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Freitag, 13. Februar 2026

Kötztinger Häuserchronik - alte Hausnummer 108 beim Schuhmacher

    Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen. Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik. Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt – von der Teilung der Urhöfe bis zur Ernennung Kötztings zum Landgerichtsort – lassen sich in einem einleitenden Blogbeitrag ausführlich nachlesen.


Alte Hausnummer 108
beim Schuhmacher

Detail aus: Vermessungsamt Cham 5168-2100-LiquiP_Bad_Koetzting_1831_Beilage_M2500_1_1-01

Da dieser Ortsteil des alten Kötztings in seiner früheren Form nicht mehr existiert – der verheerende Marktbrand vom Juni 1867 hat den gesamten Bereich grundlegend verändert – lässt sich die Lage des Hauses nur noch grob auf das heutige Straßenbild übertragen. Nach heutigem Zuschnitt lag es ungefähr dort, wo sich heute das Stadtcafé an der Kreuzung Marktstraße/Bahnhofstraße befindet – wie damals auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Schmidtbräugarten“.
Auch bei diesem Haus in diesem Kötztinger Ortsteil ist der sichere Boden der Beweisführung, von dem aus versucht werden kann, rückwärts zu suchen, das Häuser - und Rustikalsteuerkataster von 1811, und dort lesen wir:

HsNro CIV, also 104 (darunter handschriftlich die Korrektur in Hinblick auf die spätere Hausnummer: "
HsN 108"

"Joseph Sporrer: das gezimmerte Haus mit seinem kleinen Wurzgartl"

1797 finden wir eine Heirat des Joseph Sporrer mit Franziska Waldherr, die ihm ihre Behausung als Gegengewicht zu seinem Heiratsgut widerlegt.
Von dieser Heirat aus, kann man rückwärtssuchend die Besitzerliste vervollständigen bis heran an den Beginn der Kötztinger Briefprotokolle, die um 1700 einsetzen. IN diesem Falle gibt es sogar den seltenen Fall, dass ein so kleines Haus sogar über diese Dokumentationsgrenze hinaus noch weiter verfolgt werden kann. Der Beweis kann mit einer Kreditaufnahme beim Markt geführt werden, bei dem sogar der Grund angegeben ist, nämlich ein Haus zu errichten:
Wir kennen also sogar das Baujahr, es war im Jahre 1669. 

Juglreither Michael und Maria

StA Kötzting Marktrechnung von 1970

"Michaeln Jublreither, burger und Schuechmacher alda, ist wie verttige Rechnung - also 1669 - vermag, ain gemaines Grundt negst bey der Wuhn zu ainem Heisl, per 10 fl ausgezaigt und verkauftt worden und macht das Interesse auf diss 1670iste Jahr 30 xr."

In der Kirchentrachtliste von 1688 findet sich die "Juglreitherin" mit der Kirchentrachtzahlung für ein Haus.

HStA München GL_Fasz_1829_62


Freimuth Michael und Katharina

Am 29.11.1706 verkauft der Kötztinger Bürger Freymuth Michael sein "Häusl uf dem sogenannte Pfeffergraben entlegen, soviel selbes mit Scharr und Dach umpfangen"  für 40 Gulden an den Bürger und Leineweber Andre Wurmb und dessen Frau Barbara,  Weiter heißt es im Vertrag: " dem Verkäufer bleibt die Wohnung in seinem absonderlichen  Wohnstiebl welches erst zu dem andern vom Verkhäuffer gericht und  von denen am 29.11.1706  Erkhauffern hierzu mehrers nit als 5 fl gegeben werden  mueß, sambt halber Schupfen und 2 Pötl im Garten gegen dem Haus  linker Hand, das Brennholz in dem Garten und under der Tachung  zuhalten auch das Prodt im Packofen zepachen und Krautvass im  Keller zesetzen haben." Dieser Kaufpreis setzt sich zusammen aus einer Schuld von 30 Gulden bei der St. Nikolauskirche in Steinbühl und 10 Gulden beim Markt Kötzting. Dem Verkäufer bleibt also buchstäblich nichts übrig von seinem Hausverkauf, außer der freien Wohnung.....
Vom Verkäuferehepaar ist nur bekannt, dass sie im Jahr 1685 in den Kötztinger Geburtsmatrikeln auftauchen.  

Wurmb Andreas und Sticker Barbara

In den Kötztinger Marktrechnungen findet sich dann auch folgender Eintrag, wobei nicht klar wird, ob es sich beim Familiennamen des ursprünglichen Schuldners „Juglreither“ nicht um einen Schreibfehler handelt.

StA Kötzting Marktrechnung von 1710 Seite 4

"Andre Wurmb burger und Leineweber alhir, hat ienige 10 fl Capüithal in erkhauffung seines Heusl ufm Graben zu bezallen ybernomben, welche Michael Juglreither in Handen gehebt, welche er Wurmb auch underm 14. Aprill 1710 mit Verschreibung ermelt seines Heusls  besambt aller zugehör zugeniegen versichert und raicht davon zur St. Weihnachten an Züns 30 xr."

Einschub:

Was hier interessant ist, ist die Lagebeschreibung des Hauses.Das - freie - Grundstück auf dem das Haus errichtet werden durfte wird beschrieben als "negst an der Wuhn" gelegen.Beim Haus heißt es später, dass dieses am "Pfeffergraben"  oder "uffm Graben" liege.Nun ist eben der "historische" Pfeffergraben nicht identisch mit der heutigen Straße gleichen Namens. Es hat den Anschein, dass früher die lange Gasse vom Schmidtbräugarten bis hinauf zum Schlossgarten den Namen Pfeffergraben trug, was könnte man sich auch dadurch erklären, weil die spätere Holzapfelstraße auf dieser Linie in ihren Anfängen eher einer Hohlgasse als einer Straße glich.

Einschub Ende

In all den Folgejahren findet sich - ähnlich wie vorher Michael Juglreither und nach ihm Michael Freimuth - nun auch Andreas Wurmb in den Marktrechnungen mit der Zahlung von jährlich 30 Kreuzern an die Marktkasse.
1721 verklagt der Leinweber AW die Gärtnerstochter Anna Maria Peyr.

Marktrechnung von 1721 Seite 11
"Einnamb an Straffen und Wändl
Anna Maria Peyrin ledige Garttnerstochter alhir, umb selbe Andren Wurmb burger und Leinewebern alda, ainen redo Schelmben verscholten, Inhalt Rhat verhörs Prothocoll fol. 66 und neben ernstlichem verweis und exofficio aufhebung bedeither iniurj per 1/2 Pfund Pfennige gestrafft worden ist. 34 xr."

