Veröffentlicht im Buch: Rott am Inn II
Beiträge zur Kunst und Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei.
Herausgegeben von Willi Birkmeier im Jahre 2002
Das Rotter Priorat zu Kötzting im Bayerischen Wald
Ludwig Baumann
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| Im Jahre 1983 feierte Rott am Inn "seine" 900-Jahr-Feier und die Stadt Kötzting schickte eine Abordnung nahm nicht nur mit einer großen Abordnung an denn Feierlichkeiten teil, sondern war selber ein Teil der Festveranstaltung. Hier auf dem Bild zentral der Autor, Ludwig Baumann und neben ihm der damalige Stadtpfarrer Dirscherl. |
Wenn die Auflistung des Klosterbesitzes in der gefälschten
Gründungsurkunde Glaubwürdigkeit verdient, dann sind die Beziehungen zwischen
Kötzting und Rott am Inn so alt wie die Mutterabtei. Einen sicheren Nachweis
dafür, unter welchen Umständen das 190 Straßenkilometer von Rott entfernte
Kötztinger Land zu den Stiftungsgütern kam, gibt es nicht. Möglich ist dieser
Zusammenhang: Der Markgraf von Cham-Vohburg Rapoto IV. heiratete Elisabeth, die
Witwe des in der Schlacht zu Höchstädt gefallenen Pfalzgrafen Kuno, und wurde
damit Mitglied der Rotter Stifterfamilie. Da er im Besitz des ehemaligen
Reichsgutes um Cham war, konnte er seinen Teil zum guten Werk der
Klostergründung beisteuern. Es handelt sich um das Gebiet der heutigen
Pfarreien Kötzting (ohne Weißenregen), Grafenwiesen, Hohenwarth, Haibühl, Lam
und Lohberg. Jedenfalls sind etwa 70 Jahre nach der Klostergründung Rechte und
Besitzstand bei »Chostingen« (Kötzting) für die Rotter Abtei unzweifelhaft
nachgewiesen – durch ein Schutzprivileg Papst Eugen III. vom 30. März 1151 [3].
Klosterpfarreien
Eine weitere Papsturkunde (vom 4. April 1179), wiederum
ausgestellt für das Kloster Rott und unterzeichnet von Papst Alexander III.,
beglaubigt den Kötztingern eine ecclesia, eine Kirche, heute noch
Zentrum einer wehrhaften Kirchenburg [4].
Der zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Regensburg regierende
Bischof Konrad VI. von Frontenhausen – seine Vorfahren waren mit den
Klosterstiftern verwandt [5] – festigte das Band zwischen Rott und Kötzting,
als er am 20. Dezember 1224 die Wald-Pfarrei dem Inn-Kloster inkorporierte [6].
Damit hatten die Äbte das Besetzungsrecht und ernannten Welt- oder (später
auch) Ordenspriester als Pfarrvikare, die stellvertretend für das Kloster die
Seelsorge in der weitläufigen Pfarrei ausübten. Vom Bischof wurden die Vikare
nur bestätigt und ins Amt eingesetzt, nicht ernannt [7]. Die von nun an von der
Abtei beauftragten Weltpriester mussten sich mit einem eng umschriebenen
Einkommen zufriedengeben. Die übrigen Pfarreinkünfte fielen dem Kloster zu [8]. Noch im gleichen Jahrhundert konnte Rott Einfluss und Macht
im Kötztinger Land ausbauen. Wieder war es ein Regensburger Bischof, der die
neue Entwicklung förderte: Heinrich II., Graf von Rotteneck. Er überließ dem
Kloster die Neubruchzehnten im Waldgebiet zwischen den Höhenrücken von Osser,
Arber und Zwercheck. Die Neubruchzehnten waren eine jährliche Abgabe aus den
Ernteerträgnissen, die von den Siedlern auf den neu gerodeten Gründen erhoben
wurden. Der Bischof unterzeichnete das Dokument, das zugleich als die
Geburtsurkunde für Lam angesehen werden darf, am 29. Mai 1279. Es informiert
uns auch über die weit hinausgeschobene Ostgrenze der Pfarrei Kötzting, die
damals das Lamer Gebiet mit den Wäldern bis hinauf auf die Berggipfel
einschloss [9]. Der Zehent aus Lam
brachte der Abtei noch 1780 jährlich 300 Gulden ein. Ab 1782 gab sich Rott mit
150 Gulden zufrieden, nachdem die Lamer ihre Zahlungspflicht in Frage gestellt
hatten [10]. Die Rotter Mönche mussten schon einige Jahre vor 1279
Siedler in den Lamer Winkel geschickt haben. Denn ein Kopialbuch (Sammlung von
Urkundenabschriften) des Klosters begründet die Schenkung Bischof Heinrichs mit
dem Hinweis, „weil durch unser leuth arbeitsames ausstockern [Roden] viel
neubruch [aus Wald gerodetes Ackerland] in der Lamb eröffnet wurde“ [11].
Nach der mündlichen Tradition stammten damalige Siedler aus dem Tirolischen um
den Pillersee. Sprachliche Eigenheiten und das beidseitige Ulrichspatrozinium
sprechen dafür. Dass aber Benediktinermönche eigenhändig zum Rodungswerkzeug
griffen und den Kampf gegen Raubtiere aufnahmen, wie uns ein großflächiges
Fresko am Postamtsgebäude in Lam eindrucksvoll weismachen will, muss als
idealisierende Überhöhung und ins Heldenhafte überzogene Geschichtsdeutung
gewertet werden. Rotter Patres können in Lam nicht einmal als Seelsorger
nachgewiesen werden; in Kötzting wirkten sie erstmals und zeitlich begrenzt
während der Wirren der Reformationszeit. Das Rodungs- und Siedlungswerk um Lam – „Ausstockern“
nennen die Benediktiner bildkräftig die harte Pionierarbeit – muss rasch
vorangeschritten sein. Schon nach einem guten halben Menschenalter hatten die
Neusiedler so viel Wald unter den Pflug genommen, Sumpfgebiete in Wiesen
umgegraben, so zahlreiche Herd- und Wohnstätten gebaut, dass die Gründung einer
eigenen Pfarrei notwendig und finanziell möglich wurde. Der vier- bis
fünfstündige Kirchgang nach Kötzting war zu beschwerlich. Die Teilung der
Kötztinger Pfarrei und die Erhebung der „vor kurzem im Dorf Lumbnave [Lam]
errichteten Kapelle“ zur Pfarrkirche wurde von Bischof Nikolaus am 22.
Dezember 1322 mit einer Pergamenturkunde verfügt [12]. Diese neue Pfarrei Lam
blieb neben der grundherrschaftlichen Abhängigkeit auch seelsorglich im
Einflussbereich des Klosters Rott. Bischof Nikolaus hatte dem Abt ausdrücklich
das Recht bestätigt, wie in Kötzting so in Lam, die Pfarrer nach seinem
Gutdünken ernennen zu dürfen (Präsentationsrecht).
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Auf dem Rathausplatz zu Kötzting: Benediktinerbrunnen von Bildhauer Joseph Michael Neustifter, 1993, die Erinnerung an jahrhundertelange Bindungen zwischen Rott am Inn und Kötzting |
Klosterhofmark
Im Jahre 1330 gestand Kaiser Ludwig der Bayer zwölf
oberbayerischen Klöstern – darunter auch Rott – als Ausgleich für die in
vorangegangenen Kriegszeiten erlittenen Schäden u. a. Steuerfreiheit und die
Niedergerichtsbarkeit zu [13]. Damit legte er das Fundament für eine Rottische
Klosterhofmark Kötzting, die Abgaben und Steuern der Grundherrschaft
verwaltete, Rechtsgeschäfte (z. B. Übergaben) beurkundete, Gericht hielt über „Leut
und Gut“, ausgenommen „die drei Sachen“, die mit dem Tod bestraft
wurden: Diebstahl, Notzucht, Mord. Verwaltungssitz war Kötzting. Zur leichteren
Verständigung in Urkunden, Akten und bei der täglichen Verwaltungsarbeit
unterschied man zwischen „Oberaigen“ (Neubruch um Lam) und „Unteraigen“
(Altsiedelland im Kötztinger Raum).
