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Montag, 5. Oktober 2026

Das Kötztinger Fußballstadion wird demontiert

 Wir schreiben den August 1978 und im Zuge der beginnenden Hochwasserfreilegung Kötztings muss auch das alte Fußballstadion weichen. 
Die Kötztinger FFW machte aus der Not eine Tugend und nutzte diese Gelegenheit, um ihre Mannschaften einmal solche Abrissarbeiten am Original üben lassen zu können.

KU vom 28.8.1978





Die Kötztinger Umschau begleitete die Aktion und aus dieser Sammlung haben wir eine ganze Reihe von Fotos bekannter Kötztinger, allen voran vom Vorstand Wolfgang - Gams - Kolbeck.Kötzting (kxa). Eine Meisterleistung vollbrachte die Freiwillige Feuerwehr Kötzting bei ihrer Großübung am Samstag: es ging aber dabei nicht, gegen Flammen anzukämpfen. Die Feuerwehrleute „übten“ mit Spitzhacken, Brecheisen und Motorsägen beim Abbruch der hölzernen Zuschauertribüne auf dem FC-Platz am Roten Steg. Nach sieben Stunden harter und exakter Arbeit war die, seit Jahrzehnten den Kötztingern liebgewordene Sport-Oase verschwunden. Spanndienste leisteten die Landwirte Gerstl und Schedlbauer. Die „Verschiebung“ des Fußballplatzes stellte eine „Vorbedingung“ im Zuge der Hochwasserfreilegung dar.

„Alle Mann Spitzhacken, Brecheisen, Pickel und Motorsägen raus aus dem Löschfahrzeug“, so kommandierte Michael Fleischmann „Samstag früh punkt 7 Uhr auf dem Sportplatz am Roten Steg. Systematisch ging der Einsatztrupp an das Werk. Bretter und Balken wurden abmontiert und auf die Schlepperfahrzeuge verladen. Unter fachmännischen Anweisungen riss Vorstand Wolfgang Kolbeck mit seiner Zugmaschine die „Werbe-Bedachung“ ab. Sogar der jüngste Nachwuchs der FFW leistete „Handlangerdienste“. Max Wiesmeier übernahm die Demontage der elektrischen Leitungen. Von den Stirnen rann der Schweiß und gelöscht wurde nur der Durst bei diesem Einsatz, der „genau wie im Ernstfalle“ geprobt wurde. Gegen 14 Uhr war die Arbeit vollbracht. Die „Großübung“ verlief ohne jeden Zwischenfall.

Gams auf seinem Schlepper

Dieser Abbruch stellte für die FFW nicht nur eine „Probe aufs Exempel“ dar, sie sollte auch eine „einbringliche“ Übung sein. Schriftführer Xaver Wellisch schaltete schnell: Nach Bekanntwerden der Vergabe der Sportplatz-Verlegung (die Baufirma Schönberger hatte die FFW die Abbrucharbeiten großzügigerweise überlassen), erklärte Kommandant Michael Fleischmann: „Wir brauchen schließlich Geld für unser neues Feuerwehrzentrum und was wir uns heute verdient haben, kann schon als gute Grundlage betrachtet werden“, meinte Vorstand Wolfgang Kolbeck. Das Einsatzkommando klappte hervorragend, die Geschicklichkeit beim Handanlegen war meisterhaft und um „der Sache willen“ leisteten die Feuerwehrmänner ganze Arbeit. Diese Aktion ließ deutlich erkennen, welche Vorteile Gemeinschaftsarbeit erbringt.

Obwohl sich wenige „Zaungäste“ bei dieser „Großübung“ sehen ließen, interessierten sich dennoch einige Fußballer für den Abbruch. So sieht Heribert Eggersdorfer mit einem lachenden und einem weinenden Auge die „Verschiebung des Fußballplatzes“ und ist überzeugt, dass Jahre vergehen werden, bis der FC wieder auf eigenem Platze spielen kann. Platzwart Alois Menacher meinte ziemlich deprimiert: „Sieben Johr eabate etza auf dem Plotz und allewei hob i in sauba hergricht – woana kannt i“


Der "Gams"









Bretter und Balken wurden abmontiert und auf Schlepperfahrzeuge verladen.





🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
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⭐ Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Standort des alten Fußballstadions zu finden.


Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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Freitag, 2. Oktober 2026

Wenn das Recht versagt ...... oder versagt wird Teil 1

Wenn das Recht versagt ...... oder versagt wird 

Eine Dokumentation über das Schicksal des jüdischen Familienverbandes  Klein - Kirschner

Die Einleitung





Bei meiner Recherche zum Schicksal der Kötztinger Bürgerstochter Susanne Kirschner erhielt ich vor Jahren Unterstützung von überraschender Seite. Daraus entwickelte sich ein persönlicher Kontakt, der schließlich sogar zu einem Treffen in Israel führte. Diese herzliche Verbindung zu Shelly Feder und ihrem Mann Eli besteht bis heute. 

Was damals noch niemand ahnen konnte, mündete schließlich in einen außergewöhnlichen Fund: Shellys Großvater hatte als Adressat von Briefen aus Kötzting und Tirschenreuth eine große Zahl von Briefen und Dokumenten gesammelt und über all die Jahre aufbewahrt. Diese Unterlagen eröffnen einen unmittelbaren und persönlichen Einblick in das Schicksal der Großfamilie Kirschner-Klein und ihrer Angehörigen.

Dabei ist mir wichtig festzuhalten, dass Shelly der Veröffentlichung dieser teilweise sehr persönlichen und privaten Briefe ausdrücklich zugestimmt hat. Auch bei der Bearbeitung und Zusammenstellung dieses Blogs habe ich sie in die einzelnen Schritte einbezogen, sie über die Entstehung informiert und ihre Zustimmung zu den jeweiligen Teilen eingeholt.

Ich konnte bereits in der Vergangenheit zahlreiche Dokumente und Aussagen über diese Familie aus Kötztinger Quellen und aus bayerischen Archiven zusammentragen. Sie hatten jedoch alle einen entscheidenden Mangel: Es waren durchweg Aussagen und Berichte über die Familie Kirschner. Authentische Nachrichten aus der Familie selbst fehlten bislang.