Einschub

Ein interessantes Detail verbirgt sich in diesem Rechnungseintrag:
"exofficio aufhebung bedeither iniurj"

Die Ausgesprochene Beleidigung wurde nicht nur einfach bestraft, sondern durch den Kötztinger Rat ausdrücklich "aufgehoben" und damit unwirksam gemacht. Es lag also künftig kein Schatten mehr auf der Ehre des Kötztinger Bürgers und Leinewebers.

Einschub Ende

HStA München Landshuter Abgabe KL Rott B4 1727-1736

Im Jahre 1731 steht der Bürger und Leinweber in der Rubrik der Feuerstrafen, weil "in dessen  hülzernen Heusl negst an der Wändt stehenter Pachofen Feur auskhommen das man hat Larmen machen müssen. So hat man deme nit allein aufgetragen , das er diesen Pachofen abbrechen und heraus sezen sollte dieser Unachtsamkeit willen aber ist derselbe intacita paupertatis umb 1/2 Pfundt punctiert worden." 
Sein Backofen hatte Feuergefangen und dieser war noch dazu zu nahe an seinem aus Holz gebauten Haus gestanden, weshalb in Kötzting Feueralarm gegeben wurde.1733 steht er zum letzten Male mit der Bezahlung des Jahreszinses in den Marktrechnungen, denn am 1.6.1734 verkauft er sein "Bürgershäusl uffm Pfeffergraben und behält sich für 2 Jahre die freie Herberge, in der vordern Stuben , die er jetzt bereits bewohnt"  an den Schuhmacher Lanzinger Benedikt um 150 Gulden.


Lanzinger Benedikt und Weber Anna Barbara

Lanzinger Benedikt war in erster Ehe mit einer Gräll Katharina verheiratet, deren Vater als "villicus parochialis"angegeben war, er war also der Kötztinger Widtumsbauer, der Mann der den landwirtschaftlichen Betrieb des Kötztinger Pfarrers führte. Die beiden hatten bereits am 28.2.1724 geheiratet. Am 31.8.1733 heiratete der Witwer Lanzinger erneut und zwar die Kötztinger Bürgerstochter Anna Barbara Weber. Vom verwitweten Kötztinger Schuhmacher Anton Kramer kaufte Lanzinger Benedikt dann im selben Jahr noch dessen "Schuchmacherwerchstattsgerechtigkeit" für die er weitere 30 Gulden bezahlen musste.
Was der Hintergrund seines Auszugs war, wird nicht übermittelt, aber im Jahre 1740 wollte Andreas Wurmb nicht mehr bei den Lanzingers in der Herberge bleiben und so muss Lanzinger seinem Vorbesitzer jährlich 3 Gulden 30 Kreuzer als Ausgleich bzw. Ersatz bezahlen.
Im Jahre 1746 - wir sind am Ende des Österreichischen Erbfolgekriegs mit seinen Unmengen an Kontributionszahlungen, die der Magistrat gleichmäßig auf seine Bürger umlegte, findet sich eine Art von Gnadenakt für den Schuster Lanzinger:
StA Kötzting Marktrechnung von 1746 Seite 51

Wolfgang Waldherr und Barbara Görgenhuber

Am 5.11.1757 kam es zum nächsten Besitzerwechsel, Käufer war Waldherr Wolfgang und der Kaufpreis betrug 188 Gulden, wobei eine Grundschuld von 50 Gulden beim Spital erwähnt sind.
Auch dieses Mal blieben die Verkäufer weiter im kleinen Haus wohnen mit der folgenden Ausnahm:
"Den Lanzingerichen Eheleuten in dem vorhandenen und auf der  andern Seithen sich befindtende Stibl die lebenslange Herberge,  das Cämmerl und Pödl nebst der Holzschupfen zu deren Gebrauch"
Auch noch im Jahre 1757 erwarb der Webergeselle Wolfgang Waldherr aus Blaibach das Kötztinger Bürgerrecht, in dessen Eintrag in den Marktrechnungen vermerkt ist, dass er das "Haus des Benedikt Lanzingers erkauft" hatte. 10 Gulden kostete ihn das Bürgerrecht und es heißt im Eintrag weiter, dass er "vom Handwerk der Leineweber ein Attestatum beigebracht hatte, dass sye deme für ainen Marktmaister acceptiern wollen."
Im drauffolgenden Jahr schließen die beiden neuen Hausbesitzer dann auch noch einen gegenseitigen Heiratsvertrag. Durch die Quittung über die Bezahlung des noch ausstehenden Restkaufpreises, den die Witwe Lanzinger den neuen Hausbesitzern im Jahre 1761 ausstellt, erfahren wir vom Tode den Schusters Benedikt Lanzinger.
Im Jahre 1764 wurde er wegen Ungehorsams vor dem bürgerlichen Magistrat bestraft.

StA Marktrechnung von 1764 Seite 31ff

"Ihrer Vier sich bey Rhat bey den Vorstand ganz Ungehorsamb respectlos und insolent aufzuführen"
Und ums sich die junge 4 Marckhts Weebermaister Sebastian Mühlpaur, Max Dadler, Wolfgang Waldtherr und Franz Härtl bei Rhatt bey deren Vorstand mit denen alten dreyen Maistern in Specie aber...."
Die Strafe für die vier jungen Webermeister betrug jeweils drei Stunden im bürgerlichen Arrest, also drei Stunden Gefängniszelle....."
Am 29.3.1772 verstarb die Webermeisterin Barbara Waldherr und am 24.11.1774 wiederverheiratete sich der Witwer mit Häckl Johanna, einer Soldatentochter.

Waldherr Wolfgang und Häckl Johanna 

Da aus der ersten Ehe 4 Kinder vorhanden waren, musste Wolfgang Waldherr seinen Kindern zunächst einmal vertraglich deren Muttergut sichern. Aus diesem Grund kennen wir auch die Namen der damals noch lebenden Kinder:
"Katharina 13
Maria Franziska 11
Barbara 10
Ignaz 5 1/2 Jahre alt"
Sieben Jahre später - und damit kann es sich eigentlich nur um den Sohn Ignaz handeln - findet sich in den Marktrechnungen ein ganz bemerkenswerter Eintrag:
StA Kötzting Marktrechnung von 1779 Seite 62

"Und Wolfgangen Waldherrn burgerlichen Leinewebern dissorts zu Fortbringung seines Bubens nach St. Zenno ins Salzburgerische woselbst ienner zur Musii und denen Sestgen(?) Schullen obrigkeitlichen angenommen worden, kraft weiteren Scheins 3 Gulden."
Der kleine Bub, nun ca. 12 Jahre alt durfte also zur weiteren Ausbildung nach St. Zeno in Bad Reichenhall.

