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Montag, 17. November 2025

Johann B. Mehler und der Kötztinger Pfingstritt

Johann B. Mehler

Ein Freund christlicher Volksbräuche

Ein Beitrag für die Pfingstbeilage von Frau Renate Serwuschok.


Drei Priester zogen beim Pfingstritt der Jahrhun­dertwende im Ornat mit: der erste und zweite
Ko­operator - Johann Baptist Eglmeier und Philipp Gstettner - und auf Einladung des Pfarramtes, wie er eigens betont, der Schreiber der "Gedenkblätter aus Kötztings Vergangenheit" , der Diözesanpräses der Marianischen Männerkongregation und spätere Prälat Johann Baptist Mehler. 


Johann Baptist Mehler


Was er in dieser Chronik über den "Pfingstritt von Kötzting nach Steinbü­hel" berichtet, beruht also, soweit es den Ablauf des Geschehens betrifft, auf persönlichen Erlebnissen. Die Eindrücke, die der Gast bei der Teilnahme an der Seite des Geistlichen Offiziators gewonnen hat, brachte er in die sehr detaillierte Schilderung der Festlichkeiten ein:



"Wir reiten und beten mit der 180 Mann zählenden Reiterschar . Der Weg durch das herrliche Zellerthal beträgt 1'h Stunden . Unterwegs wird viermal angehalten, nämlich
1. beim Dorfe Grub,
2. bei Hofern,
3. bei Bärndorf,
4. in Traidersdorf, um die vier hl. Evan­gelien zu singen wie bei einem Flurumgang. Die stramme Haltung der Männer und Rosse von gleich kernigem Schlage, sowie der Zuschauer gewährt ein anziehendes Schauspiel" 

  


In diesem Jahre 1900 muss die Bereitschaft der Wallfahrer, einen Gottesdienst zu besuchen, groß gewesen sein, denn Mehler betont ausdrücklich, dass dem feierlichen Hochamt alle "Teilnehmer anwohnen", während die Pferde um die Kirche herum „angehängt und bewacht werden". Die Erfahrung, dass auf dem Heimweg zweimal Trab geritten wird, findet der Chronist durchaus der Erwähnung wert, vielleicht rückblickend in dankbarer Erinnerung, dass ihn diese Beschleunigung der Gangart schneller ans Ziel gebracht und die Strapazen des Rittes gnädig abge­kürzt hat.
Johann B. Mehler kannte sich aber ebenso gut mit dem aus, was sich in Kötzting bis dahin tut, denn 1899 hatte er auch diesen Abschnitt des Pfingstmon­tags aus eigenem Erleben kennengelernt , als er nicht nur Ehrengast, sondern zugleich Zelebrant des Feld­gottesdienstes vor der St. Veitkirche gewesen ist. Er bezeichnet das Tun und Treiben als .sehr lebhaft"  und schreibt : „Was noch nicht mit den Frühzügen, zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk gekommen ist, das bringt der Vormittagszug der Eisenbahn!" Er sieht Tausende versammelt, die "aus der Ferne von Regensburg, Amberg, Nürnberg, Straubing, Cham, Furth und aus Böhmen, aus den Thälern des vielfach sich krümmenden Regen, von den Bergen herab gekommen sind" und lobt ihre Haltung als "musterhaft". Wie wenig sich bis zum heutigen Tage an dem geändert hat, was anschließend .los ist", lässt sich der Fortsetzung des Berichtes entnehmen:
.Nach der hl. Messe geht's zu Speis und Trank, und nach Mittag wird fleißig Ausschau gehalten nach den Reitern. Endlich! Die Böller krachen, die Glocken fal­len ein, es ist ungefähr  1 Uhr, da erscheint auf den fernen Höhen die Reiterschar. Jetzt ordnen sich der Magistrat, der Herr Pfarrer, die Herren Beamten, sämtliche Vereine mit Fahnen, um die Reiterschar am Eingange des Marktes feierlich zu empfangen."



Zu Mehlers Zeiten und auch noch lange danach (bis 1948) wurde der anschließende Festakt mit
Überreichung des Tugendkränzchens an einen unbe­scholtenen Bürgerssohn und die Ehrung der langjährigen Pfingstreiter mit Jubiläumsfahnen und Treue­ bändern auf dem Bleichanger (Jahnplatz) durchgeführt, dann in das "Herz" des Marktes vor die St. Veitskirche und den Marienbrunnen verlegt.
Der Chronist gerät ins Schwärmen: "Ringsum lachen herrliche Fluren, die im Nordosten überragt werden von dem langgestreckten Rücken des Hohenbogen und von dem wie ein spitzer Kegel sich er­ hebenden Kaitersberge, dessen Kreuz hoch oben in der Sonne glänzt."
Die Ansprache des Priesters über das Thema:
.Schönheit und Segen frommverlebter Jugendjahre" hält er für .beherzigenswert". Der "goldene Kranz der Tugend" solle dem Ausgezeichneten Ansporn sein, "auch fernerhin als gläubiger, eifriger Christ und treuer Diener des Vaterlandes seine Pflicht zu erfüllen." J. B. Mehler macht aus seiner patriotischen Gesinnung kein Hehl, bekennt sich zu ihr auch bei anderen Gelegenheiten, vergisst nie, zur Treue gegen Gott und die staatliche Obrigkeit, das bayerische Königshaus aufzurufen.
Wenn es stimmt, was der Berichterstatter bemerkt - und er war, wie ihm verschiedentlich nachgerühmt wird, ein aufmerksamer und scharfer Beobachter - dann hat der unvergessene Pfingstbräutigam des Jahres 1900, der Mesner Karl Obermaier, das Kränzchen ,freudestrahlend und hocherrötet" entgegen­ genommen und nach ihm der Jubelbräutigam von 1939 Leonhard Mittermayer den Ehrenkranz ,mit zitternder Hand" empfangen : "Aus manchem Auge perlte eine Träne der Rührung bei diesem seltenen Anblicke".




