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Sonntag, 1. Februar 2026

Ein Jubiläum mit Hindernissen - Unfall am Höllensteinsee


Schwerer Unfall bei Reparaturarbeiten am Höllensteinsee.
 

So wie wir vor wenigen Tagen auf 100 Jahre Kraftwerkseröffnung am Höllensteinsee zurückgeblickt haben, war auch der "Runde 50er" im Januar 1976 ein Grund, an die Anfänge des Kraftwerksbaues in den Zeitungen zu erinnern. Zeitgleich waren jedoch auch umfangreiche Umrüstarbeiten vorgesehen und dabei passierte es dann, dass ein großer Autokran umstürzte und sehr mühsam wieder geborgen werden musste. Von all diesen Jubiläumsfeiern, den Arbeiten und den Rettungsmaßnahmen findet sich eine ganze Bilderserie in unserem Zeitungsarchiv.

In seinem Jubiläumsartikel von 1976 nahm Herr Kühn, Redakteur der Kötztinger Umschau, die Leser mit hinter die Kulissen des Höllenstein-Kraftwerks. Er beschrieb nicht nur die geologischen Bedingungen des Standorts, sondern auch die ausgeklügelten Vorkehrungen für Hochwasser und das Zusammenspiel mit dem inzwischen entstandenen Stauwerk des Blaibacher Sees. Diese Einblicke sind so detailliert und interessant, dass hier noch einmal kurz auf diesen Artikel zurückgekommen wird.

"Kötztinger Umschau vom 13.1.1976:
Hochrechnungen schützen Gemeinden vor Flutwellen

■ Die geologischen Verhältnisse werden im „Bayerwald“ unter anderem wie folgt geschildert: Das für die Talsperre in Frage kommende gesamte Gebiet baut sich ausschließlich auf Urgestein, und zwar hauptsächlich dem blauen Cordieritg­neis, den schwarzen Biotitgneis und den hellen, feinkörnigen Granit auf. Die Größe des Einzugsgebietes beträgt an der Sperrstelle 980 Quadratkilometer bei einer mittleren Niederschlagshöhe von 1135 mm. Es wird geschätzt, dass bei der geringen Verdunstung infolge des dichten Waldbestandes und der schnellen Wasserabführung des Schwarzen Regens (0,02 cbm/sec.) rund 55 Prozent der Niederschlagsmenge durch die Talsperre fließen. Die Stauhöhe von 12,50 Metern wurde durch den Bau einer Betonsperrmauer und das Absenken des Wasserspiegels mittels einer 750 Meter langen Unterwasserrinne erzielt. Der Stauspiegel liegt 399,10 Meter über Normalnull, die Turbinen selbst 8,70 Meter tiefer. Der Stauspiegel kann gegenüber dem Höchststand um 3,80 Meter abgesenkt werden.

■ Die Führung des Wasserhaushaltes ist auch die schwierigste Aufgabe, die die sechsköpfige Belegschaft des Höllenstein-Kraftwerkes unter der Leitung von Max Probst (er ist schon seit 25 Jahren damit beschäftigt) zu erfüllen hat. Die Wassermengen müssen hochgerechnet werden, sonst gäbe es ein Chaos. Ein Beispiel: Gerade in diesen regen- und schneereichen Tagen gibt’s mehr als genug von dem Nass. Wenn der in Pulling gestaute Blaibacher See „voll“ ist und zusätzlich noch verstärkt vom Höllenstein-See her gespeist wird (ein Druck auf den Knopf und die Schleusen des Kraftwerkes öffnen sich), der Blaibacher See würde überlaufen, die Gemeinden entlang des Regens hätten es mit einer Flutwelle zu tun.

■ Zurück zum Kraftwerk: Hinsichtlich der Stromgewinnung wird beim größtmöglichen Gefälle von 12,50 Metern und 30 cbm/sec. Wasser — mehr lässt  der Turbinenschutz nicht durch — eine Leistung von 1340 PS erzielt, die jede der Turbinen in rund 1000 Kilowatt umwandelt. So können die drei Turbinen jährlich über 13 Millionen kW produzieren.

■ 50 Jahre Höllenstein-Kraftwerk: Zum Jubiläum wird’s vorerst nichts Besonderes geben. Das soll aber laut Max Probst zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Dann sind zur Feierstunde auch die Stadträte von Straubing sowie Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder geladen. Anerkennung haben sie alle verdient.