Einschub
Das Kloster St. Zeno ist benannt nach dem  heiligen Zeno von Verona

Das starke Wachstum der Bevölkerung von Reichenhall könnte Anfang des 9. Jahrhunderts der Grund für die Anlage eines neuen Friedhofs mit Kirche an der Straße nach Salzburg gewesen sein. Die dem heiligen Zeno geweihte Kirche ist wohl auf Initiative des Salzburger Erzbischofs Arn (785–821) um 810 dort erbaut worden. Der heilige Zeno von Verona († 372) galt als Beschützer vor Überschwemmungen, welche Reichenhall immer wieder heimsuchten. Auch die Verbindungen Arns zum Langobardenkönig könnten zur Wahl des Kirchenpatrons beigetragen haben.
....
Kulturzentrum
Das Stift erlebte einen Aufschwung in der Barockzeit, in der es ein bedeutendes Kulturzentrum des Reichenhaller Tales wurde. Vor allem Musik und schriftstellerisches Schaffen wurde gefördert. .
Einschub Ende

Ab dem Jahre 1781 finden sich ein paar merkwürdige Auftragsarbeiten für einen gelernten Leineweber, die Reparatur der Rathausuhr.
56 Kreuzer erhält WW "für die Vorrichtung des Wechelwerks in der Rathhausthurmuhr". 12 Jahre später heißt es in den Kötztinger Marktrechnungen, dass Wolfgang Waldherr gut 6(!) Gulden dafür erhält, dass er die " Uhr gänzlich abgetragen, ausgebutzt und gangbar gemacht" hat.
Am 26. Februar 1797 verstirbt der Leineweber Wolfgang Waldherr mit 63 Jahren und im selben Jahr noch erhält die Tochter Franziska das Haus.
In der Verkaufsurkunde am 26.8.1797 ist es die Witwe Johanna Waldherr, die das Haus um 400 Gulden an die Tochter übergibt und in der auch die "weichenden" Erben aufgeführt sind.
Im einzelnen sind dies:
"Katharina Stadlerin verwitwete Webermeisterin 
Franziska WaldHerrin 33 Jahre
Pater Sigismund WaldHerr Kloster Memmingen

2. Ehe
Wolfgang WaldHerr 18 Jahre
Xaver WaldHerr 16 Jahre"

Der Sohn erster Ehe war also nun als Pater Sigismund im Kloster Memmingen gelandet.

Sporrer Joseph und Franziska Waldherr

Am 12.9.1797 heiraten der Arnschwanger Webermeister Joseph Sporrer und Wolfgangs Tochter Franziska Waldherr, nachdem sie bereits 2 Wochen vorher vor dem Landrichter einen Heiratsvertrag abgeschlossen hatten, in welchem Joseph Sporrer 200 Gulden an Heiratsgut mitzubringen versprach.
Es folgen die üblichen Gebühren, die Josef Sporrer an die Marktkasse zu entrichten hatte, um das Kötztinger Bürgerrecht bekommen zu können. Diese Gebühren waren mittlerweile um einen "Exerziergulden" und um die "Aufnahmetax"  erweitert worden.
Erst nach der Heirat und der Überschreibung des Hauses konnte Josef Sporrer Kötztinger (Voll-)Bürger werden. Es hat den Anschein, als würde der Webermeister Josef Sporrer jedoch keinen Wert auf eine weiter Beschäftigung als Weber legen, denn bereits am 13.as.1797 verkaufte er seine - auf dem Haus liegende - "Webergerechtigkeit mit Einschluss eines Webstuhls" an das "Handwerk der Leineweber" Kötztings um 200 Gulden.
Trotz dieses Kapitalzuschusses erscheint Joseph Sporrer in den Folgejahren als säumiger Schuldner sowohl beim Spital als auch bei der Marktkasse.
In dem offensichtlichen Versuch, sich Kapital zu verschaffen, verkauften die beiden auch ihren Anteil am Watzlholz, einem Waldgrundstück, das bei der Aufteilung des markteigenen Watzlhofes auf die Bürger Kötztings, anteilig an sie gefallen gewesen war.
StA Landshut LGäO 924 Briefprotokolle  Verkauf des Watzhofantheils um 8(!) Gulden.
Aus dem Jahre 1806 haben sich die vollständigen Wahlunterlagen für die Kötztinger Magistratswahl erhalten und auch die handschriftlich ausgefüllten Wahlzettel..... und so hat sich nicht nur Josef Sporrers Handschrift erhalten sondern wir kennen auch sein Wahlverhalten:
LGäO Kötzting Nr. 793
Joseph Sporer: als Bürgermeister den Bader Schepperl
Als Räte: die Bürger Kraus - Gerstl - Bauer und Görnhuber
Für den Ausschuss: Aschenbrenner - Dachs - L. Mühlbauer und Math Pfeffer 

Hier der Wahlschein von Joseph Sporer aus dem Jahre 1806

Und so sind wir nun beim eingangs erwähnten Eintrag im H+R Steuerkataster, von dem aus ja die Suche rückwärts begonnen.


"HsNro CIV", also 104 (darunter handschriftlich die Korrektur in Hinblick auf die spätere Hausnummer: "HsN 108"

"Joseph Sporrer: das gezimmerte Haus mit seinem kleinen Wurzgartl"

Am 18.5.1818 war es dann soweit, die "Sporrer Josephschen" Kreditoren verkauften das kleine Haus, ein Zwangsverkauf also.


StA Landshut Rentamt Kötzting B25 Umschreibeheft
"eod Dato (18.5.1818) hat Georg Müller - Müller auf der Stockmühle - von der Joseph Sporrerischen Kreditorschaft in Kötzting das Waldherr Häusl aöda um 860 fl erkauft ohne Änderung."

Das Sporrersche Ehepaar fiel nun vom Status einer Kötztinger Bürgersfamilie zurück auf den von Insassen.

StA Kötzting AA II/19
"Verzeichnis der Inwohner, welche zwar keine Gemeindeglieder sind, iedoch ihr Heimatrecht begründet haben im Markte Koetzting"

"Franziska Sporrer, Inwohnerin, verehelicht"

"Joseph Sporrer, Inwohner, verehelicht"


Müller Georg und Katharina

Am 10. August 1833 reicht die Witwe Katharina Müller das kleine Haus an den Sohn Joseph, einem Schuhmachermeister weiter. Der Übergabepreis war 1200 Gulden. 

