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Dienstag, 16. Mai 2023

Jahreschronik Kötzting 1953

 

 Kötzting im Jahre 1953

"Wir werden eine Stadt"

Der Jahresanfang 1953 und das Drama mit dem Schi-Stra-Bus

 
Auch wenn diese Jahreschronik grundsätzlich dem "Zeitpfeil" folgt, so sind es doch einige Themen, die sich im Zusammenhang besser lesen und verstehen lassen, als wenn einzelne Informationen stückchenweise verteilt wären. Siehe später das Drama um den Arberexpress.
Über die  beiden Großereignisse des Jahres 1953, die Stadterhebung und das Pfingstfest, haben wir so viel an Bildern und Dokumenten im Archiv, die es alle wert sind, veröffentlich zu werden und gleichzeitig aber in einer normalen Jahreschronik die vielen anderen Ereignisse des Jahres erschlagen würden, weshalb die Jahreschronik 1953 nicht auf einmal, sondern in Teilen freigeschaltet werden wird.
Neben der Schilderung des Jahresreigens werden es folgende "Großereignisse" sein, die in größeren Beiträgen nacheinander dem Blog hinzugefügt werden, um den Jahresreigen zu vervollständigen.

Die Stadterhebung:  "Wir sind Stadt"
Foto Kretschmer: Der Kötztinger Bürgermeister Hans Kroher erhält vom stellvertretenden Landshuter OB Götz als "Morgengabe" die von der Partnerstadt Landshut gespendete Amtskette. 
Feier der Stadterhebung vor dem heutigen Alten Rathaus, Pfingstsonntag 1953

Pfingsten im Jahre 1953

Foto Kretschmer: Hilde Liebl und Otto Gerstl

Der historische Festzug von 1953

Foto Kretschmer: Die Darstellung der "Pest" im historischen Festzug von 1953


Der Kinderfestzug  im Jahre 1953


Foto Werner Kretschmer 1953


Januar und Februar 1953


Am Ende des Vorjahres war nach einer Bürgerbefragung klar geworden und danach vom Marktrat auch entschieden geworden, dass Kötzting in München den Antrag stellen würde, zur Stadt erhoben zu werden und befand sich ab diesem Zeitpunkt auf der Zielgeraden für diesen großen Tag.
Im Bericht der letzten Marktgemeinderatssitzung im alten Jahr - 1952 -  werden die Einzelheiten der kommenden Schritte vorgestellt.
Kötztinger Umschau Jahresanfang 1953

Sehr schnell wurde auch entschieden, dass die Zeremonie in das Pfingstgeschehen miteingebunden werden solle.

Kötztinger Umschau Jahresanfang 1953

In der Silvesternach 1953 kam es in Weißenregen zu einer schrecklichen Bluttat zwischen Nachbarn; das Opfer Otto Schlamminger, ein 58jähriger verheirateter Hilfsarbeiter mit drei Kindern, wurde auf dem Heimweg von der Klause durch den Rentner Alois Stoiber mit 5 Messerstiche getötet. 
Opfer, Täter, Tatort und alle Umstände wurden, anders, als es heutzutage gemacht würde,  in der Presse ausführlich und mit Bildern dargestellt,

Der Arberexpress kommt.... vielleicht kommt er aber auch nicht.

Bereits Anfang Januar kam dann die nächste frohe Botschaft. Der Schi-Stra-Bus sollte endlich Wirklichkeit werden. Seit den 20er Jahren hatte Kötzting immer und immer wieder versucht, eine Reihe von Gemeindevorstehern und Bürgermeister hinter sich zu versammeln und mit diesen sowohl in München als auch, nach dem Weltkrieg, in Bonn vorstellig zu werden, um eine sogenannte Zellertalbahn zu bekommen.
Als (fauler) Kompromiss wurde das Konzept des Schi-Stra-Busses entwickelt, des Schienen-Straßen-Busses. Ein Fahrzeug, welches von Cham kommend, bis Kötzting auf den Eisenbahngleisen fuhr, dort im Bahnhof - hydraulisch angehoben und seiner Metallräder beraubt - auf die Straße wechselte. Nun gings als ein etwas zu breit gewordener Omnibus - was auf der engfängigen Zellertalstraße zu einigen Unfällen führte - auf der Straße bis nach Bodenmais weiter, wo das Zwittergerät wieder in einen Zug verwandelt wurde und bis nach Passau auf Schienen "abdampfte."
Die Geschichte unseres Schi-Stra-Busses wurde bereits in einem eigenen Blogbeitrag behandelt, einschließlich von Filmaufnahmen.
Im Januar 1953 war es dann soweit, der Arberexpress kommt tatsächlich.....aber.....

Kötztinger Anzeiger 1953-Januar

Wie oben bereits erwähnt, hatte Kötzting Ende der 20er Jahre den Kampf um eine Zellertalbahn bereits zum ersten Male verloren. Die Lobby der Anrainergemeinden im mittleren Bayerischen Wald war einfach zu stark und so  entstand die Regentalbahn, für deren Regenquerung es nötig gewesen war, eine große Brücke zu bauen, die als ein Spannbetonwerk in Deutschland Maßstäbe gesetzt hatte.
Kötztinger Anzeiger 1953-Januar

Im Februar ist es dann soweit:
Kötztinger Anzeiger 1953-Januar
Bereits bei der Probe-Jungfernfahrt kam es zu einem Unfall mit einem LKW.

Vor allem Ludwig Volkholz, sowohl Landtags- als auch Bundestagsabgeordneter, hatte sich in den Vorjahren sehr um die Entstehung der Zellertalbahn bemüht, war bei Ministerien und Fachstellen vorstellig geworden und warb auch immer wieder bei Politikerbesuchen, die sich bei uns in der Region ein Bild der Lage machen wollten, um Unterstützung für diese Bahn; quasi seine Herzensangelegenheit. Als nun erneut die Entscheidung gegen den Wunsch Kötztings um eine Zellertalbahn gefallen war und auch noch die Premiere des Schi-Stra-Busses gleich im Straßengraben geendet hatte,  veröffentlichte die Kötztinger Umschau im Zusammenhang mit ihrer Faschingsausgabe eine Glosse über Ludwig Volkholz und seine neue Zellertalbahn. Leider ein schlechtes Druckbild, aber trotzdem schön zu lesen, ein früher "Scheinwerfer"



 
KÖZ April-1953
Der Unfall gleich bei der ersten Probefahrt gab den Verantwortlichen zu denken und plötzlich stand das schon wieder einmal ganze Projekt in der Schwebe. Eine Woche vor Pfingsten sollte es nun aber doch losgehen...... oder auch nicht.....
Anfang Mai ist die Situation unverändert; es geht nichts voran mit der neuen Bahnlinie und mit dem "Schiestrabus" (Nun mit "ie")
 


Auch wenn es schlussendlich Juni werden musste und die erste Fahrt nicht mit dem Pfingsttermin zusammenfallen konnte...... am Mittwoch den 10. Juni hatte die Kötztinger Zeitung allen Grund zu jubeln, der Schi-Stra-Bus war endlich angekommen.

Ludwig Volkholz - im September 1953 noch Bundestagsabgeordneter und ab Oktober nur noch ExMdB- erhielt auf seinen Brandbittbrief noch eine erklärende Antwort vom Bundesminister für Verkehr Dr. Hans Christoph Seebohm.


Nach den Kampf über Jahrzehnte, war es also 1953 nun endlich zu einer Zug/Busverbindung durch das Zellertal gekommen. Allerdings sollte diese Verbindung bereits wenige Jahre später sang- und klanglos wieder eingestellt werden.
Nun aber weiter im Jahreszyklus 1953 und zurück zum Januar:

Die Kötztinger Handwerker beginnen sich wieder auf ihre Stärken zu besinnen und bestimmen ihre Handwerksmeister.
Kötztinger Anzeiger 1953-Januar

Bepp Kerscher ist in dieser illustren Liste eine große Ausnahme, er ist nämlich der jüngste seiner Zunft in solch einem Amt.
Kötztinger Umschau 1953-Januar

Was beim Vergleich der letzten beiden Bilder ganz deutlich auffällt, ist die unterschiedliche Qualität des Druckbildes der beiden Zeitungen, besonders auffällig ist dies bei der Darstellung von Fotos.
Kötztinger Umschau 1953-Januar

Die Vorstandsmitglieder des Kötztinger Burschenvereins aus dem Jahre 1953 steckt voll mit bekannten Namen, vom Kollmaier Josef, Schwarz Sepp bis zum Mesner Karl, um nur einige zu nennen.
Nun ist es endgültig, der Antrag des Marktes liegt in München vor.
Kötztinger Umschau 1953-Januar

Auch vier Jahre nach der Einführung des Volksfestes und dem Eingriff in den Ablauf des Pfingstrittes (Kranzlübergabe) ist diese Neuerung immer noch Thema in den Bürgerversammlungen, auch wenn diese Änderungen mittlerweile nicht mehr als strittig angesehen werden.
Im Januar jedenfalls stehen die wesentlichen Programmpunkte für das diesjährige Pfingstfest bereits.
Kötztinger Umschau 1953-Januar

.Nach der Übergabe es Antrags steht eine Vorabbesichtigung Kötzting s durch den bayerischen Innenminister Hoegner an, und Kötzting putzt sich heraus.
KÖZ Februar 1953

Oberinspektor Weigl, der Vorsitzende des im Januar gegründeten Fremdenverkehrsvereins äußerste sich über die Zukunft Kötztings mit einem bemerkenswerten Satz: "Wenn wir alle zusammenhelfen, wäre es zum Lachen, wenn wir nicht aus Kötzting was machen könnten."

Den Kötztinger Faschingsbesuchern bleiben im Winter 1953 nur wenige Wochen, am 18.2. ist bereits der ganze Zauber vorbei. 

Die Umschau bringt eine Faschingsausgabe, mit vielen Bildern, die allerdings wegen der schlechten Druckqualität nicht vorzeigbar ist. Anders die Kötztinger Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Fachingszeitung.

Chronik der FFW Kötzting
 
Das Logo der Faschingszeitung prangte auch auf dem Einladungsplakat für den Feuerwehrball am 24.1.1953 und was für ein Ball...
Chronik der FFW Kötzting
Chronik der FFW Kötzting - Xaver Huber in seinem Feuerwehrauto

Huber Xaver, ein Garant für Spezialfahrzeuge und sogar Skilifte, hatte für den Ball ein ganz besonderes Feuerwehrauto gebaut.