Mit dem nun erhaltenen Konvolut – es sind vor allem Briefe – lässt sich diese Lücke schließen. Zusammen mit den bereits digitalisierten Dokumenten aus den Spruchkammer- und anderen Nachkriegsverfahren entsteht dadurch ein unmittelbareres Bild vom Schicksal dieser Familie. Es ist eine schreckliche Mischung aus zerstörten Plänen, neuen Hoffnungen und immer wiederkehrenden Rückschlägen, die die Familie erleiden musste.

All diese deprimierenden Entwicklungen, von denen die Briefe berichten, sind eingebettet in die ganz alltäglichen Nachrichten aus dem Familienleben. Und darunter finden sich durchaus auch fröhliche und unbeschwerte Momente. Gerade dieser Gegensatz macht die Briefe zu einer besonders eindringlichen Quelle: Neben den großen Ereignissen und ihren Folgen begegnet uns darin immer wieder das ganz normale Leben der Menschen, die von ihnen betroffen waren.


Alice Kirschner, geborene Klein aus Tirschernreuth, die Mutter von
Susanne Kirschner, dieses Bild hatte Susanne (Shosh) wohl mit nach Palästina gerettet und 2005 dann in Yad Vashem abgegeben.
bei ihrer Aussage hinterlegt.

Woher stammt nun diese Briefe-Sammlung:

Um die Sammlung einordnen zu können, muss zunächst der familiäre Zusammenhang betrachtet werden. Denn die Briefe stammen nicht nur aus einer Familie. Sie verbinden die Familien Klein aus Tirschenreuth und Kirschner aus Kötzting miteinander und machen sichtbar, wie eng die Angehörigen trotz räumlicher Trennung miteinander verbunden blieben.

Die Verbindung der Familien Kirschner und Klein

Bevor wir uns den erhaltenen Briefen und ihrem Inhalt zuwenden, soll zunächst eine einfache Auflistung die familiären Zusammenhänge verdeutlichen. Sie dient vor allem dazu, den Adressaten und Sammler des vorliegenden Konvoluts innerhalb der Familie einordnen zu können.

Im weiteren Verlauf der Dokumentation werden die familiären Verbindungen noch wesentlich ausführlicher dargestellt werden. Dann wird es notwendig sein, den „Stammbaum“ um weitere Generationen und Familienzweige zu erweitern und so die jeweiligen verwandtschaftlichen Beziehungen genauer aufzuschlüsseln und zu erläutern.

Hier also zunächst die beiden wichtigsten Familienzweige und deren Zusammenhang.

Dr. Ludwig Eleizer Klein, mit seiner Frau Friedel und der
Enkelin Shelly, nun eine verheiratete Feder, die mir die Briefe ihres Großvaters überlassen hat

Zwei Familien – eine Verbindung

Zunächst begegnen uns hier zwei Familien, die ihren Ursprung in unterschiedlichen Orten haben: die Familie Klein aus Tirschenreuth und die Familie Kirschner aus Kötzting.

Die Verbindung zwischen beiden Familien entstand durch Alice Kirschner, der Ehefrau von Julius Kirschner. Sie war eine geborene Klein aus Tirschenreuth. Ihr Vater Adolf Klein betrieb dort ein Kolonialwarengeschäft.

Viele der folgenden Informationen über Tirschenreuth und die dort lebende jüdische Bevölkerung entstammen dem Buch Juden in der oberpfälzischen Kreisstadt Tirschenreuth (1872–1942) von Ingild Janda-Busl. Mit Frau Janda-Busl konnte ich in diesem Zusammenhang auch persönlich telefonieren. Dabei gab sie mir weitere Hinweise auf Fundstellen und Kontakte, die für die vorliegende Dokumentation von großer Bedeutung waren.

Insbesondere die Hinweise auf die Ausschreitungen während der Pogromnacht 1938 und das dazugehörige Nachkriegsverfahren sind neben den persönlichen Informationen über die letzten Tage der verbliebenen Familienmitglieder unabdingbar für das Gesamtbild. Erst aus dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Quellen wird erkennbar, was die beiden Familien schließlich zu erdulden hatten.

Hier das Bild des Kolonialwarenhauses Adolf Klein (Inhaber Max Pick), dem Schauplatz der Ausschreitungen im November 1938.

Tirschenreuth: „Unnaplatz mit Klettnersturm. Drittes Haus von links: Kolonialwarengeschäft Höflinger („Höflinger Wabl“), daneben das Geschäft Adolf Klein, Inh. Max Pick, Eckhaus: Schreinerei Gleißner, rechts davon (verdeckt) das Kommunbrauhaus. Foto Archiv Eberhard Polland, Tirschenreuth.“

Nun folgt ein Bild des Hauses Kirschner in der Kötztinger Marktstraße. Die Aufnahme stammt vom 1. April 1933, also gerade einmal zwei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. An diesem Tag fand in Kötzting - wie in anderen orten Großdeutschlands - die organisierte Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte statt.

Diese Aktion bei uns führte dazu, dass Julius Kirschner schriftlich alle seine Funktionen beim FC Kötzting niederlegte – einem Verein, dessen Entwicklung und Existenz er zuvor durch seine Energie wesentlich mitgeprägt hatte.


DIA-Repro 2067 Aktion "Kauft nicht bei Juden" vom 1. April 1933 vor dem Hause Kirschner, es war ein Samstag, während draußen auf der Straße bereits die Kirtastände für den Sonntag aufgebaut wurden.


 



Großfamilie Klein

Als die Familie Klein im Jahre 1897 das Tirschenreuther Heimatrecht erhielt, war der Vater der Familie, Adolf Klein, bereits verstorben. Seine Witwe Sophie Klein führte das Geschäft zunächst an seiner Stelle weiter, um ihre sieben Kinder ernähren zu können. Später übergab sie das Geschäft an ihren Schwiegersohn Max Pick.

