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Mittwoch, 11. März 2026

Was wird aus Kötztings Altem Friedhof

In unserer Zeitungs- und Bildersammlung steckt ein ganzes Kötzting vergangener Jahrzehnte – Geschäftsleute hinter ihren Ladentheken, Tanzflächen voller Paare, Bälle, Burschenabschiede und lange, gesellige Nächte. Man sieht nicht nur Gesichter – man spürt die Stimmung. Zeitung und Foto wirken dabei wie zwei Stimmen eines Chors: Die eine berichtet, die andere zeigt. Zusammen erzählen sie vom „Stadtbild“ und von Ereignissen in Kötzting vor Jahrzehnten – und von einer Zeit, die uns näher ist, als man denkt.
Im März 1976 richtete sich der Blick plötzlich auf einen Ort der Stille: den Alten Friedhof. Erneut wurde über seine Zukunft diskutiert – und nun offen ausgesprochen, dass aus dem Gelände eine Parkanlage entstehen solle. Der Artikel zeichnet zugleich den Übergang vom Alten zum Neuen Friedhof nach und macht deutlich, wie sehr sich das Stadtbild damals im Wandel befand.
Doch noch im selben Monat berichten die Zeitungen von Schwierigkeiten am Neuen Friedhof. Ein Problem, für das es langfristig eine Lösung geben sollte – das in unserer Familie jedoch eine ganz konkrete, kurzfristige Entscheidung auslöste. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Im Jahre 1976 existierte die südliche Umfassungsmauer noch, bzw, war der Mauerring mit seinen prächtigen Grabdenkmälern noch unzerstört und der Friedhof noch umschlossen.


Aus dem Alten Friedhof soll eines Tages ein Park werden

Gottesacker am Torplatz wird 1992 aufgelöst / Baumgruppen, Ziersträucher und Ruhebänke zwischen kleinen Denkmälern?

Kötzting (kü). Der Alte Friedhof — das ist seit Mitte der sechziger Jahre eine beschlossene Sache — soll 1992 aufgelöst werden.

Aufnahme und Artikel vom 25.3.1976 in der Umschau von Herrn Kühn. Interessant ist hier neben 
der - gegenüber heutzutage - vollständig fehlenden Baumbepflanzung vor allem im Hintergrund
die durchgehende Bebauung längs der Friedhofsmauer in der Kupferschmiedgasse.


Eine nicht alltägliche Maßnahme, doch im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden hatte sich der Stadtrat von Kötzting entschieden, die Bevölkerung nicht von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern das Überwechseln zum Neuen Friedhof an der Straße nach Haus über ein Vierteljahrhundert hinauszuziehen. Zeit genug, sich an den im November 1966 eingeweihten Gottesacker zu gewöhnen, Zeit genug auch, sich Gedanken zu machen, was mit dem Alten Friedhof geschehen soll. Zum diskutieren hat man noch 15 Jahre, es gibt aber schon konkrete Vorstellungen: Der zentral gelegene Friedhof soll eines Tages zum Park umfunktioniert werden.

■ Bürgermeister Karl Seidl bezeichnete in einem Gespräch mit der „Kötztinger Umschau“ die damalige Entscheidung des Stadtrates, einen neuen Friedhof anzulegen und gleichzeitig auf den alten keine Plätze mehr zu verkaufen, als eine „pietätvolle Lösung“. Mit dem allmählichen Übergang von Jahrzehnt zum anderen Gottesacker wurde Zwistigkeiten wie unlängst beispielsweise in Wettzell vermieden. Vergangenheit und Gegenwart hätten bewiesen, dass die Bevölkerung die Maßnahme versteht und akzeptiert. Es wurden sogar schon einige Gräber umgebettet.

■ Die meisten Beerdigungen erfolgen sowieso schon im neuen Friedhof — seit 1966 mehr als 300. Nach dem 31. Dezember 1981 darf auf dem Friedhof am Torplatz niemand mehr beigesetzt werden. Dann wird noch die übliche Umlaufzeit von zehn Jahren eingehalten. In dieser Zeit muss die Entscheidung über die künftige Gestaltung des Areals fallen. Bürgermeister Karl Seidl („bis dahin bin ich nicht mehr im Amt“) glaubt nicht, dass die 700 Gräber rigoros eingeebnet werden. Ihm schwebt ein Park mit viel Grün und Ruhebänken vor — eine Idee, die ganz im Sinne der heuer zur Beschlussfassung anstehenden Ortssatzung ist.

Einschub:
Auch hier ist, wie in einem Artikel über den Besuch des Bezirksheimatpflegers Dr. Adolf Eichenseer aus Regensburg, erneut von einem bevorstehenden Beschluss über eine Kötztinger Ortssatzung die Rede, ein Vorhaben, dass dann nur in einem  - bunten - Fassadenprogramm endete. Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an das dunkellila Anwesen der Metzgerei Haushofer, einem der Preisträger dieses Wettbewerbs.
Einschub Ende




■ Wer die letzte Ruhestätte seiner lieben Anverwandten erhalten und nicht in den neuen Friedhof verlegt wissen will, kann den Grabstein im Alten Friedhof belassen. Die Eigentümer müssen dann allerdings weiterhin für die ordnungsgemäßen Zustand aufkommen. Die freigewordenen Flächen könnten neben Ziersträuchern und Baumgruppen bepflanzt werden, so würde nach und nach eine parkähnliche Landschaft entstehen, mit kleinen Denkmälern und Sitzbänken. Beispiele, wie beliebt diese Ruheoasen sind, gibt es in Mittel- und Großstädten genug.

An diesem Foto wird deutlich, wie wichtig die Digitalisierung des Negativbestandes der Sammlung Serwuschok ist – und war. Manche Negative wurden offenbar nicht ausreichend fixiert oder gewässert und beginnen sich inzwischen aufzulösen. Auch die metallenen Büroklammern, die teils seit über 50 Jahren direkten Kontakt mit dem Negativmaterial haben, tragen ihren Teil zur Schädigung bei.




Zwei Wochen nach dem Bericht über den Alten Friedhof lautete die Schlagzeile:


Diese Situation konnte zwar durch entsprechende bauliche Veränderungen langfristig gelöst werden, veranlasste jedoch meinen Vater und seinen Schwager, Herrn Josef  - Bepp - Schödlbauer, zu einer besonderen Blitzreaktion.

