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Dienstag, 15. September 2026

Erinnerungen an Altkötzting -- Nr. 71 Kötztings Kinogeschichte

Vor 50 Jahren endete ein Kapitel der Kötztinger Kinogeschichte


  In der Bildersammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende, bei denen besonders der Fasching mit seinen Burschenbällen und Abschieden eine prägende Rolle spielte. Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf die Herausforderungen, die das Leben in Kötzting über lange Zeit begleiteten.

Bei der Bearbeitung der Kötztinger Häuserchronik des Hauses mit der historischen Hausnummer 120 entstand eine interessante Konstellation: Aus dem ursprünglichen kleinen Häuschen – gelegen mitten in der heutigen unteren Marktstraße – entstanden durch eine Neuaufteilung nach dem Marktbrand von 1867 gleich mehrere Parzellen mit der nun neu vergebenen Hausnummer 120. Sie wurden als 120, 120a, 120b und 120c durchnummeriert.

Der Besitzer eines dieser Häuser, dem Haus 120c, errichtete zusammen mit seinem Bruder Kötztings erstes Kino in der unteren Marktstraße. Später wurde es von Andreas Krämer in den Oberen Markt, in den sogenannten Graßlsaal, verlegt. Dort wurde der Kinobetrieb von ihm und seiner Familie bis zum Jahr 1976 weitergeführt.

DIA-Repro 2350 das Krämersche Kino in der heutigen unteren Marktstraße
damals die Hausnummer Kötzting 108 b. Gewohnt hatte die Familie Krämer hier und in der Hausnummer 120 c im Pfeffergraben


Mit einem „weinenden Auge“ blickte die Kötztinger Umschau - genauer die Chefredakteurin Frau Renate Serwuschok -  auf das Ende dieser Ära zurück, berichtete im November 1976 ausführlich über die Anfänge des Kötztinger Kinos und titelte.

"Sein Lebensfilm war 62 Jahre lang/ Jetzt sprang er aus der SpuleIin den Kötztinger Lichtspielen wird es dunkel/ Glanzvolle Vergangenheit, düstere Zukunft."


"Kötzting (na). Der Markt Kötzting hatte seine Sensation: 1914 eröffnete die Familie Krämer im Hinterhof ihres heutigen Geschäftshauses in der Marktstraße das erste Kino weit und breit. Jetzt hat die Stadt Kötzting ihren Skandal: 1976 muß der Sohn des Begründers der ostbayerischen Leinwand-Ära das Filmtheater schließen. Der vor 35 Jahren im Anwesen des Stadtrates Franz Graßl gemietete Saal wird für einen Lebensmittelmarkt gebraucht. Andere geeignete Räumlichkeiten für den „Kintop“ stehen nicht zur Verfügung. Der Lebensfilm der Kötztinger Lichtspiele springt aus der Spule, das Ende der Vorführung vom kommenden Montag wird unwiderruflich sein. Opas Kino ist im buchstäblichen Sinne tot. Der Auflösungsprozess in der ehemaligen Landkreismetropole hat ein neues Opfer. Es bröckelt immer mehr ab von der Substanz dieser Stadt und ihren Einrichtungen. Ist Kötzting dazu verurteilt, bis zu einer totalen Bedeutungslosigkeit abzubauen? Geht die Entwicklung soweit zurück, dass einmal ein Wanderkino mangels anderer Angebote die Massen in Bewegung setzen wird wie damals der „Kinematograph“ draußen auf dem Bleichanger?


Die Filmbranche meldet steigende Besucherzahlen. Man geht wieder ins Kino. Man geht auch in Kötzting. Josef Krämer verstand sich im Angebot auf die richtige Mischung. Sie half, die Karten zu verkaufen und brachte sein Unternehmen auf Platz 1044 unter insgesamt 2300 Lichtspielhäusern in der Bundesrepublik, was die Filmförderungsabgabe betrifft. Und die wird nach dem Umsatz erhoben, ein Beweis mehr für die Lebensfähigkeit des hiesigen Filmtheaters, das in seiner letzten Stunde auf einen rasanten Start zurückblicken und stolz auf seine Vergangenheit sein kann.
● An Ostern 1914, am 12. April wurde in den „Kötztinger Lichtspielen“ die erste Karte verkauft. Andreas Krämer, einer der Pioniere unter den Kinomännern, hatte den Vorführschein Nr. 7 in der Tasche. Alle 48 Sitzplätze waren besetzt, als er einen herzzerreißenden Stummfilm über die Leinwand flimmern ließ. Ein unternehmungsfreudiger Bürger des Marktfleckens hatte dafür gesorgt, dass an diesem kleinen Ort des Bayerischen Waldes möglich wurde, was seinerzeit in vielen Großstädten absolut noch nicht selbstverständlich war: der Kinobesuch.
Was machte es da aus, wenn der Film öfter einmal riss, wenn das Umspulen häufige Verzögerungen brachte. Beides gehörte ganz einfach zur Vorstellung, genauso wie das elektrische Klavier, auf dem auch Gottfried Wensauer schon geklimpert hat. Der Besitzer des Etablissements spielte  höchstpersönlich die Geige und Frau Engelmeier rundete mit ihrem wohltimbrierten Sopran den Genuss des Abends ab.


Die Familie des Schneidermeisters Englmeier wohnt übrigens ebenso wie die des Fotografen Pleier im Haus mit der alten Hausnummer 120c.

● Es war eine gemütliche Zeit in der technische Störungen das Vergnügen nicht trüben konnten, weil sich niemand von Pannen und Pausen stören ließ, als die „Bilder laufen lernten“. Eines Tages bekam der Stummfilm eine Sprache. Andreas Krämer, inzwischen für seine Pionierart mit dem Preis der UFA, einer Porzellanfigur berühmten Tänzerin Fanny Eißler ausgezeichnet, hielt mit der Entwicklung Schritt. Er mietete 1941 den Graßl-Saal, der dann im Jahr 1955 großzügig umgebaut und renoviert wurde. Inzwischen waren die Filme bunt, die Dimensionen größer geworden. 


