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Sonntag, 31. Januar 2016

Kötzting aus der Luft gesehen

Wenn ich die Zugriffszahlen richtig interprätieren, so sind es vor allem die Bilderserien, die das meiste Interesse wecken.
Also dann eben zwischendrinn wieder mehr zum Anschauen.
Der Bestand, aus dem die folgenden Bilder stammen, ist der der ehemaligen Landkreisfilmbildstelle und damit weist alles auf den ehemaligen Hauptlehrer Josef Bock aus Kötzting als den Urheber hin.
Josef Bock war bereits in den 20 Jahren ein sehr guter Photograph mit offensichtlich hervorragender Ausrüstung  sowohl für Portrait- als auch für Landschafts- und Filmaufnahmen. So hat er zum Beispiel bereits in den dreissiger Jahren einen Film vom Pfingstritt gedreht - 1938 mit dem Pfingstbräutigam  Willi Fischer -  Teile dieses Films hat 10 Jahre später dann Siegfried Ehemann - sicherlich mit seiner Zustimmung, ja es ist zu vermuten, dass Siegfried Ehemann von Josef Bock und seinen Filmen angesteckt und angeleitet wurde -  in seinem Pfingstfilm von 1948 miteingeschnitten. Anhand der unterschiedlichen Tönung der einzelnen Filmpartien kann man heute noch auseinanderhalten, welche Filmsequenzen von Bock und welche von Ehemann stammen. Einige der Bilder Josef Bocks sind in den frühen "Bayerwald" Ausgaben bereits veröffentlicht. Ebenfalls kenne ich einige Studioportraitaufnahmen, die er gemacht hat, eines davon, aus unserem Verwandtschaft, hing z.B.  jahrzehntelang bei uns im Wohnzimmer.
Josef Bock, verschwägert mit dem  Lehrer Mielleitner, an den ich mich im "ersten Kurs" noch gut erinnere, wohnte mit seiner Familie zuerst beim Vogl Michael (später Vogl Max) in der Bahnhofstraße und später dann in der Landshuterstraße. - Vielen Dank an dieser Stelle an Herrn Arnold Löffler aus Bonn für den Hinweis und die Korrektur - Sein Werk, bzw. das was wir von ihm von den verschiedensten Quellen erhalten haben, sollte eigentlich einmal eine Veröffentlichung wert sein. Die Rechte an den Aufnahmen liegen beim Stadtarchiv in Bad Kötzting

Soweit zum Hintergrund der Bilder:



Das war in den sechzigern Kötztings Neubaugebiet, gelegen an einer ruhigen Landstraße






hier sieht man erst, wie sehr der alte Kindergarten die Ansicht und das Ensemble zerstört hatte, sehr schön auch am oberen Bildrand die alte Marktmühle und die "Oberbergerbrücke", die übrigens früher die "Färberbrücke" genannt wurde, weil jenseits, am heutigen Spitalplatz, die Kötztinger Weiß- und Schwarzfärber ihre Werkstätten und Mühlentriebwerke betrieben.




 Ein wenig verzwickt, weil man am Anfang meint sich nicht orientieren zu können...... aber irgendwann machts dann Klick (!)





sollte kein Problem sein, schaut ja heute noch so aus





Auch hier, vielleicht zuerst Verwirrung, dann aber hilft ein Detail am Rande der Orientierung auf die Sprünge




 hier habe ich nur einen unscharfen Auschnitt machen können, damits nicht zu leicht wird, sollte aber doch eher einfach sein


Vermutlich gehts im März dann weiter mit weiteren alten Aufnahmen, eigentlich waren diese Bilder als Februarbeitrag vorgesehen, aber dann habe ich doch die Zeit gefunden um die erste Kötztinger Kommunalwahl vom 27.1.1946 aufzuarbeiten. Der Wiedereinstieg in die Demokratie Bayerns, als in Kötzting - aus den verschiedensten Gründen - nur gut 500 Männder und gut 1000 Frauen wählen durften, klappte auf Anhieb denn das Leben mußte ja weitergehen

Luftaufnahmen übrigens siehe auch:
http://koetzting.blogspot.de/2015/09/luftaufnahmen.html
und
http://koetzting.blogspot.de/2014/10/und-weiter-mit-dem-flugzeugluftbildaufn.html
und
http://koetzting.blogspot.de/2014/03/kotzting-und-seine-umgebung-auf-alten.html

Viel Spaß bei den Bildern und dann bis zum März....