Feuerwehreinsatz in der Jahnhalle. Chronik der FFW Kötzting


Chronik der FFW Kötzting

Chronik der FFW Kötzting

Ebenfalls noch im Februar 1953 kam es zu einer endgültigen Einigung zwischen Dem Landratsamt und dem St. -Josefs-Krankenhaus. Als dieses nämlich drei Jahre bei der Neuerbauung mit seiner Baulinie um einige Meter von der Straße zurückgewichen war, wollte der Kreis diesen neugewonnenen Platz sogleich für eine Straßenverbreiterung an Kötztings Haupteinfahrtsstraße nutzen hatte jedoch die "Rechnung ohne den Wirt" gemacht, denn das Seraphische Liebeswerk als Krankenhausbetreiber wollte partout nicht auf nur einen Zentimeter seines Grundes verzichten.  Erst eine Verhandlung bei der Regierung erbrachte einen Kompromiss; eine Kostenverteilung und nun eine neue offizielle Festlegung der Baulinie am Krankenhaus.
Ohne dieses Ergebnis zu kennen, habe ich in einen der allerersten Blogbeiträge bereits die Frage gestellt: Wer hat das Krankenhaus verschoben".  Ursache dieser Frage war, dass auf einem sehr alten Foto dieser Engstelle die Straße an dieser Stelle eindeutig viel, viel schmaler ist als heutzutage. Nun kennen wir die Lösung.

Die "Spulerlfabrik" in Harras arbeitet wieder. Dies war eine gute Nachricht für unsere Gegend, denn es gab - zumindest für begrenzte Zeit - Arbeit für viele Menschen. Ich erinnere mich noch gut an "Spulerlholz"-Lieferungen bei einigen Nachbarn, die dieses Abfallholz - Rundholzscheiben aus Hartholz, aus denen die Zylinder herausgebohrt waren, aus denen dann die Spulen für Nähgarne gedreht wurden-  als hochwertiges Brennholz verwerten konnten.

KU vom Februar 1953

 




März und April 1953


In Kötzting kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten über einzelne Bauwerke, deren Ausführung und vor allem deren Lage. Ich erinnere hier nur an die Industrieansiedlung der Firma Winter in der Auwiese, der Kindergartenflachbungalow des Stadtpfarrers Augustin im Burggraben, der Riesenbau des Kaufhauses Wanninger und kürzlich die Baupläne für einen Neubau anstelle der Pfeffer- und Mühlbauer-Anwesen.
Im Jahre 1953 entzündeten sich die Meinungen an der Dauerbaustelle der Landwirtschaftsschule im Hochwassergebiet in der Auwiese. Als sich nun auch noch im Kreistag herausstellte, dass die Kostenentwicklung einen Nachtragshaushalt benötigte, wurde es im Januelsaal laut.
Landrat Nemmer schob die Schuld auf seinen Vorgänger - LR Scholz - die beiden am Bau beteiligten Fachmänner, Regierungsbaumeister Florin und der Kötztinger Baurat aD Windisch, der eine für , der andere gegen den Bau, waren sicherheitshalber gar nicht entschienen- und so kam es zu emotionalen Ausbrüchen der Sitzungsteilnehmer.
A.P. Henneberger - übrigens Jahrzehnte später auch ein erbitterter Gegner des Winterbaues - sprach neben der Hochwasserproblematik auch die Verschandelung der Ansicht der Kirchenburg an.
Leider nur in einer unscharfen Abbildung hat sich der Versuch Hennebergers erhalten, gegen den Neubau künstlerisch Front zu machen
Skizze A.P. Hennebergers, um zu illustrieren, wie verheerend
sich der Neubau auf den Anblick der Kirchenburg auswirken würde.
KUSW627


Kreisrat Böhm wiederum bezeichnete die Sgrafitto-Arbeit des Künstlers Henneberger - es sind die landwirtschaftlichen Darstellungen auf dem Treppenhausturm, der heute noch existiert - "als nicht ansprechend". KR Neumeier meinte eine "rote Landwirtschaftsschule sehe aus wie ein städtischer Schlachthof" Alois. Sehr deutlich äußerte sich auch der KR Karl Seidl, jahrzehte später Kötztings Bürgermeister.

KÖZ März 1953

Lt Karl Seidl, dem späteren Kötztinger Bürgermeisters, war die Platzierung und Darstellung des 
Schäfers mit seiner Herde in Richtung des Eingangs einer Landwirtschaftsschule eine
"Diffamierung des Bauernstandes". Serwuschok063


Das Objekt des Streites, die Kötztinger Landwirtschaftsschule, seit den 1990er Jahren dem Großparkplatz zum Opfer gefallen, nur noch der Turm mit seinen angefeindeten Sgrafitto-Abbildungen steht noch. Serwuschok065



Pfingsten und die Stadterhebung kommen näher und langsam werden Programmstrukturen für den großen Tag erkennbar.
Einer der spektakulären Veranstaltungen soll ein historischer Festzug sein, von dem es übrigens sogar einige Farbbilder gibt und der  später - in ähnlicher Form  - 1971 und - in einer viel, viel umfangreicheren Form  - 1985 wiederholt worden ist.


Kötzting erhielt eine eigene Hymne, komponiert vom Rimbacher Bernhard Notz nach einem text von Eugen Hubrich.



Weiterhin kam es im März 1953 zu einer Vereinsneugründung, die Kötztinger Reisetaubenvereinigung wurde aus der Taufe gehoben. 
In Kötzting hochgeschätzt feierte der Baurat a.D. Windisch - auch er ein profunder Gegner des Baues der Landwirtschaftsschule - seinen 75. Geburtstag. Neben seiner umfangreichen Arbeit beim Kriegerverein - er hatte Auseinandersetzungen mit der Parteiführung auszustehen, als diese Fahnenabordnungen des NSKK bei Beerdigungen während des 2. Weltkrieges verhindern wollte - und vor allem beim Waldverein, sind es seine Straßenprojekte im LK Kötzting, für die wir ihm noch heute dankbar sein müssen.
KÖZ April 1953


Mai und Juni 1953


Nun geht's auf die Zielgerade für Pfingsten und die Stadterhebung:


Die Entwürfe der neuen Pfingstplakate




 





Mai 1953 -   Kötzting wird zur Stadt erhoben
ein Bilderbogen



Hoch oben an der Fassade des Rathauses prangten bisher zwei Schriftzüge in Latein, die an markante 
Ereignisse aus der Geschichte Kötztings erinnerten. Nun sollte ein dritter Schriftzug die noch freie 3. Seite des Gebäudes schmücken und dazu fiel unseren Vorfahren ein besonders trickreicher Satz ein, der "Gott sei Dank" nicht verwirklicht wurde.


Und dann wird geputzt und geputzt, um den Markt Kötzting für die vielen Besucher herzurichten.




Am 24.5.1953 war es dann soweit, mehr als ein Jahr hatten die Kötztinger auf diesen Tag hingearbeitet und hingefiebert: Kötzting wurde eine Stadt.

KÖZ Pfingstbeilage. Der Text der Kötzting-Hymne





Krämerarchiv: die Einladungskarte zur "Stadtrechtsverleihung" zum letzten Male unterzeichnet vom "Marktgemeinderat"


 Archiv Kretschmer: Dieses war der große - von außen sichtbare  - Moment, als mit der Überreichung der Bürgermeisterkette an Hans Kroher die Stadterhebung vollendet wurde.


Der Akt, der diese Standesveränderung tatsächlich vollführte, war die Überreichung der Stadterhebungsurkunde durch den bayerischen Staatsminister Wilhelm Hoegner, der sich zusammen mit den Ehrengästen dann auch im Goldenen Buch Kötztings verewigte.

 
Foto Kretschmer: Dies ist der Moment, an dem der Staatsminister Wilhelm Hoegner
des Akt der Stadterhebung vollzieht.



 

So lautete der Sinnspruch des Eintrages für das Goldene Buch. 

Einschub:
Wie sehr über diesen "Sinnspruch" und die Aufschrift an der Rathausfassade diskutiert und mit harten Bandagen gekämpft wurde, zeigt ein der Ausschnitt über diesen Vorgang im Beitrag von Rektor aD Ludwig Baumann, im Festbuch zur 50jährigen Stadterhebung.

Rathausinschrift

Seit im 18. Jahrhundert das Rathaus mit dem barocken Zwiebelturm sein heutiges Gesicht bekam, verkündeten zwei lateinische Inschriften an den Außenwänden zwei historische Meilensteine in der Geschichte des Marktes: die Bestätigung der Marktrechte 1344 und die Beglaubigung eben dieser Rechte und der niederen Gerichtsbarkeit gegen die Angriffe des Pflegers 1756. 1953 hielt es die Marktverwaltung für angebracht, die Stadterhebung als weiteren Markstein mit einer dritten Rathausinschrift zu bekunden – mit Recht, wie wir nach einem halben Jahrhundert befinden dürfen.

Da es um die Formulierung eines Textes in lateinischer Sprache ging, holte man den Rat von Pfarrer und Dekan Josef Dietl ein. Der fand die Unterstützung von Regensburger Altphilologen. Oberstudiendirektor a. D. Dr. Hirmer (der „als der beste Lateiner Bayerns gilt“, Dr. Piendl) ersann ein kunstvoll geformtes Distichon:
                                              „Vicus eram postinde forum per saecula florens:
                                                nunc urbis nomen iusque decusque mihi. MCMLIII“
                                                (Dorf war ich einst und Markt sodann, Jahrhunderte blühend:
                                                Jetzt bin Stadt ich genannt, freu mich des Rechts und der Ehr, 1953). Studienprofessor Hösl formulierte eine sachliche und knapper gehaltene Sentenz:
                                               „Rectores Bavariae huius loci ad civitatem promotores. MCMLIII“
                                               (Die bayerische Regierung erhob diesen Ort zur Stadt, 1953).

Wie in all diesen Fragen suchte man bei Dr. Max Piendl in München Entscheidungshilfe. Der empfahl nach Rücksprache mit Kollegen den Vers, wollte aber die zweite Zeile abgeändert haben, weil sie nicht stilgerecht sei und für den Begriff „Stadt“ auf keinen Fall „urbs“ verwendet werden dürfe. Das sei der Titel für eine Regierungsstadt. Sein Vorschlag für die zweite Zeile: „Civitas nunc nominor ius aeternum mihi“ (Stadt werde ich nun genannt, ein ewiges Recht für mich). Dieser Vers in zwei Zeilen (Distichon) wurde dem Kalligraphen Walter Heisig, Studienrat in Osnabrück, übersandt, damit er ihn ins Goldene Buch auf der Ehrenseite zur Stadterhebung eintrug. Das gleiche Distichon wurde auch als Motto in die Programmhefte zur Festwoche gedruckt. Als der Regensburger Studienprofessor Hösl ein solches Programm als Dank für seine Mitwirkung zugeschickt bekam, war Feuer unterm Dach. „Jenem Herrn“ (Dr. Piendl), der den Text abgeändert hat, seien drei metrische Versehen unterlaufen... „So also kann die Inschrift am Rathaus nicht angebracht werden.“ In einem weiteren Schreiben, das an „jenen Herrn“ weiterzuleiten war, wurden die Fehler nachgewiesen und bis ins Kleinste zerpflückt. Danach verfasste Hösl noch einen dritten Brief und „bestürmte“ die Verantwortlichen, nicht das Distichon als Inschrift zu verwenden, sondern „den einfachen Satz“, den er (Hösl) formuliert habe. In Kötzting entschied man sich aber überraschenderweise für die allererste Fassung des Distichons, wohl wissend und bedauernd, dass dann die Inschrift am Rathaus nicht mit dem Text im Goldenen Buch übereinstimmt.

