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Montag, 20. April 2026

Ein alter "Beruf": der Ameisler

Aus dem Bücherbestand des so früh verstorbenen Kurt Kühlmeyer haben wir für das Bad Kötztinger Stadtarchiv einige weitere Bücher erhalten, darunter auch  die zwei Bände des Neuerner Lehrers und Volkskundlers Josef Blau: "Böhmerwälder Hausindustrie und Volkskunst" als Originalausgabe aus dem Jahre 1919. (Der Morsakverlag brachte diese beiden Bände in der Vergangenheit in mehreren Neuauflagen wieder heraus).
Beim Durchblättern der hochinteressanten Bücher stieß ich auf die Abhandlung über einen (seltsamen und schon lange ausgestorbenen) Beruf, der mich direkt an meine Kinderzeit denken ließ.
Mein Vater war zwar Kötztinger Bäckermeister in seinem Hauptberuf aber im Hintergrund drehte sich bei ihm vieles um Tierhaltung und Tierzüchtung. Vor allem ging es um Geflügel und dabei durchaus auch um essbare.....

Die Berufsbezeichnung, um die es in dem Buch ging, hieß: "der Ameisler" und das, was dieser "Ameisler" machte, konnte auch mein Vater.
Zunächst aber als Hinführung zu diesem Thema eine Beschreibung der Situation im Hause Pongratz in der Marktstraße mit der Wandlung von der Brieftaubenhaltung zum Minivogelpark mitten am Marktplatz.

 

Dieser große Stadel im Hinterhof des Anwesens Pongratz  wurde Anfang der 1960er Jahre abgerissen.


Im Hinterhof kann man das neue Flachdachgebäude erkennen. Am Marktplatz ist noch der alte
Kuhstallpflasterbuckel vorhanden, ein Belag, wie er heute noch an der St. Veitskirche vorkommt und 
man sieht, dass damals noch Gras und Klee wuchs auf dem Kötztinger Marktplatz.
Bild Hans Traurig 

Mit dem Abbruch des großen Stadels im Hof und dem Neubau des Nebengebäudes war nun auch Platz für einen "vernünftigen" Taubenschlag und die umfangreichen Volierenanlagen. 


KU SW 845. Brieftaubeneinsetzen im Hinterhof der Bäckerei Pongratz.
Mitte mit der Lederjacke Franz Wagerer


Ein Zufallsfund: beim Durchstöbern alter DIAs habe ich im Bild die "Taubereruhr" meines Vaters gefunden. Deutlich sichtbar ist der kreuzförmige Schlüssel, mit dem bei einem - einem Wettflug vorgelagertem - Treffen, die Uhren aller Teilnehmer geeicht, welche anschließend verplombt wurden.
Mit demselben "Schlüssel" wurde nach dem Eintreffen der Reisetaube und der Sicherstellung des Gummiringes dieser in einer Kapsel verschlossen. Diese Kapsel konnte in die Uhr gesteckt und dort versperrt werden. Eine Umdrehung mit dem Kreuzschlüssel und es wurde zusätzlich noch ein Papierstreifen als Protokoll und Beweis bedruckt. 

Hier der neue Bau im Hinterhof, noch mit einem großen Taubenschlag. Im Zimmer rechts außen
konnte der Einflug der Taube beobachtet und diese sofort von ihrem Gummiring befreit werden. Darunter waren bereits die ersten Volieren sichtbar, die alle im Hintergrund einen großen beheizbaren Innenraum besaßen.

Später kam dann - links als Anbau an die Volieren - noch ein weiterer Käfig für unsere Eichhörnchen hinzu, die nicht mehr innerhalb der Wohnung gehalten werden konnten.
Junge Eichhörnchen im elterlichen Wohnzimmer.

Die "ausquartierten Eichhörnchen" mit meiner Schwester


Der Reisetaubensport ist nicht nur spannend, sondern auch sehr zeitraubend, und so legte mein Vater - vermutlich mit etwas Druck von seiner besseren Hälfte -  seine Ämter bei den Tauberern nieder und stieg in die Vogelzucht ein. Anfänge dazu hatte es schon gleich mit dem Bau der Volieren gegeben. Hier konnte er den Zeitverbrauch seines Hobbies besser den Erfordernissen der Bäckerei anpassen.
Zuerst waren es nur die noch relativ einfach zu kultivierenden und fütternden Zebra- und Prachtfinken, die mit ihrem Gezwitscher den Hof füllten.
Dann aber kamen die Weichfresser hinzu, die chinesische Nachtigall, Schamadrossel, Pitas, Zwergwachteln, Rallen, Kardinalvögel und so weiter, für die er zusätzlich auch für beheizbare Innenräume zu sorgen hatte und eben Weichfutter, von Obstscheiben bis hin zu Lebendfutter.

Der Beo wurde zum kleinen Problem, weil er den familieninternen Pfiff, mit dem sich meine Eltern informierten, dass der jeweils andere im Hauptgebäude gebraucht würde, so oft gehört hatte, dass er ihn täuschend ähnlich nachmachen konnte und so munter vor sich hin pfeifend meine Eltern ärgerte. 

Der Beo imitierte sowohl die chinesische Nachtigall
wie auch den „Familienpfiff“ der Eltern

 

Chinesische Zwergwachteln mit ihrem halbwüchsigen Jungen. Direkt nach dem Schlüpfen haben diese eine Größe gerade mal wie eine Hummel.


