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Dienstag, 24. April 2018

Pfingsten 1948 und ein kleiner Jahresrückblick

1948 ein schwieriges Jahr für Kötzting

was gibts diesmal: viele Bilder, viele Zeitungsausschnitte und drei Filmschnipsel und viel zu lesen


Dieses Bild habe ich vor Jahren zufällig in die Finger bekommen - es stammt vermutlich aus dem sogenannten Krämerarchiv - und ich erinnere mich noch als wäre es gerade erst gewesen.....
Eigentlich ist es ja ein Wimmelbild, bei dem sich üblicherweise Details erst nach längerem Betrachten erschließen.....trotzdem habe ich SOFORT beim ersten Blick auf das Bild gesagt, "das ist ja mein Vater in der Mitte". Erst danach habe ich mir das Bild genauer angesehen und damit war auch bald die Bedeutung klar: Es ist der Fackelzug des Burschen und Wanderervereins Pfingsten 1948 und Sonntag Abend gegen 22.30 Uhr. Zentral in der Mitte mein Vater mit einer unbeschrifteten Laterne. Er war der Brautführer in diesem Jahr. Seine Laterne verdeckt im Bild die Nase des Pfingstbräutigams, Hans (Buberl) Dattler. Grassl Wolfgang, der zweite Brautführer müsste die Person sein, die rechts von meinem Vater steht, Rücken zum Photographen, ebenfalls mit einer Laterne in der Hand. Laut den Unterlagen, die wir von dem Pfingstfest 1948 im Stadtarchiv haben, müsste es sich bei der Musikkapelle und die Kapelle Mühlbauer aus Hohenwarth handeln. Für die damalige Bildtechnik und angesichts der Tatsache, dass es finster und Alles in Bewegung war, eine tolle Aufnahme.

Dies nur zum Anfang, einfach ein ganz besonderes Bild aus dem Jahre 1948

Grundsätzlich ist das Jahr 1948 immer noch wesentlich bestimmt von den Folgen des Zweiten Weltkriegs mit all den Sorgen um Essen, Wohnraum, Heizmaterial. Veranstaltungen und Vergnügen waren noch sehr dünn gesäht, und mussten auch sehr umständlich, als "geschlossene Gesellschaft" mit "geladenen Gästen abgehalten werden und natürlich einzeln von der amerikanischen Militärregierung zur Genehmigung vorgelegt werden.
 Im Juni 1948 kam es dann zur großen Währungsreform, die mit der tranchenweisen (ähnlich wie bei der Euro-DM Umstellung) Einführung der DM begann und als direkte Folge die schrittweise Reduktion der Lebensmittelkarten bei gleichzeitiger Steigerung der Inflation mit sich brachte. Die Gewinner dieser Reform waren die Besitzer von Waren und Gütern, die allermeisten Bewohner unserer Heimatstadt hatten zunächst einmal nur Nachteile, weshalb die Marktverwaltung ab Anfang August auch wöchentlich dem Landratsamt einen Zustandsbericht senden musste. Diese Berichte des zweiten Halbjahres geben einen guten Einblick in die Härten des Kötztinger Alltages. Doch dazu später im Jahresverlauf.

Aber nun der Reihe nach:
Kappenabende und Tanzveranstaltungen im Fasching waren noch nicht möglich, das Bier war auch noch "Dünnbier", die allgemeine Lage noch sehr trübe und die Aussichten zuerst einmal auch nicht besser:
Die "Kötztinger Umschau" sollte erst im September/Oktober 1948 als eigenständige Ausgabe erscheinen. Vorher - 1947-  gab es in der MZ aus Regensburg eine Rubrik Bayerwald, wo manche/wenige Informationen über Kötzting zu finden waren. 1948 dann war die Informationsfülle schon dichter, es gab eine eigene Ausgabe für Cham und dort war Kötzting schon besser vertreten.
MZ vom Februar 1948
Über die ungarischen Einheiten, deren Pferde hier behandelt wurden wurde an anderer Stelle bereits kurz berichtet. Bepp Fischer erinnert sich, wie er mit den Panjewagen nach Cham zur Schule gefahren war.
MZ vom März 1948