Der Leser mag allmählich den Überblick verlieren. Dies ist nicht verwunderlich. Im Rathaus war er offensichtlich auch abhanden gekommen bei diesem Hin und Her von Schreiben und Entgegnungen zwischen Regensburg und Kötzting, Regensburg und München, München und Kötzting. In Kötzting selbst scheint auch Mehrstimmigkeit geherrscht zu haben. So viel kann man aus den erhaltenen Briefen, Entwürfen, Aktennotizen und Merkzetteln erschließen. Und die alltägliche Amtssprache im Rathaus war wohl auch nicht das klassische Latein, viel weniger das in Versform mit Pentameter, Daktylen und Spondeen.

Außerdem drängte die Zeit. Das Gerüst am Rathaus wartete seit Montag in der Woche vor Pfingsten auf den Stoiber-Maler. „Jetzt schon wieder anders“, lesen wir auf einer Aktennotiz von Inspektor Weigl. „Ist es nicht ein Hohn, wenn wir dem alten Stoiber bald jeden Tag einen anderen Text angeben müssen. Ich wäre dafür, dass wir nun den Text wählen, der im Ehrenbuch und auf den Programmen steht. Dann ist die erste Zeile von Herrn Prof. Hösl[i], die zweite von Herrn Dr. Piendl. Haben wir dann nicht jedem Recht getan. Das Gerüst steht. Ich wäre schon bald dafür, dass wir etwas anschaffen, und dabei bleibt es.“ Der Bürgermeister gab ihm recht und schrieb mit Bleistift darunter: „Ich bin dafür, dass die Schrift im Rathaus mit der im Ehrenbuch übereinstimmt.“ Also doch der Vers, das kunstvolle, aber von Dr. Piendl verwässerte Distichon! So wurde es am 18. Mai beschlossen, fünf Tage vor den Festlichkeiten. Endgültig?

Nein! Ein Merkblatt noch vom gleichen Tag: „Herr Dekan Dietl hat soeben angerufen, er würde vorschlagen für die Inschrift auf dem Rathaus nicht den Vers sondern der einfache Satz.“ Und den in großen Lettern zu schreiben, wurde dem Malermeister Josef Stoiber mit Brief vom 19. Mai 1953 auch aufgetragen: „Alle Ihnen bisher mitgeteilten Fassungen sind gegenstandslos. Es kommt nun folgende kurze Fassung zur Ausführung: RECTORES BAVARIAE HUIUS LOCI AD CIVITATEM PROMOTORES MCMLIII. Diesmal endgültig! Und so lesen wir es heute noch – nach 50 Jahren. Anders aber im Goldenen Buch![ii]



[i] Genau genommen ersann das Distichon Dr. Hirmer, Hösl hatte es nur übermittelt.

[ii] StadtA Kö, 021/1 (Rathausinschrift).

Einschub Ende


Der Eintrag zur Stadterhebung  im Goldenen Buch.

Dieser Sinnspruch hätte den Platz an der Dachtraufe des Rathauses gesprengt und hätte wohl viele Besucher auch mit seiner Komplexität überfordert.
Die Inschrift passte sich dann doch dem "Kompaktstil" der anderen beiden Inschriften an und so heisst es seit Sommer 1953 kurz und knapp:  dass "die Herrscher Bayerns diesen Ort im Jahre 1953 zur Stadt erhoben hatten".

Foto Sigi Wild: das neu renovierte Alte Rathaus 1985

Der Festakt - erneut aus der Feder von Ludwig Baumann

Festtage

Die Feiern zur Stadterhebung wurden am Pfingstsamstag (23. Mai) mit einem Begrüßungs- und Festabend eingeleitet. Viele Ehrengäste waren in die Turnhalle gekommen, allen voran der Bürgermeister der Patenstadt Landshut Josef Götz (in Vertretung des Oberbürgermeisters) mit zwölf Stadträten, der 26 Mann starken Stadtkapelle und drei Fahnenschwingern. Und viele ehemalige Kötztinger waren da.

Den Saal mit vier langen blumengeschmückten Tischreihen zierten die Wappen von Landshut und Kötzting, Neukirchen b. Hl. Blut und Eschlkam. Der Kötztinger Männergesang- und Orchesterverein, der Notzsche Bayerwaldchor aus Rimbach und die Kötztinger Blaskapelle gestalteten den festlichen Rahmen. Neben der Uraufführung der Festhymne an Kötzting („Kötzting, du liebe traute Stadt“) erklangen ein Chor aus den Meistersingern von Nürnberg („Wach auf“), das „Regentallied“ von Bernhard Notz und „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ (Ludwig van Beethoven). Höhepunkt unter den Begrüßungs- und Festreden war der „Geschichtliche Rückblick“ durch den inzwischen zum Archiv­rat beförderten Dr. Max Piendl.

Eine besondere Note bekam der Festabend durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den früheren Bürgermeister Johann Schödlbauer (1924-1933, 1945-1948) und an Eugen Hubrich, den Verfasser der „Pfingstrittehr“ und den Textdichter der „Waldlermesse“ und der „Kötztinger Festhymne“. 

Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Kötzting: Oben Hans Schödlbauer der Altbürgermeister
und unten Eugen Hubrich aus OStr aus Straubing
Zeichnung von August Philipp Henneberger

Für diesen Festabend hatte Hubrich den Prolog geschrieben und im geselligen Teil trug er „launige Versln“ in der heimischen Mundart über „de alten Kötztinger“ vor: „Han, was für a Freid ma als Kötztinger hat, daß da liebe Hoamatmarkt etzt wird a Stad! ...“ [i]    Hier der link auf dieses Gedicht über die "alten Kötztinger"

Wilhelm Hoegner bei der Festansprache

Pfingstsonntag, 24. Mai 1953. „Kötzting erlebte seinen größten Tag“, titelte die Kötztinger Zeitung in der nächsten Ausgabe. Bundespräsident Professor Theodor Heuss hatte ein Grußtelegramm geschickt. Tausende von Gästen waren in den festlich geschmückten Markt gekommen, der sich ab dem späten Vormittag „Stadt“ nennen durfte. 5 Uhr Weckruf. Den Festgottesdienst in der Pfarrkirche um 9 Uhr, dem ein Kirchenzug vorausgegangen war, zelebrierte Dekan Josef Dietl, der zum „Stadtpfarrer“ aufstieg. Seine Ansprache war auf „festliche und geschichtliche Höhepunkte ausgerichtet“. Um 11 Uhr dann der Festakt vor dem Rathaus, eingeleitet mit einem Marsch der „Blaskapelle Kötzting“ und dem Meistersinger-Chor „Wach auf“, vorgetragen vom Männergesang- und Orchesterverein unter Leitung von Lehrer Georg Krämer. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Hans Kroher der ersehnte Augenblick, Ziel harter Vorarbeit, Höhepunkt des Festtags: Der bayerische Innenminister Dr. Wilhelm Hoegner überreicht dem Bürgermeister die Stadterhebungsurkunde und enthüllt unter dem feierlichen Klang der Kirchenglocken die neue Inschrift am Rathaus über den Fenstern des Sitzungssaales. Man wird sie den Festteilnehmern übersetzt haben: „Die bayerische Regierung erhob diesen Ort zur Stadt, 1953.“ [ii] Anschließend übergibt Bürgermeister Götz das Geschenk der Patenstadt Landshut, die aus Silber vergoldete Bürgermeisterkette. Nach den Ansprachen (Bürgermeister Hans Kroher, Regierungspräsident Dr. Ullrich, Landrat Rudolf Nemmer) erschallt zum zweitenmal die „Festhymne an Kötzting“. Dann bringt die Landshuter Stadtkapelle ein Standkonzert, und die Honoratioren tragen sich im Sitzungssaal ins Goldene Buch ein.

Am Mittag übertragen Lautsprecher das 12 Uhr-Läuten des Bayerischen Rundfunks, das auf Vermittlung von Dr. Max Piendl am 4. Mai in Kötzting aufgezeichnet wurde. Der Text findet sich im Stadtarchiv und schließt mit Worten, die Kötzting immer noch für sich in Anspruch nehmen darf: „Es ist ein gesunder und strebsamer Ort, der heute zur Stadt wird.“[iii]



[i] Ebd. (Festabend, Hubrich). – KZ v. 26. 5. 1953.

[ii] Von 1946 bis 1954 war Dr. Hans Ehard (CSU) bayerischer Ministerpräsident. 1950-1954 war Dr. Wilhelm Hoegner
    (SPD) Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident im 3. Kabinett Ehard (KARL BOSL: Bosls bayerische
    Biographie, Regensburg 1983, S. 167, 356).

[iii] KZ. v. 4. 5., 26. 5., 6. 6. 1953. – StadtA Kö, 021/1 (Festabend Stadterhebung, Werbung, Rathausinschrift)

 
Der Bürgermeister der Stadt Kötzting, Hans Kroher, bei seiner Dankesrede.



Foto Archiv Kretschmer

Foto Kretschmer Zentral in der Mitte, KB Krämer mit der Kamera




Hans Kroher

Foto Archiv Kretschmer: Die Ehrengäste auf edlem Gestühl. Die beiden Bürgermeister mit den Amtsketten und Wilhelm Hoegner. Im Hintergrund bei den Feuerwehrmännern gut zu erkennen, Michl Traurig und Huber Xaver.

Foto Archiv Kretschmer

Foto Archiv Kretschmer: Die beste Sicht hatten sicherlich die Zuschauer von der gegenüber liegenden Terrasse am Hause Zigan.


Auch im Krämerarchiv befindet sich eine besondere Aufnahme dieser Veranstaltung:


Foto KB Krämer: Die Zuschauer und Ehrengäste aus einer anderen Perspektive


Und so berichtete die Kötztinger Presse über das Großereignis:
Hier zunächst einige Artikel aus der KÖTZTINGER UMSCHAU









Die Drucktechnik der KU zur damaligen Zeit war so minderwertig, dass es keinen Sinn macht die abgedruckten Bilder hier wiederzugeben.