Dienstag, 26. Januar 2016

Das Leben geht weiter.....die Kommunalwahl vom Januar 1946

Vor 70 Jahren, am 27.Januar 1946, beginnt mit der bayernweiten Gemeindewahl die Demokratie in Deutschland:



Ein gutes halbes Jahr nach der Kapitulation des Deutschen Reiches und einer anschließenden vollständigen Kontrolle des täglichen Lebens durch die amerikanische Militärregierung werden von dieser zum 27. Januar 1946 die ersten Gemeindewahlen bayernweit angesetzt.
Diese erste demokratische Wahl in Deutschland  - nach 13 Jahren Diktatur - wird aber durch einige Regularien der Siegermächte eingeschränkt.
Zum ersten haben die Siegermächte im vergangenen halben Jahr versucht die Mitglieder der NSDAP in den politischen Gremien und in der Wirtschaft zu ermitteln und danach zu blockieren. Die Erfahrungen, die die Amerikaner damit gemacht haben und die Lehren daraus, gipfeln in dem 

Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus, welches dann im Frühjahr, nach erfolgter Gemeindewahl, in Kraft gesetzt wird und das die Strafverfolgung der Mitglieder der NSDAP und deren Untergruppierungen in die Hände der, von Deutschen besetzen, lokalen Spruchkammern legt.
Dieses Gesetz entstand natürlich nicht im luftleeren Raum sondern spiegelt viele Anstrengungen der Amerikaner wieder, die alten Strukturen aufzuspüren und zu zerstören und damit eben erst neue, demokratische, Anfänge möglich zu machen.
 
 

In den Unterlagen, die sich im Zusammenhang mit diesen ersten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl 1946 im Stadtarchiv wiederfinden, sieht man, dass vor Allem das Aufstellen der Wählerlisten sehr schwierig war.
Auch wenn die strafbewehrte Einteilung der früheren Mitglieder der Partei und deren Untergliederung erst den, noch zu gründenen, Spruchkammern vorbehalten war, so ist doch bereits festgelegt, dass diese Parteimitglieder zuerst einmal, bis zum Beweis des Gegenteils, als belastet zu gelten haben und daher weder das passive noch das aktive Wahlrecht erhielten.
Die zweite Schwierigkeit war, dass Kötzting, wie viele andere Orte an der Grenze, stark überfüllt war von Flüchtlingen, die, da sie erst zu kurz in Kötzting angekommen waren, ebenfalls nicht wählen durften und daher bei der Aufstellung und Überprüfung der Wählerlisten zu streichen waren.

Das das Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus noch nicht in Kraft war, galt für diese Wahl noch das Gesetz Nr. 8 der Militärregierung, welche damit schon vorab versuchte, die bekannten Mitglieder der Partei aus dem Wahlprozedere und der Wirtschaft herauszufiltern. 


Die Einwohnerzahl in Kötzting wurde für den Dezember 1945 mit 3398 Personen angegeben von denen 1560 stimmberechtigt waren. Diese 1560 teilten sich auf auf nur 551(!)  Männer und 1109 Frauen. Dieses Missverhältnis der Geschlechter erklärt sich sicherlich damit, dass viele Männer noch in Kriegsgefangenschaft waren und prozentual vermutlich mehr Männer als Frauen bei der NSDAP gewesen waren. Die Mitgliedschaften bei den anderen obligatorischen Unterorganisationen, wie die NS- Frauenschaft, der NSKK, der Kriegerbund, oder ähnliche Gliederungen für die Lehrer, Beamten und auch die Mitgliedschaft bei der SA bzw. SS konnten noch nicht so schnell und leicht zugeordnet werden. Diese genaueren Untersuchungen erfolgten dann ab dem Sommer alle durch die beginnende Arbeit der Spruchkammern. Alleine für den Bereich des Altlandkreises Kötzting existieren über 2000 Spruchkammerakten von den einzelnen Verfahren, diese liegen im Staatsarchiv Landshut.