Am Ende seiner Ausführungen zur Pfingsthochzeit mit einer ,jugendlichen und tugendlichen Kötztingein" als Pfingstbraut (in diesem Fall die Wiesmüllers­tochter Anna Staudinger, mit der Karl Obermaier - beide waren unverheiratet geblieben - 50 Jahre später die goldene Pfingsthochzeit feiern konnte) vermag sich der Priester Johann B. Mehler mit der Nachfeier am Pfingstdienstag offensichtlich nicht so recht anzufreunden. Er vertritt die Meinung, dass die Tanzunterhaltung für die "eingeladenen  Beamten und die Bürgerschaft füglich durch ein allgemeines Konzert am Pfingstmon­tag ersetzt werden könnte, und damit wäre die gesamte Hochzeits­feier erledigt."




Der Seelsorger lässt außer· dem nicht unerwähnt, dass die Veranstaltung am Pfingstdienstag wegen des Quatembermittwochs wie jedes andere geräuschvolle Vergnügen auch, um Mitternacht ein Ende haben müsse. "Pfarrer und Magistrat wachen über möglichste Einhaltung der Ordnung, und so schließt die originelle Feier zum Wohlgefallen der Teilnehmer." Hier fehlt die Übereinstimmung mit den heutigen Gepflogenheiten, in unseren Tagen wird so zeitig nicht zum Aufbruch gemahnt!
Alles in allem muss Prälat Mehler von ,Pfingsten in Kötzting" tief beeindruckt und sehr angetan gewesen sein, fasst er doch das, was er hier erlebt hat, in dem Kompliment zusammen : "Geistlich und weltlich Thun sind im Pfingstritt verschmolzen zu einem Stück Poesie aus dem Bayerischen Walde".

Der Prälat und das Bier


Geistliche Sorgen um ein profanes Problem.  Den besten Eindruck scheint er auch von dem überaus freundlichen Marktflecken" selbst gewon­nen zu haben, der ,Perle des oberen bayerischen Waldes mit (damals zur Jahrhundertwende) fast 2000 Einwohnern", Kötzting, das sich ,trotz allen Unge­machs der Zeiten . . . fortwährend gut entwickelt hat .
Nach Anlage und Verkehr haben sich seit unvor­denklicher Zeit im Marktflecken zwei Zentren heraus­ gebildet, die Herrengasse und der Marktplatz . . . Erstere . . . hat als Sitz der meisten hier bestehenden Ämter sich den Anspruch auf diesen Namen heute noch gewahrt. 
Vom Rathause in bedeutender und nach oben zu­ nehmender Breite zieht sich, durch einigen Baum­ schmuck geziert, das zweite Zentrum in langer Strecke über die Anhöhe hinauf bis zur St. Veitskir­che .Schmuck und freundlich erheben sich . . . in zwei langen Reihen die . . . Gebäude . Die Straßen zeigen Häuser von vorwiegend städtischer Bauart, welche großenteils einem regen Geschäftsleben dienen, zu­ mal eine dichte Bevölkerung der Umgegend dem Markte Kötzting zugute kommt.
Schön und reich ausgestattete Kaufläden bieten viel­fach zu sehr mäßigen Preisen Gelegenheit zur
Deckung aller, wenn nicht außergewöhnlicher Bedürf­nisse".
Überraschend, dass sich ein geistlicher Herr auch Ge­danken über ein ganz profanes Problem gemacht
hat, denn er recherchierte: ,Der schwerfälliger operierenden Kommunebrauerei haben sich nach
neuesten Systemen eingerichtete und betriebene Ge­schäfte gegenübergestellt, den Konkurrenzkampf
mit aus Großbrauereien geliefertem Bier mit beachtenswertem Erfolge aufzunehmen . - na -

 





Zum 80. Geburtsfeste  "Seiner Königlichen Hoheit, unserem vielgeliebten Prinzregenten Luitpold von Bayern in allertiefster Ehrfurcht gewidmet" hat Prälat Johann B. Mehler die „Gedenkblätter aus Kötztings Vergangenheit und der Pfingstritt". Er unterzeichnete als Kongregationspräses und Religionslehrer und schrieb am 12. März 1901 in seinem Vorwort: Allenthalben haben die Mitglieder der historischen Vereine, einem Allerhöchsten Wunsche Sr: Majestät des höchstseeligen Königs Max II. zufolge, die Vaterlandskunde gefördert durch Bearbeitung von Chroni­ken über die vorzüglicheren Orte unseres bayeri­schen Königreiches, soweit dieß ihre übrigen Berufs­ pflichten gestatteten.
Auf Einladung meines Studienfreundes, des Hoch­ würdigen Herrn Pfarrers und
Distriktsschul-lnspek­tors Jakob Elser kam ich 1899 zum ersten Male nach Kötzting, um bei  Gelegenheit des historischen Pfingstrittes die Feldmesse zu halten. Bei dieser Ge­legenheit wurde mir die Beschreibung diess Rittes und im Anschluss daran auch die Zusammenstellung einer kleinen Chronik für Kötzting nahe gelegt. Das Ergebnis jener Anregung sind die illustrierten "Gedenkblätter", wobei mir eine handschriftliche Chronik des ehemaligen Oberleutnants Joh. Rudolf 
Schuegraf, eines um die Oberpfalz und Niederbayern viel verdienten Geschichtsfoschers, eine gewisse Grundlage bot. Dieselbe befindet sich im Besitze des verehrl. Magistrates Kötzting, welcher mir in überaus anerkennenswerter Weise mit allen Akten etc. zu Hilfe kam. Ihm und allen geehrten
Mitarbeitern, besonders Herrn Oberlehrer Holzapfel und Herrn Pfarrmesner Obermaier sei an dieser Stelle der geziemende Dank ausgesprochen.
Meine "Gedenkblätter" sind kurz und einfach gehal­ten, entsprechend den bescheidenen Quellen, die über Kötztings Vergangenheit vorhanden sind. Be­kanntlich ging die Marktsregistratur 1633 bei dem schwedischen Überfall ganz zugrunde . Auch die Nachbarstädte Cham und Furth bedauern den Ver­lust ihrer alten Geschichtsquellen durch verschiedene Feuersbrünste. 