StA Landshut Grundsteuerkataster 5039


Müller Joseph und Schwimmer Katharina

 Am 24.9.1831 erhält Josef Müller vom Kötztinger Magistrat die Heiratserlaubnis mit der Anna Maria Schwimmer, einer ledigen Häuslertochter aus Grub. und  zwei Jahre später, am 10.8.1833 dann noch das Haus von seiner Mutter, der Witwe Katharina Müller. für 1200 übertragen.
Noch zu Zeiten als die Mutter - Katharina Müller - noch die Besitzerin gewesen war, hatte der Nachbar Ignaz Schrank - Hotel zur Post - einen Antrag gestellt, um ein kleines Gässchen, das hinter seinem Anwesen entlang führte, kassieren zu dürfen.
Später wurde im Laufe dieses Vorgangs dann auch noch ein Lageplan erstellt, weshalb wir in dem Plan nun Joseph Müller als den Besitzer vorfinden.

StA Kötzting AA VI 9 Straßenerweiterung durch Ignaz Schrank 1833

Der dem Akt beiliegende Lageplan zeigt uns erneut, wie ungeordnet, ja teilweise chaotisch die Flächenaufteilung in diesem Ortsteil Kötzting bis zum Marktbrand gewesen war.

Durch die Auflistung im Mieterkataster des Jahres 1841 kennen wir sogar die innere Aufteilung des Hauses:


StA Landshut Grundsteuerkataster 5045 Mieterkataster
"Joseph Müller, Schuhmacher /Hauseigenthümer 
Unter der Erde: 1 Keller
I: 1 Wohnzimmer und Kammer, dann 1 Stallung und 1 Küche
Unterschrift Joseph Müller

2. Christoph Rückl Schreiner /Miether:/ 
I 2 Wohnzimmer und 1 Kammer, dann Antheil am Hausboden unterm Dach
Unterschrift Christoph Rückl

3. Franz Fink, Inwohner
/:Miether:/
II 1 Wohnzimmer, 1 Kammer und Antheil am hausboden unterm Dach
Handzeichen des Franz Fink

4. Johann Reininger Maurer /:Miether:/
II 1 Wohnzimmer und 1 Kammer Hz des Johann Reininger

5. Joseph Müller EIgenthümer 

2. Nebengebäude
1 Schweinestallung

3. Nebengebäude 
1 kleine Scheine >>> vertauscht
"

Die Haltung des "Gailviehs" war in Kötzting immer wieder ein Thema, nachdem es amtlicherseits endlich erreicht worden war, diese lästige Pflichtaufgabe nicht mehr einfach dem Bürgerspital aufzuhalsen.
 Einzelne Bürger konnten sich für diese undankbare Aufgabe bewerben, es gab jedoch immer wieder Klagen über die Ausübung dieser für die Viehhaltung im Markt so wichtigen Einrichtung.

AA XV/49: "Fest Franz hatte gekündigt und im Jahre 1859 bewarb sich Weiß Kaspar auf 3 Jahre auf diese Stelle. Die Vorwürfe kommen laufend herein: er ließe in der Au die Wiese verkommen, zöge keine Gräben. Die Wiesenbesitzer rundherum beschweren sich. Weiß kündigt auf und bringt Graßl Anton, Bäckermeister in Vorschlag, der auch übernehmen will. Der Magistrat ist dagegen und der Wechsel wird nicht gestattet. Eine Kommission begutachtet Tiere und stellt vollkommene Verwahrlosung fest. Müller Joseph, Schuhmacher, war danach von 1862 bis 1865 der einziger Bewerber.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5047

Müller Hermann und Schödlbauer Katharina


Am 3.6.1867 heiratete Hermann Müller, Sohn des Joseph Müller und der Schwimmer Anna Maria die Allmannsdorfer Bauerstochter Katharina Schödlbauer.
Schon im April desselben Jahres hatte er das Haus von seinem Vater übernehmen können und am Tage seiner Heirat kam  das große Unglück über Kötzting und auch über den neugebackenen Ehemann und Hausbesitzer, denn in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni brach ein Marktbrand aus, der eine komplette Häuserreihe der Marktstraße auslöschte, vom Oberen Friedhof bis hinunter zur heutigen Kreuzung Bahnhofstraße/Marktstraße.

StA Landshut Grundsteuerkataster 5050

Über diesen Brand und seine Schäden gibt es einen ausführlichen Akt im Staatsarchiv Landshut und darin ist auch eine Beschreibung der Häuser der einzelnen Brandleider.

StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867

"Hausnummer 108:
Müller Hermann Hausbesitzer und Maurer
Der Beschrieb der Gebäude vide Protokoll sub Nro XXXII

Befund:
ad 1: Das aus Blockwänden und Ziegelgemäuer bestandene Wohnhaus ist bis auf den Grunde niedergebrannt.
(Größe des Hauses 46 x 31 Schuh und 23 Schuh hoch.)
Das durch Abbruch genommene Ziegelmaterial hat wegen seiner Beschaffenheit einen erheblichen Werth nicht, deckt auch die Abbruchs und w. Abfuhrkosten nicht. Schaden total
ad 2. Das Stadelgebäude ist bis auf den Grund niedergebrannt, nur ragen die 4 Eckpfeiler, welche aus Ziegeln bestanden empor; deren Abbruch aus feuergefährlichen Rücksichten bedingt wurde.
Schaden Total (Die Größe des Stadels: 30 x 31 Schuh und 35 Schuh Hoch)
Das Ziegelmaterial, welches vom Abbruch genommen wird, übersteigt keineswegs die Abbruchskosten."

Die Beschreibung verweist auf einen Protokollpunkt XXXII:

StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867

"XXXII

Müller Hermann
Hausbesitzer und Maurer
1. das einstöckige Wohnhaus an der Blaibacher Straße, von Holz u. Stein aufgeführt und mit Schneidschindeldach versehen gewesen.
2. Der neuerbaute Stadel von gemischter Umfassung und von gemischter Bedachung versehen gewesen.
Das Resultat der Besichtigung des Schadenserhebung
vide Tabelle Nro 7 
Unterschrift:
Hermann Müller"

Da das Müllersche Haus ja auch in Teilen vermietet war, finden sich auch diese Mieter auf der Liste der Geschädigten.

StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 Der Brand in Kötzting 1867

"Mühlbauer A, Maria Inwohnerin bei Hermann Müller: Kleidungsstücke, Bett, Mobilien, 1 Uhr, Bilder, Schuh, Bänder und Küchengeschirr im Wert von 24 fl 30 Kreuzer

Müller Martin Maurer : Hausgeräthe, Schuhwerk, Werkzeug, Kleider, Küchen und B>Indergeschirr im Wert von 41 Gulden.
"

Hier die Totalverluste an Häusern und Nebengebäude im unteren Markt. Die gelb markierten Häuser haben nur geringe Teilschäden. Rot ist Totalverlust.




