Als wir durch einen Zufallsfund das HOBOKAZIN Nr.3 in unsere Sammlung aufnehmen und über den Inhalt berichten konnten, habe ich am Rande geschrieben:
"Sollten diese Hefte noch irgendwo in einem Schrank, auf dem Dachboden oder in einer Kiste schlummern, würden wir uns sehr freuen, sie als Ergänzung in unsere Sammlung aufnehmen zu können."
Und tatsächlich, mittlerweile sind wir - dank des so oft gescholtenen Internets - stolze Besitzer des Gesamtbestandes aller damals erschienenen Ausgaben.
In der Ausgabe Nr. 2 - leider ohne Deckblatt und damit ohne ein genaues Datum - berichtet ein Reporter über das damalige Aschermittwochsessen des Kötztinger König-Ludwig-Vereins beim Lindnerbräu mit einem ganz besonderen Blick auf das Fest und dessen Ausprägungen.
Aus dem Inhalt des Artikels würde ich auf das Faschingsende des Jahres 1981 tippen, da im Artikel zwei wichtige Termine genannt werden:
Die Gründung des Vereins im Jahre 1981 und eine Fahnenweihe 1982.
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| StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2 |
Die Heimat seufzt …
Der König ließ anspannen. Unruhig war er, denn bis Kötzting war es ein weiter Weg und die Reise mit der Kutsche (die er nur widerwillig dem geliebten Schlitten vorzog … – doch leider schien der Winter bereits das Feld geräumt zu haben) sollte ihn, den …geweihten und gesalbten Fürst …, zur rechten Zeit an den Bestimmungsort bringen. Nichts wollte "er" versäumen.
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| StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2 |
Als die Dämmerung bereits angebrochen war, bog das prächtige königliche Gespann von der Hauptstraße ab und holperte die letzte kurze Strecke des Weges über Pflasterstein, hindurch durch das mächtige Tor, hinein in den geräumigen Hof. Unerkannt wollte er sein, "er", der von diesem festlichen Abend gehört hatte und nun einmal lauschen wollte, was seine Untertanen denn planten.
Die Kutsche wurde in eine dunkle Ecke des stattlichen Anwesens gelenkt und so dem Blick der, immer noch in großer Zahl zum Lindner-Bräu strömenden Gäste entzogen ( – nur unser Berichterstatter hat sie gesehen.) Der König betrat, ganz wie er erhofft hatte, unerkannt die festlich geschmückte Stube. Schöner war es – und schön war es auch hier an diesem Abend. Die Gaststube hatte ihr weiß-blaues Gewand angelegt, die Musiker saßen vor ihren blitzenden Instrumenten bereit, das Bier war angezapft worden und, … a bisserl vornehm und a bisserl leger … – die Geladenen, die sich nun, wie es der Brauch verlangte, an festlichem Aschermittwochmahl stärkten, blieben der Größe dieser Stunde in keiner Weise den Respekt schuldig. Und als der Bayerische Defiliermarsch erklang und nach diesem, als Referenz an die Stadt der Königstreuen, der "Kötztinger" gespielt wurde, da wurde er nachdenklich, der König.
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| Aus den Unterlagen von Max Kellner, dem Gründungs-Schriftführer |
Still saß er da, keiner konnte ihn wahrnehmen und doch war er mitten unter ihnen. Und er lauschte, still und versonnen, ihren Reden, ihren Träumen und lächelte zustimmend, als er die Ernsthaftigkeit ihrer Zusammenkunft bestätigt fand. Da war nun der Saal beim Lindner-Bräu bis auf den letzten Platz gefüllt mit seinen bayerischen Untertanen, der OBER Vitus Irrgang hatte sie alle gerufen – der UNTER Dieter Reithner seine Idee an diesem Aschermittwoch Wirklichkeit werden lassen.