  • Valerie Klein [1], später verheiratete Stingl. Sie heiratete Hugo Stingl [2]. Das Ehepaar lebte in Haslau in Böhmen, später während des Zweiten Weltkriegs in Prag.

  • Julius Klein, der unverheiratet blieb. Er war Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und starb am 14. November 1924 in Tirschenreuth im Alter von 37 Jahren, 7 Monaten und 11 Tagen.

  • Pauline Klein [3], verheiratete Pick. Ihr Mann Max Pick [4] übernahm das Geschäft in Tirschenreuth. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Siddy [6] und Betty [7].

  • Friederike (Frieda) Klein [5], die unverheiratet blieb. Sie wurde später zur wichtigen Stütze der Familie und übernahm schließlich auch die Betreuung ihrer Nichten. Nach der Flucht von Siddy [6] nach Palästina blieb Betty [7] bei Frieda [5]. Beide wurden später Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und ermordet.

  • Ludwig Klein [8], der zunächst als Prokurist in Frankfurt an der Oder tätig war. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne. Mit seiner Familie emigrierte er noch vor der nationalsozialistischen Machtübernahme nach Tel Aviv im britischen Mandatsgebiet Palästina. Sein ältester Sohn Fritz wurde später der Vater von Shelly Feder; der zweite Sohn hieß Micha.

  • Juliana Aloisia Klein [9], später Alice Kirschner. Sie heiratete am 15. Januar 1927 in Tirschenreuth den Kötztinger Kaufmann Julius Kirschner [10], geboren am 12. April 1892 in Kötzting. Als Trauzeugen sind Max Pick [4] und Karl Grüner genannt. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Susanne [11] und Alfred [12].

  • Friedrich (Fritz) Klein, der gemeinsam mit seiner Mutter Sophie lebte. Er war im Ersten Weltkrieg als Infanterist eingesetzt und fiel im Juli 1916 an der Somme.





  • Großfamilie Kirschner



    Zur Familie Kirschner gehörten unter anderem:

    • Helene Kirschner [13], die schon 1932  in die USA emigrierte.
    • Albert Kirschner [14], verheiratet mit Renate; das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn.
    • Amalia Kirschner [15], verheiratete Freiwirth.
    • Julius Kirschner [10], verheiratet mit Alice Klein [9], mit den Kindern Susanne [11] und Alfred [12].
    • Josefine Kirschner [13], die in die USA emigrierte.
    • Ida Kirschner [16], verheiratete Seiler. Sie überlebte und Hermann Seiler wurde nach dem Krieg zu einer wichtigen Kontaktperson hier vor Ort für die überlebenden Familienmitglieder.
    • Fanny Kirschner [13], die ebenfalls in die USA emigrierte.


    Staatsarchiv München pol.Dir. Nr. 14457
    Passfoto für Susanne Theresia Kirschner
    vom November 1939, nicht einmal 12 Jahre alt


    Ein dritter Familienverband taucht in dem Briefwechsel noch auf, wenn auch in einem eher geringeren Umfang.  Es handelt sich um die Geschwister von Ludwig Kleins Ehefrau, Friedl, einer geborenen Braun:
     




    Großfamilie Braun



    Willi Braun war ein Künstler und Maler. Einige seiner Gemälde haben sich erhalten, so auch das Bild, das er von Fritz Klein - dem Vater von Shelly Feder, der Familienforscherin, der wir die vielen Briefe verdanken - in Erfurt gemalt hat, als Fritz erst 12 Jahre alt gewesen war.

    Sammlung Shelly Feder: Fritz Klein im Alter von 12 Jahren gemalt in Erfurth von Willi Braun.


    Die in einem der Briefe erwähnte Gertrude - eine weitere Schwester - (1855-1944) hatte Hugo Tischler (1879-1943) geheiratet. Das Paar hatte 2 (oder sogar 3 ) Töchter. 
    Susi Tischler konnte Deutschland vor dem Beginn des Krieges verlassen, schaffte es nach Chicago und heiratete dort Hans Marx.
    Es gibt Hinweise, dass Steffi, die zweite Tochter der Tischlers, von einem Arzt oder Zahnarzt versteckt wurde, den Hugo Tischler gekannt hatte.
    Hugo und Gertrude Tischler wurden von den Nazis ermordet, von der Existenz eines dritten Kindes der beiden, das ebenfalls umgekommen sein soll, gibt es nur Gerüchte und keine Bestätigung.
    Fritz, ein weiterer Bruder aus der Familie Braun, schaffte es zusammen mit seinem Sohn nach Israel, wanderte aber später in die USA aus, genauer nach Chicago.
    Hermann (möglicherweise verheiratet mit einer Grete) und Martin waren weitere Geschwister der Friedl Klein.

    All diese Personen begegnen uns in der Briefsammlung in unterschiedlichen Rollen: als Verfasser oder Empfänger von Briefen, als erwähnte Familienmitglieder oder auch nur am Rand der überlieferten Nachrichten. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen den besonderen Wert der Sammlung aus

    Dr. Ludwig Klein – der Hoffnungsanker der Familie

    Dr. Ludwig Klein [8] war ein wichtiger Bezugspunkt für seine weitverzweigten Familienangehörigen. Er lebte bereits seit Anfang der 1930er Jahre mit seiner Frau Friedel, einer geborenen Braun, und seinen zwei Söhnen in Tel Aviv im britischen Mandatsgebiet Palästina.
    Für die in Deutschland zurückgebliebenen Angehörigen wurde er zunehmend zu einer wichtigen Anlaufstelle. Von ihm erhoffte man sich Hilfe bei der Suche nach Möglichkeiten, Deutschland zu verlassen und in Palästina ein neues Leben beginnen zu können.

