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Sonntag, 12. April 2015

Das Ende des Zweiten Weltkrieges: das Gefecht bei Grub



Britt Taylor Collins: Das "Gefecht bei Grub" 2005 aus Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham im Original ca 150 cm lang



Nachdem sich in den letzten Tagen im Internet, speziell auf FB auf der Kötztinger Seite, einige Diskussionen zum Thema Ende des Krieges, Kapitulation der 11. Panzerdivision und die Rettung der Lipizzaner ereignet haben und sich dabei manches vermischt hat, versuche ich aus dem mir zur Verfügung stehenden Material und einigen wenigen Augenzeugenberichten die letzten Tage des dritten Reiches und den beginnenden Neuanfang in Kötzting, also April und Mai 1945 zu strukturieren und so gut es geht zu dokumentieren.

Vielleicht nicht gerade chronologisch, aber immer abhängig davon was ich wo (Kötzting - Sinzing)  an Material und Zeit  zur Verfügung habe, nutze ich halt die nächsten Wochen um nach Möglichkeit einige Themenschwerpunkte herauszuarbeiten, was nicht heuer passiert, dann eben im nächsten Jahr, es wird ja wieder April/Mai....

Themenschwerpunkte könnten sein: die Reservelazarette in Kötztings ( letzte Woche)  Schulen und in der Umgebung ab Januar 1945, das Gefecht bei Grub( diesmal), die Rettung der Lipizzaner, die Kapitulation der 11. deutschen Panzerdivision, die Militärregierung und erste zivile deutsche Strukturen, der schwere Neubeginn, der Volkssturm in Kötzting, die Kriegsschäden in unserer Gegend, u.s.w.




Zu meinem letzten Blog erreichten mich erneut ein paar persönliche Erinnerungen:  hier von Bepp Fischer
Dein letzter Blog weckt Erinnerungen: 
Bei der Belegung des Raumes im neuen Schulhaus handelte es sich um ein Büro der Polizei-SS-Einheit von Soldaten meist aus dem Balkan. Diese waren über ein großes Gebiet zur Auffrischung verstreut. Als der Schülerzug nach und von Cham, wegen der Tiefflieger nicht mehr bei Tag fuhr, versuchten wir zur Heimfahrt immer einen "Panwagen" dieser Einheit zu erwischen. Sie fuhren nach Cham und holten von einer zentralen Versorgungsstelle ihren Proviant.

Ich kann mich auch noch erinnern, als das alte Schulhaus mit schlesischen Flüchtlingen belegt wurde. Wir schleppten damals Strohsäcke.


Es geht los mit dem  Gefecht bei Grub
diesen Beitrag haben meine Mutter und ich zusammen mit dem amerikanischen Schlachtenmaler Britt Taylor Collins für die "Gelben Bände" des Jahres 2005, eben auch ein rundes Jubiläum, erarbeitet.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass solche Beiträge eher text-  als bildlastig sind. ;-((






Das Gefecht bei Grub 

Die letzten Tage des zweiten Weltkriegs bei Kötzting

Es ist Ende April 1945, General Pattons 3. US- Armee rollt mit 5 Divisionen die Oberpfalz von Norden her auf. Pattons dritte US Armee gliederte sich auf in 5 Divisionen. Eine dieser 5 Divisionen, die 90. Infanteriedivision[1] stand am 22.04. noch in Weiden und Amberg; am nächsten Tag bereits, am 23.04.wird  Cham eingenommen.[2]


Die Einteilung der 3. US Armee:



11th Armored Div
   Thunderbolts.

90. Inf.Div.
 Tough Hombres






                                                                                 


357. Inf. Regiment
        +
358. Inf. Regiment
        +
359 Inf. Regiment
        +
343. Art. Bataillon
344. Art. Bataillon
915. Art. Bataillon

