Im Turbinenraum 


Aber nur 5 Tage später passierte ein Unglück bei Reparaturarbeiten und erneut war es Herr Kühn, der davon berichtete:

 Autokran stürzte in Höllensteinsee: 500000 Mark Schaden

Beim Einlassen einer Rechen-Reinigungsmaschine vor dem Kraftwerk Übergewicht bekommen / Schwierige Bergung

Kötzting/Höllensteinsee (kue). Beim Einlassen einer Rechen-Reinigungs-
Maschine vor dem Höllenstein-Kraftwerk sind am Donnerstag gegen 13.45 Uhr über 26
Tonnen Eisen und Stahl in den Stausee gestürzt. Der Autokran eines Straubinger Spezialunternehmens hatte aus bisher unbekannter Ursache das Übergewicht bekommen,
war von der betonierten Uferschüttung abgerutscht und hinter der Maschine her auf
den acht Meter tiefen verschlammten Grund gesunken. Die schwierigen Bergungsarbeiten,
 an denen unter anderem auch vier Taucher der Berufsfeuerwehr Regensburg beteiligt waren, konnten erst am Freitag nachmittag erfolgreich abgeschlossen werden.
Der Gesamtschaden ist freilich hoch: Nach ersten Schätzungen der Experten dürfte er
rund eine halbe Million Mark betragen.

■ Im Zuge der Rationalisierung und Automatisierung hatte das Höllenstein-Kraftwerk unlängst zwei neue Rechen-Reinigungsmaschinen installieren lassen, das sind Maschinen, die die Rechen vor dem Wassereinlauf zu den Turbinen vor dem sich ansammelnden Schmutz säubern. Die kleinere, 2,3 Tonnen schwere und fünf Meter breite Maschine funktionierte jedoch schon bald nicht mehr: Die Antriebskette war abgesprungen. So wurde das Gerät wieder herausgezogen und instand gesetzt. Als es am Donnerstag erneut eingelassen werden sollte, passierte das Unglück.

■ Bis Redaktionsschluss war nicht zu erfahren, warum der 24-Tonnen-Autokran schon bei einem Bruchteil seiner Belastbarkeit das Gleichgewicht verlor und vornüber in den See stürzte. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die ins Wasser eingelassene Rechen-Reinigungs-Maschine irgendwo verfangen hat, der Fahrer, Chef des Spezial-Unternehmens aus Straubing, kämpfte bis zur letzten Sekunde um seinen nur wenige Wochen alten, 200 000 DM teuren Autokran. Erst als er sah, dass die Gefahr nicht mehr zu halten war, sprang er ab. Ihm geschah nichts.

■ Nachdem das Höllenstein-Kraftwerk am Freitagnachmittag gänzlich abgeschaltet worden war — es produziert jeden Tag durchschnittlich für knapp 10 000 Mark Strom — konnte mit den Bergungsarbeiten begonnen werden. Vier „Froschmänner“ der Berufsfeuerwehr Regensburg orteten die Lage des auf dem Seegrund umgestürzten Autokranes, bereiteten die Experten, wie Ausleger und Reinigungsmaschine auseinandergebracht werden können und sprangen immer wieder in das eiskalte Wasser, um beim Anbringen der Stahlseile zu helfen. Zur Bergung war inzwischen ein 60-Tonnen-Autokran aufgefahren. Die Taucher mussten sich in den Pausen mit heißem Wasser übergießen lassen: Ihre synthetischen Anzüge isolierten bei der Kälte nur leidlich.

■ Nach fünf Stunden war es soweit: Die inzwischen wieder defekte Rechen-Reinigungs-Maschine, die höchstwahrscheinlich auch die größere in Mitleidenschaft gezogen hat, konnte aus verdrecktem Wasser gehievt werden. Haymo Richter sorgte im Auftrag der alarmierten FFW Kötzting dafür, dass das aus dem Kranwagen auslaufende Dieselöl in einer Sperre gebunden wurde. Dann musste einer der Taucher ein letztes Mal hinunter, um den Lasthaken am Ausleger anzubringen. Langsam konnte der Autokran aus dem Wasser an Land gezogen werden.

■ Die Höhe des Sachschadens wird auf rund 500 000 Mark geschätzt. Der totalbeschädigte Autokran kostete 200 000 Mark, die beiden Rechen-Reinigungs-Maschinen je 100 000 Mark. Dazu kommen der finanzielle Verlust infolge der vorübergehenden Kraftwerk-Stilllegung — in den nächsten Wochen wird wahrscheinlich nur die Hälfte der Leistungsfähigkeit erreicht werden — und last notgedrungen die hohen Bergungskosten.