Einschub  

Im Jahre 1955 war das Kötztinger Filmtheater, wie oben angeführt - im ehemaligen "Graßlsaal" vollkommen neu gestaltet wordent worden und die Kötztinger Zeitung berichtete von der großen Eröffnung:  KÖZ vom Dezember 1955
 
KÖZ 11-1955


Kötzting. In der vorigen Woche eröffnete das Filmtheater nach mehrtägiger Renovierungspause den Spielbetrieb mit dem Farbfilm „Ewiger Walzer“. Jeder Besucher war überrascht von der neuartigen geschmackvollen Umgestaltung. Der Bühnenvorbau ist beseitigt. Die Leinwand wurde auf die gesamte Saalbreite ausgedehnt, so dass Cinema-Scope-Filme gezeigt werden können. Der ganze Kinoraum erhielt eine Wandbespannung aus grün-goldenem Acelledor, zu der der in warmem Rot gehaltene Bühnenvorhang angenehm kontrastiert. Der Bühnenrahmen ist in dezentem Gold gepolstert und mit Zierknöpfen geschmückt. Die Bühnenrampe bringt indifferentes Licht, das sich harmonisch der übrigen Saalbeleuchtung angleicht.

Das Wertvollste des Umbaues ist die neue Heizung. Schon im Foyer spürt man die wohlige Wärme, die die Heißluftanlage ausströmt. An der Rangseite und an der Bühnenrampe befinden sich die Schachtgitter, durch die die Heißluft ausströmt und die kalte Luft eingesaugt wird. Der ganze Raum wird dadurch in kurzer Zeit auf eine gleichmäßige Temperatur gebracht. Im Sommer kann durch Ventilatoren die warme Luft abströmen und kalte Frischluft in den Saal geblasen werden. Um die Temperatur zu halten, wurden auch die Türen den kinotechnischen Anforderungen angeglichen.

Auch der Vorführraum wurde überholt und auf den neuesten Stand der Kinotechnik gebracht. Alle notwendigen Einrichtungen für Cinema-Scope-Filme wurden neu angeschafft und eingebaut, die Verstärkeranlage verbessert, eine neue Vorführmaschine aufgestellt und die Tonanlage erneuert. Die Bildprojektion wurde durch neue Vorsatzlinsen erheblich verbreitert, dazu ist das Bild heller und klarer geworden.

Gar mancher Neugierige betrat während der Renovierungszeit den Kinoraum, der einer Werkstätte in Hochbetrieb glich. Kaum glaublich schien es ihm, dass in vier Tagen der Umbau fertiggestellt sein sollte. Dies war auch nur möglich, weil auch Nachtschichten eingelegt wurden. Im Rahmen der Entwicklung des Kötztinger Filmtheaters stellt diese großangelegte Umgestaltung einen Höhepunkt dar. Ist doch das Kötztinger Kino eine Pionierarbeit des verstorbenen Begründers Andreas Krämer, der bereits 1914 als einer der ersten Kinomänner Bayerns mit dem Vorführschein Nr. 7 die ersten Filme im Landkreis zeigte. Freilich war es damals nur ein 50 Platzkino im eigenen Haus. Später, als sich durch die Aktualität der Wochenschauen das Interesse für den Film steigerte, wurde die Platzzahl verdoppelt. Eine seltene Auszeichnung wurde Andr. Krämer zuteil, als er von der UFA neben nur 4 anderen Kinobesitzern eine kostbare Porzellanfigur für seine Leistungen im Filmwesen erhielt.

Durch die Kriegsverhältnisse wurde der Raum wieder zu klein, sodass der Kinobetrieb in den damaligen Graßl-Saal verlegt werden musste. Obwohl die Einrichtung auf den damaligen Stand der Technik gebracht wurde, schien dieses Unternehmen doch ein Provisorium. Deshalb wurden im Vorjahr die Außenansicht mit einer Neon-Leuchtschrift verziert, das Foyer und der Treppenaufgang modernisiert und eine neue Bestuhlung angeschafft. Kötzting hat nun ein Filmtheater, das dem Fremdenverkehr sehr dient.

Einschub Ende


DIA-Repro 1461 die Kötztinger Lichtspiele im Graßlsaal


Der Wegbereiter des Leinwandvergnügens starb, als die Filmkunst noch hoch im Kurs stand. Seine Familie setzte die Tradition fort, sein Sohn Josef trat das Erbe an. Vaters Kino ging es gut. Klaus Holm stellte sich dem Kötztinger Publikum vor, künstlerisch wertvolle Streifen wurden in Sonderveranstaltungen gezeigt, das Geschäft mit dem preiswerten Vergnügen florierte.

DIA-Repro 3690 

● Dann kristallisierte es. Die häusliche Mattscheibe wurde zum großen Konkurrenten der Kinoleinwand. Aber gerade jetzt, da sich das Blatt wieder zu wenden scheint und anderswo – wie kürzlich in Falkenstein – sogar neue Lichtspielhäuser eröffnet werden, muß das Kötztinger Filmtheater schließen. Josef Krämer sieht keine Möglichkeit, den Spielbetrieb anderswo weiterzuführen. Nach 62 Jahren beginnt in Kötzting die kinolose Zeit. Josef Krämer kann es selbst noch nicht fassen: „Jeden Abend frei zu haben, das wird eine Umstellung!“ Er sieht ihr mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen.

 

1976-11-20 Nr 32  Eingangsbereich des Filmtheaters nach der Renovierung im Jahre 1955

1976-11-20 Nr 32 Innenaufnahme vom Kino im Graßlsaal

Ein Abschied für immer?

● Er wird „die große Freiheit“ genießen, aber ganz sicherlich auch das abendliche Engagement vermissen, die Stunden in der Enge des Vorführraumes, die Tücken des Objektivs und die ständige wiederkehrenden Handgriffe. Mit Hilfe der Technik hat Josef Krämer jahrelang Heiteres und Dramatisches, Reales und Absurdes, Zauberhaftes und Geschichtliches, Altes und Neues in- und ausländischer Produktionen ablaufen lassen, Kunst und Politik, Liebe und Sex auf die paar Quadratmeter Leinwand gebannt, die weite Welt in den Kinosaal geholt und dabei seine Rolle als Mittelmann zwischen Filmemachern und Publikum zuverlässig gespielt. Wim Wenders entdeckte ihn und sein Kino für eine Szene in dem viel diskutierten Streifen „Im Laufe der Zeit“. Und trotzdem muß das Kötztinger Filmtheater „sterben“. Am Montag schlägt ihm die letzte Stunde. Wird’s ein Abschied für immer? Oder ist der Film doch nur gerissen?