Nun weiter zur Berichterstattung der KÖTZTINGER ZEITUNG:


KÖZ Darstellung des ersten Stadtrates.
Fangen wir an mit der oberen Reihe: v.l. Josef Barth, NN,NN,NN.
Zweite Reihe: Hollmeier, KB Krämer, NN, Josef Dullinger
Großes Bild rechts oben: der neue Bürgermeister Hans Kroher
Großes Bild links unten: Verwaltungsschef Weigl
Dritte Reihe: Oexler Franz, N.N., Weixel uU, N.N.
Vierte Reihe: Maurermeister Weber, Vogl Max, Schullerer, N.N.

Natürlich kennen wir die Herren Barth, Kroher, Weigl, Dullinger, Kroher, Oexler, Vogl und Schullerer.
Es wäre schön, wenn wir für das Archiv auch den restlichen Bildersatz den damaligen frischgebackenen Stadträten zuordnen könnten. Nachrichten gerne an mich unter: clemens.pongratz@t-online.de










 





Der Festzug von 1953



Pfingstsonntag 1953, für den Nachmittag nach dem großen Akt der Stadterhebung hatten sich die Kötztinger etwas ganz besonderes einfallen lassen, einen ersten historischen Festzug.
Die folgenden Bilder - auch einige Farbaufnahmen sind darunter - stammen aus der Sammlung Kretschmer.

Foto Kretschmer: Heinrich Wieser als Herold


Foto Kretschmer: 

 
Foto Kretschmer: Fahnenschwinger in der Müllerstraße





Foto Kretschmer: Die Gebrüder Sperl als Kötztinger Herolde

 

 
Foto Kretschmer: Leopold und Georg Sperl




Foto Kretschmer: 2 Bürgermeister in einer Kutsche, der frischgebackene Bürgermeister der Stadt Kötzting Hans Kroher und der stellvertretende Landshuter Bürgermeister Josef Götz


 
Foto Kretschmer : Auch die beiden frischgebackenen Kötztinger Ehrenbürger fuhren im Festzug mit. Hier Hans Schödlbauer zusammen mit Egen Hubrichs Ehefrau. Er selber ist nur in der Rückenansicht zu sehen.



 
Foto Kretschmer: Georg Barth mit der Markt (nun Stadt)Fahne



Foto Kretschmer: Burschenvereinsmitglieder als Pfingstreiter in der Müllerstraße,
im Hintergrund links, die Metzgerei Stadler, und rechts das Hauseck der Metzgerei Barth. 
links Wack Traurig rechts Ernst Kunstmann

s



Foto Kretschmer: Die historische Postkutsche 



Foto Kretschmer: eine alte Postkutsche mit den Postillionen




Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 


 
Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 


Foto Kretschmer: Die Hussiten an der Westumgehung, vor dem Gebäude  der Fa. Aschenbrenner


Foto Kretschmer: Festwagen "die Pest"

Foto Kretschmer: Der Aufstellungsplatz war, wie bei späteren Festzügen auch, die Westumgehung bei der Firma Aschenbrenner

Foto Kretschmer: Festwagen "Das Kötztinger Wappen"

Foto Kretschmer: Kaiser Ludwig der Bayer, der unsere Marktrechte im Jahre 1344 bestätigte

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: Festwagen "Gerichtsbarkeit"l

Foto Kretschmer: 



Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: Herr Adamek


 
Foto Kretschmer: Festwagen "Tief drin im Böhmerwald"




 Die Metallbaufirma Aschenbrenner nutzte diesen festzug, um auch für sich und seine Produkte Werbung zu machen. beeindruckend ist für das jahr 1953 die KFZ-Flotte, die Aschenbrenner vorweisen konnte.

Foto Kretschmer: 

Foto Kretschmer: 







Aber Pfingsten in Kötzting ist natürlich und vor allem das herkömmliche Pfingstbrauchtum und vor allem das Pfingstbrautpaar......
>>>>> hier der link zur ausführlichen Darstellung des Pfingstgeschehens 1953



Am 18.Mai, also gerade mal 8 Tage vor dem großen Wochenende stand in der Zeitung die große Neuigkeit. Otto Gerstl und Hilde Liebl werden das Pfingstbrautpaar des Jahres 1953 sein.

Foto Kretschmer Vor dem Pfingstritt. Als seine beiden Brautführer wählte sich Otto Gerstl den 
Pfingstbräutigam des Vorjahres Schwarz Sepp(links)  und Hans Schödlbauer(rechts)

Foto Kretschmer Die Pfingstbraut von 1953, Hilde Liebl, die Isabella Heigl, die Pfingstbraut des Vorjahres auf dem Veitsplatz vor der Kranzlübergabe

Foto Kretschmer: Pfingstbräutigam Otto Gerstl mit seinem Kranzl

Foto Kretschmer Der Brautzug beginnt

Foto Kretschmer Besuch an den Gräbern der Angehörigen
v.l. Hilde Liebl - Otto Gerstl - Hans Schödlbauer

Foto Kretschmer Brautzug in der Bahnhofstraße im Hintergrund die ehemalige Bäckerei Irlbeck

Auch aus dem Festspiel von der "Pfingstrittehr" haben wir Bilder von der 1953er Aufführung.
Foto Kretschmer hier KB Krämer und als nächstes

Foto Kretschmer K.H. Krämer als Herold

Natürlich gab es in diesem Jahr auch einen Kinderfestzug und auch davon hier ein paar Bilder aus der Sammlung Kretschmer.
Eine große Zusammenstellung an Bildern (56 Stück) vom damaligen Kinderfestzug nun unter folgendem link: Kinderfestzug 1953.

Foto Kretschmer Solch eine Verkleidung würde heutzutage als "whitewashing" oder kulturelle Aneignung bezeichnet und verpöhnt werden.

Foto Kretschmer 

Der rechte Kellner sollte/müsste der heutige Seniorchef des Hauses Schödlbauer sein, Herr Josef Schödlbauer nun wohnhaft in Cham. 

Foto Kretschmer ein tolles Gefährt



Juli und August 1953

Viele der Berichte vom Sommer 1953 haben bereits Eingang in diesen Geschichtsblog gefunden, wie
Die nachträgliche Beseitigung der schlecht nur zerstörten Weltkriegsmunition bei Roßbach-.
Der neue Stadtrat hatte auf geäußerte Wünsche einiger Anlieger die Von-Schacky-Straße in Krankenhausstraße umbenannt, wogegen allerdings ein Nachkomme des früheren bezirksamtmannes und Ehrenbürgers von-Schacky schriftlich beim Stadtrat protestierte. Dieser gab nach und fand einen Kompromiss. Die Lösung hieß Krankenhausstraße und Von.Schaky-Platz.

KU vom August 1953


Das Bild aus der Kötztinger Zeitung war leider so weit im Buchfalz gelegen, dass es nicht möglich war eine gute Abbildung davon zu machen.
Ähnlich ist es mit einem kleinen Artikel über die Mariensäule vor der St. Annakapelle.
1953 war im Artikel noch zu lesen, dass man nicht wisse woher diese Statue stamme. Wir wissen mittlerweile, dass diese aus dem Besitz von J.B. Fabrici stammt, einem früheren Besitzer des Voithenleithnerhauses.
KU vom Juli 1953


Ähnlich schwierig war eine Aufnahme von der Errichtung einer Gedenktafel für den im Vorjahr verstorbenen Karl Obermayr, dem Mesner Karl. Dieser hatte ja das Restaurant Wandfrieden zusammen mit seinem Schwestern betrieben und daher war es nur folgerichtig, dass diese Gedenktafel an der dortigen Magdalenenkapelle angebracht wurde. Gefertigt wurde diese vom Kötztinger Bildhauer Eberhart Schaefer.





Es wird September und Oktober im Jahre 1953


Der 1. FC Kötzting baute sich ein schmuckes Vereinsheim am Eingangseck des Stadions am Roten Steg, das erst wieder abgerissen wurde, als im Zusammenhang mit der Hochwasserfreilegung das ganze Stadion verlegt werden musste.


Auch vom Monat Oktober 1953 gibt es bereits einen Blogbeitrag. 
Es geht um den HO-BO-SCHME, den Hohenbogen-Schmetterling.
KÖZ Oktober 1953 der Ho-Bo-Schme und sein Konstrukteur

An der westlichen Ortseinfahrt entsteht eine neue Tankstelle und eine KFZ-Werkstatt. Josef Weber errichtet am Ortseingang Kötztings einen Neubau.
KÖZ September 1953

Im Oktober feiert der Burschenvereinsvorstand, der Costa Gust`, seinen Burschenabschied.

v.l. Otto Gerstl - Hilde Liebl - Hans Schödlbauer - Gustl Costa - Hans Mühlbauer (John)

Und so wird es  November und Dezember



Gleich mit einem tragischen Verkehrsunfall, der ebenfalls bereits in einem Blogbeitrag seinen Niederschlag gefunden hat, der Verkehrstod des Karl Meidinger, eines Mannes der sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Errichtung eines Kreuzes auf dem Kaitersberg dabei gewesen ist.

Bei genauem Zeitungsstudium fand sich nun auch noch ein Nachruf auf Karl Meidinger.


Zwei weitere Veröffentlichungen aus dem November 1953 sind bemerkenswert:

Zum Einen die Bevölkerungsentwicklung des Landkreises Kötzting seit dem Jahre 1871
Der steile Anstieg zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Einwohnerzahl unserer Gegend fast ein Drittel regelrecht explodierte und seither (8 Jahre nach Kriegsende) auch erst grob die Hälfte des damaligen Zuwachses durch weitere Abwanderungen wieder verloren hat.


Zum anderen der Hausbau des nunmehrigen ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ludwig Volkholz, der sich in Fessmannsdorf nun häuslich niederließ

Im Dezember 1953 eröffnete das neu renovierte bzw umgestaltete "Kötztinger Filmtheater" seine Pforten.

Die letzte chronologische Nachricht war, dass das Pestkreuz des Dirnbergerhauses nun wieder für alle sichtbar an der Rathausgassenseite des Gebäuden angebracht wurde. Genaueres über dieses Kreuz kann im Beitrag über das Dirnbergerhaus nachgelesen werden.

KÖZ Dezember 1953
Nun wird der chronologische Zeitpfeil verlassen und es folgen einige eher Raritäten, Berichte und auch Würdigungen von Einzelpersonen in lockerer Folge.

Unfall beim Eisstockschießen in der Kupferschmiedgasse:


Die Geschichte der Hofmark Haus und was aus den früheren Schlossgebäuden wurde.

KU 1953-8

Die Habergeis auf einem Dach in Schwarzenberg




Ein Straßenbau von Hand bei Zandt


Eine Bauweise wir bei den alten Römern, eine Rollierung aus Hartgestein von Hand, soetwas hält Jahrhunderte.

Eine Verhandlung gegen einen Pfingstreiter mit schlechtem Benehmen.


Und gegen Ende nun noch ein paar Artikel über ganz besondere Menschen aus dieser Zeit.