Schamadrossel 


eine Ralle


Ein roter Kardinal


Die Prachtfinken


Diamanttäubchen


Ein Pitta


Dies sind einige der Vögel, von denen ich noch Bilder habe finden können.
Im ersten Stock wurden später die Taubenschläge rückgebaut und 6 oder 7 längliche Flugvolieren für die Papageienzucht (Nymphemsittiche) errichtet. Noch heute kann man an dem Rückgebäude im Innenhof diese Strukturen erkennen.
Papageien, Kanarienvögel und Wellensittiche wurden in großem Stil gezüchtet und auch verkauft.
Für manche seiner Lieblinge - eben die oben genannten Weichfresser -  war es sehr aufwändig, abwechslungsreiches Futter zu erhalten, aber da war mein Vater sehr erfindungsreich und hatte uns Kinder als seine Unterstützer.

Spezialfutter 1: Löwenzahnblüten für die Körnerfresser
Vor dem Abflug der "Flugschirme"  des Löwenzahnblütenstandes durchläuft der Blütenkopf mehrere Stationen.
Austrieb - Blüte - Schließen der Kronblätter - Samenerzeugung - Öffnung der Kronblätter - Abflug.
Der richtige Moment der Ernte ist der Zeitpunkt, wenn die Samen gebildet sind und die Spitzen der späteren Schirme bereits weiß über die geschlossenen Kronblätter hinausragen. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Blütenköpfe geerntet werden. Danach werden die geschlossenen Kronblätter mit den Schirmen abgerissen und es verbleibt der Blütenboden mit den eingebetteten schwarzen Samenkörnern. 
Spezialfutter 2: Heuhüpfer und dann noch 
Spezialfutter 3: Ameiseneier 
Und damit sind wir endlich beim Thema: 
Gleich zuvor ein Hinweis: 
Nicht nur, dass die großen Roten Waldameisen bei uns in den 60er Jahren bereits streng geschützt  waren, es hätte diese Riesen-Ameisenhügel bei uns auch gar nicht in der ausreichenden Menge (mehr)  gegeben. 
Anders als in dem folgenden Artikel von Josef Blau beschrieben, sammelte mein Vater ausschließlich die Eier der viel kleineren aber dafür auch sehr weit verbreiteten und - vor allem auf sonnigen Hängen und Rainen sehr häufigen - kleinener schwarzen Wegameise.  

Der Ameisler - nach Josef Blau

Er hat seinen Arbeitsplatz im Walde. Von einem ebenen, unbgrasten und unbemoosten Flecke aus führen nach mehreren Seiten kleine, kurze und seichte Gräben, die jeder in ein wenig tiefes Grübchen endigen. Gräben und Grübchen sind mit grünem Reisig bedeckt. Der Ameisler ist nicht da. Er arbeitet eben an einem Haufen der roten Waldameise. Behende schaufelt der Mann das aufgedeckte Innere des Haufens mit den weißen Puppen und vielen Ameisen und den Massen Nadeln auf ein Tuch oder in einen aufgehaltenen Sack. Er fasst die Enden des Tuches zusammen (bindet den Sack zu) und eilt zu seinem Platze. Hier schüttet er den Inhalt ergreifen die Ameisenpuppen und trachten sie zu verbergen. Sie flüchten in die gedeckten Laufgräben und legen ihre glücklich geretteten Lasten in die finsteren Gruben; dann eilen sie zum wirren Haufen zurück und holen so lange Puppen herbei, bis nur mehr die Nadeln und das Volk der Arbeiterinnen in der Mitte zurückbleiben. 
Der Ameisler hat sich unterdessen in die Sonne gelegt oder neue Ameisen herbeigeholt. Er hat die Hände ganz rot und entzündet, was von der vielen Ameisensäure herrührt, mit der ihn die aufgeschreckten Tierchen, ihr bedrohtes Heim verteidigend, bespritzen.
Ist seine Arbeit zu Ende, so holt er die „Ameiseneier“ aus den Grüblein in ein eigenes Säckchen und begibt sich, zufrieden mit seiner Ausbeute, nachhause.
Die „Ameiseneier“ dienen als Futter für Singvögel. In früherer Zeit wurde die Ameislerei viel stärker betrieben als heute, wo nur noch hie und da ein Vogelliebhaber im Laufe des Sommers einmal an einem Sonntag-Nachmittag ameiselt. Vor dreißig Jahren kannte ich Leute, die mit Ameiseneiern zu den „Vögelnarren“ kamen und sie ihrer seitelweise verkauften. In der Nähe von Wien gab diese Beschäftigung um 1870 noch einigen Familien Erwerb.¹)

Schaller berichtet aus dem Gebiete der Herrschaft Merklīn bei Staab 1789:
„Einige der hiesigen Leute wissen auch auf eine sehr leichte Art eine große Menge Ameiseneyer zu sammeln, die sie bis Prag und Wien abliefern.“