Da Geistliche nach altem deutschem Recht eines weltlichen
Vertreters zur Abwicklung von Rechtsgeschäften bedurften [14], bestellte der
Abt einen Vogt oder Propst für Kötzting. Das waren bis Ende des 15.
Jahrhunderts Herren des benachbarten Adels – die Chamerauer, Sattelbogner,
Ramsperger, Nussberger, Hohenwarther [15]. Sie waren zugleich Schutzherren und
hatten im Notfall Klosteruntertanen und Klostergut mit der Waffe zu
verteidigen. Um 1400 wurden die althergebrachten Rechte der Propstei bzw.
Hofmark Kötzting in 15 Artikeln schriftlich niedergelegt („was das Gotshaus
zu Rot rechtens hat auf seinem aigen zu Közting und in der Lamb“). Darin
werden auch einem Acht-Männer-Rat Mitspracherechte bei wirtschaftlichen
Fragen, etwa beim Verkauf eines Hofes, und bei der Bußzumessung in
Gerichtsfällen eingeräumt – eine Frühform demokratischer Mitbestimmung [16].
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hielt es das Kloster für ratsam, das Propstei-
bzw. Vogtamt dem Landesherrn, Herzog Albrecht IV., „umb merer Schuz willen“
zu übertragen. [17]
An die Stelle der adeligen Pröpste traten nun die vom Herzog
mit Billigung des Abtes berufenen Vogtrichter. Bald aber wurde das „klösterliche“ Vogtrichteramt vollends
mit dem des Landrichters, des führenden herzoglichen Beamten in Kötzting,
zusammengelegt [18]. Damit war das Richteramt der Klosterhofmark (wieder wie
vor 1330) in der Hand des Landesfürsten. Die niedere Gerichtsbarkeit ging dem Kloster
verloren, die Grundherrschaft blieb ihm noch.
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Wallfahrtskirche Schönbuchen, Gemeinde Grafenwiesen: ehemaliges großes Leinwandbild mit einer Widmung des Klosters Rott am Inn an das Gnadenbild von Schönbuchen und an die Rotter Patrone,
um 1700. Dieses große Votivbild, damals schon zerschlissen, blieb nicht erhalten, es ist nur als Foto (um 1930) überliefert
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Grundherrschaft im
Markt Kötzting
Als am 11. November 1344 Kaiser Ludwig der Bayer den
Kötztingern die Marktfreiheiten bestätigte [19], fanden die Rechte des Klosters
Rott in der Urkunde keinerlei Erwähnung. Dies wird in den folgenden
Jahrhunderten wiederholt zu Unfrieden, Gezänk und Rechtsstreit führen. So wie
den Rotter Benediktinern Grund und Boden in der Hofmark bis hinauf zum Arber
gehörten, so fühlten sie sich auch als Grundherren im Markt Kötzting. Und
tatsächlich zahlten die Bürger nach Ausweis der Rotter Salbücher regelmäßige
Abgaben, wenn der Abt zur jährlichen Stiftzeit nach Kötzting kam oder einen
Beauftragten schickte. Im Jahre 1584 flossen beispielsweise 7 Pfund, 7
Schilling und 6 Pfennig Grundsteuer aus dem Markt nach Rott [20]. Das entsprach
etwa dem Wert von 190 Arbeitstagen eines Maurers [21].
1609 forderte der Abt eine höhere Grundsteuer. Da muckten
die Kötztinger auf. Sie sträubten sich nicht nur gegen die Gülterhöhung, sie
sprachen dem Kloster überhaupt das Recht ab, eine solche Steuer zu verlangen.
Ja, sie wollten die Rotter Grundherrschaft über den Markt nicht mehr gelten
lassen. Als Bürger eines Bannmarkts (Markt mit dem Recht der niederen
Gerichtsbarkeit) wähnten sie sich frei und nur dem Landesherrn untertan. Das
Kloster beschritt den Rechtsweg und klagte beim Rentamt Straubing. Aus den Streitschriften,
die mit großem Aufwand an Schreibpapier und weitschweifigen Worten beider
Parteien verfasst wurden, die entscheidenden Argumente und Gegenreden, knapp
und im fiktiven Dialog zusammengefasst:
Rotter Benediktiner: In
allen Salbüchern wird der jährliche Zins, den die Kötztinger zu zahlen haben,
mit dem Fachbegriff „Stift“ (=
Pachtgeld) bezeichnet.
Kötztinger Ratsherren: Die Salbücher
sind vom Kloster verfasst und haben, da sie einseitig sind, keine Beweiskraft.
Im Übrigen zahlen wir keinen Grundzins, sondern nur eine Nebengült (Abgabe).
Benediktiner: Die Bürger begleichen,
wie die anderen Hofmarksuntertanen auch, den Zins am Stifttag. Dazu wird ihnen
mit der Rathausglocke ein Zeichen gegeben.
Ratsherren: Der gemeinsame Stifttag
mit den Grunduntertanen vom Land beweist nichts. Nur um die Nebengült von uns
Kötztingern zu kassieren, würde sich die weite Reise des Prälaten nicht lohnen.
Und wenn das bislang aus gutem Willen gegebene Glockenzeichen als Beweismittel
gegen uns verwendet wird, werden wir es in Zukunft unterlassen. Dann kann der
Herr Prälat „seine Stiftleut mit Trumbel
und Pfeifen“ herbeirufen lassen. Wir sind vor allem deswegen keine
Grunduntertanen Rotts, weil wir noch nie bei Todesfällen oder sonstigem
Besitzwechsel Laudemien zu zahlen hatten. Außerdem nimmt bei Gutsverkäufen und
Übergaben immer die Marktverwaltung, niemals das Kloster, die Verbriefung und
Beurkundung vor.
Die Beamten des Rentamts Straubing waren von den Argumenten
der Kötztinger Ratsherren beeindruckt. Am 18. Dezember 1614 wies der Viztum die
Klage des Rotter Abtes ab. Damit war dem Kloster die Grundherrschaft über den
Markt aberkannt. Endgültig entschieden wurde die Sache erst am 26. August 1641
durch Kurfürst Maximilian, als er den Urteilsspruch des Rentamts bestätigte –
die Abtei hatte bei der Münchner Hofkammer Widerspruch eingelegt [22].
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| Petschaftsiegel der Probstei des Priorats Kötzting, 1688. Stadtarchiv Kötzting II/15 |
Benediktiner als
Nothelfer
Das von 1949 bis 1993 alljährlich aufgeführte Freilichtspiel
„Pfingstrittehr“ wollte die Zuschauer
glauben machen, dass schon im Jahre 1224 Rotter Benediktiner in Kötzting als
Seelsorger wirkten und ein Priorat unterhielten [23]. Davon kann keine Rede
sein. Der erste Rotter Pater, der in Kötzting lebte und arbeitete (1552–1584
und 1586), war P. Benedikt Englmair. Nach dem Tod seines Vorgängers war die
Pfarrei monatelang verwaist. Marktrat und Pfleger hatten sich in verzweifelten
Briefen an die Regierung in Straubing über Abt Benedikt beschwert, dass er
ihnen keinen Seelsorger schicke. »Wie das
verlassens irrende Vieh ohne einen Hirten« müßten sie leben, »ohne die hochwürdigen Sakrament und
christliche Recht«. Die Pfarrei war heruntergewirtschaftet, der Pfarrhof
unbewohnbar. Die Einkommensverhältnisse der Geistlichen waren verworren und die
Furcht vor der Pest schreckte die Weltpriester ab, nach Kötzting zu gehen. Als
der Viztum von Straubing mit Einzug der Gülten und des Zehent drohte, entschloss
sich der Abt, erstmals einen Pater seines Konvents auf die Pfarrei zu
präsentieren. Pater Benedikt Englmair kam am »Pfinztag nach Septuagesima« (17.
Februar) 1552 in Kötzting an [24]. Mehr als drei Jahrzehnte segensreichen
Wirkens waren ihm in Kötzting vergönnt. Er brachte die Pfarrei wieder in die
Höhe. Als die oberpfälzischen Nachbarpfarreien die protestantische Lehre
annahmen, wurde er für den katholisch verbliebenen Rest des Erzdekanats Cham
zum Ruraldechanten bestellt [25].
