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Freitag, 26. Januar 2018

Das Kommunbrauhaus

Das Kommunebrauhaus in Kötzting

alte Hausnummern 58
Bei diesem "Objekt" handelt es sich, ähnlich wie bei der Marktmühle, um ein Gebäude, das es nun schon seit vielen Jahren nicht mehr gibt. Auf dem Grundstück des ehemaligen Brauhauses der Kötztinger Marktlehner parken nun schon seit vielen Jahren ganz profan Autos.
Sang- und klanglos verschwand das Gebäude, das so wichtig für die zentrale Funktion Kötztings als MARKTplatz und Verwaltungszentrum war.  Das Recht zu Brauen und Auszuschenken war ein wesentlicher Bestandteil der Kötztinger Marktrechte, die bereits 1344 bestätigt wurden, also bereits vor diesem Zeitpunkt existiert haben müssen.
Bild aus der Reprosammlung des Arbeitskreises Heimatforschung von Frau Kretschmer und Frau Rabl-Dachs








Vermessungsamt Cham Ort_Koe_1831_K62 Uraufnahme Kötzting von 1831 Nr. 58 ist das Gebäude des Kommunbrauhauses Nr. 59 ist der alte churfürstliche Weissbierkeller, nun Teil der Fa. Liebl.

Die Kötztinger Marktlehner, 36 Stück an der Zahl, und auch nur diese, hatten damit praktisch ein Biermonopol im weiten Umkreis von Kötzting in Händen und verteidigten dieses auch über viele Jahrhunderte. Immer wieder passierte es, dass bei den großen Brandkatastrophen des Marktes auch der Freiheitsbrief verschwunden war bzw. mitverbrannte. Noch vor dem Wiederaufbau des Ortes versuchte der Magistrat dann bei der Regierung in München eine neue Abschrift ihres Freiheitsbriefes zu erhalten.
Die dort verbrieften Rechte stellten die Lebensgrundlage, quasi die Verfassung, unseres Heimatortes dar.
Es war in der "Alten" Zeit durchaus üblich bei Handelsgeschäften, vor allem aber bei Übergaben von Häusern und Anwesen einen festen Anteil, dem Leikauf, dem Drangeld, für Speis und Trank zu verbrauchen. Hier im Markt, beim Landgericht wurde verbrieft, hier im Markt auf dem Marktplatz MUSSTE jedes Handelsgeschäft abgewickelt werden und auch nur hier gab es in großer Anzahl Wirtshäuser und Bier und damit die Möglichkeit das "Drangeld" zu verbrauchen. Kein Wunder, dass die Kötztinger Marktlehner eifersüchtig darüber wachten, dass Ihnen kein Konkurrent in der Nachbarschaft heranwuchs. Schlechte und kriegerische Zeiten brachten große Umbrüche und solche wurden von verschiedenen adeligen Herrschaften auf den Hofmarken wie Grafenwiesen, Blaibach und Hohenwarth genutzt um eigene Brauhäuser zu etablieren. Auch wenn die Kötztinger diese Braustätten nicht verhindern konnten so versuchten sie doch durch unzählige Prozesse im Laufe der Jahrhunderte gegen diese adeligen Familien in den Hofmarken im Umland zumindest ihr Recht als alleinige Bierlieferanten im weiten Umkreis zu verteidigen.
Das Verbot - mit Ausnahme der Privatbrauerei Billich-Krieger-Luckner, nun Hotel zur Post - der Kötztinger Bürger selbst zuhause zu brauen und der Zwang dies im Kommunbrauhaus zu tun, hatte natürlich Konsequenzen für den Aufbau des Marktes, auch wenn dies nicht auf den ersten Blick zu sehen ist.
Bis zu 36 Marktlehner konnten für sich und für Ihren Ausschank zuhause Bier brauen lassen, 10 so genannte Söldner durften es Ihnen nachmachen, aber nur für den eigenen Verbrauch. Da bedeutete, dass 46 verschiedene Brauberechtigte ihren Hopfen und Malz anlieferten und dann das gebraute Bier in Fässern auch wieder abholen mussten, weil das Kommunbrauhaus auch nicht annähernd den Lagerplatz für diese große Anzahl an Bierfässern hatte. Dies wiederum hatte zur Folge dass die Kötztinger Marktlehner und zum Teil auch die Söldner unter ihren Häusern große und ausgedehnte "Sommerkeller" bauen mussten, um das im Winterhalbjahr gebraute Bier einzulagern, mit Natureis zu kühlen und dann portionsweise ausschenken zu können.






