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Samstag, 15. August 2026

Das große Sängertreffen des Notzschen Chores in Lichtenegg von 1951

Das Sängerfest in Lichtenegg 

Der Notzsche Chor feiert in Rimbach

Ein Beitrag zur Kötztinger Jahreschronik von 1951

Josef Barth war für uns ein ganz wertvoller Chronist, von dem wir ganze Bilderserien einzelner Veranstaltungen bekommen haben.
Im Jahre 1951 – wenige Jahre zuvor war erst der Notz’sche Bayerwald-Chor gegründet worden – lud dieser zu einem Sängertreffen auf Burg Lichtenegg ein. Gleichzeitig verband der Chor dieses Treffen mit seiner Fahnenweihe, wozu Herr Notz die Kötztinger Chefin der Schmidtbrauerei und des Hotels zur Post, Frau Kathi Schmidt, als Fahnenmutter gewinnen konnte.
In dem Vorbericht für das Sängertreffen 1951 heißt es ausdrücklich: "Vor vier Jahren eröffneten Fanfaren das erste Spiel auf der Burg, das die Burggeschichte durch sieben Jahrhunderte aufzeigte."  Diese würde das Datum einer Spielstätte auf der Burgruine Lichtenegg auf das Jahr 1947 vorverlegen.

Ein vollständig erhaltener Kleinbildfilm dokumentiert die Aufstellung des Kirchenzugs und die Fahnenweihe selbst in vielen kleinen Schritten.
Auch wenn sich manche Bilder der Fotoreihe ähneln, so zeige ich hier doch den gesamten Bestand und bitte wie immer um Rückmeldungen, wenn einzelne Personen erkannt und benannt werden können.Ich denke, vor allem für die Rimbacher ist dies ein ganz besonderes Zeitdokument. Aber auch die Kötztinger waren – laut der Inschrift auf dem Taferl – stark vertreten und harren noch ihrer „Identifizierung“.

Zusätzlich haben wir aus dem "Kretschmerarchiv" eine Reihe von Aufnahmen aus dem Jahre 1960, die uns einen guten Eindruck der Burgruine Lichtenegg übermitteln

Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Wir blättern im Vereinsregister  (Die Vorstellung des Chores in der KU im Jahre 1951)

Notz’scher Bayerwald-Chor 1947 Rimbach

(aw) Wohl selten hat sich ein Verein oder eine Vereinigung so schnell emporgearbeitet, wie in diesem Falle der Notz’sche Bayerwaldchor. 1947, also vor 4 Jahren, wurde der Chor ins Leben gerufen. Auf die Einzelheiten näher einzugehen, wäre zu langweilig; es sei nur gesagt, dass es zunächst 8 Männer und 6 Mädchen waren, die es sich nicht nehmen ließen, bei dem erblindeten Oberschulmusiklehrer Bernhard Notz Chorgesang zu pflegen. Inzwischen ist der Chor auf rund 35 Personen angestiegen.

In unermüdlicher Kleinarbeit und mit großem Fleiß konnte Bernhard Notz binnen dieser kurzen Zeitspanne einen Chor erziehen, der sich mit Stolz zu den besten des Bayerwaldes zählen kann. Das Bemerkenswerte an diesem Chor ist die Tatsache und Eigenschaft, dass er unabhängig von Noten ist, also alle Chöre auswendig singt. Neben Männer- und Frauenchören wird der gemischte Chor gepflegt. Eine Vielzahl von Vortragsstücken kann diese Gemeinschaft zu ihrem Repertoire zählen.

Das Feingefühl und die Liebe zur Musik, für die Bernhard Notz seinen Sängern stets Vorbild ist, hat sich derart auf seine Sängerschar fortgepflanzt, dass der Chor zu einem harmonischen Ganzen zusammenwuchs und für eine weite Umwelt bereits zu einem Begriff geworden ist. In vielen Konzerten, die Bernhard Notz mit seiner Gattin, Frau Elfriede Notz, und dem nach ihm benannten Chor vereinigte, reihte sich Erfolg an Erfolg! Heuer, nachdem die Lichtenegger Festspiele aus technischen Gründen ausfallen müssen, wird ein Sängerfest und das 25jährige Chormeisterjubiläum Sänger und Chöre aus ganz Niederbayern auf Burg Lichtenegg zusammenführen.

Aber nicht nur bei Konzerten hat der Chor mitgewirkt. Die Volkshochschule, kirchenmusikalische Feierstunden, wie z. B. das 50jährige Priesterjubiläum des H. H. Benefiziaten Mayer, die Primiz des H. H. Neupriesters Pielmeler, die Beerdigung des H. H. Dekan Dr. Menzinger, reihen sich an die Vielzahl von Konzerten. Daneben singt der Chor zur Hochzeit jedes einzelnen Chormitgliedes, sowie zu Geburtstagen der Mitglieder. Auch in Fürsorgeangelegenheiten ist der Chor vorbildlich; so wurde ein Fonds errichtet, der jedem Chormitglied bei der Geburt eines Kindes im Bedarfsfalle 10 DM zukommen läßt. Eine wahrhaft vorbildliche Tätigkeit.

Leider leidet der Chor durch die Abgelegenheit im Bayerischen Wald sehr. Viele Konzerte könnten dem Chor vermittelt werden, würde nicht alles an den schlechten Verkehrsverbindungen scheitern! Aber dadurch lässt sich der Chor nicht wankelmütig machen. Er strebt unentwegt seinem gesetzten Ziele zu: „Den Gesang zu pflegen und dem deutschen Volkslied zu dienen.“

 

KU im Jahre 1951

 
Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Sängerfest auf Burg Lichtenegg“ wird durchgeführt

(aw). Ein Jahr ist vergangen, seitdem die Fanfaren die Lichtenegger Festspiele eröffneten. Heuer, nachdem diese aus technischen Gründen ausfallen müssen, veranstaltet der Notz’sche Bayerwaldchor im Burghof der altehrwürdigen Burg Lichtenegg sein Sängerfest mit Fahnenweihe aus Anlass des 25jährigen Chormeisterjubiläums seines Dirigenten Bernhard Notz.

Ein Kleinod unseres Bayerwaldes wird Chöre des ganzen Donaugau-Sängerbezirkes in sich aufnehmen und davon künden, dass es berechtigt ist, sich als einem der schönsten Orte des Bayerischen Waldes anzusprechen. Wieviel Idealismus und fortschrittliche Willenskraft gehört dazu, Lichtenegg zu dem zu machen, was es heute ist: ein kultureller Ausgangspunkt der bayerischen Grenzmark. Und dies verdankt Lichtenegg zum Großteil dem Künstler-Ehepaar Bernhard und Elfriede Notz, die persönliche Interessen zurückstellten, um die Gemeinden Rimbach und Thenried durch die Lichtenegger Festspiele unterstützen zu können.

