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Donnerstag, 16. September 2021

Kötztinger Häuserchronik Beim Decker

    Das "alte Kötzting" bei der Uraufnahme bei der beginnenden Landvermessung hatte 159 Anwesen.

Der Geschichte dieser Bürgerhäuser und ihrer Bewohner nachzuspüren und sie zu dokumentieren, ist das Ziel dieser Häuserchronik.
Die Anfänge und die Entwicklung unserer Heimatstadt können von der Teilung der Urhöfe bis hin zur Auswahl als Landgerichtsort in einem einleitenden Blog nachgelesen werden.


Das Anwesen, dessen "Hausname" in Kötzting einfach "der Decker" war, ist aus zwei einzelnen Häusern zusammengeschlossen worden. Es gibt für jedes der beiden historischen  Gebäude ei9nen einzelnen Beitrag und am Ende dann, im dritten Teil, wird die Geschichte aufgearbeitet, die das Haus so prägte, dass es bis zu seinem Abriss in Kötzting seinen eigenen Hausnamen hatte.


Hier nun die drei Teile: 

Teil 1: die alte Hausnummer 27 






Alte Hausnummern 27 und 28 
beim Decker


Luftaufnahme aus der Sammlung Wack Traurig Ende der 60er Jahre. Auf dieser Luftaufnahme ist sehr gut zu erkennen, dass das Deckersche Anwesen aus ursprünglich zwei einzelnen Häusern zusammengewachsen ist.  
Detail aus einer Luftaufnahme "oberer Markt" der Sammlung Serwuschok 





Detail aus Bayernatlas.de von 1831.
Im Jahre 1831 war das spätere Deckeranwesen noch zweigeteilt in die Hausnummern 27 und 28. Auf dem obigen Luftbild ist diese Zweiteilung noch in der Dachlandschaft zu erkennen.

Ähnlich wie beim Haus in der Metzstraße, der ehemaligen Bäckerei Graßl, das, historisch gesehen, ebenfalls aus zwei Anwesen zusammengewachsen ist, werde ich zuerst die Geschichte eines der beiden Anwesen herausarbeiten, bis zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses und dann zeitlich wieder an den Anfang des vorhandenen Datenmaterials zurückgehen, um auch die Anfänge des zweiten Gebäudes vorzustellen.


Der erste Teil, die alte Hausnummer 27



Der Dreh- und Angelpunkt für die belegbaren Anfänge der Kötztinger Marktlehen ist die Häuserliste des Probstrichters Adam Türrigl, der die Anwesen ganz einfach durch die Benennung der jeweiligen Nachbarn beschreibt. 
Um das Jahr 1650 herum heißt der Besitzer des Anwesens - der in der Reihenfolge nach Andreas Preutter folgt -   Wolf Pachmair. Betrachtet man die Situation ein paar Jahrzehnte früher, 1638, so findet man als Nachbar des Georg Preutter jedoch Peter Pogners Wittib.
Die Bürgerlisten aus den Jahrzehnten zuvor sind leider nicht gegenseitig in Deckung zu bringen, um sichere Aussagen über die vorherigen Besitzer machen zu können.

Den ersten Besitzer, den wir auf dem Haus mit hoher Wahrscheinlichkeit belegen können, war also Peter Pogner bzw. seine Witwe.

Peter Pogner



Sucht man jetzt nach diesem Namen, so taucht ein Peter Pogner bereits seit dem Jahre 1593 - zumeist als Bürge oder Zeuge - in verschiedenen Zusammenhängen auf.
Im Status animarum findet sich dann auch eine kurze Zusammenstellung seiner Familie.

Pfarrmatrikel Kötzting Band 1: Status animarum:
Petter Pögner Schuester und Catharina ux: (Ehefrau)
Mathes und Albrecht fam: (Knechte) Barbara und Anna Töchter

Kirchenrechnung Kötzting von 1600
Item Peter Podner Guster ab 4 fl hat Hauptsach Georgen negsthin erlegt.
Ein "Gustor" ist gleichzusetzen mit einem Mesner



Da der Nachweis des Peter Pogner auf dieses spezielle Anwesen nur auf einem einzelnen Listeneintrag beruht, möchte ich den sicheren Nachweis erst mit Wolf Pachmayr beginnen lassen.

Wolf Pachmayr 

Pfarrmatrikel Kötzting Band 1 Status animarum, eine "Seelenbeschreibung"

Ein früherer  - unbekannter - Heimatforscher/Archivar hat bereits diese Seelenbeschreibung des Kötztinger Pfarrers analysiert und insgesamt 3 Zeiträume feststellen können, während deren an der "Tabelle" gearbeitet wurde. Der Eintrag der Familie Wolf Pachmayr ist solch ein Beispiel, anhand dessen man gut diese Zeiten belegen kann.
Es sind oben also nicht zwei unterschiedliche Familien Pachmayr dargestellt, sondern ein und dieselbe Familie im Abstand von knapp 20 Jahren. 
Oben dargestellt finden wir die Familie Pachmayr als "Anfangsbestand", als sich das Leben in der Pfarrei endlich wieder zu normalisieren begann nach der Brandkatastrophe vom November 1633, der sicherlich weit mehr als 2/3 der Kötztinger Bevölkerung das Leben kostete und den größten Teil des Marktes einäscherte.
Auf der Liste oben finden wir:
Wolf Pachmayr und seine Frau Sibilla (ux: =uxor=Ehefrau)
Pachmayrs Schwester (Soror) und drei  Kinder (infans) : Andreas, Margaretha und Eva.
Im selben Hause wohnte vermutlich noch Paulus Scheibekh mit seiner Frau Magdalena.

Jahre später, Wolf Pachmayr ist mittlerweile Witwer und zwei seiner Kinder aus dem Jahre 1636 leben noch (bzw. leben noch in seinem Haushalt), Andreas, nun 23 und sein Bruder Georg 19 Jahre alt. Eva, die Tochter, ist nun 21 Jahre alt.
Es ist, wie einleitend bereits angeführt, der handschriftliche Entwurf einer Liste der Kötztinger Marktlehner und Söldner. Ich denke, es ist ist deshalb nur als Entwurf zu bezeichnen, weil er erstens nicht fertiggeworden ist mit dieser Liste - warum auch immer, denn diese stammt aus den frühen 1650er Jahren und Adam Türrigl ist erst 1661 verstorben -, zweitens in der Liste einiges durchgestrichen und verbessert worden ist und drittens er mit vielen Lücken gearbeitet hat, deren Inhalte er wohl später nachtragen wollte. Vor allem bei den Größenangaben (Pifang und Trimmer) der Felder hat er zumeist nur Lücken im Text zum späteren Ergänzen freigelassen.  


HaStA München Landshuter Abgabe KL Rott B2 Rotter Grundbuch 



"Herr Wolf Pachmayr des Raths" (Türrigl hatte ihn fälschlicherweise übersprungen und  mit seinem Marktlehensnachbarn Sigmund Raith die Seite begonnen. Die Liste benennt zwar auch die Häusler, wenn sie denn die Nachbarn waren, ansonsten beinhaltet diese Aufstellung nur die Marktlehner und Söldner, denn auch nur diese konnten in Kötzting Besitzer weiterer Grundstücke sein. Die Häusler besaßen nur den Grund, auf dem ihr Haus stand. Nachdem Türrigl den Anfangssatz ausgestrichen hatte bemerkte er wohl, dass nur der Name falsch war, der Rest aber stimmte... und so kennzeichnete er den zweiten Teil des Satzes mit Punkten, um zu zeigen, dass der Inhalt doch stimmte.)
"hat ein Behausung ain Gaden hoch gemauert - also einstöckig -, sambt einem Stadl und Stallung zwischen Andreen Preuders burger und Leinwebers am Rindermarkh, und Hannsen Pollmüllers burger und Peckhens heußern ligt. Am Egg gegen den Wasserkhar gegen Hansen Khieningers Egghaus, ligt Darzue gehört ain halbs Markhtlehen mit nachvolgenten Grundt und Poden.
Detail aus Bayernatlas.de von 1831.

Velder
erstlichen ainen agger hunder dem Markht, hat (Lücke) Püfang zwischen Herrn Wolfen Scharrers Perkhoverischen und


"Leiblfingerischen Hofmarchs Richters zu Lichtenegg und Mültach, dann Anndreen Weissen Äggern ligt, mit dem hündern Orth auf sein besagten Pachmayrs zu dem Obernhaus gehörigen Agger und mit dem vordern Orth auf Adamen Tirrigls Marktschreibers Paindl Akcher stosst mit Wüntter Waiz angepauth."

Einschub
Dieser kleine Zusatz - "zu dem Obernhaus" - bringt die Lösung für die vielen Namensgleichheiten der Pachmayr Familie.
Wolf Pachmayr besaß damit nachweislich zwei Häuser und das zweite lagt oberhalb.
Da ich die Genealogie der Pachmayrfamilie bereits sehr ausführlich auf ihrem "Stammhaus2, dem heutigen Amberger Hof, erörtert habe, hier nur ein link zu diesem Beitrag um mich nicht einfach zu wiederholen
Trotzdem ist hier ein Blick auf Türrigls Beschreibung des Stammhauses interessant, und da heißt es, ebenfalls gleich beim ersten Acker:

"..und mit dem vordern orth auf bemelten Pachmairs zue dem Undern Hauß gehörigen Agger stosst"

Wolf Pachmayr gehörten also beide Häuser.
Einschub Ende


"Widerumben ainen agger gegen Grueb zwischen sein Pachmairs agger, so ain Aigenstuckh und Zauns bei der Laimbgassen, mit ainem Orth auf de Fartweeg und mit dem anderen Orth auf Jacoben Petwitsch Wißflöckhl, so dermallen mit Somertraidt angepauth."

Einschub
Aigenstuckh: die Grundstücke eines Marktlehens waren grundsätzlich fest an das Anwesen gebunden und konnten nicht frei verkauft werden. Es gab aber im Marktgeding ein paar wenige frei verkäufliche Grundstücke, - zumeist Gärten, aber auch vereinzelt Felder und Wiesen, die tatsächlich gehandelt werden konnten, und dann als "Aigenstücke" immer separat auch beliehen, verkauft und übertragen werden konnten.
Einschub Ende



Gärtten

Ain Gartten zwischen dem Gangsteig welcher von Khözting auf Veßmanstorf gehet und neben Wolfen Raaben dem Jüngern Gartten so nach Zwerch auf diesen obern Orth stosset, mit dem obern Orth auf Herrn Wolfen Kholbingers: und mit dem undern orth aus Sigmundt Raidtens Gartten stosst.

Mer auf der Au ain Gärttl neben des Andreen Billichs und neben des berierten



Pachmairs aigen Gartten mit ainem Orth auf den Gmaingrundt gegen dem Wexl, und mit dem andern Orth auf Georgen Vogls Gärtl stosst hat (Lücke) Pifang

Wißmath

Ain Wiß die Khäswis genannt, so aber nur im driten Jahr zu diesem Haus gefengt wirdet, und zwischen dem Regen und Strassen darauf man nach Peckhendorf fürth ligt, neben Peckhendorfer und Andreen Österreichers Wißmath ligt, ist zweymädig.
Einschub 
Der Besitz und die Nutzung einer Fläche waren zu diesen Zeiten durchaus zwei unterschiedliche Dinge: Die Käswiese gehörte zwar Wolf Pachmayr, den Gras- bzw. Heuertrag durfte er aber nur in jedem dritten Jahr einfahren. Die anderen beiden Jahresernten hatte er entweder verpachtet, oder aber, eher wahrscheinlich, er konnte die Wiese überhaupt nur mit diesen, bereits seit langem existierenden Einschränkungen erwerben. Die Wiese galt als "zweimahdig", man konnte als eine Heu- und eine Grummethernte einfahren.
Einschub Ende

Auch wenn ich im Beitrag zur Häuserchronik bereits vieles von Wolf Pachmayr aufgeführt habe, so gibt es doch noch ein paar Kleinigkeiten zu berichten, die neu sind. 1639 leistete er sich eine äußerst teuere Beleidigung an seinem Ratskollegen Sebastian Billich. Die Strafe von 3 1/2 Gulden - ungefähr 500 Euro - ist saftig, aber die Ehre eines "Inneren Rats" war halt hoch anzusetzen und deshalb wurde auch vor dem Landrichter verhandelt.

StA Landshut Rentkastenamt Pfleggerichtsrechnung von 1639

"Wolf Pachmayr burger und des Eüssern Rhats zu Khözting hat Sebastian Billich des Inneren Rats alda  in bezechter Weis under voribergangenen Worthwexln mit Iniurien angriffen, derowegen er Pachmayr gewandlt worden per 3 Pfund (Regensburger) Pfennig in Münz 3 Gulden 25 Kreuzer und 5 Heller"

Einschub
Interessant ist hier wieder das Strafmaß in Pfundanteilen Regensburger Pfennigen, wie es wohl im damaligen "Strafgesetzbuch, Codex" vorgesehen war,   und die anschließende Umwandlung in die damals gebräuchliche Währung, um die "Einnahme" im Staatssäckel auch richtig verbuchen zu können.
Einschub Ende

Der Grund für die Verhandlung vor dem Landrichter könnte u.U. aus folgender Strafe zu erkennen sein.
Wolf Pachmayr, der Äußere Rat, war bereits zwei Mal vor dem Magistrat vorgeladen worden, aber einfach nicht erschienen, was blieb dem Inneren Rat Billich (damals im halbjährlichen Turnus auch der Kammerer) anders über, als eine Instanz höher zu gehen und dort wurde Pachmayr auch noch wegen "Ungehorsams" verurteilt, erneut 1 Pfund Strafe.

StA Landshut Rentkastenamt Pfleggerichtsrechnung von 1639

"Ungehorsamb
Ingleichen ist Wolf Pachmayr burger zu Khözting, wider Sebastian Billich alda auf gerichtliches Er=fordern .2.mall ungehorsamb gewest, deshalb er Pachmayr gestrafft per  1 fl 8 kr 4 h."

1639 war kein gutes Jahr für das Ratsmitglied Wolf Pachmayr.
StA Landshut Rentkastenamt Pfleggerichtsrechnung von 1639

"Schmachröden
Wolf Vischer und Wolf Pachmayr beede burger und des Eüssern Rhats zue Lhözting, haben im Trunckh  ungkehe:(?) und Schmachworth gegeneinander ausgestossen, weillen aber kheiner den anfanng zuhaben bestendig sein wollen, also ist ieder per 1/2 Pfund gewandelt worden, macht in Münz 1 fl 8 kr 4 he"
Im Jahre 1640 tritt er als Bürge für einen seiner Nachbarn, Oswald Parella, auf, als dieser die Grundschuld , die auf seinem neu erworbenen Haus in der Fleischgasse (ehemalige Bäckerei Graßl) lag, auf sich umschreiben ließ.
Die beiden Kontrahenten Wolf Fischer und Wolf Pachmayr gerieten auch 1651 aneinander. Erster nannte Pachmayr einen "Schelm", was der zweite dann mit Schlägen beantwortete und daher - obwohl sich die beiden offensichtlich gegenseitig entschuldigten - wieder mit 1 Pfund Strafe belegt wurde.

Aus dem Jahre 1670 stammt die nächste Steuerliste des Klosters Rott (Pfenniggilt) und hier gibt es zuerst eine Überraschung in der Auflistung der Marktlehner:
HaStA München Landshuter Abgabe KL Rott R2

Eigentlich müsste  zwischen Andre Preider und Sigmund Raidt "unser" Wolf Pachmayr auftauchen.
Des Rätsels Lösung: Wolf Pachmayrs Steuerschuld wurde bereits bei seinem, auf der Liste ganz oben stehenden,  Hauptanwesen zusammengezogen. 
"Einnamb an bestendtigen Pfen=nig Gilten im Markt Közting
Wolf Pachmayr von beeden Häusern, und Auackher auch 5 Theillen"

Einschub
Die "5 Theile", die hier erwähnt sind, stellen höchstwahrscheinlich  5 Häuser  (bzw. Brandstätten, die er nach 1633 günstig erwerben konnte)  dar, die Wolf Pachmayr ebenfalls gehörten.
In einer alten Urkunde, in der die Gründung Kötztings aus 3 + 1 Urhöfen berichtet wird, heißt es, dass aus den ersten drei Urhöfen die 36 Marktlehen und die 10 Sölden entstanden und der 4. Hof in 20 Theile geteilt worden war und eigentlich nur ein Marktlehner solch einen "Teil" besitzen durfte. 
In den ganz alten Steuerlisten aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts sind die "Teile" noch vielen Marktlehnern zugeordnet und Häusler  - als Besitzer - gar nicht aufgeführt
Einschub Ende


Die nächste Steuerliste des Klosters - 1672 - zeigt dann bereits ein anderes Bild.

HaStA München Landshuter Abgabe KL Rott R2
Nun hat Wolf Pachmayr sein "oberes Haus" an seinen Sohn Andreas übergeben und sich selber nur noch das "untere Haus" vorbehalten.


Jetzt steht Wolf Pachmayr in der Steuerliste an der "richtigen" Stelle, zwischen den Nachbarn Märkl (26) und Sigmund Raith (29, der "Häusler" auf der 28 ist für diese Steuer nicht relevant)
Herr (er ist nach wie vor Ratsmitglied, siehe Herrnstraße und Herrenweiher) "Wolf Pachmair von ainem ganzen Marktlehen, dann vom Auakher und 5 thaillen." 
Einschub
Weshalb Wolf Pachmayrs Anwesen von einem "halben" (noch in Türrigls Liste) nun zu einem "Ganzen" Marktlehen aufgewertet wurde, ist mir unbekannt, jedenfalls macht sich diese "Höherung" in seiner Abgabenhöhe bemerkbar.
Einschub Ende
Nach langen Jahren als Äußerer Rat, ist er also später auch in den inneren Machtzirkel vorgestoßen und war damit turnusmäßig auch der Amtskammerer geworden.
StA Kötzting Marktrechnung von 1670

Rechnung
Gemainen Marckhts Khezting
Mein Wolfen Pachmair des Ihnern Rhats
und der Zeit Ambts Cammerers zu er=
melten Khözting, allen Einnammen und
Ausgebens, vom Neuen Jahr anno 1670 bis
Neuen Jahrs anno 1671
1670



Am 11.7.1668 heiratete der Witwer und Kammerer Wolf Pachmayr die Tochter seines Mitkammerers Georg Tenscherz (Denkscherz), Caecilia.   

Pfarrmatrikel Kötzting Band 1 Seite 231 vom 11.7.1669 
Hochzeit Wolf Pachmayr und Caecilia Tenscherz

 


Zu allen Zeiten hatte der Staat ein Auge auf die Versorgung von Waisen und Halbwaisen. Sogleich nach dem Tode eines Elternteils wurden amtlicherseits Vormünder bestimmt, die auch in schriftlicher Form Rechenschaft über ihre Leistungen für ihre Mündel geben mussten. Leider sind solche "Vormundschaftsrechnungen" früher nie als archivwürdig angesehen worden und deshalb nur vereinzelte Belege solch einer Vormundschaft zu finden.
Unser Wolf Pachmayr findet sich als Vormund der Petwitsch-Kinder (heute Kaufhaus Gartner): "umb willen er der Pflegtochter Anna Petwitsch Casten Truchen und anders nach Viechtach fiehren lassen und auch bei den "Lärnbecher Kindern" (Wiesmühle) wurde er als Vormund eingesetzt.
Als im Jahre 1672 der (fast) Nachbar Wolf Scharrer, Schreiber sowohl im Markt als auch beim Pfleggericht, starb, kamen zur Bestandsaufnahme seines Besitzes, Inventarium genannt, gleich beide Amtskammerer und ein Mitglied des Äußern Rats zusammen.


HaStA München Landshuter Abgabe
Rep 92 Verz 8 Fasc 67 Nr. 208 von 1672





Inventarium




Über Weillendt Herrn
Wolfen Scharrers gewesten
churfürstlichen Preugegen- und
Marktschreibers alhir seel:
Verlassenschaft, so on
bürgerlicher obrigkeit
ordentlich beschrieben,
und Inventiert worden,
im Beyssein H: Simon Raithen Wolfen Pachmayis beeden Cammern, und Jacoben Passauer als äussern Raths bürger dem 4. Januar ao 1672

Die Bestandsaufnahme erbrachte eine hoffnungslose Überschuldung, weshalb das Scharrersche Anwesen danach auch "vergantert" wurde.



























Im Jahre 1674 findet sich ein Kuriosum - oder vielleicht auch nicht, sondern nur ein grundehrlicher Eintrag - im Kötztinger Rechnungsbuch. Wolf Pachmayr, der Innere Rat und Kammerer "hat 100 fl zu bekommen , aber kein Geld vorhanden" und daher steht im Buch bei der Ausgabe auch "nihil" also Nichts(!).
Zwei Jahre später lassen sich der Markt Kötzting und sein Kammerer aber nicht lumpen, bei der Abgabe seiner Jahresrechnung heißt es: "Als der cammerer (Wolf Pachmayr) sein Rechnung fuer 1675 abgelegt ist ainer ganzen gemain und Buegerschaft ain halbvirtl Pier verraicht auch hierfuer mit sambten Vassgelt lauth Scheins bezahlt 3 Gulden 1 Kreuzer und 4 Heller"

Kurz vor seinem Tode lässt er am 17. Februar 1677 beim Magistrat ein "Vermächtnis" für seine Frau protokollieren, welches einige Grundstücke betrifft und welches seinem Sohn, Georg,  noch viel Ärger bereiten wird.
StALa Rep 97e fasc 780 Nr. 391 Vermächtnis des Wolf Pachmayr von 1677




Drei Tage später, am 20. Februar 1677 verstirbt der ehemalige Kammerer Wolf Pachmayr in Kötzting. 

Pfarrmatrikel Kötzting Band 2 Seite 512

"den 20. (Februar 1677) H: Wolf: Pachmayr gewester Cammerer alhir begraben worden"
Noch im selben Jahr, am 21.7.1677 wiederverheiratet sich seine Witwe mit Wolfgang Lärnbecher, dem Sohn des Georg aus Kötzting.

  Georg Pachmayr und Regina

Bereits im Jahre 1666 hatte Georg Pachmayr, Sohn des Wolfgang und der Sibilla,  Regina Lärnbecher, die Tochter des Müllers aus Gmünd,  geheiratet.
Pfarrmatrikel Kötzting Band 1 Seite 221
Martius: den 1. dis Georg Pachmaier Herrn Pachmaiers des eisern Rahts, Sibilla seine Echefrauen ehelicher Sohn, cum Regina Lährnbecherin, Georgen Lährnbechers zu Gmündt.....

Es steht aber zu vermuten, dass Georg erst nach dem Tode seines Vaters dann auch wirklich das Anwesen hatte übernehmen können, also 1677. Was hier noch berücksichtigt werden muss, ist, dass Wolf Pachmayr später auch noch das Haus mit der alten Hausnummer 138 besaß (heutzutage das Haus des Steuerberaters Kern)
Aus demselben Jahr haben wir einen Akt bei der Regierung in Straubing, bei der ein Streit zwischen Georg und seiner Stiefmutter Caecilia ausgebreitet wird, die mit dem oben angesprochenen und abgebildeten Vermächtnis des Kammerers Wolf Pachmayr zu tun hat


StA Landshut Regierung Straubing Nr. 4326 von 1677
Pachmayr gegen Caecilia Lärnpecher (so hieß sie bereits zum Zeitpunkt der Revision)

.Extract
 aus gemainen marckhts Közting Verhörs=
 Protokoll so Vor: und Einkhomen, den
 28. Juni ano 1677
Clag
Cecilia Pachmayrin Wittib alhir, contra Geörgen Pachmayr burgerbn alda, der habe sich understanden, in die Wißen, so die Zieglerin genannt, einzufallen, und selbige baltdt halben Thail auszugrassen, weillen ihr Eheherr seelig solche Wißen ihr ordentlich neben anderen Grundstückhen vertestirt und daryber testamenti soleni forma bey obrigkeit aufgericht worden. Als begere Sye dem becl(agten) obrigkeitlich aufzutragen, daß er solche Wißen müßig stehen und weiter hiervon khainen einhalt thain solle, wie sye dan ohne das crafft aufgerichten testaments obrigkeitlich darbey manuteniert werden mueß.
Antwortt

Der beclagte Pachmayr gibt für sich und ander seine Miterben zur Antwort, daß ein Thail Wißfleckh welche Klägerin dermal zu der ihr vermachten Zieglewiß haben wil, aim Markhltlehens Grundt seye, welcher mit sambt dem oben her daran ligenten Äckherl zu sein Vatters seel: bewohnten Behausung alß ein Pertinenz gehörig, massen er dann weiter nit als bis uf den sichtigen Anger und unten am Zaun stehenten Aichreißl .....
.....(so iedes Mahls für ain richtiges March zwischen dem Marktlechens Grundt und der angezogenen Zieglwieß gehalten worden)

Der Magistat urteilte und die Witwe bekam zunächst mal Recht, außer der Beklagte würde binnen 14 Tagen seine Version des Hergangs beweisen können, was dieser nicht konnte und deshalb in Revision bei höherer Instanz ging. Bei der Regierung verklagte er sowohl den Kötzting Magistrat als auch seine Stiefmutter, nunmehr eine verheiratete Lärnbecher.. Die Regierung forderte den Magistrat auf, sich zu äußern, und dieser wies zunächst jegliche Parteilichkeit - schließlich war die Klägerin eine Kammererstochter - zurück und stellte fest, dass niemand im Markte, auch die Allerältesten nicht, wüssten, dass diese Wiese jemals eine "Pertinenz" zum Marktlehen gewesen war und der "Aichreis" als Grenzstein, angesichts eines kompletten Zaunes, auch schwerlich als solcher anzusehen wäre. Auch würde die schiere Größe des Grundstücks zu der im Testament genannten passen.
Die Witwe selber legte ihrer Rechtfertigungsschrift auch noch die Abschrift des Ankaufes der Wiese von der Familie Zaglmann aus dem Jahre 1588 bei, welcher belegen konnte, dass die Wiese damals bereits ein freilediges Aigen gewesen war. Leider ist dem Akt kein Urteil beigelegt, ich denke aber, dass Georg Pachmayrs Argumentation ein wenig fadenscheinig klingt. und die Witwe Recht behielt.