Beide Herren waren bei einer Beerdigung im Neuen Friedhof und mussten erleben, dass in der offenen Grube, in die der Sarg des Verstorbenen hinabgelassen werden sollte, hoch das Grundwasser stand.
Nach der Beerdigung stand ihr Beschluss fest. Die wörtliche Aussage meines Vaters lautete damals:
"Wenn I scho hi bin, dann mechat I net a no dasaffa".
Gesagt, getan, kurz nach dieser unangenehmen "Besichtigung" gingen beide Herren aufs Rathaus und sicherten sich zwei Grablegen weiter oben am Berg und damit gesichert im Trockenen. Fast direkt nebeneinander liegend, ruhen  nun seit vielen Jahren mein Vater und mein Onkel "Bäpp" in der Erde und zwar im Trockenen, so wie sie es sich gewünscht hatten.


Sonntag, 8. März 2026

Ein Gstanzl-Workshop in Lederdorn

Im März 1976 wurde der Haidsteiner Hof in Lederdorn für einen Abend zum Treffpunkt der bayerischen Spott- und Singkultur. Gstanzlsänger – und solche, die es noch werden wollten – kamen zusammen, eingeladen und organisiert vom damaligen Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer. Was als geselliges Treffen geplant war, erhielt besondere Aufmerksamkeit: Der Bayerische Rundfunk zeichnete die Veranstaltung auf und strahlte sie später aus.

Zur Vorgeschichte:

Bereits im Januar desselben Jahres hatte Dr. Eichenseer auf seiner Bayerwaldtour auch in Kötzting Station gemacht. Dabei zeigte er sich – nach eigenen Worten – tief beeindruckt vom „Juwel“ der Weißenregener Wallfahrtskirche, die damals ihrer Vollendung entgegensah. Am Ende des Zeitungsberichtes über seinen Besuch findet sich noch ein bemerkenswerter Hinweis: Auf der Heimfahrt wolle er sich mit dem Lederdorner Gstanzlsänger Vitus Irrgang treffen, um mit ihm eine „Roider-Jackl“-Gedächtnisveranstaltung zu besprechen. Als ein Nebenprodukt dieses Treffens zweier Musikbegeisterter entstand dann ein Werkstatttreffen in Lederdorn



Einschub  

 In dem Bericht über Dr. Eichenseers Besuch in Kötzting berichtet der Reporter - Herr Kühn - auch von der Anregung von Seiten des Bezirksheimatpflegers,  sich - vor 50 Jahren - eine Ortssatzung zu geben, um einem Wildwuchs im Straßenbild vorzugreifen, ein Vorhaben, das erst im letzten Jahr zum Abschluss gebracht hatte werden können. 1976 war es eine "Fassadenverschönerungsaktion" die als ein Einstieg in diese Richtung galt.

Ich finde Dr. Eichenseers Begründung sehr hellseherisch, weshalb ich  hier den Auszug aus dem Zeitungsbericht anführen möchte:



.......... Dr. Eichenseer informierte sich anschließend in einem Gespräch mit Carl Schnabel über die Ziele der Stadtbildverschönerungs-Aktion und gab gute Ratschläge. Gleichzeitig hoffte er, dass Kötzting eine entsprechende Ortssatzung bekommt. Die Stadt wäre damit nach der Großgemeinde Berching im Sulz-Altmühl-Tal die zweite im gesamten Regierungsbezirk Oberpfalz, die sich Richtlinien für die Verschönerung ihres Ortskerns gibt. Vereinzelte Projekte in der Marktstraße seien es wert, denkmalpflegerische Obacht walten zu lassen und nicht, so der Bezirksheimatpfleger, „wie die Vandalen zu hausen“. Außerdem mache alleine die Tatsache, dass die Marktstraße während der Pfingstfestwoche immer wieder im Mittelpunkt liege, die „Verschönerungs-Aktion überfällig“.

Die Rundreise führte Dr. Eichenseer schließlich noch nach Blaibach, wo die Restaurierungsarbeiten im Schloss, ein denkmalschutz-würdiges Haus sowie der vom Trachtenverein angelegte Kreuzweg begutachtet wurden. Bevor der Bezirksheimatpfleger wieder nach Regensburg strebte, stattete er Bürgermeister Karl Seidl noch einen Höflichkeitsbesuch ab. Auf dem Rückweg hielt er bei Vitus Irrgang in Lederdorn an, um den Gstanzl-Sänger für ein geplantes „Roider-Jackl-Gedächtnissingen“ zu gewinnen.

Einschub Ende


 Bei Vitus Irrgang fand er offensichtlich "offene Ohren", denn wenige Wochen später kam es zu der eingangs bereits zweigeteilten Veranstaltung. Doch hier zunächst der Vorbericht in Hinblick auf das Werkstatttreffen.  

Großes Stelldichein der Gstanzl-Sänger

Morgen im Haidsteiner Hof in Lederdorn / Arbeitstagung und offenes Singen

Kötzting/Lederdorn (kwo). Schnaderhüpflsänger aus allen Teilen der Oberpfalz und darüber hinaus geben sich am morgigen Sonntag im „Haidsteiner Hof“ in Lederdorn ein Stelldichein. Mehr als 40 Interessenten haben sich bereits angemeldet. Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer darf zufrieden sein. Das Echo auf seine Bemühungen, diese alte Volkskunst des Gstanzl-Singens neu zu beleben, ist groß. In Vitus Irrgang hat er einen sach- und fachkundigen Verbündeten gefunden.
Aber der Vitus war nicht allein der Grund, warum diese Veranstaltung nach Lederdorn kam, dem ehemaligen Landkreis Kötzting, gelegen im oberpfälzischen Grenzland. Auch das Wissen, daß in dieser Region noch unentdeckte Kräfte und Talente des Volksgesanges, besonders des Schnaderhüpflsingens, schlummern, die vor Ort geweckt und gefördert werden sollen, spielte eine Rolle. Überregional wie heimatlich gesehen ist das Interesse groß; die Interessenten kommen aus allen Schichten der Bevölkerung.
Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer bittet zu diesem Zusammentreffen alle, die einen direkten Vierzeiler kennen, gleich, ob sie zu den Interpreten gehören oder nur zu den „Schmunzlern“, um davon Mitteilung zu machen, weil über die praktische Nutzung hinaus auch das Interesse der Sammlung origineller Texte angeregt werde.
In einer Vorbesprechung mit Vitus Irrgang legte Dr. Eichenseer noch einmal dar, daß es sich bei der Veranstaltung in Lederdorn um keinen Wettbewerb handelt; ein solcher wird am 2. Mai in Schierling stattfinden. Hier will man praktisch arbeiten, Erfahrungen austauschen, Techniken aufzeigen und üben, Melodien und Texte sammeln, vor allem von alten Schnaderhüpflsängern. Alles ist Zielsetzung der nichtöffentlichen Arbeitstagung am Montag von 10 bis 13 Uhr.
Ab 14.30 Uhr wird dann zum offenen Singen geladen. Darbietungen sind zugelassen. Im Saal des „Haidsteiner Hofes“ werden Gstanzl- und auch Volksliedgruppen zu hören sein. Der Eintritt ist frei. Der Bezirksheimatpfleger erhofft sich von diesem ersten und bisher einmaligen Start einen Türöffner zu weiteren Zusammenkünften und vor allem eine Bereicherung heimischer Literatur, da unser Gebiet eigentlich die Wiege des Gstanzl-Gesanges sei. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind nach Lederdorn eingeladen worden, auch der Rundfunk.