Nachdem es im Markt Kötzting nun bereits der zweite Marktbrand gewesen war, der seinen Ausgang in der Mitte der Marktstraße und mit seinen verheerenden Auswirkungen fast gleichartig vom Friedhof bis in den unteren Markt reichte, schritt man von der Planungsseite zu einem vorbeugenden Brandschutz und bildete durch die neu anzulegenden Straßen regelrechte Brandschneisen. So wurde die Verlängerung der Metz- und der Schirnstraße hinüber zur  - heutigen - Gehringstraße erst im Nachgang dieses Brandes durchgesetzt, was den Verlust von zwei Marktlehen bedeutete, die auf dem Platz dieser neuen Verbindungstraßen gestanden hatte. In gleicher Weise wurde die Torstraße leicht gedreht - Verlust ein Haus gegenüber dem vorherigen Zustand und auch die heutige untere Marktstraße erhielt erst durch die neuen Planungen ihre heutige Gestalt, zumindest was die Verkehrswege angeht.

StA Kötzting 021-1
Wie man an dem Bild gut erkennen kann, ist der Platz unseres Hauses auf der neu projektierten Straße und fällt somit zunächst einmal weg. Die auf dem Entwurfsplan be/genutzten Nummern sind die Plannummern der einzelnen Grundstücksparzellen und nicht die alten Hausnummern.
Der "Ersatzbau" wird in dem sich anschließenden "Schmidtbräugarten" errichtet werden und befindet sich bis heran an die Gegenwart in Familienbesitz aller Nachfolger auf dem Hotel zur Post.
Aus diesem Grunde wird dieses "ersatzgebäude" in den Grundsteuerkataster auch nicht unter der alten Hausnummer 108 geführt sondern als 107e.
 

Das "Leben" des Hauses mit der alten Hausnummer 108 endete also fatalerweise am Hochzeitstag seines Besitzers in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1867.

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Donnerstag, 12. Februar 2026

Die Eisstockolympiade in Chamerau

 


Bilder aus der Sammlung Serwuschok - der Bericht und das Foto stammen von einem Redakteur mit dem Kürzel "kgn" und alles stammt vom Februar 1976

Der Schönbergsee bei Hörwaltung

"Eisstockschützen erwarten 50 Mannschaften

Chamerau (kgn). Nach jahrelanger Wartezeit kann am Sonntag, 8. Februar, die Eissportabteilung des FC Chamerau, ihr Gründungsturnier im Natureisstadion (Schönverzersee) in Hörwalting abhalten. Dieses Turnier musste viermal wegen zu warmer Witterung verschoben werden. Nun befindet sich Chamerau im Zeichen einer sportlichen Veranstaltung. So steht der Ort nicht nur im Sommer mit dem Regental-Osterpokal-Turnier, sondern auch im Winter mit einem groß angelegten Eisstock-Gründungsturnier im Blickfeld der Öffentlichkeit.

Nachdem das Eisstockschießen in Chamerau immer beliebter wurde, entschloss man sich, diesen Sport vereinsmäßig zu betreiben. Am 12. Januar 1973 wurde die Eissportabteilung des FC Chamerau ins Leben gerufen. Mit 20 Mitgliedern begann die Abteilung ihr Vereinsleben. Der damalige 1. Vorstand des Fußballclubs Karl Riederer unterstützte diese Abteilung mit seinem persönlichen Einsatz als Eisstockschütze."

Und dann kam der große Tag:




Die Technik machts möglich, solch ein altes SW/Foto nachträglich zu verbessern:

Foto nachträglich bearbeitet von ChatGPT


"Chamerau (kgn). Endlich konnte das Gründungsturnier, das schon viermal verschoben werden musste, bei strahlendem Sonnenschein im Natureisstadion (Schönbergsee) in Hörwalting ausgetragen werden. 180 Eisstockschützen spielten in drei Gruppen um die wertvollen Kristallpokale des FC Chamerau. Die Baufirma Schönberger, Chamerau, stellte dafür das Natureisstadion unentgeltlich zur Verfügung. Als Schiedsrichter war vom Kreis VI/600 Hans Gillitzer, vom Bahnensportverein Cham, für die Austragung und Einhaltung der Regeln verantwortlich. Der Wettbewerb wurde nach den Bestimmungen IIVKB = 6 Kehren durchgeführt. Für das leibliche Wohl der Mannschaften sorgten die Mitglieder des FC Chamerau, Abteilung Eissport.

Bereits um 7 Uhr herrschte vor dem Vereinslokal Baumgartner reges Treiben. Die Sportler kamen aus allen Teilen der umliegenden Landkreise. Einschreibung und Passkontrolle, dann ging es an den Start. Es war wie bei den Olympischen Spielen: Viele Menschen, die Sportler in ihren gelben, roten, blauen und grünen Pullovern, aufmunternde Dialoge, Anfeuerungsrufe. Dieses Gründungsturnier der Eissportabteilung des FC Chamerau war das größte Treffen von Eissportlern des ganzen Landkreises Cham, vorbildlich organisiert. Gegen 16 Uhr konnte Abteilungsleiter Walter Holzer die Siegerehrung vornehmen und die Pokale überreichen.

Gesamtsieger des Gründungsturniers wurde „Holzhof“ Zwiesel. Auf den zweiten Platz kam der WSV Viechtach, auf den dritten der EC Viechtach."

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Mittwoch, 11. Februar 2026

EIn Tanzkurs für Standardtänze in den 50er Jahren

 Ende der 1950er-Jahre wurde in Kötzting ein Tanzkurs angeboten, der zahlreiche Paare ins Café Gschaider führte. Dort traf man sich regelmäßig zum Üben – mit sichtbarem Engagement und offenbar auch mit dem Wunsch, diese Momente festzuhalten. Bei den entstandenen Fotografien lassen sich einige der Tanzpaare heute noch erkennen, bei anderen hoffe ich auf Hinweise und Erinnerungen aus der Leserschaft. 

 Dazu von mir gleich noch ein paar Zusatzfragen: 

1. Wer erkennt noch weitere Paare
2. Auf welchem Bild ist möglicherweise der Tanzlehrer
3. Erkennt jemand anhand der (festgehaltenen) Bewegung welche Tänze es gewesen sein könnten?
 4. Bin ich mit dem Cafe Gschaider auf der richtigen Spur? 