nicht schön, aber selten, eine Aufnahme der Frontseite des ehemaligen Kommunbrauhauses in seiner ganzen Schäbigkeit im Jahre 1975. Ich hatte damals gerade meine erste einfache Spiegelreflexkamera gekauft und war in Kötzting auf Motivsuche, wenn ich mir die ab platzenden Putzstellen ansehe und mit dem SW Bild am Bloganfang vergleiche, dann ist mein Bild sogar das ältere..

mit dem Auge einer Künstlerin gesehen, entwickelt solch eine verfallene Ruine ihren eigenen
Charme, Aquarell von Frau Ingeborg Metschl



Wo aber lagen die Anfänge des Kötztinger Brauwesens?

Wie oben angeführt fußt das Kommunbraurecht auf dem Freiheitsbrief des Marktes Kötzting aus dem frühen 14. Jahrhundert. Vom Ende des 16. Jahrhunderts kennen wir eine Aufstellung der Braustätten im Rentamt Straubing (vergleichbar mit einem heutigen Regierungsbezirk) zu welchem auch das Landgericht Kötzting gehörte:
Staatsarchiv Landshut Rentkastenamt Straubing A 1166 Braustätten im Rentamt
Landgericht Kötzting
In diesem Gericht hat es im Markht Közting drey
weisse Pierpreu Heußer, das erst gehört gemainem
Markht zu, welches sie von zweyen Burgern daselbst



die vor 50 Jaren dergleichen Pier darinnen gepreut
haben sollen, erst vor 20 Jaren an sich erkhaufft,
Bericht aber der Ladnrichter alda. e wurde des schwarz
en Piers mer als des weißen, und über Wünter über
4 oder 5 Preu des weissen Piers darinnen nit ge
prennt
Dieser obige Bericht stammt aus dem Zeitraum um 1599, damit können wir den Anfang des Communbrauhauses - an dieser Stelle - zeitlich ca. um 1550 legen. Ob der funktionelle Vorläuferbau ebenfalls an dieser Stelle lag kann nicht bestimmt werden. es spricht aber vieles dafür, die Nähe zum Weissen Regen für das Brauwesen zu nutzen.
Für einen Kalender des Jahres 2002 hat Ludwig Baumann schon einmal die rechtliche Lage des "weissen" und "braunen" Brauwesens in Kötzting zusammengestellt.



Kötztinger Ansichten von Ludwig Baumann im Jahre 2002

 

Das Weizenbier ist ein unnützes Getränk, das weder nährt noch Kraft gibt, sondern nur zum Trinken verleitet, behauptete im Jahre 1567 die Regierung von Straubing und versuchte das Sieden von Weißbier zu unterdrücken. Damals fand die neue Biersorte von Böhmen her Zugang. Als aber die gräfliche Familie der Degenberger, die das Recht des Weißbiersiedens in ihrem selbstständigen Herrschaftsgebiet durchsetzen konnte, 1602 ausstarb und vom bayerischen Herzog Maximilian beerbt wurde, war man schnell gegenteiliger Meinung. Der beträchtliche Nutzen, den das Weißbier einbrachte, veranlasste die Hofkammer, das Weißbierprivileg sofort in München auszuüben. Der Degenbergische Braumeister wurde in die Landeshauptstadt berufen. Schon nach kurzer Zeit warf das „weiße Hofbräuhaus“ eine weit höhere Rendite ab als das braune.
Deshalb errichtete der Landesherr auch an anderen Orten weiße Brauhäuser und erklärte das Brauen von Weißbier als „Regal“ (Monopol). Es konnte nur im Auftrag und zum finanziellen Nutzen des Herzogs und späteren Kurfürsten gebraut werden. In unserer Region wurde Weißbier in Cham, Furth, Neukirchen b. Hl. Blut, Viechtach und Kötzting gebraut.
Braustätte für das Weißbier in Kötzting war das Kommunbrauhaus in der Jahnstraße, das im Besitz der brauberechtigten „Marktlehner“ war. Der dortige Bräumeister braute neben dem bürgerlichen Braunbier im Auftrag der Hofkammer auch das Weißbier. Für die Benützung der Braustätte zahlte der Landesherr eine jährliche Entschädigung, den so genannten halben Gewinn.
Vor kurzem gelang im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München ein überraschender Fund: Ein Plan für den Neubau des Kötztinger Brauhauses mit den entsprechenden Kostenanschlägen. Überraschend deswegen, weil die Planung  1643 ausgearbeitet wurde, als der Dreißigjährige Krieg noch nicht zu Ende war. Auf  1 170 Gulden waren die Kosten veranschlagt. Von dieser Summe hatten die Kötztinger Brauberechtigten „bevorab den 5. Pfennig“ (20 Prozent) zu zahlen. Die verbleibende Summe wurde auf die Kötztinger und den Kurfürsten je zur Hälfte (468 Gulden) aufgeteilt. Ob und wann der Plan so ausgeführt wurde, konnte noch nicht festgestellt werden.Im Sudjahr 1668/69 wurden in Kötzting 414 Hektoliter Weißbier gebraut. Im 18. Jh. aber verlor man in unserer Gegend das Interesse am Weißbier. 1746 wurde das letzte im hiesigen Kommunbräuhaus gesotten



