Translate

Freitag, 19. Juni 2026

Pfingstimpressionen 2026

Eine  Bilder-Wanderung durchs Pfingstfest 2026


Wie in all den Vorjahren, habe ich auch in diesem Jahr wieder unser langes Pfingstwochenende genossen und war mehrmals mit meiner Kamera mittendrin im Geschehen als Pfingstreiter, als Mitglied des Burschenvereins oder habe mich einfach treiben lassen in unseren Traditionen.

Hier also, in leicht chronologischer Folge, einige Impressionen von interessanten, fröhlichen und manchmal auch anstrengenden Momenten.

Es ist eigentlich kein Wunder, dass man im 19. Jahrhundert – wenn auch historisch völlig zu Unrecht – den Kastanienbaum zeitweise für das Wappen des Marktes Kötzting hielt. Fast jedes Jahr steht er pünktlich zum Pfingstfest in voller Blüte und prägt das Ortsbild auf besondere Weise. Auch heuer zeigte er sich von seiner schönsten Seite.
Foto Pongratz im Mai 2026

Freitag


Dann geht es endlich los. Am späten Freitagnachmittag treffen sich die Burschen traditionell zur Burschenkneipe in der Lindnerhalle. Verschiedene Redner stimmen auf die bevorstehenden Festtage ein und machen deutlich: Jetzt beginnt das Kötztinger Pfingsten.


Auf meinem Weg dorthin begegnete ich zunächst dem heiligen Benedikt – ebenfalls unter blühenden Kastanien – und kurz darauf den Kötztinger Pfingstbräuten, die sich vor dem ehemaligen Amtsgerichtsgebäude zu ihrem traditionellen Fototermin aufstellten.



Dann ging es endgültig hinunter zur Lindnerhalle – vorbei an der Gedenktafel des Burschenvereins im Kurpark.


Die Burschenkneipe


Burschenvorstand Pfeffer und der Pfingstbräutigam von 2026 Benedikt Aschenbrenner

der geistliche Offiziator Michael Steinhilbler 
Auszeichnungen für "Jubler":  hier durch den Kötztinger Bürgermeister Markus Hofmann für den Pfingstbräutigam von 1976 Hans Auzinger mit seinen beiden Brautführern Heinz Schötz und Albert Hofmann





Am Abend dann nach Hause durch das nächtliche Bad Kötzting:


Foto Pongratz: der Stelenweg im Burggraben

Foto Pongratz: der Stelenweg im Burggraben


Foto Pongratz: der Stelenweg im Burggraben


Foto Pongratz: der Stelenweg im Burggraben


Foto Pongratz: das Voithenleitnerhaus, ein ganz besonderes Anwesen in Kötzting, mit den Wappen der Douzelagestädte, die vor Jahrzehnten diesen tollen Zusammenschluss bewerkstelligten

Foto Pongratz: auch Robert Voithenleitner gestaltete Pfingstmotive


Der Pfingstsamstag


Der Pfingstsamstag begann für mich wie alle Jahre mit dem "Birkerlholen.

Foto Pongratz

Und dann gings auch schon weiter mit dem Standkonzert und dem Bierzelteinzug

Foto Pongratz: Das Pfingstbrautpaar 2006 Romy Weindl und Bene Aschenbrenner mit den beiden Begleitern: 
Maximilian Steidl und Andreas Zimmerer

Foto Pongratz: Der Spielmannszug der FFW Kötzting

Foto Pongratz: die stark vergrößerte Gruppe der Pfingsttuscher

Foto Pongratz: die stark vergrößerte Gruppe der Pfingsttuscher

Foto Pongratz: der Nachwuchs des Kötztinger Spielmannszuges ist bereits in den Startlöchern

Kötztings Honoratioren, allen voran unser Stadtpfarrer Thomas Winderl

Foto Pongratz: der Kötztinger Pfingstl, unverzichtbarer Teil unserer Tradition seit fast 100 Jahren.
Mit der Gründung des Kötztinger Trachtenvereins -1927- wurde auch dieser alte Wasservogelbrauch wieder eingeführt.