Strenge Regeln galten früher für einen Kinobetreiber:

Freikarte fürs Amt

Am Anfang war der Stummfilm, am Anfang waren aber auch schon Paragraphen, mit denen der erste Kötztinger Kinobesitzer Andreas Krämer leben musste. An wenigen Kostproben lässt sich der „Ernst der Lage“ leicht abschätzen:

  • Der Apparatenraum darf nur mit elektrischem Licht beleuchtet werden ...
  • Die Bedienung des Bildwerfers muss von einem volljährigen, zuverlässigen und sachkundigen Mann besorgt werden, der mit den Gefahren (Vergiftungsgefahr durch brennendes Celluloid usw.) vertraut ist..
  • Es dürfen nur solche Bilder vorgeführt werden, die von der K. Polizeidirektion München geprüft und mit Zulassungskarten versehen sind. Beanstandete Teile vom Bildstreifen sind der Polizeibehörde einzuliefern ...
  • Sämtliche Reklameplakate, Beschreibungen, Photographien, Bilder und sonstige Ankündigungen sind vor dem Anschlage dem Magistrate zur Prüfung und Abstempelung vorzulegen ...
  • Die Einladung schulpflichtiger Kinder zu sogenannten Kindervorstellungen ist an die vorgängige Zustimmung der K. Lokalschulkommission gebunden ...
  • Dem Magistrate ist sofort eine zum Besuche jeder Vorstellungen berechtigende Dauereintrittskarte zur Verfügung zu stellen ...


Krämer Sepp 1976  im Vorführraum an der Technik

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Kasse und den Kiosk im ersten Stock gleich neben dem Saaleingang:




Das Kötztinger Filmtheater war aber auch Schauplatz für Bildvorträge, wie dem Folgenden, als im Jahre 1970 Kötztinger Jugendlichen über die Gefahren des Rauschgiftkonsums aufgeklärt wurden.....


KU vom 16.2.1971

Ob der Herr Vortragende mehr wusste zum Thema Rauschgift als seine Zuhörer.....








Nun aber weiter mit der Kötztinger Filmgeschichte, die nicht mit der Schließung  des Filmtheaters im Dezember 1976 endete, sondern eine erste Fortsetzung fand in den Räumen der früheren Landwirtschaftsschule.
Erneut war es Frau Renate Serwuschok, die die gute Nachricht von Kötztings neuen Kino vermeldete. Es war im Mai 1977, als es in Kötzting wieder weiterging:




Kötzting (na). Sie ist vorbei, die kinolose, die schreckliche Zeit: Morgen heißt es wieder „Film ab“. Hans Rie aus Miltach, „alter Hase“ in diesem Metier, macht’s möglich. Gedrängt und ermutigt von Bürgermeister Seidl, der nicht länger zuschauen wollte, dass seine Stadt kein Filmtheater mehr hat, versuchte, den Besitzer eines gut eingeführten Wanderkinos für Kötzting zu gewinnen.
Der „kinofreundliche“ Landrat Ernst Girmindl war bereit, die benötigten Räume in der ehemaligen Landwirtschaftsschule zu vermieten. Der Vertrag wurde perfekt. Hans Rie ging ans Werk. Er verwandelte, was ehedem land- und hauswirtschaftlich war, in einen Kinosaal, der in nichts an eine „Notlösung“ erinnert. Auch alles Drum und Dran, von der idealen Lage bis zu den benötigten Parkplätzen, lässt hoffen, dass der Unternehmergeist und privates Engagement vom Publikum auch entsprechend honoriert werden. Das Ehepaar Rie: „Wir haben unser möglichstes getan.“ Und der Bürgermeister: „Ich bin sehr froh darüber!“

KU vom 20.5.1977

Als das traditionsreiche Filmtheater der Familie Krämer im Hause Graßl schließen musste, bedingt durch bauliche Veränderungen für eine anderweitige Nutzung, schien es, als würde der endgültige letzte Film abgespult sein. Neue Hoffnung konzentrierte sich auf die Wanderlichtspiele Rie. Aber auch eine ambulante Bespielung wäre von einem geeigneten Raum abhängig gewesen. Die städtische Festhalle schied wegen ihrer Größe von vornherein aus. Doch die ehemalige Landwirtschaftsschule stand leer. Bürgermeister Karl Seidl redete Hans Rie gut zu. Landrat Girmindl zeigte sich aufgeschlossen. Die Verhandlungspartner einigten sich auf einen Mietvertrag für vorerst drei Jahre mit Verlängerungsklausel. Die Voraussetzungen waren geschaffen, die Arbeit konnte beginnen.

Das Ergebnis stellten Hans Rie und seine Frau Anna gestern vor. Sie haben getan, was zu schaffen war und dabei erreicht, daß von einer „Notlösung“ nicht die Rede sein kann. Es gibt eine „richtige“ Kinokasse, einen Aufenthaltsraum und einen Kinosaal, in dem von der Bestuhlung bis zur Beleuchtung alles in bester Ordnung ist. Wandbespannung und Vorhänge geben ihm eine gemütliche Atmosphäre. Der Akustik wurde fachmännisch „nachgeholfen“. Die neuen Kötztinger Lichtspiele erinnern an die intimen Filmstudios großer Städte. Bürgermeister Seidl zeigte sich „höchst zufrieden“. Er war voll des Lobes für diese Initiative und glaubt, daß aus den drei Jahren „etwas für immer“ werden könnte, denn „selbst wenn wir aus diesem Gebäudekomplex einmal ein Kurzentrum entstehen lassen, brauchen wir weiterhin ein Kino“.

Hans Rie, der von 1947 bis 1949 schon einmal in Kötzting Filme vorgeführt und sich dann selbständig gemacht hat, brachte seither Aktuelles und Unterhaltsames in verschiedene Orte des Altlandkreises und darüber hinaus. In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als es das Fernsehen noch nicht gab, war ein Wanderkino nahezu unentbehrlich für den ländlichen Lebensbereich. Aber auch heute noch ist das Unternehmen gern gesehen in Bodenmais und Arnbruck, Drachselsried, Rimbach und Elisabethzell, wo es regelmäßig spielt.