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| Teile des Volksschauspiels von der "Pfingstrittehr" von Eugen Hubrich, die zu Anfang dieses Kapitels erwähnt wird, wurden von den Kötztingern bei ihrem Besuch in Rott am Inn 1983 aufgeführt. Es ging um die Teile des Festspiels, die die Rotter Mönche betrafen. Bildersammlung -17 - Im Stadtarchiv Kötzting. |

1584 »kommandierte«, wie man sich in Rott ausdrückte, das
Ordinariat Regensburg den Weltpriester Johannes Schopper nach Kötzting. Pater
Englmair musste die Stelle räumen. Die Bistumsleitung wollte offenbar die
Pfarrei auf Dauer keinem Ordenspriester überlassen. Schopper aber »hauste nur in seinen Beitl« (Abt
Christoph an den Generalvikar) und machte sich zwei Jahre nach Amtsantritt mit
dem Geld davon. P. Benedikt Englmair kehrte nach Kötzting zurück, musste aber
nach einigen Monaten »die Schuldt der
Natur mit dem zeitlichen Tod bezahlen« (5. April 1586) und wurde in
Kötzting beigesetzt [26]. Ein weiterer Pater aus Rott, Sigismund Holzmann,
bisher Kooperator, übernahm für ein Jahr die Seelsorgsleitung [27].
Dann, 1587, wurde der Abt gedrängt, wieder einen
Weltpriester anzustellen: Adam Pettinger. Der stellte, was Unfähigkeit,
Untätigkeit, Dreistigkeit und Fehlverhalten anbelangt, alle seine Vorgänger in
den Schatten. Nachdem ihn und seinen gleichgesinnten Kooperator Schergen »auf einem Karren verwahrt mit ausführlichem
Bericht ihres leichtfertigen Verhaltens« vor das geistliche Gericht nach
Regensburg gebracht hatten, setzte ihn Abt Christoph ab, leitete die dringend
notwendige Sanierung des Pfarrhofs ein (heute Neues Rathaus) und ernannte Pater
Sigismund Holzmann wieder als Pfarrprovisor. Er erwies sich nach dem Zeugnis der Kötztinger als »in allem ehrbar,
frumb, still, eingezogen und redlich, wie einen ehrliebenden Priester zu thun
gebührt«. Zehn Jahre lang (1587–1597) wurde jetzt die Pfarrei von Rotter
Konventualen betreut, dann wurden wieder Weltpriester eingesetzt, bis der
letzte, Joannes Camerer, 1634 während der Not des Dreißigjährigen Krieges an
der Pest starb.
Das Priorat entsteht
Wieder musste die Abtei, wie in früheren Notzeiten, mit
einem Pater aus den eigenen Reihen aushelfen. Freilich gab man P. Georg
Weinmayr nicht ungern ab (ernannt am 13. Dezember 1634). An den bisherigen
Einsatzorten – in Rott, im tirolischen Pillersee und im oberpfälzischen Nabburg
– hatte er sich als streitsüchtig und unversöhnlich erwiesen [29]. Aber er
steht am Beginn einer neuen Entwicklung in Kötzting. Nach einer Bittschrift Abt
Johanns IV. an den Bischof von Regensburg hätten in früheren Jahren manche der
von Rott in Kötzting präsentierten Pfarrer den Freiraum ausgenützt, den die
weite Entfernung zum Kloster erlaubte. Weltpriester seien die vereinbarten
Abgaben, Ordensgeistliche den klösterlichen Gehorsam schuldig geblieben.
Bischof Albert Freiherr von Törring war bereit, die Stellung des Klosters zu
stärken, seine Rechte zu sichern – und folglich auch, wie sich zeigen wird, die
Einkünfte zu mehren.
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Kötzting, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Meßkelch, gestiftet im Jahre 1737 von Thomas Passauer, Dekan zu Freising. Die Emailmedaillons zeigen die Patrone von Rott am Inn: St. Marinus und St. Anianus
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Kötzting, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Meßkelch, gestiftet im Jahre 1737 von Thomas Passauer, Dekan zu Freising. Die Emailmedaillons zeigen die Patrone von Rott am Inn: St. Marinus und St. Anianus
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Am 26. April 1636 bestätigte er dem Abt und all seinen Nachfolgern die alten
Rechte und erteilte neue Privilegien. Dabei wurden folgende Vereinbarungen
getroffen:
Jeder amtierende Abt kann Kraft seines Patronatsrechts
entweder einen geeigneten Weltpriester auf die Pfarrkirche Kötzting
präsentieren oder auch – und das war, in dieser Form, neu – einen, zwei oder
mehrere Angehörige seines Klosters.
Bevor Religiosen (Mönche) als Seelsorger eingesetzt werden, muss
beim Bischof um die Admission (Zulassung) nachgesucht werden. Häufiger Wechsel,
besonders beim Pfarrvorstand, ist zu vermeiden.
Wie jedem Abt zusteht, die Seelsorge in Kötzting einem oder
mehreren Religiosen anzuvertrauen, so hat er auch das Recht, sie wieder ins
Kloster zurückzurufen, eventuelle Vergehen zu bestrafen und Rechenschaft über
Lebensweise, Sitte und Wirtschaftsführung zu verlangen.
Die Pfarreinkünfte dürfen von den Patres nach der Anordnung
ihres Abtes verwaltet werden. Rechenschaft sind sie aber auch dem Konsistorium
und den bischöflichen Visitatoren schuldig [30].
Wie die spätere Entwicklung zeigt, wurde das bischöfliche
Zugeständnis, mit dem die Rotter Äbte mehrere Patres nach Kötzting schicken
durften, zum Grundstein für ein Priorat, ein Filialkloster. Ob dies
ursprünglich die Absicht des Bischofs war, muss bezweifelt werden. Ebensowenig
sicher ist, dass das Stift damals schon, während der unsichern Kriegszeiten,
eine regelrechte klösterliche Niederlassung plante. Vielmehr muss angenommen
werden, dass sich nur schrittweise, etwa im Laufe von drei Jahrzehnten, ein
Priorat entfaltete. Nach einem Pflegsbericht wirkten wohl schon im Jahre 1665
drei Patres in Kötzting, „so die Curam
haben und eines tauglichen Subiectum sind“, aber erst 1689 wurde der
Unterhalt für den dritten Seelsorger durch ein Bestätigungsschreiben des „Geistlichen Rats“ in München gesichert
[32].
Im Jahre 1702 konnte das Kloster Rott die Hofmark
Grafenwiesen kaufen. Als es zwei Jahre später dort den weitläufigen
Ökonomiebetrieb unter eigene Regie nahm, schickte der Abt einen vierten
Mönchspriester. Dem wurde die Gutsverwaltung in Grafenwiesen anvertraut. Zudem
war er für die Seelsorge in Grafenwiesen-Hohenwarth zuständig und für die
aufblühende Wallfahrt zu Schönbuchen [33]. Im Laufe des 18. Jahrhunderts
steigerte sich die Zahl der Patres in Kötzting auf sechs, kurz vor der
Säkularisation auf sieben [34].
Der Gebrauch des Amtstitels „Prior“ lässt sich mit den Kirchenrechnungen nachweisen, die seit
Mitte des 17. Jahrhunderts fast lückenlos erhalten sind. P. Thomas Stifler
unterschreibt erst 1671 mit „Parochus et
Prior“. In den Jahren vorher finden sich nur die Amtsbezeichnungen „Parochus“, „Pfarrer“, „Pfarrvikarius“.
In der Kirchenrechnung von 1689 bekräftigt P. Paul Dippert seine Unterschrift
erstmals mit einem Siegel (achteckig, Durchmesser 14 mm, in einem Ovalschild
das Rotter Klosterwappen: zwischen zwei Türmen ein Laubbaum, Legende: CLOSTER
ROTH P K). Die Initialen P K lassen sich mit Präpositura (Propstei) oder
Priorat Kötzting auflösen.