Vitus Irrgang


Frau Renate Serwuschok stellte in dem Vorbericht dieser Veranstaltung das Lederdorner Urgestein und früheren Bürgermeister Vitus Irrgang vor:

KU SW049

Der „Houzatn“-Lader

KÖTZTING (na). Berufe sterben aus, auch die Hochzeitslader. Es gibt nur noch wenige, seit die Brautleute darauf verzichten, „nach altem Brauch“ zu heiraten. Im modernen Ablauf eines Hochzeitsfestes ist kein Platz mehr für den Mann, der den festgeschmückten Stock so souverän wie ein Zepter schwingt, der Einladungskarten ersetzte, das Amt des Protokollchefs versah, dafür sorgte, daß alles seine Richtigkeit hatte beim Feiern und beim Schenken und bei der Unterhaltung oder wenn er die Gäste ausrief.

Ehedem kam der Hochzeitslader in schmucker Tracht noch hoch zu Ross in die Dörfer, um zu verkünden, wer sich das Ja-Wort geben wollte. Vom Urgroßvater bis zum Urenkel, vom Großknecht bis zum Hüterbuben lauschte alles dem Hochzeitslader, der mit bewundernswerter Kunstfertigkeit den Hochzeitsstock in die Tür stellte, das Datum verkündete und die Höhe des Mahlgeldes anschrieb. Der reich geschmückte Stecken war damals unverzichtbar. Und die Farben hatten ihre Bedeutung: Das rote symbolisierte die Liebe, das blaue kündete von der Treue und das violette von der Unschuld. Letzteres musste weggelassen werden, wenn ein voreheliches Verhältnis der Brautleute schon „Folgen“ gezeigt hatte. Kein Hochzeitslader, der etwas auf sich hielt, hätte sich in diesem Falle wissentlich einen Betrug erlaubt!

Nach dem „Laden“ blieb Zeit genug für alle wichtigen Vorbereitungen, unter denen an erster Stelle die Information über die einzelnen Gäste rangierte, damit auch jeder ein treffendes Gstanzl erwarten durfte. Am Hochzeitstage geleitete der Hochzeitslader die Braut zur Kirche. Er organisierte den Kirchenzug in der entsprechenden Reihenfolge, wachte darüber, dass die Sitzordnung beim Mahl eingehalten wurde und bewährte sich als Zeremonienmeister bei den sogenannten Ehrentänzen. Er musste die Braut suchen, wenn sie „gestohlen“ worden war, und das „Ofenschüsselrennen“ durchführen. Er rief beim Schenken die Gäste genau nach Verwandtschaftsgrad, Rang und Stand auf und machte sich auf jeden von ihnen seinen Vers.

Ein Hochzeitslader war und ist keine Witzfigur, kein Hochzeitsnarr, kein Saaldepp. Er braucht vielerlei Kenntnisse, Takt und Umsicht für diese Funktion, einen gesunden Humor und das gewisse Etwas, das ihn so sympathisch und für eine „echte Bauernhochzeit“ auch heute noch unentbehrlich macht. Je weniger auf einen solchen Dienst verzichtet wird, desto größer ist die Chance, ein schönes Stück Kötzting hinüber in die Zukunft zu retten!

 

Der junge Hochzeitlader Vitus Irrgang - Bild bearbeitet


Die Schnaderhüpfl-Schmiede verstehen sich aufs Derblecken
„Zugehobelt“ nach der Art des Roider Jackl: Vitus Irrgang

Beide haben das Schreinerhandwerk erlernt und beide wurden durch Hochzeiten bekannt / Parallelen mehr als Zufall?

Kötzting (na). Die „Kötztinger Umschau“ hat ihn um ein Gespräch gebeten, und er hätte „lieber ein Gstanzl g’sungen“ (schmunzelt). Vitus Irrgang, Bürgermeister in Lederdorn und neben diesem und anderen kommunalen Ämtern auch im Beruf des Bezirksleiters und Bausparkassenführers überaus erfolgreich, meint das ernst, obwohl er dabei lacht, denn die Fröhlichkeit ist ihm angeboren, genauso wie das Talent, Sprüche zu machen, und zwar im absolut positiven Sinne. Er reagiert im Handumdrehen, aus dem Stegreif, ohne eine Sekunde Bedenkzeit. Und was dabei herauskommt, hat viele „Gesichter“. Mit dem „Schalk im Nacken“ formt er heiter-komische Gestalten, in der Konfrontation mit der Politik schmeckt er zeitkritische Anmerkungen, aus alltäglichen Situationen dichtet er sich die schönsten Geschichten zusammen. Gereimtes auf Ungereimtes: Das ist eine Kunst, die sich nicht erlernen lässt. Entweder man kanns oder man kanns nicht. Vitus Irrgang beherrscht sie meisterhaft, die Fähigkeit, Schnaderhüpfl zu singen. Das weiß auch der Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer, der nicht von ungefähr für morgen Vertreter dieser Zunft zu einem Treffen nach Lederdorn eingeladen hat.


Diese Veranstaltung steht nur indirekt in Zusammenhang mit dem „Roider-Jackl-Gedächtnissingen“, das für 2. Mai in Schierling vorbereitet wird und für das der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Reinhold Vöth, einen Preis gestiftet hat, der an den besten „Stegreif-Gstanzl-Sänger“ in diesem friedlichen Wettstreit vergeben werden soll.