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Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein Der OBER und der UNTER, Vitus Irrgang und Dieter Reithner |
Der König verstand dies alles und war auch nicht erstaunt, als kein besserer, passenderer und überzeugterer als der
Höcherl Karl zum Träger der Fahne ausgerufen wurde. OBER Vitus Irrgang brauchte diese Entscheidung nicht zu begründen: „… ein Fahnenträger aus echtem Schrot und Korn!“
Wie gerne hätte der König, dem inzwischen allzu warm geworden war und der darob seinen pelzbesetzten Umhang abgelegt hatte, – wie gerne hätte er mit dem Karl angestoßen, doch dieser präsentierte gerade die Büste des Gesalbten, die ein Freund aus Bärndorf bei Chamerau gestiftet hatte: … das bayerische Herz ging auf dabei, das Bild schien an die Gemeinschaft mit den eigenen Vorfahren zu erinnern, deren Könige und Repräsentanten von den Wänden grüßten.
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Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein
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Und als die Kapelle Pemmerl die Begeisterung der Königstreuen nochmals um ein Vielfaches zu steigern wusste, da wusste auch der unerkannt gebliebene Gast: kein Preußenbann wurde an diesem Abend geschürt, nein, im Gegenteil, den bayerischen Standpunkt galt's zu verteidigen. – „Der Bayerische Löwe zerreißt nichts und niemanden, ist nicht so blutrünstig und so rauflustig, auch die Verschworenen dieses Abends nicht.“
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| StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2 |
Dieser „König-Ludwig-Verein“, brave Leute aus Kötzting haben ihn ins Leben gerufen und mit Leben erfüllt, ist Ausdruck der Sehnsucht nach der heilen Welt von gestern, Ausdruck des Traumes vom Königreich Bayern. Auch für „ihn“, so resümierte der ruhig in einer Ecke des Festsaales sitzende Gast, war die „heile Welt von gestern“ gar nicht so heil gewesen. Übel hatte man ihm mitgespielt, übel war sein wahres Ende verfälscht und den Getreuen unwahr überliefert worden …
Und doch war sie schön gewesen, diese alte Zeit, als „er“ herrschte ohne zu regieren, als der Glanz, der von der Krone ausging, das menschliche Gemüt beseelte. War nicht gerade von seinem Königtum ein heilbringender Gnadenstrahl ausgegangen, der seine Untertanen wohlerzogener, exemplarischer, selbstbewusster gemacht hatte?
Aus seinen Gedanken wurde der König gerissen, als UNTER Dieter Reithner, der das Wort ergriffen hatte, in seiner programmatischen Rede fortfuhr: Beide, der OBER und sein KANZLER, die die Versammelten in dieser Nacht auf den Königstraum einstimmten, beide fanden bei ihren Reden seine stille, königliche Zustimmung: … Der angestammte König – der Vater des Vaterlandes – der geweihte und gesalbte Fürst – heiligt den Staat, hebt die Menschenwürde, lässt den Unterschied der Stände schwinden, lässt wieder Vaterländisch empfinden …
Ja, „er“ wusste, der Glanz, der von der Krone ausgeht, beseeligt das menschliche Gemüt und ganze Völker wären wieder gemütlicher.
… WÄREN, denn der König erkannte, dass ein langer Weg zu beschreiten notwendig sein würde, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen, den Königstraum, um dessen Berechtigung die Anwesenden in dieser Nacht ahnten. Und große Arbeit hatten sie bisher geleistet. Der OBER Vitus zeigte ihnen, wie dieser schwierige Weg zu gehen und wie er bereits mit festem ersten Schritt begangen worden war.
… „Humor soll gepflegt werden und Gemütlichkeit soll herrschen. Kein Gaudiverein, kein ‚Verein‘ mit Vorsitzendem und Beisitzer und … und … und … wollen wir sein. Unsere Vereinigung, mit einem ‚OBER‘, einem ‚UNTER‘, nur mit freiwilligen Spenden, soll von der Treue zu unserem König getragen werden.“ …
Hier nickte der König zustimmend und versuchte sich an dem guten Festbier, das einem gar zu aufmerksamen Zuhörer des OBER von königlicher Hand „stibbitzt“ worden war.
