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Dienstag, 21. Juli 2026

Der Blaibacher Kirchenbau des Jahres 1771

Im Staatsarchiv Landshut hat sich ein umfangreicher Schriftverkehr erhalten, der den Kirchenbau in Blaibach zum Thema hat. Ausgerechnet in einer Zeit war dieser Neubau notwendig geworden, in der das Leben für unsere Vorfahren infolge schwerer Missernten und der daraus entstandenen Not in Bayern unglaublich hart geworden war.  (StA Landshut Kirchendeputation Straubing A 395)

Bild entnommen aus dem Beitrag Chronik der Pfarrei Blaibach Teil 1 von Pfarrer Ferdinand Köstler




Einschub
Wie unglaublich schwer diese Zeit damals für die Menschen in Bayern gewesen war, habe ich bereits vor Jahren im Zusammenhang mit einem anderen Kirchenneubau beschrieben. Die Parallelen dazu sind mir selbst eigentlich erst „live“ beim Lesen der Blaibacher Archivalien während unseres Lesestammtisches aufgefallen. Wer sich tiefer in diese Problematik einlesen möchte: Hier der Link zu meinem Beitrag über den Bau der Wallfahrtskirche Mariaort im damaligen Landgericht Kelheim, heute Landkreis Regensburg.
 Hier der link zum Beitrag: Bau der Wallfahrtkirche in Mariaort 1770-1775

Einschub Ende

Es standen sich dabei der Blaibacher Pfarrer Franz Ignatz Rabel (Pfarrer in Blaibach von 1769 bis 1788)  auf der einen und der Verwalter der Hofmark Blaibach, der Kötztinger Bürger Martin Dennerl, auf der anderen Seite gegenüber. Beide versuchten nun, die jeweils zuständigen Behörden auf ihre Seite zu ziehen und deren Unterstützung für ihre Position zu gewinnen.

Bild entnommen aus dem Beitrag Chronik der Pfarrei Blaibach Teil 1 von Pfarrer Ferdinand Köstler

Der Blaibacher Pfarrer Ferdinand Köstler – Pfarrer in Blaibach von 1951 bis 1983 – hat in einer umfangreichen Arbeit die Geschichte der Pfarrei Blaibach veröffentlicht. Diese steht auch auf der Homepage der Pfarrkirche St. Elisabeth zum Download zur Verfügung. Allerdings fehlt bei ihm ausgerechnet jener Zeitraum vollständig, um den es in meinem Beitrag geht.
Auch in der Zeittafel zur Geschichte der Pfarrei Blaibach heißt es auf der Homepage nur knapp:

1779

Franciscus Jos. Ignatius Rabel, 1769–1788 Pfarrer in Blaibach, scheint die Kirche gebaut oder zumindest umgebaut zu haben.

Dieses „scheint“ zeigt bereits, wie wenig über die damaligen Vorgänge bislang bekannt war. Mit dem umfangreichen Schriftverkehr, der sich im Staatsarchiv Landshut erhalten hat, können wir nun etwas Licht ins Dunkel bringen. Der Akt stammt aus dem Bestand der Straubinger Kirchenadministration. Diese Behörde prüfte die Kirchenrechnungen und hatte von staatlicher Seite auch die Ausgaben bei Baumaßnahmen im Blick. Natürlich war bei kirchlichen Bauvorhaben auch Regensburg mit eingebunden; die entscheidende Genehmigungshürde für solche Bauausgaben lag jedoch bei der Regierung.

Pfarrer Ignatz Rabel - hier mit seiner persönlichen Hand- und Unterschrift; das verschnörkelte "mp" am rechten unteren Rand bedeutet "manu propria = eigenhändig" - schrieb sich seinen Frust über die Hofmarksverwaltung vom Leibe und dadurch kennen wir den Zustand der Pfarrkirche aus dem Winter 1770/71 


Am 28. Dezember 1770 schrieb er, er fühle sich verpflichtet zu berichten, dass "alhiesige Pfarrgotteshaus Blaybach dem täglichen Einsturz exponiert seye; allermaßen sich das Hauptegg rechter Hand bey dessen Eingang eine völlige Öffnung hat, dergestalten, dass iedermann ohne Ville Ermiehung in dieses ohnehin mit Pfällen schon unterstützte Gotteshaus bei versperrten Thüren kommen mag, und der ganze Kirchengüpel (=Giebel) nahe um einen ganzen Werchschuech überblicht, hiermit selber in dem Gottesacker hinaus fallen miesse. Das Kirchengewölb selbsten auch wegen einer weichenten gemäuer sich völlig abgliebte (=abklüften) .,,,,
Seit Jahren schon wäre Kalk beigeschafft worden, und auch das nötige Bauholz läge bereits vor Ort. Nun bestünde die Gefahr, dass dieses „zu verfaulen beginne“, wenn nicht endlich mit dem Bau angefangen würde.

Rabel bat nun „Seine Churfürstliche Durchlaucht“, Einfluss auf die Herrschaft Runding zu nehmen. Diese sollte endlich die Kirchenrechnungen „ehebaldigst herstellen“ und vor allem die ausstehenden Zinsen aus den ausgegebenen Kapitalien eintreiben.
Hier schließt sich zum ersten Male der Kreis zu der eingangs geschilderten schwierigen wirtschaftlichen Lage in Bayern. In diesen Notzeiten war es offensichtlich alles andere als einfach, die fälligen Zinsen von den Schuldnern einzutreiben. Schlimmer noch, manche Auflagen von "oben" untersagten dieses sogar ausdrücklich. Gerade diese Einnahmen aber wurden nun dringend benötigt, um den notwendigen Kirchenbau überhaupt finanzieren zu können.

Die Straubinger Kirchenadministration schrieb nun ihrerseits  - am 16.1.1771 - einen geharnischten Brief an das Herrschaftsgericht Runding. Darin griff sie sämtliche Forderungen des Blaibacher Pfarrers auf und forderte die Rundinger – bei Androhung einer Strafe von sechs Reichstalern – auf, binnen 14 Tagen Bericht zu erstatten.

Es hat den Anschein, als habe auch Pfarrer Rabel eine Abschrift des Befehlsschreibens an die Rundinger erhalten – oder zumindest kannte er dessen Inhalt und die darin gesetzten Fristen. Denn mit Datum vom 6. Februar legte er noch einmal nach und schilderte eindringlich die derzeitigen Probleme mit dem Gottesdienst in Blaibach angesichts der ruinösen Pfarrkirche. Bereits in seiner Einleitung machte er seinem Unmut Luft und schrieb, dass „wir schon seit 5 Jahren von bemelten Rundigischen Herrschaftsgericht anstadt einer Kirchenerbauung bei einer eitlen Vertröstung das Verbleiben“ hätten...
"Die Pfarrkinder aber in die gröste Betranknuss schon seint gesezt, da wir nit mehr in der Kirch wegen Höchst zu beförchtenden Sturtz, sondern schon mehrere Wochen die pfarrliche Gottesdienst in der Seelen Kappellen, die nit den halben Vierteltheil der Pfarkinder fasset, verrichten miessen, wo auf dem friedhof theils wegen der Kälte, theils wegen zu Zeiten anstossenten regenwetter der größte Theill von den Gottesdiensten abgehalten wird:"
Er fordere die "bäldigste Abtragung und gänzliche Einreissung des schon gleicham in den zügen liegenten und schir wankhendten Gotteshauses zu thun"

Würde das Gotteshaus noch länger in diesem Zustand stehen bleiben, so seien weitere Schäden unausweichlich:

  • Das unmittelbar daneben stehende Mesnerhaus und dessen Stadel seien gefährdet.
  • Die Dachziegel, die man beim Neubau noch verwenden könne, würden herabfallen und zerbrechen.
  • Auch der noch brauchbare Kirchturm würde durch die eindringende Feuchtigkeit Schaden nehmen.
  • Und gerade jetzt, in der Winterszeit, würden noch alle Pfarrkinder beim Bau mithelfen können. Später im Jahr, wenn die Feldarbeit anstünde, wäre dies nicht mehr der Fall.

