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Freitag, 20. Juni 2014

Der wilde Pfingstritt



Der „wilde“ Pfingstritt im 18. Jahrhundert

Achtung: sehr, sehr textlastig  ;-)

 

Eugen Hubrich  schrieb um 1952 mit dem Manuskript: „Der Pfingstritt zu Kötzting“ eine volkskundlich- geschichtliche Würdigung unseres Traditionsrittes. In diesem Manuskript verwendet er Archivalien, die heutzutage  als verschwunden gelten. Diese  transskribierten Akten der Jahre 1783 und 1784, zusammen mit neueren Funden in den staatlichen Archiven, ergeben ein interessantes aber ganz anderes Bild vom Ablauf des Pfingstrittes im 18. Jahrhundert



Im Zusammenhang mit der Erstellung des Buches über und für den Jubiläumsritt 600 Jahre  Pfingstritt wurde ich von einem Kötztinger Redakteur gefragt ob man denn noch „etwas“ Neues, bisher Unbekanntes, über den Pfingstritt in den überregionalen Archiven finden könne, wenn mal nur noch mal so richtig suchen würde? Ich hatte es kategorisch ausgeschlossen, diese Wiese sei wohl schon vor 100 Jahren vollständig abgegrast worden und Neues könne sich da nirgends mehr verstecken. Nun manchmal täuscht man sich und fast genau zum Herausgabezeitpunkt des Jubiläumsbuches, das ja unseren derzeitigen/damaligen Wissenstand über den Pfingstritt und seine Feier bündeln sollte, kommt von unerwarteter Seite doch noch bisher unbekanntes Material zutage.





Doch der Reihe nach. Es gibt im Stadtarchiv einen Akt  über den Pfingstritt, der nur noch aus dem Umschlagsdeckel und der Signatur besteht. Der Inhalt ist seit langer Zeit verschwunden und nur durch vorbereitende Arbeiten des Kooperators Riederer im Zusammenhang mit dem 500er Jubiläumsritt 1912 – damals hatte der Akt noch einen Inhalt – wissen wir, dass es um Streitigkeiten von Kötztinger Bürgerssöhnen mit der Regierung in Straubing gegangen war. Bei Renovierungsarbeiten im Büro unseres Stadtpfarrers Mader tauchten plötzlich  zwei Manuskripte aus der Feder von Eugen Hubrich auf, der sich die Aufgabe gestellt hatte, die Entstehungsgeschichte unseres Pfingstrittes in volkskundlicher Hinsicht zu untersuchen und sehr fleißig sich in die Fachliteratur und Archivalien eingearbeitet hat. Das Manuskript ist im Jahre 1950/51 geschrieben worden.




Offensichtlich stand Eugen Hubrich, einem Oberstudienrat in Straubing und Leiter des Kötztinger Stadtarchivs,  der fragliche Akt noch zur Verfügung und anders als Kooperator Riederer 40 Jahre zuvor fasste Hubrich nicht einfach die amtlichen Schreiben zusammen, sondern transkribierte die meisten der Briefe wortwörtlich und gibt uns somit nicht nur einen ganz neuen Einblick in den Ablauf des Kötztinger Pfingstrittes vor dem Verbot desselben sondern gibt uns auch die Möglichkeit einen verschwundenen Aktenbestand in Teilen wieder zu rekonstruieren. Zuerst aber bleibt natürlich grundsätzlich ein Verdacht, da Hubrich als Leiter des Kötztinger Stadtarchivs und gleichzeitig Schullehrer in Straubing sich möglicherweise seine Arbeit dadurch erleichterte, dass er Materialien aus dem Archiv mit nach Straubing genommen hat. Eugen Hubrich, Kötztinger Ehrenbürger seit 1953,  ist zumindest, bis jetzt, die letzte Person, von der wir wissen, dass sie den Inhalt des Aktes gekannt hatte. In den Unterlagen, die im Stadtarchiv – als Nachlass Eugen Hubrichs – liegen findet sich aber nichts in dieser Richtung und eine Rückfrage bei seinen Erben blieb ohne Ergebnis.