verstand. Nun musste seine Witwe das Unternehmen weiterführen, das in der Tochter Emmi bald eine neue Kraft erhielt. Die gelernte Floristin erwarb sich nach ihren Lehrjahren im elterlichen Betrieb noch viele zusätzliche Kenntnisse in führenden Fachgeschäften der Landeshauptstadt, ehe sie heimkehrte und zusammen mit ihrer Mutter die Blumen- und Kranzbinderei, den Blumenanbau und -handel schwerpunktmäßig ausbaute. Das 80jährige Geschäftsjubiläum war Anlass genug, mehr Platz für Blumen und Zierpflanzen zu schaffen. Der Umbau gibt Zeugnis von moderner Gestaltungskunst, die sich in der individuellen Auswertung des neuen Verkaufsraumes zeigt. Der Platz lässt für alle speziellen Erfordernisse und ständig neue Ideen und der schon auf den ersten Blick die Vorliebe für verkaufsfördernde Besonderheiten erkennen lässt. Es war ein glücklicher Einfall, im Stil einer Boutique das Angebot auch auf geschmackvolle Neuheiten aus dem Kunstgewerbe auszudehnen. In dieser mit kundiger Hand geschaffenen neuen Umgebung kommt das blühende und grünende Arrangement erst richtig zur Geltung. Es bietet sich für alle Gelegenheiten an, für festliche Anlässe ebenso wie für kleine Freuden und Aufmerksamkeiten inmitten des grauen Alltags. Die Fleurop, jene weltweite Organisation, die es ermöglicht, Blumen in alle Welt, jetzt auch in die CSSR zu schicken, hat das Blumenfachgeschäft Großmann schon lange unter Vertrag genommen. Zu den fachlichen Qualitäten kommt die Fülle des Angebotes, das vom kleinen bunten Sträußchen über saisonbedingte und zeitlose Blüten, über Blatt- und Zierpflanzen bis zur kostbaren Orchidee reicht. Dem Wunsche des Kunden scheinen keine Grenzen gesetzt bei den vielen immer neuen Varianten, mit denen Sträuße gebunden, Schalen gepflanzt und Gestecke apart arrangiert werden. Das Blumenfachgeschäft Ernst Großmann lässt Blumen sprechen … Mit dem nächsten Generationswechsel kommt dann auch wieder das Thema Pfingsten ins Spiel. Steffi Haimerl und Wilfried Oexler waren das Pfingstbrautpaar des Jahres 1982. Ihnen zur Seite standen Georg Graf und Sepp Aschenbrenner. Mit diesen Bildern endet die Häuserchronik des Schlossgärtneranwesens (alte Hausnummer 116) und wir springen zurück um zwei Generationen und wechseln zur Hausnummer 116a, Hausname "Hofmann Naze". Alte Hausnummer 116aMittermayer Franz Mittermeier Franz verkauft am 17.10.1862 das Wohnhaus der Plannummer 253 (Wohnhaus mit Holzlege, HHausgärtl und Hof) um 1000 Gulden an den ehemaligen Schuhmacher und nunmehrigen Polizeidiener Sebastian Überreither. Sebsatin Überreither hatte zuvor das Haus mit der alten Hausnummer 151 besessen, das an der Straße nach Gehstorf liegt. |
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| StA Landshut Grundsteuerkataster 5041 Umschreibeheft 1843-1863 mit den eigenhändigen Unterschriften des Mittermaier und des Ueberreiter. |
Aus dem Umschreibeheft können wir die nächsten Besitzer herauslesen:
1865 erwarb Andreas Fink das Haus. In den Nachlassakten des Staatsarchivs Landshut befindet sich zudem ein Nachlassakt der Flößersgattin Anna Fink, die im Haus mit der Nummer 116 verstorben ist.
Beim Eintrag für Michael Brunner vom 18.11.1885 heißt es, dass er das Anwesen ersteigert hatte. Bereits ein Jahr später, am 7.11.1886, wird Therese Heigl als Käuferin des Hauses genannt.
Noch nicht einmal ein Jahr später, am 5.8.1887, erscheinen schließlich Josef und Therese Irlbeck als neues Besitzerpaar. Aus dem Kötztinger Heiratsmatrikel geht hervor, dass der Hausknecht Josef Irlbeck aus Kötzting die Weißenregener Söldnerstochter Therese Hofmann geheiratet hatte.