Abschließend richtete der Pfarrer noch einmal die dringende Bitte an die Regierung, das Herrschaftsgericht Runding zu zwingen, „allzugleich“ mit dem Bau zu beginnen.

Und die Kirchenadministration legte tatsächlich noch einmal nach. Bereits am 8. Februar 1771 schickte sie einen weiteren, erneut strafbewehrten Auftrag nach Runding. Gleichzeitig informierte sie nun auch das Kötztinger Landgericht über die Angelegenheit. Sollte Runding weiterhin nicht reagieren und mit dem Kirchenbau beginnen, so erhielt das Landgericht den Auftrag, den Bau selbst in die Wege zu leiten – und sich die dafür aufgewendeten Gelder anschließend von den Rundingern zurückzuholen.

Nun endlich reagierte auch das „Baron Notthafftische Hofmarchs Gericht Playbach“ – und schrieb sich dabei einen gewissen Frust über Pfarrer Rabel und dessen Anwürfe von der Seele. Unterstützung für seine Position suchte das Hofmarksgericht in einem „Sachverständigengutachten“ von Handwerkern, die zuvor die Blaibacher Kirche begutachtet hatten. Und hinter diesem Hofmarksgericht Blaibach stand niemand anderes als der bereits eingangs erwähnte Administrator Martin Dennerl.



Nun also hören wir die andere Seite.

Zuerst äußert sich der Schreiber überrascht, dass so kurz nach dem ersten Schreiben gleich der zweite folgte mit dem "unvermutheten gdigsten Auftrag, das ungehindert eben iezt bei unß die stärkste Wüntters Käte, doch gleichwohl sub termino 8 Tägen in die abtragung dess Langhauss , umso mehr sezen lassen solle, als es im wüdrigen das Pflegghrt Közting auf meine Unkösten bewürken würde"

Dennerl schrieb zwar einleitend, dass er durchaus einiges an Pfarrer Räbel auszusetzen hätte, „Seine Churfürstliche Durchlaucht“ damit aber nicht behelligen wolle. Nun ja – im weiteren Verlauf seines Schreibens tat er dann ziemlich genau das Gegenteil und beschwerte sich massiv über den Blaibacher Pfarrer.

Unterthännigst gehorsamster
Joh: Martin Dennerle
Administrator mp

 

Die Kirche sei keineswegs erst seit fünf oder sechs Jahren ruinös. Bereits bei seiner eigenen Amtseinführung – „tempore immissionis“ – habe er das Gotteshaus in diesem schlechten Zustand vorgefunden. Wegen des allgemeinen Geldmangels sei es jedoch nicht möglich gewesen, die Schäden zu beheben. Immerhin habe er es in Zusammenarbeit mit dem vorherigen Pfarrer so weit gebracht, dass Kostenvoranschläge und Baupläne – in den Akten als „Risse“ bezeichnet – eingeholt worden seien. Man habe Kalk angeschafft, Bauholz geschlagen und dieses bereits vor Ort gebracht.
Vom Straubinger Stadtmaurermeister habe man sogar ein Modell anfertigen lassen, das sich, wie Dennerl ausdrücklich bemerkte, „noch zur Stund im Pfarrhof Playbach sich befinde“.
Die beim Ordinariat eingereichten „Rüss und Überschläg“, also die Baupläne und Kostenvoranschläge, seien dort „in der Hauptsach ratifiziert“ worden.
Da aber die Mutterkirche in Blaibach selbst nicht über die notwendigen Mittel verfügte, hatte man daran gedacht, „das von der Filial Weissen Regen ein Beitrag beschehen könnte, weill die Muetterkürchen in Ansehun WeissenRegen grosse Ausgaben“. Für die Betreuung von Weißenregen müsse die Pfarrei mehrere Priester „halten“ und darüber hinaus mehrere Zimmer für diese erbauen.
Überdies habe Weißenregen bereits 1000 Gulden zum Turmbau der Kötztinger Pfarrkirche beitragen müssen – und dies, obwohl „das Kötzting mit Weissenregen die geringste Connexion habe, oder iemals gehabt hat.“
Das Ordinariat forderte danach die Kirchenrechnungen von Weissenregen an und wies gleichzeitig an, dass die zukünftigen "Divina", also die Gottesdienste, in der "vorhandenen zimlich grossen und mit neuen Verschlägen erweitterten Seellen Kapellen gehalten werden" sollten.

Dies alles sei Pfarrer Räbel natürlich bekannt gewesen, denn bereits vor einem halben Jahr habe Dennerl ihm die „Rüss, Überschläg und consistorial befehle“ vorgelegt. Gleichzeitig habe er den Herrn Pfarrer ermahnt, den „Weissenregener Vermögensbestand vom churfürstlichen Pfleggericht Kötzting“ abzufordern und nach Regensburg einzusenden.
Ob Pfarrer Räbel dies tatsächlich getan habe, sei ihm unbekannt.
Was Dennerl aber ganz genau wisse: Pfarrer Räbel habe ihm gegenüber kein einziges Wort über die ganze Angelegenheit verloren und ihm auch nicht einen Buchstaben darüber geschrieben. Dies, so Dennerl, hätte dem Pfarrer wohl besser angestanden als dieses „unwahrhafte und verleibdische Vorschreiben“.

Dennerl war sich sicher, dass Pfarrer Räbel nicht von alleine auf diesen „unausführlichen und schädlichen Gedanken“ gekommen sei, die Kirche ausgerechnet in diesen strengen Wintermonaten abzureißen. Dazu sei es wohl erst gekommen, „wann nicht ein erst kurz auf Blaybach gekommener Kaplan ihne und gleichsam schon allen Pauern im Dorf versichert hätte, das er gleich aus Straubing (= Kirchenadministration) noch in diesem Wünnter eine Neue Kürchen beyhollen wollte.“

Den Vorwürfen des Pfarrers hielt Dennerl nun Punkt für Punkt entgegen:

  1. Die Gefahr eines Einsturzes der Kirche sei bei Weitem nicht so groß, wie von Räbel behauptet. Zum Beweis verwies Dennerl auf das seinem Schreiben beigelegte Protokoll der Begutachtung.
  2. Die Bauhölzer lägen bereits auf der „Zimmerstatt“; 200 Tragen Kalk und viele Klafter „Rauchestein“ seien in Blaibach auf Vorrat vorhanden.
  3. Er könne den Pfarrer gar nicht schon seit fünf Jahren mit leeren Versprechungen hinhalten, schließlich sei Räbel selbst erst „im zweiten Jahr auf der Pfarr“.
  4. Auch könne sich kein Pfarrkind über die Abhaltung der Gottesdienste in der Seelenkapelle beschweren. Diese sei neu eingedeckt und ihre Nutzung vom Ordinariat selbst angeordnet worden. Außerdem sei „die filial Weissenregen nur eine halbe Stund von Playbach entfernt, in welche alle Feuerdäg wenigst 3 heilige Messen gelesen werden, und wohin ohnedas das mehriste Volck abzulaufen pflegt.“
  5. Ist die Kälte bei uns im Wald eben so häftig, das man sich kaum in einem Zimmer retten kann, minde rjemand im Stadn seye, auf dem dach, oder Mauer zu stehen...

