Ich möchte zu einer Veranstaltung in der Aula des Kötztinger Gymnasium am Donnerstag den 8. Mai 2025 im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Abend der politischen Bildung am Benedikt-Stattler- Gymnasium" einladen. An genau diesem Tag - vor 80 Jahren - endete der Zweite Weltkrieg und begann für unsere Vorfahren langsam, sehr langsam der Start in eine bessere, friedliche Zukunft.
Gleich zu Beginn noch ein Hinweis und die Bitte, sich - der Eintritt ist frei - im Sekretariat des Kötztinger Gymnasiums anzumelden.
Kriegsende und Neuanfang im Kötztinger Land
Es ist mir eine besondere Freude, dass es gelungen ist, Frau Anna Rosmus für einen der beiden Vorträge zu gewinnen. Frau Rosmus - geboren 1960 in Passau - ist eine amerikanische Schriftstellerin und Forscherin, die sich intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus und dabei v.a. mit dem Aspekt des Antisemitismus befasst. Beim Kampf gegen den Nationalsozialismus hatte natürlich die amerikanische Armee einen entscheidenden Anteil, weshalb sie sich später auch entsprechend intensiv mit den Verbänden befasste, die hier im April/Mai 1945 eine so große Rolle gespielt hatten.
![]() |
Frau Anna Rosmus |
Neben ihrer archivischen und schriftstellerischen Arbeit, die ganz besonders für unseren Grenzraumraum so interessant und passend ist, ist Frau Rosmus durch ihre außergewöhnliche Leistung als junge Schülerin/Studentin auch eine Person der Zeitgeschichte geworden.
Ich zitiere hier ihren Wikipedia-Eintrag:
"Anlässlich des Schülerwettbewerbs Alltag im Nationalsozialismus befasste sich Anna Rosmus als 20-Jährige mit der Rolle ihrer Heimatstadt Passau während dieser Zeit und deren Umgang mit den Passauer Juden. Bei ihren Nachforschungen stieß sie auf Widerstände.[5] Drei Jahre lang erhielt sie keine Einsicht in die Personalakte des NSDAP-Oberbürgermeisters Max Moosbauer, bis sie sich die Akteneinsicht vor Gericht erstritt. Dabei kam zum Vorschein, dass zahlreiche führende Passauer Persönlichkeiten aktive Nationalsozialisten gewesen waren. Durch ihre Recherchen wurde ihr auch bekannt, dass Adolf Eichmann und Adolf Hitler in Passau gelebt und Heinrich Himmlers Vater Schulleiter an ihrer Schule gewesen war. Die Ergebnisse ihrer Recherchen fasste sie 1983 in dem Buch Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933–1939 zusammen. Rosmus setzte sich außerdem für die Errichtung passender Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus ein, so zum Beispiel in Passau, wo dieses Bestreben von offizieller Seite jedoch damals nicht unterstützt wurde. Im Jahr 1996 wurde schließlich das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus direkt am Fluss Inn errichtet. Die Anfeindungen und Bedrohungen (bis zu Morddrohungen) durch Bürger ihrer Heimat, die sie als Nestbeschmutzerin ansahen, veranlassten sie, 1994 ihre Heimatstadt zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu emigrieren."
Was im obigen Eintrag nur in einem Nebensatz erwähnt ist, hatte aber eine deutliche Auswirkung auf die Auslegung des bayerischen Archivgesetzes. Akten einer Person - auch Personalakten -, die im Dritten Reich eine Funktion ausgeführt hatte, dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen seither NICHT mehr zurückgehalten werden.
Nicht nur alleine durch ihren Bekanntheitsgrad sondern gerade durch ihr außergewöhnlich mutiges Auftreten wurde sie - und ihr Leben als junge Passauerin - sogar zum Thema eines großen Spielfilms. Der Regisseur war niemand geringerer als der erst kürzlich verstorbene Michael Verhoeven und der Film "Das schreckliche Mädchen" gehört/e in der amerikanischen Übersetzung als "The Nasty Girl" in den USA bald zum Pflichtprogramm in vielen Schulen. Der im Jahre 1990 gedrehte Film war 1991 sogar für den "Oscar" in der Kategorie des "besten fremdsprachlichen Films" nominiert.