HaStA München GL_Fasz_1829_62 von 1688 mit Georg Pachmayr und seinem Nachbarn Hans Märkl

.Insgesamt 14 Kinder sind in der Pfarrei Kötzting von den beiden, Georg und Regina Pachmayr, getauft worden im Zeitraum zwischen 1667 und 1689, wobei Georg in einem Falle als Bürger und Metzger bezeichnet wurde.
Wir finden in den Sterbematrikeln im Jahre 1689 einen Georg Pachmayr, nur mit dem Zusatz "Rat". Es scheint der richtige "Georg" zu sein, denn in den folgenden Jahren finden sich vor allem die Mutter Regina und ihre Kinder in den Marktrechnungen. 2 1/2 Gulden Strafe muss die Rumpffamilie bezahlen wegen "Haarraufen": "Hans Georg Pachmayern, dessen Mutter Regina, Bruder Hans und Schwester Lucia sind umb sye durcheinander an haaren geraisst gehabt, gestrafft worden"
Noch im selben Jahr treffen Regina und ihr Sohn Hans aneinander, was beide zusammen erneut fast 2 Gulden kostet, beide sind wegen " wegen Luegen redo Hundtsverschmechung strafft worden:"
Nachdem 1698 Hans Pachmayr geheiratet hatte, vermute ich, dass er auch zu diesem Zeitpunkt das Marktlehen von seiner Mutter übernommen hat (die Kötztinger Briefprotokolle setzen erst im Jahre 1700 ein)

Einschub 
Nun setzt ein "Nachweisproblem" ein, das sich unter Umständen nur durch eine Rückwärtssuche lösen lässt, es treten an entscheidenden Stellen Lücken in den Archivalien auf, die es gilt zu überbrücken gilt. Es ist dies bei den "Pachmayrs" besonders schwierig, weil diese Großfamilie zu der fraglichen Zeit - mit immer wieder denselben Vornamen - auf den unterschiedlichsten Anwesen gesessen ist.

Wir wissen, dass Lecker Johann Qualbert, der (der Vorname ist korrekt) nachweislich  am 13.8.1742 Pachmayr Anna Maria, die Tochter des Johann Pachmayr und dessen Frau Maria Elisabeth, einer geborenen Holzinger aus Regenstauf, heiratete, ab der Zeit Hausbesitzer gewesen ist.. 
Leider fällt diese Zeit in eine sehr ärgerliche 3-Jahreslücke der Kötztinger Briefprotokolle, so dass die Übernahme nicht zu dokumentieren ist.
Also: Lecker Qualbert heiratet 1742 Anna Maria, eine Tochter von Hans und Elisabeth und schließt am 10.11.1746 mit ihr einen Heiratsvertrag, bei dem auf einen Hauskauf vom 6.6.1744 verwiesen wird.
Die Hochzeit der Eltern kann nachgewiesen werden: am 3.2.1698 heiratet Johann Pachmayr, Sohn des Metzgers und Rats Georg Pachmayr und dessen Frau Regina, Maria Elisabeth Holzinger, eine Metzgerstochter aus Regenstauf. 
7 Kinder hat das Paar
1698 Johann Adam  übernimmt das Marktlehen zuerst
1700 Johann Josef  
1702 Anna Maria   überlebt sie oder ihre Schwester heiratet Qualbert Löckher
1703 Johann Andreas
1706 Johann Georg  ist erwähnt
1708 Franz Benedikt
1710 Anna Maria    überlebt
Die Sterbematrikel Kötztings sind in dieser Zeit äußerst schlampig geführt, bei vielen jungen Verstorbenen heißt es einfach "Pachmayr Kind" und auch die Erwachsenen sind häufig nur mit ihrem Namen aufgelistet.
Im Jahre 1711 steht im Sterberegister Kötztings ein Pachmayr Hans. Der Zeitraum könnte passen, aber, es ist nicht sicher, außer, dass seine Frau nachweislich zumindest ab 1715 als Witwe bezeichnet wird. 
Im Jahre 1717 finden wir Elisabeth Pachmayr als Weißbeckin auf dem Haus.
Ein Eintrag in einer eher tragischen Angelegenheit, bringt zumindest ein wenig Licht in den Dschungel der Pachmayr-Großfamilie.
1717: In Kötzting ist, ähnlich wie 1867, die komplette, marktabwärtsführend, rechte Häuserreihe ein Raub der Flammen geworden und die Brandleider müssen schauen, wie sie zu Kapital kommen, um ihre Ruinen wieder bewohnbar zu machen. 
Es gilt vor allem die beiden Nachfolger auf den früheren Anwesen des Wolf Pachmayr, also die Nummern 138 und 27 auseinander zu halten.
"Kathrina, weyl: H: Hans Georg Pachmayr, gewest des Eissern Rhats alhir seel: nachgelassene wittib" leiht sich aus der "Georg Pachmayrschen Vormundschaft" 50 Gulden "zu Widerauferpau Ihrer bis ufm Grundt abgeprunnen Markhtlehensbehausung.
Diese "Georg Pachmayrschen" Erben sind nun ausgeführt mit "Hans Georg Seider des Rats nomine dessen Eheweib Lucia", und "Hans Pachmayrs Wittib Maria Elisabeth und ihre Künder"
Am 1.4.1736 verstirbt Elisabeth Pachmayr.
Wir haben also folgende Besitzverhältnisse, mit einer sehr ärgerlichen Lücke.
Bis 1711 Hans Pachmayr und Elisabeth
Bis 1734 Pachmayr Elisabeth, diese verstirbt 1736
Ab 1734 Pachmayr Hans Adam, noch 1739 als lediger Marktlehensbesitzer bezeichnet
Ab 1744 Löckher Qualbert mit Anna Maria Pachmayr
Es ist nicht ungewöhnlich in diesen Zeiten, dass eine Hofübergabe innerhalb der Geschwister gewechselt wurde, wenn der Erstübernehmende mit den Kosten bzw. mit der Arbeit überfordert war.
Qualbert Löckher brachte 300 Gulden mit in die Ehe.
Diese Übergabe von Hans Adam Pachmayr auf seinen Schwager und die Schwester ist der Punkt, den wir nicht belegen können.
Einschub Ende



Hans Pachmayr und Maria Elisabetha

Im Jahre 1700 gibt es eine Petition der Kötztinger Fluderherren an die Regierung und dort taucht Hans Pachmayr als Marktlehner auf; es ist also hochwahrscheinlich, dass er das Anwesen gleich nach dem Tod seines Vaters und seiner Heirat übernommen hat. 
Pfarrmatrikel Kötzting Band 3  Seite 604

Am 9. Januar schloss das Brautpaar einen "Vertrag auf ein zukünftige Hochzeit". Der Bräutigamvater Georg Pachmayr wird als Rat und Metzger bezeichnet und ist zum Zeitpunkt der Heirat bereits verstorben. (die Zeichen p:m: hinter seinem Namen stehen für "piae memoriae", seligen Andenkens). Die Mutter ist mit Regina angegeben und auch der Brautvater, der Regenstaufer Metzger Georg Holzinger, ist bereits verstorben. Einer der Trauzeugen, Johann Horn, kam aus Regensburg.
Die Hochzeit fand dann am 3.2.1698 statt.
.
Im Jahr drauf machte seine Mutter, die Pachmayr-Witwe Regina, ihr Testament, in dem sie in der Einleitung davon spricht, dass sie "mit einer schweren Leibskrankheit heimbgesucht sei" und daher bei vollem Verstand die letzten Dinge regeln wollte. Hans Pachmayr, der Sohn, dem sie seit ihrem Wittibstand sicherlich an die 200 Gulden zugesteckt hatte, habe sich als liebender Sohn erwiesen und brauche diese Gelder nach ihrem Tode nicht zurückzahlen (ins Erbe). Die Wiese, die "Hirmerin", eine Wiese, die nicht zu den Pachmayerschen Gründen gehört hatte, sollten die beiden Kinder Hans und Lucia - eine verheiratete Seiderer - zu gleichen Anteilen erhalten. 
Die Tochter solle ihre persönliche Habe erhalten und das Bargeld zu gleichen Teilen ihre Kinder Hans, (noch einmal) Hans und Lucia erhalten. Es war nicht ungewöhnlich, ein und denselben Vornamen mehrmals zu verwenden.  Regina Pachmayr, die Witwe, die vermeinte, ihr Testament im Angesicht des Todes nicht lange zu überleben, gesundete offensichtlich und starb erst am 17.2.1715.
Ein anderer Zweig der Pachmayrfamilie  (auf der Hausnummer 3 ) lieh sich Geld von den "Georg Pachmayrschen Erben", die genau aufgelistet sind:
Die Witwe Regina und die Kinder Hans Georg des Rats, Hans und  Lucia Seider.
Im Jahre 1704 finden wir Hans Pachmayr mit einer Holzstrafe vor dem Pfleggericht.
StA Landshut Rentkastenamt Straubing Pfleggerichtsrechnung von 1704

Unfuegsamerweis Holz abzuhauen
Hanns Pachmayr Burger alhir zu Közting hat ohne Verwissen und Conßens Burgerlichen Magistrats alda in deren angehörig und sogenannten Wäzlholz 5 Stamb Holz abhauen lassen, derentwillen er von ieden Claffter per .1. thuet 5 Schilling Pfennig abgebisst worden Id est 42 Kreuzer 6 Heller,

Maria Elisabeth Pachmayr

Bei einer Bürgschaftsurkunde aus dem Jahre 1715 werden Maria (Elisabeth), die Witwe des Hans Pachmayr, und Maria Lucia als Schwägerinnen bezeichnet. Es spricht vieles dafür, dass er Johann Pachmayr, der - ohne Namenszusatz - am 16.4.1712 verstorben ist, ihr Ehemann gewesen war.
Im Jahr drauf verkauft Elisabeth Pachmayr die "Käswies", "die alljährlich mit Düngung an Heywachs und Graimeth in wexl gehet und erkhäuffer sodann alzeit 3 jahr allein nutzen kann." Sie bekommt für diese Teilnutzungsüberlassung 75 Gulden.
Auch die zweiten Mitbesitzer dieser Käswiese trennen sich von ihrem Besitz, aber anstatt dass nun diese Wiese in die Hände eines Besitzers kommt, tritt ein anderer Bürger als Käufer auf, Hans Michael Hofmann kauft um 24 Gulden "die sogenannte Wechselwiese die Käswiese genannt" von der Witwe des Hans Georg Pachmayr. (Hausnummer 138).


Wie weiter oben bereits einmal zur Klärung des "Pachmayr-Durcheinanders" schon benutzt, werden die Erben Georg Pachmayr im Jahre 1717 zum Geldgeber für den Wiederaufbau des Hauses des verschwägerten Pachmayrzweiges.
"Kathrina, weyl: H: Hans Georg Pachmayr, gewest des Eissern Rhats alhir seel: nachgelassene wittib" leiht sich aus der "Georg Pachmayrschen Vormundschaft" 50 Gulden "zu Widerauferpau Ihrer bis ufm Grundt abgeprunnen Markhtlehensbehausung.
Diese "Georg Pachmayrschen" Erben sind nun aufgeführt mit "Hans Georg Seider des Rats nomine dessen Eheweib Lucia", und "Hans Pachmayrs Wittib Maria Elisabeth und ihre Künder".
Im Jahre 1731, die Witwe Pachmayr scheint eine sehr energische Person zu sein, finden wir Frau Pachmayr zusammen mit ihrem Dienstbuben vor dem Magistrat: "umb ihre Ross dem Johann Sterr verbürgerten Fludermann daselbst im Haabern zu Schaden gangen und selbige von dem aufgestölten 
pfandtner gepfendt und in den Pfandtstahl gebracht von derselben Dienstbuben aber solches widerumben aigenmechtig gerausgenommen und die Prödter von bemelten Stahl hinweggerissen worden. 
So hat man dieses Unternehmbungs willen bemelten Dienstboten Hans Georgen Greul nebst ernstlichen Verweis 3 Stundt lang im Stock abgebiesst und anbey aufgetragen das er gedachten Stahl widerumben verschlagen und dem Pfandtner sein Gebiehr abstatten solle."
Die Pferde der Frau Pachmayr - mit oder ohne ihr Wissen, geht nicht daraus hervor - richteten im Haferfeld des Johann Sterr Schaden an und wurden vom Flurwächter in den Pfandstall am obern Tor gesperrt. Dort sollten sie solange bleiben, bis die Strafe bezahlt war. Der Dienstbube Georg Greil - möglicherweise sind ihm die Pferde ausgekommen - riss beim versperrten Pfändterstall Bretter aus der Wand, um die Pferde zu befreien. 3 Stunden Stockstrafe, ich denke, da vergehen die Sekunden besonders langsam. 
1732 trennt sich die Witwe von einem Teil der "Hirmerin" und verkauft die Teilfläche an Adam Greill. Diese Wiese lag hinter der Kommunbrauerei.
PlNr 27 die Hirmerin   Plnr 42 der Käufer der Teilfläche Adam Greill
Auch der hier mit der Plannummer 48 eingezeichnete Garten des Weiß (Ritzenberger) gehörte bis 1764
zur "Hirmerinwiese"

Im Jahre 1734 ist es dann soweit, die Witwe übergibt das Marktlehen mitsamt den Eigenstücken um 1200 Gulden an den Sohn Hans Adam Pachmayr. 
Diese freien Grundstücke waren: die Honigwiese, 
der Galgenacker, der Christlacker, der Voglacker,  der Zandthofacker, anhero ein kleines Äckherl uf der Au, Voglackher oberhalb dem Gehsteig uf Zeltendorf zue, und den Voglacker neben der Dampfbachstrassen, item die Hönig und Prödlwexlwiesen uf der untern Au, die Galgenwiesen, dann die sogenannte Hirnerin und das untere, dem churfürstlichen Pfleggericht gehörige Vogl Schwarzhölzl.
Sie behält sich die lebenslange Herberge aus und bestimmt, dass er jedem seiner 4 Geschwister - später sind noch 2 Schwestern erwähnt - je 180 Gulden auszuzahlen hat, der Mutter noch 160 Gulden und den beiden Schwestern später dann zusätzlich jeweils eine Kuh bei deren Verheiratung.
Es war üblich, dass die Begünstigten ihr Kapital gegen Verzinsung auf dem Hause liegen ließen. Ein Jahr war der Übernehmer zinsfrei, aber danach hieß es: 5 % Verzinsung im Jahr, so hoch war damals der übliche Marktzins.
Am 1.4.1736 stirbt Maria Elisabeth Pachmayr.

Hans Adam Pachmayr

100 Gulden Hypothek hatte der Vater bereits bei der St. Sebastiani Bruderschaft aufgenommen und diese ließ der Sohn nun auf sich umschreiben
Hans Adams Bruder Hans Georg Pachmayr, ein Schuster und Bürger Kötztings, heiratet und fordert sein Erbteil und Hans Adam leiht sich von Christoph Pfeffer, einem verbürgerten Schneider 100 Gulden und versetzt dafür seinen "Voglacker hinter dem obern Friedhof"
Für seine "unumgängliche Notturfft" lieh er sich an einem Tag 2 mal jeweils 100 Gulden und versetzte dafür den Voglacker beim Dampfbach und den Voglacker.
Mit dieser letzten Schuldverschreibung verschwindet Hans Adam aus den historischen Dokumenten und, wie ich oben bereits angedeutet habe, hat es den Anschein, als ob er angesichts der Schuldensumme die Übernahme des elterlichen Anwesens nicht schultern konnte und zugunsten seiner Schwester und den Schwager zurücktrat.
Am 7.5.1757 ist ein "lediger" Johann Adam Pachmayr verstorben. Der Name würde stimmen und er war noch unverheiratet, aber wer weiß dies so genau bei den Pachmayrs.......

Viele Jahre später, bei der übernächsten Weitergabe  des Anwesens - 28.1.1760 -, kommt dann nachträglich die Bestätigung und die Überbrückung der Lücke:
Das Ehepaar Lecker übergibt das bürgerliche Marktlehen welches sie selbst "vom Schwager Johann Adam Pachmayer  gewesten Bürgers allhier am 6.6.1744 gekauft hatten.  QED (!)


Das wichtigste für mich als Chronisten ist jedoch, dass nun, zumindest auf diesem Haus, die komplexe Genealogie der Pachmayrs endgültig vorbei ist. Sie war bereits auf einigen Häusern bestimmend und verwirrend und wird dies noch bei einigen weiteren Anwesen sein.



Johann Qualbert Löcker und Anna Maria

Wie oben bereits erwähnt, fällt der Besitzwechsel zwischen Hans Adam Pachmayr und seinem Schwager und  Schwester in die Zeit, aus der wir keinen Briefpotokollband haben.
Wir wissen, dass Lecker Johann Qualbert,  am 13.8.1742 Pachmayr Anna Maria, die Tochter des Johann Pachmayrs und dessen Frau Maria Elisabeth, geheiratet hatte. Am 10.11.1746 schloss er mit ihr einen Heiratsvertrag, bei dem auf einen Hauskauf vom 6.6.1744 (liegt genau in der Protokolllücke) verwiesen wird. Der Schneidermeister Qualbert Löcker (getauft wurde er als Johann Albert)  hatte seinen Vorbesitz seinem Bruder Sebastian verkauft und so das Kapital für seine Einheirat erhalten.
Pfarrmatrikel Kötzting Band 14 Heirat Johann Qualbert Lekher mit Anna Maria Pachmayr.
Der Schneidermeister und seine Frau bekamen nur ein Kind, eine Anna Margaretha, die am 20.7.1743 geboren wurde.
Die Heirat und der Hauskauf fanden während der ganzen Turbulenz des Österreichischen Erbfolgekrieges statt, was auch ein Grund dafür gewesen sein kann, dass Hans Adam sich zugunsten seiner Schwester vom Anwesen zurückgezogen hatte.
Im Jahre 1744 muss Qualbert Löcker vor dem Landrichter erscheinen, weil er seinem Schneiderkollegen eine Ohrfeige gegeben hatte, und Handwerkssachen durfte der Magistrat nicht verhandeln.
StA Landshut Rentkastenamt Straubing Landgerichtsrechnung von 1744

Versezte Ohrfeigen
Gleichergestalten wurde die von Johann Qualbert Leclkher burgerlich: Schneider alhier dem Christophen Pfeffer ebenfalsigen Schneidern versezte Ohrfeigen giettlichen verglichen, der Leckher aber nebst ernstlichen verweiß und künftiges Underlassen mit entrichten 1/2 Pfund abgefertiget"


Im Jahre 1747 wird erneut vor dem Landgericht verhandelt und die Anklageschrift ist dermaßen lebendig, dass ich die Geschichte hier weitgehend komplett transskribiere: 
Kläger sind der damalige Amtskammerer Seiderer und der Kötztinger Marktschreiber Schreyer.
Beklagte die beiden Marktlehner Johann Georg Silberbauer und Qualbert Löcker. (Beide sind einige Jahre später erbitterte Prozessgegner, siehe weiter unten)
Grund: Das Benehmen der beiden Angeklagten in der Ratsstube, genauer: " Uff Gemainen Markht Rathaus inselention (wohl Unruhe) zu stüfften und wider die burgerliche Obrigkeit, mit S.V: Hundtsfott, Schelmen und so mehrfaltiger iniurien hievor zu bröchen"
Mit diesem Prozess erfahren wir auch ein weniges  darüber, mit welchem Prozedere in Kötzting zum Beispiel die Rechnungslegung erfolgte.  
StA Landshut Pfleggericht Kötzting P 45 Verhörsprotokoll von 1747

"Clag
Im Nammen des Burgerlichen Magistrats alhier, clagen Johann Georg Seiderer dermaliger Ambtskammerer, und Johann Baptist Schreyer, als beede Abgeordnete, Johann Qualbert Löckher und Hans Georgen Silberpaurn alda, ermelter Silberpaur hat den 11. April ao dis bey Ablegung gedachten Herrn Seiderers 1743isten Gemainen Marktsrechnung under Verraichung des gewohnlichen halben Viertl Piers des armb krankch gelegenen Sailer Pabingers Eheweib, die ...
...umb 1 Maß Pier und 1 L: Brot für bemelt ihren Ehemann gekommen, und gebetten, derselben den Krueg genommen, mit grössten Zorn zum Rathausfenster offentlich hinaus geworffen, auch noch dazue zu dem Ratstisch hinzugangen, an welchen der Inner und Äussere Rhat gesessen, mit miteingehenter Hizigkeit yber villes abbitten zu zweimahlen uf den Tisch hinein geschlagen, Löckher hingegen, wie  ersagte Saillerin weitters und zum andertenmahl mit einem Krueg gekommen, derselben solchen aus der Hand gerissen, zerschlagen und mit denen S.V. Fuessen zu Scherben zerstossen, Nebst deme auch in hechster Furi aufgeschrien, dass all die jenige welche dorthmahl regiert, wie der Luckner seinen Keller bey dessen Stadl auferbauen lassen, samentlich S.V. Hundtsf:(ott), Schelmen und Spizbueben seyen, so folgents auch Löckher erweislichen ausgesprengt, ehe man einen Alten zu einem Amt lassen, man selben zuvor abschlagen solle. Nitminder under dennen Kriegszeiten ein von Inner: und Äussern Rhat gemachte Anlagsrepartion, ein Schelmische Repartion  (siehe nächstes Bild) betitelt, welches von einem Ausschuss ia ein wunderbahre Aufführung ist, das wan ein gemainer Burger sich dergleichen Undernemmen wurde, sye dem solches abstellen sollen."
Da der Magistrat sich solche Beleidigung nicht gefallen lassen kann bittet er um die Wiederherstellung der Ehre und um eine Bestrafung der Angeklagten, wobei sie vorsorglich schon mal eine mögliche Prozesskostenübernahme ablehnten.
Antwort
Silberbauer meinte das es einen Beschluss gegeben hatte, "dass kein Pier von Rathaus kommen solle" weshalb er "uf Zuesprechung ander und aus purem Gespäss solchen Krueg iedoch ohne ainzige Hizigkeit yber das Fenster hinuntwer uf dem Plaz geworffen, kan auch nit laugnen das er uf Zueschreien der Ratsverwandten alwo selbe und der Inner Rats gesessen, zu dem Tisch gangen sye um aldorten von dem Marktdiener ein Gespräch gehalten, das sye demme hinkonfftig fein ein Pis (?) einlegen sollen. Auch dabey mit 2 Finger ganz glimpflich und mit aller mania hineingedruckhet, keines Weegs aber mit Gewalt, mit der ganzen Handt hinangeschlagen habe. Der Löckher hingegen erindert, wie ersagte Saillerin abermahlen mit ainem alten Krueg gekommen, und der Markhtdiener inn solchen hinzuegesetez, er eben mit aller Klimpflichkeit und aus puren Gespäss selben ain und andersmahl unden am Tisch geklopfet, warvon ihm der obern Thaill hiervon zerbrochen, wo ihme folgent solcher solcher gar aus der Handt gerathen und zu Poden gefahlen, ab welchen der die zerbrochenen Scherben mit denen S.V. Fuessen under den Tischschambl hineingeschoben, das er aber in aller Furi uf den Rathaus ufgeschrien: und gemelt haben solle, all die ienige, welche bei Erbauung des Luckhnerischen kellers regiert,s eint S:V: Hundtsfott, Schelmen, so anders miesse er von darumben wiedersprechen, weillen damalls von diesen Sachen gar nicht sgesprochen wordten."
Die erstellte Repartionsliste halte er, Löcker, nach wie vor für zu hoch, er glaube, dass er und Silberbauer sich wenig zu Schulden hätten kommen lassen und unterwürfen sich natürlich der richterlichen Urteilssprechung.
Die Kläger bleiben bei ihrer Aussage und die Beklagten beschweren sich darüber, dass bei der - offensichtlich vorher stattgefundenen - Zeugeneinvernahme ausschließlich Personen gefragt wurden, die auf der Seite der Anklagevertreter stünden.
Die Strafe war saftig:

Straf



2 Mans Persohnen

2 und 4 Teg bey

Wasser und Brodt

im Ambtshaus, dan

absonderlich .2. Teg

Vor: und Nachmittach

.1. Stündt offent=


lich im Stock




















Silberbauer wurde auch noch zu 1/3  der Prozesskosten verurteilt und bekam die 2 Tage Gefängnis aufgebrummt, Löcker musste dann die "restlichen" 2/3 der Kosten übernehmen und musste gleich 4 Tage in den Bau, beide bei "Wasser und Brodt".
Trotz seines Benehmens vor dem Rat wird er ab dem Jahre 1747 als Ausschussmitglied geführt. Der Ausschuss ist so etwas wie eine zweite, beratende Kammer des Magistrats



In der "Repartionsliste", einer nachträglichen Umlage von Quartierlasten auf alle Kötztinger Bürger im Jahre 1749, die im obigen Prozess bereits eine Rolle gespielt hatte, finden wir natürlich auch Qualbert Löcker.
StA Kötzting AA IV 1 von 1749

 "Herr Johann Qualbert Lökher Schneider und Marktlehner mit einschluss der aignen Grundstuckhen   15 Gulden 30 Kreuzer. "
Auch das neue Besitzerpaar kämpft mit der Finanzierung seines Lebensunterhaltes und nimmt neue Schulden auf sich. 100 Gulden leihen sich die beiden  von Helena Hofmann und hinterlegen dafür den Galgenacker. Weitere 100 Gulden, nun auf das Marktlehen selber, kommen als Grundschuld bei der Pfarrkirche im Jahre 1751 hinzu.
Bei der Vorstellung der Person  eines "Schneidermeisters"  kann man sicherlich nicht an Wilhelm Buschs Darstellungen vorbei. Unser Qualbert hier war aber nicht nur Schneider , sondern auch einer der Kötztinger Fluderherren, er flößte - oder besser ließ flößen - also Holz auf dem Regen bis nach  Regensburg und weiter die Donau hinab bis Straubing.
In den Jahren 1761 bis 1769 ist er der Prozessführer der Kötztinger Fluderherren gegen den Marktmüller Irlbacher,  der selber keine Marktlehner ist, dem die Kötztinger Fluderer sein Recht zu ludern absprechen wollen.
AA XIV 26 : Irlbacher gegen Qualbert Löcker et cons.: Die 5 Kötztinger Marktlehner, die flößen, klagen gegen Irlbacher, weil er als Nichtmarktlehner kein Recht besitze zu flößen. Irlbacher bringt vom Bauamt aus Regensburg eine Bestätigung, dass bereits  Georg Billig, 1662 als Marktmüller in Kötzting,  nach Regensburg gefludert hatte und und 1704-1710 Wolfgang Billig ebenfalls.
Der Akt endet ohne Ergebnis. 