Abschließend verwies Dennerl auch auf das derzeit äußerst schwierige wirtschaftliche Umfeld. Und „so harth auch immer eben gegenwärtig die Zeit zum zahlen“ sei, werde er auf höheren Befehl hin trotzdem versuchen, die ausstehenden Zinsen beizutreiben. Bei all diesen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und den bereits von der Herrschaft erbrachten Vorleistungen für den Kirchenbau konnte sich Dennerl dann eine weitere, ziemlich deftige Spitze gegen Pfarrer Räbel nicht verkneifen. „Nebenbey“, so berichtete er, habe „Herr Pfarrer schon mehr als vor 300 fl Pier dem Preuhaus abgetrunckhen“.

Am Ende seines Schreibens erklärte Dennerl, dass er wegen seiner zahlreichen Reisen in administrativen Angelegenheiten nicht in der Lage sei, die geforderten Rechnungsbücher innerhalb der gesetzten Frist fertigzustellen, und bat deshalb um eine Fristverlängerung.

Einschub

Weiter berichtete Dennerl von den aktuellen Problemen bei der Eintreibung der Zinsen:

„Die alt ausständige Interesse (= Zinsen) stecken unter dem bekannten creditweesen, die nach der gdisten geheimnen Rathsresolution dermalen nicht bezahlt werden können und dörfen....“

Und genau hier findet sich für mich die Parallele zu den Schilderungen beim Bau der Wallfahrtskirche Mariaort, auf die ich bereits eingangs verwiesen habe. Auch dort waren die wirtschaftliche Not und die Probleme des damaligen Kreditwesens ein entscheidender Hintergrund für die Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Kirchenbaus.

Einschub Ende


Dem Schreiben Dennerls war auch ein Protokoll der „Bausachverständigen“ beigelegt. Erstellt worden war es vom Rhaindorfer Zimmermeister Joseph Peinkofer und dem ebenfalls aus Rhaindorf stammenden Maurergesellen Michael Preu.
Beide „Bausachverständigen“ kamen zu dem Ergebnis, dass – sofern das Dach gut unterhalten werde – das „Gewölb weith noch über ein Jahr ganz sicher halten wurde“. Allerdings machten sie gleich eine bemerkenswerte Einschränkung: Es dürfe im Sommer kein starkes Donnerwetter auftreten, „deren Knall und Stöß auch die allerbeste Gebäude manchmal erschüttert“.
Das Loch in der Giebelmauer könne geschlossen werden. Auch habe es den Anschein, als würde sich derzeit kein weiterer Stein aus dem Mauerwerk lösen. Ähnlich verhalte es sich mit den Dachziegeln – allerdings wiederum unter der Voraussetzung, dass kein „Sturmwünd, welcher auch der besten Tachungen nit zu verschonnen pflegt“, auftreten würde.

Beim Kirchturm sei lediglich der Mörtel abgefallen, was man während des Winters ohnehin nicht ausbessern könne.
Überhaupt sei die strenge Winterszeit für einen Baubeginn denkbar ungeeignet. Arbeiter seien kaum zu bekommen, und deren gespitzte Werkzeuge würden „wegen des wie Stahl und Eisen gefrorenen Gemäuers große unnüz und Unverantwortliche, muetwillige Unkösten“ verursachen.
Vier Personen würden jetzt im Winter für dieselbe Arbeit benötigt, die im warmen Frühjahr von einer einzigen Person erledigt werden könne.

Von einer Gefahr für das daneben stehende Schulhaus und den „heylligen Stadel“ könne ebenfalls keine Rede sein.

Auch Räbel erfuhr von Dennerls Schreiben und dem Gutachten der beiden „Bausachverständigen“. Gegenüber der Regierung äußerte er die Vermutung, der Bericht der Hofmarksherrschaft sei „aus keiner anderen Absicht, als damit die Sach auf die lange Pankch hinaus protraktiert werden möge“, verfasst worden, und bat erneut darum, den Druck auf Runding zu erhöhen.

Daraufhin reagierte die Kirchenadministration und drohte dem „Baron Nothafftischen Hofmarksgericht Blaibach“ in ihrem Schreiben vom 20. Februar 1771 erneut mit dem Durchgriff durch das Landgericht Kötzting. Sollte nicht unverzüglich mit den Arbeiten begonnen werden, werde das Kötztinger Landgericht den Bau in die Wege leiten. Eine Abschrift dieses Schreibens erhielt auch Pfarrer Räbel.

Das Kötztinger Pfleggericht – damals unter Pflegskommissar von Francken – war über diese Entwicklung nun überhaupt nicht glücklich. Wohl nicht ganz zu Unrecht befürchtete man dort, auf den zunächst vorgestreckten Baukosten sitzen zu bleiben. Das Pfleggericht hätte mit dem Kirchenbau in Vorleistung treten müssen und wäre anschließend darauf angewiesen gewesen, sich das Geld von der Herrschaft Runding zurückzuholen – möglicherweise erst nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen. Und selbst dann war keineswegs sicher, ob die gesamten Auslagen tatsächlich wieder hereinkommen würden.
Gleichzeitig befürchtete er, von den Arbeitern bedrängt zu werden, deren Lohn auszubezahlen

Unterthänigst gehorsamster
Franz Xav: von Francken mp
Pflegscommissar

Die Regierung notierte abschließend auf dem Umschlag des Aktes noch einmal den Inhalt der Schreiben, die nach Kötzting und Runding sowie an Pfarrer Räbel gegangen waren.

Das Kötztinger Pfleggericht wurde darüber informiert, dass das Hofmarksgericht Blaibach ungeachtet seines Berichtes weiterhin aufgefordert blieb, binnen 14 Tagen mit der Abtragung des Langhauses zu beginnen. Schließlich hätten die Pfarrkinder angeboten, die notwendigen Arbeiten kostenlos zu leisten. Die Taglöhne der Maurer und Zimmerleute würde Pfarrer Räbel einstweilen vorschießen und später zur Verrechnung bringen.

Hier endet nun der schriftlich ausgetragene Streit zwischen dem Blaibacher Pfarrer und dem Hofmarksverwalter. Im Ergebnis dürfte das Kirchenschiff wohl kurz darauf abgetragen und anschließend neu erbaut worden sein. Weitere Einzelheiten über den eigentlichen Bau ließen sich sicherlich aus den Blaibacher Kirchenrechnungen erschließen – ebenso das weitere Prozedere bis hin zur späteren Einweihung der Kirche.