Um im Vorfeld dieser Wahl überhaupt arbeitsfähig zu bleiben, da man ja damit rechnen musste, daß es zu Einsprüchen bei einzelnen Wahlberechtigten kommen könnte, wurde zuerst eine Standartwahlliste erstellt, die dann zum Wahltermin durch eine zusätzliche kleine Liste ergänzt wurde, welche dann eine aktuelle Ergänzung mit Namen Kötztinger Bürger enthielt, die der Wahlausschuss zurückweisen müsste, so sie denn überhaupt von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen sollten. Damit konnte die "große" Liste beibehalten werden und wurde nur durch einige wenige Personen ergänzt, die eben dann doch nicht wählen durften.
Aus politischen Gründen waren 129 Personen vom Wahlrecht ausgeschlossen, 754 Personen wiederum durften nicht wählen, weil sie erst zu kurz in Kötzting angekommen waren.
Wären diese Personen trotzdem zur Wahl erschienen, hätte der Wahlausschuss sie mit folgendem Formular abweisen müssen:






Es ist beeindruckend, dass, in dieser so schweren und wirtschaftlich bedrückten Zeit, die Kötztinger damals über 750 Menschen (=Erwachsene, die Kinder wurden beim Wahlrecht ja nicht mitgezählt) ihren Unterschlupf finden konnten. Sicherlich war es sehr schwer, aber die Kötztinger haben diese Integration geschafft und viele meine Altersgenossen in Kötzting haben Eltern und Angehörige, die damals bei uns gestrandet waren und sich hier eine neue Existenz errichten konnten
Setzt man bei einer Einwohnerzahl Kötztings - mit Kindern - von 3398 die Zahl der Flüchtlinge - ohne Kinder- von 750 in Relation, so mussten die Kötztinger weit mehr als 30% an Einwohnerzuwachs verkraften....... und das bei den Bedingungen von 1945/46. Meine Hochachtung vor der Leistung unserer Vorfahren.
Liest man gleichzeitig die Wochenberichte, die das Bezirkskommando der Landpolizei zuerst wöchentlich, dann monatlich abzugeben hatte, dann erscheint diese Leistung noch größer. Bis weit in den Herbst 1946 hinein hatte die Polizei in unserem Bereich mit bandenmäßigen Überfällen umherstreifender Personengruppen zu kämpfen und vor allem Nahrungsmitteldiebstähle waren an der Tagesordnung.





 Bei der ersten Kötztinger Gemeindewahl standen nur zwei Parteien zur Auswahl, die Christlich soziale Einigung, eine Gruppierung, die sich dann im Laufe des Jahres 1946 in die, allen bekannte, CSU auf Landesebene umbenennen sollte. Setzt man voraus, dass solch eine Parteigründung - und sei es auch nur auf Ortsebene - doch ein paar Tage in Anspruch nehmen dürfte, dann muß man die Anfänge der Kötztinger CSU wohl auf den Jahreswechsel 45/46 ansetzen, ein genaues Anfangsdatum ist - auch auf Nachfrage - den Kötztinger CSU Parteigrößen nicht bekannt - im Gegenteil, diese waren von einem viel späteren Datum ausgegangen.
die ersten Mitglieder des Marktgemeinderates Kötzting

 

Die SPD konnte ja auf ihre alte Tradition als Partei und seine Strukturen sofort zurückgreifen.