Mit dem Streifen „Gefährliche Reise“ hatte Hans Rie vor genau 30 Jahren als filmebringender Flächenbediener seinen Einstand. Es wurde eine glückliche Fahrt. Morgen eröffnet er sein stationäres Kino in Kötzting mit der Neuverfilmung des Heimatromans „Edelweißkönig“ von Ludwig Ganghofer. Pro Woche sind zwei Programme vorgesehen. Sie werden von Freitag bis Montag sowie am Dienstag und Donnerstag über die Leinwand flimmern. Nach dem „edelweißköniglichen“ Einstand wird „Frankenstein in dem Streifen Todesrennen“ bemüht.

 

KU vom 20.5.1977

In einem Gespräch mit Volksbildungsleiter Werner Tutter soll geprüft werden, ob es in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule nicht möglich wäre, einen „Tag des besonderen Films“ einzuführen. Gedacht ist an „Evergreens auf Zelluloid“, aber auch an künstlerisch wertvolle Neuerscheinungen oder an Filme aus Musik und Literatur, die im laufenden Programm nicht unterzubringen sind und über eigens dafür zuständige Verleihe bestellt werden müssen. Hans Rie zeigt sich aufgeschlossen. Er möchte die Kinofreunde gut bedienen und durch ein kontrastreiches Angebot auf den unterschiedlichen Geschmack seines Publikums weitgehend Rücksicht nehmen. Morgen beginnt eine neue Ära in der Geschichte des Kötztinger Filmtheaters. „Glück auf“ wünscht dazu nicht nur Bürgermeister Seidl. Ihm schließen sich alle an, die trotz des Fernsehzeitalters etwas übrig haben für die große Leinwand. Übrigens: „Mach mal Pause Von zu Hause geh ins Kino!“

Das dritte und abschließende Kapitel der Kötztinger Kinogeschichte wird erst noch angeführt, wenn die Digitalisierung des Zeitungsarchives weiter fortgeschritten ist.

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
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Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei auf dem Hauses der Familie Graßl in der Marktstraße zu finden, wo das Kötztinger Filmtheater die längste Zeit gewesen war.

 

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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Sonntag, 13. September 2026

Bilder fürs Kopfkino ....

Manchmal genügt ein einziges Foto.

Gesichter oder eine festgehaltene Szene  – und plötzlich ist sie wieder da, die halbe Welt von damals.
Beim Stöbern durch unsere Bildersammlung – oft in Verbindung mit alten Zeitungsartikeln – stoße ich immer wieder auf solche Einzelstücke. Bilder, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Kaum betrachtet, tauchen im Kopf schon kleine Geschichten, Anekdoten und Bilder auf.
Ich bin mir sicher: Manchen meiner Zeitgenossen geht es dabei ähnlich. In lockerer Folge möchte ich hier solche – für mich besonderen – Funde vorstellen. Vielleicht blitzen auch bei Ihnen beim Betrachten ganz eigene Geschichten und Anekdoten auf.

Und weiter geht's mit diesen speziellen Erinnerungen:

Bild 3

 Seit vielen Monaten habe ich die Möglichkeit, das sogenannte Kretschmerarchiv zu digitalisieren. Dabei arbeite ich mich im Pfingstarchiv Jahr für Jahr ein Stück weiter in Richtung Gegenwart vor.
Meist sind es gut 500 Fotos, die Werner Kretschmer in den 1960er Jahren jedes Jahr aufgenommen, anschließend penibel sortiert und archiviert hat.
Beim Jahrgang 1961 ist mir eine besondere Bilderserie vom Kinderfestzug aufgefallen. Sie weckt nicht nur Erinnerungen, sondern gibt zugleich einen interessanten Einblick in die damaligen Schulverhältnisse. Denn in der Volksschule wurden in manchen Jahrgangsstufen zwei Klassen gleichzeitig in einem Klassenzimmer unterrichtet.
Ich selbst wurde 1959 bei Herrn Mieleithner eingeschult. Danach kam ich zu Herrn Ertl, der stets die Klassen 2 und 3 gemeinsam unterrichtete. In den Schuljahren 4 und 5 war dann Herr Zelzer mein Lehrer.
Pfingsten 1961 war ich also noch in der zweiten Klasse – und damit gemeinsam mit den älteren Buben der 3. Klasse unterwegs. Das spiegelt sich sehr schön in der „gemischten“ Burschenvereinsgruppe wider, die wir beim Kinderfestzug 1961 darstellen durften.

Alle damaligen Buben sind inzwischen längst Rentner und viele von ihnen Großväter. Ich denke, dass mir noch etliche der Gesichter bekannt vorkommen.
Trotzdem würde der Wert dieser Bildersammlung noch steigen, wenn wir auch manchem anderen Gesicht einen Namen geben könnten.

Hier also nun der Kötztinger Burschen- und Brautzug beim Kinderfestzug 1961.

🎬 Film ab!

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
v.l. Lendl Franz - Gerstl Fannerl - Würkner Reinhold - Breu N.

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
links erkenne ich Franz Wanninger und Ludwig Wolfgang unseren späteren Bürgermeister, rechts an Mr 4 Maurer Sepp

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
vorne Nr 2 Krupitschka Peter - weiter hinten dann Schmuderer? und Liebl Karl Heinz?
in der zweiten Reihe Mitte finde ich mich selber und hinter mir Griesbeck Schorsch

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961


Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961
In der Bildmitte ist Ludwig Wolfgang, dahinter Josef Franz

Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961


Foto Kretschmer Pfingstarchiv Jahrgang 1961






Bild 2

Bei der Durchsicht der Kötztinger Burschenchronik - um einen Jahresbeitrag für das Jahr 1956 zu erarbeiten - bin ich auf ein tolles Bild von einer ganz besonderer Veranstaltung gestoßen, das wunderbar in diese Reihe passt. Es stammt von einem Auftritt einer ganz besonderen Band, den "Condios" 

Als die „Condios“ angekündigt wurden, klang das nach großer, weiter Welt – vielleicht nach einer fremden Spitzenkapelle, die im Januelsaal aufspielen sollte. Entsprechend groß war die Spannung, als sich der Saal füllte und alle auf den großen Moment warteten. Dann ging der Vorhang auf – und die Überraschung war perfekt: Keine auswärtige Sensationsband, sondern die eigene Vereinskapelle stand auf der Bühne.