Ludwig Baumann fand bereits vor vielen Jahren einen Bauplan für das Kötztinger Kommunbrauhaus:
(BayHStA München, GR Fasz. 236) Plan von 1643








Plan für ein neues Kommunbrauhaus in Kötzting, 1643
Die „Seitenmauern“ nach oben geklappt, stellt die Zeichnung ein Mittelding zwischen Plan und Baumodell dar.
1 Sudhaus (ca. 240 m2), 2 Wasserbehälter, 3 Maischbottich,
4 Brau­­pfanne, 5 Wasserrinne zur Pfanne, 6 Wasserrinne zum Maischbottich, 7 Brauofen oder Schirr, 8 Rauchfang, 9 Kühle,
10 Bierrinne von der Kühle in den Keller, 11 Keller für zwei Bräu oder Suden (ca. 50 Hektoliter), 12 Darre (Trockenraum), 13 Treppe zum Bräustübl, 14 Bräustübl, 15 Tor für die heutige Jahnstraße, 16 Mauer zwischen Brauhaus und Regen (ca. 15 Meter lang, Teil der Marktbefestigung), 17 Brauhauswand in Richtung Regen, Wandstärke ca. 1,20 Meter.
(BayHStA München, GR Fasz. 236)

Ich hab  mal versucht aus dem Plan, den Ludwig Baumann schon vor vielen Jahren in München entdeckt hat ein Modell zu basteln um sich das Besondere dieses Planes auch besser vorstellen zu können. Zuerst einmal waren für mich die Beschreibungen im/am Plan widersprüchlich, bis mit aufgegangen ist, dass - weil gleichzeitig sowohl die Innenansicht als auch die Außenansicht auf den Flächen beschriftet und erklärt sind, ja nur eine spiegelbildlich richtig sein konnte. Klappt man die Seiten auf, so dass eine Innenansicht entsteht, ist der Plan so wie er ist richtig. Klappt man die Seiten aber umgekehrt um ein Gebäude zu simulieren, dann muss der Baukörper gespiegelt werden und dann stimmen auch die außen angegebenen Himmelsrichtungen bzw. die bezeichneten Ausrichtungen hin zur Marktmühle und zum Fluss.

Voila meine Baukünste - Basteln hat mir noch nie richtig Spaß gemacht, also bitte die Ungenauigkeiten zu verzeihen:
das Kommunbrauhaus vom 17. Jahrhundert Blickpunkt ungefähr wenn man an dem jetzigen Schauwasserrad steht und zum Parkplatz blickt.

der Punkt G bezeichnet den unteren von zwei Kellergewölben,  hier steht ja auch der Hang an, auf dessen Anhöhe im Moment das Wohnhaus des Herrn Ritzenberger steht - früher nicht umsonst der "Weiß auf der Höh" genannt. So macht die Gebäudeausrichtung Sinn, der Keller in die Anhöhe, die Mauer - so stehts auch im Plan - 45 Schuh lang in Richtung zum Fluss. An der Stirnseite des Gebäudes steht, dass dieses in Richtung zur Marktmühle ausgerichtet ist.
Der Punkt K ist eine Klappe bei der die Bürger den Biertreber abholen konnten. Das Kellergebäude ist übrigens mit Ziegeln gedeckt, das Sudhaus hat nur ein Schindeldach


Nun zum Inneren:


hier sieht man links das "aufgeschnittene zweistöckige" Kellergewölbe für die Lagerfässer - hier allerdings nur für die Reifelagerung das fertige Bier mussten die Brauberechtigten ja immer in eigenen Lagerräumen unterbringen. Der Treppenaufgang führt hinauf in der neue Bräustüberl, rechts oben das große Fenster.
Die Blickrichtung bzw. die Ausrichtung dieses Bildes ist in etwa wie die obige Außenaufnahme, Kellergewölbe links hinten.