Der Akt selbst macht jedoch einen Sprung und endet mit einem Schreiben aus dem Jahre 1790. Damals wandte sich Max Cajetan von Nothafft, Freiherr von Weißenstein, erneut an die Regierung, um über neuerliche Bauschäden und deren Behebung zu berichten.

Unterschrift des Barons Cajetan Nothafft 1790

Einleitend berichtete Freiherr Cajetan von Nothafft, dass nach dem damaligen Abbruch „die Erbauung dises Pfarrghotteshauses ohnehin nothwendig geworden“ sei. Man habe deshalb „alles angewendet, dass selbe zur größten Ehre Gottes wieder in vollkommenden Stande hergestellt“ wurde.
1788, so berichtete er weiter, sei schließlich auch der Turm vollständig fertiggestellt worden. Für diese beiden großen Bauvorhaben habe man „fast alle Kapitalien verwendet“, sodass die Pfarrkirche nun kaum mehr in der Lage sei, ihre jährlichen Abgaben zu bestreiten.

Und doch standen bereits die nächsten Baumaßnahmen an:

Bild entnommen aus dem Beitrag Chronik der Pfarrei Blaibach Teil 1 von Pfarrer Ferdinand Köstler
der Pfarrhof in Blaibach



„Und doch soll sie schon wieder einige Baufähle im Pfarrhof /worüber die Kirche das onus fabricae hat und deren mehrere Jahre wegen bemelten Kirchen und Thurmbau nichts konnte gerichtet werden:/ übernehmen“.
Seit mehreren Jahren schon würde es in die Zimmer des Pfarrers und seiner Kapläne hereinregnen.
Eine allgemeine Sammlung wollte man trotzdem noch nicht veranstalten. Stattdessen bat von Nothafft darum, die Kirchenadministration möge genehmigen, aus dem Kapitalstock der Wallfahrtskirche Weißenregen 200 Gulden für die notwendigen Reparaturen zu verwenden.

Seine Begründung war ebenso kurz wie eindeutig:

„Denn es ist die Schuldigkeit, das die Filiale ihrer Mutterkirche beispringe“!

Die Regierung in Straubing verwies den Freiherrn von Nothafft allerdings an den „Geistlichen Rath“ in München – eine weitere Regierungsbehörde – verbunden mit dem dezenten Hinweis, dass er sich mit seinem Anliegen eigentlich gleich dorthin hätte wenden sollen.


So endet der Akt , aber auf jeden fall wissen wir, dass sich der Blaibacher Pfarrer hatte durchsetzen können.


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Sonntag, 19. Juli 2026

Michael Heigls Revisionsprozess und seine Begnadigung

 Der Heiglsche Prozess geht in die Revision 
Teil 18 meiner "Heigl"_Dokumentation


Zuerst jedoch ein Hinweis auf die Teile der Dokumentation, die bereits veröffentlicht sind:

Der Räuber Heigl



StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 751

Beim „Heigl“ ist es ein wenig wie bei den Archivalien über den Kötztinger Pfingstritt. Viele vor mir haben schon in den Archiven nach Dokumenten gesucht, und auch ich bin immer wieder bei denselben Signaturen und Materialien gelandet. Und trotzdem gibt es manchmal an überraschender Stelle zusätzliche – wenn auch nicht gänzlich neue – Archivalien, wie auch in diesem Fall.
In Landshut gibt es in der Abteilung "Landgericht älterer Ordnung Kötzting" einen Akt mit dem Betreff: Entscheidungen und Urteile aus der zum Einstampfe gelangten älteren Strafakten.
Dies bedeutet, dass eine mir unbekannte Person – ich weiß deren Arbeitseifer durchaus zu schätzen – einiges an Heigl-Akten vor der Vernichtung (= Einstampfen) gerettet hat, indem deren Inhalte sauber abgeschrieben wurden bzw.  in dem dieser relevante Dokumente zu den Inhalten vorher ausgesondert hat.
In diesem neuen Akt finden sich nicht nur Abschriften des "Heiglfalles" sondern auch Kriminalstrafsachen von "Räuberbanden", die nicht diesen "Kampfnamen" wie Michael Heigl erhalten haben.

1853: Josef Mühlbauer aus Schmelz, Georg Linsmeier aus Schmelz, Anna Liebl aus Schmelz und Franz Schober aus Kolmstein wurden zur Kettenstrafe verurteilt wegen Überfällen und Diebstählen in Himmelreich und Warzenried
1853: Georg Fechter, Dienstknecht aus Gotzendorf, wird zur Todesstrafe verurteilt für den Mord an der Bäurin Anna Maria Mühlbauer von Hinterhudlach.

Todesurteil für Georg Stoiber. Für diesen Mord war kurzzeitig auch Michael Heigl in Verdacht gekommen. 
Anders als später bei Michael Heigl wird die ausgesprochene Todesstrafe nicht auf dem Gnadenwege abgemildert.
Staats=Ministerium der Justiz
Seine Majestät der König haben vermög allerhöchsten Signats de Dato Neapel den 8. Mai 1853 ausgesprochen, daß allerhöchst dieselben keine zureichenden Gründe gefunden haben, die dem Georg Fechter zuerkannte Todesstrafe aus Gnade zu mildern."

Danach kommen bereits die "Heiglakten" und hier ist bemerkenswert, dass beim Heigl - ja immer nur als Inwohnerssohn von Beckendorf bezeichnet - hier plötzlich steht: 

  1. Michael Heigl, 36 Jahre alt, zu Stamsried, Ldg Kötzting (das war sicherlich ein Lesefehler und anschließend eine falsche Ortsangabe des damaligen Schreibers, eigentlich war es Ramsried (Pfarrei Rimbach). Das ist eine kleine Sensation, denn bis vor wenigen Jahren war der korrekte Geburtsort des Michael Heigl unbekannt und in Beckendorf (Pfarrei Kötzting) nicht auffindbar.

"geboren und zu Beckendorf genannten Gerichts wohnhaft, ledigen Inwohnerssohn von dort ...."

Dieser kleine Zusatz hätte uns vieles an Sucharbeit erspart – ODER aber wegen des Lese- bzw. Schreibfehlers „Stamsried“ viele Generationen von Heigl-Forschern auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt.

Heigl versucht sein Urteil anzufechten, sein Antrag wird aber verworfen:

"Im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern
erkennt der oberste Gerichtshof des Königsreichs in Sachen des Michael Heigl, ledigen Inwohnerssohns (sic) von Beckendorf, k. Landgerichts Kötzting, und Genossen wegen Raubes und Diebstahles etc. zu Recht:
1. Dass weder in dem gegen Michael Heigl durchgeführten Strafverfahren, noch in dem gegen ihn erlassenen Strafurtheile, ein Nuchtigkeitsgrund vorliege, weshalb die von demselben gegen das Urtheil des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27. Juli l. Jahres eingewendete Nichtigkeitsbeschwerde verworfen wird.
"

Auch die Gründe für die Ablehnung wurden angeführt:


"Durch Erkenntnis des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27. Juni l. J wurden

1. Michael Heigl, lediger Inwohnerssohn von Beckendorf, wegen dreier Verbrechen des Raubes IV Grades, nämlich an den Sauterschen Eheleuten zu Irlmühle /:begangen im Komplotte in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1852:/, dann im Hause des Bauern Joseph Dachs zu UNterfreudeneck /: 3. Juni 1849:/ und an den Greilschen Eheleuten nächst Pirka /:Begangen am 23. auf den 24. April 1847 im Komplotte :/ in Concurrenz mit dem Verbrechen des Raubes III. Grades an Barbara Winter /: 29. August 1852:/. dem Verbrechen der Körperverletzuing III. Grades an dem Gendarmerie=Brigadier Sommer /: 12. Dezember 1852:/ und dem Verbrechen der Körperverletzung I. Grades an dem Bauern Josef Mühlbauer /:17. Juni 1853:/ ferner von zwei Verbrechen des ausgezeichneten Diebstahls, welche schon der Summe des Entwendeten nach Verbrechen sind, endlich eines erschwerten Diebstahlsvergehens - zur Todesstrafe ...... verurteilt."