Foto Vereinschronik BWV-Kötzting von 1956 - ist das nicht ein tolles Bild.
Die Condios: v.l. Hans -John - Mühlbauer - Wack Traurig - Stutz Traurig - Betz Erich
Gerade das macht dieses Bild heute so besonders. Es zeigt nicht nur einen pfiffig inszenierten Auftritt, sondern auch einen kleinen Generationswechsel in der Kötztinger Tanzmusik. Denn gespielt wurde hier ausnahmsweise einmal ohne den Senior der „Kapelle Traurig“. Später war bei Kötztinger Bällen längst bekannt: Wenn Michl Traurig sen. nach Hause gegangen war und die jüngere Generation die Musikauswahl übernahm, dann wurde es oft erst richtig interessant. Vielleicht lag also schon bei den „Condios“ ein Hauch von dem in der Luft, was Jahre später unter der Hand jeder wusste: Jetzt geht der Ball erst richtig los.
Und dazu noch dieses Foto aus der Vereinschronik von 1956 – allein das ist schon ein kleines Stück Kötztinger Musik- und Unterhaltungsgeschichte.
Hans - John - Mühlbauer, der Pfingstbräutigam des Vorjahres (1955) und Brautführer für seinen Freund Barth Schorsch dann in diesem - 1956 - Jahr. Er ging später für einige Jahrzehnte in die USA, was ihm seinen Zweitnamen - John - einbrachte, bevor er nach Kötzting dauerhaft zurückkehrte.
Die anderen Drei, Franz und Michael Traurig - also Stutz und Wack - und Betz Erich gehörten alle zur Familie Traurig, da Erich Betz später Annerl Traurig heiratete, die hier bereits als Solistin auftritt.
Was von Betz Erich sicherlich vielen noch in Erinnerung ist, ist sein Sängerauftritt mit "ONLY YOU", den er auch viele Jahrzehnte später noch auf der Bühne im Jahnsaal absolvierte, auch wenn er schon lange nicht mehr in einer Band spielte.
Viele unterhaltsame Stunden verdank(t)en wir diesen Kötztinger Musikerurgesteinen
 
In der Chronik heißt es zum Auftritt der Condios:
"und die Burschen machten viel Mundpropaganda. Gegen 8:00 Uhr war dann der Saal voll von lauter jungen Leuten. Dann kam der spannende Augenblick, der Vorhang der Bühne wurde geöffnet und ein herzlicher Beifall war der Lohn für die Arbeit. Zum Tanz spielte die Vereinsband,  Hans Mühlbauer, Wack Traurig, Erich Betz und Franz Traurig. Sie spielten wie die Götter. Kein Wunder, dass die Stimmung sofort auf Hochtouren kam. Nach einer kleinen Pause zog sich die Kapelle um. Wieder waren sie alle vier gleich gedresst. Dann ging’s aber erst richtig los. Jetzt lautete die Parole, heiße Musik. Man kann ruhig behaupten, dass auf manchen Faschingsball keine solche Stimmung aufkam. Eine Veranstaltung, mit der wir uns sehen lassen konnten. Als Solisten taten noch Annerl Traurig und Erwin Stelzl hervor."

Bild 1



Wenn da einem "Obermarktler" nicht das Herz aufgeht. Das Bild stammt von einer Generalversammlung der Kötztinger Feuerwehr und offensichtlich wurde eine ganze Garde vom oberen Markt für ihre Mitgliedschaft geehrt. Es war im Jahre 1976, als es noch die Regel war, in der Kötztinger Marktstraße zu wohnen, heutzutage sind wir nicht mehr Viele.


KU vom März 1976

Wen  haben wir denn da drauf...... lauter Helden meiner Kinder und Jugendzeit 

Den Wellisch Xaverl, Zögling vom Josefsheim, ganz aktiv beim Burschenverein, Pfingstreiter und immer für einen Spaß zu haben.
Herr Zimmerer aus der Rathausgasse, der Vater meines Mitschülers aus der Kötztinger Volksschule, ich erinnere mich noch gut an die Werkstatt in der Rathausgasse und an den Geruch des Fensterkittes.
Pongratz Heinerl  seines Zeichens ein Schreinermeister- schon an seinem Gesichtsausdruck kann man seine Lebensfreue erkennen. Er und seine Frau "Elis" waren begnadete - und vom Tanzstil auffallende - Tänzer auf den Kötztinger Faschingsbällen und hatten immer auch Kontakt mir uns Jugendlichen.
Pongratz Schorsch, Kötztings Mr. Konsum, unser Nachbar von gegenüber immer sportlich und auch ein guter Schütze.
Im Hintergrund Herr Fleischmann (Feuerwehrkommandant oder Vorstand aus Leidenschaft - was von den zwei Möglichkeiten zutrifft, bleibt für mich "ungedienten" für immer ein Buch mit sieben Siegeln) ein streitbarer Feuerwehrler für die Kötztinger Belange, vor allem, als es damals um die technische Ausrüstung (Stichwort Magirus contra Merzedes) ging.
Wagerer Franz: der Tauberer aus Berufung. Bei uns im Hof wurden die Reisebrieftauben beringt und später dann von großen Transport-LKWs abgeholt, weit weg gefahren und am Reiseziel "aufgelassen". Zuhause warteten dann die Tauberer in ihren Taubenschlägen auf  die Rückkehr ihrer Renntiere.
Der "Gams", "Schwarzanderl Gang" oder Wolfgang Kolbeck, ebenfalls ein Nachbar. Die Geschichten über, von und mit ihm sind fast ebenso legendär wie die vom Heijterl Karl. 
Der eine Hausname, "Gams“ kam von einem früheren Wirtshausausleger am Gebäude, der einen Gamsbock darstellte und der zweite Hausname, „Schwarzanderl“, stammte von einem schon  verstorbenen Hausbesitzer namens „Andreas Schwarz“, eigentlich ganz einfach. Der „Schwarzanderl“ Stall mit Garten am Ende der Metzstraße hatte jedenfalls hervorragende Zwetschgen…….
Der Vollständigkeit halber: der Feuerwehrmann hinter Xaver Wellisch ist der KBI Georg Radlinger

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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Freitag, 11. September 2026

Schulhaus - Parkplatz - oder Verkauf: harte Fronten vor 50 Jahren

   In der Bilder- und Zeitungssammlung des Stadtarchivs haben sich zahlreiche Momentaufnahmen erhalten, die einen „Blick zurück“ auf das Alltags- und Gesellschaftsleben früherer Jahrzehnte erlauben: auf Handel und Gewerbe ebenso wie auf Feste, Bälle und gesellige Abende.
Neben diesen unbeschwerten Szenen verweisen die Aufnahmen aber auch auf Herausforderungen, die das Leben in Kötzting lange begleiteten. Die folgenden Bilder und Berichte führen zurück in ein Kötzting vor rund 50 Jahren und erinnern an das "Stadtbild" jener Zeit und an eine heftige Auseinandersetzung, die auch in der Presse ausgefochten wurde.