Natürlich gibt es Weich- und Lebendfutter zu kaufen bzw. zu züchten, auch bei uns stand im sogenannten  "warmen Zimmer" über der Backstube ein Zuchtkasten für Mehlwürmer, aber diese waren viel zu nährstoff- und nicht abwechslungsreich genug. 
Vaters  "Viechtacher Tour zur Mittagszeit" - also die Belieferung unserer Wiederverkaufskunden im Bereich des Landkreises Viechtach. -  führten ihn zu vielen "Brotweibern" - genauer in der Einzahl: "Broutweij" genannt- , die zumeist auf einzeln stehenden Bauernhöfen lebten und die Brotlaibe verkauften, um sich ein Zubrot zu verdienen.  Zu diesen Bauernhöfen führten häufig nur Feldwege, deren Wegeränder und Raine im Hochsommer von den Hügeln der normalen Wegameise geradezu übersäht waren. 
Ein gut schließender Blecheimer war immer im Auto und nun musste man nur schnell sein. 
Zu Mittagszeiten transportieren die Ameisen nämlich ihren gesamten Puppenbestand hinauf in den oberirdischen Teil des Ameisenbaus - und bringen diese nachts wieder in die Tiefe und Wärme des Baues zurück. Mittags im Hochsommer waren also diese kleinen Ameisenhügel im Inneren gefüllt mit einer Unmenge von Ameisen"eiern" und natürlich auch mit vielen Ameisen.
Schritt eins: Deckel des Eimers auf und den ganzen Hügel - händisch - schnell mitsamt der Erde, den Eiern (eigentlich sind es Ameisenpuppen) und den Ameisen in den Eimer schieben und den Deckel wieder GUT schließen.
Schritt zwei: bei uns im Hof lag in einer sonnigen Ecke ein alter Schubladen mit einer Glasabdeckung, die an einer Ecke abgeschattet war.  In diesen alten Schubladen mitten in der prallen Sonne wurde nun der gesammelte Inhalt geschüttet.
Die Ameisen lieben zwar Wärme, aber dort unter der Glasscheibe ist es halt nicht warm, sondern heiß, viel zu heiß für das Gelege, weshalb die Ameisen sofort beginnen, ihre Puppen aus der Erde/Puppen  Mischung  herauszupulen und diese in der abgeschatteten Ecke in Sicherheit zu bringen.
Diese abgeschattete Ecke ist aber in Wirklichkeit ein kleiner Schuber, der nach kurzer Zeit ALLE Ameiseneier des Eimers schön sortiert enthält. Nun kann dieser kleine Schuber entnommen werden und man erhält
Schritt drei: ein kleines Päckchen Ameiseneier bereit zum Einfrieren als Winterfutter für die Weichfresser. 

Zur Ergänzung hier noch zwei Bilder von Überbleibseln aus dem Haushalt Pongratz:


Foto Pongratz: Das ist einer der Versandtkörbe für die Brieftauben

Foto Pongratz: Dieser "Wohnzimmerschrank" stand in unserem "Kombi-Kinder-Tiere-Spielezimmer im Erdgeschoss, in dem dann wahlweise die Kanarienvögel/Zeisige/Stieglitze/Gimpel zwitscherten. Zusätzlich wohnten dort auch noch - solange sie klein waren - die zwei Eichhörnchen, ein einsamer Gockel - genannt Hansi -, der als Küken halb erfroren auf einem Misthaufen in Wettzell entdeckt und gerettet wurde, und ein/zwei Goldhamster in ihren Käfigen.


🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Auch dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte Kötztings eingetragen.
Dort werden Beitrag um Beitrag aus der Häuserchronik und die vielen anderen  historischen Themen dieses Geschichtsblogs direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.

 Reserve weiß Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden.









Freitag, 17. April 2026

Radfahren in Kötztings Geschichte

Historische Einkehr mit Zusatzschmankerl

Thema: Rund herum um den Haidstein







Historische Einkehr


Gleich zu Beginn ein wichtiger Hinweis:

Die Teilnahme an einer geführten Radltour ist einfach ein zusätzliches Angebot und keine Voraussetzung für die Historische Einkehr. Wer also lieber direkt zum "normalen" Abendprogramm kommen möchte, für den bleibt es wie gewohnt: einfach bei der Kurverwaltung für die Einkher anmelden und dabei angeben, ob die Teilnahme mit Radlfahrt oder nur am „Essensvortrag“ im Restaurant Edelweiß in der Spielbank gewünscht ist.

In diesem Frühjahr bekommt unsere beliebte „historische Wanderung mit Einkehr“ eine frische Wendung. Wir schalten einen Gang höher – und steigen aufs Rad.  Unsere Radltour führt auf einem abwechslungsreichen Rundkurs hinauf zum Haidstein, mit Blicken in Landschaft und Geschichte. Den Abschluss bildet schließlich – ganz traditionell und doch neu gedacht – die historische Einkehr in der Spielbank Bad Kötzting. Dort begeben wir uns, wie gewohnt mit Bildern, Dias und Erzählungen, gemeinsam auf eine kulturgeschichtliche Reise über die Orte der Radltour.
Treffpunkt für die Historische Einkehr ist um 17.00 Uhr im Eingangsbereich der Spielbank Bad Kötzting.