Im September desselben Jahres - 14.9.1854 - wurde die Todesstrafe Michael Heigls dann auf dem Gnadenwege in eine lebenslange Kettenstrafe umgewandelt.


praes 14. Sept. 1854

Maximilian II

von Gottes Gnaden Koenig von Bayern
Pfalzgraf bey Rhein
Herzog von bayer, Franken und Schwaben ect.


WIR haben UNS allergnädigst bewogen gefunden, die dem Michael Heigl, ledigen Inwohnerssohn von Beckendorf, durch rechtskräftiges Urtheil des Schwurgerichtshofes von Niederbayern vom 27ten Juni dieses Jahres wegen dreier Vergehen des Raubes VIten Grades im Zusammenschluss mit dem Verbrechen des Raubes IIIten Grades, dem Verbrechen der Körperverletzung IIIten Grades, dem Verbrechen der Körperverletzung Iten Grades, zwei Verbrechen des ausgezeichneten Diebstahles und dem Vergehen des Diebstahles zuerkannte Todesstrafe in Kettenstrafe zu mildern.
Demgemäß ist das Weitere zu verfügen. Die mit Bericht vom 22ten praesentiert 24ten Julius vorgelegten Aktenstücke und Akten folgen zurück
Berchtesgaden den 12. September 1854 

Max

Die anderen Urteile:


Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" und 
Anna Maria Gruber zu einer " Arbeitshausstrafe auf die Dauer von 6 Jahren" verurteilt.

Der Vollständigkeit halber nun noch die Strafen für die beiden anderen Angeklagten, bzw. dem Zeugen Zitzelsberger, der jedoch noch während der Verhandlung gleich in Haft genommen wurde.
Bei Therese Pritzl versuchten deren Verteidigern noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen, so dass die , später als "Roude Res" bezeichnete, Therese Pritzl sicherlich sehr schnell wieder in ihrem gewohnten Umfeld zuhause angekommen war.

Genau diese Endphase kann man auch in Maximilian Schmidts, genannt Waldschmidt, Bericht über Michael Heigl nachlesen, wobei dieser für das Salzburger Volksblatt im Jahre 1882 aus seinem  Roman "Brigitta" eine Fortsetzungsgeschichte geschrieben hatte. 
Darin wird über sein Ende berichtet:

" Bei der Schwurgerichtsverhandlung (wo ihm der mittlerweile in Crim. Effekten depositorio aufbewahrt gewesene Hut wieder verabfolgt wurde, den er vor 11 Jahren bei seinem Entweichen aus der Kötztinger Frohnfeste zurückgelassen hatte) wurde er, wie nicht anders zu erwarten, zum Tod verurteilt. Durch die Huld des Königs zur Kettenstrafe begnadigt, ward er in das Strafarbeitshaus Au abgeliefert. Hier brachte er es durch sein Wohlverhalten und seine Ordnungsliebe zur Stelle eines Aufpassers, zog sich aber dadurch den Hass seiner Mitgefangenen zu und wurde im Januar 1857 von einem Leidensgenossen mit der an der Kette befindlichen, eisernen Kugel erschlagen. 
Wie gelebt, so gestorben!

Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben.



Und so endete Michel Heigls Schicksal in einem Zuchthaus in München, wo er Jahre später dann von einem Mithäftling meuchlings ermordet wurde.
Doch das ist dann ein weiterer Beitrag der "Heigldokumentation"

In dem Akt sind auch noch weitere Strafverfahren aufgeführt:
So zB die Verfahren gegen
1856: Xaver Achatz von Seehäusel Raub beim Sommerauer Bauern Johann Frisch
1857: Michael Bauer aus Zandt und Michael Zilk aus Chameregg wegen Diebstahls bei Michael Zollner von Zandt.
Theresia Dachs Wagnerstochter von Kaikenried wg Meineid zu 5 Jahren Gefängnis
1858: Barbara Baumann aus Warzenried beim Wirt Josef Kauer und beim Bauern Georg Brunner beide aus Kammern.
1860 Michael Meidinger aus Grüben wegen Mord an seinem unehelichen Sohn Alois Fischer aus Lemming, und der Körperverletzung an Anna Freimuth, Theres Fischer und deren weiteren unehelichen Sohn Josef Wagner. (Auch diese Todesstrafe wurde vom König in Kettenstrafe abgewandelt)



zum Schluss dieses Beitrags nun noch ein paar Beispiele von Veröffentlichungen über Michael Heigl, auf die ich bei meiner Recherche über diesen an unterschiedlichen Stellen gefunden habe.

Im Staatsarchiv in Landshut befindet sich eine kleine Privatsammlung aus dem Nachlass des Rimbacher Pfarrers Kiendl, die sogar eine eigene Signatur erhalten hat:
StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl

StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl


Natürlich habe ich den gleich ausgehoben, fand aber darin aber nur eine sehr schön geschriebene Abschrift des Rederschen Beitrags aus dem Jahre 1861.
Trotzdem finde ich es wert, diesen nun anzuführen, weil Reder das Leben des Michael Heigl sehr schön zusammenfasst und die - in den anderen Veröffentlichungen manchmal so gerne benutzten  - Hinzufügungen vermeidet.

StA Landshut Rep 191-Kiendl Nr. 93 Räuber Heigl

 

Lebensgeschichte 
des Räubers Heigl

(aus Heinrich Reder´s "der Bayerwald", Pustet 1861, Seite 193 ff)

 
Weiter geht es mit einem Beispiel aus  der Sammlung unseres Arbeitskreises aus der Mappe "Linke und Döring" und darin findet sich ein Mehrteiler Oskar Dörings über den Räuber Heigl, vermutlich war dies die Grundlage für sein später herausgegebenes Taschenbuch.
So bezeichnete Oskar Döring seine – wohl die bis heute am weitesten verbreitete Veröffentlichung über den Räuber Heigl – selbst als einen „Räuberroman und Tatsachenbericht“. Was er jedoch nicht ahnen konnte, war, dass viele seiner Leser die Schilderungen weit stärker als Tatsachenbericht denn als Roman auffassen würden.

AKH Sammlung "Linke und Döring" LOGO der mehrteiligen Arbeit von Oskar Döring 

 
Hier veröffentlichte Maximilian Schmidt seinen Roman Brigitta über Michael Heigl aufgeteilt in mehr als 30 Fortsetzungen.

