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Montag, 17. Oktober 2022

Alles schon mal da gewesen ...... die erste Ölkrise vom November 1973

 Auch im Jahre 1973 war der Auslöser für eine Energiekrise eine kriegerische Auseinandersetzung. Damals war es der Jom-Kippur-Krieg, ein Angriffskrieg, den Syrien und Ägypten mit Unterstützung anderer arabischer Staaten gegen Israel geführt hatten.
Danach hatten die arabischen Ölexporteure schlichtweg den Ölhahn zugedreht und so die Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie, insbesondere von fossilen Treibstoffen demonstriert.
Um hier nicht aus der eigenen Erinnerung falsche Schlüsse zu ziehen, zitiere ich hier einfach Wikipedia mit den Details der Anordnungen und Zielsetzungen der damaligen Bundesregierung.
Zitatanfang
In der Bundesrepublik Deutschland wurde als direkte Reaktion auf die Krise ein Energiesicherungsgesetz erlassen, auf dessen Grundlage an vier
autofreien Sonntagen, beginnend mit dem 25. November 1973, ein allgemeines Fahrverbot verhängt sowie für sechs Monate generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen (100 km/h auf Autobahnen, ansonsten 80 km/h) eingeführt wurden. Diese Maßnahmen hatten nicht nur das Einsparen von Öl zum Ziel, sondern auch, der Bevölkerung den Ernst der Situation nahe zu bringen. Der Spareffekt der autofreien Sonntage war tatsächlich nur gering.  .  
Zitatende

Natürlich waren die lokalen Auswirkungen dieser ersten Ölkrise auch in den Kötztinger Zeitungen ein großes Thema, und, da wir von der Kötztinger Umschau auch einiges an Bildmaterial aus dieser Zeit haben, hier nun einiges, was sich so erhalten hat an Reaktionen und Auswirkungen im November 1973.
Manches davon - vor allem die Tendenz zu Hamsterkäufen und Übertreibungen - scheint sich 1 zu 1 zu wiederholen.

Personentransport Liebenstein - Kötzting am autofreien Sonntag im November 1973






kü (=Herr Kühn) . Kötzting. Trotz aller Unkenrufe und Panikmache: Die Versorgung mit Heizöl und Benzin ist zumindestens im Kötztinger Stadtbereich für die kommenden Tage und Wochen gesichert. Haymo Richter, Mineralhändler, Vorstandsmitglied des Bayerischen Brennstoffhandelsverbandes und Stadtrat, schätzt, dass sich rund 80 Prozent der Haushalte sowieso schon mit genügend Hausbrand für den Winter eingedeckt haben. Hamsterkäufer haben allerdings kaum eine Chance. Dies gilt besonders für einige Tankstellen, die nur noch ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung haben. Doch auch hier scheint Hektik fehl am Platze zu sein. Hinter dem Handel könnte das Motto stehen: „Kaufe soviel, wie du brauchst – doch nicht mehr!“ Eine Meinungsumfrage der „Kötztinger Umschau“ ergab, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung keineswegs über das mögliche Sonntagsfahrverbot erbost ist. Eine Tatsache, die für die Diszipliniertheit der meisten Bürger spricht.


Michael Stoiber aus Weißenregen

"Michael Stoiber, Einschaler aus Weißenregen: „Ein Fahrverbot am Sonntag würde mir nicht viel ausmachen. Ich bin die ganze Woche auf Baustellen unterwegs und deshalb bleibe ich sonntags meistens daheim. Schlecht wäre es allerdings, wenn ich nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren könnte. Die Verbindungen sind sehr schlecht und außerdem liegen die Baustellen oft weit vom nächsten Bahnhof weg.“