Ablauf & Zeiten
Die Radfahrer treffen sich um 13.30 Uhr zur Abfahrt vor dem Pongratz-Stall und werden den Zielpunkt Spielbank Bad Kötzting gegen 17.00 Uhr erreichen und dabei noch einmal der Hinweis, dass eine Teilnahme an der Historischen Einkehr natürlich auch ohne die vorherige Radfahrt möglich ist, denn  nicht jeder aus der großen Runde unserer „Stammteilnehmer“ möchte/kann eine rund 24 km lange Radstrecke mit vielen geschotterten Teilstrecken mit dem Fahrrad fahren. 


Wichtiger Hinweis zur Strecke:
Ein Großteil der Route verläuft auf geschotterten Forststraßen. Deshalb sollten nur diejenigen teilnehmen, die sich einen unebenen und stellenweise auch lockeren Untergrund zutrauen.
Eine angemessene Schutzausrüstung, insbesondere ein Fahrradhelm, gehört selbstverständlich zur Grundausstattung.  Und keine Sorge:  Ich selbst bin mit dem E-Bike unterwegs – E-Bikes sind also ausdrücklich willkommen 🚴‍♂️🙂  


Anmeldung:

Anmeldung wie gewohnt über die Kurverwaltung.
Bitte geben Sie dieses Mal bei der Anmeldung an, ob Sie an der Radltour teilnehmen möchten oder ausschließlich zur historischen Einkehr dazukommen.


Wer die Radlstrecke mitfährt, erlebt bereits den „roten Faden“, der sich später durch die DIA-Show bei der Historischen Einkehr zieht.

Gleich zu Beginn nehmen wir uns Zeit für den Startpunkt selbst:
Es gibt kurze Einblicke in das Flurstück, an dem wir uns versammeln, in den Urtlbach, den Gehsberg, den Schinderbuckel und das geheimnisvolle „Kroith“ – ein idealer Auftakt, um Landschaft und Geschichte miteinander zu verknüpfen.  Nach einem kleinen ersten Anstieg vorbei am „Pferdestall-Misthaufen“ erreichen wir die Staatsstraße, queren sie und radeln hinüber zur Kapelle von Gehstorf, weiter zum Schmied und zum Feuerwehrhaus – alles Orte mit eigener Geschichte, die man meist achtlos passiert. 
Im Anschluss beginnt ein längerer, aber gleichmäßiger Anstieg nach Ried hinterm Haidstein. Der Weg führt vorbei am fast schon legendären Gartenfestplatz der Gehstorfer, am Trimm-Dich-Pfad – und schließlich zu unserem ersten größeren Ziel: der Rieder Linde, einem markanten Punkt mit Geschichte und Ausblick.
Der Trimm-Dich-Pfad


Danach geht es zunächst ein kleines Stück zurück und dann den Forstweg direkt hinüber zum Hotel Bayerwald in Liebenstein.
Foto Josef Bock: die Rieder Linde

 An jener Stelle, an der sich einst die Burg Liebenstein erhob, legen wir einen Halt ein – ein guter Punkt, um Geschichte und Landschaft zusammenzudenken.
Hier lohnt es sich besonders, einen Blick nach zurück zu werfen um die Kötztinger Berge zu bewundern.
Von hier an beginnt dann die Schotterstrecke, die uns Schritt für Schritt hinauf Richtung Gipfel führt.
 Der Haidsteingipfel ist ein echter „Guck-ins-Land“ – und wir hoffen natürlich auf bestes Ausflugs- und Aussichtswetter 🌄🚴‍♂️

Foto Haymo Richter - Haidsteiner Gipfel


 Nach der Gipfelbesteigung kommt der - radltechnisch - einfachere 2. Teil der Strecke.
Aber 👉 Achtung: Gleich zu Beginn ist ein Gefällestück der geschotterten Forststraße zu bewältigen. Dieser Abschnitt sollte vorsichtig und kontrolliert gefahren werden. 
Anschließend führt uns die Strecke erneut durch Liebenstein – diesmal jedoch abseits der Hauptstraße.
 Wir rollen unten an Ramsried und an der Ammermühle vorbei und legen unseren nächsten Halt an der Wallfahrtskapelle von Bachmeierholz ein. 

Foto Haymo Richter: Kapelle Bachmeierholz
Von dort geht es weiter hinab nach Bachhäuser. Dort verlassen wir die Straße, biegen links ab und fahren in ein Tal hinein, das für mich zu den malerischsten Landschaftsräumen der Kötztinger Umgebung gehört. Gerade im Frühjahr verspricht dieser Abschnitt ein besonderes Erlebnis – vergleichbar mit der Wanderung ins frühlingshafte Zellertal im vergangenen Jahr: ruhig, landschaftlich eindrucksvoll und ideal, um Natur und Geschichte miteinander zu verbinden 🌿🚴‍♂️
Beim letzten Schwenk unserer Tour passieren wir die Hauser Mühle, streifen nur kurz eine Hauptstraße und biegen dann ab in Richtung Fessmannsdorf und Rieselhöhe. Auch hier werden wir noch einmal mit einer herrlichen Aussicht belohnt: der Blick öffnet sich hinunter zu Herrenweiher, Gänskragen und Hutwöhr – genau in jener Jahreszeit, in der die Bäume bereits das erste Grün zeigen, uns den freien Blick in die Landschaft aber noch nicht nehmen. Anschließend geht es bergab, vorbei an den Kötztinger Schulen, und wir können nun einem echten Radweg folgen, der uns bis zur Spielbank führt. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung: vorbei am früheren Aschenbrenner-Gelände und schließlich hinauf zurück zum Pferdestall, wo sich der Kreis unserer Tour schließt 🚴‍♂️🌿 und wir zur Historischen Einkehr einen klassischen Einkehrschwung machen.