In Waldschmidts "Brigitta und der Räuber vom Kaitersberg" - bei der Michael Heigl eine weitere große Liebe zu einer Brigitta angedichtet wird -  wird auch die bekannte Episode breit ausgestaltet, bei der der junge Michael Heigl sich der Einweisung ins Arbeitshaus entziehen konnte.
"Wegen mangelnden Beweises wurde die Untersuchung eingestellt, aber seine Ablieferung in ein Zwangsarbeitshaus auf die Dauer von zwei Jahren verfügt.
Bei der Publikation dieses Urtheils im Verhörzimmer der Frohnfeste zu Kötzting durch den Landgerichts-Assessor F., wobei dem Heigl auch noch zur Abschiede „Fünfundzwanzig“ aufgemessen werden sollten, ereignete sich jene possierliche, alberkannte Scene mit dem Hute. Während nämlich der Beamte mit dem Diktiren des Protokolles beschäftigt war, entfernte sich Heigl an dem Verhörzimmer, sprang eilig die Treppe hinunter in das untere Hausfletz, zog den Hausflur-Riegel, welcher ihm durch seinen früheren Aufenthalt in der Frohnfeste wohl bekannt war, zurück und suchte das Weite. Als er auf der Straße um das Hauseck bog, sah ihn der mit dem Protokoll beschäftigte Schreiber und rief Bestürzung:
„He! Herr Assessor, dort läuft uns ja der Heigl davon!“
Der Assessor, entrüstet, dass ihn sein Aktuarius so in Schrecken versetzte, donnerte demselben zu:
„Halt'n's d' Maul und schreib' s' no' a so! Wo kann er denn hinlaufen? — er hat ja sein' Hut noch da!


Von Maxililian Schmidt, der in seiner Schulzeit Michael Heigl ja sogar persönlich begegnet gewesen war, erfahren wir auch noch eine Personenbeschreibung des Heigl:
Dieser soll - damals 26 jährig -  6 Fuß groß und von untersetztem und muskulösem Körperbau gewesen sein. 
Weiter schreibt er: "Unter einer hohen gewölbten Stirne und nicht starken Augenbrauen blizt ein blaues, lebhaftes Auge hervor. Seine Nase war etwas gebogen; der Mund ziemlich groß, aber wohlgeformt"
 



Räuber Heigl

 🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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Räuber Heigl Räuber Heigl   Die weiteren Beiträge über Michael Heigl und die grafische Auflistung seiner "Tatorte" kann man in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Räuber Heigl finden.

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Dienstag, 14. Juli 2026

Das Ende des Zweiten Weltkrieges und eine seiner Folgen

Ein Zeitungsbericht und seine Hintergründe

Einschub

Am 13.7.2026 kam es auf der Baustelle an der Kötztinger Westumgehung – beim Neubau des Fernradweges – zu einem unplanmäßigen Baustopp. Der Bagger war auf Munition gestoßen, die sich später als eine – durchaus noch scharfe – Artilleriegranate herausstellte.

Foto Christian Kopf: hier kam sie zum Vorschein....

Foto Christian Kopf: eine Artilleriegranate

Selbst der Stofffetzen, der die Granate umgab war noch zu entziffern:




Foto Christian Kopf:


Foto Christian Kopf: der Sprengstoff der zerbrochenen Granate

Beide Kötztinger Zeitungen wandten sich noch an diesem Vormittag an mich mit der Frage, wie ich diesen Fund denn einordnen würde.
Meine Meinung geht eindeutig in Richtung der 11. Deutschen Panzerdivision, von der wir wissen, dass große Teile davon mitsamt ihrer militärischen Ausrüstung Anfang Mai 1945 in Gehstorf und Umgebung gelandet waren – und zwar voll munitioniert.

Col. Reed Museum Vilseck: The Ghosts of Patton`s Third Army: Ankunft der Soldaten in Gehstorf

Diese sehr großen Mengen an Munition wurden erst später eingesammelt und zentral – schlampig und offensichtlich in Eile – vernichtet.
Es gibt die mir kolportierte Aussage eines Bauern, der die – ähnlich wie bei einem Holzstoß – aufgeschichtete Menge an Panzerfäusten folgendermaßen beschrieb: Er hätte noch nie eine so große „Schoa(r)“ (= Holzstoß) gesehen, wie eben diese aufgetürmten Panzerfäuste.
Wenn man darüber hinaus noch berücksichtigt, dass manchmal auch versucht wurde, das eine oder andere an Ausrüstung – zum Beispiel Gewehre, Werkzeug und eben vielleicht auch Munition – zu verstecken, so bleibt für mich trotzdem die Herkunft des Materials eindeutig: die Deutsche Wehrmacht und hier die 11. PD.

Einschub Ende


Ab hier nun wieder der Originalblogbeitrag vom Januar 2022 über einen Zeitungsbericht aus dem Jahre 1953, der sich mit der Munitionsentsorgung 8 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg befasste:

Auch 8 Jahre nach Kriegsende waren die Folgen des Zweiten Weltkrieges noch lange nicht ausgestanden.
 Ende April 1945 hatte die Kriegsfront auch den oberen Bayerischen Wald überrollt und zwei Wochen danach war der Krieg zu Ende.

Kurz zuvor kam es noch zu einer außergewöhnlichen und - für Kötzting segensreichen - Kapitulation der 11. deutschen Panzerdivision, der die amerikanische 2nd Cavalry den Großraum Kötzting als Sammlungsraum zugewiesen hatte. 
Die sich ergebenden deutschen Truppen waren nun wesentlich zahlreicher als es die Amerikaner angenommen hatten und so lagerten in und um Kötzting nicht nur die 11.000 Angehörigen der 11. PD sondern auch eine Unmenge an Fahrzeugen. Manche dieser Fahrzeuge konnten ganz oder teilweise einer zivilen Nutzung zugeführt werden, einige der - neueren - Panzer wurden von den Amerikanern abtransportiert, die große Masse an Militärgerät jedoch blieb auf den Wiesen rund herum um Kötzting noch jahrelang liegen und wurde langsam ausgeschlachtet.

Die moderneren Panzer der Deutschen, die die Amerikaner noch benutzen/untersuchen wollten, wurden am Bahnhof Kötzting verladen.
Foto aus: Anna Rosmus: Valhalla Finale

Bild Josef Barth sen. Auf dieser Wiese grasen in der Gegenwart die Rappen der Brauerei Lindner.


DIA-Repro 2028 ein Panoramabild Kötzting, am rechten Bildrand sieht man noch die 
Fahrzeugreste der 11. PD, die auf der Wiese abgestellt jahrelang ausgeschlachtet wurden.



Ganz anders aber wurde mit der Munition verfahren. Die 11. PD war ja schließlich im Moment der Kapitulation noch kampfbereit und - mit Ausnahme eines geringen Treibstoffvorrats - auch voll einsatzfähig, weshalb nach der Kapitulation nicht nur die Handwaffen - mit Ausnahme weniger Waffen für das Wachpersonal - sondern auch die Granaten und andere Munition eingesammelt und an anderer Stelle vergraben und vernichtet wurden.