Die zweite Innenaufnahme ist nun gedreht und Blickt in Richtung von der Brennerei Liebl hin zur alten Marktmühle. 

 Hier ist nun das Kellergewölbe rechts, an der oberen Bildmitte ist das Wasserreservoir, die Leitung ins Brauhaus zweigte in etwa dort von der märktischen Wasserleitung ab, wo heutzutage der Pfingstreiterbrunnen steht, es folgt die Maische und unten links die Feuerung mitsamt der Sudpfanne. Oben der braune Fleck ist die von außen erreichbare Klappe um den Treber abzuholen.
Es ist zu vermuten, dass die beiden Gewölbekeller im Hang steckten und daher oberflächlich nur der  turmähnliche Aufbau zu sehen war.


anhand der angegebenen "Himmelsrichtungen" könnte ich mir vorstellen, dass das die historische
Lage des im Plan vorgestellten Neubaus dargestellt hat.

 
Flusslandschaft mit Marktmühle und Kommunebrauhaus zu Anfang der 60er Jahre, Ausschnitt aus Luftbildaufnahmen aus dem Krämerarchiv Stadtarchiv Kötzting





Wie ging nun das gemeinschaftliche Brauen vor sich, es konnte ja nicht jeder Brauberechtigte ins Brauhaus kommen und loslegen, das Gegenteil war der Fall.
Die Gemeinschaft der Brauberechtigten wählten einen Braumeister und damit ging der Streit schon mal los, da diese Wahl nicht einstimmig war und es sowohl im Vorfeld als dann auch bei der Durchführung Parteien und damit gefühlte oder tatsächliche Bevorzugungen bzw. Benachteiligungen gab. Es häuften sich Vorwürfe, dass der Braumeister minderwertigen Hopfen und Malz bei seinen Gegnern einsetzen würde und auch in der Reihenfolge der einzelnen Biersude seine Freunde bevorzugen würde.
Immer wieder musste das Landgericht als Aufsichtsbehörde eingreifen, Streitigkeiten schlichten, Wahlen kontrollieren bzw. gegebenenfalls rückgängig machen und grundsätzlich eine Art Lebensmittelaufsicht durchführen.
Dies ist überhaupt eine interessante Frage, wie wird wohl das damals gebraute Bier geschmeckt haben?
Nun das Wasser für das Bier wurde, trotz der Nähe des Brauhauses zum Fluss, aus der märktischen Wasserleitung entnommen, welche durch eine Kette an OFFENEN Brunnen, den Markt herab geführt wurde. An der Stelle an der heute der Pfingstreiterbrunnen steht war dann ein Wechsel in der Leitung und das Wasser teilte sich auf in eine Leitung hinunter ins Brauhaus und eine weiter zum oberen Bad, heutzutage das Kellnerhaus. Diese Wasser also war schon mal von minderer Sauberkeit.
Wie stands nun um Hopfen und Malz, das die brauberechtigten Bürger selbst anzuliefern und einzulagern hatten?
Aus dem Jahr 1855 kennen wir solch eine "Lebensmittelkontrolle":
StaLA Rep 164-8 Nr. 964 von 1855 ff

 I

Reinlichkeit im Allgemeinen
nichts besonderes zu bemerken


II
Wasser ist genügsam und in guter Qualität vorhanden



III

Auf der Malztenne
Malzvorräte liegen vor:


1. von der Bürgerswitwe Hofbauer


2. Von Jos. Mühlbauer und Aloys Deschermaier

mittelmäßig jedoch nach
Versicherung des Bräumeisters noch tauglich zum Einsieden
 von der Wittwe Amberger
dem Bäcker Lemberger zusammen
geworfen, welches schlechter Qualität ist und zum Versieden
nicht tauglich ist.