Bleibt noch anzumerken, dass am 11. Dezember 1697 das
Kloster Rott seine ausgedehnten Waldungen, Feld- und Wiesengründe mitsamt den
Untertanen im Oberen Aigen (Lamer Winkel) gegen Kastengüter bei Aibling und
Rosenheim an den bayerischen Kurfürsten vertauschte. Der Besitz des Lamer Winkels
war dem Stift verleidet worden, weil Kurfürst Max Emanuel den dortigen Bergbau
wieder beleben wollte. Ohne Rücksicht auf die klösterlichen Besitzrechte hatte
er der Bergwerksgesellschaft, an der er beteiligt war, die Bergwerksrechte
mitsamt den umliegenden Bergen, Tälern, Wäldern und Wassern zugesprochen und
den Protest der Rotter in den Wind geschlagen [36].
Gegnerschaft
Interessenkonflikte gab es auch im Markt Kötzting. Hier soll
freilich kein einseitiges Bild gezeichnet werden von einem dauernden
Gegeneinander zwischen Bürgerschaft und Benediktinern. Aber das gute Ein vernehmen,
zweifellos über lange Phasen das Klima beherrschend, gab keinen Schreibanlass
und lässt sich archivalisch kaum nachweisen. Stritt dagegen, wenn er
gerichtsmässig wurde, produzierte Stösse beschriebener Papiers. Ihm verdanken
wir vielfältige Informationen – auch über das alltägliche Leben.
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| Abt Gregor Mack - vormalig der Kötztinger Prior und Pater, der "Gegenspieler" des Kötztinger Kammerers Wolfgang Samuel Luckner |
Zwei intelligente Köpfe gerieten in den 1770er Jahren
aneinander, der Prior und der Bürgermeister. Pater Gregor Mack ist 1757 nach
Kötzting als Kooperator und Prediger gekommen. Nach zwei Jahren wurde er zum
Pfarrvikar und Prior ernannt – er war gerade 29 Jahre alt. Er muss ein
grundgescheiter und tüchtiger Mönch gewesen sein. Siebzehn Jahre wirkte er in
dieser Doppelstellung in Kötzting. Als 1776 Abt Benedikt II. Lutz das
Mutterkloster wegen des aufwendigen Kirchenbaus an den Rand des finanziellen
Ruins gebracht hatte und resignieren musste, setzten die Mitbrüder ihre
Hoffnungen auf Pater Gregor Mack und wählten ihn zum Abt. Sie wurden nicht
enttäuscht. Der Gegenspieler in seiner Kötztinger Zeit, Samuel Luckner,
stand ihm in puncto Geschäftssinn und Organisationsgeschick nicht nach. Der
Chamer Bürgermeisterssohn und Bruder des bekannten französischen Marschalls
Nikolaus Luckner hatte 1736 die Brauerei und Gaststätte in der Herrenstraße
übernommen, häufte als kurfürstlicher Hopfenhändler ein beträchtliches Vermögen
an und wurde 1769 zum Amtskammerer (Bürgermeister) berufen. Wer damals durch
die Kötztinger Herrenstraße der Pfarrkirche zustrebte, konnte die gespannte
Atmosphäre mit Händen greifen. Links das weite Geviert der Prioratsgebäude
(Pfarrhof und Ökonomie, heute Rathaus und Amtsgericht), rechter Hand hatte
Luckner mit neuem Gasthof, Brauerei und Stallungen den Benediktinern ein
weltlich-bürgerliches Gegenstück hingebaut. Gegnerschaft – in diese waren beide
mit einem Bündel von Streitpunkten verstrickt. Es ging zum Beispiel um landwirtschaftliche Gründe. Luckner
behauptete, das Priorat habe sich einen breiten Acker und eine Pointwiese
angeeignet, die zum Besitz der Kirchenstiftung gehörten. Diesen und die
folgenden Vorwürfe schickte er in dicken Briefbündeln nach Rott und später an
die Münchner Hofkammer.
Der Abt fragte – in ebenso weitschweifigen Schriftstücken –
bissig zurück, ob die Konventualen etwa an Grundstücke mit Schubkarren oder
Ochsenwagen entwenden hätten. Oder – die Benediktiner erschlichen Erbschaften,
wenn sie Spitalbewohnern am Sterbebett beistehen. Und sie verlangen ein Drittel
der Opferstockgelder. All dies Pater Gregor als altes Herkommen und mit dem
unermüdlichen Seelsorgsdienst in der großen Pfarrei verteidigte, hielt Luckner
dagegen: „Sy schreiben von Dienst, nicht
aber von Lohn und wie viel tausend und tausend Gulden von hier in das Kloster
versendet werden.“
Breiten Raum der Auseinandersetzungen nahm der – laut
Luckner – Missbrauch der Marktwasserleitung zur Wiesenbewässerung ein. Als sich
die Nachbarn, deren Anwesen unter den Prioratsgebäuden lagen, über die vom
Ökonomiehof herabfließende Jauche beschwerten, ließ der Prior einen
unterirdischen Abflusskanal in Gegenrichtung bis zur klostereigenen Pointwiese
graben. Da aber, wie er in seiner Verteidigungsschrift feststellt, der Adel ein
schmutziges Wesen hat und den Kanal verstopfen ließ, er einen Teil des
Gemeindewassers zum Tränken des Viehs in die Ställe leiten. Mit der
Überschwemmung wurde die Jauche in einem Schacht verdünnt und zur Wiese
abgeleitet. Diesen Streitpunkt verdanken wir eine detaillierte
Grundrisszeichnung vom Priorat mit allen Neben- und Nachbargebäuden, der
Wasserleitung und dem Kanal und ausführlichen handschriftlichen Erläuterungen
aus der Feder Pater Gregors. Nach einer Restaurierung des alten Pfarrhofs und nunmehrigen
Priorats ließen die Benediktiner in Nähe des Eingangs ein Wappen anbringen:
zwischen zwei Türmen ein Baum. Dies versetzte Kammerer Luckner in helle
Empörung. Ein Laubbaum war das Siegel, Wappen und Hoheitszeichen des
Bannmarktes Kötzting. Auf ein Kötztinger Protestschreiben fragte der Abt zurück
– wieder mit unverhohlener Ironie: „Darf
ein Schuster seinen Stiefel, ein Schneider seine Schär vor seinem Haus
aufhenken, warum ich nicht mein Wappen an unserem eigenthumlich zugehörig und
durch päpstlichen Spruch incorporiertem Pfarrhof. Luckner konterte, ein Schuster dürfe nicht die Schere des Schneiders
als Aushängeschild benutzen und umgekehrt. Hätte er im Marktarchiv nachgesehen,
hätte er einen alten Brief von 1688 gefunden, mit dem Prioratssiegel –
unübersehbar zwischen Türmen der Laubbäume.
Die Befürchtungen
der Kötztinger, Abtei und Priorat wollten die Marktrechte schmälern oder gar an
sich reißen, wurden weiter genährt, als 1763 die Bayerische Akademie der
Wissenschaften begann, mit der Herausgabe der »Monumenta Boica« die Urkunden
des Landes für die Geschichtsforschung aufzubereiten und zugänglich zu machen.
Abt Benedikt Lutz und sein Haushistoriker P. Ildeons Ruedorffer förderten das
Projekt nach Kräften und stellten die Rotter Materialien bereitwillig zur
Verfügung.
Im ersten Band
veröffentlichte die Akademie mit den »Monumenta Ratisbonensia« unter dem
missverständlichen, ja sachlich falschen Titel »Jura Hofmarchiae Koetzingensis«
Anl. 1344. (Rechte der Hofmark Kötzting, von Kaiser Ludwig dem Bayern
ausgestellter Freiheitsbrief des Marktes). Luckner, vom Straubinger Rentmeister
darauf aufmerksam gemacht, zog daraus zwei Schlüsse: Das Kloster Rott hat den
seit dem Dreissigjährigen Krieg vermissten Kötztinger Freiheitsbrief im Archiv.