Ein Tanzkurs in Kötzting

Kretschmerarchiv Nr. 624

Dr Josef Gartner mit Gattin Annemarie


v.l. Lore und Franz Oexler




Familie Kühlmeyer








Erneut Herr und Frau Kühlmeyer


Nochmal Franz Oexler mit Ehefrau



Hier würde ich sagen wurde der "Twist" eingeübt.

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Sonntag, 8. Februar 2026

Als der Fußball wieder rollte in Kötzting - ein kleines Jubiläum

Nach weiteren 50 Jahren, nun,  fast auf den Tag genau vor 80 Jahren, am 6.2.1946 durfte der 1. FC Kötzting sein erstes Punktspiel nach der Wiederzulassung als Sportverein  austragen.
Hier ein Bericht über die schwierigen Umstände und Verhältnisse in dieser Nachkriegszeit.

Sammlung Richter: eine frühe Mannschaft des 1. FC Kötztings ca. um 1949 

Den Anfang der Berichterstattung machte eine kleine Notiz zum runden Jubiläum und so stand am 6.2.1976 in der Kötztinger Umschau ;

Heute vor 30 Jahren: Wieder Fußball nach Punkten

Die Kötztinger Siegesserie begann kurioserweise mit einer Niederlage in Spiegelau

WIR ERINNERN UNS: Am 6. Februar 1946 wurde der Bayerische Fußballverband, Bezirk Niederbayern, in Plattling gegründet. Am 10. Februar die ersten Punktspielfußballwunder, denn Trikots, Schuhe, Netze und Bälle mussten beschafft werden, Spielerpässe gefertigt und zugestellt werden. Motorisierung war ein Kapitel für sich. Einige Mannschaften reisten eben kurzerhand wieder mit Pferdefuhrwerken wie vor dem Krieg.

EIN BLICK in die Chronik des 1. FC Kötzting lohnt sich. Sie wurde vom damaligen Schriftführer und Organisator Franz Oexler vorgetragen und bis ins letzte Detail genau geführt. An Wert und Aussage nicht zu übertreffen. Am 10. Februar 1946 steht vermerkt:

BEGINN DER VERBANDSRUNDE: 1. FC Kötzting – 1. FC Spiegelau 1:3 (1:1); Spielort Kötzting. Laut Spielplanliste sollte dieses Treffen in Kötzting stattfinden. Ein plötzlich eingetretenes Hochwasser macht dies aber unmöglich, da beide Plätze gänzlich überschwemmt sind (Anmerkung der Redaktion: Der zweite Platz war der Ausweichplatz, der sich dort befand, wo in Kötzting die Fa. Winter in den Auwiesen gebaut hat.) Man beschließt lange hin und her, und am Schluss wird nach Spiegelau gefahren. Das Wetter in Kötzting ist trocken, doch in Bodenmais beginnt schon der Schnee und steigt bis nach Spiegelau bis zu einem halben Meter. Große Befürchtungen werden wach, die sich auch später bewahrheiten. Bei Schnee kann unsere Mannschaft nie spielen. Gödecke fällt dabei von vornherein aus. Böhm wurde anlässlich seines Platzverweises in Straubing, zu unrecht für die erste Runde gesperrt. Plötz soll dafür spielen. Alle diese Sachen sind kein gutes Omen für unser Spiel. Dann stirbt der Omnibus ein paarmal ab, die Fahrt dauert stundenlang. So ist es immer, wenn es schnell gehen soll. Zum Tanzabend des Fußballklubs sollten wir doch wieder zurück sein.

UND DER SPIELVERLAUF: Wie schon erwähnt, liegt tiefer Schnee. Der Ball rollt nicht. Spiegelau bringt gefährliche Situationen vors Tor, die ohne Graßl zum Verhängnis geworden wäre. Jackl, der gute Linksaußen der Platzherren, schießt Flanke auf Flanke zur Mitte, einige scharfe Lattenschüsse sind dabei. Die unsrigen stoßen zwar auch durch, aber ohne Erfolg. Greisinger hat sich inzwischen den Linksaußen vorgenommen und kann ihn stoppen. Gödecke dagegen fällt glatt aus. In diesem Schnee kann er nichts machen. Reith schlägt des Öfteren unsicher ab, Jackl ist wieder einmal durchgebrochen, schießt aber wunderbar zur Mitte, wo der Halblinke aus dem Lauf heraus einen Spannschuss unhaltbar ins Tor knallt. Das Verhängnis nimmt seinen Gang. Doch nach einigen Minuten kommt ein kleiner Lichtblick. Rauscher kann sich frei spielen, läuft mit dem Ball zur Mitte und kann ausgleichen. Das Gleichgewicht ist hergestellt und man kann beruhigt die zweite Halbzeit antreten.

DOCH BEI BEGINN fällt Dattler in diesem harten Kampf auch noch aus. Eine Muskelverletzung. Er scheint aber heute nicht den nötigen Kampfgeist zu haben. Als Statist hätte er noch wirken können. Er ging aber ganz ohne Bescheid zu sagen vom Platz. Graßl, als Linksaußen, muss zurückgenommen werden und spielt jetzt Läufer. Damit wächst der gegnerische Druck. Wensauer gibt sein Bestes, aber es ist nichts mehr zu ändern. Zweimal kommt der Gegner noch zum Zug. Mit 3:1 müssen wir das Spielfeld verlassen.

DIE AUFSTELLUNG: Graßl Hans, Raith Hans, Wensauer Max, Greisinger Toni, Röhrl Karl, Dattler Hans, Rauscher Schorsch, Gödecke Otto, Rösch Hans, Plötz Fritz, Graßl Fritz.

Soweit der Chronist. Der FC Kötzting aber, der schon in den Vorbereitungsspielen, während der Bayerwaldmeisterschaft und bei den Pokalspielen hatte aufhorchen lassen, eilte später dann auch von Sieg zu Sieg. Die Fußballer der ersten Stunde setzten Maßstäbe, die Gültigkeit behalten haben. Von diesen Spielern spricht man heute noch nach genau 30 Jahren.

Nur zehn Tage danach rief Haymo Richter die früheren Spieler und viele Wegbegleiter des niederbayerischen Fußballs nach Kötzting – und zahlreiche kamen, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und alte Freundschaften aufzufrischen und Frau Renate Serwuschok selber berichtete von dem unterhaltsamen Treffen.