Der Streit um Abwasser.

Im Jahre 1760 kommt es zu einem größeren Prozess vor dem Magistrat und vor dem Landgericht.
Die Ursache ist die "Abkehrung" von Wildwasser, also die absichtliche Umleitung von Oberflächenwasser im Bereich der Wurmhöhe.
Der Vorgang wurde bereits kurz bei der Häuserchronik der Fleischbank erwähnt, weil dort das abwärtsschießende "Wildwasser" seinen Anfang genommen hatte.
Zu diesem Prozess gibt es auch einen der schönsten Planskizzen, die wir im Stadtarchiv haben.
Der "Genuss" dieses "Wildwassers" hatte zwei Aspekte. Zum eines diente er der Wiesenwässerung bzw. -düngung und zum anderen hatten einige Anwohner durchaus Schäden durch diesen Wasserschwall zu erdulden; bzw. galt es diese abzuwehren.
Hier zuerst die Situation:


Stadtarchiv Bad Kötzting AA XI 32 Silberbauer ct Qualbert Löcker 1766

Silberbauer besaß den Garten oben Mitte und Qualbert Löcker die Wiese mit dem Eigennamen "die Hirmerin" 
Hier nun die Übertragung auf den genauen historischen Ortsplan von 1831

Am 1.8.1760 kam es zu einem Ortstermin und anschließend zu einem "Protokoll so in der zwischen Johann Georg Süllberbauer bürgerlichen Schuechmacher alda dan Johann Qualberth Löckher et 
cons. auch beeden Bürgern derorth strittig Wildwasser abkehrung bey der Eingenommenen augenschein."
AA XII 72 und VI 32

Lecker Anna Margaretha


Ein Kind nur bekam das Paar und am 28.1.1760 übergaben die Eltern das Marktlehen , das sie selbst vom Schwager "Johann Adam Pachmayer,  gewesten Bürgers allhier am 06.06.1744 gekauft" hatten, 
"zwischen Josef Laerenpecher und Michael Fischer, beide Bürger Häusern entlegen"
Der Kaufpreis betrug 1600 Gulden. Mitenthalten war neben dem Gebäude und den Pertinenzgründen auch noch:
"der Agger am Pfeffergraben,
der Rauschergarten, oberhalb des obern Garttners Gartten.
das Reitensteiner Äggerl und das 
Ziegelhüttengärttl an des Lorenz Hübers Gärttl stossend
Am 6.10.1762 heiratete die Marktlehensbesitzerin Margaretha Lecker den Sohn des damaligen Wiesmüllers Michael Rabenbauer.
Der Vater, zwar nun kein Marktlehner mehr, aber immer noch Besitzer seiner - personalen - Rechte als Schneidermeister.
Einschub 
Man unterschied damals zwischen realen und personalen Rechten.
Die " realen" Rechte lagen ausschließlich auf dem Gebäude und der jeweilige Besitzer kauft mit dem Anwesen sich auch die Rechte, die auf diesem Gebäude lagen; idR. das uneingeschränkte Brau- und Schankrecht der Marktlehner, Bäckersgerechtigkeiten u.ä.. Die "personalen" Rechte hatte sich ein idR. gezünfteter Handwerker selber erworben und konnte diese vererben bzw., wenn die Handwerkszunft mitspielte, auch verkaufen.
Einschub Ende
In den Jahren vor 1766 hatte das "Handwerk der Schneider" einem weiteren Schneiderssohn die Niederlassung bzw. die Berufsausübung verboten, weil im Markt genügend Schneider vorhanden seien.
StA Landshut Pfleggericht Kötzting Briefprotokolle von 1766
"Kauf um ain Schneidermaistersgerechtigkeit per 50 fl und ain Bayerischen Thaller oder 2 Gulden 30 Kreuzer Leykauf: lautete die Überschrift des Verkaufsbriefes, in dem sich Qualbert Löcker von seinem personalen Recht, als Schneider arbeiten zu können/dürfen, trennte und  dies dem gesamten Handwerk der Schneider veräußerte. .
Der Kauf diente beiden Seiten, Qualbert Löcker konnte eine Einnahme erzielen und das Handwerk der Schneider die Zahl der Werkstätten reduzieren. Es war also nicht das Ziel, einem anderen Schneider eine Verdienstmöglichkeit zu eröffnen, sondern die vorhandene, geringe Arbeit besser auf die verbleibenden Schneider Kötztings verteilen zu können. Er verpflichtete sich in Zukunft auf jegliche "Schneidersarbeith, wie immer nammen haben möge unbedingt enthalten" zu wollen.


Rabenbauer Michael und Anna Margaretha


Am 10.Oktober 1762 heirateten Michael Rabenbauer und Anna Margaretha Lecker und sie brachte ihr Marktlehen mit in die Ehe ein..

Pfarrmatrikel Kötzting Band 14 Seite 180
Am, 6. Oktober haben den Bund der Ehe geschlossen der ehrenwerte Jüngling Michael Rabenbauer, ehelicher Sohn des ehrenwerten Johann Rabenbauers, Bürgers und Müllers auf der Wiesmühle und Eva Barbara seine Frau - beide noch im Leben - und die mädchenhafte Jungfrau Anna Margaretha, eine eheliche Tochter des Herrn Johann Qualbert Löckers, Bürgers und (assten venditoris - verditor zumindest ist ein Krämer) Krämers aus diesem Ort und Anna Maria seiner Ehefrau, beide noch im Leben.
Die Trauzeugen waren der "Bürger und Metzger Wolfgang König und Georg Rabenbauer, der Bruder des Bräutigams."
Am 29. Juli  1763 schließen die beiden dann auch einen Heiratsvertrag, bei dem er 1000 Gulden und sie das Marktlehen einbringt.
Michael Rabenbauer steigt offensichtlich sofort auch in das Holzgeschäft seines Schwiegervaters ein und wird zu einem der führenden Fluderherren Kötztings zu dieser Zeit.
Im Jahre 1765 findet sich ein umfangreicher Akt, der die Zustände der Flößer und deren Arbeitszeiten und -methoden genau darstellt. Hintergrund der Verhandlung ist ein Streik(! im Jahre 1765 !) der Fluderknechte, die mit den herkömmlichen Löhnen, die sie für die tagelange Fahrt bis nach Straubing erhalten, ihre Familien nicht mehr ernähren können.
Der Auslöser des Prozesses war dann aber zunächst die Stadt Straubing, der Sitz der Regierung und der eigentliche Zielort der Fluderfahrten. Eigentlich, denn für viele Flößer war das schneller verdiente Geld in Stadt am Hof und Regensburg besser, als noch einmal auf der Donau bis Straubing zu dümpeln. (und auch nicht mehr Geld zu bekommen)
StA Landshut Regierung Straubing A 4616 von 1764

"Nachdeme iedemmanniglich vor Augen lieget, wie die allhiesige Haubt-Donau-Pruckhen in einem ruinösen und gefährlichen Stand sich befündt....schrieben am 30.4.1764 der Bürgermeister und die Räte der Stadt Straubing an die Regierung. Sie hätten vom Holzlieferanten aus Kötzting die unverhoffte Nachricht erhalten, dass dieser mit seiner Holzfuhre an der Lärnbecher und Pullinger Mühle festliege. 
Weil aber "periculum in mora", also Gefahr im Verzug, sei, bittet die Stadt die Regierung, die jeweiligen Hofmarksherren (für Gmünd und Pulling war Runding zuständig)  mit empfindlicher Strafandrohung zu zwingen, dass dieser "Aufenthalt sofort beendet werde.
Die Regierung fordert natürlich vom Pfleggericht Kötzting Aufklärung und bekommt von dort die Rückmeldung eines "Complottes" der dortigen Fluderknechte und Tagwerker. Und berichtet im Detail:

.....da nun aber weitters angebracht worden, das die von den dorthigen Fluderherren ehedessen gebrauchte Fluderknecht oder Tagwerker unter sich selbst ein complott gemacht, Crafft dessen kein ainziger so lang oder vill nicht mehr in die Arbeith zu gehen gedenket, bis nicht iedem yber dem ehevorigen Lohn extra noch zu einer zuelag oder Besserung 1 Gulden abgeraicht werdte.














Die Fluderknechte berichten in langen, schön geschriebenen Berichten darüber, wie und wie lange die Fahrten auf Regen und der Donau dauerten und welchen Aufwand sie bei diesen 5-7 Tage langen Fahrten zu treiben hätten.
Die Regierung setzt einen Pflegskommisar auf die Sache an und legt einen Termin für eine "Tagesfahrt" fest - 25.Juni 1765 - bei dem die beiden Parteien ihre Standpunkte vortragen durften.
Bei dieser Argumentation spielt auch eine alte Vereinbarung im Verhörsprotokoll des Marktes Kötzting  eine Rolle, in der festgeschrieben wurde: "dass ihnen Fluderherren bey 2 Pfundt Straff aufgetragen, solange im Markht müessige Fluderknecht vrehanden, welch khain Arbeith haben, das sye schuldig sein sollen, dieselben zu ihren Fluderwerch und Wasserarbeith zu gebrauchen, und aus denen umbliegenden Dörfern weeder Paurn noch Inleuth hereinzubringen..."
Nun waren also die Fluderherren gefragt, deren Hände durch die obige Vereinbarung natürlich gebunden waren und auch die Regierung, in Form des Landgerichts, nicht in die Freiheitsrechte des Marktes eingreifen wollte oder konnte.
StA Landshut Regierung Straubing A 4616 von 1764

"Prothocoll
So bey Vernehmung des Johann Michael Rabenbauer burgerlichen Fluderers alhir zu Közting weegen dennen nit nacher Straubing geleiteten Pauguettern von nachstehenten orth abgehalten worden den 8. 9ber anno 1765"

Rabenbauer muss sich verteidigen, weil er zugeben muss, im Oktober 1765 5 Fahrten durchgeführt zu haben, von denen keine einzige Straubing erreichte. 
.... habe aber hiervon an die Statt Regenspurg .1. Fahrt und .2. Föhrt an die Statt Stattamhof abgegeben. Von denen ybrigen 2 Föhrten, hat er eine zu Mozing und die andte zu Kessa(?) verkauft."
Was den angeblichen "Accord" mit dem Bauamt Straubing angehe, so sei dieser nie "zu seiner perfection" gelangt, weil Straubing den von ihm geforderten Zuschlag nicht akzeptieren wollte.
Zu dem Vorwurf, er hätte das Holt "ausser Landts" verkauft, bringt er an, dass das Hochstift Regensburg und die Stadt das "ius incolatus gaudiere", also das Heimat- oder Staatsbürgerrecht besitze. 
Da der Regierung zunächst daran gelegen war, Straubing mit Holz zu versorgen und in den Fallstricken von Rechten aus unvordenklichen Zeiten hing, die sie nicht ungültig machen konnte, versuchte sie schlicht den beiden Parteien gerecht zu werdens und entschied:
1. Legte sie den Lohn für die Fluderknechte von Kötzting bis Rhainhausen fest. (Lohnerhöhung)
2. Wenn wegen widriger Umstände, z.B. Niedrigwasser oder zu kurze Tage, die Fahrt länger als 5 Tage  dauern sollte, bekommen die Knechte pro Tag zusätzlich 20 Kreuzer.  Bei der Fahrt von Rhainhausen bis Straubing bleibt es aber beim bisherigen Lohn von 30 Kreuzern
3. Es werden zusätzlich "Lohnnebenkosten" für die Kost vereinbart.
4. Die Fluderherren sollten, schon aus Eigennutz, die hohen Wasserstände im Frühjahr nutzen, um die Hauptstadt (=Straubing) "mit dem bestellten Pauguet zeitlich guet zu versehen"
Gleichzeitig versuchten die Herren der Regierung die Rechte der Kötztinger Fluderherren aufzuweichen, denn aus dem Jahr 1767 - möglicherweise auch als Folge der Baustoffkrise in Straubing- müssen sich die Kötztinger ihrer Rechte erwehren und bitten die Regierung, ihre herkömmlichen Rechte erneut zu bestätigen und ihnen mögliche Konkurrenz vom Leibe zu halten. 
Am 6.2.1768 vermachte Johann Rabenbauer, der Vater unseres Michael, an seinem Totenbett und in Beisein des Kammerers Samuel Luckner die Wiesmühle seiner Tochter zum Preis von 3000 Gulden, allerdings mit dem Zusatz, sollte diese nicht heiraten oder vor einer möglichen Heirat die Mühle verkaufen wollen, der Bruder Johann Michael das Einstandsrecht zum selben Preis haben solle.
Anna Maria Rabenbauer heiratete und verkaufte zwar nicht, sondern sie trat in den Benediktinerorden 
in Seeben in Tirol ein und übergab die Mühle dem Bruder, der nun plötzlich 2 Marktlehen besaß, was sich noch auswirken sollte.
StA Landshut Pfleggericht Kötzting Briefprotokoll von 1768
persönliches Schreiben von Sr Maria Floriana Rabenbauer aus dem Kloster Seeben in Tirol, beigeheftet dem Übergabevertrag der Wiesmühle an ihren Bruder

Als im Jahre 1772 Bartholomäus von Gehring, der Herr von Reitenstein, starb, wurde gemäß seinem Testament der Markt Kötzting der Erbe der Hofmark Reitenstein. Dieser Status als der Alleinerbe hatte jedoch einen Pferdefuß, weil die Summen, die Kötzting diversen Begünstigten auszahlen hätte sollen, den Wert der Hofmark bei weitem überstiegen. Kammerer Luckner zögerte zu Recht die Annahme des Testament hinaus. Allerdings stand die Regierung in Straubing unter Druck, weil die im Testament  Berücksichtigten an höherer Stelle nachbohrten, wo das Geld bliebe.
Während der Kammerer Luckner auf einer Geschäftsreise war, er war auch Hopfenhändler, kam der Rentamtsschreiber aus Straubing (im Ranking war dies der 3. Mann in der Regierung, nach dem Vizdomb und dem Rentmeister)), versammelte die Bürger und ließ abstimmen, ob die Bürger einem Ankauf von Hofmarksteilen zustimmen würden. Die allermeisten lehnten ab, aber 16 Marktlehner optierten für 17 Anteile (Rabenbauer als doppelter Marktlehner zeichnete für 2 Anteile), beliehen ihre Häuser und nahmen zusätzlich auf Kosten des Marktes bei der "Alten Kapelle" in Regensburg die fehlende Restsumme als Kredit auf.
Als Luckner zurückkam, war der Handel abgeschlossen und eine über 20jährige Prozesslawine nahm ihren Ausgang, die nicht nur einen Riss durch die Kötztinger Bürgerschaft einbrachte, sondern einige Familien ruinierte. 
Erst nach dem Tode Luckners, der zeitlebens Geld, Zorn und seine Schläue investierte, um sicher zustellen, dass die Anteilseigner keinen, auch nicht den kleinsten Vorteil aus ihren Reitensteiner Gründen erzielen konnten, sondern nur Ärger und Verdruss.
Im Blogbeitrag für den Kammerer Luckner ist dieser Streit bereits einmal angerissen worden und in den "Gelben Bänden" ist der Vorgang über mehrere Jahrgangsbände hinweg genauestens aufgedröselt worden.
Rabenbauer, auch wenn er Samuel Luckner finanziell nicht das Wasser reichen konnte, war aber zumindest einer der Kapitalkräftigeren auf Seiten der Anteilseigner
Einschub
Luckners Sohn hatte gegen den Willen seines Vaters den Soldatenberuf ergriffen. Aus Ärger, und um ihn zu schaden, übergab er sein Anwesen seinem Schwiegersohn zu einem äußerst geringen Preis und konnte somit die anteilige Auszahlung an seinen missliebigen Sohn weit nach unten drücken.
Es dauerte nicht lange und er hatte Ärger mit seinem Schwiegersohn - dieser hatte ihn kurz nach seiner Hochzeit aus dem Hause geworfen -  und es begann eine neue Prozessserie.
In diesem Prozess listete er sein Gesamtvermögen auf über 64000 Gulden auf. Da nimmt sich der Kaufpreis der Wiesmühle mit 3000 Gulden und des Marktlehens mit 1600 Gulden direkt bescheiden aus.
Einschub Ende
Im Jahre 1785 stießen die Beiden direkt zusammen; Samuel Luckner wird von vielen Seiten angefeindet, aber Michael Rabenbauer vergreift sich in der Hitze des Gefechts "auf dem Rathaus“, in aller Öffentlichkeit, in seiner Wortwahl und nennt Luckner einen Dieb.
Das kommt ihn teuer zu stehen. Luckner zieht vor das Pfleggericht und klagt dort Michael Rabenbauer, den Wiesmüller, wegen „Diebs ausbrechung“ an und verlangt 100 Dukaten Schadenersatz. Er, Luckner, wolle lieber diese 100 Dukaten, also 300 Gulden verlieren, als diese Beleidigung erdulden und „auf seinem Rücken herumtragen“ zu müssen.


StA Landshut Pfleggericht Kötzting P 57 von 1785

Verhör gehalten 
worden den 12 xber
1785
Klag
Samuel Luckner churfürstlicher Hopfenhändler
und Kammerer zu Kötzting,
contra
Michael Rabenbauer burgerlicher
Marktslehner besizern alda


Rabenbauer gibt in seiner mündlichen Antwort zu verstehen, er könne nicht erkennen, weshalb ihm Luckner „per Bausch 100 Dugaten“ abverlangt würde. Luckner blieb jedoch hartnäckig und wollte diesmal, ganz anders als sonst, einen schriftlichen Prozess verhindern. Er drängte im Gegenteil darauf, dass in der mündlichen Verhandlung, und nur diese wurde im Band protokolliert, das Pfleggericht von Rabenbauer einen Eid abverlangte, damit dieser sofort nach Verurteilung seine von Luckner diktierte Strafe auch wirklich bezahlte.
Nun war es an Rabenbauer, mit juristischen Tricks den Prozess zu verlängern, und das schaffte er auch. Mit dieser Verschleppung des Prozesses aus der mündlichen Verhandlung heraus verschwindet allerdings auch der Vorgang aus den Protokollbüchern, so dass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, wie der Prozess endete.
Im selben Jahr - 1785 - stellte Michael Rabenbauer den Antrag aus dem Kommunbrauereiverband aussteigen zu dürfen und seine eigene Brauerei betreiben zu dürfen.
Seine Begründung: Er könne nicht sooft brauen, wie er möchte. Er beliefere vor allem auswärtige Wirte und möchte daher einen Braukessel in seinem eigenen Haus bauen. Mit diesem Wunsch war er fast 100 Jahre zu früh und dieser wurde abgelehnt. AA XII 5
Nun, wenn es nicht auf dem direkten Weg geht, dachte sich Rabenbauer, dann eben anders, und ließ sein Bier im Jahr drauf in Blaibach sieden. Als er die Fässer aber dann in seinen Kellern in Kötzting einlagern wollte, kam es von Seiten der brauenden Bürgerschaft zum Eklat. Rabenbauers wurden einige Fässer zerschlagen. AA XII 6
 

Rabenbauer Johann Balthasar

Nachdem im Jahre 1781 bereits seine Frau Margaretha verstorben war, übergab Michael Rabenbauer, nun als Witwer, im Jahre 1786 das Marktlehen, zwischen Michael Liebl und Michael Fischers Häusern liegend, um 3500 Gulden an seinen Sohn Balthasar, dem er auch die Wiesmühle weiterreichte und kurz danach mit 51 Jahren verstarb.
Die Liste der Grundstücke, die hier mit protokolliert werden, ist eindrucksvoll:
Johann Balthasar erhält das von seiner Mutter Margaretha Leckerin  erhaltene Marktlehen mit folgenden  Pertinenzien:
Acker am Pfeffergraben
Rauscher Garten
Reitensteineräckerl
Ziegelhüttengärtl, an Joseph Dregers Gärtl stossend
Märtklischen Teil, so in 6 Äckern und einer Wechselwiese besteht
Zandhofacker nach Geltolfing und die Wiese auf der unteren Au
Galgenacker
Christlacker
Dachauergarten
Voglacker
kleines Gärtl auf der Au
Zwerchäckerl
Voglacker, oberhalb dem Gehsteig gegen Zeltendorf
die Hönigwiese
die Hiernerin, die zweite Hälfte gehört dem Weiss Joseph
Scheibelwiese
Vogl Schwarzhölzl
und noch der Reitensteiner Anteil
Balthasar hatte natürlich mit den Reitensteiner Anteilen auch den Streit mit Luckner geerbt, hatte genug zu tun auf seiner Wiesmühle und verpachtete im Jahre 1788 einfach mal das Marktlehen im oberen Markt, samt der Schankgerechtigkeit,  auf drei Jahre an Michael Raab, einen Wirt aus Oberndorf, um 100 Gulden. . 
Da er mit seiner Frau Katharina, einer Müllertochter von der Stockmühle, die er im selben Jahr heiratete, auch eine Frau vom Fach hatte, war die Konzentration auf die Wiesmühle nur folgerichtig.
Wir finden Rabenbauer Balthasar zu Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr in Schulden verstrickt. Er leiht sich eine große Summe von seinem Schwiegervater, dem Stockmüller Georg Müller, kommt aber nicht wirklich aus dieser Klemme heraus, was zum Schluss 1818, sogar zu seiner Verganterung führte.
Vorher aber, 1811, finden wir ihn noch im Häuser- und Rustikalsteuer-Kataster Nr. 389:
"Balthasar Rabenbauer, gemauertes Haus, Stall, Stadel und der Wiesmühle: gemauertes Haus, Stall, Stadel, der Mahlmühle und der "Schneidsag"" alles zusammen im Schätzwert von 2582 Gulden.