■ Nachdem Höllag-Direktor Jahn schon am Vormittag bei den Bergungsarbeiten mitgeholfen hatte, traf am Nachmittag noch Prominenz ein: Straubings Oberbürgermeister Ludwig Scherl, sein Stellvertreter Bräuherr sowie Oberbaudir. Feichtmeyer besichtigten die Unfallstelle. Das Höllenstein-Kraftwerk ist im Besitz einer Aktiengesellschaft, die ihren Sitz in Straubing hat.

Hier nun die Fotostrecke:

An der Unfallstelle: Straubings Oberbürgermeister Scherl (Mitte), im Vordergrund sein Stellvertreter Bräuherr, dahinter Oberbaudirektor Feichtmeyer



















Um den Bericht über das Kraftwerk zu vervollständigen, hier noch einige Bilderstrecke über vorhergehende Sanierungsmaßnahmen, wie den Austausch von Turbinen im Jahre 1972 und erneute Fotos aus dem Turbinenraum von 1973.

Hier zunächst die Bilder aus dem Jahre 1973:

Auch wenn die Bilder den Hinweis auf einen Zeitungartikel vom 31.1.1973 tragen, ist doch kein solcher Artikel aufzufinden: Der Kurztext auf dem Notizzettel lautete: Neue Turbinen für das Höllensteinseekraftwerk.




Die Bilder aus dem Jahre 1972 hatten nur den Vermerk auf das Erscheinungsjahr, sind aber umso eindrucksvoller, weil sie die Arbeiten an den Turbinen im Schacht so deutlich abbilden:











Schwind 


🗺️ Ein Tipp zum Schluss:
Seit Herbst 2025 gibt es außerdem die interaktive Karte Kötztings.
Dort sind Beiträge zur Häuserchronik und viele weitere historische Themen direkt im Stadtplan verortet – jeder Marker führt per Klick zum passenden Blogbeitrag.
Die Karte funktioniert am PC ebenso wie auf dem Smartphone und kann sogar als kleine App gespeichert werden.
 ⭐ Umland  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Umland zu finden.  

👉 Interaktive Karte Kötzting öffnen    🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen


Mittwoch, 28. Januar 2026

Kötztinger Geschichte(n) als Interaktive Karte

  „Kötztinger Geschichte(n) – Interaktive Karte“


Neu in der interaktiven Karte

Die interaktive Karte „Kötztinger Geschichte(n)“ wird laufend erweitert. Neben Häusern, Personen, Orten und Wegen sind inzwischen drei neue Module hinzugekommen, die den Blick auf Kötztings Geschichte deutlich erweitern:

🏛 Vereine & Veranstaltungen
Dieses Modul bündelt historische und aktuelle Vereine, Feste, Jubiläen und besondere Ereignisse des gemeinschaftlichen Lebens. Viele dieser Themen sind nicht an ein einzelnes Haus gebunden, prägen aber das Stadtbild und das soziale Gefüge Kötztings seit Generationen.

🎧 Podcasts
Hier finden sich Audiobeiträge zur Kötztinger Geschichte: Gespräche, Erzählungen und thematische Reihen, die Hintergründe vertiefen und historische Zusammenhänge hörbar machen. Die Karte dient dabei als räumlicher Einstieg zu den einzelnen Podcastfolgen.


Die bestehenden Inhalte bleiben dabei unverändert:
Jeder Marker führt weiterhin direkt zum zugehörigen Blogbeitrag mit Bildern, Texten und Quellen. Die Karte wächst damit nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Tiefe.

Die folgenden Abbildungen zeigen exemplarisch den aktuellen Ausbaustand der neuen Module.

Gruppe: Vereine und Veranstaltungen mit einigen bereits verlinkten Blogbeiträgen

Markergruppe Podcasts


Alle neuen Module enthalten bereits erste verlinkte Beiträge; der Bestand wird laufend erweitert. Ein regelmäßiger Blick auf die Karte – oder die App – lohnt sich daher.
Apropos App:

Die Karte als App nutzen

Die interaktive Karte „Kötztinger Geschichte(n)“ lässt sich nicht nur im Browser aufrufen, sondern auch wie eine App auf dem Smartphone installieren. Mit wenigen Handgriffen kann sie direkt auf dem Startbildschirm abgelegt werden und steht dann jederzeit griffbereit zur Verfügung – ganz ohne App-Store, Download oder Registrierung.