Volker Heiduk aus Kötzting

"Volker Heiduk, Kötztinger Jurist: „Ein Sonntagsfahrverbot wäre schon ärgerlich, zumal ich gerne in Wandergebiete und zu Fußballspielen fahre. So müsste ich mich halt mit meiner näheren Umgebung beschäftigen.“
Und auf unsere Frage, ob man für das Grenzland aufgrund des mangelhaften Kommunikationsangebotes Ausnahmeregelungen schaffen sollte: „Nein, keine Ausnahmen. Wenn schon ein Fahrverbot, dann für alle!“


Frau Bergbauer aus Blaibach
"Karin Bergbauer, Hausfrau aus Blaibach: „Ein Sonntagsfahrverbot ist für mich und meinen Mann nicht so schlimm, da wir sonntags ganz gerne zu Hause sind. Allerdings könnten wir dann nicht mehr zum Fußball. Das Grenzland wäre durch eine solche Maßnahme stärker betroffen als die Ballungsgebiete, da es wesentlich schlechtere Verkehrsverbindungen gibt. Trotzdem glaube ich, daß jeder dorthin kommt, wo er hin will.“

Hier die frühere Tankstelle Hobrack, auf der Wiese im Hintergrund steht heutzutage die Kötztinger ARAL-Tankstelle



Manche Ideen scheinen eher ein Fall für den damaligen "Scheinwerfer" der Kötztinger Umschau zu sein, als ein echter Lösungsansatz.....

Werden Pferde die großen Helfer aus der Ölkrise?
Dieselknappheit brachte Bauern auf die Suche nach den vierbeinigen Zugtieren

Cham. Der Ausbruch der Ölkrise und die damit verbundene Verknappung von Treibstoffen brachte auch für viele Landwirte neue Probleme. Sie erinnerten sich plötzlich wieder an die treuen vierbeinigen Kameraden aus alter Zeit, die Pferde, welche heute fast ausschließlich als Reittiere Verwendung finden. Die Suche nach Zugpferden wird jedoch für die meisten Landwirte ob dieses Umstandes erfolglos bleiben.

Durch den Aufstieg der Schlepper als Hauptmaschinen in der Landwirtschaft wurden die Zugpferde im Laufe der Jahre aus den Ställen verdrängt. Bei einer Viehzählung im Landkreis Cham wurden 1949 noch 5800 Pferde registriert, im Jahre 1973 waren es nur noch 850, die fast ausschließlich als Reittiere Verwendung fanden. Dagegen wurden 9800 Zugmaschinen festgestellt, die obendrein in ihrer Arbeitsleistung den Pferden wesentlich überlegen sind.

Zugmaschinen benötigen allerdings Dieselöl, das in letzter Zeit recht rar und dementsprechend teuer wurde. Pferde begnügen sich dagegen mit Heu und Hafer, haben aber derzeit den Nachteil, daß sie als abgerichtete Zugtiere sehr schwer zu bekommen sind. Die große Nachfrage nach Zugpferden kann von den Händlern nicht befriedigt werden. Einer der wenigen Pferdehändler im Landkreis, Fritz Plötz aus Kötzting, bestätigte auf Anfrage, dass sich das Hauptangebot aus Reitpferden zusammensetze, die größtenteils aus der Tschechoslowakei importiert werden.

Ein solches Reitpferd kostet bei durchschnittlicher Qualität bis zu 5000 DM, während Zugpferde – soweit vorhanden – zum Preis von 2000 bis 3000 DM gehandelt werden. Auch die Nachfrage nach Ponies ging in den letzten Monaten stark zurück. Wer seine Zugpferde selbst großziehen will, muss mit einem enormen Zeit- und Geldaufwand rechnen. Erst im Alter von drei Jahren können nämlich Pferde abgerichtet und zur Arbeit eingesetzt werden.


Dieses Foto stammt von dem obigen Artikel.....






War das ein Sonntag! Kein Auto auf der Straße!