 

Decker Joseph und Therese 

 
In dieser Zeit gab es im Kötztinger Rathaus einen Verkaufsladen, einen Kramerladen, und dieser wurde regelmäßig verstiftet. (vermietet), 1785 bereits hatte Gross Paul das Kötztinger Bürgerrecht für 10 Gulden erworben (allerdings nur eine, auch rechtlich, reduzierte Variante, weil er keinen Grundbesitz in Kötzting hatte). Nach dem Erwerb des Ecklshofes musste er noch einmal 5 Gulden hinlegen, um das volle Bürgerrecht zu erstehen.
Noch 1790 versucht er - allerdings aussichtslos - einen Eigentumsanspruch auf dieses "Kommunkramrecht" zu erstreiten. Viele ausgeschmückte Briefe gehen nach München. Der Markt allerdings rückt die Dinge gerade und belegt, dass Groß nur der Stifter des Ladens im Rathause ist. Der Streit zieht sich aber hin bis 1805. (AA X/12)
Die Jahresmiete (Stift) für diesen Laden beträgt stolze 40 Gulden, das musste erst einmal erwirtschaftet werden in diesen Zeiten. In einer Rechnung des Marktes Kötzting über 114 Gulden können wir einen Teil seines Lieferumfanges ersehen: der Markt bezog "Blöch, Eisen, Ply, Zynn und Nägel" von ihm.
Als nach der Säkularisation des Klosters Rott dessen Grundstücke zur Versteigerung auf den Markt geworfen wurden. steigerte Paul Gross den großen Urtlacker mit 1 1/4 Tagwerk um 177 Gulden.
Auch bei der Ganskragenwiese (sollte die Wiese innerhalb der großen Flussschleife hinter dem ehemaligen Kötztinger Freibad sein) kam er mit 317 Gulden zum Zuge.
Im Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Kötzting, Band 1, vom 13.6.1840, ist steht zwar bereits sein Schwiegersohn als Besitzer, aber als Vorbesitzer(in) mit Datum von 22.9.1820 erscheinen er bzw. seine Tochter Theresia Groß 
Am 11.10.1820 heiratet Paul Groß` Tochter Theres den Kötztinger Bürgerssohn Joseph Decker, der nun auf einen Schlag dreifacher Hausbesitzer in Kötzting wird. Bei seiner Bürgerrechtsaufnahme ist ausdrücklich vermerkt, dass Josef Decker nun den Ecklshof, das "Rabenbauersche Marktlehen" (=Hausnummer 27) und sein väterliches Marktlehen (Hausnummer 96 = Kaufhaus Gartner heutzutage) besitzt.
Dieses junge Kötztinger Brautpaar hat eine ganz besondere Vorgeschichte, es ist nämlich das erste Kötztinger Pfingstbrautpaar nach der Wiedereinführung des viele Jahre verbotenen Pfingstrittes im Jahre 1820.
Gedenkplatte am einzig erhaltenen Grabdenkmal im Kötztinger
Friedhof in der Kirchenburg Photo Pongratz

Photo Pongratz. Grabstein und Kreuz vor der St. Anna Kapelle


Wie man hier auf dem Bild gut erkennen kann, war die original Grablege der Familie Decker
nicht vor der St. Anna Kapelle sondern eher in der Mitte des Friedhofes gelegen.
Bild Arbeitskreis - Originalbilder - Zeit Ende 19. Jhdt.





Im Jahre 1825 wird Josef Decker als Gemeindebevollmächtigter in die zweite "Kammer" des Kötztinger Magistrats gewählt.
Im Jahre 1833 streitet Joseph Decker mit seinem Nachbarn Tauschek, und dieser Prozess hat eine Vorgeschichte, die uns bei der Häuserchronik hilft, eine Wissenslücke zu füllen

Rep 165 Nr. 1586 Decker gegen Tauschek
In seinem Anschreiben berichtet Joseph Decker, dass er im Jahre 1822 mit seinem damaligen Nachbarn, Franz Fink, bereits gestritten hatte. Dieser Franz Fink, ein Besitzer des Nachbarhauses (Gasthaus Rabl) war uns bis dato unbekannt. Decker hatte offensichtlich einen Keller UNTER der Behausung des Fink vorgetrieben und dieser behauptete nun nicht nur ein Besitzrecht auf den Keller zu haben, sondern begann jenen sogar anzugraben und eine Öffnung herzustellen.
Unterschriften der drei Nachbarn
Decker - Tauschek - Mühlbauer

Fink verlor seinen Prozess und  aber nun fand Decker in seinem Keller mehr Odel, als ihm lieb war, und verklagte den Nachbarn - nun mittlerweile Tauschek -  wegen dieser unrechtmäßigen "Einleitung".
Bei der mündlichen Verhandlung gab Tauschek zu verstehen, dass er selber das leidige Problem mit dem Odel von Seiten seines Nachbarn auf der anderen Seite - Ludwig Mühlbauer -  habe, das dieser aber angehen wolle.
Das Gericht macht einen Sühneversuch und dieser sah vor, dass binnen vier Wochen zu klären sei, ob es der Tauscheksche oder der Mühlbauersche Odel sei, der Decker diese Probleme in seinem Bierkeller bereitete.   Alle drei Nachbarn versprachen, sich der Sache anzunehmen.

Im Jahr drauf kommt zum ersten Male sein Nachbar auf der anderen Seite ins Spiel,  der Nachbarn, den er übrigens später aufkaufen sollte. Schaffner Kaspar, ein Küffner, wollte sein Haus vergrößern und Decker Josef protestierte dagegen, "damit ihm in der Küche mehr Licht bleibt."
Im Jahre 1834 beschweren sich die beiden Nachbarn Decker und Tauschek, dass der auf der anderen Straßenseite wohnende Georg Rötzer  einen Schuppen auf der Gasse erbaut hatte und ihnen beiden die Einfahrt in ihre Anwesen beschränken würde.
Auf einem Detailbild einer sehr alten Postkarte, das sicherlich vor 1904, möglicherweise auch vor 1899, gemacht wurde,  kann man ganz links (A) noch den alten Marktbrunnen erkennen und links weiter oben (B) einen Vorbau beim Rötzer. Diese Abbildung ist vermutlich eine der ältesten, die wir vom Deckeranwesen besitzen.











Im Jahre 1836 verstirbt Josef Deckers Vater - auch Josef mit Vornamen - und aus dessen Erbmasse sticht ein besonderes Gebäude heraus, das nun Decker Josef jun, zum Verkauf anbot, die Wallfahrtskirche Schönbuchen.
Am 24.7.1838 verkaufen die Josef Deckerschen Erben die St. Annakapelle nebst der Nebenkapelle an die Marktgemeinde Kötzting. (AA IV/38).
Nur sehr wenige Bilder haben sich von der alten Kapelle in Schönbuchen erhalten.

Der Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock fotografierte - vermutlich
in den dreißiger Jahren - das sich ablösende Fresko in der Wallfahrtskapelle,
welches die Entstehungsgeschichte der Wallfahr zur Schonen Buchen erklärt.
Im Staatsarchiv in Landshut findet sich ein Bild, das am Rande
das Koster Rott und seine "Gründungsheiligen" darstellt.
Dieses Photo ist der einzige Nachweis dieses Bildes, das noch erhalten ist.
Rep 164-8 Nr. 2884 von 1893-1937 Schönbuchen Kunstdenkmäler von Bayern.



Kirche in Schönbuchen um 1973

In dem Genehmigungsverfahren - natürlich war das Bistum Regensburg eingeschaltet - heißt es, dass Josef Decker das "Kirchlein zu Schönbuchen" vom Kötztinger brauenden Bürger Karl Reinhold (heutzutage Metzgerei Schoierer) und dieser wiederum es vom letzten Rotter Probsteirichter Loderer erworben hatte. 
Ausschnitt aus Bayernatlas.de, historische Karten
Nr. 3 die Kirche von Schönbuchen mit Umgriff


Das Landgericht Kötzting hatte ein Inserat im Kreisintelligenzblatt veröffentlicht und darin die Kirche zum Verkauf - von privat, von den Deckerschen Erben - ausgeschrieben. 
Das bischöfliche Ordinariat in Regensburg gab unter Auflagen - es ging um Reste eines Kapitalstockes bei der Pfarrei Kötzting - seine Zustimmung und so konnte der Magistrat des Marktes die Wallfahrtskirche an sich bringen, was wenige Jahrzehnte später noch eine Rolle spielen sollte beim "Kampf" der Kötztinger Altkatholiken gegen den katholischen Kötztinger Pfarrherren.
(Siehe unter anderem dazu auch der Beitrag über Carl v. Paur)

Interessant ist, dass in dem Liquidationsprotokoll von 1840 bei diesem Haus noch kein Hausname eingetragen ist. Der Name Rabenbauer war vermutlich nicht mehr vorzeigbar geworden und Joseph  Decker noch nicht lange genug auf dem Anwesen, um namensgebend geworden zu sein.
Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts war "der Decker" auch bzw. noch das Anwesen, das wir heute als das Kaufhaus Gartner kennen. Der Ostmarkonkel berichtete von einer Bierwette, in der dieses als das Deckersche Anwesen erwähnt ist. 

StA La Grundsteuerkataster 5037

"Hausnummer 27 in Kötzting, Josef Degger, Handelsmann
Das Haus mit dem Martllehen bestehend in dem Tafern- und Kommunbrauchrecht
Gebäude:
Wohnhaus, Stallung, Keller.  mit Wohnstube und Stadl, alles aneinander, dann Hofraum
Gemeinderecht: zu ganzem Nutzantheil an den noch unverteilten Gemeindebesitzungen"


.....Laut Brief vom 22. September 1820 vom Schwiegervater Paul Groß, vielmehr durch Ehelichung dessen Tochter Theresia Groß mit nachstehnden und einigen auswärtigen Grundstücken im Anschlge von 2000 Gulden übernommen." 
678  das Meßnerfeld am Raitensteinerfeld
680 das Saliterfeld vom Raitensteinerfeld
665 das Reitensteinerfeld
827 Galgenbergtheil kultiviert im Jahre 1803

Wiese
am Galgenbergtheil

walzende Grundstücke:
Acker
das Schloßfeld auf der Galgenhöh

ehemaliges Geltoflingerisches Lehen:
986 die Hartlwiese in der Au, auch die Saliterwiese genannt
1093 1/3  Scherparzerwies

ehemalige Staatsrealitäten:
1024 das Urtlfeld
527   die Gänskragenwiese

walzende Grundstücke:

457 bei der Feßmannsdorfer Gasse
1022 182 beym oberen Garten oder Friedhof am Spitalfeld

die walzenden Grundstücke:

Garten:
88 die Hammerin beym Bräuhaus, Grasgarten   (vermutlich die alte "Hirmerin")

Acker
344  das Voglfeld oberhalb dem Weg
346 das Voglfeld unterhalb dem Weg
649 der Reitensteiner acker am Reitensteiner Fußweg
685 das Schwarzweiherfeld
711 das Hutmacherfeld auf dem alten Galgenberg
716 das obere Galgenfeld vom Rabenbauer
718 das kleine Rabenbauerfeld
724 das lange Schwarzweiherfeld
1022 das Spitalfeld beim oberen Garten
1034 das Urtlfeld

Wiesen:

362 das Rabenbauerwiesl mit der Wässerung aus dem Hutbrunnen
366 a der Garten beim Egglshof
373 die Scheiblwies
524 Weiherwiese, eher der Rabenweiher, wird vom Baumweiher des Herrn von Sperl in hölzernen Rinnen neen dessen Stadl vorbei, dann in Gräben durch Ignaz Schrankens Weiher und durch die Beckendorfer Gründe in obige Wiese zur Wässerung geleitet.
619 das Beckendorfer Seigenwiesel am Reitensteineracker
697 die Schwarzweiherwies
1093 die Scherparzenwies

Einschub
Wie man erkennen kann, ist in der langen Liste an Grundstücken auch eine ganze Reihe von interessanten Ortsangaben und Zusatzinformationen versteckt..
So ist mehrfach die Rede vom "alten Galgenberg", vom Schloßfeld auf der Galgenhöhe und vom Galgenfeld. Alle diese Ortsangaben sind nicht in der Nähe des Ludwigsberges zu finden, der ja bis ins beginnende 19. Jahrhundert hinein Kötztings Richtstätte gewesen war. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, dass es Jahrhunderte vorher eine andere Richtstätte des Landgerichts gegeben hatte und zwar im Bereich Reitenstein-Arndorf. Vielleicht ist auch dies der Grund, dass der Abdecker des Landgerichts, solange man ihn belegen kann,  in diesem Bereich beheimatet war.
Dann gilt es die alten Weiher zu lokalisieren, die Rabenweiher und  Schwarzweiher, die ihren alten Namen beibehalten haben, mittlerweile aber zu Wiesen umgewandelt worden sind.
Einschub Ende

Sieben Kinder wird das Paar bekommen, beginnend mit Franz bereits im Jahr nach der Heirat,
 dann folgten Josef, 1822, Ignaz 1823, Joseph 1826, Johann 1828, Theresia 1830 und Anna im Jahre 1833. Nur die beiden Söhne Franz und Ignaz erreichten das Erwachsenenalter.
Einschub
Nachdem im Jahre 1859 bereits Franz Paul Decker als Besitzer auf dem Haus mit der Nummer 96 (Kaufhaus Gartner) belegt ist und Ignaz als solcher auf der Nummer 27, wird auch klar, wie Josef Decker sein Anwesen aufgeteilt hat. 
Einschub

Aus einer - von staatlicher Seite - umstrittenen Magistratswahl aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich die Wahlzettel der Kötztinger Wahlberechtigten (nur männliche Hausbesitzer) erhalten.
Damals gab es keine Wahllisten, sondern jeder Wahlberechtigte schrieb seine Wunschkandidaten für die verschiedenen Posten (Bürgermeister, Magistrat und Ausschuss) nach Lust und Laune auf seinen Wahlschein und unterschrieb mit seinem Namen. Keine Rede also von freien und geheimen Wahlen.
Ich habe die Wahlscheine von zwei Kötztinger Bürgern - die damaligen Besitzer unseres Kötztinger Anwesens- vor Jahren kopieren lassen. 
Auf dem Wahlschein des Michael Auzinger (Hausnummer 19) findet sich Josef Decker als sein Vorschlag für ein Ausschussmitglied.
StA Landshut LGäO Kötzting Nr. 793

 Im Jahre 1832 platzt wieder einmal dem Magistrat der Kragen, weil die Straßen in Kötzting so stark verschmutzt und durchnässt sind, und fordert von seinen Hausbesitzern zwingend die Anbringung von Dachrinnen und Fallrohren. Sie alle müssen unterschreiben, von der Anordnung Kenntnis zu haben, und anschließend wird für den Magistrat eine Häuserliste erstellt, auf der jedes einzelne Haus mit seiner "Dachrinnensituation" aufgelistet wird.
Josef Decker kam offensichtlich der Aufforderung gleich nach, denn bei ihm heißt es: 
"24 Jos Dögger Ist eben an die Arbeith begriffen"
StA Kötzting AA XI 48


1842 stellte Josef Decker einen Antrag beim Magistrat, "um Bewilligung der Wasserableitung vom Brunnkar in sein Haus". Die Kötztinger damalige Wasserleitung war ja drucklos, also konnte er nur den Antrag stellen, dass das Wasser, das im Brunnengrand überlief, zu ihm in Röhren ins Haus geleitet würde.
Von dort aus würde es wieder in die märktische Wasserleitung eingespeist werden.
Vor allem zur abendlichen Futterzeit, gab es an den märktischen Brunnen Streit und Gedränge um Trinkwasser für die Tiere. Sein Antrag wurde gar nicht weiter behandelt.
Offensichtlich war aber sein eigenes Elternhaus (Hausnummer 96, Kaufhaus Gartner) sein damaliger Lebensmittelpunkt, da es einen Eintrag aus dem Jahre 1843 im Stadtarchiv gibt, in dem von einer Pachtaufkündigung im oberen Markt die Rede ist.
"25. April 1843: Josef Degger Handelsmann aus Kötzting stellt gegen die Pächterseheleute Michael und Theresia Dachs von Kötzting deshalb Klage, daß die letzteren ungeachtet erfolgter Aufkündigung das in oberen Markte in Pacht genommene Deggersche Anwesen nicht räumen. Auf Zureden des Vermittlungsamtes kommen die Teile dahin überein, daß sie die Sache wieder bei ihrem Kontrakte bewenden lassen wollen." 
Der leidliche Streit um das "Wildwasser" der Fleischbankgasse.

Ähnlich wie bei seinem Vorvorbesitzer, ist wieder einmal der Streit wegen der Bewässerung der "Hirmerin"-Wiese aktuell geworden. Die Wiese, mittlerweile in Besitz von 2 (eigentlich 3) Kötztinger Bürgern, wird wieder einmal Mittelpunkt eines Streits um Bewässerungsregeln.
"11. Mai 1844: Josef Decker Handelsmann von hier gegen Schuhmacher Georg Denkscherz  weil der Letztere ihn in rechtlichen Genusse des von der Fleischbankgasse  abfliessenden Wild- und 
Giesswassers auf des Klägers eigentümliche Wiese, die sogenannte Hirnerin genannt schmälern, indem der Beklagte die früher bestandene Wasserableitung zwischen seinem Garten und jenem der Anna Maria Viertl instirte und sonach ihn in seinem Wassergenusse störte. 
Zur Nachweisung seines Rechtes produziert Josef Decker einen Übergabsvertrag des Josef Weiss 
dato 14. September 1785, welcher einen gleichen Anteil dieser Wiese besass woraus sein Klagsrecht hervorgeht und bittet, den Beklagten anzuhalten, ihn in ungeschmälerten Besitze des bezeichneten Wiesenwässerungswasser zu belassen".  
Dengscherz gibt nach und Decker übernimmt die Kosten der Grabearbeiten.
Im Zusammenhang mit diesem Streit (AA XIII-12) wurden nun gleich mehrere Anlieger, die alle Ungemach durch dieses Wildwasser hatten, miteinbezogen und berücksichtigt.  
Josef Decker gab hier in vielen Punkten nach, bestand aber auf der grundsätzlichen Möglichkeit der Wässerung seiner Wiese. Der Markt wiederum begann Teile der "Schergengasse" - heutzutage die Schirnstraße -   auszupflastern, um einen Schaden an den Häusern an dieser Wegekreuzung bei Starkregen abwenden zu können.
Im Jahre 1845 wurde Joseph Decker mit 11 Stimmen für die Ständeversammlung vorgeschlagen. Die Voraussetzung damals war, mehr als 5 Gulden Steuern zu zahlen. (Von gleichem Wahlrecht, aktiv oder passiv, konnte damals eben noch keine Rede sein, die Zahl der Kötztinger Wahlberechtigten war ebenfalls äußerst gering)
Im Januar 1847 kam es zu einem Streit um einen Holzhieb in den Reitensteiner Waldungen. Decker Josef verklagte Henneberger Wolfgang, beide  Besitzer eines benachbarten Anteils am Kaitersberg, Bäume aus seinem Anteil geschlagen zu haben.
Beide einigten sich darauf, die Klage vorerst ruhen zu lassen und im Frühjahr nach der Schneeschmelze, die Angelegenheit prüfen zu können. Henneberger gab bereits zu Protokoll, sollte Decker Recht haben, ihm die in Kötzting gelagerten Bäume kostenlos zu überlassen. Decker willigte ein, hatte aber die Rechnung ohne seine Frau gemacht
Am Ende dieses Sühneversuches hieß es lapidar: "Die hierauf erschienene Ehefrau des Handelsmann Josef Decker Namens Theresia Decker, von vorstehenden Übereinkommen in Kenntnis gesetzt, als Miteigentümerin des Gesamtanwesens des Josef Decker, dass sie den von ihren Ehemann mit Wolfgang Henneberger heute abgeschlossenen Vergleich nicht ratifiziere sondern auf ein zivilrechtliches Verfahren bestehe."  

1850 kommt er in Konflikt mit dem Markt und einigen Nachbarn, aus welchem wir einen neuen Flurnamen kennen lernen: Die Schlosserhöhe.
AA XII 63 von 1850-51 Joseph Decker Handelsmann von Kötzting wegen Spolierung des Eigentums. 
Decker hatte auf seiner sogenannten Schlosserhöhe an der Blaibacher Straße einen Weg abgegraben, der nun unpassierbar geworden war.  Der alter Stand muss wieder hergestellt werden. 
Die Schlosserhöhe und die Plannummer 225 lassen sich nun  leicht entschlüsseln und, weil gleich benachbart mit dem Anwesen Haas seit Jahrzehnten auch ein Schlosser beheimatet war, ist der "sprechende Name" auch gut zu erklären. Die damalige Blaibacher Straße ist die heutige Bahnhofstraße. Der Marktgemeinde gehört der "Augrund PlNr 225 beim Deggerstadl".
Nachdem in dem Prozessakt die Rede davon ist, dass der Weg an dem, an der Blaibacherstraße gelegenen Stadel, vorbeiführte, sollte es sich bei dem Platz des ersten Deckerkellerlokals um einen Teil des heutigen Haas-Komplexes Handeln, in dem früher ein kleiner Gemüseladen untergebracht war. 

In einem Vergleich teilen sich der Magistrat und Decker die Gerichtskosten und Decker verpflichtet sich im Gegenzug, den Weg wieder gangbar zu machen.
In einem weiteren Verfahren macht der Maurermeister Wilhelm, ein Anlieger, den Vorschlag, auf eigene Kosten den Weg umzugestalten, nämlich ein "Trottoir mit Geländer und Stufen"  herzustellen und den Fahrtweg auf seine Kosten zu reparieren.  

Nun wieder zurück in die Marktstraße. Dort hatte im Jahre Josef Decker das Haus seines Unterliegers Peter Schaffner gekauft und dieses in einen Gebäudekomplex aus Landwirtschaft und Gastwirtschaft umgewandelt.
Aus diesem Grunde hier nun zuerst einmal der Abbruch dieser Häuserchronik und der Sprung zurück in die Geschichte des Nachbarhauses.




  



Der zweite Teil, die alte Hausnummer 28

Beim Schaffner  

Anders als bei den allermeisten der bisher bearbeiteten Anwesen für die Kötztinger Häuserchronik ist hier die Häuserliste des Adam Türrigl nur eine geringe Hilfe, da das Anwesen, um das es hier geht, rechtlich nur ein "Haus" gewesen war, das - per Definition - keinerlei weiteren Grundbesitz hatte.
Nichts desto weniger war ein Kötztinger "Häusler" ein vollwertiger Kötztinger Bürger - mit Bürgerrecht - , nur dass er eben kein Brau- und Schankrecht hatte und auch keine Landwirtschaft betreiben konnte.
Aber als die jeweiligen Nachbarn wurden sie dann doch erwähnt, und so kennen wir den Namen des Besitzers ca. aus dem Jahre 1650: Als Hans Pollmüller, Bürger und Bäcker, wurde er bei der Besitzbeschreibung seines oberen und "Hansen Pollmüller auf dem Platz" bei der seines unteren Nachbarn genannt.
Ein Eintrag in den Kötztinger Kirchenrechnungen weist auf einen Vorbesitzer hin:

DIA Repro 1020 die einzelnen Häuser sind noch deutlich zu erkennen



Daniel Zaglmann und Appolonia



PfA Kötzting Kirchenrechnung von 1643
"Daniel Zaglmann (über seinen Namen wurde Hans Pollmüller geschrieben, ein üblicher Weg, um einen Nachfolger in einer Tabelle einzufügen) peckhen alhir seel:(ig) seindt 100 fl uf Interesse geliehen worden, da von sich die Gültzeit zu Leichtmessen verfelt, an heur empfangen 5 fl"
Der Familienverband der "Zaglmann" ist vor dem Jahre 1633 sehr umfangreich und viele Mitglieder dieses Namens finden sich in den Dokumenten. Aber erst mit Daniel Zaglmann  bin ich mir wirklich sicher, dass er auch auf dem gesuchten Hause gewohnt und gearbeitet hat. In einer Steuerliste aus dem Jahre 1620 finden sich mehrere Personen mit diesem Namen, der Steuerhöhe nach alles Marktlehner, nur einer, ein Georg Zaglmann zahlt auch von einem Haus seine Abgaben und stünde auch einigermaßen an der richtigen Stelle innerhalb der Liste, seine Zuschreibung ist mir aber zu ungenau.
Nun also Daniel, er findet sich erstmals in den Akten als Zeuge bei einer Schuldverschreibung  des Vogtgerichtes aus dem Jahre 1625. (StA Landshut Regierung Straubing A 4392)
Im Jahre 1640 kam es zu einer Neuausgabe von Darlehen der Pfarrei Kötzting und der Bäcker Daniel Zaglmann steht mit 100 Gulden in der Liste.
Viel konnte er mit seinem neuen Kapital - möglicherweise war es auch nur eine Neuverbriefung nach der Brandkatastrophe von 1633) aber nicht mehr anfangen, denn bereits unter dem 18. August 1641 findet sich sein Sterbeeintrag.
PfA Kötzting Band 1 Seite 594

"Den 18. Augustius ist Daniel Zaglmann Bökh und Bürger allhir gestorben"
Wir wissen mit Sicherheit, dass der Nachfolger auf dem Anwesen Hans Pollmüller gewesen ist.
Nun gibt es ein paar Hinweise, die es auch als möglich erscheinen lassen, herauszufinden, wie die Übergabe vonstatten gegangen sein könnte.
1. Im Status Animarum - einsetzend 1639 - findet sich die Familie Daniel Zaglmann:
PfA Kötzting Band 1 

Schon bei der Kirchenrechnung 1642 heißt es beim Eintrag des Daniel Zaglmann: "später Hans Pollmüller".
Nun ist der Frauenname "Appolonia" nicht gerade häufig zu finden in Kötztings Pfarrmatrikel (bei  39801 Geburten in der Pfarrei Kötzting im Zeitraum zwischen 1636 und 1928 finden sich genau 39 Geburten, bei denen einer der gewählten Vornamen - auch Doppelnamen wurden berücksichtigt -  Appolonia war). 
Wenn also in einer Schuldverschreibung des Hans Pollmüller aus dem Jahre 1653 die Debitoren angegeben sind mit: " Hans Pollmüller burger und Peckh alhir, Appolonia sein Eheweib", denke ich, dass man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass Hans Pollmüller die Witwe Appolonia Zaglmann geheiratet hat.
StA Landshut Markt Kötzting P1 von 1653

Eine zusätzliche Information und damit Bestätigung der Lage des Hauses steht auch in diesem Dokument. Der Geldgeber war Wolf Pachmayr und das Haus des Bäckers, das beliehen wurde, lag  "zwischen besagten Herleihers Herrn Wolf Pachmayr und Sigmund Raithen Häusern", eine Reihung, die wir bereits aus der Türriglschen Liste kennen.