In dieser App-Ansicht eignet sich die Karte besonders für Spaziergänge, Rundgänge und Entdeckungen vor Ort: Marker lassen sich direkt am Standort öffnen, Inhalte bleiben übersichtlich, und die Karte ist jederzeit nur einen Fingertipp entfernt. So wird Stadtgeschichte unterwegs erlebbar – als persönlicher Begleiter durch Bad Kötzting.





Grundidee und Ausgangspunkt der Karte

Die interaktive Karte „Kötztinger Geschichte(n)“ ist aus dem Bedürfnis entstanden, die im Blog über viele Jahre gewachsenen Einzelbeiträge in einer gemeinsamen räumlichen Übersicht zusammenzuführen. Ausgangspunkt waren zunächst die Häuserchronik, einzelne Personenporträts sowie ortsbezogene Beiträge zu Ereignissen und Wegen.

Ein erster Blick auf die digitale Karte von Bad Kötzting macht dieses Grundprinzip sichtbar: Jeder farbige Marker steht für einen Themenbereich. Durch das Ein- und Ausblenden einzelner Gruppen lassen sich gezielt bestimmte Aspekte der Stadtgeschichte erkunden und miteinander vergleichen.
Hier nun einige Beispiele, wie sich die Darstellung der Karte nach dem Aufruf eines bestimmten "Markers" verändert.

"Kötztinger Allerlei" aufrufbar über den weißen Pfeil

Hier der derzeitige online gestellte Bestand an Beiträgen für die Kötztinger Häuserchronik:




oder als anderes Beispiel, die unterschiedlichen Standorte unserer Schilderaktion:  



So wurde und wird jedes Haus, jede Person und auch manches Ereignis (etwa Pfingstritt oder Wanderungen) mit einem farblich unterschiedlichen Symbol markiert.

 Was man entdecken kann

Die Karte vereint verschiedene Themenbereiche, die durch eigene Markersymbole erkennbar sind:

  • 🏠 Häuser und Anwesen –Historische Gebäude mit Angaben zu Besitzern, Bewohnern und Nutzung. Die Beiträge der Häuserchronik werden hier nach und nach vollständig eingepflegt.

  • 👤 Personen – Markante Kötztingerinnen und Kötztinger, deren Lebenswege eng mit bestimmten Häusern oder Orten verbunden sind.

  • 🪧 Schilderaktion Orte – Standorte der Erinnerungstafeln an besondere Gebäude, Plätze und historische Zusammenhänge.

  • 🎠 Pfingstritt – Stationen, Wegpunkte und historische Bezüge rund um den Kötztinger Pfingstritt.

  • 💙 Räuber Heigl –Orte und Schauplätze der Heigl-Überlieferung im Raum Kötzting.

  • 🚶 Wanderungen – Historische Wege, Routen und thematische Spaziergänge.

  • 🌄 Umland – Orte, Dörfer und markante Punkte außerhalb des Stadtgebiets mit direktem Bezug zur Kötztinger Geschichte.

  • 🪧 Kötztinger Allerlei wie das Wort schon sagt, alles Mögliche aus Kötztings Geschichte, so es an einen bestimmten Platz festgemacht werden kann.

  • 🏛 Vereine & Veranstaltungen – Historische und aktuelle Vereine, Feste, Jubiläen, Fahnenweihen und besondere Ereignisse des gemeinschaftlichen Lebens, die nicht an ein einzelnes Haus gebunden sind, aber das Stadtbild und die Geschichte Kötztings geprägt haben.

     🎧 Podcasts – Audiobeiträge zur Kötztinger Geschichte: Gespräche, Erzählungen und thematische Reihen, die Hintergründe vertiefen und historische Zusammenhänge hörbar machen.

  • ⏳ Chroniken – Zeitlich geordnete Ereignisse, Entwicklungen und Einschnitte der Stadtgeschichte, die entlang eines Zeitpfeils dargestellt werden und einen Überblick über längere historische Abläufe ermöglichen.


Hier der Bildschirmausschnitt für die Markergruppe: Pfingstritt zur Visualisierung einiger Stationen unseres Pfingstrittes
Hier die Marker für die Schilderaktion "Personen"

Markergruppe für die historischen Wanderungen 


Was die Karte derzeit bereits leisten kann: 

Funktionen der Karte

Die Anwendung erlaubt das gezielte Umschalten zwischen Themenbereichen, das Anzeigen historischer Bilder direkt am jeweiligen Standort sowie den direkten Zugriff auf die zugehörigen Blogbeiträge. Zusätzlich kann eine historische Kartenebene eingeblendet werden, die den Vergleich zwischen heutiger Topografie und früheren Zuständen ermöglicht. Auf diese Weise lassen sich Veränderungen im Stadtbild und im Umfeld anschaulich nachvollziehen. Die Karte ist sowohl für die Nutzung am PC als auch auf mobilen Geräten optimiert. Sie erkennt automatisch, ob der Aufruf am Desktop oder am Smartphone erfolgt, und lädt die jeweils passende Version. 