4. In der Wich liegt Gerste
des brauenden Bürgers 
Kollmayer nach Versicherung
des Braumeisters zum Bier
sieden tauglich

IV

an Gerste sind mehrere Parthien von verschiedenen Bürgern haufenweise getrennt, aufgeschüttet, nach Versicherung des Braumeisters brauchbar, sodann eine Parthie Gerste von 18 Scheffeln dem brauenden Bürgers Georg Rötzter gehörig welche sehr geringe Qualität auch im Korn ungleich überdies von einem grabelnden Geruch ist.








Nach Versicherung des Braumeisters nicht annehmbar und zum Einsieden nicht brauchbar.
Von dieser Gerste hat man eine Quantität von 1 Maaß zur weiteren Probung zu Gerichtshanden genommen



Wie schaut`s nun mit dem Hopfen aus und mit der "Bierrezeptur"?
Auch da erbringt die Visitation seltsame Methoden der Kötztinger Bierbrauer zutage:

"Eine Waage ist nicht vorhanden und versichert der Braumeister, dass nie eine dagewesen sei und dass er eine solche bisher nie angewendet habe weil jeder Bräuende den Hopfen selbst wenn gesotten wird herzubringt.
Einige Bürger lassen ihn den Hopfen wohl sehen andere gar nicht und übergeben ihn sogleich dem Pfannenknecht welcher ihn lediglich in die Pfanne einschüttet.
Hopfen werde überhaupt im Bräuhause gar nicht eingelagert jeder Brauende behielte seinen Hopfenvorrat zu Hause und bringe nur soviel in das Bräuhaus dass er gerade zur Sud braucht.
Über die Qualität des Hopfens habe er sich daher noch nie bekümmern können...


















Mit den Hopfen und Malz war es nun wohl nicht weit her: da gab es aber noch ein paar Hilfsmittel, ob die wohl mit dem bayerischen Reinheitsgebot zu vereinbaren waren?

Die nebenstehende Unterschrift stammt vom Brigadier SUFFA, genau, DEM Jäger und Fänger unseres Räubers Heigl. Dieser Mann hat den Heigl Michael zur Strecke gebracht und war nun einem trickreichen Pfannenknecht auf die Schliche gekommen.

Kötzting am 9.Dezember 1855
von der k. Gendarmerie Brigade zum Koeniglichen Landgericht Kötzting

Wechsel des Braupersonals im Kommunbrauhaus zu Kötzting und des Auffindens von Quacksalberey in diesen Bräuhause betreff:

Durch das im hiesigen Kommunbrauhause von Zeit zu Zeit erzeugten nicht gar zu empfehlenswerthen Bier wurde kürzlich bei dem dortigen Braupersonal von oben bis unten ein ziemlich starker Wechsel vorgenommen.
Bei dieser Wechselperiode war der Bindermeister Peter Schaffer von Kötzting in diesem Bräuhause als Binder beschäftigt und fand derselbe dort ein Päckchen wahrscheinlich aus dem Kloster zu Neukirchen erhaltene geweichte Waaren oder andere Quacksalbereien. Diese aufgefundene Waarengibt der fragliche Binder nicht aus seinen Händen, bis ihm selbe gerichtlicher Seits abgefordert wird und und wegen des obangenannten Biererzeugnisses eine wichtige Rolle spielt.

Bei dem Wechsel des Kommunbrauhauspersonals ist auch der Brauknecht Josef Mühlbauer, Sohn des brauenden Bürgers Mühlbauer von hier betheiliget.
Die Mutter desselben Namens Anna Mühlbauer brauende Bürgersfrau von hier stellte sich in Folge dieses Ereignisses auf offenen Marktplatze in der Gegend vom Grassl auf und begann mit den "Worten" zu schimpfen über solche Lumpereien, "schlechte Bürgerschaft! Nun sieht man euere Lumperei, so vertreibt ihr die guten ehrlichen Leute aus dem Brauhause und so bringt man die Lumpen wieder hinein, Pfui die Schande! Solche Quacksalberei eine Bürgerschaft zu treiben"
Während sie sich diese Äußerung bediente kam Unterzeichneter dazu und es wurde ihr durch den Binder Schaffner bedeutet ruhig zu seyn, was sie auch that nur noch dem Schaffner bemerkt die Geschichte gesetzlich betreiben zu lassen, damit die hohe Obrigkeit einmal dem Ganzen auf den Grund kommen kann.



