Vorschußfahrten am Samstag / Liebensteiner kamen mit der Kutsche

 

Kötzting. Wenn jemand geglaubt haben sollte, das Fahrverbot an den Sonntagen werde die Kraftfahrer ordentlich verärgern, sah sich in dieser Annahme durch die Praxis enttäuscht. Fast allgemein galt die Ansicht: Das Verbot läßt sich durchaus verkraften. Wer bislang gewöhnt war, auch den kleinsten Weg, etwa zum Postamt oder zum Zigarettenautomaten, mit dem Wagen zu machen, schlenderte gestern ganz gemächlich zu Fuß durch die Straßen. Ein völlig neues Sonntagsgefühl ohne die sonstigen Erschwernisse, die das Fahren mit sich bringt.

Ein letztes Mal waren die Pkw-Kolonnen noch am Samstag abend zu beobachten, als die Glocken von der Stadtpfarrkirche zur Vorabendmesse riefen. Der Gottesdienstbesuch war an diesem Abend bedeutend stärker, als dies zu gewöhnlichen Zeiten der Fall ist. Sämtliche Parkmöglichkeiten um die Kirche waren restlos besetzt. Dementsprechend schwächer war der Strom derjenigen, die am Sonntag zum Gotteshaus kamen.

Doch Not macht erfinderisch und so hatten sich z. B. die Liebensteiner etwas einfallen lassen, die auf ihren sonntäglichen Kirchgang nicht verzichten wollten: Sie holten ihre alten Kutschen aus der Remise, brachten sie auf Hochglanz und packten Frauen und Kinder hinein und los ging es, und um den Genuß vollkommen zu haben fuhr man nicht nur bis zur eigenen Pfarrkirche nach Rimbach, sondern gleich hinein nach Kötzting.

Diejenigen, die zu Fuß unterwegs waren, fühlten sich einmal seit langer Zeit wieder ganz als die Könige der Straße. In voller Breite zogen sie daher und wenn dann doch ein Fahrzeug, das dienstlich unterwegs war, sie überholen wollte, dann musste es auf der Hut sein.

Alles in allem: Das Gros der Kraftfahrer hat sich an diesem ersten Sonntag mit Fahrverbot sehr diszipliniert verhalten. Und wer da glaubte, er könne auf den stillen Straßen des Bayerwaldes gegen den Stachel löcken, dem war nicht zu helfen, wenn ihn die Verkehrsstreife der Landespolizei aus dem Wagen holte, ihm Fahrzeugpapiere und Schlüssel abnahm und den fahrbaren Untersatz für die
Dauer des Verbots aus dem Verkehr zog.

Gute Einfälle am ersten autofreien Sonntag im November 1973
Der "Wirts-Sepp" mit seinen Kutschen übernimmt den Personentransport der Liebensteiner zum Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche





So titelte die Kötztinger Zeitung am 12.11.1973

Der Reporter der KÖZ konnte die Pferde der Liebensteiner Kutsche in einer direkten Verbindung mit den Zapfsäulen beim Vogl Max in der Bahnhofstraße abbilden.

KÖZ vom 12.11.1973 Foto nachträglich bearbeitet mit KI



KÖZ vom 12.11.1973, nachträglich geschärft durch KI

Ansonsten nahmen es die beiden Kötztinger Zeitungen mit Humor:


KU vom November 1973

KÖZ ende November 1973





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Freitag, 7. Oktober 2022

50 Jahre Fundamentalstation - Geodäsiestation in Wettzell

Nach dem Tode von Frau Renate Serwuschok, gelangten umfangreiche Sammlungen an Photos und Negativen aus der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau zum dem Arbeitskreis Heimatforschung und werden nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt.
Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden.
Nachdem der Arbeitskreis Heimatforschung schon eine umfangreiche Datenbank an personenbezogenen Bildern hat wäre es für uns schön, wenn wir bei einigen der folgenden Bildern,
vor allem bei den Personengruppen, Hinweise und Namenslisten erhalten könnten, die wir dann anschließend in unsere Datenbanken einpflegen könnten. Manche allerdings auch nicht und so wäre es schön, wenn wir bei dem einen oder anderen Bild auch eine Rückmeldung erhalten würden.