Kötzting
Waldmünchen
Furth





Während die 90. Inf. Div. im Bereich der südlichen Oberpfalz verbleibt, stürmt eine zweite von Pattons 5 Divisionen, die 11. Armored Division entlang der Ostmarkstrasse nach Süden vor und erobert am 24.April Viechtach, anschließend Regen, Wegscheid und Freihung-Grafenau. Bereits am 26. April wird die österreichische Grenze überschritten und der Weg auf Linz zu genommen. Damit sind die Deutschen Truppen im Osten Bayerns abgeschnitten und werden immer weiter nach Osten abgedrängt.
Die 90. Infanteriedivision selbst bestand aus drei Infanterieregimentern, dem 357. dem 358. und dem 359. Infanterieregiment. Jedem dieser Infanterieregimente war nun ein Artilleriebataillon fest angeschlossen. Solch eine Verbindung aus Infanterieregiment und Artilleriebataillon wurde Kampfgruppe (=Combat Team) genannt.
In diesem Fall war das 357th Infanterieregiment[3] mit dem 343th Artilleriebataillon zur sogenannten 357th Regimentkampfgruppe verbunden worden. Das Artilleriebataillon selbst war mit 18 Stück von 105mm Howitzer Haubitzen bewaffnet.
Diese drei Kampfgruppen der 90. Inf. Div. erhielten nun einzeln oder für alle drei zusammen Unterstützung vom 345. Artilleriebataillon. Anders als die Artillerie in den Kampfgruppen war dieses Bataillon mit den wesentlich stärkeren 155mm Howitzer Haubitzen ausgerüstet.
Die drei Infanterieregimenter fächerten beim Eindringen in den Süden der Oberpfalz auf und gingen einzeln gegen die Städte vor.
Fast zeitgleich rückten die drei Kampfgruppen in drei Städte ein. Am 26. April eroberte das 358. Infanterieregiment Waldmünchen, das 359. Inf. Reg rückt am selben Tag gegen Furth vor und - ebenfalls am 26.04.- wird Kötzting gegen 16.00 kampflos von Teilen des 3. Bataillons des 357. Infanterieregiments eingenommen.

Hier nun eine Einschub aus dem Jahre 2015: Augenzeugen haben mir berichtet, dass die US Amerikaner zu Fuß in einer Doppelreihe die Marktstraße - damals noch Hindenburgstraße genannt - heruntermarschierten. alle Mann die Gewehre im Anschlag, die linke Reihe der Soldaten hatte die rechte Häuserzeile im Blick und die rechte Reihe eben die andere. Die Einheit bog dann in die Herrenstraße ab - damals noch Adolf Hitler Straße genannt - wo sie vom damaligen Bürgermeister Kroher und vom Landrat Dr. Fiesenig erwartet wurden. Die Stadt wurde übergeben und das wars dann. Der Kötztinger Volkssturm - man verzeihe mir,  durchwegs "alte" Männer, wurde zwar vorher noch an Panzerfäusten trainiert, aber als es dann soweit war, verliefen sich die Männer und gingen nach Hause. Panzersperren wurden in Kötzting nicht errichtet. Es hat offensichtlich eine Absprache zwischen den zivilen Stellen in Kötzting und dem Wehrmeldeamt (heutzutage Marktstraße 30) wegen der kampflosen Übergabe gegeben.  

Apropos Wehrmeldeamt, im Jahre 1939, noch vor dem Einmarsch ins Sudetenland wurden auch auf dem flachen Land Wehrmeldeämter eingerichtet und so kam die Anfrage an meinen Großvater, der kurz zuvor das Nachbaranwesen des Sattlers Rebstöck am Marktplatz gekauft hatte ( nun Marktstraße 30), dieses Haus für die Ansprüche eines Wehrmeldeamtes  ( mit Dusch- und Waschräumen) umzubauen und zu vermieten.
Dies geschah und es kam dann auch noch zum Wunsch im, eigentlich zum Hause Markstraße 28 
 gehörenden, großen und vor allem langen Hofe eine Kleinkaliberschießanlage errichten zu dürfen.

links auf dem Plan wäre die Rückwand des Gasthauses OSL

 
Plan des Kugelfangs



Interessant in dem Zusammenhang ist der Bericht meines Vaters über die Besetzung des Wehrmeldeamtes durch die Amerikaner und das weitere Verhältnis der Besatzer und unserer Familie.
Beim Einmarsch der Amerikaner - also Ende April 1945 - obwohl es ein sehr kaltes und feuchtes Frühjahr gewesen war, hatte meine Großmutter bereits die hölzernen, großen und langen Blumenkästen auf der Hofseite auf den Fensterbretter bereitgestellt. Als die Amerikaner das WMA besetzten und damit eine erkleckliche Anzahl deutscher Gewehre erbeutet hatten, leerten sie einfach die Blumenkästen, füllten diese mit den Gewehren, nagelten sie zu und nahmen diese als Kriegssouveniers mit.