Der Roider Jackl, in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1975 gestorben, war nicht nur ein Original, er war auch ein Charakter in jeder Situation. Er liess den Grosskopferten ohne Pardon die Leviten, schärfte fürs Volk denen, die es regierten, auch die Finger, nahm als Korrektor, was Angriffsflächen bot, nach Korrekturen verlangt, von der Mode diktiert wurde. Mit dem scharfrichtigen Urteil für Gerechtigkeit. Böse stellte er Unrecht und Ungerechtigkeit an den Pranger. Er scheute die Politiker aller Couleur nicht, wenn nötig, aber niemals verletzend. Prominente, die der Roider Jackl nicht in den Mund nahm, die blieben sich zurückgesetzt, übergangen, vergessen. Und das war viel schlimmer, als von ihm den Kopf gewaschen zu bekommen.

Foto KU Der Roider Jackl bei einem Auftritt in Blaibach 1972

Der ungekrönte König der Gstanzln ist tot, die Lücke, die er hinterlassen hat, noch nicht wieder geschlossen. Es gibt aber viele, die in ihrem überschaubaren Lebensraum das gleiche tun, was der Roider Jackl mit vielseitiger Wirkung und Ausstrahlung über die weiten Grenzen hinaus geschafft hat. Ihr Talent und sein Erbe gilt es zu pflegen. Ein erster Schritt wird dazu am morgigen Sonntag in Lederdorn gewagt, wo es den Schnaderhüpflsänger Vitus Irrgang gibt, der diese alte Form des Volkskunst vortrefflich beherrscht.

Der Vitus mit Marianne Bergmann aus Lam in dem Volksstück „Da Gmoalump“, von dem erst dieser Tage viel zu früh gestorbenen Heinrich Roß aus Schrenkenthal für die Bretter entdeckt, die auch einem Laienspieler die Welt bedeuten können!
Unscharfes Foto aus der Zeitungsaugabe mit ChatGPT nachgeschärft


Es wäre vermessen, Parallelen zwischen ihm und dem Roider Jackl zu ziehen. Aber zwei drängen sich auf: Beide haben das Schreinerhandwerk erlernt und beide wurden auf Hochzeiten „entdeckt“, bei denen sie das „Aufgehen“ der Gäste übernommen hatten. Vitus Irrgang erinnert sich noch genau. Er war 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft heimgekehrt und kurz darauf zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. „Da hab’ ich, damit’s a bisserl lustiger wird — denn viel gab’s damals nicht zum Lachen — a paar G’versl vorgetragen!“ Und als ein Hochzeitsgast kurz darauf selber heiratete, wurde ich als Hochzeitslader engagiert. Das war vor 30 Jahren!“

Sehr unscharfes Zeitungsbild nachbearbeitet mit ChatGPT


„… daß er mich nicht mit Arbeit beim Nachdenken störte!“


Aller Anfang ist schwer, Vitus Irrgang könnte heute davon ein ganzes Dutzend Gstanzln singen. Die „alten Hasen“ aus diesem Metier waren entweder noch nicht zuhause oder sie wollten aus Furcht vor der heranwachsenden Konkurrenz nicht aus der „Verschmiede“ plaudern. Nur der Wanninger Karl habe ihm eine Menge guter Tips gegeben. „Dann bin ich zwei Wochen lang aus dem Studieren nicht mehr herausgekommen!“ Ein Glück, so rühmt es der Vitus heute noch seinem damaligen Meister im Schreinerhandwerk nach, dass „er mich nicht mit Arbeit beim Nachdenken störte!“ Dann kam der alles entscheidende Tag, und es ging gut. Ein neuer Hochzeitslader war „geboren“. Die jungen Paare in weiten Umkreis rissen sich um ihn als ihren Begleiter in den Ehestand. Vitus Irrgang war ein viel beschäftigter Mann. Er spielte Theater, wurde zu Volksfesten geholt, für Heimat- und Unterhaltungsabende verpflichtet. 
„Parallel zu seinen Erfolgen als Hochzeitslader, G’stanzl-Sänger und Ansager ging auch sein beruflicher Aufstieg verbunden mit einem starken kommunalpolitischen Engagement. Sein Terminkalender ließ bald keinen Raum für Verschnaufpausen und Erholung. „Aber“, verrückte er eine schöne Zeit“, aus der sich Vitus Irrgang genau das Verkaufbare in seinen jetzigen Tagesablauf hinübergerettet hat und das ist noch Beschäftigung genug, aber auch Freude für die Freunde dieser ganz speziellen Art des Derbleckens, auf die er sich inzwischen meisterhaft versteht. Er weiß heute nicht mehr, wie hoch die Zahl der Vierzeiler ist, die er in einer stillen Stunde ersonnen oder auf Zuruf der Gunst des Augenblicks abgerungen hat.

● Es ist damit nicht abgetan, Ihre Verse mit g’scherten Gstanzln zu betiteln, sie sind sogar tiefe Philosophie, unterlegt mit einer bäuerlichen Melodie — und so ist es richtig! Das haben einmal Karl Valentin und Liesl Karlstadt dem Roider Jackl auf die Rückseite einer Fotografie geschrieben, ohne sich bewußt zu sein, dem dieser Eintrag ein „Programm“ für alle guten G’stanzl-Sänger gleichkommt. An seinen Kriterien orientiert sich auch Vitus Irrgang und der Erfolg gibt ihm Recht. Bei der morgigen Veranstaltung wird der „Jackl-Jünger“ deshalb genau der richtige Gastgeber sein!


„Muß Ihnen offen sagen …“

Das Echo auf die Einladung zur Arbeitstagung der Schnaderhüpflsänger in Lederdorn ist groß. Aus Rottach-Egern schreibt Johann Matzberger: „Ich bin gebürtiger Niederbayer (Landshut), wenn ich auch schon mehrere Jahre in Rottach (Tegernsee) wohne. Aber, daß sich heute noch jemand mit den Schnaderhüpfln befaßt, freut mich außerordentlich. Ich selbst habe mich schon in meinen jungen Jahren damit befaßt. Bin auch heute noch sehr interessiert für diesen alten Brauch. Muß Ihnen offen sagen, daß ich selbst Schnaderhüpfl singe, aber nach dieser Art wie Roider Jackl, auch mit eigener Begleitung, und zwar mit einer echten bayerischen Ziehharmonika. Die ist heute noch mein bestes Stück… einmalig im Klang! Spiele auch hauptsächlich nur alte bayerische Musik. Wenn es mir nicht um das Fahrgeld wäre, hätte ich ein Treffen am 7. März nicht abgeschlagen. Leider bin ich zur Zeit noch Rentenanwärter. Vielleicht klappt es bis dorthin… „Oder beim nächsten Mal? Denn Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer, ermutigt durch das überwältigende Interesse, will in dieser Richtung weitermachen!“


Foto Sammlung KU vom Gstanzlwettbewerb in Lederdorn im März 1976
Hier Vitus Irrgang und der "Fischer Max", Mitglied im Landtag und der "heimliche Außenminister" Bayerns genannt.