    Sammlung Shelly Feder: Dr. Ludwig Klein 


    Seine Sammlung enthält zumeist Briefe, die unmittelbar an ihn gerichtet waren. Unter den erhaltenen Dokumenten finden sich daneben auch persönliche Unterlagen anderer Familienmitglieder. Wie diese in seinen Besitz gelangten, lässt sich nicht in allen Fällen eindeutig feststellen. Es erscheint jedoch naheliegend, dass ein Teil dieser Unterlagen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in seine Hände gelangte oder von Familienmitgliedern nach Palästina mitgebracht wurde, denen die Flucht dorthin gelungen war.
    Dr. Ludwig Klein [8] wurde damit für seine weitverzweigten Familienangehörigen zu einem Hoffnungsanker. Die Briefe zeigen, wie sehr sich die Angehörigen in Deutschland an ihn und seine Möglichkeiten klammerten: Sie baten um Auskünfte, hofften auf Visa und Einreisegenehmigungen, fragten nach finanzieller Unterstützung oder suchten nach Möglichkeiten, Angehörige aus Deutschland herauszubringen.
    Diese Flucht- und Auswanderungsbewegungen setzten bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ein. Denn die neue Herrschaft beschränkte sich nicht auf die Übernahme der Reichsregierung: Innerhalb weniger Monate wurden die demokratischen Strukturen des Staates auf allen Ebenen bis hinunter zu den Kommunen beseitigt und die nationalsozialistische Herrschaft durchgesetzt.
    Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich in der großen Briefesammlung noch weitere – für uns relevante – Briefe befinden. Im Moment sieht es jedoch so aus, als hätte ich alle nach dem Frühjahr 1933 geschriebenen Briefe erhalten.

    Die Ausgangssituation im März 1933

    Die Ausgangssituation für die Familien Klein-Kirschner-Pick-Stingl ist im März 1933 vor allem durch wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Druck – und damit durch zunehmende Unsicherheit – geprägt.

    Die Briefe machen jedoch deutlich, dass die Angehörigen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnten, wohin diese Entwicklung führen würde. Sie versuchen zunächst, mit den Veränderungen zurechtzukommen, suchen nach Möglichkeiten und halten gleichzeitig an ihren bisherigen Lebensvorstellungen fest.

    Gerade deshalb ist es wichtig, die folgenden Briefe nicht nur rückblickend aus dem Wissen um die späteren Ereignisse zu lesen. Für die Menschen, die sie damals schrieben, war die Zukunft offen. Sie hofften, planten, warteten auf Nachrichten und versuchten, für sich und ihre Angehörigen Lösungen zu finden.


    Hier nun zuerst die Situation des Familienverbundes Klein-Kirschner-Pick-Stingl

    Die verbindende Stelle für all die Familienmitglieder war das Kaufhaus Klein in Tirschenreuth, das von Max und Pauline Pick [4 und 5] betrieben wurde. Pauline Pick [4] war bereits schwer an Tuberkulose erkrankt, weshalb nicht nur ihre Schwester Frieda Klein [8] ihre große Entlastung war, sondern auch Alice Kirschner [10] regelmäßig aus Kötzting anreiste, um ihren Schwestern beizustehen.

    Mit den ersten Briefen vom Frühjahr 1933 - durchgehend erst am 1936 - beginnt eine Briefsammlung, die uns über mehrere Jahre hinweg begleitet – von den ersten Nachrichten aus einer Zeit zunehmender Unsicherheit bis zu den immer verzweifelteren Versuchen, Angehörige zu retten und Deutschland zu verlassen.


    Der Wandel der Briefe – ein Zeitpfeil durch zehn Jahre

    Schon ein erster Blick auf die erhaltene Korrespondenz zeigt eine Entwicklung, die sich fast wie ein Zeitpfeil durch die Sammlung zieht. Nicht nur die Inhalte der Briefe verändern sich – auch die Möglichkeit, überhaupt noch miteinander in Verbindung zu bleiben, wird Schritt für Schritt eingeschränkt.

    1933 – Das Leben geht weiter

    Die ersten erhaltenen Schreiben sind noch persönliche Briefe, wie sie innerhalb einer Familie selbstverständlich waren. Es wird über den Alltag, die Familie, Bekannte und gemeinsame Angelegenheiten geschrieben. Die politischen Veränderungen sind bereits spürbar, aber sie bestimmen die Briefe noch nicht vollständig.

    1936 – 1937 Zwischen Alltag und wachsender Unsicherheit

    Die Briefe sind ausführlich und berichten weiterhin über Familie, Krankheiten, das Geschäft und persönliche Angelegenheiten. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit zu. Immer häufiger geht es darum, was die Zukunft bringen könnte und welche Möglichkeiten der Familie noch bleiben.

    1938 – Die Hoffnung bekommt einen anderen Charakter

    Mit den Ereignissen des Jahres 1938 verändert sich die Situation grundlegend. Die Frage, ob man Deutschland verlassen kann, wird für immer mehr Familienmitglieder zu einer existenziellen Frage. Aus persönlichen Nachrichten werden zunehmend Nachrichten über Papiere, Bescheinigungen, Geld, Verwandte im Ausland und mögliche Fluchtwege.

    1939 – Ein Wettlauf gegen die Zeit

    Nun finden sich immer häufiger Anträge, Zahlen, Fristen und konkrete Auswanderungspläne. Es wird gerechnet, organisiert, nachgefragt und gewartet. Hinter jeder dieser Zahlen und jeder Frist steht jedoch ein Mensch, dessen Zukunft davon abhängt, ob ein Dokument rechtzeitig eintrifft oder eine Einreisegenehmigung erteilt wird.

    Die Briefe zeigen dabei, wie sich die Möglichkeiten Schritt für Schritt verengen. Was zunächst noch als Auswanderung geplant werden konnte, wird zunehmend zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

    1940 – Die Flucht wird zur Rettungsfrage

    Die Nachrichten werden bedrückender. Fluchtwege scheitern, Möglichkeiten schließen sich und die Familie versucht weiterhin, einzelne Angehörige in Sicherheit zu bringen.

    Der Tod von Julius auf seiner Flucht nach Palästina macht dabei auf erschütternde Weise deutlich, dass selbst der Weg, der als Rettung gedacht war, lebensgefährlich geworden ist.