Hans Pollmüller und Appolonia

Hans Pollmüller wird vermutlich die Witwe Zaglmann kurz nach dessen Tod geheiratet haben, denn bereits im Jahre 1642 finden wir Hans Pollmüller , als Bäcker bezeichnet, in den Kirchenrechnungen mit einem Ankauf von "2 Ell und 3 Metz Weizen".
Im Jahre 1650 findet er sich wiederum in den Kirchenrechnungen, weil er 30 Kreuzer erhält. Der Eintrag heißt: "wegen Packhung des Spendtbrodts bezahlt", er hatte offensichtlich gespendete Brote ausgebacken.
Im Jahre 1650 steht er mit der Jahrespacht von 30 Kreuzern für das Kötztinger Brothaus in den Marktrechnung, was insofern bemerkenswert ist, weil es in Landshut einen Akt gibt, in dem er sich den Zugang zu diesem im Juli 1655 - erneut -  erstreiten musste.
StA Landshut Regierung Straubing A 4240 von 1655

"Eur Churfürstlichen Durchlaucht kann ich undterthenigst unbehelligt nit lassen wasgestalten ein gesambtes Handtwerckh de3r Peckhen dero Marckhtes Khözting mir Endtsunderschrübnen nit gestatten wollen, daß ich mein Gebächt gleich andern in dem Brotthaus auflegen und verkhauffen möge...."
Briefumschlag der Petition des Hans Pollmüller gegen das Handwerk der Kötztinger Bäcker

An den linken Rand schrieb die Regierung - mit Anlage der Pollmüllerbeschwerde - an den Kötztinger Magistrat, dieser habe sich innerhalb einer kurzen Frist zu äußern.
Der Markt lässt zwar Pollmüller zu - selbstverständlich -, aber in der Erklärung des Magistrats kann man zwischen den Zeilen herauslesen, was da wohl passiert sein könnte.
Pollmüller hatte wohl einen Streit mit dem vorherigen Kammerer, was ihn die "Zulassung" zum Brothaus gekostet hatte, denn vorher war er ja nachweislich bereits dort eingestiftet.
.... bisher habe " ein Handtwerch der Peckhen, bis dato wider besagten Pollmüller nichts widriges noch schriftlich angebracht, dieweillen er dann seith absterben unseres mit Rathsfreundt Hansen Raidten, gewesten Cammerers, mit deme er Pollmüller im Stritt gewesen, bis dato gehorsamb und unverweißlich verhalten, als mögen wir ine ebenfalls gedulten und sein Gebächt neben andern Peckhen in dem brodthaus auslegen und verkauffen lassen." 

Eigentlich steht in dem Antwortschreiben kein Wort der Rechtfertigung, warum dem Bäcker Pollmüller der Zugang zum Brothaus versperrt worden war, aber ich denke, die Gründe liegen klar vor Augen.
Als Pollmüller aber wieder ins Brothaus einrücken wollte, bekam er Ärger mit seinen Kollegen, er schreibt selber: " Als bin ich solcher Guetwilligkeit nachkhommen , und mein gepächt aldort aufgelegt. Aber ermelte Peckhen solches mir nit gestatten wollen, sondern das brott auf die Seithen geschoben."
Nun erhält der Magistrat den Auftrag sicherzustelle, dass Pollmüller zukünftig ungestört seine Ware verkaufen könne. Aber die Mühlen mahlten langsam damals, mittlerweile war es nämlich März des nächsten Jahres geworden.
Im Jahre 1651 wird Pollmüller Hans vor dem Pfleggericht schuldig gesprochen und mit einer Strafe von 1/2 Pfund Pfennigen belegt.
StA Landshut Pfleggerichtsrechnung von 1651
Er hatte die Metzgersgattin Dorothea Mez als ein "güldenes Monstrum" bezeichnet. Im selben Jahr traf ihn eine typische Bäckersstrafe, der Magistrat hatte befunden, dass er sein Brot zu klein gebacken habe, was ihn 45 Kreuzer kostete, mehr als die Jahrespacht des Brothauses.
Im Kötztinger Verhörsprotokoll findet sich zusätzlich eine merkwürdige Anklage: Hans Pollmüller "soll einen Goller , der auf der Bank lag angezogen haben und in der Nacht darinnen zuliegen." Laut RIEPL könne man unter einem Goller u.a. eine Männerjacke verstehen.
Im Jahre 1659 finden wir in den Sterbematrikeln Kötztings, dass Appolonia Pollmüller, eine Bäckerin, am 13.5. verstorben ist; von ihm findet sich kein Sterbeeintrag.


Georg Lärnbecher


Im Jahre 1656 heißt es in den Kötztinger Kirchenrechnungen, dass Georg Lärnbecher "Haus und Schulden von Hans Pollmüller übernommen habe."

 

Hans Pollingers Erben

PfA Kötzting Kirchenrechnung von 1651

Lange war das Haus aber nicht bei Georg Lärnbecher verblieben, denn schon im Jahre 1661 hieß es in einem längeren Eintrag in den Kirchenrechnungen:
"Bey Georgen Lärnbecher gewesten burger und Millern alhir sein 100 fl gelegen hierumben er das Pollmüller Haus verschrieben, an iezten aber haben des Hansen Pollingers gewesten churfürstlichen Landleidenand seel. Erben solche Behausung an und dise 100 fl ybernommen und haben zu Liechtmessen den Züns bezahlt mit 5 fl"
Eine kurze Kontrolle in den Sterbematrikeln zeigt, dass der Kötztinger Wiesmüller Georg Lärnbecher am 4. Mai 1660 verstorben war, ebenso findet sich dort der Leutnant Hans Pollinger mit einem Sterbedatum vom 1.1.1661. Seine Frau, die "alte Leutnantin" bezeichnet, lebte länger, sie verstirbt erst am 24.1.1684.
Hans Pollinger selber taucht ansonsten nur ein einziges Mal in den Kötztinger Dokumenten auf, als er 1651 bei einem Ackerverkauf des Oswald Parella (Hausnummer 26) als der gesetzlich vorgeschriebenene "Beistand" fungiert.

Nun also Hans Pollinger Erben, die hier nur mit dieser Schuldverschreibung in den Dokumenten zu finden sind.
Leider führen die vorhandenen Steuerlisten des Klosters Rott ausschließlich die Marktlehen und Sölden auf, weshalb diese Periode etwas im Dunkeln liegt, was die Nachweise angeht.
In manchen Fällen müssen spätere Übergaben auch dafür herhalten, um den Blick zurück zu ermöglichen.
Am 7. Oktober 1707 verkaufte der churbayerische Quartiermeister Mathias Pla(t)zer das Bürgerhaus zwischen Hans Pachmayr und Sebastian Jaucker an Johann Caspar Pichelmayr, von dem wir bereits vorher wussten, dass er einer der Hausbesitzer gewesen war.
Von diesem Caspar Pichelmayr aus, zurück zu diesem Mathias Platzer, kann man sich nun weiter auf die Suche rückwärts machen.
16.1.1700: Anna Pachmayr, die Witwe des Schuhmachers Hans Pachmayr (ein weiterer Ableger der riesigen Pachmayr-Familie) verkauft das "Bürgershäusel zwischen Hansen Pachmaiers und Sebastian
Jankhers Häusern liegend" an den Landleutnant Platzer
In einer Steuerliste von 1688 findet sich - mit einer korrekten Abgabesumme von 2 Kreuzern für ein Haus, der Schuster Pachmayr
HaStA München GL Fasz 1829-62 von 1688: Pachmayr Schuester  2 xr

Ob es in der Zukunft möglich sein wird, die Lücke zwischen den Pollinger Erben und Hans Pachmayr zu schließen, wird sich zeigen, im Moment ist hier die "Nachweisgrenze", weil die Aktenlage vor 1700, dem Einsetzen der Briefprotokollreihe, so dünn ist.



Georg Pachmayr und Anna

Beim übernächsten Verkauf des Anwesens wird Bezug genommen auf eine Schuldverschreibung beim Spital und dort steht im Jahre 1692, mit Verweis auf 1683:

StA Kötzting Spitalrechnung von 1692

"So Seindt Georg Pachmayr Schuechmacher, und Anna dessen Eheweib, mit vertig potsionierung ihrer inhabenten Behausung, und anderer Vermögen auf H:H: Petri et Pauli 50 Gulden, so den 1. Juni 1683 genuegsamb versichert worden, zuverzinsen schuldig, trüfft aso hirvon das Interesse "




Hans Pachmayr und Anna

Am 22.11.1690 heiratet der Schuster Hans Pachmayr, Sohn des Georg und der Anna, Anna Maria Markhart, eine Kötztinger Bürgerstochter. Georg Pachmayr ist im Bereich des heutigen Spitalplatzes begütert und besitzt dort ein Marktlehen. Ich vermute, dass der Schuster Hans Pachmayr erst nach 1694 in den oberen Markt gezogen ist, weil es in einer Marktrechnung desselben Jahres bestraft wird: "Hans Pachmayer Buerger und Schuhmacher ufm Reegen, umb seinen  Schwagern H. Thoman Marckhardten in dessen Wohnung die Fenster und Laedthen ausgehebt". Der Ausdruck "uffm Regen" stand damals für den ganzen Bereich jenseits der Regenbrücke (die spätere Oberbergerbrücke).
Angesichts der fast unübersehbaren Fülle an Hans, Hans Georg und Georg Pachmayr, alle zumeist irgendwie miteinander verwandt, kann ich die vielen Einträge, die es für diese Personen gibt, zumeist nicht einzelnen Individuen zuordnen, daher bleibt es bei dem schieren Besitznachweis.
Pfarrmatrikel Kötzting Band 2 Seite 196 vom 22.11.1690
Hochzeit Hans Pachmayr und Anna Maria Markhart
Die Witwe Anna Pachmayr ließ sich auch noch im Vertrag festschreiben, dass die Familie Pachmayr das Vorkaufsrecht hätte, sollte Herr Platzer das Haus einmal verkaufen wollen.


Mathias Platzer und Anna

Im Jahre 1699 erhält der Landleutnant Platzer bereits das Kötztinger Bürgerrecht, was ihn 4 Gulden kostete. 
Am 16.1.1700 verkaufte die Witwe Anna Pachmayr das bisher genutzte und bewohnte Haus zwischen Hans Pachmayr und Sebastian Jauckher an den churfürstlich bayerischen Landleutnant Mathias Platzer und seine Ehefrau Anna. Erwähnt sind dabei 50 Gulden Schulden beim Spital und 40 weitere Gulden bei der Pfarrkirche Rimbach. Der Kaufpreis betrug 145 Gulden und auch die Teilfamilie des verstorbenen Hans Pachmayr ist aufgelistet.
Es sind dies Anna, die Witwe, und die minderjährigen Töchter Katharina und Anna Maria, die beide von ihrem volljährigen Bruder Sebastian vertreten werden.
Im Jahre 1705 schreibt Mathias Platzer an den Kurfürsten und bittet um Hilfe von dieser Seite gegen die Ansprüche des Marktes, der Kontributionszahlungen, die im "Spanischen Erbfolgekrieg" auf Kötzting hereinbrachen, auf alle seine Bürger umzulegen versuchte. Es ist dies eine außerordentliche Schilderung verschiedenster Kriegszüge in den Türkenkriegen.
"Euer hochgraeflich Excellens genuegen gnedigst zu ernennen , wasmasen ich mich in 33 Jahren nit nur in denen churbayrischen Diensten mich befunden und hierunder 7 Feldzuege  in Ungarn gegen den Erbfeind verrichtet  dem under dem Herrn Generalwachtmeister von Rumel und dem lobl. Prinz Feldenzischen Regiment gleichbei Entsatz Wien und hinach in der Qualitaet als Adjutant  und Regimentsquartiermeister gedient habe. sondern und gleichwie in solchen Feldzuegen zwei toedlich und solche Plessuren bekommen dass ich nit  woll mehr solchen Kriegsdiensten abwarten koennen also auch ist mir  endlich unter den Koetztingischen Landfahnen, Rentsamts Straubing, aus sondergnaden Ihro churfuerstlichen Durchlaucht in Bayern die Landleutnantsstell zur mein und der  meinigen bessern Unterhalt und solang conferiert worden bis endlichen die Stadt Cham mit der gesamten Waldtsrefier sich ihro roemisch kaiserlichen Majestaet unterworffen und  ihro Excellenz der Generalfeldmarschall Erbvill den Landfahnen nacher Haus und der Diensten voellig  entlassen. Also zwar , dass ich nunmehr einen solchen Zeit die in vielen Jahren zusammengesparte wenige Substanz  zu mein und der meinigen unentbehrlichen Unterhalt hernommen und nacherzu als ein verbuergerter Inwohner in 
Koetzting die proportionierten Anlagen der anheurigen Winterportiones ertragen und abfieren muessen."

Am 7.10.1707 verkaufte der churbayerische Landleutnant Mathias Platzer sein Bürgerhaus an den Kötztinger Bürger Johann Caspar Pichelmayr um den Betrag von 185 Gulden. Die Schuldensumme des Hauses hatte sich um weitere 40 Gulden erhöht. Platzer selber wird nur noch für ein paar wenige Botengänge nach Straubing im Zusammenhang mit dem Spanischen Erbfolgekrieg erwähnt. Weder er noch seine Frau sind in Kötzting gestorben.
 

Johann Caspar Pichelmayr

Hans Caspar Pichelmayr ist im Jahre 1702 mit 2 Gulden für den "Beisitz zum Bürgerrecht", also einer Vorstufe des echten Kötztinger Bürgerrechts eingetragen.  1703 hatte er dann, zusammen mit seiner Frau ein "halbes Haus" gekauft, für das er dann wohl auch nur das reduzierte Bürgerrecht erhielt.
Von diesem "Rumpfhaus" trennte er sich dann im Oktober des Jahres 1707, als er von Platzer das Haus an der heutigen Marktstraße erwerben konnte. 
Bei der Hypothekenaufnahme auf dieses Haus werden die beiden Brüder "Hans und Sebastian  Pachmayr", die als Bürgen sich zur Verfügung stellen, als "Schwager und Brüder" der Käufer genannt.
Pichelmayr Katharina ist also wohl eine der ledigen Töchter der Witwe Anna Pachmayr, auch wenn sich in Kötzting keine Hochzeit der Beiden finden lässt. 
Im Jahre 1704, noch bevor Pichelmayr das "heruntere Haus" kaufen konnte, wurde er nach Passau geschickt, um in Erfahrung zu bringen, "ob die Husaren hinweckh marchiert" wären, was ihm 27 Kreuzer, also einen sehr guten Tageslohn einbrachte. 1705 taucht er erneut als Bote auf, diesmal schickte ihn der Markt "mit beisein vom Obrist Wachtmaister nacher Konzeller , Mosspach und Pempfling".
Im Jahre 1708 erfahren wir zum ersten Male, welchen Beruf Hans Caspar Pichelmayr hatte, bei einer Schuldverschreibung beim Spital über 50 Gulden wird er als Fragner, also als Krämer/Händler bezeichnet. Dieses Gewerbe betrieb er offensichtlich ohne Genehmigung, denn im Jahre 1710 wurde er genau deswegen vor dem Magistrat angeklagt und bestraft. Ein Pfund Strafe kostete ihn das Vergehen, dass "er sich understanden mit Cramereywahre zuhandeln und dadurch Crambern Eintrag zethuen,"
1728 unterschreibt er seine nächste Grundschuld beim Spital und verkauft noch im selben Jahr sein Haus an den Zimmermann Hans Georg Schweikl und seine Frau Katharina .
HStA München Landsjuter Abgabe KL Rott B4 von 1727-1736 Pfenniggiltabgabe


Er selber wird noch einmal 1729 erwähnt, da sperrte ihn der Magistrat für 6 Stunden in den Arrest "wegen infallenten aufführens vor dem Rat" und im Jahre 1739 hat er nur noch eine geringe Restschuld beim Markt. 1741 dann finden wir einen Kaspar Pichelmayr, Bürger genannt, in den Sterbematrikeln.

Hans Georg Schweikl und Katharina

Die Zeiten werden teurer, 8 Gulden kosten mittlerweile das Kötztinger Bürgerrecht für einen Häusler. Hans Georg Schweikl und seine Frau stammen aus Zeltendorf und bringen zusammen 4 Kinder zwischen 1729 und 1736 auf die Welt.
Schon 3 Jahre später - am 1.3.1738 - stirbt der Kötztinger "faberlignarius" Johann Georg Schweikl und seine junge Witwe steht mit den kleinen Kindern da.
PfA Kötzting Pfarrmatrikel Band 18 Seite 75
Sterbeeintrag des Johann Georg Schweiggl, Bürgers und Zimmermanns, der, mit allen Sacramenten versehen, am 3. März 1738 begraben wurde.





Am 2.1.1739 wird die Witwe als die Alleinerbin erklärt und werden die Ansprüche ihrer überlebenden Kinder  -  Wolfgang 11 und Jakob 7 Jahre -   bis zum Erreichen des 16. Lebensjahrs festgelegt.
Es geht aber vermutlich nicht mehr lange gut, denn im drauffolgenden Jahr verkauft die Witwe das Haus "zwischen Johann Paul Praittenberger und Hans Adam Pachmayr entlegen" an den Kötztinger Bräuknecht Blasius Billich und seine Frau Maria Catharina um 183 Gulden.
 

Blasius Billich und Katharina

Vermutlich wegen des Hauskaufes schließen am 5.1.1741 der "Helfer im Brauhaus" Blasius Billich und seine Frau Katharina, die Tochter des Kötztinger Baders Romanus Schlögner, einen Heiratsvertrag, bei dem sie ihm 90 Gulden Mitgift verspricht. Es folgt dann die Umschreibung der Grundschuld beim Spital
PfA Kötzting Band 14 Seite 92 vom 1.9.1738
Heiratseintrag Georg Blasius Billich und Maria Katharina Schlögner
Vier Kinder haben die beiden in Kötzting, bevor sie offensichtlich nach Blaibach übersiedeln, denn am  8.7.1750 verkaufen der Kötztinger Bürger und mittlerweile Braumeister zu Blaibach Blasius Billich und seine Frau das Haus zwischen Johann Adalbert Löckher und Mathias Esterl, Kramhandler, an den ledigen Nösswartlinger Michael Fischer um 180 Gulden. Der Vertrag beinhaltet eine lebenslange Herberge für eine Frau Katharina Vogl.


Michael Fischer und Katharina

Es ist zwar keine Heirat des Michael Fischer in den Kötztinger Kirchenbüchern zu finden, aber bei den Geburten ist seine Frau als eine geborene Haumann aus Lam angegeben und 10 mal finden wir die beiden als Eltern in den Geburtsmatrikeln..
Der Preis für Auswärtige für das Kötztinger Bürgerrecht als Häusler steht mittlerweile bereits bei 9 Gulden, die Michael Fischer 1750 bezahlen muss. Bei den Spitalrechnungen von 1750 steht eine zusätzlicher Hinweis: ab 1790 Schaffer Ander, eine Bemerkung , die uns später weiterhelfen wird, denn über Michael Fischer findet sich so gut wie gar nichts in den Akten. 
Er übergibt jedenfalls am 26.10.1790 das Haus an seine Tochter Katharina, die noch am selben Tag einen Heiratsvertrag mit Andreas Schaffner abschließt, einem Küfermeister aus Loifling. und ihm für seine Mitgift ihr Haus widerlegt. Nun wird das Haus beschrieben, als " auf dem obern Marktplatz zwischen Balthasar Rabenbauer und Anton Schneiders Marktlehen Häusern entlegen". Der Übergabepreis an die Tochter beträgt 390 Gulden.
Michael Fischer, Häusler genannt, stirbt am 2.12.1791 im Alter von 63 Jahren.
HStA München Landshuter Abgabe Kl Rott B5 Liste der Kirchentracht von 1777-1800
hier: Michael Vischer  Ander Schafner Kuefner

.

Schaffner Andreas und Katharina

10 Gulden kostet bereits das Kötztinger Bürgerrecht für Andreas Schaffner und sein Anwesen wird im Kötztinger Urkataster 1811 beschrieben mit:  
Schaffner Andrae, Hausname Kufner, ein gemauertes Haus, Stallerl,
Der Wert des Hauses Haus: 300 fl; der des ganzen  Anwesen 311 fl.


Der Vater Andreas Schaffner möchte im Jahre 1827 das Anwesen und sein Gewerbe an seinen Sohn  übergeben und stellt beim Magistrat das "Gesuch um Verleihung einer personalen Kufner Konzession". Der Sohn legt seine Nachweise vor,  über seine Lehre, seine Militärableistung, über die Schule und auch noch den empfangenen Religionsunterricht, nur noch die "Meisterprobe "fehlt. Er ist bereits 28 Jahre und legt später im Laufe des Verfahrens dann auch seinen Meisterbrief vor, weshalb der Antrag schlussendlich genehmigt wird. AA X-60
In der Quartierliste während der Napoleonischen Kriege wird auch das Schaffer-Haus belegt, kann sich aber den einen Soldaten, den es beherbergen muss mit zwei anderen Häuslern im Wechsel teilen.
StA Kötzting AA I 19 Quartierliste von 1801
Fernere Repartion über das Standquartier vom H: Lobl: Grav: Graf Morawitzischen Feldbattalion, nach neuerer Dislocation angefangen am, 26. Jenner 1801


(Hausnummer) 26 Schaffer (die Nummerierung der Kötztinger Häuser war 1801 noch um >2< verschoben)


StA Kötzting X 19 personale Gewerbekataster 

Im Gewerbekataster des Marktes finden sich die drei Generationen Schaffner unter der "Küfner"rubrik.
Schaffner Ander - Kaspar und Peter

Schaffner Kaspar und Theres


Im Liquidationsprotokoll von 1840 stehen dann die Details der Übergabe.
"Laut Brief vom 19. Juny 1828 vom Vater Andrä Schaffner mit dem mittlerweile verkauften Gruberackerl nebst dareingaben um 800 fl übernommen"
 


StA Landshut Grundsteuerkataster 5037 1/3 

Hausnummer 28 in Kötzting: "Beim Kufner" Kaspar Schaffner
Gebäude: Wohnhaus und Stall unter einem Dache mit Dunglage
Nebengebäude: die Holzschupfe
Gemeinderecht
zu ganzem Nutzantheil an den noch unvertheilten Gemeindebesitzungen 
871 der Galgenbergteil

550 das Fleckl bey der Wiesmühl

walzende Grundstuck:
603/2 am Flecken
603 in der Flecken

Aber bereits 1829 findet sich Kaspar Schaffner mit einem Baugesuch in den Kötztinger Akten.
Er würde gern sein Haus aufstocken und dabei werden die beiden Anlieger gehört. Decker Joseph und  Adam Anton fordern, dass keine Fenster zu ihren Seiten hin errichtet werden. Decker moniert zusätzlich, dass auf  dem Plan ein Abtritt eingezeichnet ist, dessen Grund aber zum Rabenbauerhaus gehöre. Auch das  Küchenfenster zeige zum Rabenbauerhaus. Decker und Schaffner einigen sich schließlich im Jahre 1831.
Am 9.7.1828 hatte er Therese Asm, eine Bauerstochter aus Offersdorf, geheiratet und als seine Frau 1840 mit erst 35 Jahren verstarb, sich noch im selben Jahr mit Köppl Therese aus Grafenwiesen wiederverheiratet. 13 Kinder wird er mit seinen beiden Ehefrauen bekommen, von den 6 bereits im Kindesalter versterben. Sein Sohn Peter, dem er das Haus übergeben wird, kommt am 1.12.1830 auf die Welt.