Wie oben bei der Baubeschreibung bereits angedeutet, haben die beiden Häuser Zugang zu einem gemeinsamen Hof und dieser wiederum kann nur durch ein dicht schließendes Tor von der Metzstraße - so wie heutzutage auch noch - befahren und eingesehen werden. Jedesmal wenn die amerikanischen Soldaten hinten in den ruhigen Bereich des Hofes traten blickten sie mitten hinein in unsere Backstube und, so wie es eben in Bäckereien der Fall ist, hatten den ganzen Vormittag den Duft von Frischgebackenem in der Nase.
"No fraternisation" ist die eine Sache  "Liebe geht durch den Magen" eine andere und meine Oma hatte ein sehr einnehmendes Wesen und ihre Aufforderung zum Kaffetrinken und Frühstücken folgten die amerikanischen Soldaten anscheinend sehr gerne und mit voller Montur und auch bewaffnet, man weiß ja nie, was so eine bayerische, wohlgenährte Bäckermeisterin so im Schilde führen kann. 
Auch Jahre später weiß ich, - meine Eltern hatten weiterhin einen sehr guten Kontakt zu den Soldaten des CIC, zuerst in Kötzting, dann in Cham -  dass sehr häufig Soldaten in Uniform bei uns zu Gast waren und ich lernte tatsächlich erst viel später als Jugendlicher, dass es auch andere Flaschengrößen als Gallonen für "harte Getränke" gab.
Noch heute sind wir in der Familie im Besitz von vielen, vielen Schallplatten, erworben von PX der US Soldaten, aus den  50er Jahren. Der frühe Presley, Boone, Platters und so weiter waren im Hintergrund die Partymusik meiner Eltern und damit meine Einschlafmusik in den 50ern......die Platten gibt es heute noch.

Dieser gemeinsame Hof hatte aber im Moment der Übernahme durch die US Soldaten auch einen Nachteil, neugierig schaute mein Vater hinten aus dem Haus Nummer 28 in den Hof hinaus als die US Soldaten gerade dasselbe aus dem Haus Nummer 30 machten und den deutschen jungen Mann, trotz kurzer Lederhosen sofort verhafteten und mit den anderen Gefangenen aus dem WMA mitverluden. Erst ein Offizier pickte sich dann den jungen Mann, mit seinen kurzen Lederhosen, wieder aus dem Block der Männer heraus und bedeutete ihm zu verschwinden....


Aber nun weiter mit dem Gefecht bei Grub....







So also war die Situation am Abend des 26.Aprils 1945 auf amerikanischer Seite.
Der Gegner, den die amerikanischen Kampfgruppen bei ihrem Vorrücken in erster Linie bekämpften, war ein Teil der 11. Panzerdivision. Deren Einheiten standen seit dem 25. April in ihren neuen Stellungen in einem weiten, leicht gebogenen Frontverlauf um Domaclize (Taus) herum von Waldmünchen bis Rittsteig.[4]
Unter der Führung des neuen Divisionskommandeurs Freiherr von Butlar sollten diese deutschen Kampfgruppen den Raum um Taus sichern um der Hauptmasse der Division, die wegen Treibstoffmangels noch im Bereich Sangersberg verblieb, die Flanke beim Einmarsch nach Taus freizuhalten.[5]

Einen Tag später, am 27. April wird das 358. Inf. Regiment, das bei Waldmünchen blieb, von Teilen des 359. Inf. Regiments unterstützt. Das Hauptkontingent des 359. Inf. Regiments rückte vor bis Arnschwang und schwenkte zusammen mit den bei Furth gelegenen Kräften in Richtung der Tschechischen Grenze ein, um den deutschen Gegner zurückzudrücken.
Das 357. Infanterieregiment nun eroberte die nähere Umgebung Kötztings.
Das erste Bataillon stieß tief bis in das Zellertal hinein und stand am 27.April auf einer Linie von Steinbühl bis Mooshof
Das zweite Bataillon stand am selben Tag, von Weiding und Arnschwang kommend, mit jeweils einer Kompanie in Liebenstein, Tretting und Rimbach
Das dritte Bataillon verblieb an diesem Tag mit jeweils einer Kompanie in Kötzting und Blaibach.
Das dem 357. Infanterieregiment im Rahmen der Kampfgruppe zugeordnete 343. Artilleriebataillon stand am 27. April 1945 in Wettzell[6]. In dieser Weise sind die amerikanischen Kampfgruppen am 27. April in der näheren Umgebung Kötztings aufgestellt, an dem der Bericht Britt Taylor-Collins einsetzt.