die Ergebnisliste der Kötztinger SPD





Anfang des Riesenformulars, den alle in Deutschland
Bei den später im Verlaufe des Jahres einsetzenden Spruchkammerverfahren wurden in allen Fällen auch immer die örtlichen Parteivorsitzenden  der SPD und der KPD gefragt, welche Erfahrungen sie mit den Angeklagten in der Zeit des Dritten Reiches gemacht hatten und ob deren Angaben in den von den Amerikanern entwickelten Formularen sich mit ihren eigenen Erinnerungen deckten.
 Die ausgefüllten Formulate wurden nach Berlin geschickt. Dort im "Berlin Document Center" hatten die Amerikaner sämtliche, beim Einmarsch eroberte, NSDAP Parteidokumente und Mitgliederverzeichnisse zusammengezogen und von mehreren TAUSEND ausgesuchten Deutschen auseinandernehmen und in einen riesengroßen, alphabetische sortierten Personenindex einordnen lassen.
Auch wenn dadurch wertvolle Zusammenhänge der NSDAP Archivlandschaft für die Forschung für immer verloren gegangen sind, weil die Akten ja vollkommen zerzupft worden waren, so war die Berliner Behörde dadurch doch sehr schnell in der Lage, die ausgefüllten Formulare auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dieser Fragebogen erhielt den juristischen Wert eines Eides und jede ermittelte Falschangabe wurde zuerst einmal direkt als Meineid behandelt und war grundsätzlich auch entsprechend strafbewehrt.
ein Teilauszug aus der Liste der Vereinigungen und Parteiuntergliederungen, deren Mitgliedschaft angegeben
werden mußte

 
Gleich nach dem Einmarsch der Amerikaner waren die jeweiligen Ortsbürgermeister und der Landrat abgesetzt und durch, nachgewiesenermaßen oder nur behauptet, unbelastete Personen ersetzt worden.
Siehe der Blogeintrag: Überraschungsfund im Bauschutt des Amtsgerichtes
Der frühere Bürgermeister Kroher wurde entlassen und der Altbürgermeister Hans Schödlbauer von der bayerischen Volkspartei, der im Juni 1933 verhaftet und anschließend zum Rücktritt gezwungen worden war, wurde von den Amerikanern gleich wieder ins Amt eingesetzt und stand nun nach 13 Jahren erneut zur Wahl.
Bei der Bürgermeisterwahl stimmte die große Mehrheit für ihren früheren Bürgermeister Hans Schödlbauer, den Urgroßvater des heutigen Besitzers des Schuhhauses Schödlbauer.
Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 27.1.1946
"ohne besondere Vorkomnisse" meldete der Wahlausschuss im Markt Kötzting sein Ergenis
an das Landratsamt in Kötzting
Auch die neuen Gemeinderatsmitglieder mussten sich auf ihre unterschiedlichen Mitgliedschaften abklopfen lassen und daraufhin persönliche Erklärungen abgeben, die mir zum Beispiel von meinem eigenen Großvater auch vorliegen.



Am Ende noch ein Ausblick auf das weitere politische Geschehen im Jahre 1946
Als nächstes stand im April die Landkreiswahl auf dem Programm, hier waren es dann schon vier Parteien, die versuchten ihre Mitglieder in den Kreistag zu schicken, bei uns im Archiv hat sich nur dieses eine Wahlplakat erhalten, im Archiv des Landkreises Kötzting müßte sicherlich noch mehr zu finden sein. Zwei Jahre später waren dann die meisten Spruchkammerverfahren entweder abgeschlossen bzw. erreichten es die meisten der Angeklagten in einer Berufungverhandlung in die Gruppe der Mitläufer herabgestuft zu werden oder aber es waren die Fristen des Wahlausschlusses abgelaufen und so verliefen die kommenden Wahlen so wie wir es heutzutage gewohnt sind.
auch die Flüchtlingespartei, später Wirtschaftpartei, ist nun mit im Rennen




Samstag, 23. Januar 2016

Suchhilfe ist gefragt

Suchilfe: Bild 1/013  

Es geht los mit dem ersten Bild:




Wir haben einen Bestand an tollen Landschaftsbildern, die aber nur halb so viel wert sind, wenn man nicht weiß wo sie aufgenommen worden sind. Wir haben eine Vorstellung wann die Bilder entstanden sind aber keine Ahnung, wo der kleine Bauernhof stehen könnte, der Berg im Hintergrund sieht wie der Hohenbogen aus, vlt hilft auch hier wieder die in der Gruppe versammelte  "Schwarmintelligenz" ;-))

das nächstfolgende Bild aus dem Negativ, dies könnte ein räumlicher Hinweis sein, ist folgendes: 1/018