Das Schnaderhüpflsingen in Lederdorn 



„Bestimmte Rass’ von Menschen“: Gstanzl-Sänger derbleckten


KU vom 9.3.1976 unscharfes Bild nachträglich bearbeitet von ChatGPT

Es war wieder einmal Herr Kühn, der die Veranstaltung begleitete und von dem die Fotos und der Artikel stammen:
Zuerst einmal der Bericht über den "Gastanzl-Workshop" am Vormittag

Kötzting/Lederdorn (kue). „I kenn scho dein Brauch und wo ma di findt / im Wirtshaus ganz vorn und in der Kircha ganz hint“: Im Wirtshaus warn’s schon, als sich 42 Schnadahüpfl-Sänger aus Niederbayern und der Oberpfalz am gestrigen Sonntag im „Haidsteiner Hof“ in Lederdorn zum ersten Lehrgang dieser Art überhaupt trafen, und zünftig ist es auch zugegangen, doch bei all dem Aussingen, ob aus dem Stegreif oder nach überlieferten Vierzeilern, wurde die Veranstaltung ihren Zielen gerecht: Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Frauen und Männer, Sammeln von Texten und Melodien sowie Ermitteln der Besten für das Schnaderhüpfl-Wettsingen am 2. Mai im niederbayerischen Schierling.

„Wer singt braucht keinen Psychiater“ hatte MdL Dr. Max Fischer, der selbst kräftig alte Leute, Miss- und Umstände „derbleckte“ gesagt. Die Gstanzlsänger fuhren mit der Gewissheit nach Hause, dass das über 400 Jahre alte Volksbrauchtum nicht aussterben wird. Dafür sorgen schon der Lehrgangsinitiator, Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer, und Lederdorns Gemeindeoberhaupt Vitus Irrgang, ein Meister dieses Fachs.

„A bestimmte Rass’ von Menschen“, so Dr. Eichenseer, hatte sich am Sonntag morgen im Saal des „Haidsteiner Hofes“ zusammengefunden, 42 Schnaderhüpfl-Sängerinnen und -Sänger aus Niederbayern und der Oberpfalz, manche von über 100 Kilometer weit angereist, nur um dabeizusein. Wenn auch der eine oder andere Teilnehmer noch nicht so „schnell auf der Platt’n (Dr. Eichenberg wissenschaftlich heißt das Assoziationen herbringen) war“, Freude hatten sie alle, und schließlich mußte ja einmal der Anfang gemacht werden.

Für viele lag dieser freilich schon Jahrzehnte zurück, so für den 89jährigen Karl Fischer („d’oid Meier“): aus Lederdorn, der schon Generationen zur Gilde der Schnaderhüpflschmiede zählt. Kaum zu glauben: Der alte Mann singt noch heute so manchen seiner Gegenüber aus. Dr. Eichenseer: „Er ist die größte Entdeckung, die ich je gemacht habe“ — nicht zuletzt deshalb, weil der „oid Meier“ so viel über Gstanzln weiß.

Sammlung KU/SW 
V.l. Dr. Adolf Eichenseer - Karl Fischer "d´oid Meier" - Vitus Irrgang - MdL Max Fischer

● „Abertausende von Gstanzln im ostbayerischen Raum“ gibt es nach Ansicht des Bezirksheimatpflegers und sie sollen möglichst alle gesammelt und niedergeschrieben werden, denn, so Dr. Adolf Eichenseer, „mit diesem Reichtum darf kein Schindluder getrieben werden.“ Beim Stegreifsingen, das nicht nur die Hochzeitslader beherrschen sollten, sei sowieso schon ein „Verlust an schöpferischer Kraft des Volkes“ feststellbar. Nach diesen ermahnenden Worten und dem Hinweis, daß das Schnaderhüpflsingen vermutlich im 16. Jahrhundert populär wurde, einst Tanzmusik war („Schnitterhüpfl“) und im Laufe der Zeit an Sozialkritischem Inhalt gewann, wurden Erfahrungen ausgetauscht.

● Bürgermeister Vitus Irrgang begrüßte die Gäste — wie könnte es auch anders sein, mit Gstanzln:
Ja von überall sans heut ang’roast — do muaß euch wirklich scho lobn / somit wird also das erste Schnaderhüpfltreffen — heut aus der Taufe da ghobn
Und später dann zusammen mit dem „Jodler-Xare“ (Xaver Klein), der die meisten Sänger auf seiner Quetschn begleitete, ein ganz spezielles von Lederdorn:
Hint san ma viere, wo ma d’Erdäpfel baut / drum san ma a so schee g’wachsn wias Erdäpfelkraut.“ 

Sammlung KU/SW
In voller Aktion: v.l. Vitus Irrgang - Max Fischer - Xaver Klein 

Nachdem sich die Lehrgangsteilnehmer vorgestellt hatten, ob mit Gstanzl oder sonst einem Lied, war da nebensächlich, es wurde vor allem das Stegreifsingen nach Vorgabe eines Reizwortes geübt. Das machte soviel Spaß, dass selbst die Mittagspause hergenommen wurde.

Im Zweiten Teil der Veranstaltung wurde dann der Haidsteiner Hof für die Zuhörer geöffnet.



Im Saal gab es bald kein freies Plätzchen mehr

● Am Nachmittag stellte sich Publikum ein, im Saal gab’s bald kein freies Plätzchen mehr, auch Prominenz war gekommen, darunter Landrat Ernst Girmindl, Bezirksrat Gerald Berger und der Vorsitzende des Bayerischen Waldgaues, Alois Aschenbrenner. MdL Dr. Max Fischer, selbst Lehrgangs-Teilnehmer, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und derbleckte den Landrat. Zwischen Stegreifsingen, Grußworten und Erläuterungen traten Gastgruppen auf wie das Hohen-Bogen-Duo, die Greil-Kinder und die Brüder Klein — sie hatten Premiere und sangen so gut wie die anderen auch — und auch die Solisten Xaver Klein sowie Willi Breu wussten die über 200 Zuschauer zu begeistern.