Der Pfingstsonntag


Wenn man in Kötzting in der Innenstadt - genauer am Marktplatz -  wohnt, kann man an Pfingsten nur sehr selten lange ausschlafen. Allerdings, seit die Kirchenuhr der St. Veitskirche - diese befindet sich auf fast gleicher Höhe wie unser Schlafzimmer - nicht mehr läutet, hat sich die Situation schon sehr gebessert. 
Beim frühmorgentlichen Gang zum Bäcker erkennt man, dass der Storch schon lange wach ist.


Foto Pongratz: 
Und dann geht´s auch schon wieder los mit dem Spielmannszug:

Der Kötztinger Trachtenverein hält seinen Jahrtagsgottesdienst und beginnt diesen mit einem Kirchenzug herunter vom Marktplatz in die Pfarrkirche.




und gleich noch zwei weitere Filme vom Pfingstsonntag:

Am frühen Abend traf sich der Kötztinger Burschenverein bei uns im Hinterhof - übrigens heuer zum letzten Male, denn ab dem nächsten Jahr wird dieses Treffen im Garten des Pfingstbräutigams von 2025, Niklas Neubauer, stattfinden - am Marktplatz und aufgrund des trockenen und warmen Wetters konnte auf die sonst üblichen Zelte verzichtet werden, was es mir ermöglichte, die Situation im Film festzuhalten.



Schlag - buchstäblich Schlag - 10 Uhr, weil am Marktplatz genau um 22.00 Uhr ein gewaltiger Böllerschuss die nichtsahnenden Zuschauer am Rande erschreckte, setzt sich der Fackelzug in Bewegung und befindet sich damit sofort inmitten der Stadt.




Für jeden Kötztinger heißt es dann schön langsam >>>>> ab ins Bett, denn irgendwann um 4.30 morgens schrillt der Wecker und auf geht´s zu den Pferden. 

Foto Pongratz: es ist 5 Uhr früh und wir warten auf die Pferdetransporter.... im Hintergrund geht die Sonne auf im Zellertal und schimmert durch die Laubbäume.

Foto Pongratz: Carlos heißt zum zweiten Male mein Freund für die nächsten langen und heuer sehr heißen Stunden; 

 
Foto Markus Ziesche

Wir reiten der aufgehenden Sonne entgegen. Die früheren Ritte begannen tatsächlich bereits um 6.00 Uhr.

Foto Mittelbayerische Zeitung 



Nun kommt eines meiner schönsten Fotos von heuer.... mit den Zügeln an der linken Hand und der Fahne am rechten Arm war ich zwar leicht gehandicapt .....  als ich aber die Nikolauskirche in der Ferne gesehen habe, musste ich einfach reagieren .....  no Risk no Fun...


Foto Pongratz: Zentral in der Mitte das Ziel des Pfingstrittes nach der Anhöhe des Zweiten Evangeliums

Heiß wars heuer....

Foto Pongratz Sabine: Die wichtigste erste Hälfte des Pfingstmontags ist geschafft, nun gehts hinein in die zweite ......




Und schon sind wir mitten drin im ersten Brautzug mit dem Empfang des Pfingstbrautpaares beim Ehrentrunk:


Der Ehrentrunk vorm Alten Rathaus

Das Pfingstbrautpaar 2006 Romy Weindl und Bene Aschenbrenner mit den beiden Begleitern: 
Maximilian Steidl und Andreas Zimmerer





Und dann wird die Aufmerksamkeit noch einmal auf das Brautpaar des Vorjahres gelenkt, die am Pfingstmontag in "Farbe" kommt,  also ihrem Kleid vom Pfingstdienstag 2025.


Foto Pongratz: der perfekte Kranzwurf





 
Foto Pongratz: die Pfingstbraut von 2026 Romy Weindl






Und weiter geht's mit dem Brautzug bis zum Ziel der Ballsaal im Hotel zur Post mit der Huldigung durch die Burschen und die versammelten Musikkapellen.