Und – die Abtei will sich den Markt Kötzting als Hofmark unterjochen. Luckner glaubte
nun, einen erfolgversprechenden Klagepunkt gefunden zu haben. Und er setzte
alles daran, die Abtei zur Herausgabe des vermeintlichen Urtextes zu zwingen,
verpflichtete Anwälte, reiste selbst nach München, verlangte vom Abt einen Eid
vor der Hofkammer. Als schließlich nach jahrelangem Hin und Her Kajetan
Deuttinger, Advokat in München, im Namen und Auftrag der Abtei »einen
leiblichen Eid« schwor, dass Rott die Kötztinger Originalurkunde nicht in
Händen habe, wurde 1774 »das
beklagte Kloster von der Klage hiemit absolvirt«.
In dieser
vergifteten Atmosphäre mussten bei der Pfarrkirche wegen des
einsturzgefährdeten Glockenturms aufwendige Sanierungs- und Baumassnahmen
unternommen werden. Samuel Luckner wurde als Bauverwalter aufgestellt. Und
wieder prallten gegensätzliche Meinungen aufeinander. Hatte der Prior bei
der Standortwahl für den neuen Kirchturm schon nachgeben müssen, so wollte er
sich wenigstens mit der Gestaltung der Seitenaltäre durchsetzen. Der rechte
Altar war herkömmlicherweise dem Marktpatron, St. Sebastian, zugedacht. Den
linken wollte Pater Gregor dem Ordensvater Benedikt und den Rotter Hausheiligen
Marinus und Anianus widmen. Luckner dagegen machte sich für einen
Magdalenenaltar stark. Seine Begründung: »Die
Weiber wollen halt auch einen Altar haben.« Das war nach Pater Gregor aber
nur die halbe Wahrheit. Den eigentlichen
Grund fand er darin, »weil seine Ehekonsortin also heisset«. Luckner ließ sich
durch die Wünsche des Pfarrers in seinen Aktivitäten nicht hemmen, beauftragte
den Landshuter Bildhauer Christian Johan mit der Zeichnung eines Risses und der
Berechnung des Überschlags, bestellte schließlich bei ihm die Schnitzfiguren einschließlich
der »Kindl, Englköpfl, Wolken und Zugehörungen«, beim Further Schreiner
Altaraufbauten und beim Chamer Schnitzer »Laub- und Muschelwerk, Capitelen und Postamenta«.
Zur Konsekration
(29. September 1772) waren die Altäre fast fertig, nur die Auszüge oben fehlten
noch. Und gegen alle Einsprüche des Priors weihte der Regensburger Weihbischof
den linken Seitenaltar zu Ehren der hl. Magdalena. Luckner und die
Weiber hatten sich durchgesetzt. Aber der Pater gab sich nicht geschlagen. Er
stemmte sich mit aller Macht dagegen, dass in den Auszügen die von Johan dem
Riss gemäß geschnitzten Engelreliefs angebracht wurden. Als eine »nichts
bedeutende Bildhauerey« wertete er sie ab. Er wollte, wenn er schon keinen
eigenen Benediktus-Altar verwirklichen konnte, für beide Altäre gemalte
Auszugsbilder mit dem hl. Benedikt und Marinus mit Anianus. Auf seine
Beschwerde schickte das Regensburger Ordinariat einen Schiedsrichter. Als beide
Parteien »unbiegsam auf ihrer gefassten Meinung« blieben, entschied der Bischof
zu Gunsten des Priors. Johans
Bildhauerarbeiten, die Luckner auf den Altären hatte anbringen lassen, als
Pater Gregor bei einer Primiz in Freising weilte, wurden gegen gemalte Bilder
getauscht (rechts Tod des hl. Benedikt,
links Marinus und Anianus) – bis heute Zeugnisse einstiger benediktinischer
Präsenz in Kötzting.¹³
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| Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Kötzting: Auszugsbild eines barocken Seitenaltars: die Rotter Patrone Marinus und Anianus vor Christus, 1773 |
Tausend und tausend Gulden
Was war dran an der Behauptung Luckners, Kötztinger Gulden wären tausenderweise
nach Rott geflossen? Da der neu gewählte Abt Gregor Mack vom Prior, seinem
Nachfolger, eine jährliche Abrechnung verlangte, lässt sich, abgesehen von
eventuellen Spenden und Vermächtnissen, eine sichere Antwort geben. Achtzehn
Jahresrechnungen aus der Feder des Priors Cölestin Steiner sind erhalten
geblieben, von den Jahren 1777 bis 1794.⁴⁴ Dort sind die Einnahmen und Ausgaben
aus der Pfarrei und der Kötztinger Ökonomie sauber abgerechnet, der Gewinn
ermittelt und die Überschüsse aus der Propstei (Pachtgelder und Laudemien der
Grunduntertanen), der Hofmark und Ökonomie in Grafenwiesen addiert. Der
jährliche Gesamtgewinn schwankte zwischen 1441 und 3029 Gulden. Insgesamt
wurden in diesen 18 Jahren – in der Zeit, in der Rott alle Anstrengungen
unternahm, die Kirchenbauschulden abzutragen – 42 005 Gulden ins Mutterkloster
geschickt. Das sind im Schnitt 2333 Gulden jährlich. Der größte Gewinnanteil
kam tatsächlich aus Kötzting selbst, aus den Erträgnissen der Pfarrei
(Meßstipendien) und vom Getreideverkauf. Zusätzlich ließ das Priorat jährlich
vier bis sechs Mastochen nach Rott treiben. Deren Wert von je 50 Gulden war in
der Gewinnsumme nicht eingerechnet. Bevor Prior Steiner 1793 die Abrechnung mit
dem üblichen ut in omnibus glorificetur DEUS! („Auf dass in allem Gott
verherrlicht werde“) schloss, wollte er sich diese Bemerkung nicht verkneifen:
„Nebst 4 schweren Ochsen, welche
schier zwen hundert gulden wert waren, ist also freylich zwischen diesem und
den Pillersischen Rechnungszeiten ein sehr großer Abstand und Unterschied.“
Ein Teil der Gewinnsumme wurde von Kötzting nach Oberalteich und Reichenbach
gebracht. Bei den 825 bzw. 50 Gulden handelte es sich um die Jahreszinsen für
die Kapitalien, die beide Abteien zur Abtragung der Rotter Kirchenbauschuld
vorgestreckt hatten. Somit können die Kötztinger mit Recht behaupten, auch
einen Teil zur Pracht der Rotter Klosterkirche beigetragen zu haben. Und es
gibt keine Mitwirkung aus Kötzting. Dem Rechnungsband von 1789 liegt eine
Originalquittung des Kötztinger Schlossermeisters Leonhard Haas bei. Er
fertigte fünf Kirchengitter mit 18 Zentnern Gewicht und bekam dafür vom Priorat
300 Gulden. Die Kötztinger brachten die Fracht bis Landshut, wo sie von Rotter
Fuhrleuten übernommen wurde.
Die Rechnungsbücher warten mit einer weiteren Überraschung auf. Der frühere
Prior Gregor Mack stand als Abt mit Samuel Luckner, der er während ihrer
früheren Kampfzeiten als „strittig“ und auf seinen Reichtum sich verlassend und
trotzend in Kammer apostrophiert hatte, in geschäftlicher Verbindung. Luckner
lieferte den klösterlichen Brauereien über Jahrzehnte hinweg böhmischen Hopfen
und bekam dafür jährlich mehrere hundert Gulden.
In unserer Zeit der Währungsumstellung interessieren Art und Beschaffenheit der
damaligen Zahlungsmittel. Der Gulden war zwar die gängige Währung, aber eine
dem Rechnungsband von 1786 beigegebene Münzliste beweist, dass auch andere
Sorten im Umlauf und im alltäglichen Gebrauch waren. Die im genannten Jahr noch
fällige Restsumme von 1884 Gulden, 21 Kreuzer und 3 Pfennige aus dem Kötztinger
Jahresgewinn wurde in Talern, Karolin, Souveindor, Louisdor, Maxdor, in Form
von kaiserlichen, holländischen, polnischen und Kremnitzer Dukaten und
schließlich als Groschen nach Rott überbracht. Es waren an die 700 Münzen. Mit
anderen Worten, sie fielen ins Gewicht, das über 190 Kilometer zu befördern
war.