Serwuschok Luftbilder


Hier für die Teilnehmer die Kerndaten unserer Radlstrecke:


 











Auch hier noch der Hinweis auf das neue Tool der Kötztinger Geschichte(n)
Als ergänzendes Arbeits- und Orientierungsinstrument steht die Interaktive Karte Kötztings zur Verfügung. In ihr sind die Beiträge der Häuserchronik sowie zahlreiche weitere historische Themen räumlich verortet und miteinander verknüpft. Jeder Marker führt direkt zu den zugehörigen Blogbeiträgen und ermöglicht so einen schnellen Überblick über Zusammenhänge, Orte und Entwicklungen.

Die Karte ist sowohl am PC als auch auf mobilen Geräten nutzbar und kann auf Wunsch als App auf dem Smartphone gespeichert werden.

🚶 Wanderung  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Wanderung eingeordnet. 

Zur Interaktiven Karte:   🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen


 

Mittwoch, 15. April 2026

Die Gemeinde Wettzell kommt zur Stadt Kötzting


Foto Haymo Richter Wettzell 1990



Noch zu Jahresanfang  1976 lautete die Schlagzeile: 

Aber dann kam doch der Durchbruch in den harten Verhandlungen mit dem damaligen bayr. Innenminister Dr. Bruno Merk und Am 3. April 1976 wurde die Entscheidung öffentlich und rechtssicher gemacht: Im Staatsanzeiger legte die bayerische Staatsregierung die letzten Details vor – und brachte damit die kommunale Gebietsreform auf die Zielgerade.“

 Zunächst ein Blick zurück: Drei Jahre zuvor war es im Zuge der kommunalen Gebietsreform zur Neugründung der Gemeinde Wettzell mit Sitz in Wiesing gekommen, die die bisherigen Gemeinden Wiesing, Wettzell und Schönau umfasste. Nun glaubten die Gemeinderatsmitglieder der einzelnen früheren Gemeinden offenbar selber nicht mehr daran, dass dieses künstliche Gebilde dauerhaft Bestand haben würde. Der Regener Landrat Feuchtinger versuchte bei einem Vor-Ort-Termin in Wettzell, diese fatalistische Stimmung zu wenden, und zeichnete in seinen Ausführungen das "Schreckens"- Bild, dass Wettzell künftig lediglich ein Anhängsel der Stadt Kötzting sein werde.
Die „Umschau“ (Redakteur Herr Kühn) stellt in ihrem Bericht sehr deutlich heraus, dass die Möglichkeit einer Selbstständigkeit Wettzells von vornherein ausgeschlossen gewesen und dass die bereits bestehende gesellschaftliche Anbindung Wettzells an Kötzting in der Vor-Ort-Debatte überhaupt nicht zur Sprache gekommen sei:

"Keiner der Beteiligten hat funktionalreformerische (ein tolles Wort) Aspekte zur Sprache gebracht. Das Gros der Wettzeller Bevölkerung erledigt seine Besorgungen in Kötzting, die Kinder gehen hier zur Schule, viele arbeiten in der Pfingstrittstadt. Eine Tatsache, die so sehr zum Alltag gehört, dass man sie vergessen hat?"

Foto Haymo Richter Wettzell 2018


Und dann gings eben in die Entscheidungsphase und im April 1976  - vor 50 Jahren - war es dann soweit: 

Für den Lamer Winkel bedeuteten diese schmerzliche Gebietsverluste – Die Stadt Kötzting hingegen ging gestärkt daraus hervor: Mit Wettzell kam nun eine weitere Gemeinde zur Stadt, die damit jetzt auch oberpfälzisch und fortan von Kötzting verwaltet wurde. Der Titel ‚Bad‘ lag zu dieser Zeit allerdings noch in weiter Ferne.
Am 5. April 1976 berichtete Frau Renate Serwuschok von der Entscheidung:

Wettzell kommt zu Kötzting
trotzdem nur „halbe“ Freude


Kötzting (na). In einer Pause der Stadtratssitzung vom Dienstag wurde es bereits gemunkelt: Wettzell kommt zu Kötzting. Aber wer es hörte, musste tausend Eide schwören, absolutes Stillschweigen bis zum 3. April zu bewahren, dann würde, so der Bürgermeister, alles gelaufen sein. Ein Wort zu früh aber konnte die Gegner dieser Lösung noch einmal munter machen. Die Geheimniskrämerei hat sich gelohnt. Im Bayerischen Staatsanzeiger war am Samstag zu lesen, dass aus dem Regierungsbezirk Niederbayern in den Regierungsbezirk Oberpfalz eingegliedert werden: Die Gemeindeteile Buchberg, Fischerhof, Kaitersbach, Leckern, Ried, Sackenried, Stockmühle und die Gemeinde Wettzell.
Die Vernunft hat gesiegt, zumindest in diesem Fall, wenn auch mit Einschränkungen. Ganz offensichtlich sind der Regierungsbezirk Niederbayern und der Landkreis Regen „wassersüchtig“, denn sie haben mit Erfolg sowohl den Höllensteinsee als auch den Kleinen Arbersee gegen eine Umgliederung in die Oberpfalz verteidigt. Der Staatsanzeiger bestätigt übrigens, was wir bereits am 1. April (aber nicht als Aprilscherz!) berichtet haben: Brennes, Mooshütte, Scheiben, Lohhäusl, Seehütte und mit Kleinem Arbersee und Chamer Hütte bleiben, wie noch eine Menge anderer Flurstücke im Arbergebiet, niederbayerisch.
In der Verordnung zur Änderung von Grenzen des Regierungsbezirkes „heißt es weiter, dass die Gemeinde Niederndorf, mit Ausnahme des Gemeindeteiles Matzelsdorf, aus dem Landkreis Cham abgetrennt und dem Landkreis Regen zugeteilt wird. Hier wurden weder die Wünsche der Bevölkerung laut Abstimmungsmehrheit noch der letzte Gemeinderatsbeschluss in dieser Sache berücksichtigt. Danach hätten außer Matzelsdorf auch noch die Ortschaften Gutendorf und Niederdorf zur Stadt Kötzting gehen und damit beim Landkreis Cham bleiben wollen. Ob überall dort, wo sich Entscheidungen des Innenministeriums nicht mit den Vorstellungen der Betroffenen decken, der Rechtsweg beschritten werden kann und beschritten werden wird, bleibt abzuwarten.

Kurz nochmal der Rückblick auf die Entwicklung, die zur bis heute gültigen Situation geführt hat::


1972 Gemeindegebietsreform: Gemeinde Wettzell mit Hauptsitz in Wiesing. Es entstand der Wunsch nach Eingliederung nach Kötzting und folgend dann im Jahre 1975 der Regierungsvorschlag, dass Liebenstein und Wettzell zu Kötzting kommen könnten/sollten, was im April 1976 dann zu dieser Entscheidung führte.
Am 01.05.1978 war dann die letzte Gemeinderatssitzung der Gemeinde Wettzell und seit 1.5. gehören Wettzell und Kötzting zusammen zur Stadt Bad Kötzting.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang:
Von 1948 bis 1978, also dreißig  - in diesem Falle  - sicher lange Jahre lang, war Max Vogl von Ried am See der langjährige und letzte Bürgermeister der Dorfgemeinde Wettzell. Keiner der bekannten bayerischen Dorfvorsteher zu dieser Zeit war auch nur annähernd so lange im Amt.

Foto Haymo Richter Wettzell 2018

Wer mehr über Wettzell und seine Geschichte nachlesen möchte, findet dazu weitere Informationen in den folgenden Beiträgen:
Spuren aus dem Mittelalter - der Versuch einer Erklärung


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken. Wer es noch nicht weiß, um was es sich bei diesem Programm handelt, kann sich gut im folgenden Blogbeitrag informieren: Die interaktive Karte und ihre Möglichkeiten :

🔎 Wer diesen Beitrag dort wiederfinden möchte, muss ein wenig suchen:
Er verbirgt sich in der Markergruppe Rund herum um Kötzting  


 

Viel Freude beim Entdecken!

                                              🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen





Mittwoch, 1. April 2026

Fritz Kroher - erfolgreicher Kraftsportler

 Fritz Kroher - Kötztings Mr. Germany


Am 13.4.1976 erschien in der Kötztinger Umschau die Meldung, dass der Kötztinger Kraftsportler Fritz Kroher den Titel des Mr. Germany errungen hatte.
Neben vielen Artikeln über seine  Erfolge -  und in Folge dessen auch die seiner Mitstreiter - haben wir von ihnen auch eine tolle Bilderserie aus dem Kretschmerarchiv.

KreA Nr. 160 Fritz Kroher 

KreA Nr. 160 Fritz Kroher 






Aus der Zeitungsausschnittssammlung des KH Krämer-Archives haben wir nun auch einige zusätzliche Informationen über Fritz Kroher und seine Mitstreiter:
Der Reporter der Umschau, Herr Kühn, berichtete am 10.9.1975 über Fritz Kroher und sein neues Sportstudio:

Kraft- und Muskeltraining auch für „Otto Normalverbraucher“
Sportstudio von Fritz Kroher bietet Möglichkeiten / Body-Building für Unverdrossene / Stärkerer Leistungswille

Kötzting (kü). Die Szene ist außergewöhnlich: Ein zartgrün gestrichener Raum, auf dem Teppichboden steht ein Wirrwarr von Sportgeräten, Hanteln dominieren. Dazwischen und darunter junge Männer, sie ächzen und prusten, wuchten und ziehen, dass ihnen der Schweiß den ganzen Körper herunterläuft. Hier werden Hochleistungen am laufenden Band erbracht. Der Effekt, den das „Sportstudio“ von Fritz Kroher in der Von-Schacky-Straße 20 allabendlich (nur sonntags nie) zu erzielen trachtet, ist vielfältig: spezifisches Kraft- und Muskeltraining für die verschiedensten Sportarten, „Body-Building“ für eine Handvoll Unverdrossener, und für jene, die schlichtweg etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Fitness-Training. Eines wird jedoch schon nach wenigen Minuten Zuschauen deutlich: Faxenmacher haben hier keine Chance.