Dr. J. Edward Johnston, Jr. von Maryland diente während des Krieges bei der 345. Field Artillery[7] als der Mann in der Feuerleitstelle. Johnston überlebte den Kampf von Utah Beach in Frankreich bis zur letzten Kampfhandlung der 90. Inf. Div. in Kötzting. Da er nur eine ungenaue Erinnerung an diesen einzelnen Vorgang in der Geschichte der 345.FA hatte, beauftragte er den Militärmaler Britt Taylor Collins diesen Ablauf auch schriftlich zu dokumentieren. In Zusammenarbeit mit Forschern im ganzen Land (USA) erhielt Britt Kopien von Feldtagebüchereintragungen, die während des Krieges geschrieben worden waren. Besonders Tyler Alberts, der die Geschichte der 90. Division erforschte war ganz besonders wertvoll um Spuren der 345. FA im Kampf zu finden. Mr. Britt Tayler Collins reiste 2 mal mit Metalldetektoren nach Deutschland und erhob Nachforschungen in Grub um das wirkliche Schlachtfeld zu finden. Die Arbeit war nur möglich durch die Vorbereitung, Unterstützung und die Übersetzung von der im Stadtarchiv Kötzting arbeitenden Frau Inge Pongratz.
Leon Crenshaw, der in Pennsylvania wohnt, lieferte unschätzbare Details über seine Erlebnisse mit der „C“ Batterie. Das Adler Planetarium lieferte eine genaue schematische Zeichnung die die Mondphase und den Sternenhimmel in der Nacht vom 27. April 1945 um Mitternacht darstellte.
Die Nachforschungen bestätigten das Ereignis. Britt Taylor Collins erarbeitete im Auftrag von Mr. Johnston ein großes Ölgemälde in den Maßen von 96“ mal 30“ um an dieses Gefecht zu erinnern. Das Original befindet sich seit August 2004 in der Dauerkunstausstellung von Snow Hall, Oklahoma und wurde später in das im Field Artillery Museum Ft. Sill Oklahoma umgehängt. Die manuelle Arbeit an dem Gemälde dauerte insgesamt 9 Monate. Einen Monat nach der Überreichung wurde ein großer Ausdruck dieses Bildes an das  90. Regionale Bereitschaftskommando (Regional Readiness Command) mit seinem Hauptquartier in Little Rock, Arkansas gegeben.[8]


Endlich war der Frühling in den Bayerischen Wald in Bayern eingezogen und mit ihm die 3 Regimenter der 90. Infanterie Division. In südöstlicher Richtung zogen wir ungefähr parallel zur tschechischen Grenze. Wir, die „Tough Ombres“[9] sind tiefer nach Deutschland eingedrungen als jede andere amerikanische Division. Der organisierte deutsche Widerstand war beinahe zusammengebrochen, es verblieben nur verstreute aber entschlossene Widerstandsnester. Während die amerikanischen Truppen die letzte Ecke von Deutschland einnahmen, drangen die russischen Truppen rasch von Osten näher. Den Verteidigern des 3. Reiches fehlten in zunehmendem Maße die Möglichkeiten sich zu verteidigen.
Captain Leon Crenshaw ließ sich die Aprilsonne warm ins Gesicht scheinen als er mit seiner Einheit durch die bayerische Landschaft auf den Weg zu einer neuen Stellung für seine Batterie fuhr. Crenshaw war der Kommandant der „C“ Batterie, die aus 4 „Howitzer“(Haubitzen) und 4 Einheiten zu je elf Mann bestand. Dazu gehörten ausgesuchte Fahrzeuge um die Einheit zu transportieren. Zusammen mit 2 Schwester-Batterien, bildeten sie die Hauptunterstützung für die 3 Kampftruppen des 90. Infanterieregiments.[10] Die zwölf 155 mm Haubitzen der 345.FA konnten in Stellung gebracht und sowohl das Geschützfeuer der einzelnen Kampfeinheiten wie auch der ganzen der Division verstärken. Befehle die am Tag vorher übermittelt wurden bestimmten die 345.FA zur speziellen Unterstützung von Operationen des 357. Infanterieregiments, das tief in den Südosten Deutschlands eingedrungen war.

Ausgehend von einer Stellung in Runding, erreichten früh am morgen, am Freitag den 27. April 1945 die 3 Batterien der 345. F.A. Gehstorf nahe bei Kötzting.