Bei manchen Abschnitten über die alte Zeit hätte man wohl die Geschichte Bayerns ausführlicher her­ anziehen können, allein dann wäre das Buch umfang­ reicher und teurer geworden. Ich habe mit Schuegraf die Ansicht, dass solche Chroniken mehr wahr als zierlich geschrieben sein sollen. Bei dem Haschen nach Zierlichkeit und Ausschmückung erblasst nicht selten die Wahrheit.
Möge der schöne Markt Kötzting unter Gottes Segen und Mariens Schutz von Jahr zu Jahr immer mehr aufblühen, und Kinder und Kindeskinder dem Altare ihres Gottes und dem Throne des angestammten Herrscherhauses Wittelsbach unerschüt­terlich treu ergeben bleiben, wie einst ihre Vorfahren!"




Er war nicht der erste Schreiber, der sich der Ge­schichte Kötztings angenommen hat, aber seine Publikation ist, wie keine andere vor ihr, “unters Volk" gekommen: Prälat Johann Baptist Mehler brachte 1901 ein 76 Seiten starkes Heft heraus, dem er den Titel .Gedenkblätter aus Kötztings Vergangenheit und der Pfingstritt" gab. Er verzichtete allerdings weitgehend darauf, eigene Forschungen zu betrei­ben, sondern stützte sich hauptsächlich auf die handschriftliche Chronik des ehemaligen Oberleut­nants Johann Rudolf Schuegraf .




Dagegen berichtete er über den Pfingstritt aus persönlichem Erleben - 1899 als Zelebrant und Festprediger bei der Feldmesse am Pfingstmontag und als Ehrengast, 1900 sogar als Ritt-Teilnehmer an der Seite der beiden Kooperatoren Johann B. Eglmeier und Philipp Gstettner.
Was die Entstehung dieser Wallfahrt zu Pferde betrifft, ist freilich auch bei Prälat Mehler nichts anderes als das allgemein bekannte Motiv von dem Versehgang zu finden, "Gang" sogar im buchstäblichen Sinne . Er vermutete nämlich, dass die Umwandlung in einen Ritt erst "infolge eines neuen Verlöbnisses zur Zeit einer Viehseuche" geschehen sei.
Johann B. Mehler nannte sich selbst "einen Freund der christlichen Volksgebräuche" . Das erklärt auch,  warum der gebürtige Tirschenreuther, der spätere Religionslehrer und Diözesanpräses der Mariani­schen Männerkongregation , sich ganz spontan be­reit erklärte, eine Chronik über Kötzting und den Pfingstritt zu verfassen, darum gebeten und dazu aufgefordert von seinem Studienfreund, Pfarrer Jakob Elser.
In der Festschrift "Zwölf­ hundert Jahre Bistum Regensburg" , herausgege­ben von Bischof Dr. Michael Buchberger, wird Mehler in Wort und Bild vorgestellt.
J. B. Lebner zählt ihn in dieser Kurzbiographie zu den "volkstümlichsten Priestergestalten  unserer Diözese", erinnert an den Mann .mit dem mächti­gen Haupt und Vollbart, den immer Tätigen und Geschäftigen", der mit Recht von sich habe sagen dürfen, was ihm Dompfarrer Dr. Kumpfmüller in der Trauerrede nachrief: "Omni bono ad­ sum - Zu allem Guten findet man mich bereit".
Die Mehlersche Familien­chronik übersetzt diese· Erkenntnis noch prägnan­ter: .Bei allem Guten bin ich dabei!"
Der später hochgeehrte, häufig ausgezeichnete und vielseitig aktive Got­tesmann war das vierte von sechs Kindern des Tuchmachermeisters  Jo­sef Paul Mehler. Die bei­ den Brüder Ludwig und lgnaz gründeten in Tir­schenreuth die noch heute bestehende Tuchfabrik, die jetzt wiederum von zwei Brüdern - Alfred und Paul - den Großneffen ihres priester­lichen Vorfahren , geleitet wird. Die Mehler-Sippe ist dort nachweislich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts ansässig.
Ein Onkel  des Prälaten - Ludwig Anton - und ein Neffe - Johann Baptist - hatten sich ebenfalls im geistlichen Stand bewährt, der eine als Domprediger, Schriftsteller und Mitbegründer der Zeitschrift "Prediger und Katechet", der andere als Direktor des Kinder- und Altersheimes Kallmünz. Prof. Ludwig Anton schrieb zur 500-Jahrfeier und Stadterhebung 1864 die Tirschenreuther Chronik, seinem Neffen sollte es vorbehalten bleiben, den Kötztingern diesen Freundschaftsdienst zu erweisen.
Als J. B. Mehler dafür zur Feder griff , lagen der Schulabschluss im Benediktiner-Gymnasium in Metten, seine philosophischen und theologischen Stu­dien in Regensburg, die Priesterweihe am 24. Juni 1884 und die ersten Stationen seines seelsorgerischen Wirkens als Kooperator in Mitterteich, Pfaffenhofen. Niederhornbach und Massing hinter ihm.
1886 wurde er zum Expositus von Selb berufen, wo er beim Bau der Herz-Jesu-Kirche bereits großes Organisationstalent bewies. Seit 1892 stand er der Ma­rianischen Männerkongregation der Diözese als deren Präses vor, nachdem er Religionslehrer in Regensburg geworden war. 38 Jahre lang bemühte er sich um die Sammlung und religiöse Betreuung der katholischen Männerwelt, um den Ausbau der Männerseelsorge in den Burschen-, Bauern- und Volks­ vereinen. Wiederholt präsidierte er bei überregionalen Marianischen Kongressen. Er war Mitbegründer des Katholischen Pressevereins in Bayern, als Kanzel- und Festredner gesucht, stand mit berühmten Gelehrten und hochgestellten Persönlichkeiten auch über den deutschen Raum hinaus in Kontakt·. Aus dem jungen Diaspora-Seelsorger von Selb, der sich dort „im Amte eines Missionärs" verstand, wurde dann der Diözesanleiter des Ludwig-Missions­-Vereins, für dessen weltweite Anliegen er mit Hingabe arbeitete, insbesondere für die deutsche Mission seines bischöflichen Freundes Anzer im chinesischen Südschantung.