Alois Kern aus Miltach KÖZ 1953-7


Der Kirmzäuner Mirks aus Hohenwarth  KU 1953-1

Conrad Krämer der Alte, Ostmarkonkel, ein Pionier des Kötztinger Sanitätsvereins
mit einem Modell eines früheren Verbandsplatzes


Der Mann des Kötztinger Filmtheaters, Andreas Krämer, die Eröffnung seines neuen Kinos hat er nicht mehr miterlebt. KÖZ 1953-9

Ein alter Postbote wird pensioniert.


Und nun sogar noch ein echter Postillion: Ein Nachruf auf Josef Aschenbrenner aus Höfling


Ganz am Schluss nun noch eine Werbeanzeige der Fa. Glas - heute im BMW-Werk Dingolfing aufgegangen.


 


Freitag, 12. Mai 2023

Michael Heigl --- der Jahresbeginn 1853 --- Teil 12 der Heigl - Dokumentation

 

Michael Heigl

Januar 1853

Zuerst jedoch ein Hinweis auf die Teile der Dokumentation, die bereits veröffentlicht sind:
Hier der link auf die bisher veröffentlichten Teile zum Thema Räuber Heigl.


Seit dem Herbst 1852 waren laufend die Gemeindevorsteher informiert, vorgeladen und instruiert und darüber hinaus sämtliche der Unterstützung Heigls Verdächtige verhaftet und für 4 Monate ins Arbeitslager gesteckt worden. Es sollte, gerade in den Wintermonaten, schlechterdings keine Unterschlupf- bzw. Unterstützungsmöglichkeiten mehr geben, um Michael Heigl als Folge davon zu zwingen, aus seinen Verstecken zu kommen.
 
Auszug aus dem Polizeiprotokoll:

28.12.1852: Vorladung der Gemeindevorsteher von Thenried, Liebenstein, Hohenwarth und Arrach zu dem Zwecke, um sie über das allgemeine Aufgebot zu belehren und sie zur Angabe verdächtiger Personen zu bewegen.
Circularpatent zum Aufgebot der 10 gravierten Gemeinden, in Folge dessen sich die Gemeinden zu Streifen bereit erklärten.
Sistierung dieses Aufgebots durch hohe Regierungs-Entschließung.
30. 12.1852: Wurde auf spezielle Anregung des Amtsvorstandes (=Carl von Paur) mit der gesamten Gendarmeriemannschaft, den 3 Rechtspraktikanten, Bürger Diermayer und Cons. die ganze Nacht in den gravierten Gemeinden gestreift.

 

Die Gemeindevorsteher und Gemeindeschreiber werden vorgeladen und ermahnt. Szene aus dem Heigl-Film von 1973.
Die Darsteller: oben v.l. Schillitz Josef (Wirt vom Gasthaus Schillitz, Voggendorf), xx

vorne Wagerer Georg Boschmied Girgl



Die dramatische Zuspitzung der Sicherheitslage, die spektakulären Verbrechen und die Misserfolge der Polizei machen sich nun auch langsam überregional bemerkbar, indem Gerüchte und Falschmeldungen, ja sogar Meldungen über Heigls Verhaftung, aus anderen Gegenden auftauchen.

Gleich am Neujahrstag 1853 stellt die Gendarmeriebrigade Eggenfelden klar:
"Der Unterzeichnete meldet zufolge dem königlichen Corps Kommando der Aufforderung vom ersten des Monats gehorsamist, dass das Gerücht in den Zeitungsnachrichten – „Passauer Zeitung Nummer eins vom 1. Jänner und Kurier für Nieder Bayern“ – als wäre der berüchtigte Heigl in der Nähe Eggenfelden durch die Gendarmerie arretiert worden, beruht ganz auf Unwahrheit und kann nur als eine aus der Luft ergriffene und erdichtete Sache angesehen werden

Falschmeldung PnP vom 1.1.1853

Auch im Amtsbereich Kötzting wurde ein Zahn zugelegt, hier der Auszug aus dem Polizeiprotokoll::

Es kam erneut zu Verhaftungen - nur nicht des Michael Heigls
3.1.1853: Georg Liebl, Häusler von Rosenau, Johann Baptist Zitzelsberger von Haus, Franz Buchberger und Anton Prantl, beide ledig und von Atzlern, " sämtlich Complicen des Heigl durch Beschluss vom 3. Jänner l. J. ins Arbeitshaus eingeliefert. Zeitdauer 4 Monat."
3.1.1853: Anna Maria Wanninger wurde der Verbindung zu Heigl verdächtigt und vorgeladen und  "versicherte den Heigl verrathen zu können und zu wollen. Wurde ihr in confidentieller (vertraulicher) Mittheilung 100 fl versprochen und sie dann entlassen."
4.1.1853: Der Schneider Küffl von Thenried nebst Söhnen wurde vorgeladen. Er wurde beauftragt dafür zu sorgen, dass seine Söhne "sogleich in einen ordentlichen Dienst kämen"
4.1.1853: Wolfgang Lustig aus Atzlern wurde nun nach längerer "Detention" (zunächst eine Verhaftung, aber wohl eher eine Sicherungsverwahrung) "unter Verbot des Besuches der Wirtshäuer entlassen"



Zur Erinnerung: Im Herbst und Winter 1852 waren nacheinander der Leutnant Fürst und Hauptmann von Frays nach Kötzting gekommen, wohl beide mit der Grundüberzeugung, dass sie beide durch ihre Erfahrungen das Blatt würden wenden können. Beide musste jedoch unverrichteter Dinge wieder zu ihren Dienststellen zurückkehren und am 4.1.1853 schrieb Leutnant Fürst seinen Abschlussbericht.
......."Alle nur denkbaren Verfügungen wurden gemacht um dieses Ziel zu erreichen, doch jeder derselben war nutzlos.

Die seither fast ununterbrochenen Streifen haben nicht allein jedes Resultat ferne gehalten, sie mussten auch den Unterzeichneten sogar zur Überzeugung führen, dass sie bei den im Landgericht die Kötzting obwaltenden Verhältnissen nicht ganz Zweck entsprechend erscheinen. Heigl hat zu viele Bekannte und Freunde, um nicht jederzeit wieder sicheren Zufluchtsort zu finden. Er irrt von Haus zu Haus, lässt sich heute im Patrouillenbezirke Lam und Arnbruck, morgen im Landgericht Cham oder Kötzting sehen, die Furcht, zum großen Teil auch die Anhänglichkeit, welche die Bevölkerung abhält, Heigls Zufluchtsorte zu entdecken, hindert hier jede regelmäßige Dienstverrichtung, und macht es der Gendarmerie so unendlich schwer, ein erfolgreiches Resultat zu erzielen. Heigl hat einen Umkreis von vielleicht 20-40 Meilen, durchgeschnitten von bedeutenden Waldungen, und eine Anzahl von circa 600 Einödhöfen, die alle Schutz und Obdach bieten.
Selbst angesehene, im besten Rufe stehende, Bauern scheuen sich nicht, dem Heigl eine Zufluchtsstätte zu geben, und bestimmt selber auch nicht immer die Anhänglichkeit, so zwingen doch die von Heigl ausgestoßenen Drohungen zu schweigen, und ohne Widerrede seinen Anforderungen zu willfahren.....

Danach führt er an, was er an Anweisungen vor Ort gegeben hatte:

"...Es wurde nun vom Unterzeichneten die Bestimmung getroffen, dass bis auf weiteres jeden Abend, sobald es zu dämmern beginnt, und jeden Morgen, bevor es Tag wird, ein Posten zu zwei Mann in den vier Patrouillenbezirken Kötzting, Lam, Viechtach und Arnbruck aufgestellt bleibe, und zwar in Waldungen, wo sich Fußwege kreuzen und wo diese Lauerposten am wenigsten bemerkt, jede Bewegung und alles Vorübergehende genau beobachten können, ohne selbst gesehen zu werden. Bei dem immerwährenden Hin – und Herwechseln des Heigls von einer Gegend zur anderen, kann derselbe wohl am leichtesten einmal auf einen solchen Posten stoßen, und die Arretierung desselben ist auf solche Weise am leichtesten zu ermöglichen....

Fürst versäumt auch nicht - und das halte ich für bemerkenswert, weil es ein Leichtes gewesen wäre, die Verantwortung auf andere zu schieben - die Kötztinger Beamten für ihren Fleiß zu loben.

"Der ergebenst Unterzeichnete hält es bei dieser Gelegenheit für seine Pflicht, den aufopfernden Fleiß und guten Willen der Mannschaft, welche den größten Beschwerden unterliegt, zu rühmen, und eine hohe Regierung möge überzeugt sein, dass der rege Pflichteifer dieser braven Gendarmen kein Opfer und keine Mühen scheut, um endlich dieses Ziel zu erreichen, was schon längst zur Ehrensache des Gesamtcorps geworden ist."

5.1.1853: Therese Vogl, ledig von Arndorf und der Verbindung mit Heigl verdächtigt, "wurde durch Beschluss vom 5. Jänner ins Arbeitshaus nach Ebrach eingeschafft."
Die Vorladung der Gemeindevorsteher zeitigt erste Erfolge:

Carl von Paur   
6.1.1853: Carl von Paur schreibt an das Innenministerium und bittet um eine Erhöhung der Löhnung für seine Gendarmen, weil die vielen Patrouillen sich bereits auf "viele Monturstücke" ausgewirkt hätten. Die bisherigen Löhnungen wären nicht "im Stande den jenen Bedarf an moralischem Muth und physischer Kraft zu gewähren"  Die Löhnung solle für den gemeinen Mann auf 1 Gulden und für den Brigadier auf 1 Gulden und 30 Kreuzer pro Tag erhöht werden.




Wie es ihm aufgetragen worden war, liefert Brigadier Suffa den wöchentlichen Gesundheitsbericht seines Vorgesetzten Sommer ab:
7.1.1853: Suffa an das Corps Commando: „Der Schuss, welcher dem Brigadier Sommer in Unterleib und im linken Schenkl verwundete, ist bis auf drei Schrottlöcher geheilt. Diese drei Löcher, welch noch offen sind, werden auch bald geheilt sein.
Die Wunde in der rechten Hand wird täglich schöner, jedoch ist selbe noch bedeutend und ist Sommer wegen dieser Wunde noch nicht transportabel.
Schmerzen hat er noch ungemein viel und muss ihm durch die Warterin das Essen eingegeben werden.
"

7.1.1853: Wie sehr der "Fall Heigl" auch überregional für Furore sorgte, zeigt ein Vorfall aus Straubing. Die Brigade Straubing meldete eine Anzeige, als zwei Bauersburschen im "Zechzimmer beim "Steidlwirt" ihr Bier bestellten und nach der Bezahlung in der Dunkelheit verschwanden. Der Hausknecht des Wirtes, der die beiden gesehen hatte, ging stracks zur Polizei, da er den Michael Heigl erkannt habe wollte und gab zu Protokoll: " Ja, ich hab ihn vor 12 Jahren gesehen, und dieser war der Nämliche." Auf die Vermutung hin, dass die beiden nun einfach in ein anderes Wirtshaus gewechselt waren, gingen 5 Straubinger Polizisten die Wirthäuser der Stadt ab und fanden auch die zwei Bauernburschen, "doch den Heigl nicht".
"Als die Leute nun erfahren, wer gesucht wird, thaten sich sogleich mehrere Zeugen hervor, die ihn auch in mehreren Gasthäusern gesehen haben wollten, aber in einer anderen Kleidung, nämlich mit einem grauen Jägerrock und einer Narbe an der linken Wange aber dieser konnte nirgends mehr gefunden werden."
Nun wurden Patrouillen in alle Richtungen ausgeschickt, fanden auch diese Person mit "Rock und Narbe".... leider war es ein Josef Nadler von Thannstein aus dem Gericht Neuburg, der sich auch noch ausweisen konnte.
Bevor jedoch diese Nachricht von der Polizei berichtet bzw. berichtigt werden konnte, stand diese (Falsch) Meldung bereits in der Zeitung.