● Fazit: Das erste Schnaderhüpfl-Sängertreffen wurde zu einem vollen Erfolg. Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer konnte mit neuen Erkenntnissen und einem Stapel niedergeschriebener Gstanzln gen Regensburg fahren. Hier noch drei Altüberlieferte:

„Und mei Weiwal hoaßt Res, wenn es oschau wärds bös,
— wenn es oglang, na schreits, mit unserer Res is a Kreiz.“

Am Sunnta is Kirta, des woaß i ganz gwiß,
— da frag i mein Votan, wo der Geldscheißer is.

Und’s Deandl is a Jungfrau, und i bin ihr Bua.
Sie ko leicht Jungfrau sei, wenn i ihr nix tua.“


Hier nun in bunter Folge die restlichen Fotos dieser Veranstaltung:



Dr. Adolf Eichenseer


Dr. Adolf Eichenseer






Karl Fischer und Dr. Adolf Eichenseer, der Veranstalter und damalige Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz

Das Hohenbogen-Duo

Willi Breu


Die Greil-Kinder


Xaver Klein mit den "Brüdern Klein"

Karl Fischer und Xaver Klein


Die beiden hatten sichtlich Spaß an der Veranstantung
Vitus Irrgang und Max Fischer
Als Sahnehäubchen obendrauf, wurde die Veranstaltung auch noch aufgezeichnet und im Rundfunkprogramm zeitnah ausgestrahlt.



🗺️ Kleines Suchspiel zum Schluss:

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einerseits und in der Markergruppe: Menschen unserer Heimat.


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Mittwoch, 4. März 2026

Bilder fürs Kopfkino ....

Manchmal genügt ein einziges Foto.

Gesichter oder eine festgehaltene Szene  – und plötzlich ist sie wieder da, die halbe Welt von damals.
Beim Stöbern durch unsere Bildersammlung – oft in Verbindung mit alten Zeitungsartikeln – stoße ich immer wieder auf solche Einzelstücke. Bilder, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Kaum betrachtet, tauchen im Kopf schon kleine Geschichten, Anekdoten und Bilder auf.
Ich bin mir sicher: Manchen meiner Zeitgenossen geht es dabei ähnlich. In lockerer Folge möchte ich hier solche – für mich besonderen – Funde vorstellen. Vielleicht blitzen auch bei Ihnen beim Betrachten ganz eigene Geschichten und Anekdoten auf.

Dann fangen wir mal an mit

Bild 1



Wenn da einem "Obermarktler" nicht das Herz aufgeht. Das Bild stammt von einer Generalversammlung der Kötztinger Feuerwehr und offensichtlich wurde eine ganze Garde vom oberen Markt für ihre Mitgliedschaft geehrt. Es war im Jahre 1976, als es noch die Regel war, in der Kötztinger Marktstraße zu wohnen, heutzutage sind wir nicht mehr Viele.


KU vom März 1976

Wen  haben wir denn da drauf...... lauter Helden meiner Kinder und Jugendzeit 

Den Wellisch Xaverl, Zögling vom Josefsheim, ganz aktiv beim Burschenverein, Pfingstreiter und immer für einen Spaß zu haben.
Herr Zimmerer aus der Rathausgasse, der Vater meines Mitschülers aus der Kötztinger Volksschule, ich erinnere mich noch gut an die Werkstatt in der Rathausgasse und an den Geruch des Fensterkittes.
Pongratz Heinerl  seines Zeichens ein Schreinermeister- schon an seinem Gesichtsausdruck kann man seine Lebensfreue erkennen. Er und seine Frau "Elis" waren begnadete - und vom Tanzstil auffallende - Tänzer auf den Kötztinger Faschingsbällen und hatten immer auch Kontakt mir uns Jugendlichen.
Pongratz Schorsch, Kötztings Mr. Konsum, unser Nachbar von gegenüber immer sportlich und auch ein guter Schütze.
Im Hintergrund Herr Fleischmann (Feuerwehrkommandant oder Vorstand aus Leidenschaft - was von den zwei Möglichkeiten zutrifft, bleibt für mich "ungedienten" für immer ein Buch mit sieben Siegeln) ein streitbarer Feuerwehrler für die Kötztinger Belange, vor allem, als es damals um die technische Ausrüstung (Stichwort Magirus contra Merzedes) ging.
Wagerer Franz: der Tauberer aus Berufung. Bei uns im Hof wurden die Reisebrieftauben beringt und später dann von großen Transport-LKWs abgeholt, weit weg gefahren und am Reiseziel "aufgelassen". Zuhause warteten dann die Tauberer in ihren Taubenschlägen auf  die Rückkehr ihrer Renntiere.
Der "Gams", "Schwarzanderl Gang" oder Wolfgang Kolbeck, ebenfalls ein Nachbar. Die Geschichten über, von und mit ihm sind fast ebenso legendär wie die vom Heijterl Karl. 
Der eine Hausname, "Gams“ kam von einem früheren Wirtshausausleger am Gebäude, der einen Gamsbock darstellte und der zweite Hausname, „Schwarzanderl“, stammte von einem schon  verstorbenen Hausbesitzer namens „Andreas Schwarz“, eigentlich ganz einfach. Der „Schwarzanderl“ Stall mit Garten am Ende der Metzstraße hatte jedenfalls hervorragende Zwetschgen…….
Der Vollständigkeit halber: der Feuerwehrmann hinter Xaver Wellisch ist der KBI Georg Radlinger

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Montag, 2. März 2026

Anfänge des Biathlon im Lamer Winkel

 Der Biathlonsport kann im Lamer Winkel - genauer im Bereich Brennes-Scheibe - auf 50 Jahre zurückblicken.

Ganz klein nur im Nachrichtenteil "Lamer Winkel" stand am 7.März die Ankündigung in der Kötztinger Umschau:

Biathlon in Lohberg

Lamer Winkel (red). Die Langlaufloipe im Gebiet Brennes-Scheibe steht morgen, Sonntag, im Mittelpunkt einer großen Veranstaltung. Die Vereinigte Schützengesellschaft richtet die ersten Biathlonwettkämpfe im Lamer Winkel aus. Der Start erfolgt um 10 Uhr. Nach 3,5 km hat jeder Teilnehmer eine Schießübung zu absolvieren. Jeder Fehlschuss wird mit einer Strafzeit von zwei Minuten geahndet. Die Siegerehrung findet eine Stunde nach Beendigung im Gasthof Huber-Frisch in Lohberg statt.