Um 11.30 Uhr wurde die „A“ Batterie nach Niederndorf geschickt um das 1. Bataillon der 357., das in dieser Gegend operiert, zu unterstützen..
Noch aus ihrer Stellung in Gehstorf heraus, feuerten die „B“ und „C“ Batterie auf feindliche Einheiten in Kötzting, Arndorf und Beckendorf. Um 15.40 Uhr nun bekamen die B u C Batterie den Befehl zusammen mit dem Hauptquartier Gehstorf zu verlassen. Die „A“ Batterie, die von Niederndorf wieder abberufen worden war, sollte Rückendeckung geben und sich auf halben Wege mit den Schwestereinheiten in der kleinen Ortschaft Grub treffen.[11]
Auf dem Weg zur zweiten Stellung dieses Tages rasselte die Spitze der „C“ Batterie durch die Pfingstreiterstraße zur verschlafenen Ortschaft Grub. Als die Straße eben wurde und nach Osten drehte, gelangten die Raupenfahrzeuge mit der Geschützbesatzung auf der Ladefläche und den Kanonen im Schlepptau nach links in die rauhreifbedeckte Weite des Arndorfer Felds. Weit und eben nördlich der Straße gelegen, geben diese höher gelegenen Felder einen ungehinderten Blick in die Landschaft.. Crenshaws Kompassnadel zeigte nach vorne auf die abgerundeten Linien des Hohen Bogens. Hinter diesem „Erdwall“ lag sein Ziel. Deutsche Truppen lagen entlang der tschechischen Grenze gegenüber der Stadt Furth. In Nordosten, in der Ferne, sah man Weiler vor Kötzting. Die einsame Spitze seiner Kirche zeigte in Richtung Hoffnung

Ungefähr 200 Meter von der Pfingstreiterstraße entfernt senkten sich die Arndorfer Felder sanft in ein Tal ab. Dieses tiefer liegende Gebiet, die Weiherwiese genannt, stieß im Norden an die Arndorfer Grenze, und wand sich zuerst östlich und bildeten dann immergrüne Hänge, die an einen berühmten Berg auf der Landkarte von Georgia erinnerte, den Berg Kennesaw berühmt aus dem Befreiungskriegen. Captain Crenshaw sah auf der Karte die Bezeichnung Kaitersberg, dessen dunkle Umrisse sich abzeichneten..
In 800 Meter Entfernung ragte er über die umgebenden Hügel und bestimmte den östlichen Horizont. Zwischen seinen Bäumen gut verborgen wurden deutsche Einheiten als mögliche Gefahr vermutet. Im Angesicht des unsichtbaren Feindes befahl Cpt. Crenshaw was notwendig war.
Ohne besondere Anweisungen, sondern nur aus ihrer Erfahrung heraus gingen die 4 Kanonenabteilungen an die Aufgabe gegen den Hügel hin eine kleine Geschützreihe aufzubauen. Ungefähr 75 m voneinander entfernt wurden die Haubitzen in zick-zack Formation aufgestellt um ein auseinadergezogenes Ziel für mögliche Gegenangriffe zu bieten. Die Geschütze wurden abgeladen und auf den Hebevorrichtungen befestigt. Treibstoff Behälter, Projektile und Sicherungskisten wurden bereitgestellt. Um die Geschütze herum wurden außerdem Tragen mit der Ladung, Rammschäfte und anderes Zubehör gelagert. Verblichene grüne Zelte wurden zwischen den Kanonen und der Straße aufgestellt. Vorgezogene Außenposten, ausgerüstet mit Maschinengewehren vom Kaliber 50, wurden an den beiden vorderen Ecken zur Sicherung der Geschützstellung eingegraben.
Diese „Redlegs“ waren an die Härten des Krieges gewöhnt. Gründlich geschliffen durch die Ausbildung von Fort Sill in Oklahoma und Fort Bragg in Nord Karolina, landeten diese Soldaten am Utah Beach mit dieser eindrucksvollen Waffe. Elf zermürbende Monate hatte Crenshaw’s Einheit diese Kanonen geschoben, gezogen. Sie zerrten diese 1600 Pfund schweren Monster quer über die europäischen Schlachtfelder. Normandie, Beau Coudray, Hill 122, Mont Castre, Metz, Bastonge und Flossenbürg sind nur ein paar Namen des vorausgegangenen Jahres. Nichts, aber auch nichts in ihrer Ausbildung hat sie darauf vorbereitet
zu verstehen, dass für sie die Namen der Orte in Europa die selben Gefühle hervorrufen und das selbe Gewicht haben würden wie die Namen Gettisburg, Antienan oder Shiloh aus der amerikanischen Geschichte.