Nutzung unterwegs

In der mobilen Ansicht ist die Karte besonders für Spaziergänge und Rundgänge gedacht. Marker lassen sich direkt vor Ort aufrufen, so dass historische Informationen unmittelbar mit dem aktuellen Standort verknüpft werden können.

Zukunftsmusik:

Derzeit  arbeite ich an einer Erweiterung, um die vielen Veranstaltungen rund um unser Pfingstfest und eine Stadtrallye mit einzubinden.
Was man sich vorstellen könnte, wäre die Geschichte der einzelnen Feuerwehren oder Schützenvereine des Bad Kötztinger Stadtgebietes als eigene Markergruppe darzustellen.



Hier geht’s zur Karte

💡 Tipp: Karte als App nutzen
Sie können die interaktive Karte auch wie eine App auf Ihrem Smartphone installieren – ganz ohne App-Store.
Android: Browser-Menü → „App installieren“ oder „Zum Startbildschirm hinzufügen“
iPhone: In SafariTeilen„Zum Home-Bildschirm“
🚀 Programm starten

(öffnet in einem neuen Browser-Tab)

(Die Seite erkennt automatisch, ob Sie mit PC oder Smartphone unterwegs sind, und öffnet die passende Version.)

 © Mente Pongratz  

Stadtarchiv Bad Kötzting

Montag, 26. Januar 2026

Eine Ära geht zuende - eine neue beginnt

Das Kötztinger Krankenhaus wird Kreiskrankenhaus


Vor 50 Jahren, im Januar 1976, endete die Ara des Seraphischen   Liebeswerkes als Träger des Krankenhauses in Kötzting mit der   Übernahme des Hauses als Kreiskrankenhaus des Landkreises   Cham.
  45 Jahre lang war diese soziale Stiftung unter der Ägide des  Präses Pater Emmeram Glasschröder auch für das Krankenhaus   Kötzting zuständig und hatte dieses nicht nur die viele Höhen   und Tiefen geleitet, sondern auch weitgehende Um- und   Neubauten am Haus vorgenommen, das gleichzeitig eines der     ältesten Häuser Kötztings ist, einer seiner Urhöfe, der   Gschwandhof. 


Praeses des Seraphischen Liebeswerkes aus Altötting: Pater Emmeram Glasschröder


Die Geschichte des Gschwandhofes auch mit den verschiedenen Bauphasen vom Wohnhaus der Familie Schrank, hin zum ersten Bezirkskrankenhaus und weiter bis zum großen Krankenhaus in Kötzting mit den Mallersdorfer Schwestern wurde bereits in der Häuserchronik dokumentiert.

Parallel dazu gibt es noch ein paar Geschichten am Rande, die in der Entstehungszeit des Kötztinger Krankenhauswesens so angefallen sind. Unter dem Titel: "Krankenhaus-„Geschichten“ hatte Frau Serwuschok für den Bericht vom 11.1.1976 einige Recherchen im Stadtarchiv zusammengefasst:

Die Krankenanstalt Kötzting wurde im Jahre 1845 ins Leben gerufen. So steht es in alten Akten zu lesen, die wir im Stadtarchiv aufgestöbert haben. Als Eigentümer dieses ersten Krankenhauses wird die Marktgemeinde genannt.

Hinweis: 1845 war das Kötztinger Krankenhaus aber noch nicht in diesem Gebäude, sondern im alten Ecklshof in der heutigen Schattenausstraße untergebracht, das das erste Bezirkskrankenhaus Kötztings geworden war.

RAUMNÖTE. 8. Dezember 1867, vom königlichen Bezirksamte Kötzting an die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting, betr.:
„Die Unterbringung von Spitalpfründnern in die für die Distriktskrankenanstalt zu Kötzting bestimmten Räumlichkeiten ist dem Institute hinderlich und störend, weshalb der Magistrat hiemit aufgefordert wird, jene Leute aus dem Krankenhause zu entfernen und anderstwo geeignet unterzubringen und, wie dies geschehen, binnen 14 Tagen hieher anzuzeigen.“ Der Magistrat antwortete am 20. Dezember 1867: „Indem man den heute gefaßten magistratlichen Beschluß vorlegt, wagt man zu bitten, das königliche Bezirksamt wolle bei den durch Brandunglück veranlaßten, jetzt bestehenden Verhältnissen den Beschluß endgültig genehmigen und solange es möglich ist, wegen der Unterbringung der Spitalleute in Privatwohnungen huldvollst Nachsicht tragen.“