Alle hörten dem Vitus gespannt zu, alle lauschten seinen weiteren Ausführungen:
„… 1981 soll unser Gründungsfest abgehalten werden und 1982 die Fahnenweihe stattfinden. Unser Patenverein – und dafür großen Dank – wird der ‚König-Ludwig-Verein Konzell‘ sein, und allen, die durch ihr Engagement ihre Liebe zu dieser Idee bewiesen haben, gleichermaßen unseren Dank …“
Hier wusste der König bereits, dass der Lendl-Schreiner spontan vier Fahnen mit dem bayerischen Rautenmuster gestiftet, der Höcherl Karl zusammen mit seiner Tochter das wunderschöne Rednerpodest erstellt hatte. Ja, ja, die tröstende Illusion einer heiligen – und geheiligten Repräsentation – dieses Heiligtum, deren die menschliche Seele bedarf – mag durch solche spontanen Gesten ihren Beweis finden.
… Wie wertvoll die Autorität einer Majestät sein kann, haben wir erst am Beispiel Spanien erleben können. Kein Mensch lacht darüber, dass Staaten – wesentlich kleiner als Bayern – ihre Zukunft selbst bestimmen. Nur wir Bayern sollen das nicht dürfen! …“
Jaja, und hier regte sich auch des Königs Zorn und hier setzte er den Krug mit dem feinen Lindner-Bier ab und wünschte sich ungehalten über den königlichen Bart, Bayern war immer bereit, sich in Deutschland einzuordnen. Nur unterordnen wollen wir uns nicht, die Geschichte mag dazu wohl den Beweis antreten! … Als Deutsche verschiedenster Stämme vor Wien die Türken schlugen, waren 30.000 Bayern dabei und nicht ein einziger Preuße. Als Belgrad aus türkischer Hand befreit wurde, war die erste Fahne, die in der befreiten Stadt aufgezogen wurde, die eines bayerischen Regiments! …
Trotzdem der königliche Gast um all diese geschichtlichen Ereignisse wusste, musste auch er dem Redner, „angetan von dessen Offenheit“, stürmischen Beifall zollen. Die geladenen Gäste waren sich an diesem 4. März einig, dass die Rede des UNTER in ihren abschließenden Sätzen auch dem König gefallen haben würde (– und doch war er ihnen an diesem Abend so nahe!).
„… Die Heimat seufzt nach einem König, der Bayerns Ruhm, der Bayerns Liebe mehrt. Möge der Tag, da in München wieder ein Wittelsbacher regiert, nicht mehr fern sein. Und kommt der Tag, der ersehnte und schöne, an dem wir in Bayern wieder das Königreich ausrufen dürfen, dann wird darüber die ganze Welt Tränen der Freude vergießen! …“
Als nun durch die mächtigen Mauern des Anwesens, als aus unzähligen Kehlen königstreuer Patrioten die Bayernhymne nach draußen in die bayerische, dunkle Nacht drang, da nahm „er“ seinen Mantel. Verstohlen wischte sich der König eine Träne aus dem Auge (– nur unser Berichterstatter hat es gesehen –) und brach auf.
Die frische Nachtluft umfing ihn und er dachte über all das nach, was er an diesem Abend gehört und gesehen:
… Die Welt, wie sie gewesen war: frei, heiter, voller Glanz. Die Welt, wie sie wieder sein könnte – und diese Vorstellung kann eine Verwandlungskraft sein. Das wusste auch „er“.
Die Reise nach Kötzting hatte sich gelohnt!
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Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein
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Zum Abschluss des Berichtes noch ein Bild, das Georg Lohmeier im Jahre 1975 bei einer Lesung in Kötzting zeigt.
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| Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein |
Und ganz zum Schluss noch eine Werbeanzeige - das HOBOKAZIN musste sich schließlich irgendwie finanzieren - von einer Diskothek mittendrin in der Markstraße in Kötzting..... das war damals noch möglich.
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| StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2 |
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