Im Jahre 1842 ließ das Rentamt auch einen Mietkataster erstellen und erstellte dabei auch eine genauere Auflistung der einzelnen Gebäudeteile und, wenn vorhanden, auch der Mietparteien. 

StA Landshut Grundsteuerkataster 5045

"Kaspar Schaffner, Binder, /: Hauseigenthümer:/ 

1. Hauptgebäude

Unter der Erde 1 Keller
I  1 Wohnzimmer, 1 Kammer, 1 Werkstatt und 1 Backofen, dann 1 Stallung
II 2 Wohnzimmer, 1 Kammer und 1 Küche dann Hausboden unterm Dach

2. Nebengebäude

Eine Holzschupfe

obige Angaben verbürgt 
Kötzting am 24. Jänner 1842
Kaspar Schaffner
Zur Beglaubigung der Unterschrift Magistrat Kötzting Lomer Bürgermeister"

In den Jahren 1846 bis 1851 finden wir den Binder Kaspar Schaffner auf allen Sammlungslisten, die im Vorfeld bei den verschiedensten Wallfahrten bzw. für "zweckgebundene" Gottesdienste durchgeführt wurden.

StA Kötzting AA V 18 Sammlung Wallfahrt Schönbuchen von 1846

StA Kötzting AA V 18 Sammlung Florianiwallfahrt nach Furth im Wald 1849



Wie häufig bei diesen Listen stehen die tatsächlichen Nachbarn auch auf der Liste benachbart. Michael Schrank - siehe obige Liste - verklagt im Jahre 1851 Kaspar Schaffner.

12. September 1851: Handelsmann Michael Schrank tritt gegen den Nachbarn , den Bindermeister Kaspar Schaffner dahier aus dem Grunde klagbar auf, weil die Dachrinnen des Beklagten äusserst ruinös sind und seinem Haus und Möbeln beträchtlichen Nachteill zugehet und man vereinigt sich folgendemassen: Kläger sieht von einer Schadenersatzforderung ab wenn der Beklagte innerhalb von 8 
Tagen eine neue Dachrinne anbringen lässt. Andernfalls behält er sich Schadenersatz vor. AA VIII/12

Im Umschreibeheft des Grundsteuerkatasters kann man die sich anschließenden Besitzveränderungen nachverfolgen
StA Landshut Grundsteuerkataster 5042
1852 also erhielt Peter Schaffner das Haus
1854 ist  für eine Übergangszeit Georg Sagmeister zu finden und
1855 endlich kommt Joseph Decker in Besitz des Nachbargebäudes.


Schaffner Peter und Anna





Am 23.11.1853 heiratet der Küfer Peter Schaffner seine Braut Anna Henneberger, Tochter des Kötztinger Bürgers Wolfgang Henneberger und bereits ein Jahr zuvor, am 29.11.1852, hatte der Vater, Kaspar Schaffner, seinen ganzen Besitz für 2200 Gulden an den Sohn Peter übergeben.
Am Tage nach der Übergabe, am 30.11.1852 war Kaspar Schaffner im Alter von 53 Jahren verstorben, seine zweite Frau Therese starb auch bereits mit jungen Jahren  - 49 Jahre alt - 3 Jahre später, am 4.4.1855.
Möglicherweise erlaubt der frühe Tod seiner Stiefmutter es Peter Schaffner nun, das Haus zu verkaufen, denn laut Umschreibeprotokoll trennte er sich nun von den wenigen Grundstücken, die zum Hause gehörten und verkaufte nach Protokoll " vom 17ten Juli 1855 den Restkomplex... an Georg Sagmeister, ledig von Viechtach um die Summe von > Betrag nicht eingesetzt < Gulden, also nur 3 Monate nach dem Tode seiner Stiefmutter. 
Peter Schaffner selber war aber auch nicht gesund, bereits mit 31 Jahren verstarb er am 14.5.1861 an der Lungensucht, seine Witwe erlag derselben Krankheit mit 46 Jahren, überlebte ihren Mann aber dennoch um 14 Jahre.
Um die erloschene Binderkonzession des Peter Schaffner kam es noch Jahre später zu einem Bieterverfahren, das Josef Dirnberger 1862 für sich entscheiden konnte.

Der nächste Eintrag im Umschreibeheft ist dann bereits der Ankauf durch Joseph Decker vom 12.2.1856 mit einer Kaufsumme von 1500 Gulden, der nun die beiden Anwesen 27 und 28 in einer Hand vereinigte.









 


Der dritte Teil, die alten Hausnummern 27 und 28 in einer Hand

Die Genealogie der Familie Decker 

Decker Josef  kommt aus Prackenbach nach Kötzting, eigentlich ein Schneider
                         Sohn:
Decker Josef heiratete Therese Groß 
                         Sohn
Decker Ignatz  heiratet Maria Ilg
                                     Katharina Obermeier
                         Sohn
Decker Josef  heiratet Maria Rankl
                                    Anna Lindner
                         Söhne
Josef und Karl Decker
Tochter Katharina  heiratet Karl Gschaider

Wir springen also nun wieder zurück zum Ende des ersten Teils, also zu Josef Decker, der Therese Groß geheiratet hatte:

Decker Joseph und Therese  


Wie im ersten Teil bereits beschrieben, bildeten Josef Decker und Therese Groß das erste Kötztinger Pfingstbrautpaar nach der Wiedereinführung (eher -zulassung) des Pfingstrittes.
Von diesem Paar haben wir sogar ein Gebetbuch der Therese, in der sie handschriftlich dieses Ereignis festgehalten hatte.
Hier noch einmal die Grablege der beiden in einer anderen Ansicht.
Arbeitskreis Heimatforschung DIA-Repro 2567

Erinnerung
Eine Zeit von 412 Jahren ist, da der Pfingstritt nach Steinbühl seinen Anfang genommen. Seit 18 Jahren wurde dieser Ritt nicht mehr gehalten nachher er wiederum seinen Anfang dem Pfingstmontag dem 22. May 1820.
Da der Geistliche Herr Pfarrer Danner den Kranz dem Jos: Deger vertheilte und ich als Braut beistente.
Theres Groß

Bild Frau Rabl-Dachs


Bild Frau Rabl-Dachs


Bild Frau Rabl-Dachs
Joseph Decker
Im Jahre 1820 zum erstenmal wieder Pfingstbräutigam.
Herr gib ihm die ewige Ruhe!



Aus dem Jahre 1854 finden wir einen Wegestreit des Josef Decker mit seinem Metzstraßennachbarn Ludwig Mühlbauer.
StA Landshut AG Kötzting Nr. 6956 von 1854

Die Situation, die hier dargestellt ist, ist die Verlängerung der heutigen Metzstraße Richtung Osten über die Anhöhe hinab. Der damalige Stadel (3) ist heutzutage ein Wohnhaus, die Schupfe(1) das mittlerweile abgerissene Haus des "Stoibermalers": Den "strittigen Platz"(2) benötigte Decker, um seinen Stadel an der Stirnseite überhaupt anfahren zu können.
Kalligrafisch schön gestaltetes Deckblatt eines Schreibens im Akt aus dem Jahre 1856
StA Landshut AG Kötzting Nr. 6956 von 1854
.


In diesem Akt findet sich auch in Abschrift der Kaufbrief des Hauses Nr. 28 von dem Viechtacher Georg Sagmeister.
StA Landshut AG Kötzting Nr. 6956 von 1854

Im Kaufbrief ist detailliert aufgeführt, dass Sagmeister vom Kaufpreis sofort 1112 Gulden bezahlt bekam, und Decker die Restsumme, welche aus der auf dem Hause liegenden Hypothek der Schaffnerschen Kinder bestand, einfach übernahm.
In einem weiteren Schreiben - in Abschrift - aus dem Jahre 1835 beantragt der Binder Kaspar Schaffner für die Unterbringung seiner "Futterei dann meinem gewerbeholz, wozu ich in meinem hause keinen Platz habe, eine holzerne Schupfe mit Legschindeldach ausserhalb des Marktes Kötzting" erbauen zu dürfen.
Diesen, von Schaffner erbauten, Stadel hatte Decker dann gut 20 Jahre später mitgekauft. Der Akt endet leider ohne eine Entscheidung.


Joseph Decker, Besitzer der Kötzting Anwesen mit den Nummern 27,96, und 66 (später kam noch die Nummer 28 hinzu), teilte seinen Gesamtbesitz auf seine zwei Söhne auf.
Laut dem Umschreibeheft der Grundsteuerkataster hat Joseph Decker am 31.12.1855 auf folgende Weise aufgeteilt. Er übergibt das Marktlehen mit der alten Nummer 27 (28 kommt ja erst im drauffolgenden Jahr in seinen Besitz) und die meisten seiner Grundstücke an seinen Sohn Ignatz inkl. des Brau- und Schankrechtes von beiden Anwesen. Sein Sohn Franz Paul wiederum erhält das Haus Nummer 96 (Kaufhaus Gartner) und bekommt die Krämerskonzession von den beiden Häusern übertragen.
Einige Restgrundstücke belässt der Vater in seinem eigenen Besitz und lässt diese auf sein drittes Anwesen, die Nummer 66, übertragen. Die Hausnummer 66 kennen wir heutzutage als das Haus der ehemaligen Metzgerei Oberberger am Brückenkopf der Oberbergerbrücke.

Aus der Sammlung Rabl haben wir einige außergewöhnliche Bilder erhalten. Hier eine Altersaufnahme von Josef Decker, dem Pfingstbräutigam von 1820.
DIA Repro 941 Josef Decker Sammlung RA Karl Rabl




Detail aus dem Plan der Kötztinger Uraufnahme

Von Joseph Decker findet sich in Landshut ein Verlassenschaftsakt mit seinem handschriftlichen Testament, in dem er nicht nur seine beiden Söhne als Erben einsetzt, sondern auch noch die Immobilien beschreibt, die er sich vorbehalten hatte, darunter auch der Stadel mit Keller an der Schlosserhöhe, der ihm Ärger mit den Nachbarn und dem Magistrat eingebracht hatte.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 17 Nr. 106 von 1873

Decker Josef, 83 Jahre, Privatier und verwitwet.
Er verstarb am 29.10.1873 im Haus mit der Nummer 96. (also bei seinem Sohn Franz Paul.)
Es liegt ein Testament bei dem kgl Notar hier vor
Soll das Vermögen schon zu Lebzeiten verteilt haben
Decker Franz Paul Kaufmann und Decker Ignatz Brauer und Wirth beide in Kötzting

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 17 Nr. 106 von 1873
Testament des Josef Decker
Letztwillige Verfügung
Ich Josef Decker, Handelsmann zu Kötzting verfüge im Fall meines Todes bei rüstiger körperlicher und vollkommen geistiger Gesundheit über mein Vermögen letztwillig in folgender Weise.....
Franz Paul soll neben einigen Grundstücken "den Stadl beim hiesigen Franz Haasschen Schlosseranwesen und den dort befindlichen Kellergarten" erhalten. Darüber hinaus habe Josef ein Hypothekkapital von 1500 Gulden auf dem Hambergerschen Hause liegen. Dieses Kapital erhalte Franz Paul ebenfalls, allerdings mit der Auflage, dass 500 Gulden davon "zur Ausspeising der Hausarmen des Marktes Kötzting, deren Bestimmung und Bezeichnung der Armenpflegschaftsrath Kötzting zu besorgen haben soll"
Ignatz soll ebenfalls Grundstücke erhalten und das sogenannte "Sailerhaus Nr. 66 mit der dabei befindlichen Taferne und Kommunbraurecht." 1000 Gulden an Eisenbahnanleihen erhält Ignatz als Kapitalstock. 
Ausdrücklich verpflichtet er seine beiden Söhne für das Seelenheil der Deckerschen und Großschen Familie einen ewigen Jahrtag an Pauli Bekehrung zu stiften.
Kötzting den 17.Juni 1870


 

Decker Ignatz und Maria

Passend zur Hausübernahme finden wir einen Hochzeitseintrag: Ignaz Decker heiratet am 28.11.1855 Maria Ilg aus Rohrbach.
Im Marktrechnungsbuch von 1856 steht Ignatz Decker mit einer Summe von 32(!) Gulden, die er für die Erlangung des Bürgerrechts zu zahlen hatte.

Ab dem Jahre 1860 startete eine neue Grundbuchreihe und hier finden wir den Grundbesitz sehr schön aufgelistet und natürlich bilden die beiden Häuser nur vom Besitztitel her eine Einheit, werden aber im Kataster einzeln aufgeführt..

StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 Hausnummer 28
"Das Haus mit dem sogenannten Marktlehen bestehend aus dem Tafern und Komunbraurecht.
Wohnhaus, Stallung, Keller mit Wohnstube und Stadel, alles aneinander, dann Hofraum.
Den Gesamtbesitz nach Anmeldprotokoll N 238 und Brief vom 31. Oktober 1855 mit den auswärtigen Besitzungen in den Gemeinden Arndorf, Gehstorf und Grafenwiesen vom Vater Josef Degger um 8000 fl erworben
"

StA Landshut Grundsteuerkataster 5047 Hausnummer 28

"Wohnhaus und Stall unter einem Dache mit dunglage
Nebengebäude und die Holzschupfe
Nach Anmeldeprotokoll N.249 und Brief vom 12. Februar 1856 von Georg Sagmeister um 1500 fl erkauft."





Die Lungensucht, also Tuberkulose, rafft seine Frau dahin. Gerade mal 35 Jahre alt war sie geworden, als sie am 19.7.1860 verstarb. Vier Wochen vorher hatte sie ihr drittes Kind geboren, dann war ihre Lebenskraft vorüber. 
Ignatz Decker wartete nur drei Monat an Trauerzeit ab, ehe er sich bereits Ende Oktober  wiederverheiratete, seine neue Frau war eine Kötztinger Zimmermeisterstochter, Katharina Obermeier. 
15 Kinder werden die beiden miteinander bekommen, sieben davon sterben im Kindesalter, es ist eine sehr ungesunde Zeit damals.

Decker Ignatz und Katharina Obermeier

DIA Repro 1221 Ignaz Decker
 Bild Sammlung Rabl
DIA Repro 1223 Anna Decker nee Obermeier
 Bild Sammlung Rabl




















DIA Repro 1222 Anna Decker im Kreise ihrer Kinder
 Bild Sammlung Rabl
v.li. Therese gest. 1929(Greil), Kathi (Weiß), Josef geb. 1883, rechts Anton, Otto, Paul


(AA XIII 36) Im Jahre 1858 beschwert sich der "Braumeister Ignaz Decker". Ihm reicht  das Wasser im (Kommun)Brauhaus nicht. Schuld ist seiner Meinung nach die Witwe Windorfer, welche am oberen Markt ihr Wasser zur Branntweinherstellung und erneut beim Rathausgebäude ableitet. Kgl Baubeamte aus Regen sollen eine Neuaufteilung des Wassers vornehmen, was aber zu massiven Protesten von seiten Schranks und Windorfers führt, so dass keine Einigung zustande kommt.
1858, offensichtlich hat Joseph Decker das neu erworbene Haus(27) an seinen Sohn weitergegeben, denn in einem Bauakt wird die Kontrolle der Auflagen (Estrich und eiserne Türen) angemahnt.
StA Kötzting AA XI 41 der Landrichter Carl von Paur unterschreibt die Kontrollanordnung
Baugesuch des Bürgers Joseph und resp: Ignatz Decker von Kötzting
betr. der Marktmagistrat Kötzting erhält hirmit den Auftrag anzuzeigen, ob nunmehr der Estrichboden und die eiserne Thüre im hause des bräuenden Bürgers Ignatz Decker nach Vorschrift der hohen Regierungs Entschließung vom 27. Jänner 1855 hergestellt sind.
Kötzting am 18. Juni 1858
der kgl. Landrichter v. Paur


Kleinigkeiten erfahren wir auch aus den Kötztinger Akten, z.B. die Hundenamen.
Decker Ignaz stand 1859 in der Hundevisitation mit einem Hund in der Liste.
StA Kötzting AA 76 

Helas hieß der Hund, was auf ein größeres Exemplar hinweist und hoffentlich blieb ihm das Schicksal erspart, das Jahrzehnte zuvor dem Hund des Joseph Decker zugestoßen war.
Wieder einmal herrschte die Hundetollwut in Kötzting, einige Kinder (Dreger und Kollmeier) waren bereits gebissen worden und einzelne Hunde des Marktes "abgeraufft" worden. Nun entschied der Magistrat, dass diese Hunde beim Abdecker in Reitenstein abzugeben waren und dieser sie sofort zu töten hatte.
Darunter war auch der Hund "Lamor", des Josef Decker.






AA VIII 12: 7. Juni 1861: Ignaz Decker und Michael Stocker(Hanr 26), beide Anwesensbesitzer dahier vergleichen sich heute bezüglich der zwischen Stockers Stadl und Deckers Hofraum liegenden 
Scheidmauer dahin, dass beide sich gegenseitig und zwar vom Deckers Hofraum aus in der Höhe von 12 Schuch das Drammrecht zugestehen und überdies Decker einwillige, dass falls Stocker seiner Zeit höher bauen wollte, dieser unmittelbar an Deckers Mauer sich anlegen und bis zu dieser hinein  decken darf.
Auch unser Pfingstfest taucht zwischendrin in den Akten auf:
1 Gulden und 36 Kreuzer bekommt Ignatz Decker für 2 Pferde vom Magistrat bezahlt, dafür, dass er dem Markt 2 Pferde für den Pfingstritt zur Verfügung stellt. Es kann sich nur um Pferde für die Rittspitze handeln. Die überkommene Erzählung, dass diese immer und nur von den Besitzern des  "Hotels zur Post" gestellt worden wären, erweist sich damit als zumindest ungenau. (MR von 1861) 

Im Jahre 1862 versucht Ignatz Decker erneut eine besseren Wasserversorgung seines Anwesens sicherzustellen. Diesmal stellt er den Antrag, von seinem Nachbarn auf der gegenüberliegenden Seite (Rötzer), vor dessen Haus einer der Marktbrunnen steht, das Wasser mit Hilfe von Bleirohren in sein Haus herüber führen zu dürfen.  Eines seiner Argumente ist der andauernde Streit der Knechte am Brunnen, wo soviel Andrang herrsche. Auch dieser Antrag wird abgelehnt. 
Einschub
Da ja fast jeder Marktlehner neben seinem Gewerbe und dem Schankrecht zumeist auch noch eine Landwirtschaft betrieb, war der Bedarf an Wasser zum Tränken der Tiere bei der Futterzeit  besonders hoch. Gleichzeitig hätte aber jede dauernde Wasserabzweigung und Speicherung im oberen Markt gleichzeitig einen Wasserverlust für die Unterlieger bedeutet, die sich eh laufend über die schlechte Wasserqualität beschwerten, da eigentlich alle Kötztinger Bürger die Brunnen auch als - unerlaubte - Waschbecken benutzten.
Einschub Ende

Wir schreiben das Jahr 1867 und in Kötzting kommt es weniger als 8 Tage vor dem Pfingstfest zur großen Brandkatastrophe. Decker, eigentlich glücklicherweise auf der "richtigen" Straßenseite gelegen, kommt trotzdem nicht ganz ohne Schaden aus dieser Brandnacht heraus.
StA Landshut Rep 164/8 Nr. 1570 der Marktbrand in Kötzting von 1867


Schadensliste:
"Decker Ignatz br. Bürger und Ökonom
Das /:einstöckige:/ nun zweistöckige Wohnhaus in der Metzgasse, massiv von Stein erbaut und mit Blechdach versehen
Hier wurden nur durch die Feuerhitze 2 Fenster beschädigt, während die übrigen Gebäulichkeiten keinen Schaden erlitten.

Derselbe

Das zweistöckige massiv erbaute Wohnhaus an der Marktgasse, gleichfalls massiv von Stein erbaut und mit Blechdach versehen.
An diesem Gebäude wurden die Glasscheiben von drei Fensterstöcken durch die Hitze des Brandes beschädigt."

In einer weiteren Schadensliste musste die Brandleider dann persönlich unterschreiben. Hier die Unterschrift des Ig(naz) Decker




Beginnend im Jahre 1869 finden wir Josef Decker in einem langjährigen Grundstücksstreit mit Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt. Dieser möchte für seine Papierfabrik, die er am Regenfluss errichten möchte, diesen korrigieren und benötigt dafür von Josef Decker eine Wiese, die ihm dieser auch verkauft..
Im Hause des Gärtners Mittermeier(!) kommt es zur Vertragsunterzeichnung, Decker verkauft, behält sich aber alle Rechte vor, sollten die Bauarbeiten Maximilian Schmidts seine danebenliegenden Grundstücke beinträchtigen.
Leider stellte sich in den Folgejahren heraus, dass Decker gar nicht der Besitzer des gesamten Grundstückes gewesen war, welches Schmidt benötigte, sondern ein Teil einer "Ödung" in Besitz des Marktes war.
Gleichzeitig war auch die "Viehtrift von Gehstorf und Gradis"  herunter an den Regen dabei betroffen und Maximilian Schmidt machte den Vorschlag beim Magistrat, zuerst einmal diesen Triftweg auszustecken,  um den wirklichen Flächenbedarf zu erkennen. 
Anscheinend nutzen die Gehstorfer und Gradiser Bauern das Regenufer genau an der Stelle, an der Schmidt seine Stauanlagen errichten möchte, in seiner ganzen Breite.
StA Kötzting AA V 97 hier rot eingezeichnet ist der Triftweg von Gehstorf an den Regen.
Links zwischen Fluss und Straße ist die Deckerwiese und rechts ein Grund des Marktes Kötzting, den Schmidt gerne für sich erwerben würde, und zwar so groß und viel es möglich ist.


"Ich selbst aber kann den Regenfluss so lang nicht enger zusammen ziehen und das Flussbett ausfüllen, bis die Viehtrift ihrer Breite nach ausgemittelt ist,
Max Schmidt
namens seiner Gattin Auguste Schmidt
Fabrikbesitzerin in Regenstein"

Der ganze Vorgang zieht sich hin und im Jahre 1872 stimmen die  Gemeindebevollmächtigten (inklusive Ignatz Decker) dem Verkauf der Ödung an H. Schmidt zu, behalten sich aber das Fahrtrecht über den Fluss ein.  









Der ganze Vorgang ist Ignaz Decker vermutlich etwas peinlich, weil er in mehreren Schreiben von einem Irrtum spricht. Trotzdem schickt er Anfang des Jahres 1873 dann eine Quittung an den Markt mit folgendem Wortlaut
"Herrn Ring
"Ersuche mir die irrthümlich einbezahlte Grundentschädigung mit f 52.51 xr gefälligst zurückzuzahlen; Quittung liegt bei, bei allen Vorkomnissen bin ich haftbar.
Ergebenster Ig Decker
"

Der Magistrat war aber ganz anderer Ansicht und verweigerte die Rückzahlung der Geldsumme.

Am 30. November 1873 erhielt der brauende Bürger Ignatz Decker eine Konzession für einen Getreidehandel. Rechts außen ist seine eigenhändige Unterschrift.


StA Kötzting X 22 Konzessionen.



In den Jahren nach 1876 finden sich viele Bauanträge - mit und ohne überlieferte Baupläne - von der Familie Ignaz Decker.
7.2.1876 Gesuch des Ignatz Decker wegen Kellerbaues mit Grundstücksankauf und Wegerechtsservitut.
25.10.1876 Aufführung einer Stützmauer durch Ignatz Decker "am Wallgraben". (vermutlich wegen der Abmauerung beim Kellerbau)

Der große und tiefe Eiskeller in der Holzapfelstraße. das später erbaute Bräustüberl
ist über dem Eingang errichtet.

Über diesem,  als"Vorhaus" bezeichneten, Eingangsbereich wurde später das Bräustüberl errichtet.
Weitere Details über das Bräutstüberl und seine Geschichte können hier nachgelesen werden.