Wo dieses "an anderer Stelle" lag, war mir bis zur Zeitungslektüre der 1953er Kötztinger Zeitung unbekannt.  Es war auf der "Holzwiese", einem einsam gelegenen Fleckchen Erde bei Roßberg. Dort wurde die Munition im Frühling/Sommer 1945 wohl gesammelt und - unsachgemäß und schlampig - vernichtet, was eine aufwändige Nachsorgeaktion im Sommer 1953 notwendig machte, die dann allein einen Rest von 30 Tonnen an scharfer Munition sichern konnte. Liest man den Bericht genauer, so steht zu vermuten, dass da noch vieles in den Wäldern um die Holzwiese herum im Boden verteilt liegen könnte und eine mehr oder weniger große Gefahr darstellt.


KÖZ vom Juli 1953

Blaibach. Über 800 8,8-Flakgranaten, 3 000 Schuß Zwei-Zentimeterkaliber, an die 600 Ausrüstungsstelle, El- und Stielhandgranaten, MG-Munition, Stahlhelme, Gasmasken und Maschinenwaffen, deutsche und tschechische, und was man sonst bei den Soldaten noch findet, Minen und Bajonette, haben die Männer des Sprengkommandos Süd (Bohr- und Sprenggesellschaft Röhl-München-Garching) in den letzten drei Wochen unter dem Roßberg aus der Erde geholt. Ohne viel Aufsehen davon zu machen, täglich 70 bis 80 Geschoße verschiedener Größe allein am vorgestrigen Tag sieben Tonnen an tödlichem Eisen und Stahl.

KÖZ vom Juli 1953

Pioniere sprengten wie Stümper

Auch die aus der CSR herausmarschierenden Panzerverbände des Heeres hatten an jenem 8. Mai 1945 im Kötztinger Raum die Waffen gestreckt. Aus den Nachbargemeinden, dem Lamer Winkel und selbst von Cham her, war hier auf der idyllisch gelegenen, in den Roßbergwald gebetteten Holzwiese, die heute einem Schlachtfeld gleicht, tausendfach der Tod zusammengetragen worden. Die Blaibacher wissen von den letzten Kriegstagen und dem, was folgte, ein Lied zu singen: Detonation um Detonation brach vom Walde her über das Dorf. Fensterscheiben zerbrachen, Stubendecken krachten auf die Böden. Die deutschen Pioniere, die im Mai und Juni des Zusammenbruchsjahres letztmals am Werk waren, hatten entweder wenig Lust, mehr an der ganzen Arbeit oder sie waren elende Stümper. Ihre Munitionssprengungen — unter Aufsicht der Amerikaner — erfaßten nicht die Masse der zu vernichtenden Geschoße. Kilometerweit verseuchten sie Äcker, Wiesen Raine und Waldboden. Auf der Holzwiese blieb der riesige Sprengtrichter zurück und Munition, von der Gewalt der Detonationen in die Erde getrieben, todbringend wie ehedem.

Eldorado der Buntmetallfunde

Wiederholt versuchten in den folgenden Jahren Buntmetallsammler aus diesen Umständen einen Nutzen zu ziehen. Sie machten sich an die Schatzgräberarbeit mit einer Unbesonnenheit, die ihresgleichen sucht. Wenn die Alten schon nicht die Gefahren erkannten, wie sollte es die Jugend? Es kursieren zu viele Geschichten in den Dörfern um den Roßberg, um sie unterzubringen. Geschichten von kindlichem Leichtsinn, unerhörter Freibeutersucht und verderblichem Unverstand. Seit die Kunde eines tragischen Vorfalles die Gemüter erschütterte, gab es für die Verwaltungs- und Polizeistellen nur noch eins: Weg mit dem Zeug, so schnell als möglich.

Flakgranaten in drei Meter Tiefe

Das von der Landpolizei angeforderte Sprengkommando ist vor drei Wochen erschienen. Meter um Meter haben die unerschrockenen Männer den Sprengtrichter auf der Holzwiese umgewühlt. Bis zu drei Metern in die Tiefe sind sie gestoßen. Massenweise kam Munition zum Vorschein, verrostet und überzogen, sie häufte sich wie Stere von Holz an der Waldstraße. Nun ist ein Minensuchgerät eingesetzt, um den Umkreis gründlich abzutasten. Sich tiefer in die Wälder zu verlieren, hieße für das Sprengkommando, viel zu viel Zeit aufzuwenden.

Das würde mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen, um auch dort hundertprozentig zu leisten. Sie ist bisher überhaupt nicht. Wasserandrangs aus dem Bach erschwert. Immer wieder war die Pumpe anzusetzen, aufs neue mit den Schöpfern in die Tiefe zu gehen.

Hauptteil der Munition abtransportiert

Der Hauptteil der Fundmunition und Ausrüstung ist in den letzten Tagen nach Garching bei München abtransportiert, die unter allen Sicherheitsmaßnahmen, die man nur denken kann. Sind die Geschoße leicht, werden sie der Verschrottung zugeführt; leicht werden eines Tages neue Geräte daraus? Nächste Woche werden die Männer des Sprengkommandos ihre gefahrvolle Arbeit auf der Holzwiese abgeschlossen haben. Dann fahren sie nach Plattling. Dort liegt auch Munition. Jede Menge. Acht Jahre nach dem letzten Krieg.


Welche menschliche Tragödie der Krieg auch für unser Gebiet bedeutete, zeigen die nackten Daten: 3700 gefallenen und 800 weiteren vermissten Menschen kostete der Krieg das Leben und nicht zu vergessen auch das Elend der Millionen Geflüchteten und Vertriebenen.


Zum Volkstrauertag   (Artikel der Kötztinger Zeitung vom November 1955)

3700 Gefallene und 800 Vermisste im Kreis Kötzting

An den Gedächtnisstätten und in den Kirchen wird die Bevölkerung morgen der Opfer des Krieges gedenken

Kötzting. Zweimal innerhalb einer Generation hat der Tod eine furchtbare Ernte gehalten. Allein im zweiten Weltkrieg 1939/45 büßte das deutsche Volk 6,8 Millionen Menschen ein. Über 3 700 Männer aus dem Landkreis Kötzting fanden im zweiten Weltkrieg den Tod; die Suchdienstlisten des Bayerischen Roten Kreuzes registrieren noch immer aus den Kreisgebiet über 800 Vermisste. Auch die Friedhöfe des Landkreises Kötzting sind Zeugen des tragisch-gigantischen Geschehens: Über 86 Soldaten- und 41 Flüchtlingsgräber haben die Gemeinden im Auftrage des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge im Landkreis Kötzting errichtet.

204 Gräber und Vermisste in der Pfarrei Kötzting

Die Verluste der deutschen Wehrmacht an Gefallenen und Verstorbenen von 1914 bis 1918 einschließlich der nachträglichen Sterbefälle Beurkundungen bis zum 31. Dezember 1952 betrugen 1938 897, im zweiten Weltkrieg hatte die deutsche Wehrmacht 3 250 000 Tote zu beklagen. Die Zahl der Gefallenen aus dem Landkreis Kötzting wird mit 3 700 angegeben. Aus der Pfarrei Kötzting mit den Gemeinden Kötzting, Arndorf, Gehstorf, Haus, Kötzting und mit 1 700 angehörten im zweiten Weltkriege 133 Männer den Tod; 111 ehemalige Angehörige der deutschen Wehrmacht sind als vermisst gemeldet.