Foto Pongratz: und wieder kündigen die Pfingsttuscher die Ankunft des Brautzuges an

Der erste anstrengende Tag ist fast geschafft - jetzt folgt dann die Pfingsthochzeit
Das Pfingstbrautpaar 2006 Romy Weindl und Benedikt Aschenbrenner mit den beiden Begleitern: 
Maximilian Steidl und Andreas Zimmerer


Das Pfingstkranzl und der "Favorit" 2025





Pfingstdienstag


Natürlich zuerst die Frage aller Fragen am Dienstag: welche Farbe wird wohl das Brautkleid am zweiten Tag haben >>>>> Antwort Himbeerrot

Foto Pongratz: Die Pfingstbraut Romy Weindl am elterlichen Balkon


Und dann kommt der Auftritt in den Straßen Kötztings und die Frage nach der Farbe ist geklärt:





Was folgt ist eine weitere öffentliche Vorstellung des Pfingstbrautpaares vor dem Alten Rathaus


Ein letztes Mal wird auch die Pfingstbraut des Vorjahres aktiv: hier nun in ihrem weißen Kleid:

Foto Pongratz


Foto Pongratz: Am Pfingstdienstag sind traditionell die Altburschen mit eigener Musikkapelle und eigener Fahne dabei und ebenso traditionell MUSS der Altbursche, der zuletzt geheiratet hat, die Fahne tragen. (Man sollte sich also als Kötztinger Bürger bei der Festlegung seines Heiratstermins vorher so seine Gedanken machen .......)

 

Mittwoch


Wie eingangs bereits kurz angerissen, ist es im "Markt" herinnen an Pfingsten fast nicht möglich, sich auszuschlafen..... 
Was uns heuer früh aus den Betten holte war der Dritte Brautzug, der uns aber mit flotten Trommelwirbeln und Akkordeonmusik das Aufwachen versüßte.

Foto Pongratz: der Dritte Brautzug beim "Graßl-Beck" in der Metzstraße, vorher gab es ein längeres Standkonzert beim Zimmerer am Marktplatz.

Zum Abschluss dieser kleinen Rückschau noch eine kurze Szene, die eindrucksvoll verdeutlicht, mit welcher Freude und Hingabe auch die Akteure am Rande des Geschehens ihre Aufgabe erfüllen.
Am Pfingstdienstag, nach ihrem Auftritt, war den wenigen Mitgliedern des Spielmannszuges, die noch eine - längere - Weile im Posthof geblieben waren, die besondere Pfingststimmung förmlich anzusehen. In ihren Gesichtern und ihrem unbeschwerten Miteinander schien sich der bekannte Ausspruch Hubrichs zu erfüllen: „Pfingstfreud ist ins Land gezogen.“



Unsere kleine Bilder-Wanderung endet hier. Die Erinnerungen an diese besonderen Tage werden dagegen noch lange nachwirken. Und wie man in Kötzting so schön sagt: Nach Pfingsten ist vor Pfingsten. Auf ein frohes Pfingstfest 2027!


Foto Pongratz 


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

 ⭐ Pfingstritt Pfingstritt Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Pfingsten in Bad Kötzting. 



Viel Freude beim Entdecken!

                                              🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen

 




Dienstag, 9. Juni 2026

Eintauchen in Kötztings Untergrund

Selbst in einem Rathaus lohnt es sich, gelegentlich zu stöbern. Ausgelöst durch die aktuellen Umbaumaßnahmen werden derzeit auch Räume  und Regale im Keller umgeräumt, in denen sich an einigen Stellen auch noch versteckte Kleinigkeiten fanden.
In diesem Fall kam dabei eine unscheinbare Papprolle zum Vorschein, die einen großformatigen Plan enthielt, ein zentrales Dokument, das eigentlich zu einer Umfangreichen Einzelplansammlung gehörte und nun einen festen Platz in unserem Archiv erhält.

Es war im Jahr 1992 der Bergbauingenieur Walter Schneider, der sich gemeinsam mit Franz Emberger der Fleißarbeit angenommen hatte, die Kötztinger Keller und unterirdischen Gänge zu erforschen, zu vermessen und in einem Gesamtplan zu dokumentieren.