Die Idee, Körperbau-, Kraft- und Fitnesstraining zu einem Bestandteil des Alltagslebens zu machen, hatten schon die alten Griechen. Ihr Instrumentarium und das „know how“ unterschieden sich freilich von dem heutigen Usus: wo früher beispielsweise Steineheben lediglich die Armmuskulatur kräftigte, wird in unserer Neuzeit in festgelegten Bewegungsabläufen anhand der gesamten Körper durchtrainiert und dann mit stählernen Spezialgeräten wie Brust-, Bizeps- oder Beinmuskelmaschinen auf einen bestimmten Effekt hingearbeitet.

Fritz Kroher (29), von Beruf Ölheizungsmonteur, hatte sich 1968 dem Body-Building verschrieben, trainierte zuerst in München und führte derlei Schweißtreibendes schließlich 1972 in der Pfingstrittstadt ein. Zweieinhalb Jahre lang hatten vornehmlich Leistungssportler in einem Nebenraum der Brauerei Kolbeck Möglichkeit zu dem Spezialtraining. Nachdem das Lebensmittelgeschäft Greiner aufgelöst wurde, gab’s Platz für eine neue – und wesentlich komfortablere – Einrichtung. Fritz Kroher hat etliche Tausend Mark investiert. Sein Sportstudio soll nun auch allen Bürgern offenstehen, die „nur“ fit bleiben (oder es wieder werden) wollen.

Meisterschaften im Body-Building werden von vielen als Schau, als ein Herzeigen von übertrainierten unnatürlich ausgebildeten Muskelpaketen, die bestenfalls noch zum Schmunzeln reizen, verschrien. Doch man tut den Athleten – und das sind jene, die fünfmal in der Woche hart trainieren, auch anders – Unrecht. Fritz Kroher, allein im letzten Jahr deutscher Meister, dritter der Europameisterschaft, süddeutscher Meister, „Mister International“ und als erfolgreichster deutscher Kraftsportler und bestgebauter Athlet ausgezeichnet: „Ich bin nach den Wettkämpfen so fix und fertig, daß ich todmüde ins Bett falle.“ Wer’s nicht glaubt, möge doch einmal drei Minuten lang konzentriert beide Armmuskeln anspannen. Bei den Matadoren wird der ganze Körper gefordert.

Erfreulich sind auch die Nebenwirkungen des Krafttrainings: der Einzelne ist gezwungen, durchzuhalten, steigert damit seine Konzentrationsfähigkeit und Willenskraft. Kroher: „Ich glaube, ich bin aufgrund des Trainings schon oft mit Situationen fertig geworden, in denen andere resigniert haben.“ Wer zu- oder abnehmen will, dem wird der Erfolg garantiert.

 Das neue Sportstudio soll erst in einigen Wochen offiziell eröffnet werden. Die Mitgliedsbeiträge sind gering, machen täglich nicht einmal den Preis einer halben Schachtel Zigaretten aus. Aber das wird man sowieso abgewöhnen …





Und Fritz Kroher fand auch einen weiteren Mitstreiter, der bei Wettbewerben Erfolge erringen konnte, den Kötztinger Karl Oexler. Auch er erscheint in den Bildern des Kretschmerarchives:
KreA Nr. 160 Karl Oexler

KreA Nr. 160 Karl Oexler

Beim Sommerlichen Fischerfest traten die beiden Kötztinger Champions im Bierzelt auf und wurden stürmisch gefeiert:





Frau Renate Serwuschok würdigte den Welt- und Europameister Fritz Kroher in einem ihrer "Scheinwerfer" Ausgaben.




Für eine sicherlich große Überraschung sorgte der Auftritt Fritz Krohers beim Burschenball im Jahre 1987 - zunächst als verkleideter Rategast beim "heiteren Beruferaten" und danach mit der Vorführung seiner Kür, mit der er im Vorjahr Weltmeister im Bodybuilding geworden war. 


Hier nun ein Auszug aus dem Bericht vom Burschenball das Jahres 1987:

"Vom „Sound Sextett“ dazu ununterbrochen animiert, wurde der Tanzreigen mit einer Vielzahl von Melodien und bei raffiniert arbeitenden Lichtorgeln fortgesetzt. Ab 22.30 Uhr wurde dann eine Einlage, deren Einstudierung Brigitte Ertl vorgenommen hatte, geboten, die in ihrer Perfektion und Modalität bislang in Kötzting bei einem Faschingsball wohl noch nicht dagewesen sein dürfte. In dieser Einlage zog man das von einer beliebten ARD-Serie bekannte „Was bin ich?“ heran und „schlachtete“ dieses, auf die Karnevalszeit und örtliche Verhältnisse zugeschnitten, entsprechend aus. Perücken und Kostüme sorgten für eine verblüffende Personenähnlichkeit, auf der anderen Seite bot die „Regie“ eine ausgezeichnete Bühnenarbeit. Dem Quizmaster Robert Lembke (Heinrich Kuchler) und seinen Gästen „im Studio“ saßen an einem weiteren Tisch die vier Mitglieder des „Rate-Teams“ gegenüber. Diesem gehörten Marianne Spangla (Theo Heigl), Hans vom Bahnhof Zoo (Richard Richter), Annette von Sperl (Walter Sperl) und der besonders scharf kombinierende Guido Dampfbach (Philip Maimer) an. Als Gäste im Studio erschienen zunächst Josef Karg, dann Heinz Kolbeck (imitiert und parodiert von 1. BWV-Vorsitzenden Josef Barth) und zuletzt – wenn auch etwas verspätet – der Stargast dieses Abends, Bodybuilding-Weltmeister Fritz Kroher. Wie im echten Studio von Robert Lembke im ARD-Fernsehen mussten auf einer Tafel der Name, zusätzlich aber noch der Familienstand sowie ein Hinweis, ob die Arbeit selbstständig oder in einer Anstellung bei einem Arbeitgeber ausgeübt wird, und natürlich durfte zuletzt auch die obligatorische Handbewegung nicht fehlen. Es wurde eine Handbewegung verlangt, die für den ausgeübten Beruf typisch ist und dem Rateteam eine Hilfestellung geben sollte. Erster Studiogast war ein Mann namens Josef Karg, der natürlich – wie der „echte“ Josef Karg, auch hier wieder etwas zu spät kam. Nach dem Grund befragt, antwortete dieser, dass er gerade vom Kartenspielen komme. Die Handbewegung, die der Quizmaster von ihm verlangte und die typisch für seinen Advokatenberuf sein sollte, war ein kräftiger Schlag mit der geballten Hand auf den Tisch. Das Rateteam im Studio brauchte nur ein paar Fragen zu stellen, und schon konnte man Kargs Beruf herausfinden: „Man könnte auch Rechtsverdreher sagen“, wie der Quizmaster hinzufügte. Auf die Frage nach der Bedeutung der symbolischen Handbewegung, meinte der Gefragte: „Damit verdiene ich mir mein Geld!“ Josef Karg wurde übrigens von Gerhard Richter dargestellt.

Der zweite Gast im Studio von „Robert Lembke“ war Heinz Kolbeck, auch der „Lindner Heinz“ genannt. Dieser wurde von Josef Barth so treffend parodiert, dass man fast glaubte, den „echten“ Heinz Kolbeck vor sich zu haben. Auf die jeweiligen Fragen des Rateteams antwortete dieser in seiner typischen Art und Weise, wobei der tüchtige Geschäftsmann und Bierbrauer herauszuhören war. Seine Handbewegung, die er später erläuterte, bedeutete in etwa das Absetzen des Bierglases unter dem Bierfass, nachdem es gefüllt war. Wir dürfen es gleich verraten: Heinz Kolbeck, alias Josef Barth, blieb dem Rateteam als Bierbrauer unerkannt. Dabei deutete er in seinen Antworten so viel auf das „stärkende Mittel“ für Männer hin. „Kemmt’s hoit aussa zu mir, dann segt’s es scho, wia guad des is, wos i moch“; so ähnlich war eine seiner Antworten. Das Schweinchen wurde voll, 50 Mark waren beisammen und damit, so meinte der „Lindner Heinz“ später, könnte er das nächste Pfingsten wieder gut überstehen. Bei Josef Karg hingegen fielen nur zwei Fünf-Mark-Stücke ins Sparschwein, dann war das Berufsgeheimnis des „schwarzen Bruders von 1. Bürgermeister Karl Seidl“ bereits gelüftet.



Für den Ehrengast, der noch „hinter der Maske saß“, gab in bekannter Weise der Quizmaster selbst die Antworten, wobei dieser für jede Frage, die mit „Nein“ zu beantworten war, eine Hantel auf den Tisch legte. Es bedurfte weniger als der maximal zehn Fragen, bis der Weltmeister im Bodybuilding, Fritz Kroher, erraten wurde. Der Auftritt Krohers verzögerte sich etwas, weil sich der Champion in seinem Studio erst noch warm machen musste. Dann aber ging der Vorhang auf, und im grellen Scheinwerferlicht zog Fritz Kroher, von allen sichtbar bewundert, seine Weltmeisterschaftskür ab. Ein stürmischer, kaum enden wollender Applaus kam auf, und in diesen Beifall hinein mischten sich die auffordernden Rufe „Zugabe, Zugabe …“ – und nochmals ließ der Weltmeister seine prachtvollen Muskeln „spielen“. Spontan brachen die Burschen und übrigen Besucher in ein dreifaches „Frisch auf!“ für den Bodybuilding-Weltmeister aus. Danach folgte das altbekannte Burschenlied „O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden …“. Ein Dank des 1. Burschenvereinsvorsitzenden ging noch an Brigitte Ertl dafür, dass sie mit allen Beteiligten den Sketch einstudiert hatte.

Das Tanzkarussell wurde dann unter den Klängen der „Sound-Maschine“ behend fortgesetzt, die Stimmung stieg immer mehr, Luftschlangen und Geschosse, aus Blasröhrchen „abgefeuert“, schwirrten durch den Saal. Nach Mitternacht wurden durch einen von der Diskothek „Flash“ unentgeltlich zur Verfügung gestellten Moonflower schemenhafte Licht- und Nebeleffekte im Tanzsaal erzeugt. Plötzlich war der Burschenball von einer echten Disco-Atmosphäre erfasst, wovon vor allem die jüngeren Besucher entzückt waren. Erst im Morgengrauen fand die Veranstaltung als ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges langsam sein Ende.

 



 


Zum Abschluss noch einige Zeitungsberichte über Fritz Kroher, sein Training und Arnold Schwarzenegger:









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