    1941 – Die Verbindung bricht ab

    1941 gibt es schließlich keine normale Postverbindung mehr zwischen Deutschland und dem britischen Mandatsgebiet Palästina.

    Wer seinen Angehörigen in Palästina noch eine Nachricht zukommen lassen will, kann dies nicht mehr auf dem bisherigen Weg tun. Die Verbindung läuft nun nur noch über das Internationale Rote Kreuz.

    Damit verändert sich auch der Charakter der erhaltenen Nachrichten. Aus dem persönlichen Briefwechsel ist eine stark eingeschränkte Kommunikation geworden – vermittelt über eine Institution und abhängig von einem Weg, der selbst nicht mehr selbstverständlich funktioniert.

    Hier die für mich erschütternde Kurznachricht  von Alice Kirschner an ihre Tochter Susanne, die alleine in Tel-Aviv ihren Geburtstag feiern kann/soll.
    Die Mutter und ihr Bruder Alfred "hausen" zusammen mit der Tante Frieda Klein und der Cousine Betti Pick in einer Berliner Laubenkolonie, von wo aus dann nur noch ihre Namen auf einer Transportliste in ein Vernichtungslager erscheinen.

    Die Unterschrift "Mama" ist das letzte Lebenszeichen, das Susanne Kirschner von ihrer Mutter erhalten wird.

    1942 – Schweigen

    Für das Jahr 1942 ist aus diesem Briefwechsel nichts erhalten.

    Ob tatsächlich keine Nachrichten mehr geschrieben wurden oder ob nichts davon erhalten geblieben ist, lässt sich aus der Sammlung allein nicht beantworten.

    Aber auch dieses Schweigen gehört zur Geschichte der Familie.

    1943 – Selbst das Telegramm kommt nicht mehr an

    1943 wird noch einmal versucht, eine Nachricht von Tel Aviv nach Deutschland zu übermitteln. Ein Telegramm wird abgeschickt.

    Doch auch diese letzte Verbindung scheitert: Das Telegramm wird zurückgeschickt.

    Damit findet die über Jahre hinweg dokumentierte Kommunikation ihr erschütterndes Ende.

    Die Kommunikation selbst wird zum Spiegel der politischen Entwicklung.

    Aus langen persönlichen Briefen werden Berichte über zunehmende Bedrohung und Fluchtpläne. Aus Briefen werden Anträge, Zahlen und Fristen. Schließlich bleibt nur noch eine über das Internationale Rote Kreuz vermittelte Möglichkeit der Kommunikation – und am Ende erreicht selbst ein Telegramm aus Tel Aviv seinen Empfänger nicht mehr.

    So lässt sich anhand dieser Sammlung nicht nur verfolgen, was mit den Menschen geschah, sondern auch, wie ihnen Schritt für Schritt die Möglichkeit genommen wurde, miteinander in Verbindung zu bleiben.

    Aus der Rückschau auf diese unmenschliche Tragödie, die unsere Mitbürger zu erdulden hatten entstand auch der Titel dieser Dokumentation, die belegt was passiert, wenn das „Recht versagt, oder [von den Machthabern] versagt wird.

    Wehret den Anfängen!


    Wenn die Briefe selber freigeschaltet worden sind, geht´s hier dann weiter zum ersten Zeitabschnitt, die Jahre (1933) 1936 und 1937. 


     

    ⭐ Chroniken  Dieser Beitrag ist zum Beispiel in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Chroniken und der Jahreszahl 1933-1943 zu finden.



    Die Chroniken bewahren Erinnerungen an Menschen, Ereignisse und den Wandel der Stadt über viele Generationen hinweg. Oft sind es gerade diese zeitgenössischen Berichte, die Geschichte besonders lebendig werden lassen.

    Viel Freude beim Entdecken!

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    Donnerstag, 1. Oktober 2026

    Der König-Ludwig-Verein lädt zum Aschermittwochessen

     Als wir durch einen Zufallsfund das HOBOKAZIN Nr.3 in unsere Sammlung aufnehmen und über den Inhalt berichten konnten, habe ich am Rande geschrieben:

    "Sollten diese Hefte noch irgendwo in einem Schrank, auf dem Dachboden oder in einer Kiste schlummern, würden wir uns sehr freuen, sie als Ergänzung in unsere Sammlung aufnehmen zu können."

    Und tatsächlich,  mittlerweile sind wir - dank des so oft gescholtenen Internets - stolze Besitzer des Gesamtbestandes aller damals erschienenen Ausgaben. 
    In der Ausgabe Nr. 2 - leider ohne Deckblatt und damit ohne ein genaues Datum - berichtet ein Reporter über das damalige Aschermittwochsessen des Kötztinger König-Ludwig-Vereins beim Lindnerbräu mit einem ganz besonderen Blick auf das Fest und dessen Ausprägungen.
    Aus dem Inhalt des Artikels würde ich auf das Faschingsende des Jahres 1981 tippen, da im Artikel zwei wichtige Termine genannt werden: 
    Die Gründung des Vereins im Jahre 1981 und eine Fahnenweihe 1982.


    StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2

    Die Heimat seufzt …

    Der König ließ anspannen. Unruhig war er, denn bis Kötzting war es ein weiter Weg und die Reise mit der Kutsche (die er nur widerwillig dem geliebten Schlitten vorzog … – doch leider schien der Winter bereits das Feld geräumt zu haben) sollte ihn, den …geweihten und gesalbten Fürst …, zur rechten Zeit an den Bestimmungsort bringen. Nichts wollte "er" versäumen.

    StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2

    Als die Dämmerung bereits angebrochen war, bog das prächtige königliche Gespann von der Hauptstraße ab und holperte die letzte kurze Strecke des Weges über Pflasterstein, hindurch durch das mächtige Tor, hinein in den geräumigen Hof. Unerkannt wollte er sein, "er", der von diesem festlichen Abend gehört hatte und nun einmal lauschen wollte, was seine Untertanen denn planten.