Mit dem Verkauf des Hauses an Ignaz Hofmann am 23.7.1890 erhält das Anwesen den Hausnamen, der es für viele Jahrzehnte prägen sollte: „Hofmann Naze“.
Hofmann Ignatz und Weiss Maria
In der Folge bekam das Paar insgesamt 9 Kinder:
Mathilde, geboren am 15.11.1893
Maria, geboren am 22.2.1895
Michael, geboren am 22.6.1897
Ignatz, geboren am 17.3.1899
Franziska, geboren am 30.3.1900
Anna, geboren am 17.8.1902
Karl, geboren am 7.3.1905
Heinrich, geboren am 24.4.1907 und
Franz Xaver, geboren am 5.12.1913
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| DIA-Repro 1989 Familie Hofmann ca. 1917 hintere Reihe von links : Fanny, davor Karl, Mich, Naz, Sepp, Heiner, Anne, vordere Reihe: Maria, Maria Hofmann (Mutter) ,Wolfgang, Josef Hofmann (Vater) Mathilde (Mutter von Wagerer Franz). Kind in der Mitte Franz. Auf dem Fotolegende - Abgabe an unsere Sammlung von Wagerer Franz - sind noch zusätzliche Kinder der Familie Hofmann aufgeführt, die ich aber in den - Kötztinger - Pfarrmatrikeln nicht belegen habe können. zum Beispiel den späteren Pfingstbräutigam Josef Hofmann. |
Franz Hofmann
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| DIA-Repro 1988 Franz Hofmann Foto Urban Straubing, uU anlässlich seines Schulabschlusses |
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| Filmrolle Ehemann Siegi Filmnummer 4 Hofmann Franz (Brautführer 1938 bei Willy Fischer, ebenfalls Holzapfelstraße, später verheiratet mit Schötz ( Kriege) Traudl. ( Pfingstbraut 1945 von Franz Oexler, jedoch ohne weltliche Feier ) |
Karl Hofmann als Schulbub und als Jubilar
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| Josef Bock Glasplatten 9-2019-00090 Hofmann Karl |
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| Serwuschok 936 im Jahre 1971: "Karl Hofmann, ein alter Kötztinger |
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| Serwusachok331 vom 7.3.1975 |
Ein Kötztinger, der die Welt kennt.
"Kötzting (krs). „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ Unser heutiges Geburtstagsjubilar, Ing. Karl Hofmann in der Metzstraße 12 kann das bestimmt. War doch sein Leben eine einzige große Reise.
Ihren Anfang nahm sie am 7. März 1905 in der Holzapfelstraße, wo Karl als Sohn der Landwirts- und Fuhrunternehmer-Eheleute Ignaz und Maria Hofmann geboren wurde. Die Kötztinger Knabenvolksschule hat wohl kaum einen besseren Schüler gehabt: In dem Entlassungszeugnis, das noch von dem damaligen Bezirksschulrat Ranzinger unterschrieben ist, stehen vornehmlich Einser, ebenso wie im Zeugnis, das er für den Besuch der Volks-Fortbildungsschule, an der damals Lehrer Stuckenberger tätig war, erhielt.
An die Schulzeit schloss sich eine Schlosserlehre bei der Firma Anton Haas an, bei dem er auch noch ein Jahr als Geselle blieb. In Harras, wo heute das Cafe Metropol ist, war früher eine Maschinenfabrik Wenger. Hier arbeitete der junge Geselle zwei Jahre lang, bis ihn das Fernweh packte und er sich auf die Reise nach Köln machte.
Bei der Baufirma Grün und Bilfinger fand er Arbeit und musste ganz klein als Arbeiter anfangen, avancierte aber bald zum Heizer und später zum Maschinisten auf einem Eimerbagger, von wo er in den Maschinenpark übernommen wurde.
Wegen seiner guten Leistungen versetzte ihn diese Firma in ihre Berliner Niederlassung. Es war gerade zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Rückschrittes und es konnte sich nur der behaupten, der außergewöhnliche Leistungen erbrachte.