 
Im Jahre 1882 steckt Ignaz Decker in einem Wegstreit mit dem Posthalter und Ökonom Vogl. Teil des Akts ist auch eine kleine Planskizze, die den Bereich an der Pfingstreiterstraße darstellt. Es ist die Kreuzung, an der die Pfingstreiter nach links oben zum Anwesen Schedlbauer abbiegen.

StA Landshut Rep 165 Nr. 7580


Am 3. April 1885 verstirbt Ignaz Decker 62jährig an einem Herzschlag, aber seine Witwe baut weiter.


Decker Katharina

StA Landshut Baupläne BTA/LRA Kötzting

Hier im Jahre 1888 baut die Witwe Decker einen neuen Pferdestall
Die seitliche Ansicht - in Richtung Metzstraße

Die Pferdestände in Aufsicht und der Ansicht

Hier die Frontansicht des Nebengebäudes in Richtung Osten





Im Staatsarchiv Landshut liegt ein umfangreicher Verlassenschaftsakt der Frau Katharina Decker, die offensichtlich gegen Ende ihres Lebens in München gewohnt hatte.

Katharina Decker
58 Jahre
Realitätenbesitzerin
verwittwet
Mittwoch den 15.Mai 1895 abends 10 Uhr
München Neufriedheim



keine letztwillige Verfügung vorhanden



Besitz: ein Ökonomieanwesen auf welchem ein reales Gastwirtschaftsrecht ruht
Größeres vermögen nicht vorhanden. Der vorhandene Baarbestand wird zur Bezahlung der Leichenkosten etc. verwendet


hinterlassene Personen:
Kathi Weiß Notarsgattin in A,lzenau
Josef Decker, Gastwirt in Kötzting
Anton Decker Fabrikant in Weilheim
Maria Gastwirtstochter Kötzting
Otto Decker Postsekretär in Augsburg
Ignatz Decker Student in Regensburg




Da sie kein Testament hinterlassen hatte, tritt die gesetzliche Erbfolge ein und Heinrich Ring, der südliche Nachbar, wird als Vormund für die noch minderjährigen Deckersöhne Otto und Ignatz bestellt.
Das nächste ist nun die Feststellung des mobilen und immobilen Vermögens, es wird also eine Inventur erstellt.
Bei der Erstellung des Vermögensinventar waren anwesend:
Josef Decker, Maria Decker und Anton , hier als Mineralwasserfabrikant aus Weilheim bezeichnet.
Die Schätzleute waren Wolfgang Münch und Josef Stauber, beides Bürger aus der Nachbarschaft.
Alleine 9 Seiten umfasste die Auflistung der einzelnen Gebäude, Wiesen, Felder und Wälder.
Dann kam es zur Beschreibung der Einrichtung

Im Gastzimmer: 

Ein Billard 
ein Cruzifix und sechs Bilder
ein Zeitungshälter, eine Bilderrahme und drei Lampen
vier Tische
sieben Bänke
siebzehn Stühle
zwei Barrometer
sechs Vorhänge und Stangen


Im Nebenzimmer

Ein Kruzifix, zwei Bilder und eine alte Wanduhr
ein Kanapee
ein Tisch
eine Bank und vier Stühle
eine Lampe und ein Hirschgeweih
eine Kommode mit Glasschrank
achtundfünfzig Halblitergläser
sechzehn Weißbiergläser
dreißig Literkrüge



DIA Repro 1500 Treffen des Gesangsvereins vermutlich sind die Tische, Bänke, Vorhänge und Bilder noch dieselben, wie im Inventar von 1895 beschrieben.


Weiter begangen wurden drei  Schlafzimmer, eine Kammer, mehrere Zimmer im ersten Stock, eine Dienstbotenkammer, und der Dachboden. 
Es ging weiter mit der Küche und dem Bierkeller. 24 Lagerfässer und 50 kleinere Fässer und 30 Doppeleimerfässer lagerten dort.
Im Pferdestall standen drei Pferde und ein Fohlen und im Kuhstall acht Kühe, ein Stier, zwei Kälbinnen und ein Kalb. Weiter waren noch 3 junge Schweine aufgeführt.
Es folgte der Heuboden, der Hofraum, und der Inhalt mehrerer Städel mit den verschiedensten Wägen und landwirtschaftlichen Gerätschaften. 
Interessant sind hier die Pferdewägen: "ein Odl- und zwei alte Pferdewägelchen, ein Traberwagen, drei Schlitten und eine Holzschleife"

Die Richtigkeit der Inventur  - des ersten Tages - bestätigten die Anwesenden mit ihrer Unterschrift.




Am nächsten Tag ging es um die Auflistung der jeweiligen Aktiva und Passiva, die die Witwe hinterlassen hatte und dabei wurde festgehalten, dass der Sohn Anton - damals noch Mineralwasserfabrikant in Weilheim und späterer Bräustüberlbesitzer - bereits seit " der Zeit nach Ableistung seiner Militärdienstpflicht" ansehnliche Beträge erhalten hatte, welche nun gegen seinen Erbteilsanspruch gegengerechnet wurden.
Die Inventur erbrachte dann eine Rücklasssumme von fast 80.000 Mark.



Decker Josef  und Katharina Rankl



Am 7.10.1896 reichte Joseph Decker seinen Bauplan ein, um eine Brauerei zu errichten. Sein Bruder braucht noch ein paar Jahre, aber im Jahre 1900 war es dann auch für ihn soweit: Der Bau des Bräustüberls konnte beginnen. 
StA Landshut Rep 162/8 Schachtel 22 Nr. 3275
Man sieht, dass der neuerbaute  Pferdestall aus dem Jahre 1888 nun dem neuen Brauereigebäude weichen musste.

Hier die Planung des Sudhauses 

Hier die Frontansicht und die Draufsicht auf der Gebäude


Josef  Decker betrieb den Komplex mit Brauerei, Gast-und Landwirtschaft am Marktplatz, und sein Bruder Anton, der das Haus am Regen erhalten hatte, errichtete über dem Bierkeller das Bräustüberl. Offensichtlich arbeiteten die beiden Brüder beim Bierbrauen eng zusammen, wie sie es auch bei der Wahl ihrer ersten Ehefrauen hielten, denn die beiden  Frauen waren ebenfalls Geschwister. 
Am 19.8.1895- also bereits einen Monat nach dem Tode seiner Mutter -  heiratete Josef Decker, bereits als Wirt bezeichnet, und Sohn des Ignatz und der Katharina,  Katharina Rankl, eine Wirtstochter aus Viechtach. 
Nach einer extrem schweren Geburt im Januar 1901 starb die junge Frau unter Schmerzen - die Erinnerung an dieses schlimme Erlebnis wird heute noch in den mündlichen Überlieferungen der Familie  Rabl wachgehalten.


Das kleine Kind - ohne Namen - an deren Geburt die junge Frau verstorben ist, wurde am 24. Februar 1901  notgetauft. 6000 Mark und eine standesgemäße Ausstattung im Werte von 1000 Mark hatte die junge Frau lt Ehevertrag als Mitgift in die Ehe mit eingebracht.


Staatsarchiv Landshut Rep 166N-12 Schachtel 42 Nr. 7 Decker Katharina von 1901
Todesanzeige von Katharina Decker nee Rankl mit der einzig überlebenden Tochter Katharina Decker




Als die Familie Decker, so kurze Zeit, nachdem sie das neugeborene Kind beerdigen mussten, schon wieder am offenen Grab standen, würdigte der Priester das Leben der Verstorbenen und fasste die Trauer und das Leid der Familie in einer Leichenpredikt zusammen, die die Familie später drucken ließ.



Am 5. März erschien die Todesanzeige im Kötztinger Anzeiger, am 10. März bereits die, ebenfalls ganzseitige, Dankesanzeige und am 13.3.1901 stand in der Zeitung dann schon die folgende Anzeige:
Das Leben musste natürlich weitergehen.
Die Hochzeit seines Bruders, Anton Decker kann ich in Kötzting nur über die Geburtseinträge seiner Kinder belegen, da dort die Mutter als Rankl Maria, eine Gastwirtstochter aus Viechtach angegeben ist. 
Aber ein Photo haben wir von seiner Hochzeit und auf der Aufnahme finden sich auch noch andere Mitglieder der Familie Decker.
DIA Repro 1210 Hochzeit Anton Decker und Anna Rankl. Bild Sammlung Rabl

Ganz links steht die so jung verstorbene Katharina Decker, die Schwester der Braut. Hinter der Braut steht sein Vater Josef Decker. 
Anton hatte mehr Glück in seiner Ehe, 11 Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Noch bei der ersten in Kötzting nachweisbaren Geburt 1896 ist er als Bierbrauer ausgewiesen, bei allen anderen folgenden fungiert er dann als Privatier.

Am 20. November 1896 stellt sich Josef Decker beim Magistrat vor und beantragt die Konzession  für den Betrieb einer Gastwirtschaft. 

StA Landshut Rep 164-8 Nr. 4823 Gastwirtskonzession für Joseph Decker




Decker Josef auf einem beschrifteten
Großbild des Turnvereins Kötzting von 1912

Katharina Decker, die Mutter, hatte in den Jahren nach dem Tode ihres Mannes vor allem auch das Haus mit der Nummer 66 umfangreich renoviert und ausgebaut, das dann später an den zweiten Sohn Anton übergeben wurde.














Decker Josef  und Anna Lindner



DIA Repro 1211 Bild Sammlung Rabl
Hochzeitspaar Josef Decker-Lindner Anna
Die Trauzeugen waren Josef Schmidt(Posthalter) und Ignaz Decker (Heimstetten)


Gut ein Jahr nach dem schrecklichen Tod seiner Frau, am 24.11.1902 heiratete er Anna Lindner, die Tochter des Brauereibesitzers Karl Lindner. 
Drei Kinder bekamen die beiden, Joseph, Karl und Georg.
Letzteren konnte ich in den Matrikeln nicht nachweisen, ist aber auf den Familienbildern mit angegeben. Das Erwachsenenalter jedenfalls erreichten nur Josef und Karl. die beide im Zweiten Weltkrieg fallen werden. 
Auch von Josefs zweiter Frau Anna, einer geborenen Lindner,  haben wir ein Bild in unserer Sammlung.
DIA Repro 153 ca. 1890 Bild Sammlung Rabl
Anna Decker geb. Lindner links, Pfingstbraut 1889, Anna Ring rechts, Pfingstbraut 1888 und Anna Hofmann Pfingstbraut 1887,


Auch wenn Anton in der späteren Holzapfelstraße sein Bräustüberl errichtete und betrieb, so wirtschafteten die Brüder in der Anfangszeit doch zusammen, wie einige Zeitungsanzeigen belegen.
Kötztinger Anzeiger vom März 1900, das Bräustübl hatte offensichtlich bereits geöffnet.

Kötztinger Anzeiger vom Januar 1902, ein Bericht über eine Auszeichnung des Bieres der Brauerei Gebrüder Decker. Den letzten Satz allerdings verstanden vermutlich nur Eingeweihte.

Diese Nachricht wurde auch außerhalb Kötztings gewürdigt, wie ein bericht in der Further Zeitung zeigt.
Der Bayerwald aus Furth im Wald berichtete am 26.1.1902 ebenfalls über die Auszeichnung


Ebenfalls in Januar 1902 bewarb der Zahntechniker Gumann aus Cham seine regelmäßigen Sprechstunden im Gasthaus Decker





DIA Repro 363 das Josef Deckersche Anwesen beim Jubiläumspfingstritt im Jahre 1912


DIA Repro 1020 links der Gasthof Decker



DIA Repro 1278 eine sehr alte Aufnahme des Decker-Hauses, noch mit Blechbedachung und
ohne Obstbäume an der Häuserfront. Bild Sammlung Rabl


DIA Repro 1277 Alte Postkarte Bild Sammlung Rabl
Interessant ist die auf den ersten Blick unlogische Bilderauswahl, das Gasthaus am Marktplatz und das Wohnhaus am Regen. Beide aber waren damals in Besitz derselben Deckerfamilie.

Wie für alle Kötztinger Bürger um die Jahrhundertwende, wurde auch für Josef Decker ein Familienbogen angelegt.
StA Kötzting 024 Buchstabe D



Josef Decker selber verstarb am 5. Mai 1926 und auch von seiner Beerdigung ist eine Leichenpredigt erhalten. (Sammlung Hamsa/Rabl)











Von seinen  vielen Kindern überlebten nur Katharina aus der ersten und Josef und Karl aus der zweiten Ehe Josef Deckers. Selbst die Totgeburt, an deren Folge die erste Frau verstorben ist, ist hier auf der Kinderliste vermerkt.

DIA Repro 1214 Katharina Decker, die Tochter Josef Deckers aus erster Ehe, hier als Bedienung
Bild Sammlung Rabl

DIA Repro 1215 Bild Sammlung Rabl
Katharina Decker vor dem Haus.
Hier deutlich zu erkennen Kötztings Pflasterbelag aus Flusskieseln.

Katharina Decker war eigentlich im Jahre 1915 als Pfingstbraut vorgesehen, wegen des ausgebrochenen Ersten Weltkrieges entfielen aber sämtliche weltlichen Pfingstfeierlichkeiten. Sie heiratete am 24. November den Kötztinger Fabrikbesitzer Karl Otto Gschaider. Als Trauzeugen firmierten damals jeweils die beiden Brüder Georg Gschaider und Josef Decker.




Pfingsten im Hause Decker





DIA Repro 705 Pfingsten im Jahre 1892




Der Kötztinger Kooperator Peter Riederer erstellte für den Jubiläumsritt eine Liste der bis dahin bekannten Kötztinger Pfingstakteure.





Im Jahre 1922 kam es zu einer spektakulären Aufnahme mit Pferden am Kreuzfelsen. Das neue Gipfelkreuz am Kaitersberg wurde von Meidinger Karl (Kittlmacher) 1922 hergestellt und aufgestellt. Bei der Einweihungsfeldmesse waren  Karl Lindner, Karl Decker und Grubmüllner Franz (Zitzelsberger) als Pfingstreiter mit ihren Pferden auf dem Gipfel.

 
DIA Repro 849 Arbeitskreis Heimatforschung
von rechts - die Pfingstreiter  Karl Lindner, Karl Decker und Zitzelsberger Franz
mit einem leichten, eleganten Pferdeschlag am Kreuzfelsen


DIA Repro 1220 Bild Sammlung Rabl
von links Karl Decker und sein Onkel Karl Lindner und Franz Zitzelsberger,

Von den beiden Decker Brüdern haben wir weitere Aufnahmen im Archiv.

DIA Repro 1269  Bild Sammlung Rabl
Josef Decker bei der Rast in Steinbühl


DIA Repro 1268 Karl Decker in der Hofeinfahrt - sicher nicht an Pfingsten.
Bild Sammlung Rabl

Im Jahre 1927 wird Josef Decker Kötztinger Pfingstbräutigam, als seine Braut erwählt er sich Paula Schmidt.
In den Pfingstakten des Jahres 1933 lesen wir von seiner Verpflichtung als Zugordner: 
Diese sind ab diesem Jahr : Decker Josef, Gerstl Karl, Hofmann Josef und Kolbeck Wolfgang,



DIA Repro 2703 Pfingstbrautpaar 1927
vl. Wolfgang Kolbeck (Gams) - Paula Schmidt - Josef Decker - Karl Amberger

Bericht über den Pfingstritt im Kötztinger Anzeiger von 1927





Decker Anna

Nach dem Tode ihres Mannes Josef Decker, der am 5.Mai 1926 mit 63 Jahren gestorben war, wird seine Witwe im Rahmen der Erbfolge die neue Besitzerin.

DIA-Repro 1213 Bild Sammlung Rabl
Die Buben der nächsten Decker-Generation
Die Information, die wir über dieses Bild bekommen haben, lautet:
v.l. Carl - Josef  - Georg.

Karl und Josef Decker kennen wir als Erwachsene, von Georg habe ich nicht einmal die Geburt nachweisen können.
Beide Brüder, Karl und Josef, die vermutlich sich bereits in die Arbeit im elterlichen Betrieb geteilt hatten, starben im Zweiten Weltkrieg, was dann automatisch auch den wirtschaftlichen Niedergang des Gasthofes und der Brauerei bedeutete.

Bild Sammlung Hamsa/Rabl das Brauereizeugnis für Karl Rabl von 1933

Dann kam der Krieg und die jungen Männer mussten einrücken, waren zu einigen Zeiten noch in der Lage Zuhause auszuhelfen, aber spätestens gegen Ende 1942 war es dann vorbei mit den Rückstellungen und so musste Karl Decker reagieren.
Kurz und bündig schrieb er im Jahre 1942 an das Kötztinger Landratsamt.
StA Landshut Rep 164/8 BZA/LRA Kötzting


Am  14. März hatte er von seinem Krankenbett aus Briefe nach Hause geschickt und sich um Details der fälligen Steuererklärung des Brauereibetriebes gekümmert.
Er äußerte die Hoffnung, an Ostern Urlaub bekommen zu dürfen, meinte aber
"Auf jeden Fall braucht ihr im Kirchenchor auf mich nicht zu hoffen, weil mir die Stimme immer noch fehlt. 2 x im Tag wird der Stimmbandmuskel mit Menthol-Öl bespritzt durch den Mund; diese Erschlaffung ist genau wie eine Nervenlähmung und das dauert bei manchen sehr lange und obendrein bin ich noch recht empfindlich."
Weiter meint er: "mit der Bronchitis geht es schon bedeutend besser; das braucht alles seine Zeit, ich versäume ja nichts hier und habe doch ein angenehmes Leben.- Also für heute grüßt Alle recht herzlich! Karl." Bild Sammlung Hamsa/Rabl
Keine 6 Wochen später verstarb der junge Mann im Lazarett.
 
Bild Sammlung Hamsa/Rabl

Auch für Karl Decker wurden die Nachrufe am offenen Grab anschließend gedruckt.
Die Reden zeichnen ein Bild eines musisch hochbegabten jungen Mannes, der in Kötzting damals weit und breit beliebt war.

Bild Sammlung Hamsa/Rabl



 




Detail des Familiengrabes Decker am Alten Friedhof


Auch wenn es zum Ende des Zweiten Weltkriegs keinen Zweifel daran geben konnte, dass auch der Bruder, Josef gestorben war, so dauerte es doch bis zum Jahre 1960, bis aus der Vermutung dann die Gewissheit wurde. 



Mit dem Tode der beiden Söhne war auch der Familienbetrieb mit Gasthof, Brauerei und Landwirtschaft nicht mehr weiterzuführen und so wurde das Anwesen Stück für Stück zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut.
Wie groß und umfangreich auch der landwirtschaftliche Betrieb gewesen war, kann man auch daran erkennen, dass das Anwesen 1937 in die Erbhofrolle eingetragen worden war.
Bild Sammlung Hamsa/Rabl Deckblatt der Erbhofrolle mit der Auflistung der einzelnen Grundstücke


Nun aber noch einmal zurück in die Zeit, als "der Decker" ein Begriff war in Kötztings Gastronomie.


Der Gasthof Decker als Treffpunkt der Gesellschaft und des beginnenden Fremdenverkehrs

Im Jahre 1920 heiratete eine Nachbarstochter, Fränze Liebl, Bankierstochter aus Kötzting, heiratete den Forstamtsassessor Kramer und feierte ihre Hochzeit im Gasthof Decker.
Bei der Familie Hans-Wolfgang Dittrich hat sich neben dem Hochzeitsbild sogar die Menuekarte erhalten.
Fränze Liebl und ihr Mann  Bild Sammlung Dittrich

Menuekarte - Sammlung Dittrich

Menuekarte - Sammlung Dittrich
Es ist schon beeindruckend, welche Speisefolge die Küche des "Gasthauses Decker"
aufzufahren in der Lage gewesen war.




Aus dem Jahre 1942 haben wir in der Sammlung des Arbeitskreises eine Aufnahme vom Treffen des des Kötztinger Gesangsvereins im Gasthaus Decker:

DIA Repro 11: viele bekannte Namen und - zumindest für uns Ältere - auch viele bekannte Gesichter aus der Vergangeneheit.



Repro Nr.  11  Im Gasthaus Decker    ca. 1942   
Gesangverein  im Gasthaus Decker. Nebenzimmer mit Klavier.   
Hinten v. li. Hilda Sperl, Michael Herre (Organist), Frau Herre, Frau Lautenschlager,?,   Gschaider Anne(Feile), Frau Praller, Mühlbauer(Godl) Klara ?,?,?, Sperl Schorsch, Traurig Michl ,  
vordere linke Reihe: Gschaider Käthl(Rabl), dahinter Bauer Wagner,?, Bauer Paula (Priesnitz), Gschaider Katharina (geb. Decker), dahinter Wanninger Vater, Frau Voithenleitner, dahinter Koop. Staudigl, Lautenschlager Karli,  
Vordere rechte Reihe:  Frau Piendl (geb. Liebl), Liebl Franz mit Brille, Mühlbauer (Schuster) Schorsch, Gschaider Karl, Oexler (Zigan) Ella, ?..
Die sogenannte Lindner-Uhr im Hintergrund war Teil des Heiratsgutes der Frau Anna Decker geb. Lindner.        





Hier nun in lockerer Folge einige Werbeanzeigen über Veranstaltungen im Gasthof Decker, die zeigen können, wie sehr dieses Haus auch von den Vereinen und Parteien geschätzt worden war. Die Anzeigen stammen alle aus dem Kötztinger Anzeiger

KA von 1924 gemeinsame Geschäftsanzeigen von Decker und Schmidt






KA von 1934




Das Gasthaus Decker hatte offensichtlich in den dreißiger Jahren auch Fremdenzimmer, wie einige Bilder von Frau Christa Rabl-Dachs belegen.

Bild Frau Christa Rabl-Dachs 

Für mich als Gärtner sind natürlich auch die Sommerblumen interessant. Neben dem Geranienstock ganz rechts waren es offensichtlich Petunien und/oder Malven, die auf der Nordseite ihr kümmerliches Dasein fristeten.



Frau Christa Rabl-Dachs 
Auch dies eine stimmungsvolle Aufnahme, wohl aus den 50er Jahren 

Frau Christa Rabl-Dachs 
Der junge Mann in Lederhose ist der damals noch sehr junge Nachbarsbub, der spätere Rablwirt.

Frau Christa Rabl-Dachs 
Eine Weihnachtsfeier beim Decker, zentral in der Mitte der Bürgermeister Hans Kroher




Bild Josef Barth sen. ca. Mitte/Ende der 40er Jahre


Die Entwicklung nach dem Kriege



Nach Kriegsende schrieb der Markt Kötzting an die amerikanische Militärregierung: Der Gasthof  Decker sei nun ein Säuglingsheim und im Hof lagere eine Menge an Munition. Diese müsse sofort entfernt werden. (StA Kötzting 135/4)




Anna Decker, eine geborene Lindner, überlebt ihre beiden Buben nur um wenige Jahre. Sie stirbt am 22.12.1947 im Alter von 79 Jahren. 
Gleichzeitig mit dem Niedergang der Brauerei und des Gasthofes Decker beginnt die Umwandlung des Wirtschaftsbetriebes in ein Mehrfamilienhaus.

Ich erinnere mich noch gut an die hallenartige Situation, die in der Durchfahrt des Decker Hauses herrschte. Gleich links nach dem Tor verlief eine breite, schwarze und geschwungene Holztreppe zu einem auf der Innenseite der Durchfahrt verlaufenden Balkon. Die Durchfahrt hatte also eine lichte Höhe bis über den ersten Stock hinauf und die Wohnungen hatten einen Zugang zu dieser innenliegenden Balustrade.
Aus dem Jahre 1950 haben wir eine Farbaufnahme des Burschen- und Brautzuges, in dem man einige Bewohner erkennen kann.
Bild Siegfried Ehemann aus dem Jahre 1950


 

Feile Anna

Im Wege der Übergabe wurde Frau Anna Feile - eine geborene Gschaider -  im Jahre 1956 die neue Besitzerin und der Weg zum Mehrfamilienmietshaus wurde weitergegangen.
Betrachtet man genauer das obige Bild mit den warmen Fensterläden und den geteilten Sprossenfenstern, so sieht man um so deutlicher, welche hässliche Veränderungen an unseren Häuserfronten die "modernen" Zeiten in den 60er und 70er Jahren bewirkten. Die Bäume wurden gefällt und die Häuserfronten verloren ihren Charakter.
Hier ein Bild aus der Sammlung Serwuschok, die Naturfreunde auf dem Wege zu ihrem Jahrtag
beim Januel. Im Hintergrund der neu renovierte "Decker" nun mit Einscheibengläsern, die man kippen konnte, Die Fensterläden verschwanden und das Holztor mit der integrierten Haustüre war einem eisernen Tor und einer eigenen Haustüre - sicherlich nun abschließbar - gewichen.