8.1.1853: Michl Multerer ledig von Liebenstein und 6 andere Consorten wurden vom Gemeindevorsteher von Liebenstein der Verbindung mit Heigl verdächtigt bezeichnet. Daher "wurden diese 7 Individuen und zwar
Josef Drechsler und Georg Kollmer der Gemeinde Liebenstein mit 24 Stunden Arrest
Franz Wastaner und Michl Multerer mit 48 Stunden Arrest
Joseph und Michael Zisler mit 3 tägigem Arreste
Klara und Theres Zisler mit 48 stündigem Arreste bestraft: Einschaffung ins Kloster Ebrach angedroht.
Wegen eines in Thenried entstandenen Geräufes wurden Michael und Georg Multerer und Joseph und Michael Zisler 4 Wochen später jeder mit 8 tägigem Polizeiarreste abgestraft, ihnen der Besuch der Wirtshäuser im Landgerichtsbezirk auf die Dauer eines Jahres strengstens untersagt und dieß durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht."


9.1.1853: Das Innenministerium gibt nun den Wünschen des Landgerichts und den Forderungen des Gendarmerie=Corps nach - nach dem Bericht des Hauptmanns von Frays -  und ordnet an:
StA Landshut: Rep. 168-1 Nr. 63944-II  
Hier die einzelnen Anordnungen:
- die intensive "Spähe" müsse fortgesetzt werden.
- die temporäre Verstärkung der Stationen - 2 Mann nach Viechtach, 3 Mann nach Kötzting, je 1 Mann nach Lam und Arnbruck - wird genehmigt und vorerst auf 3 Monate befristet.
- die Station Viechtach erhält einen zusätzlichen "Fanghund"


Unter dem Datum des 11. Januar 1853 erscheint dann die vorletzte Straftat, die Heigl nachgewiesen werden kann, in der Liste des Staatsanwaltes.
Die Tat: Eine Kindsaussetzung.
Offensichtlich war Therese Pritzl  zum Zeitpunkt der Schießerei in Pirka bereits hochschwanger
Karl Höcherl als Räuber Heigl im Heigl-Film mit seiner Filmpartnerin Eva Achatz, der Darstellerin der hochschwangeren Therese Pritzl.

"Am 11. Januar jedenfalls " erschien Michael Heigl vor dem Hause des Georg Mühlbauer, Bauer zu Weidenhof und brachte wider seinen Willen ihm sein neugeborenes Kind.
An der Identität des Kindes und des Heigl ist nicht zu zweifeln, da Theres Pritzl um diese Zeit entbunden hatte. Heigl als Vater des Kindes hat selbes wiewohl ohne Gefährde für dessen leben ausgesetzt und haftet für die Strafrechtlichen Folgen dieses Reates
."



Angesichts des überaus hohen Verfolgungsdruckes, dem die beiden nach der Schießerei in Pirka ausgesetzt waren, grenzt es an ein kleines Wunder, dass Heigl mit seiner hochschwangeren Freundin tatsächlich hatte spurlos verschwinden können, um danach das Neugeborene - mitten im Suchgebiet - einem Bauern in Weidenhof zu übergeben, und das alles, ohne auch nur einmal gesehen worden zu sein.
In dem Bericht der Gendarmerie Viechtach, die ja für Weidenhof zuständig war, heißt es daneben noch, dass der Bub bereits am 6. Januar ( andere Quellen sprechen vom 5.1.) geboren, aber noch nicht getauft gewesen sein soll.
Das bedeutet, dass Heigl nicht nur seine hochschwangere Freundin hatte nach der knappen Flucht aus Pirka (10.12.1852) verstecken, sondern auch noch während der Zeit der Geburt seines Sohnes 4 Wochen später und danach noch einmal 5 Tage mit dem neugeborenen Kind im Hochwinter auf der Flucht (oder in seinem Verstecke) hat gewesen sein müssen. 
Die Viechtacher Brigade protokollierte die Umstände dieser Kindesaussetzung dann noch genauer:
der "Kindsübergeber" habe "scheinbar lange hellbraune Haare gehabt, eine lange dunkle Hose, eine dunkle Joppe, eine Kappe und einen Doppelstutzen, dann einen Ranzen umhängen."
Als der Bauer ihm nacheilte habe er gesagt "er sei der Michl Heigl aus Beckendorf, thue ihm aber nichts, er solle die Sache beim Landgericht nur angeben, wie es sei; er thue nicht soviel als die Leute sagen Unrechtes; er habe den Brigadier Sommer auch nicht geschossen und wisse von der Spieldose nichts, dieß müssten die anderen gewesen sein; wenn er Geld brauche gebe er es ihm; es sei unwahr, daß er eine Gesichtsschramme habe.
Der Fremde kam in der Gasse, die auf seine zu dem Weidenhofe, dem Kaitersbache, Leckern und Wettzell liegenden Feldern führt, /:woher er auch gekommen :/ Wahrscheinlich ist er von Traidersdorf gekommen, er hat angegeben, daß Kind trinke Milch, sei am 5ten geboren, und habe Gelbsucht.
Erneut 10 Tage später am 24.1.1853 schrieb das LG Viechtach einem Bericht in Form eines kleinen Erlebnisaufsatzes:
"Am Montag den 10. d. M. Abends gegen 7. Uhr wurde nach Angabe des Bauern Georg Mühlbauer von Weidenhof, dessen 10 Kinder gestorben sind, während er vor einem Fenster wie gewöhnlich sein Abendgebet errichtete, durch einen sich möglichst verbergenden Burschen ein Packet mit einem Kinde auf die Holzscharr vor diesem Fenster gelegt. Durch das Bellen des Haushundes aufmerksam bemacht öffnete er das Fenster, worauf der Bursche sagte: "Nimm es". 


Ehrliche Worte der Bevölkerung über Heigl:

12.1.1853
: Unter diesem Datum schrieb die Brigade Viechtach - befehlsgemäß - ihren Rapport über ihre Bemühungen der letzten 8 Tage.
am 3.1. "Lauerposten im Gehülze zwischen der Stockmühle und Wettzell"
am 5.1. Hausvisitationen von Ruhmannsfelden bis Gotteszell >>> Tischler Georg Grünauer verhaftet.
am 7.1. Wohnungen, Scheunen und Backofen im Tale zwischen Arnbruck und Wettzell durchsucht.
am 10.1.  Ab Mitternacht Neunussberg, Bärndorf, Gstadt, Schönau. Rattersberg und Kinglhäusl durchsucht. Resultat: 3 sicherheitsgefährliche Subjekte arretiert, keine Spur vom Heigl
am 10.1. Gerücht, er sei im Wirtshaus zu Allersdorf: "dort will ihn niemand kennen. Die Stimmung der dortigen Bevölkerung ist, daß wenn Heigl dort hin kommet, man zu seiner Habhaftwerdung nichts beitrage, sondern ihm in seinem gegenwärtigen Lebenswandel Vorschub gebe, da Heigl nicht aus freiem Antriebe ein Verbrecher sei, sondern aus Zwang der Noth gehorchend ein solcher geworden, es schmerze ihn selbst, Verbrechen verüben zu müssen, er habe schon Menschen, dem er seine höchst traurige Lage an das Herz gelegt hat, die heissesten Thränen abgelockt. Ein dortiger Biergast...glaubt, daß Heigl im Laufe dieses Jahres nicht habhaft gemacht werden kann, weil man seine Wohnung in Schluchten auf dem Kaitersberg nicht finden kann; bei Schnee aber sehe es besser aus.
Dem Wirt Georg Bielmayer aus Einweging entlockte der Brigadier, der inkognito unterwegs gewesen war, die Aussage. "daß er den Heigl unter keinen Umständen verrathe, wenn er ihn wüsste, und ihm die ausgesprengten 200 fl sogleich ausbezahlt würden, da der Anhang des Heigels zu groß w#re und er neben einer Geschäftsschmählerung das Abbrennen durch Brandstiftung von seiner /: Heiglschen Genossenschaft:/ zu fürchten habe


Gerüchte, Falschmeldungen, Zeitungsenten und wieder Gerüchte


Nach der Falschmeldung in der Passauer Neuen Presse über Heigls Aufgriff in Eggenfelden kommt nun auch noch eine Aussage vom Polizeikommando Lichtenau in der Oberpfalz.
StA München: Gend-KK_316 Polizeiberichte Räuber Heigl 1852 1853
Anschreiben von Lichtenau vom 15.1.1853




15.1.1853: "Josef Heinrich von Heimberg, ein Zuchthaussträfling, berichtet von seinen Kontakten zu Michael Heigl:
Er kenne den Heigl von Regensburg her, wo sie vor ungefähr 12-15 Jahren in einem Wirtshause zusammentrafen, einander kennen lernten und sich längere Zeit miteinander unterhielten.
Seit dieser Zeit habe er den Heigl nicht mehr getroffen, bis er in verflossenen September denselben nach seiner Entweichung auf dem Transporte im Landgerichtsbezirke Roding auf der Straße begegnete und nach gegenseitigem Wiedererkennen eine Strecke mit ihm ging.
Auf die Frage, wie er es denn mache, dass man seiner seit 9 Jahren nicht habhaft wurde, äußerte derselbe, dass er sich meistens im Landgerichtsbezirke Kötzting aufhalte, und wenn er von seinen guten Freunden erfahre, dass auf ihn gestreift werde so gehe er auf kurze Zeit nach Böhmen und kehre auf einem anderen Weg wieder nach Bayern zurück. Er halte sich über Nacht nie bei geringen Leuten auf, sondern immer bei großen Bauern oder in Brauhäusern, weil er da am wenigsten von Gendarmen belästigt werde, er ließ auch merken, daß er stets von Verwandten mit Geld unterstützt werde. Eine Beaufsichtigung der selben und ihres Verkehrs dürfte vielleicht am Ersten zum gewünschten Resultate führen.;


20.1.1853
: Ein tolles Exemplar einer anonymen Anzeige reichte das Kommando Ruhmannsfelden an die Viechtacher Station weiter, die Brigadier Suffa in seinem wöchentlichen Rapport wörtlich zitiert.