1884 ließ er sich vom inzwischen heiliggesprochenen Don Bosco persönlich zu Turin in dessen großes Erziehungswerk einführen, um als erster für das sale­sianische Jugendwerk hierzulande tätig zu werden . Während des Weltkrieges setzte er sich unermüdlich für die Soldaten an der Front und in den Heimatlazaretten ein, für die Kriegsgefangenen und deren An­ gehörige, nach 1918 widmete er sich der Kriegsgrä­berfürsorge. Die Krieger- und Veteranenvereine be­saßen in ihm einen verständnisvollen Wegbegleiter.
„Wie verstand er es" , so lobt J. B. Lebner, „unge­zählte kirchliche Fest und katholische Tagungen mit seiner ausgezeichneten Redegabe eindrucksvoll zu gestalten!  Wie viele Pilgerzüge hat er während vier Jahrzehnten geleitet zu den Marianischen Gnaden­stätten ! Nach Altötting allein führte er deren 50 mit über 100 000 Teilnehmern . Da war er so ganz der rechte Mann am rechten Platze!"

Prälat Mehler, der in seinem 46 Jahre währenden Priesterleben „als aufrechter , unerschrockener Mann gearbeitet und gekämpft hatte für die Sache Gottes und seiner Kirche", bewährte sich als tiefgläubiger Priester und kindlich-frommer Marienverehrer auch auf seinem halbjährigen Schmerzenslager, gelähmt an Händen und Füßen. Er starb am 15. März 1930
und wurde in Regensburg beigesetzt . Seine Ruhe­stätte im Unteren Katholischen Friedhof ist im 2. Weltkrieg durch eine Bombe zerstört worden. Auf dem Grabstein dieses „priesterlichen Volksmannes" stand zu lesen: „Im Glauben ein Kind, im Leben ein Kämpfer , im Leiden ein Held." - na -






An die Hinterbliebenen des .Hochwürdigen Herrn Prälaten Mehler, Regensburg, sandte der Münchner Kardinal Michael Faulhaber am 18. März 1930 folgen­ des Kondulenzschreiben:
„Mit großem Schmerz höre ich von dem Ableben des von mir persönlich hochverehrten Herrn Prälaten Mehler. Wie der Verstorbene in seinem unermüdli­chen priesterlichen Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen an allen kirchlich-sozialen Werken seiner Heimatdiözese sich beteiligte, so hat er in seiner nie rastenden Tätigkeit auch in der Erzdiözese München in einer Weise mitgearbeitet, dass sein An­ denken auch bei uns im Segen bleiben wird. Im be­sonderen hat er um den Neubau der Nuntiatur in München sich unvergessliche Verdienste erworben . Der Herr lohne ihm all das, was er auf kirchlich-sozialem Gebiete geleistet hat. Ich werde ihm am Altare ein treues Memento bewahren."
Einen guten Mittelplatz nimmt in Johann B. Mehlers . literarischem Schaffen von der zeitlichen Datierung her die von ihm verfasste Kötztinger Chronik ein. In ei­nem Verzeichnis seiner Veröffentlichungen, das im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg aufliegt, sind 38 in der dortigen Bibliothek greifbare Titel er­ fasst , 18 davon kamen schon vorher heraus, weitere 19 nach den „Gedenkblätter aus Kötztings Vergangenheit und der Pfingstritt", die 1901 im Kommissionsverlag von Vitus Oexler und Joseph Weissen­bach erschienen sind. 
„Er betätigte sich eingehend als historischer For­scher und Biograph" , steht in der Lebensbeschrei­bung vermerkt, die von der Familie Mehler in Tirschenreuth über den berühmten Großonkel in der Familienchronik aufbewahrt wird. J. B. Lebner unter­ strich in seiner Würdigung , die er in der Festschrift zur Zwölfhundert -Jahr-Feier des Bistums über Mehler veröffentlicht hat, dessen Vielseitigkeit im Um­ gang mit Papier und Feder :
„In vielen Einzelschriften und Abhandlungen in Zeit­schriften und Zeitungen hat er katholische Belange und Persönlichkeiten mit warmem Herzen und ge­wandter Feder verteidigt , auch manchen schätzbaren Beitrag zur Diözesangeschichte geliefert, so in seinem Festbuch zum Wolfgangsjubiläum 1894, sei­ner Beschreibung der Diözesan-Wallfahrten u.v.a."
Unter dieses  „viele andere" fällt auch das „Wall­fahrtsbüchlein  von U. L. Frau in Weißenregen"  mit einem Anhang  von  Gebeten  und Liedern und mehreren Abbildungen, ebenfalls 1901 verlegt, zur selben Zeit wie die Kötztinger Chronik , in der er Weißenre­gen bereits ein eigenes Kapitel gewidmet hat, unter Hinweis auf die zweite Neuerscheinung und überzeugt, dass , „wer in Kötzting einen etwas längeren Aufenthalt nimmt, es gewiss nicht unterlässt, etwa 1 Kilometer weit nach Weißenregen zu gehen. Die stattliche Wallfahrtskirche ladet schon von ferne ein, zu kommen und der Gottesmutter andächtigen Gruß zu bieten."
Und Monsignore Mehler lobt das fromme Volk der Marienverehrer, indem er auf die Gefahr hinweist, die für die „Liebfrauenkirche zu Weißenregen bestand. Sie sollte abgebrochen werden, angeblich, weil sie nicht einmal soviel besitze, um die Altarkerzen und das ewige Licht zu bestreiten. Da waren es die treuen Kötztinger, welche den Fortbestand sicher­ ten. Einige Bürger und Handelsleute verpflichteten sich, Öl und Wachs zu bezahlen. Ihre Nachkommen sitzen heute noch auf dem Erbe der Ureltern, und es ist ihnen schon auf Erden wohl ergangen ."
Besondere Erwähnung verdienen Mehlers Publikationen über Don Bosco und seine "soziale Schöpfungen", eine Chronik über das Fürstliche Haus Thurn & Taxis, das Buch "General Tilly, der Siegreiche", die Pilgerbüchlein und die Biographien der Regensburger Bischöfe Wolfgang und Michael Wittmann, auch die Idee, das Leben Papst l:.eos XIII. „der Jugend zu erzählen".. hd