Zunächst reichten aber die Einkünfte aus den Spielen 1949/50 nicht aus, um die Arbeiten voll zu finanzieren. Die direkte Unterstützung wäre also erst aus den Überschüssen möglich gewesen. Die indirekte Unterstützung, an die das Ehepaar Notz immer noch glaubt, wäre allmählich durch das Verweben von Fremden und durch kulturelle Ereignisse auf der Burg erreichbar. Vor vier Jahren eröffneten Fanfaren das erste Spiel auf der Burg, das die Burggeschichte durch sieben Jahrhunderte aufzeigte. Am morgigen Sonntag eröffnen dieselben Fanfaren nun das erste Sängerfest, das je auf der Burg stattfand. Desgleichen erklang damals das Bläservorspiel zum ersten Male, das Notz durch die nachträgliche Textdichtung zur heutigen „Bayerischen Festhymne“ umgestaltet hat. Bilder der Gesang gerade einen besonderen Reiz in den Spielen, so könnte in diesem Jahr, in dem, wie gesagt, die Spiele ausfallen, in dem geheimer Wunsch Verwirklichung finden: das kommende Fest wird als reines Gesangsveranstaltung durchgeführt werden. Wie bekannt, ist mit dem Sängerfest die Fahnenweihe des Notz’schen Bayerwaldchores verbunden; es ist eine erfreuliche Tatsache, daß der MG und OV Kötzting durch die Übernahme der Patenschaft in enge Sängerkameradschaftliche Verbindung mit dem Bayerwaldchor getreten ist.

Möge das Sängerfest zu einem Bekenntnis des deutschen Liedes werden und seine befruchtende Wirkung auf die Sangesfreudigkeit unseres Gebietes nicht verfehlen! Gauchorleiter Fischer wird aus diesem Anlass u. a. ebenfalls das Wort ergreifen.

Die Festfolge: 8.30 Massenchorprobe für die beteiligten Chöre, 9.15 Aufstellung zum Festzug, 9.30 Festgottesdienst mit Fahnenweihe und Bänderverteilung, 11.15 Massenchöre der beteiligten Chöre auf dem Dorfplatz, 12.00 bis 14.00 Mittagessen, 14.45 Festveranstaltung im Burghof. Nach der Festveranstaltung im Burghof kameradschaftliches Beisammensein mit freiem Singen auf der Burgwiese, abends Tanz in Rimbach.


Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Das Sängerfest auf Burg Lichtenegg war ein voller Erfolg

aw. Von strahlendem Sonnenschein war dieses Fest auf der Burg begleitet, zu dem sich namhafte Chöre des ganzen Donauwaldsängerbezirkes in Rimbach eingefunden hatten.

Schon in aller Frühe waren Chor und die Blaskapelle darum bemüht, allen Chören ihren Willkommensgruß darzubringen. Nach der stattgefundenen Massenchorprobe und der Begrüßung der Fahnenmutter Frau Kathi Schmidt, Kötzting, erklangen die Fanfaren, die alle Vereine zur Aufstellung zum Festzug zusammenriefen. H. H. Neupriester K. Pielmeier hielt ein feierliches Hochamt und die Festpredigt, in welcher er die Bedeutung des Liedes treffend schilderte. Nach der Fahnenweihe durch H. H. Pielmeier, der selbst Ehrenmitglied des Chores ist, wurde die Missa brevis von B. Notz wiederaufgeführt. Besonderes Lob fand hier das humoristische Zusammenwirken aller Klangkörper, wie Solostimme (Sopransolo Frau Elfriede Notz), Chor und Orgel (Dekan J. Dietl), unter der Stabführung von Bernhard Notz. Als Erinnerung überreichte Bernhard Notz H. H. Dekan Dietl eine Ehrenurkunde des Chores und dankte ihm für sein meisterliches Orgelspiel.

Einschub
Dekan J. Dietl war der Kötztinger (spätere Stadt-) Pfarrer Josef  Dietl
Einschub Ende

Nach dem gemeinsamen Mittagessen aller Vereine im Gasthaus Kollmer, wo inzwischen noch weitere Vereine eingetroffen waren, marschierte der Festzug durch die Straßen Rimbachs zur Burg, wo der offizielle Teil des Sängerfestes seinen Ablauf nahm.

Nach der Begrüßungsansprache von Bernhard Notz ergriff Landrat ORR Scholz das Wort, um die Glückwünsche des ganzen Landkreises zu übermitteln. Er bat den Chorherren, noch lange Zeit mit seinem Chor der Kultur des Grenzkreises zu dienen.

Der 2. Vorsitzende des Patenvereins MGOV Kötzting, H. Liebl, Kötzting, übermittelte die Wünsche und Grüße des Patenvereins und seines Vorstandes Dr. Dittrich, der leider verhindert war, selbst zu erscheinen. Er gab in seiner Ansprache der Freude und der Ehre Ausdruck, die dem Patenverein zuteil wurde. Anschließend ergriff Gauchormeister Flischer, Zwiesel, das Wort. „Durch die Melodie der Landschaft kam ich heute zur Melodie des Liedes“, sagte Flischer. „Es ist für mich eine besondere Ehre, an diesem Fest teilnehmen zu dürfen.“ Er übermittelte dem Chor und seinem Leiter die Grüße der Präsidenten des Bayerischen und Deutschen Sängerbundes und verlieh Bernhard Notz in Anerkennung seiner Verdienste die silberne Ehrennadel des Sängerbundes. Bürgermeister Silberbauer überreichte sodann den Ehrenbürgerbrief der Gemeinde an das Künstlerchepaar Notz, dem die Ehrung des Chores selbst folgte. Als Sprecher des Chores wurde jedem Chor, der sich am Treffen/Singen beteiligt hatte, durch den 2. Vorstand des Bayerwaldchores, Xaver Bachl, eine Urkunde überreicht und die Fahnenbänder verliehen. Der Chor ehrte auch sein Ehrenmitglied durch eine Ehrenurkunde, die H. H. K. Pielmeier von Xaver Bachl überreicht wurde. Bernhard Notz dankte allen für die Ehrungen, und mit dem gemeinsamen Abslngen des Chores „Die Himmel rühmen“ schloss der offizielle Teil im Burghof.