    Die Kutsche wurde in eine dunkle Ecke des stattlichen Anwesens gelenkt und so dem Blick der, immer noch in großer Zahl zum Lindner-Bräu strömenden Gäste entzogen ( – nur unser Berichterstatter hat sie gesehen.) Der König betrat, ganz wie er erhofft hatte, unerkannt die festlich geschmückte Stube. Schöner war es – und schön war es auch hier an diesem Abend. Die Gaststube hatte ihr weiß-blaues Gewand angelegt, die Musiker saßen vor ihren blitzenden Instrumenten bereit, das Bier war angezapft worden und, … a bisserl vornehm und a bisserl leger … – die Geladenen, die sich nun, wie es der Brauch verlangte, an festlichem Aschermittwochmahl stärkten, blieben der Größe dieser Stunde in keiner Weise den Respekt schuldig. Und als der Bayerische Defiliermarsch erklang und nach diesem, als Referenz an die Stadt der Königstreuen, der "Kötztinger" gespielt wurde, da wurde er nachdenklich, der König.

    Aus den Unterlagen von Max Kellner, dem Gründungs-Schriftführer


    Still saß er da, keiner konnte ihn wahrnehmen und doch war er mitten unter ihnen. Und er lauschte, still und versonnen, ihren Reden, ihren Träumen und lächelte zustimmend, als er die Ernsthaftigkeit ihrer Zusammenkunft bestätigt fand. Da war nun der Saal beim Lindner-Bräu bis auf den letzten Platz gefüllt mit seinen bayerischen Untertanen, der OBER Vitus Irrgang hatte sie alle gerufen – der UNTER Dieter Reithner seine Idee an diesem Aschermittwoch Wirklichkeit werden lassen.

    Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein
    Der OBER und der UNTER, Vitus Irrgang und Dieter Reithner



    Der König verstand dies alles und war auch nicht erstaunt, als kein besserer, passenderer und überzeugterer als der Höcherl Karl zum Träger der Fahne ausgerufen wurde. OBER Vitus Irrgang brauchte diese Entscheidung nicht zu begründen: „… ein Fahnenträger aus echtem Schrot und Korn!“

    Wie gerne hätte der König, dem inzwischen allzu warm geworden war und der darob seinen pelzbesetzten Umhang abgelegt hatte, – wie gerne hätte er mit dem Karl angestoßen, doch dieser präsentierte gerade die Büste des Gesalbten, die ein Freund aus Bärndorf bei Chamerau gestiftet hatte: … das bayerische Herz ging auf dabei, das Bild schien an die Gemeinschaft mit den eigenen Vorfahren zu erinnern, deren Könige und Repräsentanten von den Wänden grüßten.

    Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein



    Und als die Kapelle Pemmerl die Begeisterung der Königstreuen nochmals um ein Vielfaches zu steigern wusste, da wusste auch der unerkannt gebliebene Gast: kein Preußenbann wurde an diesem Abend geschürt, nein, im Gegenteil, den bayerischen Standpunkt galt's zu verteidigen. – „Der Bayerische Löwe zerreißt nichts und niemanden, ist nicht so blutrünstig und so rauflustig, auch die Verschworenen dieses Abends nicht.“

    StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2


    Dieser „König-Ludwig-Verein“, brave Leute aus Kötzting haben ihn ins Leben gerufen und mit Leben erfüllt, ist Ausdruck der Sehnsucht nach der heilen Welt von gestern, Ausdruck des Traumes vom Königreich Bayern. Auch für „ihn“, so resümierte der ruhig in einer Ecke des Festsaales sitzende Gast, war die „heile Welt von gestern“ gar nicht so heil gewesen. Übel hatte man ihm mitgespielt, übel war sein wahres Ende verfälscht und den Getreuen unwahr überliefert worden …

    Und doch war sie schön gewesen, diese alte Zeit, als „er“ herrschte ohne zu regieren, als der Glanz, der von der Krone ausging, das menschliche Gemüt beseelte. War nicht gerade von seinem Königtum ein heilbringender Gnadenstrahl ausgegangen, der seine Untertanen wohlerzogener, exemplarischer, selbstbewusster gemacht hatte?
    Aus seinen Gedanken wurde der König gerissen, als UNTER Dieter Reithner, der das Wort ergriffen hatte, in seiner programmatischen Rede fortfuhr: Beide, der OBER und sein KANZLER, die die Versammelten in dieser Nacht auf den Königstraum einstimmten, beide fanden bei ihren Reden seine stille, königliche Zustimmung: … Der angestammte König – der Vater des Vaterlandes – der geweihte und gesalbte Fürst – heiligt den Staat, hebt die Menschenwürde, lässt den Unterschied der Stände schwinden, lässt wieder Vaterländisch empfinden …
    Ja, „er“ wusste, der Glanz, der von der Krone ausgeht, beseeligt das menschliche Gemüt und ganze Völker wären wieder gemütlicher.

    … WÄREN, denn der König erkannte, dass ein langer Weg zu beschreiten notwendig sein würde, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen, den Königstraum, um dessen Berechtigung die Anwesenden in dieser Nacht ahnten. Und große Arbeit hatten sie bisher geleistet. Der OBER Vitus zeigte ihnen, wie dieser schwierige Weg zu gehen und wie er bereits mit festem ersten Schritt begangen worden war.

    … „Humor soll gepflegt werden und Gemütlichkeit soll herrschen. Kein Gaudiverein, kein ‚Verein‘ mit Vorsitzendem und Beisitzer und … und … und … wollen wir sein. Unsere Vereinigung, mit einem ‚OBER‘, einem ‚UNTER‘, nur mit freiwilligen Spenden, soll von der Treue zu unserem König getragen werden.“ …
    Hier nickte der König zustimmend und versuchte sich an dem guten Festbier, das einem gar zu aufmerksamen Zuhörer des OBER von königlicher Hand „stibbitzt“ worden war.