Einschub in eigener Sache:
Die Digitalisierung und Entwicklung gerade dieses Bildes brachte für mich persönlich eine schöne Überraschung. Hier mit diesem Bild habe ich die einzige Aufnahme, auf der sich mein erstes Auto befindet.
Die Ente, rechts in diesem Bild, war mein Fahrzeug zum Studium nach Weihenstephan. Im Hintergrund das Gruber Lagerhaus mit Herrn Gruber, der, wie immer, auf einem Kissen am Fenster abgestützt, sich das Leben und Treiben auf der Marktstraße betrachtete.
Einschub Ende

In den nun einsetzenden modernen Zeiten - in das Haus Nummer 28 zog Kötztings erste Boutique ein, Frau Prager hieß die Besitzerin - kam es in Kötztings Straßenbild zu enormen Umwälzungen.
Kötzting nahm einen wirtschaftlichen Aufschwung und diesem wurde manche Bausubstanz geopfert.
Im Jahre 1977 war es dann soweit, das expandierende Familienunternehmen Wanninger hatte weitreichende Pläne und wollte und konnte diese auch am Standort in Kötzting verwirklichen.
Dazu benötigten sie Platz, viel Platz, und damit besiegelten sie das Schicksal des Deckeranwesens.
Von unserem Wohnzimmerfenster aus konnte ich die Baugrube festhalten.



Photo Pongratz
In dem ersten Bauabschnitt wurde das Haus des Dr. Angerer noch ausgespart, aber auch dieses fiel Jahre später dann der Spitzhacke zum Opfer.

Archiv Serwuschok Umschlag 11/5 vom 28.6.1986
Nun ist auch das Haus des Dr. Angerer bereit zumm Abbruch und für den Erweiterungsbau
des Kaufhauses Wanninger

Nach der Unternehmerfamilie Wanninger ist es nun seit 2020 die Unternehmensgruppe Frey aus Cham, die an dieser zentralen Lage Kötztings ihr Modeerlebnishaus betreiben.



Die anderen Deckerkinder


Sowohl Josef als auch sein Sohn Ignaz Decker hatten eine Vielzahl von Kindern - auch wenn manche im Kindesalter verstarben - die heirateten, zumeist wegzogen und eigene Familien gründeten. Da diese aber, vor allem die Kinder von Ignatz Decker, zumeist zuerst das Kötztinger Heimatrecht genossen, gibt es von einigen eigene Familienbögen und Vorgänge im Stadtarchiv.


Ignaz Decker  Sohn von Ignatz und Katharina
Ignatz wurde Zollsekretär und, obwohl er in Weiler arbeitete, musste er doch sein Heimatrecht in Kötzting beantragen.
StA Kötzting 004 Familienbögen Buchstabe D


"Weiler im Alg(Allgäu) 5.September 1907

Der Unterfertigte, welcher bisher durch Abstammung in Kötzting beheimatet war, bittet, ihn zum Zweck seiner Verehelichung gegen Entrichtung der treffenden Gebühr das Heimatrecht seiner bisherigen Heimatgemeinde Kötztinger verleihen zu wollen, nachdem ihm ain seiner Diensteigenschaft als nichtpragmatischer Beamter vorerst ein Anspruch auf Heimatrechtserwerbung an seinem derzeitigen Aufenthaltsort Weiler... wo er übrigens keinen dauerhaften Aufenthalt hat, nicht zusteht.
Ignaz Decker
Zollassistent."

Am 1.1.1912 wurde Ignaz Decker endgültig fest angestellt - Zolloberkontrolleur -  und erhielt daher das das Heimatrecht der Marktgemeinde Weiler. Ignaz heiratete Maria Jäher aus Tirschenreuth.
Bestätigung aus Weiler



Maria Decker, geboren 1872, immer als die ledige Gastwirtstochter bezeichnet, blieb vermutlich zuerst als "die Tante" im Hause, die gute Seele und immer unverheiratet, zog später aber in die Schweiz, nach Genf. Von dort - möglicherweise war sie Gesellschafterin oder Hausdame in einem Haushalt, schrieb sie an den Magistrat.
Geneve, den 24. Janvier 08
An den wohllöblichen Magistrat
Werden gütigst entschuldigen, wenn ich mir die Freiheit nehme und einige Zeilen an Sie richte. Ich bin seit längerer Zeit in der Schweiz und bin aufgefordert worden um einen Heimatschein. Diesem nachkommend wende ich mich an Eure Güte und ersuche Sie freundlich, mit sobald wie möglich

einen Heimatschein für das Ausland zusenden zu wollen. Ich bin geboren im Jahre 1872 den 10. März. In der Erwartung einer gütigen Erfüllung meiner Bitte zeichnet
Achtungsvollst Marie Decker
Madame Carboriech
Villa Valmont 77 
route de Malagnon
Suisse Geneve

Wird constatiert, daß Josef Decker den Heimatschein für das Ausland schon zugesendet hat
Zum Akt K(ötzting) 28.1.08
Magistrat Liebl jr.

Im Jahre 1912, bei der Erstellung der Liste der Pfingstbrautpaare konnte Peter Riederer ein weiteres Detail festhalten. 1912 war sie "Gesellschafterin in Paris"
Aus der gedruckten Liste der Pfingstbrautpaare des Peter Riederer von 1912



Ähnlich verhält es sich mit dem nächsten Decker-Sohn, Otto.
Auch dieser war bis zu seiner endgültigen Verbeamtung in Kötzting beheimatet und wurde erst mit dieser von seinem neuen Wohnort, die Stadt Burgau, als Heimatberechtigter übernommen.
Erst auf Nachfrage durch den Magistrat Kötzting erteilte die Stadt Burgau dann
Otto Decker und seiner Frau das Heimatrecht.
Otto Decker war mit Martha Rottach aus Burgau verheiratet. 




Zum Abschluss, die Deckersche Stiftung




StA Kötzting 914-20 Abschrift der Cessionsurkunde über 1000 Gulden

Am 21.1.1867 trafen sich beim Kötztinger Notar drei Herren. Es waren dies Herr Thomas Lehner, Pfarrer und Lokalschulinspektor, Herr Josef Decker, Privatier, und sein Sohn, Herr Franz Paul Decker, Kaufmann in Kötzting. 
Herr Josef Decker besitzt einen Schuldbrief vom ehemaligen Poschingerischen Patrimonialgericht Thalersdorf vom 23.7.1844 von ursprünglich 2000 Gulden. Nach einer Teilrückzahlung bewilligt er heute eine Teillöschung der Hypothek und fügt nun bei., dass das verpfändete Bauerngut für die verbliebenen 1000 Gulden das des Bauern Silberbauer aus Thallersdorf im Landgericht Viechtach sei.
Diese verbliebenen 1000 Gulden schenkt er dem Kötztinger Schulfond mit dem Zusatz, dass er sich vorbehalte, die Stiftungsurkunde mit den näheren Bestimmungen noch nachzureichen.
Sollte er aber vorher mit Tod abgehen, so verbliebe der Kapitalstock auf jeden Fall beim Schulfond.
Soviel wolle er aber bereits festlegen, dass er "die Verwaltung dieser Stiftung nicht den weltlichen Administrationsbehörden anheim gegeben wissen" wolle, "sondern dieselbe steht lediglich dem jeweiligen Pfarrer zu Kötzting und den Deckerschen Agnaten daselbst zu"
Seine Stiftungsabsicht benennt er ebenso gleich:
"Nemblich in vorderster Reihe will ich dieses Kapital als einen Beitrag zur Gründung eines weiblichen Institutes in Kötzting erachtet wissen, welches Institut sich mit Unterrichtung und Erziehung der weiblichen Jugend befaßt.
Ist solch eine Gründung nicht möglich, so "ist meine Absicht und mein Wille in zweiter Reihe der Art, daß die jährlichen Interessen (=Zinsen) aus diesem Kapital für arme Schulkinder nach Verfügung der Kapitalverwalter verwendet werden. Für erstgenannten Fall darf aber auch das Kapital verwendet werden."
Der Magistrat war 1879 - wir befinden uns gerade in der Zeit, als es zwischen dem mehrheitlich altkatholischen Magistrat und dem katholischen Pfarrer in Kötzting mehr als nur knirschte - offensichtlich gar nicht begeistert darüber, dass der Pfarrer bei der Verteilung der Gelder das letzte und entscheidende Wort haben sollte und ließ den Vertrag juristisch prüfen.
Der Straubinger Rechtsanwalt Widmann prüfte den Vorgang und kam zum Ergebnis, dass ein Prozess, der die Schenkung anfechten sollte, sinnlos sei, denn wenn sie aufgehoben würde, wäre das Kapital ja auch für den Magistrat verloren. Solange der Schuldner - Silberbauer in Thalersdorf - seine Zisnen bezahle, gäbe es überhaupt keine Chance, hier Rechtsmittel von irgendeiner Seite einzulegen.
Der Magistrat war mit der Straubinger Expertise nicht zufrieden und wandte sich an einen Münchener Rechtsanwalt, der aber ebenfalls feststellte, dass das Prozedere der Stiftung/Schenkung zwar fehlerhaft gewesen sei, aber es trotzdem dem Stifter überlassen sei, wen er für die Verwaltung seiner Stiftung sehen wolle, hier eben den Pfarrer und die "Deckerschen Agnaten."
Der Magistrat gibt sich offensichtlich mit der Aussichtslosigkeit der Lage zufrieden, unternimmt aber 1885 einen erneuten Versuch, um doch noch die Verwaltung dieses Geldes übernehmen zu können. Am 16. November 1885 gibt Andreas Silberbauer aus Thalersdorf zu Protokoll, dass er die jährlichen Zinsen bisher immer an den Kaufmann Franz Paul Decker bezahlt habe, in diesem Jahre aber noch mit der Zahlung in Rückstand sei.
Nun schaltet sich drei Tage später Franz Decker ein - Auslöser war eine Anfrage der "Schulsprengelverwaltung Kötzting" warum der Schulfond Kötzting denn ein Hypothekenbuch für Thalersdorf besäße. (Als wenn sie das nicht wüssten)
Decker stellt klipp und klar fest, was auch die Rechtsanwälte bereits herausgearbeitet hatten, dass, sollte die Schenkung nicht zurecht bestehen, dann ausdrücklich nur "die Erben des Schenkers allenfalsige Eigenthumsansprüche an die fragliche Forderung" hätten. 
Bestünde sie aber zurecht, dann eben nur zu den Bedingungen des Cessionsbriefes, der halt als Verwalter nur dem Pfarrer und den Deckerschen Agnaten "freies unbeschränktes Verwaltungsrecht" gewähren würde.
Geht´s nicht direkt, dann eben mit Umwegen, dachte sich wohl der Magistrat, und bewilligte - gegen den Willen von Franz Decker -  dass Silberbauer Teile seines Grundbesitzes aus der Sicherheitsleistung des Hypothekenbriefes herauslösen durfte. (15.12.1885)
Im Dezember 1895 nun schrieb der neue Pfarrer Köstlbacher an den Magistrat bzw. an den Schulfond und monierte knapp, dass er seit 2 Jahren bereits nicht mehr wegen der Verwendung der Zinsen befragt worden wäre. In den Details, die er erwähnt, zeigt sich aber, dass er nur  äußerst lückenhaft informiert ist.
Bereits am nächsten Tag antwortet Franz Decker - der Enkel des Stifters - mit ungewöhnlichen Formulierungen.
"Vorerst muss ich einiges vorausschicken zu Ihrer Orientierung, denn Sie scheinen in der Angelegenheit nicht viel zu wissen."
Der Pfarrer hatte in seinem Schreiben von einer Urkunde aus dem Jahre 1876, vom Gastwirt Josef Decker, dem verantwortlichen Pfarramt und der Kleidung für arme Schulkinder geschrieben.
Franz Decker, der Enkel stellt klar: " nicht mit dem Pfarramt sondern mit der Person des jeweiligen Pfarrers habe ich zu tun, weil es meinen Vorfahren gepaßt hat, den Pfarrer beizuziehen, hätte aber ebensogut der jeweilige Schullehrer oder Meßner sein können."
StA Kötzting 914-20

Detail aus dem Antwortschreiben des Franz Decker
.... "Bei mir ist die Sache so gehandhabt worden, wie bei meinem Vater unter den früheren Pfarrern und auch Ihnen. Nicht um ein Jota bin ich abgewichen, im Gegentheile haben in meinem erst vor mehreren Jahren errichteten Geschäfte die Kinder neue gute Sachen billig erhalten. dafür habe ich Beweise. Voriges Jahr nun sandten Sie mir Kinder, deren Eltern ein Häuschen und 1 oder 2 Kühe hatten. Darum habe ich mir die Kinder selbst ausgesucht, weil ich viele wirklich Arme kenne..... Gegen dieses mein Vorgehen in den letzten zwei Jahren legen Sie ernstlich Protest ein, weil Sie nicht gefragt worden sind - also darin liegt des Pudels Kern - Ich bin auch nicht gefragt worden. Wer ist wohl das schuldige Verwaltungsmitglied? Etwa ich, der ich haargenau das gethan habe, was Jahrzehnte geschehen ist oder Sie, der Sie sich 2 Jahre um nichts gekümmert haben? Oder haben Sie aus dem Stiftungsbrief, aus dem Sie Wissen, daß der älteste Agnat der Verwalter ist, Haben Sie da auch herausgelesen, daß dieser Verwalter Ihnen nachlaufen muß?
Franz Decker ist am meisten erbost darüber, dass die - für ihn - Deckersche Nebenlinie des Josef Decker am oberen Markt vom Pfarrer als die Ansprechpartner angesehen werden und lässt sich in weiteren längeren empörten Erklärungen darüber aus, dass es die verantwortliche Abfolge  vom Großvater auf seinen eigenen Vater - und nicht auf den Onkel -  und damit zwangsläufig auf ihn, den Enkel, zulaufe, und endet mit den Worten: "Wollen Sie sich also ein andersmal ganz bedeutend beßer informieren, ehe Sie wieder ein Schriftstück loslassen, in welchen Sie Behauptungen aus der Luft greifen und festnageln, einfach weil dieselben in Ihren Kram paßen."
 
Ergebenst
Franz Decker
Vier Tage brauchte Pfarrer Köstlbacher, bevor er in einem längeren Brief antwortete und anfangs schrieb, er könne sich nicht beruhigen und sehe sich deshalb genötigt, die Diskussion fortzusetzen.
Er meinte auch, dass die formal falschen Details, die er in seinem ersten Anschreiben "nicht recht citiert" hatte, von daher rührten, weil er seine Urkunde bereits 1887 dem Landgericht Viechtach zu übersenden und sie nicht wieder zurückbekommen hatte und er daher "aus dem Gedächtnis" geschrieben habe. Erst nun, um Klarheit über die monierten Details zu bekommen, habe er in das Exemplar beim Magistrat Kötzting Einsicht erhalten.
Pfarrer Köstlbacher erkennt an, dass nur die Nachkommen des Franz Paul Decker wohl die Ansprechpartner sind, stößt aber in allen anderen Punkten nach, vor allem bei der Frage ob und inwiefern er in die Entscheidungen mit einbezogen werden muss.
Er greift alle Vorwürfe Deckers einzeln auf und antwortet zumeist mit Vorwürfen.:
Sie sagen, ...
Sie sagen formlos...
Sie sagen ferners....
Sie fragen, "ob sie mir nachlaufen sollten? Sie werden es auch von mir nicht verlangen. Denn die Verwaltung steht Ihnen nicht allein zu, sondern wir Beide sind gleichberechtigte Verwaltungsmitglieder.
"Sehen Sie, so war es bei Ihren Eltern:
Ihr Vater sagte jedes Jahr: Herr Pfarrer ich habe jetzt die Kleidungsstücke hergerichtet. Kommen Sie bei Gelegenheit, dann wollen wir die Kinder auswählen. Jeder hatte seine Liste, und wir setzten das Verzeichnis der Kinder zusammen. Er stellte die Rechnung und ich unterschrieb. So machte es auch Ihre Mutter bis zu Ihrer Verehelichung.
"
Als Verwaltungsmitglied müsse er auf einer Mitwirkung bei der Verteilung, aus Rechnungsausweis und Cassastung (vermutlich Kassenprüfung) bestehen.

Entweder kommen Sie zu mir oder ich zu Ihnen, wie es Ihnen beliebt, aber besprechen müssen wir uns über diesen Punkt
Mit Hochachtung
Köstlbacher Pfarrer

Wegen des Weihnachtsgeschäftes - so schreibt er - lässt sich Franz Decker Zeit bis zum 30. Dezember und man kann bereits in den einleitenden Zeilen, ja Seiten,  erkennen, dass er gewaltig zurückrudert in Form und Inhalt.
Die Vorwürfe in der Antwort des Pfarrers wegen der fehlender Kontrolle wiegen schwer.
Wie weit es mit der sozialen Einstellung des - vermutlich jungen - Franz Decker her ist, zeigt ein Satz, mit dem er die Kugel und Verantwortung wieder zurückschieben will: "Übrigens die genaueste Controlle, mit der ich sehr gerne einverstanden bin, haben Sie einfach dann, wenn Sie die Vertheilung selbst vornehmen und mit dem Gesindel verkehren, das daherkommt. Ich habe dann nur die Ware zu liefern und Sie wählen die Kinder und vertheilen, denn beides letzeres gehört zusammen." 
Beide Seiten liefern sich noch einen Schlagabtausch über viele Seiten, wobei ich den Eindruck habe, dass die Aggressivität, die zwischen den Deckers herauszulesen ist auf eine Überforderung mit der Sache zurückzuführen ist.
Die ursprüngliche Hypothek an den Thalersdorfer Bauern war von diesem mittlerweile zurückbezahlt und das Kapital in Schuldobligationen umgewandelt worden, die sich in Besitz des Franz Deckers befanden. Auf die Nachfrage des Pfarrers nach dem Verbleib dieser Scheine, antwortete er nur spitz : "da sollte wahrhaftig wieder ich dieselben von Zeit zu zeit spazieren tragen. Übrigens ist es ganz egal ob die Obligationen vorhanden sind oder nicht, für einen solchen betrag bietet mein besitzthum immer noch Haftung genug."
Der Kaufmann Franz Decker wird erst im Jahre 1891 heiraten, ist also im Jahre 1885  noch ein sehr junger, lediger Erbe..... aber eine schöne Handschrift hat er.
Zeitgleich mit dem Verkauf seines Geschäftes an Karl Ponschab aus Viechtach im Jahre 1899 heißt es in seinem Familienbogen im Stadtarchiv, dass er seit November 1899 in Landshut wohnen würde.




Am Ende noch ein stimmungsvolles Bild des Decker-Gasthofes von Josef Barth, Ende der
vierziger Jahre, Anfang Mai.

Wie sehr die "modernen Zeiten" das Gesicht Kötztings geändert haben, sieht man besonders an den  folgenden beiden Bildern von Frau Marga Stauber aus den 50er Jahren.
Photo von Frau Marga Stauber


Photo von Frau Marga Stauber




"Schöne Neue Welt", nichts mehr mit Fensterläden, Sprossenfenster und Bäumen an der Hausfront.
Das Haus Nummer 27 wurde ein reines Wohnhaus und im Erdgeschoss des Hauses mit der ehemaligen Nummer 28 eröffnete Frau Vera Prager Kötztings erste Boutique. Photo Rabl-Dachs

Und weiter gings an dieser Stelle.
Im Jahre 1977 entstand an dier Stelle der erste Bauabschnitt des Kauf-Centers Wanninger, nun Teil der Unternehmensgruppe Frey aus Cham.
Kreisfilmbildstelle Cham ca. 1985

Einige Mitbewohner im Hause Decker


Am Ende möchte ich noch auf einige Mieter eingehen, die mir so im gedöchtnis geblieben sind, bzw. von denen bekannt ist, dass sie "beim -Decker" gewohnt hatten.
Frau Rabl-Dachs hatte Karl Graßl interviewt, der erzählt hatte, wie die heimische Bäckerei zu dem benötigten Brennholz gekommen ist. Es waren die Kötztinger Fuhrleute, die Frühmorgens mit ihren Pferden in Richtung Thenried aufgebrochen waren und zum Spaß und zur Aufmunterung der Pferde in aller Herrgottsfrüh mit ihren Peitschen knallten, sehr zum Leidwesen der Anwohner.

Ausschnitt des Interviews:

Wie habt ihr dann das Holz nach Kötzting gebracht?

"Ja, da hat der Graßl g'fahrn und hat der Hofmann - Naze hat ma g'sagt - g'fahrn und dann der Gerstl. Ja ja, die haben schon g'fahrn damals. Der Lehner - der wohnte da oben, das Haus das dann die Berti gehabt hat, neben dem Kuglmeier - der, war auch ein Lohnkutscher. Der Fischer-Peter, der hat nur Lauf-Roß g'habt. Der Naze, der hat für die Schule und für das Gefängnis Holz g'fahrn. Die Gefangenen haben dann dort das Holz herschneiden müssen. Aber das Holz hat der Naze allerweil g'habt. Im Winter sind sie mit den Schlitten um vier Uhr heimgekommen. Der erste hat um sechse onaduscht (Der erste Fuhrmann knallte schon früh um sechs Uhr mit der Peitsche). Jetzt ham de andern scho g'wißt, aha, der is scho auf der Streck. Nachher ham's dann zammg'spannt, weil's a'flegn (laden) hamand mejßn, daß ebbs auf d'Welt bring'an" (es wurden schwere Fuhren geladen, die ein Gespann alleine nicht mehr ziehen konnte, um nicht so oft fahren zu müssen). Auf einen Tag sind s'hinter und vor g'fahren? Do hammands a weng paarlt hinten, z'Thenrejd (Thenried)".

Was habn's da getan?

"Paarlt - do hammand d'Roß a weng ebbs g'krejgt, und se hab'm daweil a Hoibe Bier drunga, und danoch na, umara Viere, san's na kemma. De san o um sechse in der Frej scho g'fahrn. Für ehra Mittagszeit hammands na a weng'al Broutzeit g'mocht und hammand de Roß ebbs gebn. Um Viere san's na houmkemma und hammand na s'fejdern o'gfangt, weil's in der Frej wieder furt hammand mejßn.

Beim Decker hat ein Tierarzt g'wohnt - Schmutzer hat er g'hojßn - und der hat's dann immer angezeigt- wegen Ruhestörung - wenn ouna auffaduscht hot" (mit der Peitsche geknallt hat).

Einschub
Dieser Tierarzt Dr. Schmutzer war übrigens der erste, der eine einigmaßen überschaubare Ordnung ins Kötztinger Marktarchiv gebracht hatte.
Einschub Ende




 
Um die Jahrhundertwende wohnte der Bezirksgeometer Schmeißner in den Haus.
Im Stadtarchiv haben wir eine Quartierliste als im Großraum Kötzting ein Manöver standgefunden hatte.
StA 060-11 Quartierlisten


In Kötzting wurden nicht nur bei den Hausbesitzern sondern auch bei den Mietern Soldaten einquartiert.


Beim Brauer Decker Josef waren es 2 Offiziere, 1 Feldwebel, 1 Unteroffizier 26 Soldaten und 4 Pferde.
Bei seinem Mieter Schmeißner war es dann nur 1 Offizier und 2 Soldaten mit Mannschaftsrang. 

Aus späteren Jahren erinnere ich mich noch an einig Kötztinger Lehrer, Frau  Hautmann und Familie Gamminger. So wie die Familie Gramminger, war kurz nach dem Kriege auch die Familie Dr. Veith mit Wohnung und zahnärztlicher Praxis im Decker-Haus untergebracht, bis beide Familien später ihre Häuser auf der Platte beziehen konnten.
Andere Mieter waren ein Herr Gaul, swe städtische Angestellte Heinrich Meier aus Rothenbaum, der "Pongratz Schneider", die Frauen Batsch und Prischl, und natürlich die Nachbarsfamilie des Sperl Hans.
Auch Platz für ein Lager war noch vorhanden, so hatte zeitweilig auch der Schreienr Lendl hier einen Lagerraum gemietet.

 

Wie immer, wer bis hierher durchgehalten hat..... meinen Respekt.
Mit dem "Ringhaus - Dr. Angerer" gehts dann weiter.


Nachtrag

Wie bei vielen anderen Häusern auch, bekomme ich nach der Veröffentlichung neues Material, worüber ich mich sehr freue und welches ich - das ist der Vorteil eines Blogs gegenüber einer Printausgabe -, auch leicht hinzufügen kann.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
Ich füge die nachträglichen Materialien innerhalb des Blogs an die passende Stelle ein oder ich hänge das neue Material einfach am Ende neu an.
Bei der Einfügung kann ich schlecht auf eine Neuigkeit verweisen, anders beim Anfügen.