Nach einem geselligen Beisammensein auf der Burgwiese, mit Chören und Musikstücken verschönt, trafen sich die tanzlustigen Sangesbrüder von nah und fern im Gasthaus Kollmer wieder, um bei den flotten Weisen der Kapelle Franz Bablick noch lange Zeit das Tanzbein zu schwingen. Diese Veranstaltung zeugte davon, wie sehr Sängerkameradschaft und Sangesfreude dazu beitragen, Kultur und Gemeinschaft unter das Volk zu tragen.





Herr und Frau Notz mit der Fahnenmutter Frau Kathie Schmidt



 

Bei allen folgenden Bildern wäre es interessant die abgebildeten Personen zu benennen, vom "Taferlsbuam" bis zu den Ehrengästen und Vereinsmitgliedern.






Ich vermute hier in der Bildmitte den Rimbacher Gemeinderat mit dem Bürgermeister
In den weißen Hemden der Bayerwald-Chor


Die Festjungfrauen mit den Ehrenbädnern




Die ersten Gastvereine







Der Kötztinger MGOV







Der Festgottesdienst mit der Fahnenweihe:












Herr Notz bei seiner Ansprache

 

Kretschmerarchiv/Themenordner/Lichtenegg 1960


Am Schluss noch ein Leserbrief von Herrn Notz, der sich als Pächter und gewissermaßen als Wächter über die Burg Lichtenegg sehr zurückhaltend, aber dennoch deutlich zu den Wünschen der Kötztinger Jäger nach einem „Volksfest“ auf der Ruine Lichtenegg äußert.
Interessant ist dabei vor allem, dass er sich – immerhin bereits im Jahr 1951 – im Namen des „Lichtenegger Bundes e. V.“ zu Wort meldet. Das lässt darauf schließen, dass dieser Bund zu diesem Zeitpunkt bereits bestand und offenbar auch über die Nutzung und den Schutz der Burg wachte.

Unsere Leser schreiben:

„Lichtenegger Bund gegen Jägertreffen“

Bernhard Notz, Konzertsänger, schreibt uns:

In Nr. 62 dieses Blattes vom 28. Mai befindet sich unter obigem Titel ein Artikel, über dessen Inhalt man sich doch etwas erstaunt fragen muss, wer denn nun eigentlich der Streitbringer ist. Ich kann dazu im Namen des Lichtenegger Bundes e. V. offiziell erklären, dass er es gewiss nicht ist. Der Lichtenegger Bund ist einer der friedlichsten Vereine, die es gibt; denn er verfolgt rein kulturelle Zwecke und ist Träger der Natur- und Denkmalschutzidee, wie seine Statuten sowie der ihm von der Regierung verliehene Anerkennungsbescheid, in dem der „volksbildende und volkserzieherische Charakter“ ausdrücklich hervorgehoben wird, eindeutig bezeugen. „Auch ein gewisser Kreis“, wie sich der Schreiber des Artikels ausdrückt, ist es nicht; denn es handelt sich hierbei um einen ganz bestimmten Kreis von Personen, die außer dem leider verstorbenen Geistl. Rat Dr. Otto Menzinger zu den Begründern des neuen Lichtenegger Bundes gehörten und Verfasser seiner Satzungen sind, die von der Gründungsversammlung einstimmig bestätigt wurden. Gerade dieser Kreis ist es, der durch beträchtliche Opfer an Geld, Zeit und Kraft bewiesen hat, dass es ihm mit der Verwirklichung der Lichtenegger Ideen durchaus ernst ist, und der sich jederzeit für ihre Reinerhaltung einsetzen wird. Der Bund, resp. der „Kreis“, will also nicht streiten, sondern nur das verteidigen, was er mit vieler Mühe aufgebaut hat, und wovon der Zustand der Burg ein beredtes Zeugnis ablegt.

Jetzt werden vielleicht die Jäger wieder über mich herfallen, wenn ich sage, dass sie sogar selber die „Streiter“ sind; nicht etwa, weil sie Gewehre haben, sondern weil sie sich untereinander noch nicht ganz einig zu sein scheinen. „Was?“, werden sie sagen. Aber einen Moment bitte, meine Herren! Vergleichen Sie doch mal die Nachricht auf Seite 4 aus Nr. 3 der Kötztinger Zeitung vom 21. 4., die dort unter dem gleichen Titel, also „Jägertreffen auf Lichtenegg“, veröffentlicht worden ist.
Da steht wörtlich:
„Lichtenegg. Wie wir von unserem MdB Volkholz erfahren, beabsichtigt er, im Juni ein großes Jägertreffen auf der Burgruine zu veranstalten, zu dem alle Jäger der Umgebung eingeladen sind. Sogar aus anderen Teilen Deutschlands erwartet man Besucher. In erster Linie soll dieses Fest zu einem schönen Tage für die gesamte Rimbacher Bevölkerung werden, an dem ein Festessen im Burghof der Ruine steigen soll. Neben dem nicht wegzudenkenden Bier will Volkholz auch zwei Rehböcke zur Verfügung stellen.“

Die darauf im gleichen Blatt erschienene ablehnende Nachricht entsprach wohl einer Äußerung, geschah jedoch nicht in meinem Auftrag. Hier muss ich aber fragen: Was ist nun wirklich geplant, ein Volksfest oder ein Jägertreffen? MdB Volkholz, der, ich darf wohl sagen, der Jäger aller Jäger des Landkreises ist, spricht von einer Art Volksfest, Herr Oexler, von dem offenbar der letzte Artikel ist, von einem „Harmlosen Jägertreffen“. Für die Auffassung des Lichtenegger Bundes ist diese Unterscheidung jedoch von größter Wichtigkeit. Volksfeste in Ehren! Aber nicht im Burghof, sondern da, wo sie nicht im Widerspruch zu Natur- und Denkmalschutzideen stehen. Wäre der Bund mit einem Volksfest im Burghof einverstanden, dann hätte er seinen inneren Sinn und damit seine Daseinsberechtigung verloren, abgesehen davon, dass es dann jedem beliebigen Verein aus Gründen der Billigkeit nicht versagt werden könnte, ebenfalls da droben Feste abzuhalten.