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Montag, 10. November 2025

Die Kötztinger Stadtskimeisterschaften von 1954

 Skimeisterschaft auf dem Großen Arber


Die folgende eindrucksvolle Bilderserie von der Stadtmeisterschaft der Skiabteilung des TV Kötzting stammt aus dem sogenannten „Kretschmer-Archiv“.
Frau Marianna Kretschmer, die im kommenden Jahr an Pfingsten als unsere Jubelbraut (Pfingstbraut 1956 an der Seite von Georg Barth) geehrt wird, besitzt eine außergewöhnlich umfangreiche Sammlung von Fotonegativen, die sich in zwei große Teilbereiche gliedert:

Die erste Sammlung umfasst vor allem Motive aus dem alltäglichen Leben – von Passbildaufträgen über Landschafts- und Gruppenaufnahmen bis hin zu Vereins- und Faschingsveranstaltungen.

Die zweite Sammlung, das sogenannte Pfingstarchiv, ist bis heute nach Jahrgängen geordnet und folgt noch immer der ursprünglichen Nummerierung jener Fotos, die einst im Schaufenster ausgestellt waren, um Bestellungen im Fotolabor zu ermöglichen.

Auch bei dieser Bilderfolge würden wir uns über Rückmeldungen der Leserinnen und Leser freuen – insbesondere dann, wenn jemand eine Person auf den Gruppenaufnahmen wiedererkennt oder nähere Angaben dazu machen kann.

Am 14. März 1954 erschien in der „Kötztinger Umschau“ ein Bericht über die Veranstaltung des TV Kötzting. In der „Kötztinger Zeitung“ desselben Monats findet sich hingegen kein entsprechender Hinweis. Das könnte allerdings damit zusammenhängen, dass der Bericht in der Umschau im Lokalteil veröffentlicht wurde – dieser Teil wurde archiviert –, während ein möglicher Beitrag in der Zeitung vermutlich im Sportteil erschienen wäre, der üblicherweise nicht aufbewahrt wurde.

Foto Archiv Kretschmer Mitte März 1954 am Großen Arber







rechts sollte der Senigl gewesen sein, Josef Iglhaut

3.vl. Pongratz Georg, 5.vl. Heigl Theo, 4.vr. Hans Kuglmeier, vorne rechts Sepp Iglhaut





3.vl. Pongratz Georg, 5.vl. Heigl Theo, 6.vr. Hans Kuglmeier, vorne rechts Sepp Iglhaut

4. u 3. vr- Pongratz Schorsch und Heigl Theo

Eine ganz besondere Aufnahme, vor allem mit den bergauf steigenden Skifahrern Bildmitte rechts.






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Freitag, 7. November 2025

Der Räuber Michael Heigl und seine Bande

 Was mussten sich die im Großraum Kötzting stationierten Soldaten und Gendarmen nicht alles an Spott anhören, weil es ihnen über so viele Jahre hinweg nicht gelungen war, Michael Heigl und seine Gefolgschaft zu fangen. Selbst auf dem Viehmarkt in Straubing wurde über die Kötztinger Gendarmen gelästert und gespottet.
Aber man muss ihnen zugute halten, dass mit ganz wenigen Ausnahmen und ganz seltenen direkten Begegnungen - als Heigl beinahe geschnappt worden wäre -, niemand sein wirkliches und genaues Aussehen kannte.
In der Hochphase der Jagd auf Michael Heigl wurden Doppelwachtposten in der Nähe von Waldkreuzungen aufgestellt, die ihn hätten fangen sollen. Was die dabei eingesetzten Soldaten und Gendarmen hatten, war jedoch nur eine grobe Personenbeschreibung, die zumeist mit dem Zusatz endete, das MH gerne mit Jägerhut und Jacke gekleidet sei und mit einem zweiläufigen Gewehr bewaffnet sein solle.

Und so blieb dem eingesetzten Wachpersonal, das überwiegend ja von außerhalb rekrutiert und hier nur auf Zeit - und gegen den Willen der Dorfbevölkerung aber auf deren Kosten - stationiert gewesen war, nichts anderes übrig, als sich auf die vagen Personenbeschreibungen und auf ihr Gefühl zu verlassen.

Ähnlich wie wir es aus den Filmen über den Wilden Westen in den USA mit den "Wanted - dead or alive" Steckbriefen kennen, mussten auch die Jäger des Räubers MH  im "Wilden Osten" Bayerns genau schauen, wen oder was sie da bei ihren Kontrollgängen vor sich hatten, denn Fotoapparate gab es bei uns damals noch nicht und vor allem, wenn sie ihn hätten fotografieren können ... hätten sie ihn ja schon gehabt. (Q.E.D.)

