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Mittwoch, 30. September 2026

Kötzting auf dem Weg zum Kneippkurort

KU vom 11.8.1976 der "Gasthof zur Post" als das zentrale Vorhaben für die Entwicklung Kötztings zum Kneippkurort
Mit diesem Foto und der Vorstellung der weiteren Planungen von Kötztinger Seite titelte die Kötztinger Umschau aber auch mit einer ganz anderen Schlagzeile und mahnte zur Eile. 




Das war die Überschrift der Kötztinger Umschau im August 1976. Im abschließenden Bericht wurde noch einmal der steinige Weg aufgezeigt, den Kötzting auf dem Weg zum Kneippkurort bereits gegangen war – und der Stadt noch bevorstand. Frau Renate Serwuschok, Chefredakteurin der Umschau und zugleich im Vorstand des Kötztinger Kneippvereins, versuchte dabei, den Verantwortlichen Beine zu machen:


"Kötzting (na). Drei Jahre sind vergangen, seit die Idee geboren wurde, den staatlich anerkannten Erholungsort Kötzting in seiner Bedeutung für den Tourismus aufzuwerten und die kurze Fremdenverkehrssaison spürbar zu verlängern. Stadtrat Michael Serwuschok hatte seinerzeit den Vorschlag unterbreitet und darum gebeten, alle Möglichkeiten zu prüfen mit dem Ziel, die Lücke zwischen Prien am Chiemsee und Bad Berneck im Fichtelgebirge mit dem „Kneippkurort Kötzting“ eines Tages zu schließen. Der Kneippverein wurde gegründet, Kontakt mit führenden Kneippplanern in den verschiedenen Grenzorten aufgenommen. Informationsfahrten durchgeführt. Das Stadtparlament gab grünes Licht für eine Reihe von Maßnahmen, die zur Erteilung der Auflagen notwendig sind. Mitten in diese Anstrengungen platzt nun die Meldung, dass jetzt auch Viechtach das Prädikat „Kneippkurort“ anstrebt und darum bemüht ist, in enger Zusammenarbeit mit dem dortigen Kneippverein alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Viele Einzelschritte, die Kötzting bereits erreicht hat listet Frau Serwuschok nun auf:

- Im „Untergrund“ des modernen Hallenbades floriert bereits eine Kneippstation.
- Die Messungen für die Klimaanalyse sind nach zwei Jahren abgeschlossen. Das Ergebnis kann jeden Tag eintreffen.
- Die erste öffentliche Wassertretstelle wurde am Dampfbach gebaut, eine zweite für den Trimm-pfad bei Gradis vorgesehen.
- Schwierigkeiten zeichnen sich aber dort ab, wo die private Hand gefordert ist. So wird zur Anerkennung der Nachweis von mindestens drei Häusern mit zusammen 100 Betten vorgeschrieben, für die eine hauseigene Kneippanlage zur Verfügung stehen muss.
Das scheint in Kötzting die Klippe, an der möglicherweise alle Hoffnungen zerschellen können.

Dann aber ging alles doch ganz schnell: Herr Kühn (kue) berichtete ganzseitig über die Kötztinger Sensation, der Schaffung eines Zweckverbandes aus dem Bezirk der Oberpfalz, dem Landkreis Cham und der Stadt Kötzting.



 


Im Rahmen der oben angesprochenen Klimaanalyse wurde auch eine erste Karte erstellt, um die räumlichen Eckpunkte für den künftigen Kneippkurort Kötzting herauszuarbeiten.
Der heutige Großparkplatz war zu diesem Zeitpunkt – 1976 – noch lange nicht auf dem planerischen Reißbrett. Das zeigt sich schon daran, dass im Plan von 1976 die frühere Landwirtschaftsschule noch als „Kurmittelhaus“ ausgewiesen ist.

KU vom 21.10.1976

Und bereits Anfang November desselben Jahres machte der Bezirk Druck, um das Projekt voranzutreiben. Am Mittwoch, dem 10. November, lud die Stadt deshalb zu einer Informationsveranstaltung ins Hotel „Zur Post“ ein. Dabei ging es zum einen darum, die in Kötzting kursierenden Falschinformationen zu berichtigen, zum anderen aber auch darum, für das Projekt zu werben und private Geldgeber zum Einstieg zu bewegen. Sie sollten mit ihrem finanziellen Beitrag dabei helfen, den Anteil aufzubringen, den die Kötztinger selbst zu leisten hatten.


"Der Weg in die Öffentlichkeit

Kötzting (na). In einer öffentlichen Versammlung am heutigen Mittwoch um 20 Uhr im Hotel „Zur Post“ werden die Initiatoren des Projektes „Kurhotel“ über das Vorhaben und die finanzielle Beteiligung informieren. Den Bau und Betrieb dieses Hauses soll eine Kommanditgesellschaft (GmbH u. Co KG) tragen. Die privaten Anteilzeichner sollen bevorzugt aus dem regionalen Einzugsgebiet gewählt werden. Das Konzept ist wirtschaftlich und rechtlich mit der Regierung abgesprochen. Die Anteilzeichner werden nicht nur Teilhaber am Wirtschaftsunternehmen, ihre Rechte werden zusätzlich noch grundbuchmäßig gesichert. In der heutigen Versammlung erhalten die Interessenten auf alle Fragen erschöpfende Auskunft."

Keine 10 Tage vergingen und die Zeitung konnte berichten:



Kötzting (kue). „Es wird“, so Bezirksrat Gerald Berger, „es wird was. Das sind nicht mehr Sprüche.“ Bürgermeister Karl Seldl freute sich mit: „Wir sind heute ein ganzes Stück weitergekommen.“ Und Architekt Carl Schnabel verkündete: „Im nächsten Jahr wird gebaut.“ Die drei waren frohen Mutes von einer Besprechung bei der Regierung der Oberpfalz in Regensburg heimgekehrt. Sie hatten allen Grund dazu: Die Zweifel an dem Umbau des Hotels „Zur Post“ in ein „Kurhotel“ sind ausgeräumt, die öffentliche Hand wird mit herhalten und die medizinischen Einrichtungen finanzieren. Da diese Anlage nicht mehr Bestandteil des geplanten „Kurhotels“ ist und daher von der Gesamtbevölkerung sowohl allen Gästen beansprucht werden kann, rückt die Baumaßnahme „Kurmittelhaus“ an die zweite Stelle. Die ehemalige Landwirtschaftsschule wird erst dann für Kneippsche Zwecke hergenommen, wenn der Betrieb im ersten Projekt den Erwartungen entsprechend angelaufen ist.

Und so ging es Schritt für Schritt weiter mit Abbruch - Richtfest - Einweihung 

Bestandsplan AB Carl Schnabel 1976


Der Abriss: 
Foto Siegi Wild
Foto Siegi Wild

Foto Siegi Wild



Die ersten Neubauten mit der Richtfestfeier:


Richtfest 

Richtfest

Und am Schluss noch ein Foto des neuen Innenhofes, rechtzeitig zur 900 Jahr-Feier fertiggestellt.


Foto Siegi Wild

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

⭐ Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Haus des Gastes zu finden, dem sichtbaren Zeichen des Aufbruchs.


Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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