Hinweis: Anfang Juni 1867 wütete in Kötzting ein schrecklicher Marktbrand, der eine Hälfte der Marktstraße in Schutt und Asche gelegt hatte, darunter auch das Bürgerspital, dessen Pfriemdter nun auf der Straße standen und vom Magistrat untergebracht werden MUSSTEN:


BAUPLATZ. 23. Juni 1868: „Für die 31 Gemeinden des königlichen Landgerichts Kötzting soll ein Krankenhaus hierorts erbaut werden. Gegenwärtigst handelt es sich um Ausmittelung eines Bauplatzes. Nach Ansicht des k. Bezirksarztes wird sich hiezu ein Theil von dem Grundstücke bey dem vom Magistrate für eine Pfründenanstalt erworbenen Anwesen des Hutmachers Amberger eignen. Das zu erbauende Krankenhaus soll ein Bauwerk von 45 bis 50 Länge und 30 Tiefe werden, mit Hinzugabe einer Grundfläche von 75 Dezimalen für einen Garten.“

Hinweis: es gab bereits Pläne, auf dem heutigen Spitalplatz einen großen Neubau zu errichten, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Es reichte jedoch nur für den Ankauf des Häuschens, um daraus das neue Bürgerspital zu machen.

MITBENÜTZUNG. 17. Juli 1870 vom Bezirksamtmann an den Magistrat: „Die k. Regierung hat, wie bekannt ist, wiederholt die Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses in Kötzting angeregt, der Distriktsrath aber hat in haus eigener Frühjahrsversammlung beschlossen, es sei vorläufig von Erbauung eines eigenen Distriktskrankenhauses Umgang zu nehmen, dagegen mit dem Magistrat bezüglich der Benützung des örtlichen Krankenhauses wiederholt ins Benehmen zu treten und auf eine Reihe von Jahren eine Übereinkunft mit dem Magistrat zu treffen. Es ergeht nun an den Magistrat Kötzting der Auftrag, binnen 14 Tagen die bezüglichen Vorschläge in billiger Weise zu machen…“

GELDNöTE. Aktennotiz: „Nachdem aber im Laufe der Zeit das Bedürfnis zur Erlangung eines eigenen Distriktskrankenhauses immer mehr in den Vordergrund getreten ist, ein Neubau enorme Kosten forderte, welche der Distrikt bei seiner geringen Steuerkraft nicht zu erschwingen vermochte, so wurde im Jahre 1871 mit Josef Windorfer, wohnhaft zu Harras, Besitzer des sogenannten Schwandhofes bezüglich der Erwerbung dieses Anwesens als Distriktskrankenanstalt ins Benehmen getreten und haben der Distriktsausschuß und der Distriktsrath im November 1871 beschlossen, das genannte Anwesen um 9000 Gulden käuflich zu erwerben und die Abtragung ihrer Schuld aus Renten des Distriktsgebäudefonds in 10 Jahren zu bewerkstelligen. Nach Regierungsentschließung vom 24. September 1872 wurde der sogenannte Schwandhof in Kötzting zur Adoptierung als Distriktskrankenhaus für den Amtsgerichtsbezirk Kötzting geeignet befunden, und der Beschluß des Distriktsrathes, das genannte Gebäude um die Summe von 9000 Gulden zu erwerben und dasselbe mit einem auf 1322 Gulden veranschlagten Kostenaufwand als Distriktskrankenhaus einzurichten, genehmigt. Zweck der Anstalt ist, Kranke die erforderliche Verpflegung und ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen…“

EMPFANG. Vom königlichen Bezirksamt Kötzting schreibt der Vorstand v. Schacky an den Magistrat Kötzting am 12. April 1894:
„Am Montag den 16. ds. Mts. mit dem Nachmittagszuge werden die Krankenschwestern dahier eintreffen und sogleich nach ihrer Ankunft vor dem Krankenhause in feierlicher Weise in dasselbe eingeführt werden. Zur Antheilnahme an diesem feierlichen Akte lade ich hiemit den Magistrat unter dem Ersuchen ein, gleiche Einladung in meinem Namen auch an das Collegium der Gemeindebevollmächtigten ergehen zu lassen.“ Bürgermeister Drunkenpolz gab die Einladung weiter. Nachsatz: „Das Gemeinde-Collegium wird hiezu durch eigenes Cirkular eingeladen.“