Ich bin mit Herrn Oexler vollkommen einer Meinung, wenn er schreibt, dass es doch besser wäre, sich gegenseitiges Verständnis entgegenzubringen, statt einen Streit vom Zaun zu brechen. Er möge es mir nicht verübeln, wenn ich dazu sage, dass die Schuld nicht bei uns liegt, und nicht nur aus dem oben ausgeführten Grunde.
Der Lichtenegger Bund e. V. ist Pächter des Burggeländes einschließlich des Wallgrabens. Er hat daher Pflichten und Rechte. Es ist doch überall so, dass man Verträge respektiert und den Besitzer oder Pächter angeht, wenn man etwas auf seinem Grund möchte. Warum setzt man sich mit der Bundesleitung nicht erst ins Benehmen, um die Möglichkeiten zu prüfen, statt den viel unbequemeren und unsicheren Weg über die Presse und Öffentlichkeit zu wählen, wo Meinungsverschiedenheiten unnötig viel Staub machen, bis man sich dann vielleicht auf vielen Umwegen endlich wieder zusammengerauft hat. Wahre Demokratie kann nur in gegenseitiger Achtung und in der Respektierung der Verträge gedeihen.

Zu einer Polemik besteht also nicht die geringste Ursache. Ich hoffe im Gegenteil, mit meiner Erklärung die Luft bereinigt und die Möglichkeit zu einer friedlichen Lösung gegeben zu haben.

Bernhard Notz, 2. Vorsitzender,
Rimbach, Post: Grafenwiesen.



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Freitag, 14. August 2026

Therese Pritzl - Michael Heigls unerschütterliche Geliebte

 Therese Pritzl

Ich möchte hier gleich vorausschicken, dass ich einige der persönlichen Dokumente, auf denen dieser Beitrag über Therese Pritzl beruht, von Alfred Silberbauer („Gwasch“) aus Rimbach erhalten habe. Er hat insbesondere die Hohenwarther Kirchenbücher intensiv ausgewertet, schon vor Jahren den genauen Geburtsort Michael Heigls ermittelt und mir darüber hinaus eine Fülle weiterer Unterlagen zur Verfügung gestellt. Dafür gebührt ihm mein herzlicher Dank.
Hier zunächst der Link auf die bisher von mir veröffentlichten Beiträge zum Thema Michael Heigl aka der Räuber Heigl.

Nach einem fulminanten Abend auf der Burgruine Runding mit der Band Woidbluad und ihrem Song von der "Roudn Res" hier noch ein kleiner link zum Lied als Einstieg in den Beitrag über die junge Frau.




Hier noch der link auf den Instagrambeitrag mit einem Teil des Liedes von Woidbluad über Therese Pritzl

Der Name „roude Res“ – mir bis heute ein Rätsel

Schon seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher die Bezeichnung „roude Res“ eigentlich stammt – und vor allem, wann diese erstmals für Therese Pritzl verwendet wurde. Trotz intensiver Recherchen konnte ich in den zeitgenössischen Quellen keinerlei Hinweis darauf finden, dass die junge Mutter zu ihren Lebzeiten oder auch nur kurz danach unter diesem Beinamen bekannt gewesen wäre.

Deshalb neige ich inzwischen zu der Vermutung, dass dieser „Kampfname“ überhaupt nicht aus der Zeit Michael Heigls stammt. Vieles spricht vielmehr dafür, dass die Bezeichnung erst Anfang des 20. Jahrhunderts – aus welchem Anlass auch immer – aufgekommen ist.
Der erste Hinweis auf diesen Namen, den ich kenne,  stammt aus dem bekannten Räuber Heigl Lied "Der Heigl war kein böser Mann", das dem "Waldbua Franz Schwarz" zugeschrieben wird, bzw. ihn als den Entdecker dieser Moritat bezeichnet.  Dieser war mit seinen Liedern und Gstanzln in den 20er und 30er Jahren in Kötzting und drum herum sehr erfolgreich und sicherlich in der Lage gewesen solch einen Namen auf diesem Wege in den Kötztinger Sprachgebrauch einzuführen und dann auch zu verankern.

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war es wohl durchaus noch ein Reflex, nicht auffindbare Gegenstände dem Räuber Heigl zuzuordnen, und sei es nur aus Spaß und Fopperei.
Und so bleibt am Ende nur noch das Lied vom Heigl, der danach nur ein braver Mann gewesen sein soll.
Der Autor war mit hoher Wahrscheinlichkeit der "Waldbua" Franz Schwarz, der gleich bei Kriegsbeginn des Zweiten Weltkriegs in Holland einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen war.

Ein "Beitrag für unsere Feriengäste" in der Kötztinger Zeitung von KB Krämer aus dem Krämerarchiv.
KB Krämer schreibt darin, das Franz Schwarz das Lied in einem Moritatenbüchlein in Grafenwiesen gefunden habe.


Arbeitskreis Heimatforschung: links Franz Schwarz, der Waldbua.
Hier in der Kötztinger Metzstraße. 

 Trotzdem bleibt das Ganze für mich eigentlich ein bis heute ungelöstes Rätsel der Heigl-Überlieferung vor allem vor dem Hintergrund der historischen Personenbeschreibung Therese Pritzls aus den Prozessakten, die so gar nicht auf eine "Roude" passen will.

Fangen wir zunächst an mit der Suche nach ihrer Geburt:

Die beim Strafprozess im Juni 1854 als 22 bis 23 Jahre alte Angeklagte bezeichnete Inwohnerstochter Therese Pritzl aus Gotzendorf müsste demnach um das Jahr 1831 geboren worden sein.
In den Geburtsmatrikeln von Hohenwarth lassen sich im fraglichen Zeitraum gleich 2 Geburten einer Therese Pritzl belegen. Bei einer Geburt heißt der Vater Michael P. und bei der anderen Josef.
Wir kennen aus den Polizeiakten den Vornamen des Vaters - Josef - , daher können wir mit Sicherheit eine der beiden Mädchen ausschließen,

Sammlung Silberbauer: Geburtsmatrikel Hohenwarth 

 handschriftlicher Zusatz: "legitimata per subsequens matrimonium 26ten Februar 1840" also: "durch nachträgliche Verehelichung legitimiert".


Die Taufpatin war Walburga Achatz, eine Inwohnerstochter von Hudlach.

Durch diesen Hinweis auf die spätere Eheschließung der beiden, kann auch dieser Eintrag gefunden werden.

Sammlung Silberbauer: 

Am 23. Februar 1840 heirateten der auf Hausnummer 30 in Gotzendorf wohnende Inwohner Joseph Pritzl, Sohn des Gotzendorfer Inwohners Michael Pritzl und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Spindl aus Unterzettling, sowie die Inwohnerstochter Theresia Herlich aus Arrach. Sie war die unehelich geborene Tochter der Anna Gotz aus Arrach und des Dienstknechts und Soldaten Stephan Herrlich aus Döschernitz.

Als Trauzeugen fungierten Andrä Geiger aus Gotzendorf und Benedikt Armansberger.