    Alle hörten dem Vitus gespannt zu, alle lauschten seinen weiteren Ausführungen:
    „… 1981 soll unser Gründungsfest abgehalten werden und 1982 die Fahnenweihe stattfinden. Unser Patenverein – und dafür großen Dank – wird der ‚König-Ludwig-Verein Konzell‘ sein, und allen, die durch ihr Engagement ihre Liebe zu dieser Idee bewiesen haben, gleichermaßen unseren Dank …“

    Hier wusste der König bereits, dass der Lendl-Schreiner spontan vier Fahnen mit dem bayerischen Rautenmuster gestiftet, der Höcherl Karl zusammen mit seiner Tochter das wunderschöne Rednerpodest erstellt hatte. Ja, ja, die tröstende Illusion einer heiligen – und geheiligten Repräsentation – dieses Heiligtum, deren die menschliche Seele bedarf – mag durch solche spontanen Gesten ihren Beweis finden.
    … Wie wertvoll die Autorität einer Majestät sein kann, haben wir erst am Beispiel Spanien erleben können. Kein Mensch lacht darüber, dass Staaten – wesentlich kleiner als Bayern – ihre Zukunft selbst bestimmen. Nur wir Bayern sollen das nicht dürfen! …“

    Jaja, und hier regte sich auch des Königs Zorn und hier setzte er den Krug mit dem feinen Lindner-Bier ab und wünschte sich ungehalten über den königlichen Bart, Bayern war immer bereit, sich in Deutschland einzuordnen. Nur unterordnen wollen wir uns nicht, die Geschichte mag dazu wohl den Beweis antreten! … Als Deutsche verschiedenster Stämme vor Wien die Türken schlugen, waren 30.000 Bayern dabei und nicht ein einziger Preuße. Als Belgrad aus türkischer Hand befreit wurde, war die erste Fahne, die in der befreiten Stadt aufgezogen wurde, die eines bayerischen Regiments! …

    Trotzdem der königliche Gast um all diese geschichtlichen Ereignisse wusste, musste auch er dem Redner, „angetan von dessen Offenheit“, stürmischen Beifall zollen. Die geladenen Gäste waren sich an diesem 4. März einig, dass die Rede des UNTER in ihren abschließenden Sätzen auch dem König gefallen haben würde (– und doch war er ihnen an diesem Abend so nahe!).

    „… Die Heimat seufzt nach einem König, der Bayerns Ruhm, der Bayerns Liebe mehrt. Möge der Tag, da in München wieder ein Wittelsbacher regiert, nicht mehr fern sein. Und kommt der Tag, der ersehnte und schöne, an dem wir in Bayern wieder das Königreich ausrufen dürfen, dann wird darüber die ganze Welt Tränen der Freude vergießen! …“
    Als nun durch die mächtigen Mauern des Anwesens, als aus unzähligen Kehlen königstreuer Patrioten die Bayernhymne nach draußen in die bayerische, dunkle Nacht drang, da nahm „er“ seinen Mantel. Verstohlen wischte sich der König eine Träne aus dem Auge (– nur unser Berichterstatter hat es gesehen –) und brach auf.

    Die frische Nachtluft umfing ihn und er dachte über all das nach, was er an diesem Abend gehört und gesehen:
    … Die Welt, wie sie gewesen war: frei, heiter, voller Glanz. Die Welt, wie sie wieder sein könnte – und diese Vorstellung kann eine Verwandlungskraft sein. Das wusste auch „er“.

    Die Reise nach Kötzting hatte sich gelohnt!


    Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein



    Zum Abschluss des Berichtes noch ein Bild, das Georg Lohmeier  im Jahre 1975 bei einer Lesung in Kötzting zeigt.
    Sammlung Serwuschok König-Ludwig-Verein

    Und ganz zum Schluss noch eine Werbeanzeige - das HOBOKAZIN musste sich schließlich irgendwie finanzieren - von einer Diskothek mittendrin in der Markstraße in Kötzting..... das war damals noch möglich.


    StadtA Kötzting HOBOKAZIN Nr. 2


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    Das gesellschaftliche Leben prägte Bad Kötzting über Generationen hinweg. Vereine, Feste, Feiern, Theateraufführungen, Turnveranstaltungen und viele weitere Ereignisse hinterließen ihre Spuren in der Stadtgeschichte.




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    Mittwoch, 30. September 2026

    Kötzting auf dem Weg zum Kneippkurort

    KU vom 11.8.1976 der "Gasthof zur Post" als das zentrale Vorhaben für die Entwicklung Kötztings zum Kneippkurort
    Mit diesem Foto und der Vorstellung der weiteren Planungen von Kötztinger Seite titelte die Kötztinger Umschau aber auch mit einer ganz anderen Schlagzeile und mahnte zur Eile. 




    Das war die Überschrift der Kötztinger Umschau im August 1976. Im abschließenden Bericht wurde noch einmal der steinige Weg aufgezeigt, den Kötzting auf dem Weg zum Kneippkurort bereits gegangen war – und der Stadt noch bevorstand. Frau Renate Serwuschok, Chefredakteurin der Umschau und zugleich im Vorstand des Kötztinger Kneippvereins, versuchte dabei, den Verantwortlichen Beine zu machen:


    "Kötzting (na). Drei Jahre sind vergangen, seit die Idee geboren wurde, den staatlich anerkannten Erholungsort Kötzting in seiner Bedeutung für den Tourismus aufzuwerten und die kurze Fremdenverkehrssaison spürbar zu verlängern. Stadtrat Michael Serwuschok hatte seinerzeit den Vorschlag unterbreitet und darum gebeten, alle Möglichkeiten zu prüfen mit dem Ziel, die Lücke zwischen Prien am Chiemsee und Bad Berneck im Fichtelgebirge mit dem „Kneippkurort Kötzting“ eines Tages zu schließen. Der Kneippverein wurde gegründet, Kontakt mit führenden Kneippplanern in den verschiedenen Grenzorten aufgenommen. Informationsfahrten durchgeführt. Das Stadtparlament gab grünes Licht für eine Reihe von Maßnahmen, die zur Erteilung der Auflagen notwendig sind. Mitten in diese Anstrengungen platzt nun die Meldung, dass jetzt auch Viechtach das Prädikat „Kneippkurort“ anstrebt und darum bemüht ist, in enger Zusammenarbeit mit dem dortigen Kneippverein alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