Zur Erweiterung seines Fachwissens besuchte er zwei Jahre lang die Abendklasse der Maschinenbauschule, bis ihn 1931 ein ihm bekannter Bauführer nach Lobito in Portugiesisch-Angola holte, wo ein Hafen mit allen nötigenEinrichtungen gebaut wurde.
Hofmann kann stundenlang über die drei Jahre, die er dort erlebt hat, berichten und die Bilder, die er dabei gemacht hat, füllen ganze Bände. Vor seinem Afrikatrip hatte er sich in Berlin mit Hella Kümpfel verlobt und 1935, nach seiner Rückkehr aus dem „Schwarzen Erdteil“, trat er mit ihr in Berlin-Falkensee an den Traualtar.
Nun war der Wahlberliner wieder im Inland auf verschiedenen Baustellen zu finden; unter anderem auch auf denen des Westwalls. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er im Dienst der OT und der Deutschen Reichsbahn beim Brückenbau in Rußland eingesetzt, wovon eine ganze Reihe von Auszeichnungen kündet. Nach Kriegsende konnte er nicht mehr nach Berlin-Falkensee zurückkehren. Er ging mit seiner Frau zunächst nach Hannover. Dort wurde er 1950 für die 25jährige Treue zu seiner Firma ausgezeichnet, nachdem er 1947 noch seinen Maschinenbau-Meister gemacht hatte. Die Jahre 1956 und 57 sahen ihn mit seiner Frau auf der alten Baustelle in Lobito, wo der seinerzeit angelegte Hafen erweitert und ausgebaut wurde. Von dort schickte ihn sein Unternehmen nach Uruguay in Südamerika zu einem Kraftwerk am Rio Negro, 300 Kilometer von Montevideo entfernt. Auch dorthin begleitete ihn die Gemahlin.
Seine großen Leistungen bei all diesen Vorhaben brachten ihm dann den Titel eines Maschineningenieurs ein. Nach verschiedenen Aufträgen des Zweigbetriebes Hannover weilte Ing. Karl Hofmann noch drei Jahre im Stammhaus in Mannheim, bis er 1970 pensioniert wurde. Doch jetzt hielt ihn nichts mehr in der Fremde: Er kehrte in die Heimatstadt zurück und verbringt nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin hier einen friedlichen Lebensabend, für den ihm auch die „Kötztinger Umschau“ gemeinsam mit seinen Freunden und Bekannten alle guten Wünsche ausspricht. Als erster Glückwunsch kam ein Brief aus Libyen, von dem einzigen Sohn, der im Dienst der gleichen Firma wie sein Vater tätig ist.
Hier noch weitere Geschwister - und damit sind wir auch gleich beim
Thema Pfingsten im Hause Hofmann:
Im Jahre 1920 war der älteste der Hofmannsöhne, Josef Hofmann, der Kötztinger Pfingstbräutigam
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| Sammlung Pfingstbilder Stadt Bad Kötzting |
Bräutigam: Josef Hofmann, Fuhrwerksbesitzerssohn, Holzapfelstraße
Braut: Maria Bauer, Schneidermeisterstochter, Schattenau
Brautführer: Franz Mühlbauer, Gastwirtssohn, Marktstraße und Franz Liebl, Bankierssohn, Marktstraße
Im Jahre 1930 fungierte sein Bruder Heinrich als einer der Brautführer
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| Sammlung Pfingstbilder Stadt Bad Kötzting |
Braut: Babette Hastreiter, verh. Ellmann
Brautführer: Josef Schödlbauer, Schuhmachermeisterssohn, Müllerstraße und Heinrich Hofmann, Fuhrmannssohn, Holzapfelstraße,
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| Foto Kretschmer |
Bräutigam: Willy Fischer, Hausbesitzerssohn, Holzapfelstraße, Student (gefallen)
Braut: Ella Oexler, Marktstraße, verh. Zigan,
Brautführer: Franz Hofmann, Fuhrmannssohn, Holzapfelstraße und Karl Mühlbauer (Dimpfl), Gastwirtssohn, Metzstraße
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| DIA-Repro 603 |
Ignatz Hofmann (Hofmann Naze) war ein Kötztinger Fuhrwerksbesitzer und konkurrierte bei Ausschreibungen mit Graßl Franz um die "Vergebung des gemeindlichen Fuhrwerks und gemeindliche Arbeiten", die beide wechselweise den Zuschlag für diese Leistungen erhielten (StadtA Kötzting 631/53).