Das Haus mit der Hausnummer 30 in Gotzendorf ist der sogenannte "Bergpritzl" und als solcher auch bereits im Jahre 1830 in der ältesten Karte eingetragen.

Detail aus Bayernatlas historisch

Oben links ist übrigens das Laumerhäusl zu erkennen, das bekannte, bis heute erhaltene kleine Haus direkt an der Straße. Dort wohnte nachweislich auch Josef Pritzl, der wegen seiner nachgewiesenen Verwicklungen in Heigls Machenschaften immer wieder auf behördlichen Druck aus dem Haus verwiesen wurde. Das Laumerhäusl (Hausnummer 29½) war ein sogenanntes Inhaus, das zum Bauernhof mit der Hausnummer 29 mitten in Gotzendorf gehörte.



Schaut man in den Grundsteuerkataster so findet sich dort als Besitzer des Hauses ein Josef Geiger.
Der Bauer - eher Söldner, da das Anwesen eher von kleinerer Natur war - Josef Geiger hatte also die Pritzlfamilie als Inwohner bei sich auf dem Hof.

StA Landshut Grundsteuerkataster 8-14-1 Gotzendorf mit Reitenstein und Arndorf

Die Familie Pritzl hatte mehrere Kinder:
1. Therese, geboren am  11.12.1831
2. Katharina, geboren am 27.2.1834  (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
3. Barbara, geboren am 11.4.1838 (die Mutter wird als Ehrlich, nicht Herrlich bezeichnet)
4. Franz, geboren 6.2.1841
5. Franzisca, geboren am 18.1.1843
6. Josef, geboren am  16.3.1845  
7. Anna, geboren am 5.1.1847 und
8. Andreas, geboren am 23.12.1849

Schon im Sommer 1843 – die Resl ist damals gerade einmal zwölf Jahre alt – hält sich Michael Heigl, zu dieser Zeit ein 27-jähriger junger Mann, nachweislich zusammen mit seiner damaligen Freundin Anna Maria Gruber beim „Bergpritzl“ auf. Beide können sich einer drohenden Verhaftung nur durch eine schnelle Flucht entziehen.
Daraus lässt sich zumindest schließen, dass die junge Resl den großen und kräftigen Michael bereits seit einigen Jahren gekannt haben dürfte. Ob sie ihn damals heimlich bewunderte, wird sich zwar kaum jemals beweisen lassen, erscheint aber durchaus nicht ausgeschlossen.

Foto Pongratz: der "Bergpritzl"


Wie lange diese „Annäherungsphase“ gedauert hat, wissen wir nicht. Spätestens ab dem Jahr 1847 scheint es jedoch zwischen den beiden „gefunkt“ zu haben. Denn nachweislich beginnt in diesem Jahr die Beziehung zwischen Michael Heigl und der jungen Pritzl-Tochter, wie die polizeilichen Akten eindeutig belegen:


15.3.1847    Brigadier Haas: Heigl ist oft im Laumerhaus, dessen Besitzer Josef Pritzl heißt.
20.4.1847    Im Protokoll des Landrichters Carl von Paur unter Punkt
4:  Das Laumerhäusl zu Gotzendorf, Eigentum das Gemeindevorstehers von dort ist von den gegenwärtigen Bewohnern Resch und Pritzl, als bekannte Diensthehler, der beiden gemeinen Verbrecher augenblicklich zu räumen und in dasselbe Inhaus sind künftig nur Inleute von gutem Leumund mit landgerichtischer Bewilligung einzunehmen.

Foto Pongratz: das "Laumerhäusl"


April 1847: Fund von Gegenständen (Laumerhaus in Gotzendorf) aus dem Raub bei den Schäfferischen Eheleuten in Amesberg, bei Resch Alois >>>> die Vernehmung bestätigte dieses.
1.5.1847: Josef Resch, lediger Inwohnerssohn im Laumerhaus, wird verhaftet
6.5.1847: Eine gewisse Theres Pritzl Inwohnerstochter des schon erwähnten Josef Pritzl wird beschuldigt, mit Heigl öfters zusammenzukommen
Mai 1847: Anzeige, dass die Inwohnerseheleute Resch und Pritzl dem Befehle, das Laumerhaus zu verlassen, nicht gefolgt seien >>>> wurden mit Zwang aus dem Hause entfernt.
Mai 1847:  Die Verhaftung des Josef Pritzl aus dem Laumerhaus und des Georg Pongratz von Kager wird beschlossen.
6.6.1847: Nach Gendarmerieberichten soll die Inwohnerstochter Theres Pritzl von Gotzendorf mit Heigl in Verbindung stehen: Hausdurchsuchung angeordnet: man fand: Seidenzeug, und Geld. >>> verhaftet und vernommen, sie gestand ein Liebesverhältnis mit Michael Heigl und den Empfang dieser Gegenstände durch ihn, insbesondere ein Herzl von Filigran. Wurde sofort verhaftet und die ganze Familie unter Polizeiaufsicht gestellt.
19.6.1847: Auszug aus dem Protokoll des Carl von Paur: Lt. Aktenlage Inwohner Joseph Pritzl von Laumerhäusl bei Gotzendorf war wohl der Hehler und Unterschlupfgeber des Heigl und mehrere Gegenstände und Geld, die der Tochter Theres Pritzl im Himmelreich abgenommen worden waren, hatte ihr, nach ihrem Geständnis, Michael Heigl zur Aufbewahrung übergeben und stammten von dem Raube bei Pirka.

Bereits seit Monatsanfang war die ganze Familie Pritzl in Gotzendorf unter Polizeiaufsicht gestellt worden, und nun diese peinliche Situation:
"13/14 Juli 1847  Anzeige der Gemeinde Gotzendorf, dass Theres Pritzl aus dem elterlichen Hause sich entfernt habe."

Nach der Therese Pritzl wurde nun ebenfalls gefahndet und wenige Tage vorher waren bereits bei der Anna Maria Gruber von Reitenstein "verschiedene Effekten" gefunden worden. A.M. Gruber wurde nun verhaftet und vernommen, doch nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. 
MH hielt wohl zu der Zeit noch Kontakt zu beiden Frauen; auf seine Flucht nahm er aber wohl nur die junge Therese Pritzl mit; A.M. Gruber hatte ja auch noch Kinder zu versorgen.
Mit dieser Nachricht, dass Therese Pritzl von Zuhause verschwunden sei, enden zunächst die Nachrichten im Gendarmerie-Report im Juli des Jahres 1847. 
Es kehrt Ruhe ein im Landgericht Kötzting , bis zum nächsten  - vermuteten - Auftauchen Heigls im Sommer des drauffolgenden Jahres.