Damit ist ein logistisches Problem angesprochen – die gegenseitige
Verständigung, der Transport, auch Kontrolle und Überwachung über eine so weite
Strecke hinweg. Im genannten Jahr 1786 wurde das Paket mit den Münzen dem
„Fuhrmann des Herrn Luckners“ anvertraut, der mit einer Hopfenfuhre nach Rott
unterwegs war. In anderen Jahren schickte der Prior einen eigenen Boten mit dem
Geld auf die Reise. Über Jahre hinweg war es der Fischführer Franz Geiger von
Thening, gelegentlich auch ein Pater oder ein Bürger aus dem Markt. 1792
überbrachte Franz Geiger nicht weniger als 2700 Gulden auf einem einzigen
Botenritt. Das war der Wert eines mittleren Anwesens im Markt Kötzting.⁴⁵
Reitende Boten waren auf der einfachen Strecke vier bis fünf Tage unterwegs.
Dies erfahren wir aus einer Reisebeschreibung des Rotter Brendlbäckers Keller
vom Jahre 1614. Ihm verdanken wir auch den Reiseweg, der von der Autoroute
erheblich abweicht: Kötzting – Konzell – Straubing – Leiblfing – Essenbach –
Landshut – Wartenberg – Walpertskirchen – Rott.⁴⁶
Wie lange jeweils im Spätherbst die beiden Ochsenstreiber mit den zwei oder
drei Paar »schweren Ochsen« auf dem Weg waren, ist nicht überliefert. Für ihr
Zehrungsgeld und die Auslagen für das Futter sind regelmäßig 10–12 Gulden unter
den Ausgaben vermerkt. Für die Reisen der Patres standen im Kötztinger Priorat
Reitpferde, zwei Rennschlitten und eine Kalesche zur Verfügung. Als im Oktober
1801 der letzte Abt, Aemilian II. Miller, gewählt wurde, reisten die fünf
Patres, der Gärtner und zwei Knechte mit drei Pferden nach Rott. Für »Zöhrung ohne Dring- und Trinkgeld« mussten sie nicht weniger als 255 Gulden
und 39 Kreuzer ausgeben.⁴⁷
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| Skizze des einstigen Reisewegs von der Abtei Rott am Inn ins Priorat im Bayerischen Wald |
Wirksamkeit
Die Abtei Rott am Inn zog zweifellos wirtschaftlichen Nutzen aus ihren
angestammten Besitzungen im Kötztinger Land – und noch mehr seit Bestehen des
Priorats. Gaben die Benediktiner umgekehrt den Kötztingern, den
Pfarrangehörigen in den umliegenden Dörfern und Weilern und den Grunduntertanen
etwas zurück? Gewiss! Der kritische Kammerer Samuel Luckner widersprach P.
Gregor Mack, seinem Widerpart, in diesem Punkt nicht, als der ihn auf ihre
fruchtbare Seelsorgstätigkeit aufmerksam machte. Freilich in Gulden und Heller
sind geistliche Fürsorge, soziale Hilfestellung, pädagogische Förderung,
kulturelle Leistung nicht gegenzurechnen.
Aber einiges lässt sich doch schwarz auf weiß belegen. Da ist etwa an P.
Placidus Taller zu erinnern, der mehr als die Hälfte seines Ordenslebens in
Kötzting verbrachte und da auch begraben ist († 14. November 1721). In seiner
Grafenwiesener Zeit als Administrator begann er die Früchte seiner
jahrzehntelangen Predigertätigkeit zu publizieren. Sechs dickleibige Bände
füllen sein Werk. Wir dürfen davon ausgehen, dass er viele dieser bildstarken
und von der Sorge um das ewige Heil für seine Zuhörer getragenen
Barockpredigten in den Kirchen um Kötzting und für das einfache Volk gehalten
hat – er nennt sich selbst »einfältiger Bauernprediger«. Trotzdem gilt er als
der »bekannteste Autor dieses Klosters im 18. Jahrhundert«.⁴⁸ Dem Gnadenbild
der hl. Anna selbdritt in Steinbuchen schrieb er einen Hymnus in fließenden
Versen, und er förderte mit Eifer die aufblühende Wallfahrt.⁴⁹
Und da muss des P. Severin Conradi gedacht werden, des begabten Musikers, der
sich in seiner Kötztinger Zeit (1659–1665) als Komponist einen Namen machte.
Fünfzehn geistliche Arien für eine Solostimme, zwei Violinen und Orgel bei
einem Nürnberger Musikverlag unter dem Titel »Alphabetum musicum« im Druck
herausbrachte und den benachbarten Pfarrern von Lam und Neukirchen b. Hl. Blut
widmete.⁵⁰
Dem malenden Pater Thomas Stifler verdankt Kötzting eine Ansicht des Marktes
(Öl auf Leinwand) vom Jahre 1659, der sich vom Schwedenbrand des
Dreißigjährigen Krieges gerade erst erholt hatte. Ein Bilddokument, das über
Details informiert, die andernorts nicht überliefert sind und in Vergessenheit
gerieten. In künstlerischer Freiheit setzte er in den dichtbewaldeten
Hohenbogen all die »herumliegenden Schlösser und Hofmarken« hinein, die nach
Rott steuerpflichtig waren.⁵¹ |
Markt Kötzting »im Vordern Waldt bei Beha[i]m«, ehemals Propstei des Klosters Rott am Inn, gemalt von dem Rotter Konventualen und Pfarrer von Kötzting, P. Thomas Stifler, für seinen
Bruder Mathias Stifler, Gastgeber zum Goldenen Lamm in Vahrn bei Brixen/Südtirol. Ölbild auf Holz, 1659
|
Unvergessen ist und immer wieder zitiert wird in Kötzting P. Innocenz Mayer. Er
wirkte 42 Jahre in der Pfarrei, ab 1718 als Kooperator, seit 1736 als Prior und
Pfarrer. Er erweiterte die Pfarrkirche und schaffte eine neue Orgel an. Mit 76
Jahren erlitt er auf der Fahrt von Kötzting nach Grafenwiesen einen Unfall, als
die Pferde scheuten, er starb nach zwei Tagen (4. Juni 1760).⁵² Der Grund, dass
sein Name den Kötztingern im Gedächtnis bleibt, ist ein Schreiben an das
bischöfliche Ordinariat in Regensburg. Dort schildert er den Kötztinger
Pfingstritt, erstmals so ausführlich und in all seinen Einzelheiten: die seit
unvordenklichen Jahren am Pfingstmontag gehaltene Prozession zu Pferd nach
Steinbühl, das Mitttragen des Allerheiligsten, das viermalige Absingen des
Evangeliums, die Überreichung des Tugendkränzleins an einen Bürgerssohn nach
der Rückkehr, das Sammeln von Geld, das Trinken und Tanzen bis in die späte
Nacht.
Wie kötztingisch-benediktinischer
Geist auf junge Menschen Einfluss nahm und Talente weckte, lässt sich an zwei
Familien demonstrieren. Christoph Joseph Passauer, Sohn einer angesehenen
Bürgerfamilie, trat 1707 als Benediktiner in Rott ein und kehrte um 1718 in
seine Heimat als Kooperator zurück (P. Emmeram).⁵⁴ Ein Bruder wurde
Franziskanischer und eine Schwester Klarissin am Anger in München. Zwei Onkel,
die in Kötzting aufwuchsen, als Pater Thomas Stifler das Priorat aufbaute, sind
zu hohen geistlichen Würden gelangt: Wolfgang Passauer (1650–1712) war Doktor
der Theologie, Salzburger Geistlicher Rat und Dekan zu Saalfelden; Thomas
Passauer (1766–1743), Doktor beider Rechte, schlug in Freising unter
Fürstbischof Eckher eine erfolgreiche Laufbahn ein als Stiftddechant zu St.
Andréa, apostolischer Notar, Kanonikus und Dekan.⁵⁵
In unmittelbarer
Nachbarschaft des Priorats, im Mesnerhaus gegenüber, wuchsen um 1700 die fünf
Prälisauerbrüder heran. Alle fünf ergriffen den geistlichen Beruf, alle fünf
waren begabte Musiker, jeder komponierte. Der Einfluss der Benediktiner auf sie
ist expressis verbis nicht nachweisbar, aber die nahe Nachbarschaft und der
Mesnerberuf des Vaters legen enge Beziehungen und musikalisch-pädagogische
Förderungen nahe, zumal der vierte Sohn den Weg zu den Rotter Benediktinern fand.