Hier der link zur youtube-Version des Verhoevenfilmes: >>>>>> link <<<<<<<
Für uns hier und heute sind jedoch vor allem ihre jüngeren Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen interessant. Seit dem Jahre 2012 und den Recherchen zu ihrem Buch über die "Reichskristallnacht" in Regensburg und Umgebung gibt es einen - zunächst lockeren - Kontakt zu unserem Stadtarchiv.
![]() |
erschienen 2013 |
Kurze Zeit danach kam es zu einem fast unwirklichen - aber zufälligen - Zusammentreffen von Ereignissen quer über die Kontinente, als bei uns in Kötzting in einem abgeschlossenen Kellerraum im Rathaus - feucht und verschimmelt - die Sammlung des Traditionsvereins der 11. Panzerdivision aufgefunden und danach getrocknet, gesichtet und archiviert wurde. Im Wissen, dass sie über genau diese deutsche Wehrmachtseinheit bereits in ihren Büchern berichtet hatte, habe ich ihr kurz geschrieben - und mein Leid geklagt angesichts des Schimmels - und siehe da, gerade in diesem Moment hatte sie einen "passenden" US-Veteranen bei sich im Büro, der dann auch sogleich die Verbindung zum Vilsecker "Col Reed Museum" herstellten konnte. Eine Woche später bekam ich Besuch vom Museumsleiter, der unser Material sichtete und Teile davon mit nach Vilseck nahm, da sie dort bessere - v.a. größere - Scanner hatten, als wir im Rathaus. Für die Rückholung unseres Materials fuhr ich selber nach Vilseck und bekam - gelegen mittendrin in der Kaserne - eine Führung durch dieses Museum und durch deren beeindruckende Handbibliothek. Später erhielt ich aus diesem Bestand ein paar ausgesuchte Bücher in digitaler Form, die mir heute noch gute Dienst leisten.
![]() |
Bilder aufgenommen auf der "Lindnerwiese" |
Darin schreibt Dr. Markus Gruber über "Soldatenschicksale 1945 im Raum Waldmünchen und ihre Klärung".
Um hier angesichts der schon ab dem Jahreswechsel 1944/45 beginnenden sehr schwierigen Lebensbedingungen unserer Bevölkerung - die sich durch die Flüchtlingszahlen dann auch noch laufend verschlechterten - nicht den Blick auf Ursache und Wirkung zu verlieren, beginne ich mit ein paar Bildern aus Kötzting vom Spätherbst 1938, als mit der Besetzung des Sudetengebiets eigentlich alles begann.
![]() |
Foto Josef Bock: Bahnhofstraße Kötzting am Vorabend des Einmarsches ins Sudetenland. |
Fast zeitgleich mit dem Einmarsch - nach Zeugenaussage sogar während die US-Streitkräfte schon am in Gehstorfer Berg zu sehen waren - passierte der schreckliche Mord am Wettzeller Schmied Stöger.
![]() |
Foto Rabl-Dachs: Das Marterl am Totenbacherl für Wolfgang Stöger. |
Dann war für die Kötztinger der Krieg zu Ende, auch wenn es noch ein paar Tage dauerte bis zur bedingungslosen Kapitulation Großdeutschlands.
In dieser Phase bahnte sich das an, was später auch das Pfingstwunder von/in Kötzting bezeichnet wurde: die Kapitulation der 11. deutschen Panzerdivision, der der Raum Kötzting als Einmarschraum zugewiesen wurde.
Viele Bilder der 11. PD in und um Kötzting haben sich erhalten, in Kötzting beim Amberger Hof, beim Achtler, auf der Spitziwiese, an der Laderampe am Bahnhof, auf der Lindnerwiese, auf dem Jahnplatz, in Sperlhammer.
![]() |
Teilliste der Belegung einzelner Kötztinger Gebäude durch die Militärregierung |
StA Kötzting Nur noch als Fragment erhaltene Flüchtlingskartei des ehemaligen Landkreises Kötzting mit über 11000 Namen. |
Es wird Pfingsten 1945 - Zeit für ein Wunder
![]() |
StA Kötzting |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.