 

 Gastgeber und Gäste

Die Idee war gut. Haymo Richter darf zufrieden sein. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die „Ehemaligen“ aus der Nachkriegsgeschichte des Kötztinger und Niederbayerischen Fußballs trafen sich mit den derzeit Verantwortlichen zu einem gemeinsamen Rückblick. Die Teilnehmer und ihre Funktionen:

Schorsch Huber, Bezirksspielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirk Niederbayern, aus Dingolfing. Fritz Costa, Fritz Graßl und Karl Bergbauer, Schiedsrichterobmänner. Sepp Schwarz und Josef Held, Gruppenspielleiter. Karl Früchtl, Schriftführer im BLSV. Jugendgruppenspielleiter und Kreisjugendleiter Otto Wiener.

Franz Oexler, Max Kellner, Willy Pagany und Schorsch Barth (für seinen verstorbenen Vater Josef Barth), sämtliche Mitglieder der ersten Vorstandschaft des FC Kötzting nach dem Kriege. Wolfgang Ludwig, Karl Röhrl und Hans Rösch, Spieler der Mannschaft aus dem Jahre 1946, die am 10. Februar das erste Punktspiel nach dem Kriege austrug.

Max Vielberth, Schriftführer des FC Viechtach seit 25 Jahren, 2. Vorsitzender Baumgartner und Spieler Paukner.

 


Ein Gruppenbild (wenn auch ohne Dame) von historischem Wert in Rückschau und Ausblick: v. r.: Haymo Richter, Schorsch Huber, Sepp Held, Fritz Graßl, Fritz Costa, Karl Bergbauer, Sepp Schwarz, Karl Früchtl und Otto Wiener.


30 Jahre danach noch immer 1:0 für die alte Fußballgarde

„Blick zurück ohne Zorn“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge / Geschichten, die Geschichte machten

Kötzting (na). Dreißig Jahre Fußball nach dem Kriege. Am Freitag saßen im Hotel „Zur Post“ beisammen, die dieser Zeit begründet und geprägt haben. Männer der ersten Stunde, personifizierter Idealismus, lebende Geschichte und Geschichten. Nostalgie vor realem Hintergrund, dankbares Erinnern, Rückblick mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein großes „Weißt Du noch“, das die Vergangenheit beschwor, in die Gegenwart hineinwirkte und von dem auch noch die Zukunft profitieren wird. Die Maßstäbe, die damals gesetzt wurden, haben unvermindert Gültigkeit, obwohl zwischen 1946 und 1976 Fußballwelten liegen. Aber das runde Leder rollt wie eh und je. Und die Gruppen, die zu Beginn am Ball waren, stehen auch jetzt noch nicht im Abseits. Gruppenspieler Haymo Richter hatte sie zusammengerufen, und alle, alle kamen, sogar der Spielwart und Geschäftsführer des Bayerischen Fußballverbandes, Bezirksniederbayern, Georg Huber aus Dingolfing mit seiner Frau Emmi, von deren Kochkünsten und dem leckeren „Lüngerl“ die Kötztinger Kicker-Veteranen heute noch genüsslich schwärmen!

v.l. Bezirksspielwart Huber - Richter Haymo - Pagany Willi


Es wurde ein Abend ohne strenges Element, ohne starres Protokoll. Der Initiator Haymo Richter war ein aufmerksamer Gastgeber. Er begrüßte die Gleichgesinnten in der Herzlichkeit, die unter alten Freunden selbstverständlich ist, und hieß sie in dieser Runde mit einem Danke für ihr jahrzehntelanges Verständnis im fußballsportlichen Alltag willkommen. Geschenke wurden getauscht.


 Fritz Costa war erst wenige Tage vor dem Termin 65 Jahre alt und gefeiert worden.



Costa Fritz

 

Amtsrat Fritz Costa nur vom Titel her „in Ruhe“

Morgen feiert er seinen 65. Geburtstag / Dem Sport immer noch aktiv verbunden


Kötzting (na). Die Zeit vergeht. An seinem 60. Geburtstag stand Amtsrat Fritz Costa noch im Stress des Berufslebens, seinen 65. am morgigen Sonntag kann er bereits als Pensionist begehen. Die obligatorische Bezeichnung „in Ruhe“ dürfte bei ihm allerdings nur Bestandteil des Titels, nicht geübte Realität sein, denn der erfahrene Kommunalbeamte ist noch weit entfernt vom Lehnstuhl als dem sprichwörtlichen Alterssitz. Seine Erfahrung und sein Rat blieben gefragt, von seinen Kenntnissen profitiert jetzt auch das katholische Pfarrbüro, in dem er wertvolle Dienste leistet.

In Kötzting geboren, hielt er seiner Vaterstadt bis heute die Treue, ohne sich und seine Entwicklung durch die Verbundenheit mit der Heimat irgendwelche Grenzen setzen zu lassen. Weltoffen meisterte er die Aufgaben, die er sich selber und die ihm das Leben stellte. Seine Verwaltungslaufbahn nahm im hiesigen Rathaus ihren Anfang und führte ihn auch wieder hierher zurück. Und als sich der Kreis schloss, durfte er die Früchte seiner Arbeit ernten, war ihm Erfolg beschieden, wurde sein Einsatz zuletzt mit der Ernennung zum Amtsrat gewürdigt. Lohn für eine Pflichterfüllung über das Mittelmaß hinaus, Dank für Fleiß und Verlässlichkeit, Anerkennung für Wissen und Können.

Trotz seines beruflichen Engagements fand Fritz Costa immer wieder Zeit, als begabter Laienspieler und Regisseur bei Theateraufführungen mitzuwirken, die Besucherrekorde zu verzeichnen hatten und an die sich die älteren Kötztinger ebenso gern wie wehmütig erinnern. „Das gab’s nur einmal, das kommt nicht wieder …“ Das Kötztinger Pfingstfestspiel hatte in dem erfahrenen Akteur durch zwei Jahrzehnte einen erfolgreichen Spielleiter.

Der Freund und Gönner der Kötztinger Vereine verschrieb sich in besonderer Weise solchen mit sportlichen Ambitionen. Der Bezirks-Schiedsrichterverein hat sich längst schon bei seinem langjährigen „Finanzminister“ mit der Ernennung zum Ehrenkassier bedankt. Die Auszeichnung als Ehrenschiedsrichterobmann macht deutlich, wie eng Fritz Costa auch dem runden Leder verbunden war und ist, wenn er beispielsweise als Schiedsrichterbeobachter auf eigene Kosten während der Fußballsaison jeden zweiten Sonntag nach Viechtach reist, um dort den Unparteiischen von der Bezirksliga aufwärts „auf die Pfeife“ zu schauen, sie zu testen und zu beurteilen. Er dürfte dafür wie kaum ein anderer prädestiniert sein, war er doch selber einmal Spielgruppenleiter, hochqualifizierter Schiedsrichter und Mitglied der Regelkommission des Bayerischen Fußballverbandes.