Es ging um die Frage: Fortbestand des alten, historischen Schulhauses in der Stadtmitte oder Abriss und folgend der Bau eines modernen Parkhauses.

Detail aus KU109_032 ein markantes und stadtbildprägendes Gebäude war es schon, das alte Schulhaus mit seiner gro0en Hausfront in Richtung der Pfarrkirche.
Originalbildunterschrift: "Von der Wettzeller Straße oder vom Ludwigsberg wird deutlich, dass die alte Schule in das Ortsbild hineingewachsen ist, und dass ihr ersatzloser Abbruch ein Loch in das „Herz der Stadt“ reißen würde, wie es Kreisbaumeister a. D. Hermann Seller formuliert."

Titel der KU vom 13. August 1976

Kötzting (na). Die Spatzen pfeifen es vom Dach jenes Gebäudes um das es geht: die alte Schule zwischen Gehring- und Holzapfelstraße soll nun doch verkauft werden. Sie steht schon seit Monaten auf der Abbruchliste, um das Feld zu räumen für einen innerstädtischen Parkplatz. Von den Geschäftsleuten in der Nachbarschaft werden Befürchtungen geäußert, dass sie alle diesbezüglichen Hoffnungen wohl unter dem Schutt des alten Gebäudes werden begraben müssen. In der Tat gehen die Meinungen über den Verwendungszweck des Grundstücks auch im Stadtrat auseinander. Vor dem düsteren Hintergrund der Kötztinger Finanzmisere erhebt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, die Fläche zu einem exklusiven Preis zu veräußern, denn die Errichtung eines Parkplatzes würde Geld kosten, ein Verkauf dagegen würde welches einbringen. In die Diskussion um das Für und Wider mischt sich auch Kreisbaumeister a. D. Hermann Seller, der davor warnt, durch einen Abbruch der alten Schule ohne Ersatzmaßnahme ein Loch in das städtebauliche Ensemble zu reißen, das der Ansicht Kötztings gar nicht gut stände.

■ Schon seit Jahr und Tag hat der Stadtrat einen Parkplatz auf dem Gelände der alten Schule vorgesehen. Die Abbruchgenehmigung ließ lange auf sich warten. Inzwischen liegt sie vor. Jetzt lässt sich wiederum die Stadt mit dem Abbruch Zeit. Bürgermeister Seidl, von der „Kötztinger Umschau“ zu diesem Problem befragt und auf die Gerüchte einer Veräußerung angesprochen, macht kein Geheimnis daraus, dass im Plenum die Front der Einigkeit hinsichtlich des Verwendungszweckes im Abbröckeln begriffen sei. Es würde auch schon einen ernsthaften Interessenten geben, ob er jedoch bereit wäre, die Summe zu zahlen, die man von ihm fordern müßte, um das Geschäft für die Stadt so lukrativ wie möglich abzuschließen, stehe im Zweifel. Seidl: „Ein Verkauf käme nämlich nur in Frage, wenn der Erlös unser Haus­haltsdefizit spürbar erleichtern könnte. Andern unter gar keinen Umständen.“

KU109 das "Alte Schulhaus", Ansicht von der Gehringstraße aus


■ Die angespannte Finanzlage würde aber in absehbarer Zeit auch nicht zulassen, den ursprünglichen Plan von einem Parkplatz zu realisieren. Der Abbruch allein ist mit 15 000 bis 20 000 Mark veranschlagt. Bei den enormen Erdbewegungen, die notwendig wären, wäre im Endeffekt unter 250 000 Mark überhaupt nichts drin. Der Bürgermeister gibt noch zu bedenken, ob die rund 1500 qm große Fläche einen solchen Aufwand rechtfertigen könne. Er verweist auf die Parkmöglichkeiten nur wenige Gehminuten von der Ortsmitte entfernt und darauf, dass auch dort, wo Parkuhren stehen, immer mal schnell eine Lücke frei sei.

■ Anders der Standpunkt, den die Geschäftsleute vertreten. Sie fordern diesen in naher Sichtweise. Parkplätze, weil sie in der Sorge leben, dass weitere Parkverbote und Einschränkungen in den engen Nebenstraßen den Handel und Wandel völlig zum Erliegen bringen könnten. Aus dem Rathaus verlautet
dazu, dass es in Kötzting noch lange keine akute Parknot gäbe. Bürgermeister Seidl erinnert an den Platz rund um die Holzapfelschule, den noch viel zu wenig genutzt werde, obwohl er nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt liegt. Im übrigen sei der wesentlich geräumiger als der, der nach Abbruch der alten Schule zur Verfügung stünde, ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, die er mit einer Zufahrt von der Gehringstraße verbunden wären.

  Kreisbaumeister a.D. Seiler warnt vor einem Schulabbruch.

■ Kreisbaumeister a. D. Hermann Seiler, in jüngster Zeit viel unterwegs in Sachen Ortsverschönerung und Mitglied des Gremiums, das die Prämierung der Häuser vorbereitet, beschäftigt in diesem  Zusammenhang noch ein anderes Problem. Er bezeichnet den ersatzlosen Abbruch der alten Schule als unverantwortlichen Einschnitt in das gewachsene Stadtbild. Wie hässlich die Lücke wäre,
die hier entstünde, sei am ehesten einzuschätzen bei einem Blick von der Wettzeller
Straße oder vom Ludwigsberg auf Kötzting. Aus dieser Perspektive sei die alte Schule ein
dominierendes Element. Nach dem Abbruch müsste an ihre Stelle eine neue Gebäudefront treten, wenn das Herz der Stadt durch das Loch nicht dauernd geschädigt werden soll.