Bei allen meinen Vorträgen über Michael Heigl und den Begleitvorträgen bei den Vorführungen des  1977er Heiglfilms betone ich, wie sehr unsere Vorstellungen über das Aussehen des historischen MH von der Darstellung des MHs durch den Kötztinger Heijterl Karl geprägt sind.


Welches Bild sich frühere Generationen von MH gemacht haben, wissen wir nicht und es sind auch - leider, sehr sehr leider - keinerlei Spuren vom Räuber Heigl Film von Anfang des 20. Jahrhunderts mehr zu finden, als nach der Novelle von Maximilian Schmidt schon einmal das Leben und "Wirken" des Räubers aus dem Bayerwald verfilmt und danach auch bei uns in Furth und Cham aufgeführt worden ist.

Innerhalb eines Projektes, bei dem ich ChatGPT soweit bringen wollte - und übrigens scheiterte..... das heißt eigentlich scheiterte ChatGPT auf ganzer Linie - frühere Ortsansichten wie den alten Spitalbereich rund um den heutigen Stachus und den alten Galgenberg (sprich Ludwigsberg) mit seinen zwei Terrassen entwickeln zu lassen entstand dann auch die Idee, aus den Personenbeschreibungen der einzelnen Mitglieder der Heiglbande Bilder generieren zu lassen.

Natürlich haben Heigl und sein männliches und weibliches Gefolge nicht genau so ausgesehen, wie auf den folgenden Bildern, aber ein Gendarm mit der Personenbeschreibung im Kopf hätte bei einer Begegnung mit diesen dargestellten Personen zumindest Verdacht schöpfen müssen, ob dies nicht seine Zielpersonen gewesen wären.
Die Bilder stellen also Stereotype dar, die aufgrund der Personenbeschreibungen während des Prozesses protokolliert wurden oder stammen aus den Beschreibungen - v.a. Kleidung und Bewaffnung - die den Gendarmen an die Hand gegeben wurden.
Vor allem sein vernarbtes Gesicht, nach einer Verletzung im Kampf mit den Gendarmen wird immer wieder erwähnt.

Nun aber genug der Einleitung: was lieferte ChatGPT zurück aufgrund meiner hochgeladenen Beschreibung und diversen Korrekturen, weil die gelieferten Bilder häufig einem sehr gut - ja fast gemästeten - gefütterten, sehr kräftig gebauten Mann glichen. Die Angabe, dass es sich bei Heigl um einen muskulösen Mann mit kräftigem Oberkörper und Schultern gehandelt hatte, wandelte das Programm sehr gerne immer wieder in einen rundherum korpulenten Mann herum, der schwerlich den Häschern im Kaitersberghöhenzug hätte entkommen können......

Kurz gesagt, wenn man sich den Michael Heigl so vorstellt, wie auf den folgenden Bildern, dann liegt man zumindest nicht so daneben, als wenn man sich unseren Heijterl Karl als Räuber Heigl vorstellt. Vor allem aber seine Freundin , die  Therese Pritzl - später, warum auch immer, die "Roude Res" genannt -, passt in ihrem Erscheinungsbild - gemäß der historischen Bildbeschreibung - aber schon überhaupt zu keiner "Roudn Res".

Nun aber zu den Einzelpersonen

Was wissen wir von Michael Heigl:

 "Meistens mit grauer Jägerjoppe und grünem Jagdhut bekleidet, den sicheren Stutzen übergehängt," beschrieb ihn der Staatsanwalt Steinle in seinem, den Prozess begleitenden Artikel.
Eine lange Narbe habe er im Gesicht gehabt, als er bei einem Einbruch mit einem Beil verletzt worden war.
Eine lange Narbe habe er im Gesicht gehabt, als er bei einem Einbruch mit einem Beil verletzt worden war.
Und dann folgt die genaue Beschreibung:


Er war also
- von mittlerer Größe, kräftigem muskulösen Körperbau und breit von Brust und Schultern.
- zeigte in seinem Aussehen nichts Wildes
- sein Gesicht war rund, bartlos und mit Narben gezeichnet
- sein Gesichtsausdruck erweckte den Anschein von Gutmütigkeit

Michael Heigl, nach mehreren Versuchen, die ihn einmal als zu korpulent und danach wieder als zu viel hager haben werden lassen. Dann fehlte wieder der Hut oder die Joppe oder das Gewehr. Selbst bei der Generierung von Bildern hat ChatGPT ein Gedächtnis eines Kleinkindes.....


Angeregt durch ein Gespräch bei mir im Rathaus zu dem Thema Bildgenerierung durch ChatGPT hat auch sich auch Stefen Weber von der Kötztinger Umschau der Sache angenommen, um  sich  MH bildlich zu nähern und hat dabei dieselbe Personenbeschreibung aus dem Prozess ge/benutzt, Allerdings ließ er den Text des Staatsanwaltes komplett so stehen, so dass MH in der Kleidung dargestellt werden sollte, wie er im Prozess aufgetreten war. Und da gilt es eben bei ChatGPT auch immer gut hinzusehen, da die KI wegen der Bezeichnung " städtische Kleidung" unserem MH gleich ein "Schmisetterl" um den Hals gehängt hat. Unser Räuber Michael Heigl vor Gericht mit einer Krawatte kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen.

Von einer Gesichtsnarbe keine Spur, dafür aber mit Krawatte und mit weißem Stehkragen.

Um zu zeigen, wie sehr solch eine Bildgenerierung von einer Seite zur anderen wabert, hier eine kleiner Ausschnitt aus den heute erneut generierten Bildern. Da wurde mal wieder gerne der Hut weggelassen, oder es fehlte die Narbe, dann war er anfangs viel zu hager dann zu korpulent und dann fehlte wieder etwas anderes und dann begann alles wieder von vorne.