    Viele Einzelschritte, die Kötzting bereits erreicht hat listet Frau Serwuschok nun auf:

    - Im „Untergrund“ des modernen Hallenbades floriert bereits eine Kneippstation.
    - Die Messungen für die Klimaanalyse sind nach zwei Jahren abgeschlossen. Das Ergebnis kann jeden Tag eintreffen.
    - Die erste öffentliche Wassertretstelle wurde am Dampfbach gebaut, eine zweite für den Trimm-pfad bei Gradis vorgesehen.
    - Schwierigkeiten zeichnen sich aber dort ab, wo die private Hand gefordert ist. So wird zur Anerkennung der Nachweis von mindestens drei Häusern mit zusammen 100 Betten vorgeschrieben, für die eine hauseigene Kneippanlage zur Verfügung stehen muss.
    Das scheint in Kötzting die Klippe, an der möglicherweise alle Hoffnungen zerschellen können.

    Dann aber ging alles doch ganz schnell: Herr Kühn (kue) berichtete ganzseitig über die Kötztinger Sensation, der Schaffung eines Zweckverbandes aus dem Bezirk der Oberpfalz, dem Landkreis Cham und der Stadt Kötzting.



     


    Im Rahmen der oben angesprochenen Klimaanalyse wurde auch eine erste Karte erstellt, um die räumlichen Eckpunkte für den künftigen Kneippkurort Kötzting herauszuarbeiten.
    Der heutige Großparkplatz war zu diesem Zeitpunkt – 1976 – noch lange nicht auf dem planerischen Reißbrett. Das zeigt sich schon daran, dass im Plan von 1976 die frühere Landwirtschaftsschule noch als „Kurmittelhaus“ ausgewiesen ist.

    KU vom 21.10.1976

    Und bereits Anfang November desselben Jahres machte der Bezirk Druck, um das Projekt voranzutreiben. Am Mittwoch, dem 10. November, lud die Stadt deshalb zu einer Informationsveranstaltung ins Hotel „Zur Post“ ein. Dabei ging es zum einen darum, die in Kötzting kursierenden Falschinformationen zu berichtigen, zum anderen aber auch darum, für das Projekt zu werben und private Geldgeber zum Einstieg zu bewegen. Sie sollten mit ihrem finanziellen Beitrag dabei helfen, den Anteil aufzubringen, den die Kötztinger selbst zu leisten hatten.


    "Der Weg in die Öffentlichkeit

    Kötzting (na). In einer öffentlichen Versammlung am heutigen Mittwoch um 20 Uhr im Hotel „Zur Post“ werden die Initiatoren des Projektes „Kurhotel“ über das Vorhaben und die finanzielle Beteiligung informieren. Den Bau und Betrieb dieses Hauses soll eine Kommanditgesellschaft (GmbH u. Co KG) tragen. Die privaten Anteilzeichner sollen bevorzugt aus dem regionalen Einzugsgebiet gewählt werden. Das Konzept ist wirtschaftlich und rechtlich mit der Regierung abgesprochen. Die Anteilzeichner werden nicht nur Teilhaber am Wirtschaftsunternehmen, ihre Rechte werden zusätzlich noch grundbuchmäßig gesichert. In der heutigen Versammlung erhalten die Interessenten auf alle Fragen erschöpfende Auskunft."

    Keine 10 Tage vergingen und die Zeitung konnte berichten:



    Kötzting (kue). „Es wird“, so Bezirksrat Gerald Berger, „es wird was. Das sind nicht mehr Sprüche.“ Bürgermeister Karl Seldl freute sich mit: „Wir sind heute ein ganzes Stück weitergekommen.“ Und Architekt Carl Schnabel verkündete: „Im nächsten Jahr wird gebaut.“ Die drei waren frohen Mutes von einer Besprechung bei der Regierung der Oberpfalz in Regensburg heimgekehrt. Sie hatten allen Grund dazu: Die Zweifel an dem Umbau des Hotels „Zur Post“ in ein „Kurhotel“ sind ausgeräumt, die öffentliche Hand wird mit herhalten und die medizinischen Einrichtungen finanzieren. Da diese Anlage nicht mehr Bestandteil des geplanten „Kurhotels“ ist und daher von der Gesamtbevölkerung sowohl allen Gästen beansprucht werden kann, rückt die Baumaßnahme „Kurmittelhaus“ an die zweite Stelle. Die ehemalige Landwirtschaftsschule wird erst dann für Kneippsche Zwecke hergenommen, wenn der Betrieb im ersten Projekt den Erwartungen entsprechend angelaufen ist.

    Und so ging es Schritt für Schritt weiter mit Abbruch - Richtfest - Einweihung 

    Bestandsplan AB Carl Schnabel 1976


    Der Abriss: 
    Foto Siegi Wild
    Foto Siegi Wild

    Foto Siegi Wild



    Die ersten Neubauten mit der Richtfestfeier:


    Richtfest 

    Richtfest

    Und am Schluss noch ein Foto des neuen Innenhofes, rechtzeitig zur 900 Jahr-Feier fertiggestellt.


    Foto Siegi Wild

    1995 war es dann soweit:
    KÖZ vom 15.12.1995 


    Auf einem Bild, das Jahre später anlässlich der Einweihung eines ersten Teils im Kurpark ging, haben wir auch Albert Gilch, als Pfarrer Kneipp im Hintergrund, neben Frau Renate Serwuschok und Dr. Stefan Dittrich ein weiterer Motor hinter der Kötztinger Kneippbewegung.

    Eröffnung Kurpark am 29. Mai 1992

    Minister August Lang - Albert Gilch - Bezirkstagspräsident Bradl



    🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
    Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
    Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

    ⭐ Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Haus des Gastes zu finden, dem sichtbaren Zeichen des Aufbruchs.


    Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

    Viel Freude beim Entdecken!

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