 Dieses zeigt einem königlichen Landgericht dienstschuldigst zu Anzeige: Suffa Brig(adier)


Nun jetzt wollte es die "Obrigkeit" natürlich wissen.......
Suffas Addressaten kennen wir natürlich auch gut in Kötzting








Carl von Paur, der damalige Landrichter und später Kötztings erster Bezirksamtmann war es und der wollte es dann doch genauer wissen, was es mit dem geheimnisvollen Päckchen/Beuschel aus dem Kloster Neukirchen beim hl. Blut auf sich hatte.

 Carl von Paur lud den Binder Schaffner zu sich und protokollierte dann dessen Aussage über dessen Arbeiten am alten Weichbottich.....
Als wir diesen Bottich von dem Stand hinweggeschoben hatten zeigte sich ein in Papier eingemachtes Beuschl was uns auffällig war und einer der Gesellen nahm es sogleich zu Händen angeblich nur um zu sehen ob kein Geld drin wäre.Wir untersuchten den Inhalt und es zeigt sich dass dieser bestand in einem beschriebenen Zettel und in zusammen

 wir erkannten diesen Zettel sogleich als einen sogenannten Lukaszettel und war mit Tinte folgendes darauf geschreiben
Gelobt und glückselig ist die Stunde wo Christus geboren ist
Glückselig die Stunde wo er gestorben ist
Glückselig die Stunde, wo er vom Tode auferstanden ist









 Kehrseits standen die Worte:
SATOR
AREPA
TENET
ROTAS




Sodann noch mehrere einzelne Buchstaben und die Namen der hl. drei Könige. Ich nahm dieses Beuschl zu mir und behielt es bis Sonntag nachmittags, so um drei Uhr herum, der nun abgetretene Bräumeister Simmet von mir abforderte und da ich es nicht gerne hergab, angeblich ich





 müsste solches dem kgl Landgericht übergeben mit einigem Ungestüm so dass ich solches zu letzt ausfolgen ließ.
Darum ist zuschließen dass der Bräumeister Simmet dieß Beuschel unter den Bottich legte oder lagern ließ in der Meinung dass solches beitragen könnte ihm beim Biersieden vor allenfalsigen Mißrathen zu bewahren. Auch habe ich gehört, dass er im Franziskanerkloster in Neukirchen war und über sich lesen lies. Er hat dieses wohl in der Absicht getan weil man nun seit Beginn des neuen Sudjahres mit dem von ihm gebrauten Bier nicht zufrieden war, welchem es in der gehörigen Läutern fehlte.
 Weiteres weiß ich zur Sache nicht anzugeben.

 Nun, geschadet hat das "Beuschl" aus dem Franziskanerkloster Neukirchen sicher nicht, aber wenn er nur darauf vertraut hat, ist es kein Wunder wenn es dem Bier an vielem fehlte.




Im 19. Jahrhunderten, so um die Zeit der obigen Beschwerde begann es langsam,  versuchten einige Marktlehner aus der sie einengenden Pflicht, ausschließlich in der Kommunbrauerei brauen zu lassen, auszubrechen, anfangs vergeblich, aber ab den Jahren nach 1870 erreichten dies dann doch einige Privatpersonen und so entstanden dann nacheinander ein paar wenige Kötztinger Privatbrauereien.
Während der Schmidtbräu sein Braurecht als einzige Brauerei seit Jahrhunderten inne hatte, sind zum Beispiel der Lindnerbräu, der Deckerbräu, der Röhrlbräu alles Kinder des späten 19. Jahrhunderts.
Als Folge dieser privaten Konkurrenz verkümmerte das Kommunbrauwesen immer mehr und am Ende, umbenannt in die Brauhaus Kötzting GmbH, waren es nur noch wenige Kötztinger Bürger, die Anteile an dieser Gesellschaft hatten.
Das Ende ist bekannt, und es ist nur noch der Platz des Gebäudes zu besichtigen.
Bilder vom Abbruch
Abbruch von innen, der Schornstein






















 zum Abschluss noch ein Stilleben mit einer Anerkennungsurkunde für den Braumeister Michael Hastreiter und einigen Artikeln von der Kommunbrauerei aka Gesellschaftsbrauerei Kötzting


Prost und Guten Appetit





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