In diesem Beitrag über die Einwände des Kreisbaumeisters Seiler ist auch die Rede von deinem Gremium, dass die Kötztinger Häuser und deren Fassaden prämieren wollte, eine Aktion, die maßgeblich von der damaligen Jungen Union angeschoben wurde und zu mehreren "farbigen" Kötztinger Hausfassaden führte. 

Als Folge dieses Berichtes äußert sich auch Philipp August Henneberger zu diesem Thema:

"

Ohne alte Schule „trostlose“ Hinterhausumgebung

Kunstmaler Aug. Phil. Henneberger warnt / Gibt ihm erst wieder die Vergangenheit recht?

Kötzting (na). In der Ausgabe vom 18. August stellte die „Kötztinger Umschau“ den Abbruch des alten Schulhauses und die Anlage eines Parkplatzes zur Diskussion. Kunstmaler Aug. Phil. Henneberger, Ehrenbürger der Stadt, spricht sich dafür aus, das Stadtbild auch in diesem Bereich möglichst unverändert zu lassen. Er hatte sich schon bei Errichtung der Handwerkerschule und später auch beim Kindergartenprojekt leidenschaftlich dafür eingesetzt, Burganlage und Pfarrkirche nicht zu „verbauen“.

August Philipp Henneberger Selbstportrait


Aus der Distanz von einem Vierteljahrhundert drängt sich die Frage auf, ob ihm immer erst die Vergangenheit recht geben muss. Vor dem Hintergrund der jüngsten Bemühungen um die Sanierung der Altstadt gewinnt Hennebergers Beitrag zu diesem aktuellen Thema noch an Bedeutung. „Die Gretchenfrage ist immer wieder: soll man Altes abreißen oder erhalten. Ich bin für erhalten! Meines Erachtens hat man in Kötzting schon viel zu viel abgerissen, zu viel Altes. Die künstlerische Gestaltung, Strukturierung und Anpassung an das Örtliche, wird immer mehr zurücktreten müssen, wenn es sich nicht um ausgesprochenes Stadtkernkommunikationszentrum handelt. Die moderne Bautechnik ist in der Lage, erhaltungswürdige Gebäude durch entsprechenden inneren Ausbau allen nur denkbaren Ansprüchen anzupassen. In dem speziellen Fall des alten Schulhauses an der Holzapfelstraße ist es vom denkmalpflegerischen und städtebaulichen Gesichtspunkt her unbedingt erforderlich, für die Erhaltung der Fassade aus dem späten 19. Jahrhundert zu plädieren.

Jedem Bauherrn mit gutem Architekten ist es möglich, dieses alte Gebäude nach seinen Wünschen ausbauen zu lassen, ohne den Charakter dieses Hauses zu zerstören. Dazu sind noch Möglichkeiten gegeben, hinter der alten Schule weiter auszubauen. Ich könnte mir auch vorstellen, wie diese in ihrer architektonischen Gliederung ausgewogene Vorderfront farblich zu gestalten wäre. Auch den Treppenaufgang könnte man reizvoll machen, und Tiefgaragen wären möglich.
Es werden Überlegungen angestellt, die Schule abreißen und an ihrer Stelle einen Parkplatz errichten zu lassen. Man stelle sich dann das Stadtbild ‚ohne‘ dieses Gebäude vor, eine trostlose Hinterhausumgebung.
Jede fortschrittliche Gemeinde ist bestrebt, den Autoverkehr aus dem Stadtkern fern zu halten, Fußgängerzonen zum Vorteil der Geschäftsleute und der Kunden zu errichten und somit einem dringenden Bedürfnis, der überhandnehmenden Verkehrsdichte ein Ende zu machen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als es noch kein Auto in Kötzting gab – sie war nicht so hektisch, aber dafür gemütlicher. Das Programm der „Jungen Union“ ist jedenfalls zu begrüßen und man sieht bereits einige erfreuliche Erfolge auf die „Aktion Stadtbild“ mit Unterstützung der Bevölkerung Kötztings ist auf dem richtigen Weg.“


Wie einleitend bereits im Bericht angedeutet, war die Abrissgenehmigung bereits erteilt und so schlug dann schnell das letzte Stündchen für das Alte Schulhaus.

Serwuschok Luftaufnahmen der frühere Kötztinger Schulberg

 
Parkplatz und Volksschule in einem 


Noch im Oktober 1976 entschied der Stadtrat zwar, dass das Schulhaus abgerissen werden solle, da der Verkauf des Areals sich zerschlagen hätte, stelle gleichzeitig aber fest, dass die Kötztinger Haushaltslage eine Ausgabe von 15-20 Tausend Mark nicht zulasse.
"Das Schicksal der alten Knabenschule der Holzapfelstraße ist endgültig besiegelt. Bürgermeister Seidl teilte auf Anfrage Stadtrat Wolfgang Schuierer mit, dass die rund 15 000 bis 20 000 Mark teure Maßnahme angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt vorerst zurückgestellt werden musste. Im übrigen verwies Seidl auf einen Stadtratsbeschluss, wonach auf dem Gelände ein Parkplatz entstehen soll. Dies ist um so sicherer, als Bemühungen, das Rayon zu verkaufen, fehlschlugen. Die Stadträte Schwarz und Pritzl forderten die baldmögliche Ausschreibung der Abbrucharbeiten. Es sei durchaus denkbar, dass die eine oder andere Baufirma die Rechnung bis zum nächsten Jahr stunden würde. Apropos Geld: Stadtrat Michael Serwuschok verwies auf Möglichkeit, jene Beiträge einzuziehen, die Bauherren auferlegt werden, wenn sie keine Stellplätze errichten können. Bürgermeister Klaus Heiduk forderte einen entsprechenden Beschluss."

Entweder fanden sich noch die paar Tausend Mark in der Stadtkasse oder aber die Baufirma ging auf den Vorschlag der Stadträte Schwarz und Pritzl ein und verschoben den Bezahltermin für die Abbruchrechnung auf das nächste Jahr. Wie auch immer, im November 1976 begann der Abriss und die Kötztinger Zeitung war vor Ort und Dieter Reithner schrieb unter das Foto:

DAS ALTE SCHULHAUS an der Holzapfelstraße wird nun endgültig abgerissen. Gestern begannen Mitarbeiter der Fa. Xaver Costa mit dem Abbruch. Nachdem die Fenster bereits entfernt worden waren, befasste man sich gestern mit dem Blechdach. Noch kurze Zeit, und an der Stelle, wo mehrere Generationen von Kötztingern das Einmaleins eingetrichtert bekamen, entstehen Parkplätze.:


KÖZ vom November 1976

Und schon eine Woche später gings an die Bausubstanz:

EIN STÜCK ALT-KÖTZTING UNTER DER SPITZHACKE. Nachdem Arbeiter des Bauunternehmens Sonnleitner in der vergangenen Woche damit beschäftigt waren, von der alten Schule an der Holzapfelstraße das Dach abzunehmen, geht es in diesen Tagen dem altehrwürdigen Schulhaus an die Fundamente. Schon jetzt gleicht das Gebäude einer Ruine. Noch wenige Tage, dann werden Raupen eingesetzt, bald wird das Schulhaus ganz verschwunden sein.