 

Kötztinger Ära des Seraphischen Liebeswerkes ist zu Ende
Durch 45 Jahre Werke der Liebe an Kindern und an Kranken

Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes


Vom segensreichen Wirken des Seraphischen Liebeswerkes Altötting profitierte Kötzting seit 1930. Das war das Jahr, in dem Schwester M. Emmerama Glasschröder von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf als Oberin hierher kam. Ihr Onkel, der Kapuzinerpater Emmeram Glasschröder, ein gebürtiger Sommerauer, war zu dieser Zeit bereits Generalpräses des Seraphischen Liebeswerkes, das nun die Trägerschaft für das St.-Josefs-Heim, ein Waisenhaus, übernahm.
Onkel und Nichte, von gleichen Sendung erfüllt und eins in den Bemühungen, elternlosen, armen oder gefährdeten Kindern ein neues Zuhause zu geben, fanden zu der denkbar besten Zusammenarbeit. Sie schufen mit vereinten Kräften bleibende Werte und Werke. Sie kapselten sich nicht in klösterlicher Beschaulichkeit von der Welt ab, sondern dienten ihr und den Menschen nach dem Reichtum der Gaben und Fähigkeiten, die ihnen der Herrgott geschenkt hat.
Das Josefsheim wurde aufgestockt, eine Nähschule betrieben, der Kindergarten unterhalten. Die Einrichtungen trotzten der politischen Entwicklung, überlebten das Dritte Reich.

Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm das Seraphische Liebeswerk 1947 auch das Kreiskrankenhaus mit seinen 34 Betten, die schon bald nicht mehr ausreichten. Die Einwohnerzahl hatte sich im weiten Umkreis durch den Strom der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. „Himmelstürmendes Gottvertrauen“ wird Pater Emmeram nachgerühmt. Das seiner Nichte dürfte nicht kleiner gewesen sein, als sie den notwendigen Um- und Ausbau einleitete. In dieser Sturm- und Drangperiode, in die auch noch die Währungsreform hereinplatzte, bewies die Klosterfrau, dass sie sehr wohl ihren Mann zu stehen vermag. Sie richtete zunächst ein Behelfskrankenhaus im Hotel „Zur Post“ ein, wo gerade die Amerikaner abgezogen waren, und ging „auf den Bettel“, vor allem im Lamer Winkel, um Naturalien gegen Baumaterial eintauschen zu können. Und höher als alle Widerwärtigkeiten wuchsen schließlich die Mauern des neuen Krankenhauses, das Bischof Dr. Michael Buchberger am 14. Oktober 1949 einweihte. 
Von diesem großen Tag der Einweihung des Krankenhausneubaues gibt es eine beeindruckende Bilderserie von Josef Barth sen.

Foto Josef Barth: Die Pater des Seraphischen Liebeswerkes warten auf den Bischof Michael Buchberger am 18.10.1949


Foto Josef Barth: Bischof Michael Buchberger


Foto Josef Barth: links zu erkennen: Bgm Hans Kroher, Max Wanninger der Kripperlvater, Pfarrer Josef Dietl. rechtes KB Krämer

Foto Josef Barth: Pater Emmeram Glasschröder und Bischof Dr. Michael Buchberger

Foto Josef Barth: 18.10.1949


Foto Josef Barth: 18.10.1949 Bild eines Krankenzimmers im Neubau 

Foto Josef Barth: 18.10.1949  rechts Pater Emmeram und KB Krämer


 
Jetzt standen hundert Betten zur Verfügung. Ihre Zahl wurde durch einen zweiten Umbau 1956/57 auf 130 erweitert. 1962 wurde das Waisenhaus aufgelöst und die Räumlichkeiten als Schwesternwohnhaus genützt. Nach „Umsiedlung“ des Kindergartens, ebenso wie in den neuen Gebäuden, die im Hof errichtet wurden, zusätzlicher Platz gewonnen werden. Trotzdem ist jetzt ein Neubau dringend notwendig. Die Weichen sind gestellt, die ersten Schritte in diese Richtung getan.

Das Krankenhauswesen in unserer Stadt steht an einer Wende. Das Bemühen, den Kranken optimale Hilfe zuteil werden zu lassen, wird unverändert bleiben. Pioniertaten haben Generalpräses Pater Emmeram und Frau Oberin M. Emmerama geleistet. Die Stadt bedankte sich bei beiden, indem sie ihnen das Ehrenbürgerrecht verlieh. 