 



Trotzdem funktionierte diese Bildgebung; Vorgabe Ölgemälde im Stile der Romantik im Endeffekt ganz gut und es hat Spaß gemacht, immer auf die neuesten Korrekturen zu warten, auch wenn oft dann irgendetwas fehlte.

Nun aber zu den anderen Mitgliedern der Bande:

Die Therese Pritzl wird so beschrieben:


Therese Pritzl, 22 bis 23 Jahre alt und seit ihrem 15.Jahr die Geliebte des Heigl, ist von kleinem gedrungenen Wuchs und voller Büste, hat dunkle , feurige Augen, braune Haare und ein angenehmes Äußeres. Sie kannte keinen anderen Willen als den ihres Geliebten, dem sie mit aufopfernder Zärtlichkeit ergeben ist.

Michael Heigl und Theres Pritzl in einer Wirtsstube

Michael Heigl und Therese Pritzl vor einem der "hinausgebauten Häusel" - wie sich Carl von Paur äußert - am Waldrand.

Bei der Marianne Gruber stand im Prozessakt:

Die Gruber, tief in den Vierzigern stehend, aber trotzdem in schreiend bunte Farben gekleidet, ist lang und mager, mag aber in ihrer Jugend hübsch gewesen sein.



Es gibt dann neben der Option Ölgemälde auch die Möglichkeit, die Personen photorealistisch darzustellen. Hier das Ergebnis:





Und dann bleibt nur noch Michael Rainer, von dem Staatsanwalt Steinle schreibt:

Er sei

- von außergewöhnlich großem, kräftigen Wuchs 
- habe ein auffallend langes, sogenanntes Vogelgesicht
-seine Geisteskräfte stehen auf niederer Stufe, und allenthalben verrät er große Rohheit



Was ist nun von dieser ganzen Bildgenerierung zu halten?


Haben die Personen genau so ausgesehen                            >>>>>>>>> Nein
Passt die historische Beschreibung auf diese Kunstfiguren      >>>>>>> Ja

Vielleicht einfach so:


Müsste man die Rollen für Michael Heigl und seine Gefährten in einem Theaterstück vergeben, so wären diese vier die Idealbesetzung. Näher heran an die Originalpersonen kann man nicht kommen.











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Donnerstag, 6. November 2025

Das "Schwarmwissen" ist gefragt

oder
Eine überraschende Begegnung mit der eigenen Geschichte


In Vorbereitung auf meine nächste Jahreschronik, die wie üblich die Gegenwart im Abstand von 70 Jahren begleitet, habe ich von Frau Kretschmer aus ihrem Firmenarchiv eine bemerkenswerte Leihgabe erhalten. Neben den damals im Drogerie-Schaufenster ausgestellten kleinen Papierbildern durfte ich nun auch die Originalnegative des Jahres 1956 einsehen. Diese Negativsammlung umfasst nicht nur den Pfingstritt mit der Kranzübergabe und den beiden Brautzügen, sondern auch Aufnahmen des Kinderfestzugs sowie mehrere Bilder von der Aufführung der Pfingstrittehr.
Gerade bei der Digitalisierung zeigt sich, wie viel mehr in diesen alten Filmen steckt. Man kann heute regelrecht in die Bilder hineinzoomen und Details erkennen, die auf den kleinen 9 × 13 cm-Abzügen aus jener Zeit schlicht unsichtbar geblieben waren – Gesichter, Kleidung, Hausfronten, Schilder oder Zuschauer, die erst jetzt klar hervortreten.
Damit eröffnet sich ein faszinierender Blick auf das Kötzting des Jahres 1956 – lebendig, detailreich und nah wie nie zuvor. Die folgenden Aufnahmen sollen den Auftakt zu einer kleinen Reihe von „Suchbildern“ bilden. Ich lade alle Leserinnen und Leser herzlich dazu ein, beim Betrachten genauer hinzusehen. Vielleicht erkennen Sie bekannte Gesichter – Verwandte, Nachbarn, Freunde oder sich selbst – auf den Bildern des Pfingstritts, der Burschenzüge oder des Kinderfestzugs von 1956. Jede Rückmeldung hilft, diese Aufnahmen historisch zu verorten und die Erinnerung an das damalige Kötzting lebendig zu halten. Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie eine Person, ein Haus oder eine Situation wiederzuerkennen glauben. Denn erst durch solche Hinweise wächst aus den anonymen Momentaufnahmen ein Stück gemeinsamer Geschichte.

Einschub:
Eine kleine Episode am Rande: Beim Durchsehen der Aufnahmen habe ich mich selbst – als kleiner Bub am Fenster sitzend – wiedergefunden. Eine unerwartete Begegnung mit der eigenen Vergangenheit, die diesen Bildern auch mir selbst noch einmal eine ganz besondere Nähe verleiht.
Einschub Ende 

Die Szenerie ist bekannt: Pfingstmontag, Kötztinger Marktplatz. Der Kooperator überreicht dem Pfingstbräutigam sein Pfingstkranzl, im Hintergrund die beiden Häuser Marktstraße 30 und 28. Der Platz ist dicht gesäumt von Menschen; in der vordersten Reihe stehen die Vertreter des damaligen Stadtrats, der Geistlichkeit und der Vereine, die sich an der Einholung der Pfingstreiter beteiligt hatten. Selbst die Zuschauer an den Fenstern des Miethauses Marktstraße 30 lassen sich deutlich erkennen, von denen ich nach 70 Jahren noch einige in guter Erinnerung habe.