 
Foto Reithner Dieter Kötztinger Zeitung im November 1976

Das folgende Bild erschien zusammen mit dem Beitrag von Frau Renate Serwuschok am Freitag den 3.Dezember 1976:

Das Ende einer 100jährigen Schulzeit: Die alten Mauern stehen nicht mehr. Der Schuttberg wird langsam abgetragen.

"Ein Stück Schulgeschichte nur noch Trümmerhaufen

Der Veteran im Kötztinger Bildungswesen existiert nicht mehr / Bald schon Parkplätze?

Kötzting (na). Sie hat ihre Pflicht getan, sie hat ausgedient. Wer weint der alten Schule zwischen Holzapfel- und Gehringstraße eine Träne nach? Selbst nostalgische Gefühle werden jene Kötztinger, die in diesem Gebäude irgend wann einmal die Schulbank gedrückt haben, kaum in Trauer versetzen können. Der Veteran des Bildungswesens fiel sang- und klanglos in sich zusammen. Ein Stück Schulgeschichte ist nur noch Trümmerhaufen.

Vor gut hundert Jahren war das anders. Damals verfolgten die Kötztinger ganz gewiß mit berechtigtem Stolz, wie ihre neue Schule wuchs. Das 1560 qm große Grundstück ist am 10. September 1862 um 1900 Gulden erworben worden. Es bot für die damaligen Verhältnisse hinreichend Platz, das Gebäude zu errichten, das in der Folgezeit von Lehrern und Schülern ebenso geliebt oder gehaßt wurde wie alle Schulen in dieser Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Schulhaus zunächst einmal invasionsartige Zustände, obwohl es längst zu kränkeln begonnen hatte. Gebrechen, die das Alter mit sich bringt, hinterließen deutliche Spuren.
Rektor Bock wandte sich damals in einer illustrierten Dokumentation an die Stadtverwaltung. Die Bilder, die er 1961 vorlegte, sprachen für sich. In seiner Eingabe stand zu lesen:
 --- Der Türstock löst sich in Fasern und Späne auf.
 — Der Sockel ist verwahrlost.
 — Die Beleuchtungseinrichtung erinnert an die in einer Flüchtlingsbaracke um das Jahr 1945.
— Der Blitzableiter ist schadhaft.
— Im Interesse der Sicherheit der Kinder der Stadt und des Schulsprengels wird um endliche Reparatur gebeten“.

Die Sanierung blieb aus, weil sich bereits deutlich die neue Ära im schulischen Bereich abzeichnete. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Weile, ehe das Schicksal der „Hundertjährigen“ besiegelt war. Vorübergehend fanden bei ihr Jugendgruppen einen Unterschlupf. Sogar die Stadträte saßen eine Zeitlang hier am Ratstisch, bis ihnen buchstäblich die Decke auf den Kopf fiel.

Auf dem Schmidmartier wurden inzwischen große, moderne Bildungsstätten gebaut. Die alte Schule im Herzen der Stadt hatte ihre Bedeutung verloren. Bald wurde über sie das „Todesurteil“ gesprochen. Trotzdem dauerte es noch Jahre bis zur Vollstreckung. In dieser Phase versuchten Kreisbaumeister a. D. Hermann Sailer und Ehrenbürger, Kunstmaler August Philipp Henneberger, durch zündende Appelle und mit Begründungen aus städteplanerischer Sicht den Abbruch zu verhindern. Ihre Argumente fanden jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die notwendige Mehrheit.

Ungewiss bleibt, was mit der Fläche passieren soll. Zunächst war immer nur von einem Parkplatz die Rede. Jetzt möchte Bürgermeister Seidl auch eine Wiederbebauung oder eine kombinierte Lösung nicht ganz ausschließen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Provisorium eines „wilden“ Parkplatzes nicht Dauerzustand bleibt, eine Befürchtung, die sich in Anbetracht der katastrophalen Finanzlage der Stadt förmlich aufdrängt. Einziger Trost: Die alte Schule war auch keine Zierde mehr.

Frau Serwuschok berichtete in ihrem Artikel von einer Eingabe des Kötztinger Hauptlehrers Josef Bock.
Aus dessen Bildersammlung haben wir tatsächlich einige Bilder von den Zuständen:

Foto Josef Bock: bei dem Bild könnte es sich auch im eine Innenaufnahme der Holzapfelschule handeln.

Foto Josef Bock:ein Lehrerschreibtisch

Foto Josef Bock: Selbst ist der Mann....




Die Park- und Verkehrssituation in Kötzting im Jahre 1976




Auch wenn in den Äußerungen der Beteiligten die angebliche Parkplatznot in Kötzting von allen Seiten eher relativiert wurde, so zeichnet eine Bilderserie zu diesem Thema doch ein etwas anderes Bild.

Der Artikel vom 19. August 1976 war überschrieben mit: „Kötztinger Verkehrsprobleme“.



Die Kötztinger Marktstraße noch im Gegenverkehr. Die Einbahnstraßen-Regelung war noch viele Jahre entfernt.

Originalbildunterschrift: Hochbetrieb im Straßenverkehr von heute, "Stoßzeiten", weil eine Stoßstange an der anderen "klebt"

Und wie gings dann weiter?
Kein Verkauf und auch kein Parkplatz wurde angestrebt, sondern Kötztings erstes Parkhaus 


Sammlung Stadt Kötzting Parkhaus von der Gehringstraße

Sammlung Stadt Kötzting Parkhaus: das obere Parkdeck

Foto Siegi Wild: das neue Parkhaus

🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei im Bereich des neuen Parkhauses zu finden.

 

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

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