Anton Prälisauer (1692–1746), Jesuit, war Organist an der Münchner St.
Michaelskirche, später Domorganist zu Augsburg und übernahm 1736 die Stelle des
Domkapellmeisters. In München und Augsburg schrieb er Kompositionen zu
zahlreichen Jesuitendramen, Hymnen, Choral-Antiphonen und Responsorien. Ildefons
Prälisauer (1694–1745) wurde als P. Cölestin Benediktiner in Tegernsee und
Chorleiter. Er vertonte mehrere geistliche Schauspiele und Kirchenmusik.
Erhalten geblieben lediglich in der Stiftsbibliothek von St. Peter zu Salzburg
die Turbachöre zu einer Johannespassion. Andreas Prälisauer (1697–1743)
war Kanonikus am Augustinerchorstift in Polling. Als Chorregent war er
maßgeblich an der Einführung der damals neuen Figuralmusik beteiligt. In einem
Nachruf wurde er als Musikpädagoge gerühmt, ebenso, dass er musikalische
Schätze hinterließ, »zum Teil selbst komponiert, zum Teil von Verwandten
abgeschrieben«. Joseph Bernhard Prälisauer (1703–1752), als Pater
Kolumban in Rott, war Chorleiter und Bibliothekar. Als bedeutender
Musikhistoriker analysierte er alte musikalische Handschriften und Codices und
schrieb über die »Anfänge des Choralgesangs«. Auch er komponierte, u. a. die
Festspielmusik zur 1000-Jahrfeier des Klosters Tegernsee. Martin
Prälisauer (1708–1771) wurde ebenfalls Benediktiner, trat als Pater Robert
in Ochsenhausen bei Biberach ein und übernahm die Chorregentenstelle. Nach der
Totenrotel hinterließ er handschriftliche Kompositionen geistlicher Gesänge.
Diese Handschriften und fast alles, was seine Brüder in Noten setzten, sind
verschollen.⁵⁶
Säkularisation
Wenn wir den
erwirtschafteten Gewinn, den Zustand der baulichen Anlagen, die Qualität der
Ausstattung, vor allem aber auch die Zahlen in den Kötzting wirkenden Patres
als Wertmaßstab nehmen⁵⁷, dann hat das Priorat im Lauf des 18. Jahrhunderts
eine stetige Aufwärtsentwicklung genommen, dann stand es an der Schwelle zum
19. Jahrhundert auf dem Höhepunkt seiner Bedeutsamkeit. Da bricht die
Säkularisation herein.⁵⁸
Am 11. März 1803 ernannte die kurfürstliche General-Landes-Direktion den
Kötztinger Rentbeamten Joseph Preiß zum Lokal-Kommissar für die
Klosteraufhebung. Die Welle der Versteigerungen wurde Mitte Mai eröffnet. Als
erstes wurden die Möbel und Gerätschaften, die Vorräte und das Vieh
versteigert. An insgesamt acht Tagen kamen über 700 Warenposten unter den
Hammer, vom Zinngeschirr zum nussbaumenen Rollschrank, vom Tranchierteller zum
Backtrog, von der Kuhkette zum Rohrwagen, vom Reitsattel zum Reitpferd. Dazu:
Haufen von Getreide, Heu und Grummet, Flachs und Dünger. Kaum etwas blieb
zurück, und der Erlös fiel deutlich höher aus als die Schätzsummen. Gut 90
Namen finden sich in den Versteigerungslisten. Die Kötztinger hielten kräftig
mit.
Auch das Angebot an Äckern und Wiesen war hoch willkommen, verfügten doch die
Bürgeranwesen nur über vergleichsweise geringen Wirtschaftsgrund. 53 Parzellen
wurden innerhalb der Marktflur angeboten. Jeder Fleck fand einen Käufer, und
der Erlös übertraf die Schätzpreise um gute 23 Prozent. Dabei tat sich der
Landrichter von Pechmann besonders hervor. Er erwarb zehn der besten
Grundstücke und brauchte nur ein paar Gulden über dem Angebotspreis auf den
Tisch legen, umgerechnet 2,4 Prozent. Die 22 heimischen »Kaufsliebhaber«
zahlten im Schnitt 31,5 Prozent mehr. Daraus folgt: Der Landrichter wurde kaum
überboten, die Bürger trumpften sich gegenseitig hinunter. Oder war eine
Mauschelei im Spiel? Der Gewinn für den Staat war beträchtlich. Ein
Verkaufserlös von gut 70.000 Gulden lässt sich aus den Versteigerungen in
Kötzting, zu Grub (ehemaliger Sitz und Ökonomie) und in Grafenwiesen summieren.
Dies waren die baren Gulden, die den Weg von Kötzting nach München gingen.
Darüber hinaus fielen dem Staat noch weitere Werte zu: das große Waldgebiet am
Kaitersberg (erst 1826 veräußert), das Priorat mit den Wirtschaftsgebäuden (als
Landgericht genutzt, Schätzwert 3000 Gulden), ein Zehentstadel und das
Widumhaus. Die wertvollsten Bände, darunter sechs Inkunabeln, der nicht
unbedeutenden Bibliothek wurden mit den Gemälden im Januar 1804 auf mehreren
Wagen nach München verfrachtet. Den »beträchtlichen Überrest« die ganz
unbrauchbaren, schlechten Bücher wurden »zum Stampfe bestimmt« und vom Münchner
Papierfabrikanten Kauth abgeholt.
Mit der Aufhebung des Priorats war auch die Rechtsform der Klosterpfarrei
aufgelöst. Ein Jahr führte noch der bisherige Pfarrvikar und Prior weiter, P.
Placidus Wanner. Dann wurde die Pfarrei nach einem vom Landgericht Kötzting
ausgearbeiteten Plan, ohne jegliche Konsultierung und gegen den Protest des
bischöflichen Ordinariats, neu organisiert. Mehrere Gebiete mit insgesamt 1261
Seelen wurden den benachbarten Pfarreien zugeteilt. Und als Pfarrer ernannte
die kurfürstliche Landesdirektion den bisherigen Pfarrprediger P. Bonifaz
Krepper, dem im Pflegschloss Pfarramt und -wohnung eingerichtet wurden. Pfarrer
Krepper blieb in Kötzting bis zu seinem Tod 1816.
Das Andenken an die Benediktiner und an die jahrhundertelangen Bindungen zu
Rott am Inn wird in Kötzting wach gehalten. Seit 1993 steht auf dem Platz
zwischen dem Rathaus und dem Amtsgericht, dem alten Prioratshof, ein
Benediktinerbrunnen. Der Bildhauer Joseph Michael Neustifter formte aus Bronze
einen, in Blick und Gestik optimistisch gestimmten Benedikt, gerahmt von drei
Säulen, die sich oben zu einer Kuppel schließen. Auf der rechten Gehäusesäule
dokumentierte Neustifter die Stadtgeschichte und den Kötztinger Pfingstritt.
Die linke Säule erinnert mit gegossenen Lettern und im ehernen Bild an das
Wirken der Benediktiner im Kötztinger Land. Der rückwärtige Pfeiler fasst die
Spiritualität und das In-die-Welt-Wirken unter dem benediktinischen Wahlspruch
»Ora et labora – bete und arbeite« zusammen.
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⏳ Chroniken / Zeitfluss
Dieser Beitrag ist Teil der Markergruppe Chroniken / Zeitfluss. 
Anmerkungen 1–58
1 Monumenta Boica, Band I (im Folgenden: MB I), München 1763, S. 354.
2 Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern. Das Landgericht Kötzting,
München 1953, S. 9. – Max Piendl: Kötzting in seiner geschichtlichen
Entwicklung, in: Kötzting 1085–1985, Regensburg 1985, S. 22.
3 Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (im Folgenden: BayHStA), Kurbayern
U 17927. – Elisabeth Noichl: Gründung und Frühgeschichte des Klosters Rott bis
zur Mitte des 13. Jahrhunderts, in: Rott am Inn, Weißenhorn 1983, S. 14. –
Senta Schuppenies-Perfler: Die Geschichte des Benediktinerklosters Rott am Inn,
Rosenheim o. J., S. 9. – Ludwig Baumann: Kötztinger Kirchengeschichte, in:
Kötzting 1085–1985, Regensburg 1985, S. 39f.
