Translate

Sonntag, 6. April 2014

Aufruhr zwischen Reitenstein und Kötzting


Vor ca.  240 Jahren gab es sehr stürmische Zeiten zwischen Kötztinger und Reitensteiner Bürgern[1] und Alles begann mit dem Testament Johann Bartholomäus Görrings auf Hochtreßwitz, dem Besitzer der Hofmark Reitenstein, das er am 18.02.1762 geschrieben und bei den Behörden hinterlegt hatte.


In diesem Schriftstück wurden neben vielen Seelenmessen und Jahrtagen für sich und seine bereits verstorbenen Familienangehörigen auch mehrere kostspielige Geldlegate vereinbart. Verschiedene Kirchen und Kapellen erhielten genau bezifferte Zuschüsse für Umbaumaßnahmen (siehe die Kötztinger Kirchenglocke) versprochen, vielen Einzelpersonen wurden üppige Geldzuweisungen zugesagt und auch seine Verwalter und manche seiner Angestellten wurden großzügig bedacht. All diese Summen sollte der Universalerbe auszahlen, welcher dafür dann die Hofmark Reitenstein mitsamt den dazu gehörigen Untertanen und all dem übrigen Vermögen erhalten sollte. 
Dieser Universalerbe sollte nach dem Willen von Göhrings der Markt Kötzting sein.

Rund 10 Jahre nach Testamentslegung verstarb Bartholomäus Görring am 01.03.1772 und damit begann in Kötzting eine Entwicklung, die die Bürgerschaft in zwei zerstrittene Lager spaltete, denn mit der Hofmark Reitenstein und dem „übrigen“ Vermögen hatte es so seine Sache.  

Kurz gesagt einigten sich 16 Kötztinger Bürger - in Abwesenheit des damals mächtigen Kammerers Samuel Luckner- zusammen mit der Regierung in Straubing darauf, mit privatem Kapital und mit einer Hypothek auf Kosten der Marktkasse eine Summe aufzubringen, welche die Forderungen der aussenstehenden Begünstigten zufriedenstellen würde. Bei diesem Handel gewannen die 16 Kötztinger Marktlehner Wald - und Wiesengrundstücke hinzu. Frei verkäufliche Grundstücke waren in Kötzting so gut wie gar keine vorhanden und hier sahen ein paar Bürger die gute Möglichkeit sich zu vergrößern. Auch die Regierung in Straubing wollte die Sache endlich vom Tisch haben - die im Testament mit Geld Begünstigten beschwerten sich bereits bei der Regierung, weil die Vermögensaufteilung durch den Markt Kötzting einfach nicht einsetzen wollte -  und forcierte diesen Handel. Allerdings hatten beide Seiten - also die Regierung in Straubing und die 16 Kötztinger Anteilseigner,  die Rechnung ohne den Kammerer Luckner gemacht und so dauerte der Streit dann von 1772 bis fast zur Jahrhundertwende an und stiftete viel Unfrieden innerhalb Kötztings aber auch zwischen den Kötztingern und Reitensteinern selber. Letztere hatten sich die Zeit zu nutze gemacht und im, durch die langandauernden Prozesse praktisch, rechtsfreien Raum, solange eben immer wieder vor Gericht alles neu verhandelt werden musste, versucht Fakten zu schaffen und sich dann Nutzungsrechte in den Wäldern und auf den Wiesen einfach angeeignet.
Die Reitensteiner Anteilseigner unter den Kötztinger Bürgern,  welche auf dem Weg von ihren Grundstücken nach Hause durch Reitenstein hindurch fahren wollten, wurden attackiert und teilweise schwer verletzt.