Haus für Haus - bzw. eben Keller für Keller - hatten die Beiden besucht, vermessen und in einem Manuskript genau bezeichnet.

StadtA Kötzting Kötztings/Archivalien digitalisiert/Altkötzting/ Keller 07-44
Hier der Keller unter dem Anwesen Achtler/Pfeffer, eine Kellerlandschaft, die wohl bald nur noch auf dem Papier existieren wird.
In dieser Form haben die beiden herren Schneider und Emberger ihre Forschungsergebnisse dann auf einen Kötztinger Lageplan übertragen.
Da der Plan aus technischen Gründen hier nur in relativ schlechter Qualität dargestellt wird, habe ich das Originalbild auf Google-Drive geladen. Wer dieses Bild in seinem ganzen Detailreichtum sehen und lesen will, kann sich die PDF unter dem folgenden Link herunterladen.

>>>>>>>>>>>link zum *pdf >>>>>>>>>>>>>

Aus mehreren Gründen ist für mich der von ihnen aufgefundene Gang in der heutigen Holzapfelstraße ein ganz besonderer Fund..


Detail mit dem unterirdischen Gang.

Besonders ist dies, weil ich auf diesen Gang bereits von mehreren Seiten angesprochen wurde und das immer mit der Bezeichnung "Fluchtgang", was ich aber aus zwei Gründen immer verneint habe.


1. Macht ein Fluchtgang parallel zur Marktbefestigung überhaupt keinen Sinn, ein solcher müsste im rechten Winkel zum Bollwerk angelegt werden, um eben eine Flucht hinaus aus Kötzting zu ermöglichen.
2. Ist mir bekannt, dass Wolfgang Samuel Luckner bei einer Übereinkunft mit dem Kötztinger Magistrat, sein Quellwasser (Quellgebiet bei Gradis) mit dem  Quellwasser des Marktes vereinigt hat, dafür aber bei einem Wasserstock am heutigen Alten Friedhof - bevor noch irgendwelche Verunreinigungen durch Brunnenanlagen geschehen konnten - einen Teil des nun gemeinsamen Wassers durch die heutige Holzapfelstraße - das Schulgasserl- das damals so genannte Lucknergasserl direkt in sein Anwesen (Hotel zur Post) hat leiten dürfen.

Blickt man auf den Plan des Bergbauingenieurs Schneider, so projektiert auch er genau diese Linie als theoretische Fortsetzung des von ihm aufgefundenen Ganges.
Auch wenn es in den Akten heißt, dass die - hölzerne - Wasserleitung außerhalb des Marktes teilweise offen neben der Straße gelegen hatte, so ist dies im Markt herinnen nicht anzunehmen.
Hinzu kommen noch ein paar Hinweise, die uns Herr Schneider in seinem Manuskript gibt.

"Die Stadt Kötzting wurde auf Zersatzgestein (zersetzte Granit) erbaut.
Einen ähnlichen Untergrund weisen viele Orte im bayerischen Wald und der Oberpfalz auf, und verfügen auch über ein derartiges Gänge- und Kammernsystem.
Schon zur Zeit der Erstbesiedelung benötigten die Bewohner eine "Versorgungsgrube" (kellerähnlicher Raum). Sie bemerkte bei den Grabarbeiten, wie leicht man das Zersatzgestein bearbeiten konnte. Das dabei anfallende Material verwendeten sie beim Wegebau und mit Lehm vermischt als Mörtel.

Schneider spricht in seinem eigenen Kommentar von Wasserleitungen, die in diesen Gängen verlegt worden waren, spricht von einem Fund im Gang vor dem Rathaus (es ist das bekannte mit dem "Schratzellochdeckel verschlossene Gangsystem) und von einer Verbindungsmuffe für Holzrohre und er führt eine Aussage an, dass "in der Torstraße ein niedriger Gang mit Holzrohren war". Das würde wieder genau der von mir beschriebenen Wasserleitung herein von Gradis und der Wasserabzweigung hinein in die heutige Holzapfelstraße passen. 