 
"An
den Herrn Kumardänt
in Ruhmansfelden"


Brief an den Herrn Kumandänten zu Ruhmannsfelden:

Brief
Ich muss den Kumadant zu wießen machen daß der Heigl beim Michael Pledl sin Aufenthalt sucht. Er ist schon efters gesehen worden. Der Pledl hat im In einen Sag hinein getan (?)
So macht mans der Schanddeimerie zu wiesen.

Ich bitte selbst ich habe keine Ruhe mehr weil es zu gefehrlich ist mit dem spitzbuben und das ill ich nich sagen daß hintaus auch eine Dier geht und verichert sich gut man sagt er hat einen Dobelstutzen und zwei Bisdollen, meiner Meinung wer das männer aufgestellt wurden. Ich weiß es gewies das er beim Michael Bledl in Gotteszell ißt.

Viechtach vermutet hinter dieser Anzeige eine Falle, lässt aber doch verkleidete Gendarmen das Haus des Pledl heimlich überwachen.
Am Ende seines Rapports fasst Suffa die bei ihm einlaufenden Gerüchte zu einer eigenen interessanten Meinung zusammen: "so glaubt Unterzeichneter, daß Heigl seinen Hauptwohnsitz im Kaitersberg hat, und von diesem weg kurze Ausflüge macht, wenn er Nahrung bedarf, oder damit er wo gesehen wird, daß die Aufsichtsorgane wieder getäuscht sind."
Mit demselben Datum berichtet er auch pflichtgemäß über den Gesundheitszustand des Brigadiers Sommer: "Die Wunde in der rechten Hand des verwundeten Brigadiers Sommer obgleich dieselbe immer enger zusammenheilt, verursacht, dass er den Arm nicht zu heben vermag. Die im Unterleib immer noch offene Wunde wird bald geheilt sein, während die im Schenkel noch einen hartnäckigen Charakter hat und wenigstens noch einen Zoll offen steht. Wegen der Schmerzen an der Hand wird Sommer immer noch nicht transportabel erscheinen."


Medienschelte durch Carl von Paur

Carl von Paur   
17.1.1853: Der oben bereits angeführte Zeitungsbericht aus der Landshuter Tageszeitung über Heigls Sichtung in Straubing, veranlasste Carl von Paur - unter dem Betreff: "Mittheilungen in den öffentlichen Blättern"- sich an das Innenministerium zu wenden. Durch diesen Bericht kam dann auch das Zeitungsexemplar in Heigls Akte.
Seine Meinung liest sich wie eine moderne Klage über unsere heutigen "Social Medien".
"Schon mehrmal hatte man die Gelegenheit in öffentlichen Blättern Mittheilungen über den flüchtigen Verbrecher Michael Heigl zu lesen, welche jeder offiziellen Grundlage entbehrend, lediglich den Zweck haben, die Leser auf Kosten dieses allmählig nur traurige Berühmtheit erlangenden Individuums zu unterhalten und die Spalten der Zeitung zu füllen.
Alle diese Journalmittheilungen, an sich jedes Werthes entbehrend, dienen in der Regel dazu, diesen Räuber in ein mysterisches Dunkel zu hüllen - seine künstlich genährte Popularität bei der ihm günstigen demoralisierten Volksklasse zu erhöhen, dadurch ihn gewissermaßen als einen unschuldig Verfolgten hinzustellen und seine endliche Gefangennahme zu erschweren.
"

Dr. Müller
18.1.1853: Der Fanghund der Station Kötzting ist laut Meldung des Kötztinger Brigadiers Lommer "wegen einer zerstörten Lunge plötzlich umgestanden"(= gestorben). In Beisein des Abdeckers Georg Schillinger von Reitenstein und des Landgerichtsarztes Dr, Müller wurde der Hund seziert und danach dem Abdecker übergeben




Und wieder Verhaftungen: 
19.1.1853: Josef Stücker von Himmelreich wurde arretiert, detiniert und unter Anrechnung der Detinationsdauer als Strafe entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt.



20.1.1853: Hauptmann Frays, Chef des Gendarmerie=Corps in Landshut,  der wenige Wochen zuvor noch die beiden Landgerichte Kötzting und Viechtach visitiert hatte, unterstützt nun ebenfalls den Vorschlag Carl von Paurs, die Entlohnung der Gendarmen angesichts des "Mehraufwandes an Kleidungsstücken und Lebsucht" zu verbessern, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß, da er ja den Mehraufwand innerhalb seines  Finanzrahmens abdecken muss.
Gleichzeitig erfahren wir bei seiner Berechnung auch etwas über die Gesamtstärke der beiden Stationen:
Kötzting 1 Brigadier und 17 Gendarmen
Viechtach 1 Brigadier und 15 Gendarmen

21.1.1853: Johann Prantl Häusler von Grafenwiesen "nebst 5 Consorten wegen verdachtes der Verbindung mit Heigl polizeilich abgestraft- Arbeitshaus angedroht."

21.1.1853: Heigls letzte Straftat -  zumindest in der Auflistung des Rechtspraktikanten Desch für die Regierungsdelegation.



46. 1853 21. Januar

Unerlaubte nächtliche Ruhestörung bei
Georg Mühlbauer, Austrägler zu Gotzendorf, dessen 63 jährige Ehefrau Heigl schon einmal genothzüchtigt hatte. schoß Heigl, der als solcher von den Bewohnern des Hauses erkannt wurde, mit einem blindgeladenen Gewehre in das Haus und warf auch einen Scheiterr hinein.
Beruht auf seiner Vernehmung.
Einschub
Dieser Bericht, der am 7. März 1853 abgeschlossen wurde, also lange vor Heigls Verhaftung, trägt bei allen 46 Punkten Vermerke, die auf seine Vernehmung verweisen sollen. Möglicherweise wurde die im März 1853 zunächst abgeschlossene Liste später in den einzelnen Punkten ergänzt.
Man konnte ja schließlich auch nicht wissen, dass Heigl ab März keine relevanten Straftaten mehr gelangen oder nachgewiesen werden konnten. Bis zu seiner tatsächlichen festnahme waren ja noch einige Wochen hin.
Allerdings sollte es im März zu einer Großveranstaltung mit einem hohen Regierungsvertreter kommen Die Vorbereitung auf dieses Treffen war wohl der Grund für die Basiszusammenstellung.


Einschub Ende


Derselbe Rechtspraktikant Desch - vermutlich der Beamte Kötztings, der zu diesem Zeitpunkt am Genauesten mit dem Fall Heigl eingearbeitet war -  bekam von Carl von Paur einen Spezialauftrag.
Im Polizeiprotokoll vom 20.1.1853 ist notiert:
"Der k. Landrichter von Paur bemerkt, daß am 20. Jänner den sämtlichen Gemeindevorstehern und Wirthen in feierlicher Versammlung zu Folge hohen und höchsten Befehles durch den Rechtspraktikanten Desch in seinem besonderen Auftrage - nach persönlicher Einleitung seinerseits -  die Publikation der einschlägigen Verordnungen und Strafgesetze denselben in freier öffentlicher Rede vorgetragen, hiebei insbesonders die Verbrecherschaft dieses Individuums den Anwesenden auseinandergesetzt worden sei."
Der Rechtspraktikant ist also mit seiner Liste - die danach noch um eine einzelne Straftat erweitert werden musste-, übers Land gefahren und hat vor Ort versucht, auf die Gemeindevorsteher und Wirte Einfluss zu nehmen, indem er die Verbrechen des Heigl und deren Strafbewehrung vorgetragen hat.


24.1.1853: Wolfgang Geiger von Thenning wegen Verbindung zu Heigl verhaftet und anschließend unter Polizeiaufsicht gestellt.
29.1.1853: Franziska Bauer von Hudlach wegen Verbindung zu Heigl verhaftet, aber wegen ihrer erwiesenen Unschuld wieder entlassen
31.1.1853: Franz und Katharina Schröder: 


Februar 1853 

Das Misslingen aller polizeilichen Operationen dauert an

Die folgenden Aktionen, Verhaftungen und Strafen stammen alle vom Februar und Anfang März 1853 und zeigen, in welch hohem Maße und ununterbrochen die Polizeibehörde vor Ort unterwegs gewesen, das Landgericht beschäftigt und die Fronfeste gefüllt war.

-Vorladung der Barbara Zitzelsberger, ledig von Haus und Versprechen einer Belohnung, wenn sie den Heigl verrate.
- Erlass an die Gemeinden Gotzendorf, Arrach, Hohenwarth, Lam, Haus und Grafenwiesen, damit diese alle Personen benennen sollten, die mit dem Brothandel beschäftigt seien, weil der Verdacht bestünde, dass diese " dem Heigl Lebensmittel zuschleppen" würden.
- Anzeige, dass Johann Bauer von Maiberg über die k. Gendarmerie geschimpft habe: "Wurde durch Beschluss zu 6 tägigem Arreste verurteilt."
- Georg Fuchs Glasspinner von Hohenwarth angezeigt, weil er einen Informanten misshandelt
hatte. 48 h Arrest
- Josef Vogl, ledig aus Beckendorf, Anzeige wegen Müßigganges >>>>> 6 Tage arretiert
- Franziska Bauer, Hudlach, Anzeige wegen Müßigganges und Verbindung zum Heigl >>>vernommen und entlassen
- Pritzl, Hüter von Gotzendorf, arretiert : wenn er innerhalb von 2 Wochen den Heigl nicht verraten würde, würde er sofort wieder verhaftet.
- Angeblich Katharina Schmidtbauer in Gesellschaft eines Burschen gesehen, welcher entkam, dieser Bursche soll der Heigl gewesen sein. >>> Schreiben nach Viechtach
- Walburga Schillinger, ledige Inwohnerstochter von Beckendorf ,Anzeige Verbindung zum Heigl, früher des Konkubinats mit ihm verdächtigt. Reisepass abgenommen
Katharina Vogl, Anzeige wegen Verbindung zum Heigl und wegen vagabundierenden Lebenswandel >>>>Arbeitshaus angedroht
- Revierförster Krafft berichtet er habe auf der nördlichen Seite des Hohenbogen eine ganz baufällige Hütte gefunden, welche uU. mit dem Heigl in Verbindung stehen würde.
Anna Maria Wanninger. Reitenstein. verhaftet, bleibt in Haft
- Martin Hofer, ledig von Reitenstein, Zuhälter der A.M. Wanninger wegen Concubinat angezeigt.
- Josef Seidl Inwohner von Reitenberg, der Zuschleppung von Lebensmitteln an Heigl beschuldigt.
- Josef Danzer Himmelreich, Lam, der Spioniererei für Heigl verdächtig , 14 Tage Haft
Michael Schwarz, Schneider in Thenried, Anzeige wegen Verbindung zum Heigl, verwarnt
- Wolfgang Fischer, ledig Lichtenegg, Anzeige wegen Müßigganges und Verbindung zum Heigl
- Anna Maria Bauer, Austräglerin von Gotzendorf, welche sich mit Brothandel beschäftigt, und 6 Kolleginnen werden vorgeladen und wurden ermahnt
- Michael Kreisinger, Inwohnerssohn Madersdor,f Anzeige wegen Verbindung zum Heigl unter Polizeiaufsicht gestellt.
Therese Simandl, ledig Reitenstein, Anzeige wegen Verbindung zum Heigl
- Die beiden Bauern von Vorder- und Hinterhudlach Anzeige wegen Verbindung zum Heigl
-  Brothändlerinnen der Gemeinden Gotzendorf, Haus, Arrach erscheinen vor Amt >>>>> alle wurden verwarnt und bekamen teilweise Verbot des Brothandels. 