Was hatte man sich unter einem Lohnfuhrunternehmer zu dieser Zeit vorzustellen? Hier ein Bild von einer Baustelle in der Gehringstraße, als die Stützmauer zum Schulhaus erneuert werden musste.
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| DIA-Repro 1710 |
Gehringstraße um 1920 Zeitungsausschnitt .
Bildunterschrift: Sanierungsarbeiten in der Gehringstraße. Dieses Bild, aufgenommen in den frühen 20 er Jahren, entstand vor dem Anwesen Oexler (früher Druckerei, heute Friseursalon). Zwischen diesem Gebäude und der Seilerei Hofmann (heute Blumengeschäft Haimerl) wurden eine Mauer und eine große Treppenanlage errichtet. Damit wurde der damalige große Schulgarten (früher Schlossgarten) abgegrenzt. Hier steht heute das Parkhaus. Das abgelichtete Fuhrwerk gehörte Ignaz Hofmann, der eine Lohnkutscherei betrieb, die sein Sohn Josef bis nach dem 2. Weltkrieg weiterführte. Ignaz Hofmann (Hausname "Naze" steht auf dem Fuhrwerk. Von den Arbeitern ist Franz Berzl aus Grafenwiesen (3.v.l.) bekannt.
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| DIA-Repro 1987 das mächtige Anwesen des Hofmann Naze in der heutigen Holzapfelstraße |
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| DIA-Repro 1986 Pfingstreiter im Hof des Hofmann-Anwesens Pfingstreiter 1927 + Wagerer Franz Im Hof vom Hofmann Naze, Holzapfelstraße, v. links Franz, Josef und Karl Hofmann |
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| DIA-Repro 408 Hofmann Naze mit Schulhaus |
Die Legende dazu:
a: Bauplatz
c: Hofraum mit Backofen
d: Schulhausgebäude
e: Remise zu demselben (= Abstellnebengebäude)
f: Hofraum und Garten zum Schulhause
g: Gebäulichkeiten des Vitus Oexler
h: Garten desselben
i: Wohnhaus mit Stadel der Barbara Schötz
Dieses letzte Gebäude müsste an der Stelle gestanden haben, an der später die Holzapfelschule errichtet wurde.
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| StA Landshut Rep 162-8 Sch. 21 Nr. 3125 Hofmann Anna 1882 |

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| DIA-Repro 3451 |
Als nächstes wurde der Stadel angebaut und in dem Plan erkennt man auch die Details des Hauptgebäudes, das ja aus Holz gebaut war.

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| DIA-Repro 1987 |
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| DIA-Repro 3269 der "Dampf" beim Hofmann Naze |
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| Foto Josef Bock |
Hofmann Josef
Von Hofmann Ignatz ging dann das Anwesen auf Hofmann Josef über, der Hausname "Naze" aber blieb.
Im Jahre 1956 war das Holzhaus in der Holzapfelstraße bereits bemerkenswert, wie es der später Stadtschreiber genannte Georg Rauscher in einem Artikel in der Umschau beschrieb.
"...Heute sind in unserer Stadt sämtliche Häuser aus Stein, und die wenigen, aus jenen Tagen noch stehengebliebenen Holzhäuser haben musealen Charakter. So finden sich nur mehr in der Holzapfelstraße (Hofmann Josef = Naze) und in der Torstraße (Meidinger = Kittlmacherhäuschen) aus Holz gezimmerte und mit Schindeln verkleidete Häuser. Unser Bild zeigt das alte Kittlmacher Haus, das mit seinem blockhausartigen Gebälk und den kleinen Fenstern wie ein Zeuge aus längst entschwundenen Tagen dasteht, ein Idyll seltener Art und ein Stück behäbiger Romantik in unserer rastlosen, furchtbar nüchtern gewordenen Zeit!
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| Das Kittelmacherhaus des Meidinger |
Die Druckqualität der Kötztinger Umschau - vor allem was die Abbildungen betrifft - war in den ersten Nachkriegsjahren unterirdisch, weshalb es auch einer KI nicht möglich war, das unscharfe Bild des Kittelmacherhauses aus der Torstraße wesentlich zu verbessern.