 

Einschub:
Die Kinder Michael Heigls

Die "gesicherten" Kinder des Michael Heigl mit Anna Maria Gruber und Therese Pritzl:
"Auszüge aus dem Taufregister (PfA Bad Kötzting, Mikrofiche)

MF 697/98:

Heigl Michael, illeg., geb. 16.11.1836 (Taufmatrikel S. 84)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, Beckendorf (d. Z. in der Fronfeste zu Kötzting)
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, Reitenstein

Heigl Christoph, illeg., geb. 3.5.1839 (S. 110)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter, von Reitenstein – 2. Mal

Heigl Theres, illeg., geb. 20.11.1840 (S. 130)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Einwohnerstochter (Abdeckerstochter), von Reitenstein – zum 3. Mal

Heigl Georg, illeg., geb. 15.1.1842 (S. 149)
    Vater: Michael Heigl, Inwohnerssohn, d. Z. in Reitenstein
    Mutter: Anna Maria Gruber, eine uneheliche Einwohnerstochter, wieder unehl.
        Inwohners (Abdecker) Tochter – zum 4. Male

MF 714:

Heigl Georg, illeg., geb. 5.1.1853 (S. 39)
    Vater: Inwohnerssohn, Beckendorf
    Mutter: Theres Pritzl, Einwohnerstochter, Gotzendorf

Therese Pritzl scheint jedoch schon Jahre zuvor Kinder auf die Welt gebracht zu haben, auch wenn sich dies in den Pfarrmatrikeln nur "in Klammern" nachweisen lässt.
Im März 1849 wird in der Pfarrei Rimbach ein Findelkind getauft, bei dem eine Zusatz (Heigl?) schon mal den Verdacht in eine Richtung lenkt.

Sammlung Silberbauer:  Pfarrmatrikel Rimbach

"Franziska * 17. März 1849

Dieses Kind ist Nachts 7 Uhr  13. März bei Franz Stoiber mit einer tiefen Wunde am Kopf heimlich gelegt worden in HUndzell
Der wirkliche Vater und die wirkliche Mutter fehlern
(Heigl?)

Gut ein Jahr später - am 18. April 1850 - ist in der Pfarrei Rimbach erneut eine Geburt eines Findelkindes vermerkt, und auch hier trägt der Pfarrer - oder ein nachträglicher Schreiber - bereits seine Vermutung, dass Michael Heigl der Vater sein müsste/könnte dem Eintrag hinzu.
Sammlung Silberbauer: Pfarrmatrikel Rimbach 

 Kind; Carolina, illeg
unbekannt der Vater: handschriftlicher Zusatz: Heigl - Räuber - Kaitersberg
Mutter: Therese Pritzl

Inwohnerstochter Gotzendorf
24.4.1850
Patin: Theres Schmatz, Inwohnerin von Gotzendorf
wurde in der Nacht v. 23. und 24. April im Hause Nr. 27 zu Gotzendorf eingelegt und war etwa bis zur Taufe 5 bis 6 Tag alt.
Einschub Ende

Im Mai 1850 begann dann – nach zwei Jahren relativer Ruhe im Landgerichtsbezirk – erneut die Suche nach Michael Heigl und Therese Pritzl. Dieses Wiederauftauchen des Paares fügt sich zeitlich gut zu dem im März desselben Jahres dokumentierten Findelkind. Zwar lässt sich ein unmittelbarer Zusammenhang nicht belegen, doch spricht die Chronologie durchaus dafür, dass Therese Pritzl für ihre Niederkunft – und die spätere Aussetzung des Kindes – bewusst ihre heimatliche Umgebung aufsuchte.

Therese Pritzl taucht dann erst wieder im September 1851 in den Akten auf, als das Paar mit einer Gendarmenpatrouille zusammenstieß, die für Heigl mit einer Verwundung am Arm endete, so dass er sein Gewehr verlor, welches ihm aber seine Therese retten konnte.
Im Protokoll des Zusammentreffens ist auch TP erwähnt:

Seitlich am Rande ist auch die Beteiligung der Therese Pritzl erwähnt:

"Die Geliebte des Heigl entkam mit dessen Gewehr, das er, an den Armen verwundet, fallen ließ"


 Trotz seiner Liaison mit Therese Pritzl scheint MH seine frühere Freundin und die Mutter einiger seiner Kinder, Anna Maria Gruber, nicht ganz aus den Augen lassen zu wollen, denn am 4. September 1852 stattete er ihr einen besonderen Besuch ab, der nicht ohne Folgen geblieben war, sowohl bei Frau Gruber als auch in seinem eigenen Strafregister.

7.9.1852 Körperverletzung zum Schaden der Anna Maria Gruber seiner früheren Concubine am 7. September 1852
Unter Eid vernommen benennt sie als Thaeter den Michael Heigl, der ihr aus Rache diese Mißhandlung zugefügt habe.  Arbeitsunfähigkeit 16 Tage
Beruht auf Vernehmung des Heigl.

Es hat aber den Anschein, als ob MH seine Resl immer wieder auch bei ihren Eltern im Hause Bergpritzl abgeliefert hat, denn im 26. Oktober 1852 heißt es:

 26. Oktbr 1852: Durch Gendarmerierapport v. 26. Okt wurde der Häusler Pritzl v. Rosenau, der Bruder Wolfgang Heigl, der Häusler Pritzl, beim Bergpritzl genannt, der Häusler Paul Pritzl, beim Pritzl Pauli genannt, der Bierwirth Joseph Hastreiter zu Kötzting, Theres Pritzl led. v. Gotzendorf, der Verbindung mit Heigl angeschuldigt.
Aufgrund der daraufhin eingeleiteten Strafmaßnahmen und der Ausschreibung Therese Pritzls liegt die Vermutung nahe, dass sie sich – zu diesem Zeitpunkt bereits wieder hochschwanger – unmittelbar nach der Hausdurchsuchung und der damit verbundenen Gefahr einer Gefängnisstrafe wieder zu Michael Heigl begeben hat. Vieles spricht dafür, dass das Paar von da an nahezu ununterbrochen zusammenblieb – bis zu seinem bitteren Ende.