Es wäre schön, auch die Vertreter der Vereine und die des Stadtrats benennen zu können. Einige sind uns natürlich schon bekannt.
Foto Kretschmerarchiv Pfingsten 1956

Das Programm stellt die Bilder beim Hochladen automatisch etwas komprimiert dar; darum folgen im Beitrag einige Ausschnitte, um die interessanten Details besser sichtbar zu machen – Vereinsvertreter, Stadträte, Zuschauer an den Fenstern …

Hier die hervorgeholten Details aus der Aufnahme:
Hier die Vertreter der Vereine:

Sicherlich Burschenverein - Feuerwehr Kötzting - Schützenverein und Trachtenverein

Dann die Vertreter des Magistrats in zwei Teilen:


Ich kann hier Barth Josef Senior vorne halb links und Huber Xaver halb rechts in zweiter Reihe erkennen. Rechts neben ihm steht Wallner Alois (Baywa Verwalter) Vielleicht ist es links Kerscher Bepp?

Ich denke links ist Josef Dullinger, der spätere Kötztinger Bürgermeister

Danach mal ein Blick auf die Zuschauerränge:


Ich glaube links am Fenster ist Frau Minna Bauer und am rechten ihr Sohn, der Bauer Franze

Und dann kam für mich die große Überraschung, als ich mich selbst auf einem der Bilder gefunden habe.


Bei uns im Hause gab es im ersten Stock Zimmer – genau über dem großen Backofen der Backstube des Erdgeschosses gelegen und wegen dieser Situation auch unbewohnbar. Dieses Zimmer, das „Warme Zimmer“ genannt, diente ausschließlich zum Trocknen der Wäsche und zum frühmorgendlichen Waschen der Kinder, weil das Riesenhaus ansonsten noch ohne jegliche Heizung war, von wenigen irgendwo verteilten Einzelöfen abgesehen. In Kötztinger Handwerkerhaushalten war es damals durchaus üblich, dass, um die mitarbeitenden Mütter zu entlasten, „Kindsdeandl“ eingestellt wurden, um auf die Kinder aufzupassen, solange diese noch klein waren. Solch ein „Kindsdeandl“ – ich glaube, es war damals die Rosa – hatte mich aufs Fensterbrett im „Warmen Zimmer“ platziert, und so betrachteten wir diesen Menschenauflauf von oben.

Zum Abschluss noch das Bild der Kötztinger Geistlichkeit, die wir natürlich kennen und die uns auch zeigt, wie wohl sich der damalige Stadtpfarrer und Dekan Josef Dietl in unserer Heimatstadt fühlte, mit der – und vor allem mit deren Vereinen – er noch lange Zeit eng verbunden geblieben war. Schon wenige Wochen nach dieser Aufnahme wurde Dekan Josef Dietl nach Ettmannsdorf ins dortige Kloster versetzt, und Josef Augustin wurde der neue Stadtpfarrer.  

Kooperator Hackl versucht das Kranzl von seinem Brustkreuz zu nesteln, während Stadtpfarrer Dietl sich mit dem Pferd unterhält.... es sieht so aus, als hätte er in seiner Hosentasche etwas Süßes versteckt für das Reittier seines Kooperators.


Am Ende nun der Hinweis auf mein neuestes "Baby", die Interaktive Karte" Kötztings, in welcher all die Blogbeiträge, die auf einen ganz bestimmten Ort verweisen  - seien es Beträge über die Hausgeschichte, Biografien, Berufsbilder oder auch nur Vereinsfeiern und Faschingsumzüge -  dort mit einem Mausklick aufgerufen werden können.
Diese Karte läuft zunächst einfach auf jedem Browser, kann jedoch sogar als eigenständige APP auf dem PC und auch auf Mobilgeräten installiert werden.
Wie das mit den verschiedenen Endgeräten dann im Einzelnen geht, kann man im verlinkten Beitrag Schritt für Schritt nachlesen.



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Montag, 3. November 2025

Standarte für die Kötztinger Martinireiter

Als die Kötztinger im Jahr 1985 das ganze Jahr über ihr großes Jubiläum „Kötzting 1085–1985“ feierten, kam es im November desselben Jahres zu einer besonderen Geste seitens der benachbarten Gemeinde Miltach. Zu Ehren des Kötztinger 900-Jahr-Jubiläums stifteten die Miltacher Martinireiter ihren Kötztinger Mitreitern eine große, aufwändig gestaltete Reiterstandarte, die in den folgenden Jahren sowohl von den Kötztinger Martinireitern mitgeführt als auch beim Kötztinger Pfingstritt von der Miltacher Abordnung getragen wurde. 

Einige Jahre später schufen sich die Miltacher Pfingstreiter für ihre Teilnahme am Kötztinger Pfingstritt schließlich eine eigene Standarte.

Vorderseite der Miltacher Reiterstandarte (1985) – mit dem heiligen Martin als Motiv und dem Hinweis auf die 900-Jahr-Feier der Stadt Kötzting.



Diese Standarte wurde dem damaligen Kötztinger Oberzugordner Sepp Schwarz am Ende des Martiniritts 1985 in Miltach überreicht.

KÖZ: Sepp Schwarz mit der neuen Standarte - November 1985

Genauer hieß es zu dieser Überreichung in der Kötztinger Zeitung vom November 1985



Rückseite der von den Miltacher Martinireitern gestifteten Reiterstandarte (1985)
Überreicht anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums der Stadt Kötzting.




In den ersten Jahren war es Hermann Vogl aus Gehstorf, der die Standarte sowohl beim Miltacher Martiniritt trug als auch beim Kötztinger Pfingstritt als Vorreiter der Miltacher Reitergruppe vorausritt – bis sich diese schließlich eine eigene Standarte anschafften.

 


Die folgenden Aufnahmen stammen von Haymo Richter aus seinem Bilderarchiv:

Foto Richterarchiv: Gerstl Otto und Ludwig Wolfgang 

Foto Richterarchiv: v.l. Wack Traurig - Gerstl Otto - Ludwig Wolfgang - Miethaner Erich

Foto Richterarchiv: v.l. Gerstl Otto  - Ludwig Wolfgang - Fritz Bummer - Schwarz Sepp