Neuigkeiten aus dem Stadtarchiv
Am Montag, dem 12. Oktober 2026, fuhr ich nach Floß, um im Rathaus des Marktes an einem Treffen des Netzwerks Jüdisches Leben und Erbe in Bayern teilzunehmen.
![]() |
Der Besuch hatte für mich auch einen ganz persönlichen Bezug zu meiner derzeitigen historischen Arbeit: Auf dem jüdischen Friedhof in Floß sind Mitglieder der Tirschenreuther Familie Klein begraben, deren Schicksal eng mit dem der Kötztinger Familie Kirschner verbunden ist. Erst in der vergangenen Woche hatte ich damit begonnen, die Geschichte dieser Familien anhand der überlieferten Briefe und weiterer historischer Quellen zu dokumentieren.
So erhielt das Netzwerktreffen für mich eine besondere Bedeutung. Es bot nicht nur Gelegenheit zum fachlichen Austausch über das jüdische Leben und Erbe in der Oberpfalz, sondern führte mich auch an einen Ort, der unmittelbar mit den Menschen verbunden ist, deren Lebenswege ich rekonstruieren möchte.
Das war meine nüchterne Ausgangslage. Mehr hatte ich von diesem Nachmittag eigentlich gar nicht erwartet. Was sich dann aber entwickelte, sollte weit mehr werden, als ich mir hätte vorstellen können.
Es begann schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung. Dr. Tobias Appl, der Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, schlug spontan vor, ich könne doch meine Dokumentation über die Briefesammlung in der Runde kurz vorstellen. Ein Vorschlag, mit dem ich nicht gerechnet hatte, der aber sofort aufgegriffen wurde: Frau Binswanger vom Bayerischen Landesverein für Heimatkunde stellte daraufhin kurzerhand das Programm um. Bei ihrer Begrüßung kündigte sie den Teilnehmern nicht drei, sondern dreieinhalb Vorträge an.
Erst danach warf ich einen Blick auf das Programm. Beim dritten Beitrag las ich den Namen des Vortragenden: Pfarrer Alfons Forster.
In diesem Moment klingelte etwas bei mir. Alfons Forster – so hatte doch einer unserer Geistlichen Offiziatoren beim Kötztinger Pfingstritt geheißen!
Und gerade als mir dieses Lichtlein aufging, kam er zur Tür herein. Damit war klar: Es handelte sich nicht um eine bloße Namensgleichheit. Vor mir stand tatsächlich unser „Kobrata“, der von 1982 bis 1984 als Geistlicher Offiziator beim Pfingstritt dabei gewesen war.
![]() |
| Christine Ascherl im Gespräch mit Pfarrer Alfons Forster |
Und dann gings los mit den Vorträgen:
Der erste Beitrag beschäftigte sich mit dem jüdischen Friedhof in Cham, insbesondere mit der kürzlich erfolgten Restaurierung und Reinigung der Grabsteine, die zugleich der Dokumentation dienen sollte.
Wie notwendig diese Arbeiten gewesen waren, zeigte gleich das erste Beispiel: ein vollständig mit Efeu überwuchertes Grab. Ein anschließender Vorher-nachher-Vergleich machte das Ergebnis der Reinigung deutlich. Es war die Grablege der Familie Kirschner aus Kötzting. Dass ausgerechnet dieses Grab als erstes Beispiel gezeigt wurde, war ein passender Zufall – gerade an einem Nachmittag, an dem ich mich ohnehin darauf vorbereiten musste, meine erst kurz zuvor begonnene Dokumentation über die Briefe der Familien Klein und Kirschner spontan vorzustellen.
![]() |
| Das Grab der Eltern Kirschner ist zugleich mit einer Gedenkplatte versehen, die an die ermordeten Familienmitglieder erinnert. |
Als Nächstes stellte Frau Christine Ascherl die Stolperstein-Aktion in der Stadt Weiden vor, die sie gemeinsam mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Weiden sehr erfolgreich gestalten konnte. Frau Ascherl sollte im Laufe des Nachmittags noch eine große Überraschung für mich bereithalten.
![]() |
| Pfarrer Alfons Forster bei seinem Vorstellung |
Pfarrer Alfons Forster knüpfte anschließend an die vorhergehenden Beiträge an, weitete den Blick aber über die einzelnen Projekte hinaus. Er erläuterte die Grundsätze der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die er vor vielen Jahren gegründet hatte, und ging insbesondere auf die Öffentlichkeitsarbeit mit den Weidener Schulen ein.
Dann war ich an der Reihe. Ich durfte meine Dokumentation über den Briefwechsel der Familien Klein und Kirschner aus Tirschenreuth und Kötzting vorstellen.
Frau Binswanger schaffte es in der kurzen Zeit, meinen Blogbeitrag auf die Leinwand zu bringen. So konnte ich meinen spontanen Kurzvortrag auch mit Bildern veranschaulichen. Inhaltlich lag mein Schwerpunkt dabei allerdings weniger auf der Kötztinger Familie Kirschner als vielmehr auf den Tirschenreuther Familien Klein und Pick.
Kaum waren die Namen gefallen, kamen aus der Runde bereits Bestätigungen und Nachfragen. Offenbar waren diese Familiennamen einigen der Zuhörer durchaus vertraut. Damit zeigte sich unmittelbar, dass meine Dokumentation an vorhandenes Wissen und eigene Erinnerungen der Anwesenden anknüpfen konnte.
Frau Elisabeth Singer-Brehm, die den Vortrag über den Chamer Friedhof in Windischbergerdorf gehalten hatte, konnte mir sofort auch die Grablegen der betreffenden Familien auf dem jüdischen Friedhof in Floß lokalisieren. Damit konnte ich meinen Kurzbeitrag abschließen und mich auf den anschließenden Friedhofsbesuch freuen.
In der Pause wartete dann allerdings die für mich wohl größte Überraschung des Nachmittags auf mich.
Frau Christine Ascherl kam auf mich zu und erzählte mir, dass sie sogar Bilder von Betty Pick besitze. Betty war eines der beiden Pick-Mädchen, die in der Dokumentation der Briefe noch eine wichtige Rolle spielen werden. Ihr Schicksal war tragisch: Betty fiel der Schoah zum Opfer, während es ihrer Schwester Siddy gelang, nach Palästina zu entkommen.
Ich hatte bereits zuvor an Shelly Feder in Israel geschrieben und angefragt, ob sich in ihrer Sammlung möglicherweise Bilder der beiden Mädchen befänden. Leider hatte ich eine Absage erhalten. Umso erfreulicher war nun die Nachricht aus Weiden: Ich werde demnächst ein Foto von Betty Pick erhalten.
Damit hatte dieser Nachmittag eine weitere unerwartete Verbindung zu meiner Arbeit geschaffen. Ausgerechnet bei einem Treffen, zu dem ich ursprünglich ohne eigene Vortragspläne gefahren war, ergab sich nun die Aussicht, die Geschichte der beiden Schwestern künftig auch mit einem Bild von Betty dokumentieren zu können.
Und danach gings zum jüdischen Friedhof am Ortsrand:
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß |
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß |
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß |
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß Sophie Klein war die Besitzerin des Kaufhauses Klein, das nach ihrem Tode an die Picks überging |
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß: Hier "könnte" es sich um den Ehemann der Sophie Klein handeln. |
![]() |
| Foto Pongratz: jüdischer Friedhof in Floß Nochmal das Grab der "Pik"s im Zusammenhang des Friedhofes. |

















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.