Wer sich über die technische Entwicklungsstufen und weitere Details der Fundamentalstation informieren möchte, kann dies sehr leicht im entsprechenden Wikipediaeintrag nachlesen.
In diesem Blogbeitrag geht es mehr um die lokale Berichterstattung über diese technische Besonderheit.


Gerade aus den Anfängen der Wettzeller Geodäsiestation haben sich viele Bilderserie erhalten, die wir nun in einer Rückschau - zusammen mit passenden Zeitungsbeiträgen - präsentieren können.


Foto Rainer Schmatz
Im Kötztinger Rathaus hängt dieses Bild, das in hervorragender Weise moderne Spitzenforschung und traditionelle Werte bei uns auf dem Land in Verbindung bringt.

 

Ein ähnliches Motiv haben wir aus der Sammlung Serwuschok

KU SW157


Im Spätherbst 1971 wird von der Baustelle berichtet und die Überschrift sagt bereits alles, Wettzell, damals noch im Landkreis Viechtach gelegen, wird ganz vorne beim technischen Fortschritt mitmischen


Hier der Bericht über den Neubau in der Kötztinger Umschau von Alois Dachs

Ein kleines Häuschen - oder eher Baracke - stand ganz am Anfang



























Im November 1973 kann der Reporter - ein Herr Kühn, "kü" - dann schon detaillierter aus Wettzell berichten.

KU 1973-11


Die Station wurde größer und größer

Ein wahrhaft luftiger Arbeitsplatz

Im Folgejahr, Mai 1974, war es erneut Herr Kühn, der über die nächste Ausbaustufe berichten konnte.


Serwuschok545, Foto Kühn

Im Juni 1974 wurde ein Berichtskolloquium in Wettzell veranstaltet, auch um Rechenschaft abzugeben über die Leistungen und zur Begründung des neuen Antrags für neue Gelder. Der Bericht und die Bilder stammen erneut von Herrn Kühn.

KU 12.6.1974






Die Satellitenbeobachtungsstation wurde nun auch zum Ziel von Exkursionen und Besichtigungen.
Ein Reporter mit dem Kürzel "kto" begleitete eine Gruppe des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbandes.


Noch im selben Jahr erschien eine weiterer Bericht, der die technischen Möglichkeiten der Geodäsiestation erläuterte. Herr Kühn fotografierte und schrieb im Dezember 1974.

Bereits im Winter 1975 wurde aufgerüstet und Herr Kühn war erneut der Reporter.




Der Turm als Eichungspunkt.
Und nun bekam Wettzell auch endlich sein heutiges technisches "Wahrzeichen",
die Satellitenschüssel. Bild und Bericht Herr Kühn

In Miltach gings eng um die Kurve...
Die verschneite Wettzellerstraße
Ankunft vor Ort
Der Aufbau beginnt

Ob nach getaner Arbeit oder zum Aufwärmen, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Bereits im April ist die Anlage betriebsbereit und erneut berichtet Herr Kühn über die technischen Möglichkeiten, die Wettzell nun zur Verfügung stehen.


Über diese - durch Artikel beschriebenen - Bilder hinaus, haben sich noch eine Vielzahl an Bildmaterial erhalten, die uns von Politikerbesuchen berichten oder auch weitere technische Neuerungen belegen. Hier einige weitere Bilder in bunter Reihenfolge.

Ich würde sagen dies ist Karl Krampol, der damalige Regierungspräsident der Oberpfalz, mit einer Delegation von Politikern.  




Weitere Bilder des technischen Auf/Ausbaues. 





Zum Abschluss noch zwei Bilder mit den beliebten Motiv für Besuchergruppen, Menschen vor der Satellitenschüssel...





Bei diesem letzten Bild ist es die JU Kötztings, die sich oben in Wettzell informieren lässt.