Einschub    der Brothandel

Neben einigen Bauern, die auf ihren eigenen Backöfen ihr Brot selber backen konnten, gab es auf den Dörfern Brothändlerinnen, die das von Bäckern gebackene Brot in der Fläche verteilten und so einen kleinen Verdienst hatten.
Diese Brotfrauen - Broudwei - waren noch zu meiner Kindheit ein fester Bestandteil des Wiederverkaufes bei unserer Bäckerei. Ich erinnere mich noch gut an einige solcher Frauen in Thenried, Wettzell, Lammerbach und Rechertsried, die von meinem Vater volle Brotkörbe angeliefert bekamen und die Ware anschließend in einer Kirm auf dem Rücken im Dorfe verteilten.
Eine dieser Frauen - zum Beispiel das "Broudwei" von Weißenregen - holte die Ware auch direkt in der Bäckerei am Marktplatz ab und ging schwerbepackt wieder zurück, den steilen Berg nach Weißenregen hinauf.
Einschub Ende

- Josef Schillinger, ledig von Beckendorf, Vorladung, war früher ein Kamerad des MH. 3 tägiger Polizeiarrest und Entzug seiner Lizenz zum Warenhandel, unter Polizeiaufsicht gestellt und in Dienst geschafft.
- Verwendung des Josef Iglhaut ledig von Sidling zur geheimen Verfolgung
Josef Seidl Inwohnerssohn Reitenberg Anzeige wegen Verbindung zum Heigl



Therese Pritzl ist wieder Zuhause.

Ganz besonders interessant ist eine Meldung in dieser Polizeistatistik - undatiert, aber nach einem Eintrag vom 17.2. - noch unter "Februar" - eingeschrieben - über Therese Pritzl.


"Um diese Zeit wurde Theres Pritzl, Hüterstochter von Gotzendorf /:Gem. v.d.:/ der Verbindung mit Heigl dringend verdächtig, arretiert, vorgeführt.
Wurde vernommen, detiniert, ihre Einweisung ins Arbeitshaus beschlossen, die aber nicht beschäftigt werden kann, da sie mittlerweile erkrankte.   
Akte bei der k. Regierung"

Therese Pritzl war also offensichtlich nach ihrer Niederkunft wieder nach Hause heimgegangen oder gebracht worden; das Baby hatte Michael Heigl dann beim Weidenhofbauer ausgesetzt.
Bei der damalig noch sehr schlechten (Nach-) Behandlung von Müttern nach der Geburt, die in ihrem Falle ja ihr Kind auch noch auf der Flucht zur Welt zu bringen hatte, war es kein Wunder, dass sie anschließend noch für lange Zeit als "arbeitsunfähig" krank eingestuft wurde.

Im Kötztinger Gefängnis bricht eine epidemische Krankheit aus.

Möglicherweise als Folge des Winters und der Überfüllung der Kötztinger Fronfeste kam es dort zum Ausbruch einer ansteckenden Krankheit.
- Walburga Schillinger, ledig von Beckendorf, neuerlich wg Verdachts, dass sie mit Heigl verbündet sei. "Wurde vernommen und in die Detention abgeführt, von da nach 8 Tagen wegen einer zu befürchtenden Epidemie entlassen."
- Georg Vogl, verheirateter Inwohner von Liebenstein und dessen 3 Töchter der Verbindung mit Heigl bezichtigt. Die ganze Familie wurde unter Polizeiaufsicht gestellt und die Töchter "in Dienst geschafft."

Michael Raimer packt aus

"Am 9. März machte Michael Raimer bei Gelegenheit einer Kerkervisitation auf Zureden des k. Landrichters mehrere Depositionen".
Der 9.3.1853 ist ein ganz besonderer Termin, weil mit diesem Tag der Regierungsassessor Christoph als ein von der Regierung eingesetzter Regierungskommissar seine Arbeiten beginnt, auch auch das Gefängnis mit dem einsitzenden Raimer visitiert. Bei dieser Visitation wird festgestellt, dass die Zellenmauer Raimers unter dem Fenster nur eine Mauerstärke "eines halben Steins" hat.
Sofort nach der Aussage Raimers werden die Gendarmen aktiv.
"Wurde durch den Amtsvorstand (=Carl von Paur) am folgende Tage unter Zuziehung von Gendarmen 6 Häuser in Hohenwarth, Eschlsaigen und Umgegend visitiert und Arretierungen vorgenommen solcher Personen, wo Heigl Unterschlupf fand.
Auf Grund dieser Denunciationen wurde auch ein Verhaftbefehl für die k. Gendarmerie ausgefertigt, die Brüder Amberger Bauerssohn von Unterzettling /Gem Gotzendorf/, sowie der durch mehrere Denunciationen compromittierte Schuster Johann Brunner von Hohenwarth arretiert und in die Fronfeste abgeführt."


Ganz am Ende der polizeilichen Auflistung stehen drei - nachträgliche - Eintragungen, die zeigen, dass die Zeichen der Zeit zunächst gegen die Gendarmen sprachen.

17.1.1853 : Ehrenrührige Gerüchtsausstreuung über die k. Gendarmerie durch Joseph Geiger, Häusler von Hohenwarth 
5.2.1853: Beschimpfung der k. Gendarmerie durch den Vorgenannten Geiger
31.1.1853 Beschimpfung der k. Gendarmerie durch die Söldnerssöhne Pöschl von Gotzendorf

Diese drei nachträglich angeführten Untersuchungspunkte verweisen am Rande auf einen "Spezialakt", und werden Teil der Untersuchung des oben bereits angesprochenen Regierungsassessors Christoph, die einen nicht unerheblichen Teil der Heigl-Akten ausmachen.

Seit vielen langen Wochen (und vor allem kalten Nächten) patrouillierten nun schon die vielen Wachtmannschaften, durchsuchten die Häuser, Scheunen und Backöfen in den Dörfern, schlugen sich die kalten Winternächte im Freien um die Ohren und erreichten buchstäblich nichts, von einigen vermuteten Handlangern abgesehen.
Nun wurden aber auch langsam  - vermutlich aus Frust und Ärger begründet -  die ersten Übergriffe der Gendarmen auf den Dörfern bekannt, aus denen danach Anzeigen wurden, denen natürlich nachgegangen werden musste.
Diese internen Untersuchungen von Seiten des Landrichters Carl von Paur trieben dann einen Keil zwischen die Beamten des Landgerichts - vor allem in Person des Landrichters - und die Gendarmen an der Front. 
Die Beschwerden der Gendarmen vor Ort über Carl von Paurs zu großes Verständnis für die Landbevölkerung, wurden von deren Vorsitzenden in Landshut und München nach ganz oben weitergereicht und als Ergebnis musste der Regierungsassessor eine große Untersuchung vor Ort in Kötzting ansetzen. Es war was geboten in Kötzting im März 1853. 


Am Ende noch ein Hinweis auf die Teile der Dokumentation, die bereits veröffentlicht sind:
Hier der link auf die bisher veröffentlichten Teile zum Thema Räuber Heigl.


Wird fortgesetzt mit den Untersuchungen gegen die Kötztinger Gendarmen

Donnerstag, 11. Mai 2023

Frau Oberin wird 80 - ein Fackelzug für die Ehrenbürgerin

 Wieder einmal gibt es hier eine schöne Bildfolge aus dem Bestand der Zeitungsredaktion der Kötztinger Umschau, der Dank des Einsatzes von Frau Serwuschok vom Verlag nach Kötzting zurückgeschickt und von ihr gesammelt, später dann dem Arbeitskreis Heimatforschung übereignet wurde und nun im Stadtarchiv Kötzting verwahrt ist.

Da wir zusätzlich auch eine fast vollständige Sammlung von Zeitungsausgaben aus den Nachkriegsjahren in unserem Bestand haben, können viele/manche der Bilder dann auch einzelnen Zeitungsartikeln zugeordnet werden. 
Die Chefin selber, Frau Renate Serwuschok, schoss die Bilder und schrieb den Artikel über die vielen Gratulanten  zum 80. Geburtstag der Kötztinger Ehrenbürgern und "Frau Oberin" Frau Emmerama Glasschröder, Ende August 1974.
Die Bilder des Fackelzugs beweisen eindrücklich, in welche hohen Ansehen diese Kloosterfrau in Kötzting stand.

Man spricht in solchen Fällen gerne von einer "nichtüberschaubaren Menschenmenge"; für Kötztinger
Verhältnisse trifft das sicherlich bei diesem Fackelzug zu Ehren der Jubilarin in hohem Maße zu.

v.l. Emmerama Glasschröder, Evi Früchtl und Heinz Kolbeck, das Pfingstbrautpaar desselben Jahres
und Wolfgang - Gams - Kolbeck für die Feuerwehr Kötzting

v.l. Emmerama Glasschröder, Evi Früchtl und Heinz Kolbeck,

Das damalige Kötztinger Kreiskrankenhaus, heute die Klinik TCM.

Eines der wenigen Bilder, die wir von der früheren Hauskapelle im Krankenhaus haben.
Hier durften/mussten wir Kötztinger Ministranten in den 60er Jahren nicht paarweise sondern einzeln ministrieren. Der Gottesdienst im Krankenhaus begann auch noch eine Viertelstunde früher als der Frühgottesdienst in der Pfarrkirche ABER, anschließend gabs von der Frau Oberin immer ein "Fuffzgerl" als Dankeschön, beim Pfarrer dagegen immer nur einen Kinderpunsch an der Weihnachtsfeier.

Die beiden Bürgermeister, Karl Seidl und Klaus Heiduk als offizielle Gratulanten





Der Bericht aus der Umschau


Der Bericht aus der Kötztinger Zeitung