Neben Soldaten- Heimvertriebenengräber

Ungleich größer und durch die Zusammenhänge tragisch, sind die Verluste der Zivilbevölkerung der Ostprovinzen des Deutschen Reiches bei ihrer Vertreibung in den Jahren 1944 bis 1946. Diesen
 1 500 000 Verschollenen steht die auf mindestens 1 Million geschätzte Zahl der Deutschen aus Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, der CSR und Polen, die bei der Vertreibung umgekommen sind oder in die Sowjetunion verschleppt wurden, nicht nach. Die deutsche Zivilbevölkerung erreichte demnach mit über 3 Millionen Toten und Verschollenen fast die Zahl der Wehrmachtstoten. Der Grenzlandkreis Kötzting, bis 1945 von Kriegswirkungen nicht berührt, wurde zu einer der ersten Auffangstellen. Zahlreiche Soldatengräber und letzte Ruhestätten von Heimatvertriebenen erinnern an das furchtbare Geschehen. Neben 86 Gräbern ehemaliger deutscher Wehrmachtsangehöriger wurden im Landkreis Kötzting von den Gemeinden im Auftrage des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge die Gräber von über 40 Zivilpersonen betreut, die in den Wirrnissen der letzten Kriegstage oder auf dem Wege aus der Heimat ums Leben kamen.

Überführungsaktion Holzkirchen

Unter Aufsicht des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge standen bisher im Landkreis Kötzting über 127 Soldaten- und Zivilistengräber. Nicht eingeschlossen sind die Gräber von Personen, die an den Folgen des Krieges, an Kriegsverletzungen, Elend und Leid zerschellten. In der Gemeinde Atzlern bei Mais liegen Blumen auf den 39 Gräbern von Soldaten der ehemaligen Wlassow-Armee. In Miltach wurden auf dem neuen Friedhof 17 ehemalige Wehrmachtsangehörige bestattet. Blaibach betreut 6 Soldaten- und 4 Zivilistengräber, die Stadt Kötzting 18 Soldaten- und 2 Zivilistengräber. Im großen Friedhof der Wallfahrt Neukirchen b. Hl. Blut haben 30 Zivilpersonen, Heimatvertriebene aus Schlesien u. dem Sudetenland, darunter zahlreiche Kinder, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Kriegsgräber befinden sich ferner in den Gemeinden Warzenried, Rittsteig und Lohberg. Ein Teil der gefallenen und verstorbenen ehemaligen Wehrmachtsangehörigen, die im Landkreis Kötzting bestattet worden waren, ist in der Zwischenzeit in den neuen Soldatenfriedhof in Niederbayern in Holzkirchen bei Vilshofen übergeführt worden. Die Aktion, die der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge durchführt, ist noch nicht abgeschlossen.

Gedenket ihrer in Ehren...

Der morgige Volkstrauertag, der auch in den Gemeinden des Landkreises Kötzting mit würdigen Feierstunden begangen wird, soll alle Opfer des totalen Krieges in ehrende Erinnerung zurückrufen. Bereits wenige Jahre nach Kriegsende sind in den Gemeinden Gedächtnisstätten entstanden oder wurden die Namen der Gefallenen und Vermissten des letzten Krieges durch Gedächtnistafeln ergänzt. Größere Gedächtnisbauten waren in den letzten zwei Jahren insbesondere in der Kreisstadt (Gefallenengedächtnisstätte), in Chamerau, Blaibach, Hohenwarth, Miltach u. a. Gemeinden zu verzeichnen. Erst vor wenigen Tagen wurde auch in der Landwirtschaftsschule in Kötzting eine Erinnerungstafel der Gefallenen und Vermissten der ehemaligen Landwirtschaftsschüler enthüllt. An all diesen Ehrenmalen wird sich zum Volkstrauertag 1955 die Bevölkerung versammeln, um derer zu gedenken, die ihr Leben im heiligen Glauben für Volk und Vaterland gaben.



🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
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Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden und zwar am Baierweg direkt am Fundort

 

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

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Sonntag, 12. Juli 2026

Lesestammtisch

Einladung zum
 monatlichen Lesestammtisch
des Arbeitskreises Heimatforschung

 




Was wollen wir im September lesen? 

Seit nunmehr 30 Jahren treffen wir uns, um gemeinsam historische Originalquellen aus Bad Kötzting und seinem Umland zu lesen, zu entziffern und ihre Geschichte zu entdecken.

Im September führt uns unsere Reise in das Jahr 1815 nach Steinbühl. Dort bemüht sich der Steinbühler Schulmeister und Mesner um eine Verbesserung seiner Schulverhältnisse. Seine Eingaben geben uns einen seltenen Einblick in den Alltag einer Landschule zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Besonders aufschlussreich ist der überlieferte Plan des damaligen Schulhauses, das einsam oberhalb des Dorfes unmittelbar neben der Kirche stand. Noch erstaunlicher sind jedoch die Schülerlisten: Kinder aus zahlreichen umliegenden Ortschaften besuchten die kleine Schule in Steinbühl – mit Schülerzahlen, die heute kaum noch vorstellbar sind.

Wie immer werden wir die Originalquellen gemeinsam lesen und dabei erfahren, welche Schwierigkeiten den Schulalltag prägten und welche Vorstellungen der Lehrer von einer zeitgemäßen Schule hatte.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Quelle findet Ihr im ersten Textbeispiel



"Schulsache                                                                                      praes den 14. Maerz 1815

Königliches Baierisches Landgericht Kötzting!

Ich am Ende unterthänigst gesetzter, habe den Schullehrers und Meßnersdienst bey der Filial Steinbühl der Pfarr Kötzting, im k. Lamndgerichte gleichen Namens schon seit 23 Jahren zu bedienen, ich verehelichte  mich mit Consens der dortmaligen Kirchen Cumulativ und nun bin ich mit 8 Kindern belastet.
Der Ertrag dieses Dienstchens ist nun so unbedeutender als die zur Filial zugetheilten Pfarrgemeinden, dass ich bey diesen Verhältnissen mit meiner Familie an der täglichen Nahrung, selbst bey der beschränktesten  Lebensart noch Mangel leiden muss; dieses ist nun so augenfählig, weil ich sonst nichts beyzusetzen habe, auch die Kinder noch zu unfähig sind, etwas verdienen zu können.
Es ist zwar durch allerhöchste Landesherrliche Verordnungen für den Lebensunterhalt der Schulehrer weniglichst gesorget. Dass bey Gemeindsweydenschaftsgründte zur Kultur, immer für die Schule ein gleicher Antheil vorbehalten und nutznüßlich zu getheilt werden soll. Leider dass der ...."




Alte Schrift? Ja.
Vorkenntnisse nötig? Nein.

📌 Man muss diese Texte nicht fließend lesen können, um dabei zu sein.
Viele hören einfach zu, lesen still mit – und ganz nebenbei lernt man, solche Quellen besser zu entziffern.
Wie immer ergeben sich außerdem zahlreiche Gespräche über andere historische und zeitgeschichtliche Themen.

🕯️ Termin:
📅 Dienstag, 22. September 2026
18.30 Uhr
📍 Kneippstüberl – Hotel zur Post

🗺️ Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.

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