Pater Altmann, der im Mitteilungsblatt des Seraphischen Liebeswerkes vom August 1950 den Nachruf auf den Generalpräses geschrieben hat, erinnerte sich:
Ich fuhr einmal mit ihm durch den Bayerischen Wald. Da wurde er nimmer fertig, mir die Schönheiten der Gegend zu erklären, da brachte er das Auge nimmer weg von seinem Arber und seinem Osser, da lebte alles in ihm. Er hielt eben doch seine Heimat für das allerschönste Flecken Erde!

Für diese Heimat und für ihre Menschen konnte er über Josefsheim und Josefskrankenhaus wirksame Hilfe bringen. Neben seinem Gottvertrauen war es die Liebe zu den Kindern, „die die Seele seiner Arbeit war“. Er fühlte sich als Vater aller Pfleglinge. Er hatte ein Herz für die Kleinen, und je ärmer und verlassener ein Bub war, desto mehr schloss er ihn in sein Herz. Er glaubte an das Gute in den Kindern; mochten die Familienverhältnisse bei den einzelnen noch so verworren und zerrüttet sein, er gab seinen Glauben nicht auf, dass sich aus diesen Kindern doch noch etwas machen ließ. Und keine Enttäuschung konnte ihm diesen Glauben rauben. Er hatte seine Kinder einfach viel zu lieb.

Zwei Menschen, ein Ziel und Arbeit in Fülle

Ähnliches ließe sich auch von der Kötztinger Oberin sagen, die die Mutter aller ihrer Pfleglinge war und bis heute an deren Schicksal aktiven Anteil nimmt. Pater Emmeram, der noch den hl. Bruder Konrad persönlich gekannt hat, ist 1950, am Feste Peter und Paul, im Kapuzinerkloster St. Anton in München (wo er ein Priesterjubiläum mitgefeiert hatte), an einem Gehirnschlag gestorben, nach einem Leben, das erfüllt war von Liebe, Gebet und Arbeit.

Groß war die Trauer nach dem Tode des Wohltäters und Ehrenbürgers nach seinem überraschenden Tod und Kötztinger waren nicht nur bei seiner Beerdigung zugegen, sondern hielten auch eine Trauersitzung im Rathaus ab.

Foto Josef Barth: Beerdigung Pater Emmeram Glasschröder

Foto Josef Barth:

Foto Josef Barth: Aufbahrung

Foto Josef Barth: Trauersitzung im Kötztinger Rathaus

Seine Nichte, Schwester M. Emmerama, war hier in Kötzting seines Werkes treue Verwalterin, unermüdlich auch jetzt noch, da die Last des Alters getragen sein will. Für das, was sie geleistet hat, verlieh ihr der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das ihr Ministerialdirektor Dr. Hans Schmatz, ein Landsmann, am 13. Dezember 1974 überreichte. „Ich freue mich auch für meine Mitschwestern, dass unserem Hause diese Ehre widerfahren ist“, sagte sie damals bescheiden. Und: „Der liebe Gott möge weiter helfen.“ Eine Bitte, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Die Ära des Seraphischen Liebeswerkes in Kötzting ist zu Ende gegangen. Der Landkreis als neuer Träger des Hauses weiß den Mallersdorfer Schwestern Dank dafür, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in Kötzting fortzusetzen, mit den Oberinnen M. Emmerama und M. Konradina an der Spitze. Die Phase der Umstellung bringt für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung, von denen die Patienten freilich nichts merken sollen, nichts merken dürfen und nichts merken werden. Ihnen gilt wie eh und je die Fürsorge aller, die im Dienst an den Kranken nunmehr im Kreiskrankenhaus St. Josef stehen: Ärzte, Schwestern, Verwaltungs- und Hilfspersonal.

Kötztings Ehrenbürgerin Frau Oberin Emmerama Glasschröder, Gratulant Feuerwehrvorstand Michl Traurig.


Am 14.1.1976 hieß es dann:



Die Kötztinger Ordensschwestern mit ihrem neuen Dienstherren, dem Landrat Girmindl.

 Dieser Beitrag ist Teil der interaktiven Karte „Kötztinger Geschichte(n)“. Dort sind die hier vorgestellten Themen – ebenso wie viele weitere Beiträge zur Orts-, Häuser- und Alltagsgeschichte – räumlich verortet und direkt miteinander verknüpft. Jeder Karteneintrag führt mit einem Klick zum passenden Blogbeitrag. Die Karte kann am PC, auf dem Smartphone oder – auf Wunsch – auch als App genutzt werden.     
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Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei eingeordnet.