Vom Nachfolger auf dem Anwesen, Josef Hofmann, und dem Pfingstbräutigam des Jahres 1920 gibt es auch einen Bericht von seiner Beerdigung.
Am Grabe von Josef Hofmann 1.6.1966
rs. Kötzting. Groß war die Anteilnahme, als am gestrigen Vormittag auf dem hiesigen Gottesacker der Landwirt Josef Hofmann zu seiner letzten Ruhestatt geleitet wurde. Als am Montag die Pfingstreiter sich auf den Weg nach Steinbühl begaben, machten sie vor dem Friedhof halt, um ihren Kameraden, der so lange mit ihnen geritten war und nun zum letzten Ausrasten auf dem Totenbette lag, noch einmal zu grüßen. Auch Kaplan Karl Götz sprach in seiner Grabrede davon, dass der Pfingstbräutigam von 1920 nunmehr zur ewigen Hochzeitsfeier abgerufen worden sei. Den Grabchoral sang das Männerquartett der Stadtpfarrkirche. Den trauernden Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme!
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| Foto Pongratz im Juli 2026 |
Sattlerei Josef Piendl
Nach dem Tode des letzten "Hofmann Naze" kam es zum Verkauf des Anwesens und nun stehen an dessen Stelle zwei Wohn und Geschäftshäuser.
In einem davon (Holzapfelstraße 16 a) wohnt und arbeitet die Sattlerfamilie Josef Piendl und aus der Firmenchronik dieser Sattlerei geht auch der zeitlich - fast - nahtlose Übergang hervor.
Ausschnitt aus der Firmenchronik der Sattlerei Josef Piendl:
"Nach dem Schulabschluss begann mein Vater ( Jahrgang 1939 ) eine Lehre beim überörtlich bekannten Sattlermeister Ludwig Barth in Kötzting. Zu damaliger Zeit wurde der Ausbildungsberuf als Sattler, Polsterer und Tapezierer genannt, und diese Tätigkeiten auch ausgeübt, da zu damaliger Zeit in Kötzting 4 Sattlereien, sowie in nahezu jeder der etwas größeren Umlandgemeinden weitere Sattlereien bestanden haben.
Nach Beendigung der Lehrzeit arbeitete mein Vater bis zum Tod des Betriebsleiters im Jahr 1964 als Geselle im Ausbildungsbetrieb.1964 legte mein Vater die Meisterprüfung ab und übernahm den Betrieb des Lehrherrn im Pfeffergraben, wo er bis zum Jahr 1969 die Werkstatt mieten konnte. Zu damaliger Zeit wurden von Ihm durch die etwas weniger werdenden Pferde für den Arbeitseinsatz in der Land - und Forstwirtschaft neben den bekannten Sattlerarbeiten auch Polsterer-, Tapezierer- und Bodenlegerarbeiten ausgeführt......
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| Foto Pongratz |
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| Foto Pongratz |
Hausnummer 116 1/2 a
Rothbauer Josef und Franziska Amann
In seinem späteren Nachlassakt werden unter der Rubrik "Vermögen" seine beiden Häuser 121 (Pfeffergraben) und 116 a 1/2 (Holzapfelstraße) aufgelistet.
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| Die Plannummer 290 gehörte zum Anwesen 141 - Gasthaus Miethaner am Marktplatz - heute AB Schnabel bzw. das Redaktionsbüro der Kötztinger Umschau. Plannummer 253 gehörte zum Schlossgartenareal, weshalb das neue Haus die Hausnummer 116a 1/2 erhielt. |
Die Plannummer 290 war die große Wiese, die sich damals noch im oberen Bereich der heutigen Gehringstraße linksseitig hinüberzog bis zum heutigen Monokel.