Die Idee zu dieser Veranstaltung kam dem Lohberger Schützenverein offensichtlich beim Betrachten der Biathlonwettbewerbe bei den kurz zuvor stattgefundenen Olympischen Winterspielen in Innsbruck

Erstmals in der Sportgeschichte des gesamten Lamer Winkels:
Biathlon-Wettkämpfe der Schützen im Bereich Brennes-Scheibe


Gold-, Silber- und Bronzemedaillen - Hervorragende Organisation - Disziplin, die in Zukunft zum Tragen kommt


So titelte die "Umschau" und die Kötztinger Zeitung schrieb:




Sammlung Serwuschok Umschlag März 1976
Rennleiter und Schützenmeister Karl Späth, Lohbergs Ehrenbürger und Bereitschaftsarzt Dr.  med. G. Wolf und der Kampfrichter Schorsch Koller


Lamer Winkel (kin). Biathlonwettbewerb der Vereinigten Schützengesellschaft „Osserwarte – Braustüberl“ Lohberg, im Bereich Brennes-Scheibe:
Eine Disziplin, die, wenn auch im kleinen Rahmen an die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck erinnerte. Geprägt durch diese sportlichen Ereignisse vor vier Wochen, reifte bei den Verantwortlichen die Idee, einen Biathlonwettkampf durchzuführen. Der Gedanke war gut und der Aufruf fand ein weites Echo. 65 Teilnehmer aus dem Lamer Winkel und darüber hinaus, kämpften mit Elan und Ausdauer um die beste Zeit und „übten“ sich im Umgang mit Kimme und Korn. Die Organisation klappte hervorragend und das Gelände hätte sich nicht besser anbieten können. Gold, Silber und Bronze „regnete“ es für die erfolgreichen Sportler Xaver Penzkofer, Steinbühl, Josef Liebl, Sommerau und Xaver Kirschenbauer, Lam. Dazu gab es noch viele Pokale und Ehrenpreise.

Und danach folgte der Bericht über das erste Biathlonrennen im Lamer Winkel:

Bewölkter Himmel, leichtes Schneetreiben und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bestimmten das sportliche Geschehen. Die Loipe war hervorragend präpariert, als pünktlich um 10 Uhr der Start erfolgte. Nach etwa 3,5 km hieß es für die Langläufer ihre Skier abzuschnallen und am Schießstand ihr Glück zu probieren. Die Büchsen krachten und nicht jeder Schuss war ein Treffer. So gab es denn schließlich für den einen oder anderen Strafminuten, wenn sie nicht ins Schwarze trafen. Die Anlage, in einer windgeschützten Lichtung angebracht, entsprach allen Anforderungen. Durch den unermüdlichen Einsatz der vielen freiwilligen Helfer konnte die Veranstaltung reibungslos über die Bühne gebracht werden. Am Ziel waren Karl Späth und Georg Koller zusammen mit ihrem Team tätig. Decken und heißer Tee wurden den Sportlern bei Ankunft verabreicht. Die Bergwachtkameradschaft Lam und Dr. Gerhard Wolf hatten die ärztliche Versorgung übernommen, die zum Glück nicht beansprucht zu werden brauchte. Die Veranstaltung in Lohberg war für alle ein großes Ereignis und die Disziplin Biathlon wird sicherlich auch in den nächsten Jahren zur Durchführung kommen: 1977 ganz bestimmt.

Zur Siegerehrung im Gasthof Huber in Lohberg konnte Karl Späth viele Wintersportfreunde und Schützenkameraden begrüßen. Er dankte insbesondere dem Starter und Zielgericht mit Alois Stiegler, Engelbert Berlinger, Georg Koller, Bernd Plötz, Georg Weber (denn so erzählte es der Zeitmessung) für ihre Tätigkeit, sei es bei der Zeitmessung oder bei der Sicherung. Sie alle, so Späth, waren uns sehr behilflich. Karl Späth vergaß jedoch auch nicht die vielen Geld- und Sachspender und seine Schützenkameraden und -brüder, die in verhältnismäßig kurzer Zeit das ganze Geschehen vorbereitet haben.








Am Schießstand:




Die Preisverleihung


Xaver Penzkofer aus Steinbühl errang die Goldmedaille, die Nahfolgenden waren Josef Liebl (Sommerau) und Xaver Kirschenbauer (Lam)

Die jeweiligen Klassenbesten erhielten zusätzlich Pokale. 


Das Resumee


Biathlon hat gute Aussichten

Die Vereinigte Schützengesellschaft in Lohberg hat diese Sportart in das Vereinsprogramm aufgenommen

Lohberg. Mit berechtigtem Stolz konnte Schützenmeister Karl Späth vor wenigen Tagen seinen ersten Situationsbericht über die ausgerichteten Biathlon-Wettkämpfe der Vereinigten Schützengesellschaft Lohberg geben. Von seinen Ausführungen waren die Schützenbrüder und -schwestern der Lohberger „Osserwarte“ überzeugt und geschlossen war die Meinung, diese winterliche Sportart in das Winterprogramm der Schützengesellschaft fest einzubauen.
Nochmals rekapitulierte Karl Späth all die Einzelheiten einer umfangreichen Vorbereitung, die Verhandlungen mit der Fürstlichen Forstverwaltung und deren großzügiges Entgegenkommen. Aufrichtig waren seine Dankesworte an alle Freunde, die um eine so vortreffliche Ausrichtung besorgt waren und mit ihrem Beitrag diesen glänzenden und fehlerfreien Ablauf garantierten. Der Sprecher konnte es sich in der Tat ersparen, diese und jene Gönner und Förderer namentlich zu nennen. Seiner Meinung nach hier der sportliche Gemeinsinn dafür gesorgt, dem Vereinsgeschehen der Vereinigten Schützengesellschaft von Lohberg einen neuen Meilenstein seiner rührigen Arbeit zu setzen.
Der Wettbewerb musste bekanntlich am vergangenen ersten Märzsonntag wegen der ungünstigen Schneelage im Tal nach der Scheibe und dem Brennesgebiet verlegt werden. Das Wintersportjahr 1976/77 soll jedoch zeitlich so genützt werden, dass die Wettkämpfe im Nahbereich von Lohberg ausgetragen werden können und man dafür auch die entsprechenden Zuschauer hat. Dafür sind vom Gelände her gesehen ideale Voraussetzungen gegeben. Biathlon hat somit in Lohberg eine Geburtsstunde erlebt und die kommenden Jahre werden es weisen, mit welchem Recht sich dieser Sport einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen wird. Zunächst dürfte aber die große Freude bei den Lohberger Schützen sein, die begeistert von der olympischen Idee angesteckt, ihre Gedanken so hervorragend zur Tat werden ließen.