Was also kann da schon näher liegen, als Fritz Costa zu seinem 65. Geburtstag das zu wünschen, was sicherlich auch seine Frau, seine drei Söhne und deren Familien für ihn erhoffen: dass er weiterhin und in jeder Beziehung „am Ball“ und gesund bleiben möge. Ad multos annos!

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Fritz Costa, nach seiner aktiven Zeit Ehrenschiedsrichterobmann und Schiedsrichterbeobachter, erhielt aus Anlass seines 65. Geburtstages einen Bierkrug überreicht, Georg Huber das Kötztinger Wappen in Wachs, und eingedenk des beliebten Tauschobjektes in den Nachkriegsjahren einen Eimer Marmelade aus der hiesigen Konservenfabrik. Der Bezirksspielwart revanchierte sich mit einer Krawatte des Fußballverbandes, von der er hofft, dass sie bei Haymo Richter den um den Hals geschlagenen Binder im Rautenmuster wenigstens auf den zweiten Platz verdrängen wird. Die Damen durften sich über ein mundgeblasenes Glasschweinchen mit einem Glückspfennig im Bauch freuen. Der 2. Vorsitzende des FC Viechtach, Baumgärtner, hatte dem „Stammgast“ auf unserem Fußballplatz Fritz Costa einen alten Stich mitgebracht und die Bitte geäußert, dass die alte Sportfreundschaft zwischen beiden Städten wieder aufleben möge. Haymo Richter beschwor dann die Stunde Null. Er nannte die Namen derer, die  schuld daran waren, dass es im Januar 1946 wieder losgegangen ist mit dem Fußball, führte zurück zum ersten Punktspiel am 10. Februar vor 30 Jahren in Spiegelau. Improvisation war Trumpf, Kameradschaft das alles entscheidende Fundament für künftige Erfolge. Gemeinsames Schwelgen in der Erinnerung. Jubiläumsstimmung unter Verzicht auf äußeren Aufwand. Fußballerglück weit entfernt von den Millionen der Profis, den Bestechungsskandalen und dem Fehlverhalten der Zuschauer. Es war einmal — eine heile Fußballwelt und Kötzting ihr „Nabel“, nicht zuletzt auch deshalb, „weil’s bei uns immer noch was zu essen gegeben hat!“ Und Holz und Benzin!


Die Damen bekamen als Dank für ihr Verständnis im fußballsportlichen Alltag ein mundgeblasenes Schweinchen mit einem Pfennig im Bauch überreicht.


Marmelade für Marmelade oder 10 000 Plastiklöffel

Davon wusste Franz Oexler ein selbstgereimtes Gedicht zu singen. Es ließ die Schwierigkeiten wach werden und zeigte auf, wie man sich zu helfen wusste durch Tauschgeschäfte, riskante Transaktionen, gewagte Einsätze und blitzgescheite Taktiken in jenen Tagen, in denen es nichts gab als „alte, von der Wehrmacht übriggebliebene Fetzen“. Das Sagen hatte die Militärregierung. Zwei Spieler wurden nur deshalb verhaftet, weil sie den amerikanischen Captain wegen seiner körperlichen Fülle zu belächeln wagten. Später waren sie die besten Freunde! Das waren die Zeiten, „als die Kötztinger noch im ‚Mekka des Fußballs‘ in Dingolfing, um ‚Pässe und milde Gerichtsurteile betteln gingen‘ und in München auf Bezugsscheine, die für die Jugend ergattert worden waren, dann doch ‚bis Schuhgröße 46 eingekauft wurde, weil solche Maße unsere Besonderheit sind‘“. Mit Franz Oexler dachten alle an den „großen Ringtausch“, bei dem alles gegen alles verschoben wurde — Marmelade meistens als Ausgangspunkt — und an die Überraschung, als am Ende wieder Marmelade im Karton oder 10 000 Plastiklöffel!



In der „Mottenkiste des Fußballs“ kramte schließlich auch Georg Huber, ebenso gründlich wie amüsant. Dabei wurden noch einmal die wichtigsten Anlaufstellen markiert, so vor allem die „Benzinquelle“ Sepp Held, die Marmeladenstation in der Kötztinger Konservenfabrik, die Weißwurstküche beim Barth-Metzger, die Bleistift- und Papierausgabe vom Oexler Franz. Eine Episode so köstlich wie die andere, vornehmlich angesiedelt in den damaligen Hochburgen des runden Leders, in Kötzting, Viechtach, Zwiesel und Dingolfing, wo Georg Huber in seinem Gasthaus einmal die Uhr zurückgestellt hatte und — um später seine Gäste vor Verletzung der Sperrstunde zu bewahren (so streng war sie damals während der Besatzungszeit!) — im Saal behielt und ihnen die Langeweile zum Morgen damit vertrieb, dass er sie 5000 Fußballpässe ausstellen ließ. Die Schreibmaschinen fehlten hier überall, auch vom Pfarr- und aus dem Rathaus, ausgeliehen!



Sagenhafte, aber wahre Geschichten, die ein ganzes Buch füllen könnten. Vielleicht sollte sie wirklich einmal geschrieben werden, um sie der Nachwelt zu erhalten als Ergänzung zu den optischen Dokumenten aus dieser Zeit, die nach Hubers, Oexlers und Richters Erzählungen „auf die Leinwand geworfen wurden“. Bilder, die beweisen, dass 600 bis 800 Zuschauer keine Seltenheit waren, die ein Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten bescherten und Verstorbene Kameraden in der Erinnerung noch einmal lebendig werden ließen. Dankbares Gedenken auch an Hans Huber und Schorsch Eckl.

Dann aber wieder fröhliche Reminiszenzen, manche überraschend, eben „Selbsterkenntnis“ („Heut ham ma eben a ganz a andere Figur) und ein „Blick zurück ohne Zorn. ".

Dazwischen Dank und Komplimente, Zufriedenheit bei Bezirksspielleiter Huber, das "der Landkreis    Kötzting zwar nun in der Oberpfalz gekommen, aber im niederbayerischen Fußballbezirk geblieben ist", war einer von vielen Gründen, die Gläser zu erhoben, den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen,  den weiteren Abend in gelöster Stimmung zu verbringen, zu Gottlieb Wensauers  unübertrefflicher Musik ein Tänzchen zu wagen und dabei die Kondition nochmals unter Beweis zu stellen. Alles in Allem ein 1:0. für Haymo Richter und die alte Fußballgarde!


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