In einem Bericht des "Stadtschreibers" Georg Rauscher aus dem Jahre 1969 über den Ausbau der oberen Gehringstraße beschreibt dieser die Situation:
"Kötzting. Lang, lang ist es her, seit es in der heutigen oberen Gehringstraße nur einen Trampelpfad gab, über den die „Ebracher“, die Bewohner rund um den Torfplatz und den Friedhof, dem unteren Markt zustrebten, weil er eine Abkürzung des Weges bedeutete. Daß sie durch einen Bretterzaun schlüpfen musten, der sich von dem Wirtschaftsgebäude (Miethamer) bis zu dem ehemaligen Obstgeschäft Dreger (Schindler) zog, machte ihnen wenig aus. Und es störte sie auch nicht, wenn der alte Miethaner, der Großvater des Gastwirtsbesitzers Miethamer, es nicht gerne sah, dass man seine Wiese zweckentfremdete.
Das erwähnte Grundstück war tatsächlich eine große Wiese und erstreckte sich von Norden abwärts zur Buchdruckerei Oexler und westwärts bis zur Holzapfelstraße, die zur damaligen Zeit mehr einer Hohlgasse glich, weil an der Stelle, an der heute die Häuser Parzinger, Graßl-Schwarz und Zahorik stehen, sich ein mit Eichenbäumen bestandener hoher Rain in der gleichen Höhe wie der Dregergarten erhob, bevor dieser dem Lager- und Ausstellungsraum der Fa. Oexler weichen mußte.
Vom Frühjahr bis zum Herbst wurde auf dieser Wiese das Kuhgras gemäht, wuchs es doch sozusagen vor der Stalltüre. Und im Herbst, wenn es nichts mehr zu mähen gab, ließ man die Kühe weiden – es war eine ländliche Idylle mitten im Markt.
Der erste Einbruch in dieses romantische Fleckchen Land erfolgte um das Jahr 1906/07, als der Schuhmachermeister Ludwig Karl ein Stück der Wiese als Baugrund erwarb. Zuerst begnügte er sich mit einem halben Haus, bevor er es vollständig ausbauen ließ. Es befindet sich heute im Besitz des Oberinspektors R. Max Holzer. Mehrere Jahre bestand zwischen dem erwähnten Hause Karl und dem Obstgarten Oexler ein Durchgang, der dann zwischen den Anwesen Rothbauer und Hofmann (Naze) in die Holzapfelstraße mündete. Für uns Schulkinder des oberen Marktes war dies eine willkommene Abkürzung zum neuen Schulhaus (jetzt Holzapfelschule)......
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| StA Landshut Grundsteuerkataster Umschreibeheft 5050 |
Rothbauer Josef und seine Frau hatten danach nach dem Kauf des Grundstücks im Jahre 1908 das Wohnhaus errichtet. Blickt man jedoch auf den Lageplan des nachbarlichen Bauaktes, so scheint es aber so zu sein, als ob das neu Anwesen 116 a 1/2 ganz auf der Fläche der Miethanerwiese gebaut worden wäre und es eigentlich die Hausnummer 141a hätte erhalten müssen.
Wie bzw. warum auch immer: im Dezember 1907 jedenfalls stellte der Maler Josef Rothbauer seinen Bauantrag und dies ist einer der schönsten Baupläne, die wir in unserer Bauplansammlung haben, gezeichnet - fast gemalt - vom Baumeister Joh. Braedl.:
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| StA Landshut Rep 162/8 |
Vitus Oexler - Michl Miethaner - Wolfgang Lemberger - Ludwig Karl - Ignaz Hofmann
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| StA Landshut Rep 162-8 Sch. 23 Nr. 3427 Kothbauer Hnr 116a 1-2 Wohnhaus |
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| Foto Pongratz |
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| DIA-Repro 3042 |
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| DIA-Repro 3043 |
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| Auch auf dem Bild mit dem "Dampf" kann man das Nachbarhaus gut erkennen. |
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| StA Landshut: Rep 166N-12 Schachtel 48 Nr. 88 Amann Leokardia bei Rothbauer 1908 |
(StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler)
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| (StA LandshutRep 166N-12 Schachtel 57 von 1915 Nr. 9 Hanr 121 Rothbauer Josef Maler) |
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| DIA-Repro 1435 das Haus im Hintergrund mit dem Schaufenster ist das "Rothbauer"- Haus |
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| DIA-Repro 1756 Stoffe Scheichengruber und Rothbauer im Hause Georg Krämer im Pfeffergraben |
































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