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Sonntag, 1. März 2026

Erdäpfelboussa gegen Roumstutzn

 Die Lederdorner geben sich ein neues Gemeindewappen

Es gibt Zufallsfunde, die sind fast zu schön, um wahr zu sein. Ein solcher Fund ist ein Artikel über die Fassadengestaltung des 1976 neu errichteten Lederdorner Gemeinschaftshauses. Der beauftragte Künstler brachte an der Fassade ein von ihm entworfenes Gemeindewappen an, dessen zentrales Symbol – man staune – eine Kartoffelblüte ist.
Ausgerechnet eine Kartoffelblüte zu wählen und diese auch als Wappenmotiv zu akzeptieren, zeigt, dass sich die Lederdorner inzwischen mit ihrem „Hausnamen“ arrangiert hatten – vielleicht sogar begonnen hatten, ihn als eigenes, unverwechselbares Merkmal zu begreifen.
In dem leider nicht näher gekennzeichneten Artikel (KU, Juni 1976) wird auf die bewegte Vergangenheit Lederdorns verwiesen, die mit dem früher als Spottnamen gebrauchten Ausdruck „Erdäpfelboussa“ verbunden ist. Da zu der Zeit zumeist ein Herr Wiener die Artikel für Lederdorn und Umgebung geschrieben hat, vermute ich, dass es auch in diesem Falle so gewesen ist.

Das Lederdorner Gemeindewappen, entworfen und Gestaltet von Hans Höcherl

Hier nun ein Auszug des Zeitungsberichtes:

Im „Gemeindewappen“ eine Kartoffelblüte

Inoffizielle Wappenschöpfung – Inhalt ein Stück Heimatgeschichte

Es ändern sich die Zeiten“, sagte uns ein alter Bürger der Gemeinde Lederdorn, als er vor dem Gemeinschaftshaus am Sportplatz stand und mit der neuen Hausinschrift das Wappen betrachtete. Was er meinte, ist nur dem Kenner der Dorf- und Heimatgeschichte klar. Die Kartoffelblüte im inoffiziellen Gemeindewappen war’s, die seinen Ausspruch herausforderte. Wer etwa mit einer solchen Blüte „dekoriert“ zu Zeiten, als er jung war, sich in Lederdorn hätte sehen lassen, wäre wahrscheinlich nicht ungeschoren aus dem Ort gekommen.

Alles, was in Gegenwart von Lederdornern mit „Erdäpfeln“ in Verbindung gebracht wurde, konnte zum Zündstoff für handfeste Auseinandersetzungen werden. Nicht nur einmal gab es bei Festen und Tanzveranstaltungen, zum Teil sogar gefährliche Prügeleien und Raufereien, wenn unbedacht jemand das Wort „Erdäpfelboussa“ entschlüpft war. Mit diesem Wort soll es eine geschichtliche Bewandtnis haben. Ob sie Wahrheit ist oder den Lederdornern nur als Anekdote „angedichtet wurde“, ist nie nachgewiesen worden. Die Geschichte aber ist geradezu zum ortsgeschichtlichen Bestandteil geworden, und es würde nicht wundern nehmen, wenn sie irgendwo einmal in einer Chronik ihren Niederschlag gefunden hätte.

Vor Jahrzehnten, als die Lederdorner noch kein eigenes Gotteshaus hatten und zur Messe an Sonn- und Feiertagen in die Pfarrkirche nach Runding gingen, soll es geschehen sein. Man erzählt, dass an einem kalten Sonntagmorgen sich ein Büblein aus Lederdorn auf den Weg zur Pfarrmesse in Runding begab. Zugefrorene Fensterscheiben und der Schnee, der unter den Schuhen der vorbeigehenden Messeesuchers knirschte, verrieten die herrschenden Temperaturen. Die Mutter, um das leibliche Wohl ihres Sprösslings ebenso besorgt wie um das seelische, steckte in Ermangelung von Handschuhen, die damals noch als Luxus galten, dem Buben ein paar gekochte, warme Kartoffeln in den Hosensack, an denen er sich beim Gang zur Kirche die Finger wärmen sollte. Gesagt, getan!

Als es in der Kirche zu Runding gerade auf die Wandlung zuging und es so mäuschenstill war, dass selbst ein Räuspern schon als laut empfunden wurde, wollte das Büblein sein „Sacktüchlein“ aus dem Hosensack ziehen, um das Nasentröpfchen aufzufangen. Dabei wurde ein „Warmhalter“, eine Kartoffel, die die Mutter ihm in die Hosentasche gesteckt hatte, aus dem „Versteck“ gerissen und polferte, „boußte“ auf den Kirchenboden. In diesem Augenblick soll den Lederdornern der Spottname „Erdäpfelboussa“ geboren worden sein.

Von diesem Tag an hat es, und das ist nun nicht mehr Legende, sondern Geschichte, viele Prügeleien und Raufereien zwischen Lederdornern und Bewohnern anderer Dörfer gegeben, zum Beispiel schon dann, wenn ein Bursch etwa aus einem anderen Ort an einem Sonntag mit einer Kartoffelblüte am Hut durch Lederdorn ging. Die heftigsten Auseinandersetzungen aber lieferten sich die Lederdorner mit den „Roumstuzn“, den Rundingern. Gelegenheiten dazu gab es ja mehr als heute, denn neben dem Gottesdienst war in Runding die Feiertagsschule zu absolvieren, und natürlich blieben die Gefechte auf dem Tanzboden nicht aus, wobei man sich von Messerstechereien erzählt, die ihren Ausgangspunkt in Frotzeleien mit den Erdäpfeln genommen hatten.

Die Zeit hat sich tatsächlich geändert, wie uns der Alte sagte; denn niemand rauft heute mehr wegen eines „Erdäpfelboussers“ einer Kartoffelblüte. Man hat sie vielmehr zu Wappenehren erhoben und sie neben die weiß-blaue Bayernraute gesetzt, zu einem Dorfsymbol gemacht, das übrigens die Fußballer schon längere Zeit in ihrem Vereinswappen tragen.


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