Am 12. Dezember 1852 ereignete sich in Pirka der verhängnisvolle Zusammenstoß zwischen Michael Heigl und dem Brigadier Sommer, den dieser nur schwer verletzt überlebte. Die anschließenden Ermittlungen brachten ans Licht, dass sich auch Therese Pritzl am Tatort befunden hatte. Für den Kötztinger Landrichter Carl von Paur war dies Anlass, die junge Frau künftig nicht mehr lediglich als Begleiterin Heigls zu betrachten. In seinem mehrere Punkte umfassenden Programm zur Verbesserung der Sicherheitslage im Landgerichtsbezirk widmete er ihr daher einen eigenen Abschnitt:

"2. Über die Theresa Pritzl von Gotzendorf: .... so wurden alle ergriffenen Verfolgungsmaßregeln auch auf diese Person derselben in der umfassendsten Weise ausgedehnt, wie eine hohe Kreisstelle aus dem Berichte des zur Organisierung der Streifen dahier längere Zeit anwesenden Gendarmerieleutnants Fürst von Deggendorf mittlerweile gnädigst entnommen haben wird. Ihrer speziell in den bisherigen Berichten zu erwähnen, hielt man nicht für nötig, da sie bisher für minder gefährlich gehalten wurde, und sie erst bei der jüngsten stattgefundenen Verletzung des Brigadier Sommer von Viechtach ihre Verwegenheit und hohe Gefährlichkeit an den Tag gelegt hat.

 Nachdem die Aussetzung des 6 Tage alten Säuglings am 11.1.1853 (errechneter Geburtstermin war dann der 5.1.1853) passierte, war Therese Pritzl bei der Schießerei in Pirka im Dachgeschoss des Bauernhauses wohl bereits im 9. Monat schwanger gewesen.

Aus den Akten ergibt sich ein interessantes Detail über die sechs Tage zwischen der Geburt des Kindes am 5. Januar 1853 und seiner Aussetzung am 11. Januar 1853. Die Kötztinger Gendarmen hatten sich wegen ihrer erfolglosen Jagd auf Michael Heigl den Spott der Bevölkerung gefallen lassen müssen. Als einige von ihnen daraufhin ihren Unmut in Übergriffen entluden, leitete die Behörde eine Untersuchung ein. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde eine Zeugenaussage protokolliert, die überraschende Einblicke in die dramatischen Geschehnisse jener Januartage gewährt, kurz vor und nach der Entbindung
.
"Generalia: 34 Jahre alt, Schachtelmacher aus Ansdorf, welcher vereidigt wird.

Ich kam am fraglichen Sonntag 9ten Jänner nachts von Neukirchen nach Hause nach Hohenwarth und erfuhr von meinem Weibe, daß sich die Theres Pritzl bei ihren Eltern im Zuhaus beim Hauserbauern Pöschl in Gotzendorf aufhalte und daß sie der Heigl dort abholen werde. Ich habe mich entschlossen noch abends den 2 Gehstunden weiten Weg hierher zu nehmen, bekam dann auf meine Anzeige vom Landgericht sogleich Gendarmen mit und ging mit diesen und mit dem Marktdiener, im Ganzen 9 Mann, nach Gotzendorf; ich habe den Brigadier genau instruiert, allein statt nach meiner Weisung beim Zuhäusl anzufangen, haben sie zuerst beim Bauer Pöschl selbst visitiert und die ganze Sache war dann fruchtlos. Nach den späteren Zugeständnissen meiner Schwiegermutter war Heigl damals wirklich gekommen und mit der Pritzl entwichen, während die Gendarmerie ungeschickter weis vorn beim Bauern umherwirtschaftete.
Ich muß noch beifügen, daß mir meine Schwiegermutter Theres Ruprecht, Inwohnerin von Gotzendorf erzählte, daß die Pritzl mit dem Heigl schon an Hl Dreikönigtage zu ihr kam und ins Häusel hinein wollte, um wiederzukommen, weil ihre Geburtswehen schon begannen, daß sie aber die Pritzl nicht hineingelassen hätte."







Therese Pritzl ist wieder Zuhause.

Ganz besonders interessant ist eine Meldung in dieser Polizeistatistik - undatiert, aber nach einem Eintrag vom 17.2. - noch unter "Februar" - eingeschrieben - über Therese Pritzl.


"Um diese Zeit wurde Theres Pritzl, Hüterstochter von Gotzendorf /:Gem. v.d.:/ der Verbindung mit Heigl dringend verdächtig, arretiert, vorgeführt.
Wurde vernommen, detiniert, ihre Einweisung ins Arbeitshaus beschlossen, die aber nicht beschäftigt werden kann, da sie mittlerweile erkrankte.   
Akte bei der k. Regierung"

Therese Pritzl war also offensichtlich nach ihrer Niederkunft wieder nach Hause heimgegangen oder gebracht worden; das Baby hatte Michael Heigl dann beim Weidenhofbauer ausgesetzt.
Bei der damalig noch sehr schlechten (Nach-) Behandlung von Müttern nach der Geburt, die in ihrem Falle ja ihr Kind auch noch auf der Flucht zur Welt zu bringen hatte, war es kein Wunder, dass sie anschließend noch für lange Zeit als "arbeitsunfähig" krank eingestuft wurde.

Michael Heigl  und Therese Pritzl werden gefasst


Am 17.Juni 1853 ist es vorbei mit der großen Freiheit, Michael Heigl und Therese Pritzl werden bei einem heimlichen Flussübergang gesehen und dann beginnt die letzte große Jagd auf den Heigl. 

Mit dem folgenden Telegramm - es wird rest am 19.6. weitergeleitet -  wird München über den Aufgriff informiert. Es dauerte also ganze zwei Tage, bis die Nachricht von der Verhaftung Heigls von Kötzting bis an die höchste Stelle in München gelangt war.



Tele. Dep. dz Landshut den 19/6 7 Uhr 30 M vorm.
                      München den 19/6 7 Uhr 40 M

Hpt. Frays beehrt sich mitzutheilen
daß Heigel in Ktz arret. wurde

Note ad acta
/: wurde die telegr. Dep. mittelst Remisse

dem k. St, Mst. d. I. vorgelegt :/


Brigadier Suffas Bericht ist in dieser Hinsicht sehr nüchtern und so berichtet er ganz knapp aus der Station Hohenwarth:

17.6.1853 Gendarmeriebrigade Kötzting in Hohenwarth an das kgl Corps Commando

Kötzting den 17ten Juni 1853
Die Arretierung des flüchtigen Verbrechers Michl Heigl und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf betreffend:

Der Unterzeichnete   meldet gehorsamst das derselbe unterm heutigen früh beim Anbruch des Tages mittels Beiziehung der Bewohner der Umgegend eine große Streife auf den Kaitersberg vornahm, wobei er den flüchtigen Verbrecher Michl Heigl von Beckendorf, und dessen Zuhälterin Theres Pritzl von Gotzendorf, beide Landgerichts Kötzting, in der Nähe von Hudlach in der Kaitersberger Waldung arretiert und dem kgl Landgerichte Kötzting nach kräftiger Gegenwehr mit einem Doppelstutzen einer Pistoln nebst mehreren Schussapparaten eingeliefert worden.