Einschub
Dem aufgefundenen Plan war auch ein Zeitungsartikel von Alois Dachs beigelegt, in dem  - bei der Befragung durch den damaligen Reporter der Kötztinger Umschau Alois Dach - Herr Schneider die Idee entwickelte, der/die Fluchtgänge hätten alle ein Ziel: die Kirchenburg, so bin ich ganz anderer Meinung, muss allerdings Herrn Schneider zugestehen, dass er 1992 noch nichts von der Lucknerschen Wasserleitung wissen konnte, die ich selber erst in den Nullerjahren im Zusammenhang mit meiner Lucknerbiografie herausgefunden habe.
Auch wenn Herr Schneider und ich zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen.... er folgert ein Fluchtsystem hinunter zur Kirchenburg. Die aufgefundenen Gänge von manch einem Haus zum nächsten könnten auch daher stammen, dass sich die damaligen Kellergräber sehr gerne und sehr leicht über die oberirdischen Grundstücksgrenzen hinweggesetzt hatten und gerne auch in Richtung zum Nachbarn oder noch besser unter die Kötztinger Marktstraße ihre Kellerausschachtungen vortrieben.
Z.B. die früheren Keller bei Texttil Schödlbauer oder im Untergrund der "Alten Metzgerei", um nur zwei zu nennen.
Einschub Ende

Das "unterirdische Kötzting" birgt viele Geheimnisse

Von zweien, die auszogen, sie zu erforschen/Neue Mauern unterbrachen längst alte Fluchtgänge

Walter Schneider, pensionierter Bergbauingenieur aus Zwiesel, konnte gemeinsam mit seinem Helfer Franz Emberger aus Kötzting die Kellerstollen und Fluchtgänge in Kötztings „Unterwelt“ relativ genau vermessen  


Bei der Prüfung der Gänge untersuchte der Fachmann mit dem Hammer auch das Material, aus dem die alten Fluchtwege herausgeschlagen wurden (rechts).

Kötzting (al). Zur Erforschung des unterirdischen Kötztinger Gangsystems machte sich der pensionierte Bergbau-Ingenieur Walter Schneider aus Zwiesel vor zwei Wochen auf den Weg nach Kötzting. Nachdem er sich bei der Stadt sowie bei den Architekturbüros Schnabel und Serwuschok mit entsprechendem Planmaterial und Informationen eingedeckt hatte, durchsuchte und vermaß er gemeinsam mit dem Kötztinger Rentner Franz Emberger – der ihm zum unentbehrlichen Helfer wurde – die noch erhaltenen Keller und Fluchtröhren, die offenbar alle einen gemeinsamen Zielpunkt hatten: die Kötztinger Kirchenburg.

Eine wichtige Erkenntnis hatte Walter Schneider schon im Frühjahr bei einer Kurzvisite im Kötztinger „Schrazelloch“ in der Herrenstraße gewonnen: Der Untergrund der Pfingstrittstadt besteht aus sogenanntem Zersatzgestein, aus sich zersetzendem Granit. Schon in den ersten Besiedlungsphasen, als die Menschen einfache Blockhäuser bauten, hoben sie als „Versorgungsgrube“ bereits kellerartige Räume aus und erkannten dabei, wie leicht das relativ mürbe, aber dennoch tragfähige Gestein zu bearbeiten war. So entstanden unter den ältesten Straßenzügen von Kötzting nicht nur große Kellerräume, die auf bis zu drei Ebenen – aber ganz selten übereinander – angeordnet sind und teilweise ein enormes Fassungsvermögen aufweisen, sondern auch weitverzweigte Fluchtgänge.
Mit zurechtgeschlagenen Gneisbrocken wurden die geschlagenen Gewölbe zunächst stabilisiert, später auch mit Ziegeln kunstvoll ausgemauert, wobei das wichtigste „Zubehör“ stets die Luftschächte waren, die ein trockenes Klima sicherstellten. Allein die gemauerte, in Windungen verlaufende Konstruktion dieser Lüftungsschächte wäre schon eine Untersuchung wert, meinte der ehemalige Bergwerksingenieur. Aus statischen Gründen überschneiden sich die auf bis zu drei Ebenen angeordneten Keller unter den alten Kötztinger Bürgerhäusern nur sehr selten, zum Teil gehen die Räume aber weit über den Grundriss der jeweiligen Gebäude hinaus.