4 BayHStA, KU Rott am Inn 8. – Aus 1200 Jahren. Das Bayerische
Hauptstaatsarchiv zeigt seine Schätze (Ausstellungskatalog II), 1979, S. 80f.
5 Siegmund Riezler: Geschichte Bayerns, 1. Band, Gotha 1878, S. 865.
6 BayHStA, KU Rott am Inn 14. – MB I, S. 370. – Bischöfliches
Zentralarchiv Regensburg (im Folgenden: BZAR), Pfarrei Kötzting, Pro Memoria
von Abt Gregor Mack um 1780. – Matrikel des Bistums Regensburg, Regensburg
1997, S. 308.
7 Eduard Eichmann / Klaus Mörsdorf: Kirchenrecht, Band 2, Paderborn 1958,
S. 424.
8 BZAR, Pro Memoria (wie Anm. 6).
9 BayHStA, KU Rott am Inn 6. – MB I, S. 406. – Übersetzung in: Georg
Schrotter: Geschichte des Dorfes Lam und des Lamertales, Deutsche Gaue, Heft
84, S. 4. – Ulrich Winkler: Zwischen Arber und Osser, Grafenau 1981, S. 21–23.
10 BayHStA, Landshuter Abgabe 1982, KL Rott R 62, 1780 und 1782.
11 Zit. nach Schrotter (wie Anm. 9, S. 6). – Auch in der Schenkungsurkunde
findet sich dazu ein Hinweis: »von dem Waldgebiet … das sie ausgerodet haben
und noch ausroden«.
12 BayHStA, Urkunden der Propstei Kötzting Fas. 1 (nach Schrotter, wie
Anm. 9, S. 7, dort auch Übersetzung). – Faksimile in: Kurt Sanetra: 700 Jahre
Lam, 1979, S. 8. – Matrikel (wie Anm. 6, S. 327).
13 BayHStA, KL Rott 56, S. 315. – MB I, S. 431.
14 Riezler: wie Anm. 5, S. 739.
15 Ernest Geiß: Urkunden zur Geschichte des Klosters Rott, in:
Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band 13 (1852), S.
186–321.
16 MB II, S. 108.
17 BayHStA, KL Rott am Inn 58, S. 450.
18 Schrotter: wie Anm. 9, S. 11.
19 BayHStA, Kaiser-Ludwig-Selekt 972.
20 BayHStA, KL Rott am Inn 110.
21 Ein Maurer verdiente 10 Pfennig am Tag (Georg Lohmeier: Liberalitas
Bavarica, München 1971, S. 59).
22 BayHStA, Landshuter Abgabe, Rep. 92 Verz. 8 Fasz. 67 Nr. 209. – KL Rott
am Inn 59, S. 447–508.
23 Eugen Hubrich: Pfingstrittehr. Freilichtspiel zum Kötztinger
Pfingstritt (Fassung 1962), Typoskript. – Wegen der historischen
Ungereimtheiten verfaßte Johannes Reitmeier ein neues Festspiel,
»Pfingst-Legende«, das seit 1996 im Zweijahresrhythmus aufgeführt wird. Siehe
dazu: Festspielgemeinschaft Kötzting e. V.: Pfingst-Legende, Stammried 1996.
24 BayHStA, KL Rott am Inn 58, S. 202–217. – Martin Fuchs OSB: Profeßbuch
des Benediktinerstiftes Rott am Inn, St. Ottilien 1991, S. 73, 145f.
25 Baumann: wie Anm. 3, S. 42f.
26 Joseph Rudolf Schuegraf: Chronik des Marktes Kötzting (Manuskript im
Stadtarchiv).
27 BayHStA, KL Rott am Inn 59, S. 32, 45.
28 Staatsarchiv Landshut (im Folgenden: StA La), Rep. 97 Fasz. 770 Nr. 44.
– BayHStA, KL Rott am Inn 80, S. 149. – BZAR, Pfarrei Kötzting.
29 Ruf: wie Anm. 24, S. 161f.
30 BayHStA, KL Rott am Inn 59, S. 93–99.
31 StA La, Rep. 168 Verz. 1 Fasz. 1826 Nr. 308.
32 BayHStA, KL Rott am Inn 60, S. 174. – Stadtarchiv Kötzting (im
Folgenden: StadtA Kötz), II/15.
33 BayHStA, KL Rott am Inn 60, S. 523–530.
34 Zählung nach Ruf: wie Anm. 24.
35 Pfarrarchiv Kötzting (im Folgenden: PfA Kötz), 307.
36 Winkler: wie Anm. 9, S. 34–41.
37 Ruf: wie Anm. 24, S. 112–115.
38 StA La, Rep. 97e Fasc. 793 Nr. 834. – Veröffentlicht von Clemens
Pongratz: »Der Odel ist ein schleziges Wesen«, in: Beiträge zur Geschichte im
Landkreis Cham, Band 16 (1999), S. 110.
39 StadtA Kötz, II/15.
40 Ruf: wie Anm. 24, S. 109, 289.
41 MB I, S. 445–447.
42 StadtA Kötz, II/15, II/16, XX (Magistratsrechnung 1775, Fol. 36f). –
BayHStA, KL Rott am Inn 80.
43 BZAR, Pfarrakten Kötzting Nr. 4 (Differenzen zwischen Pfarrer und
Magistrat). – Diözesanmuseum Regensburg, Nr. 1985/104 (Riß von Christian Jorhan
d. Ä.). – BayHStA, KL Rott am Inn 80. – PfA Kötz, 2052 (Seitenaltäre 1771), 307
(Baurechnung 1766, 1770), 201 (Weihe der Kirche 1772). – Ludwig Baumann:
Christian Jorhan, »berühmter bürgerlicher Bildhauer zu Landshut«, in: Schöner
Bayerischer Wald, Nr. 127 (1999), S. 32–34.
44 BayHStA, Landshuter Abgabe 1982, KL Rott R 62.
45 Als 1787 der Hutmacher, Handelsmann und bräuende Bürger Josef
Henneberger sein Anwesen in bester Geschäftslage (heute Marktstraße 21) seinem
Sohn übergab, wurde es auf 2500 Gulden geschätzt (StA La, Markt Kötzting P 49,
Fol. 59, Briefprotokolle).
46 BayHStA, Landshuter Abgabe Rep. 92 Verz. 8 Fasz. 67 Nr. 209.
47 BayHStA, Landshuter Abgabe 1982, KL Rott R 26.
48 Hans Pörnbacher: Vom »einfältigen Bauern-Prediger« zur Festkantate, in:
Willi Birkmaier: Rott am Inn, Weißenhorn 1983, S. 161–163.
49 Ludwig Baumann: »St. Anna bei der schönen Buchen«, in: Beiträge zur
Geschichte im Landkreis Cham, Band 1 (1984), S. 67–93.
50 Robert Münster: Streiflichter aus der Musikpraxis in Rott am Inn vom
17. bis zum 19. Jahrhundert, in: Willi Birkmaier: Rott am Inn, Weißenhorn 1983,
S. 48.
51 Birkmaier: wie Anm. 48, Farbtafel 12. – Ludwig Baumann: »Zu einem
freundlichen Gruß und lieben Angedenken«, in: Schöner Bayerischer Wald,
Grafenau 1985/44, S. 34f.
52 Ruf: wie Anm. 24, S. 264.
53 BZAR, Kötzting, Pfingstritt.
54 Ruf: wie Anm. 24, S. 251.
55 Walter Passauer: Das Geschlecht Passauer, Ebenrode 1941, S. 136, 18.
56 Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Band 10, München 1989, Sp.
1539f. – Ludwig Baumann: Mönche, Musiker, Kötztinger Zeitung 31. Juli 1992
(Bürgerfestbeilage).
57 Siehe dazu Baumann, wie Anm. 3, S. 55–66.
58 Ausführlich dazu und mit detailliertem Quellennachweis Baumann, wie
Anm. 3, S. 67–77.