Bevor es nun in dieser Dokumentation mit dem Schwurgerichtsprozess in Straubing weitergehen kann, stellt sich für mich abschließend die Frage: wo bei diesem ganzen Aufgriff ist eigentlich die Therese Pritzl abgeblieben?

Nur noch kurz zur Rückschau:

Die beiden wurden an Mitternacht gesehen, wie sie den Regen überquerten, in Hohenwarth angezeigt und danach begann die große Einkesselungsjagd, und bei all den Schilderungen - von der ersten Sichtung am Grat des Kaitersberg, seiner Flucht und dem endgültigen Zusammenstoß ist immer nur von Michael Heigl die Rede. 
Erst bei der Ablieferung der Gefangenen - nachmittags um 3 Uhr nach der einen und Ende Vormittag nach der anderen Version - ist Therese Pritzl wieder erwähnt.
Zwischen dem Überschreiten des Regens und dem Aufgriff um 7.30 morgens ist genügend Zeit, so dass Michl Heigl u.U. seine Freundin bei den Eltern in Gotzendorf vorbeigebracht haben könnte, bevor er dann alleine auf den Kaitersberggipfel zusteuerte.
Die Frage wäre halt, ob sie ihrem Michl, als Mühlbauer verletzt und außer Gefecht gesetzt am Boden lag, im Kampfe gegen den Hund und den Bauern Vogl nicht zur Seite gestanden hätte, wäre sie vor Ort gewesen.

Im nächsten Teil geht es um alles, was mit dem Prozess zusammenhängt

Im Rahmen der Prozessberichterstattung findet sich auch ein umfangreicher Beitrag eines Rechtsanwaltes Steinles, der in der "Allgemeinen Schwurgerichtszeitung" auch die Vorgeschichte des Falles beleuchtet und dieser nennt auch Details über die Gefangennahme der Therese Pritzl:

"Nach der - bekannten - Schilderung der Gefangennahme Heigls, berichtet Steinle - anders als der Kötztinger Gendarm Suffa in seinem Bericht - auch von er Gefangennahme der Therese Pritzls:

"Auch seine Zuhälterin Therese Pritzl, die jedoch ohne Jemand zu treffen, eine Pistole auf ihre Verfolger abgefeuert hatte, wurde mit ihm gefangen. Die Gefangenen wurden in die Fronfeste nach Straubing gebracht, um dort vor das niederbayerische Schwurgericht gestellt zu werden."
Diese Darstellung des Ablaufes ist definitiv falsch, denn die Fronfeste Straubing war damals hoffnungslos überfüllt und deren Leitung weigerte sich kategorisch, MH überstellt zu bekommen, was Carl von Paur in Kötzting in der Folge sicherlich viele schlaflose Nächte bereitetet hatte.

Und von Steinle haben wir auch eine Personenbeschreibung der Therese Pritzl:
Von dieser bis hin zu den Eigenschaften, die man der "Rout´n Res" mittlerweile angedichtet hat, ist jedenfalls ein sehr, sehr weiter Weg.

Staatsanwalt Steinle in seinem Prozessbericht
 
Therese Pritzl, 22 bis 23 Jahre alt und seit ihrem 15. Jahr die Geliebte des Heigl, ist von kleinem gedrungenen Wuchs und voller Büste, hat dunkle feurige Augen, braune Haare und ein angenehmes Äußere. Sie kannte keinen anderen Willen als den ihres Geliebten, dem sie mit aufopfernder Zärtlichkeit ergeben ist. .....

Auch in der, den Prozess begleitenden, Landshuter Zeitung steht eine kleine Beschreibung der TP:
 Hier die Einschätzung der Landshuter Zeitung zum Auftreten der Therese Pritzl.

Beilage zu Nro. 145 der Landshuter Zeitung



Die Verteidigung der Therese Pritzl:

Landshuter Zeitung

""Es sey wohl richtig, dass die Pritzl mit der größten Liebe an Heigl hing, dass sie zärtlich für ihn sorgte, als er bei seiner Habhaftmachung verschiedene Verletzungen erhalten hatte, allein daraus folge noch nicht, dass sie, gleich ihm, wenn er ja solche Absicht hatte, den Tod der Gendarmen gewollt hätte. Auch Heigl wollte nur schrecken, und deshalb können die Pritzl nur als Begünstigerin zum Verbrechen der Körperverletzung II. Grades betrachtet werden."

Therese Pritzl wurde in diesem ersten Prozess zunächst 10 Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei der Überprüfung dieses Prozesses nach einer Nichtigkeitsklage wurde die Strafe verkürzt.
Therese Pritzls wurde nun zu "siebenmonatlicher in einer Strafanstalt zu erstehenden Gefängnsistrafe" verurteilt und selbst dies Strafe versuchten ihre Verteidiger noch zu reduzieren und  noch ihre Zeit in der Untersuchungshaft auf diese Frist angerechnet zu bekommen.
Wie auch immer, wir können davon ausgehen, dass Therese Pritzl sicherlich sehr schnell wieder in ihrem gewohnten Umfeld zuhause in Gotzendorf angekommen ist.

Maximilian Schmidt, genannt Waldtschmidt, schreibt in seinem Roman(!) Brigitta oder der Räuber vom Kaitersberg über Therese Pritzl:
"Therese P. befindet sich, nachdem sie einige Monate Strafarbeitsbaus erstanden, wieder in ihrer Heimat Hohenwarth und hat sich mit ihren zwei noch lebenden Kindern einen guten, das üble Andenken Heigls mildernden Ruf erworben."

Am Ende dieses Berichtes über Therese Pritzl nun noch ein Blick nach vorne:

Die oben bereits als Findelkind angeführte und am 24.4.1850 getaufte Carolina Pritzl (formal war der Vater unbekannt) heiratete am 26.7.1894 den Witwer Josef Resch
Carolina Pritzl wohnte/lebte damals als Inwohnerin im Haus Nummer 27 (früher Gasthof Reimer) in Gotzendorf und die Resch besaßen in Gotzendorf die Häuser mit den Nummern 23 und 24. 
Ob es aus dieser Ehe Nachklommen gibt, ist nicht bekannt, allerdings hatte der Ehemann Nachkommen aus dessen erster Ehe.



Räuber Heigl

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