Auf besonders interessante Zusammenhänge stießen Walter Schneider und Franz Emberger im riesigen Eiskeller des heutigen „Monokel“ in der Holzapfelstraße. Die „kirchenartige“ Halle ist kunstvoll gemauert und verfügt über mehrere Nebenräume, die zumindest dort, wo die Belüftung über Schächte nicht zugemauert wurde, trocken und staubfrei sind. Von einem Nebenkeller aus konnte Walter Schneider einen Fluchtgang rund 70 Meter die Holzapfelstraße abwärts verfolgen, bis Schlamm aus einem gebrochenen Kanalrohr das Weiterkommen unmöglich machte. Das seinem Richtungsgefühl ging der Ingenieur davon aus,  dass der Fluchtgang zur Gasse zwischen Parkhaus und ehemaliger Metzgerei Barth hin orientiert ist.

Ein hervorragend erhaltenes Kellersystem fanden die „Untergrundforscher“ auch in dem ehemaligen Fechter-Anwesen in der Holzapfelstraße vor, wo neben ausgemauerten Kellern ein aus dem zersetzten Granit herausgehauenes Gewölbe auch die verschiedenen Gesteinsarten und Schichten sichtbar machte. Nach Ansicht von Walter Schneider, der auch in der Markt-, Metz- und Schirnstraße zahlreiche große Hauskeller untersuchte und dabei auf Einstiege zu den früheren Fluchtgängen stieß, muss in früherer Zeit ein Gangsystem existiert haben, das die Holzapfel- und Marktstraße mit der Herrenstraße verband, von wo aus Gänge unterirdisch in die Kirchenburg führten, die gut verteidigt werden konnte.

Die auf mehreren Ebenen angelegten Keller dienten früher der Bier- und Eislagerung, wobei das Eis jeweils auf der tiefsten Sohle untergebracht war, wie entsprechende Füllschächte und Einrichtungen belegen. Mit Sicherheit seien früher auch Handwerkszeug und Haushaltsgegenstände in den Keller gelagert worden, um bei Überfällen oder Bränden jeweils das Nötigste wieder parat zu haben, meinte Schneider.

Massive Angeln in den steinernen Türstöcken deuten darauf hin, dass sich die Bürger in die tiefen Keller flüchten konnten, wo sie hinter eisernen beschlagenen Türen vor Angriffen sicher waren. Mit dem Zollstock bestimmten Walter Schneider und Franz Emberger, die beide kostenlos diese Untersuchungen durchführten, die Maße der Keller und Fluchtgänge. Schneider zeichnete dabei auch die jeweiligen Verlaufsrichtungen ein. Mit Hilfe von Feuerwehr-Handlampen war eine relativ gute Orientierung möglich, wobei auch die meisten Bürger und Mitarbeiter der Stadt mit Erklärungen behilflich waren.


🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:
Viele Geschichten aus Kötzting lassen sich nicht nur lesen, sondern auch direkt im Stadtplan entdecken.
Die Interaktive Karte Kötzting führt über ihre Marker unmittelbar zu den passenden Blogbeiträgen – Geschichte zum Anklicken.

Kötztinger Allerlei  Dieser Beitrag ist in der interaktiven Karte unter der Markergruppe Kötztinger Allerlei zu finden und zwar in der Holzapfelstraße direkt vor dem Monokel-Eiskeller

 

Nicht jede Geschichte lässt sich einer festen Kategorie zuordnen. Die Markergruppe Kötztinger Allerlei versammelt besondere Fundstücke, kuriose Begebenheiten, interessante Entdeckungen und bemerkenswerte Episoden aus der Geschichte Bad Kötztings. Gerade diese Vielfalt macht oft den besonderen Reiz historischer Spurensuche aus.

Viel Freude beim Entdecken!

``` 🗺️ Interaktive Karte Kötzting öffnen ```