Langsam kam die Nacht in diese leidende bayerische Region. Cpt. Crenshaw beäugte argwöhnisch die dunkle Wand die im Osten aus der Landschaft ragte. Der Kaitersberg glich einem schlafenden Ungetüm das langsam am Horizont kroch und das Vollmondlicht am wolkenlosem Himmel machte es noch unheimlicher. Gerade als der Schlaf die Artilleristen der C(harly) Batterie zu übermannen drohte hämmerte schweres Maschinengewehrfeuer in Wellen über das Feld. Aus den Zelten stürzten die Soldaten wie Hornissen aus einem zerstörten Nest, die Kanoniere bemannten ihre 155iger und spähten in die mondbeschienenen Schatten. Der vorgeschobene Außenposten hatte Bewegungen und Geräusche entlang der Gehölzreihen der hingeduckten Abhänge beobachtet. Tödliche Stöße von Leuchtspurmunition fuhren aus der amerikanischen Stellung. Vorfeldbeleuchtung wurde in den Himmel geschickt und erhellten mit kaltem Licht die Szene. Feindliche Gewehrfeuerstöße streuten in unsere Batterie und Fontänen von Erde spritzten zwischen den Kanonen auf.

Die Haubitzen sind konstruiert um Geschosse auf entfernte Ziele im hohen Bogen zu schleudern und zeigten zu diesem Zweck – dem indirekten Beschuss - mit den Geschützrohren in die Luft. Die Entfernung wird von einer komplizierten Formel hergeleitet in der Dutzende oder mehr mathematische Berechnungen eingreifen. Das bezieht die Windrichtung, Lufttemperatur, Einstellung, Neigung des Projektils, Erdumdrehung mit ein.
Nur bei wenigen Gelegenheiten in der Geschichte des 2. Weltkrieges wurde entschieden, die großen Geschützrohre der 155mm Haubitzen zu senken und direkt auf die Angreifer zu feuern.

Da die Infanterieunterstützung meilenweit entfernt war, sahen sich die 44 Kanoniere der „C“ Batterie gezwungen sich allein gegen eine unbekannte Anzahl feindlicher Truppen zu verteidigen.
Früher an diesem Tage waren die 4 Kanonen nach Norden gegen die feindlichen Truppen ausgerichtet worden, die in und um Vserby in der Tschechoslowakei lagen. Nun mussten schnell die Geschütze herumgerissen und abgesenkt, in Richtung der Angreifer nach Osten ausgerichtet und wieder in den Halterungen befestigt werden.
Die Verschlussblöcke wurden aufgerissen, die Sektionschefs richteten ihre Visiere auf das Mündungsfeuer das von der Baumlinie kam. Innerhalb von Sekunden wurden die 95 Pfund schweren Projektile eingelegt, volle weiße Pulversäcke nachgeschoben und verschlossen. Bestückt mit Zündern, die der Explosion in 800 Meter Entfernung entsprachen, wurden die riesigen Geschosse heulend an den Waldrand geschickt. Diese Explosionen waren mächtig genug, um sogar Ziegelhäuser zum Einsturz zu bringen. Glühend heiße Splitter durchschnitten die Luft. In ihrer vorgerückten Stellung konnten die deutschen Truppen trotz der Dunkelheit, sich vor dem Hagel aus den 50iger Maschinengewehren nicht in Deckung bringen, Kugeln, die sogar die Stämme von dicken Bäumen durchschlagen konnten..

Bei diesem Punkt, nach 60 Jahren rückblickend, gesteht Leon Crenshaw zu dass die Erinnerung an dieses Ereignis inzwischen schon sehr vage ist. Er war mit seiner Batterie in buchstäblich Hunderte von Gefechten verwickelt. Die Details dieses Gefechts könnten sich mit denen anderer Kämpfe vermischen.
Britt Taylor Collins malte das Bild des kurzen Gefechtes bei Grub, die genaue Lage ist jedem Pfingstreiter gut bekannt.  Nach dem ersten Evangelium führt der Pfingstritt eine Hohlgasse hinunter um dann in die Baumallee, die Anhöhe nach Grub hinauf einzuleiten, genau an dieser Stelle, öffnet sich nach links dem Kaitersberg zu, eine Wiesenlandschaft mit dem Waldrand im weiten Hintergrund.

Nach dem Kriegstagebuch dauerte das Gefecht vom Freitag den 27. April 24.00 Uhr bis zum Samstagmorgen den 28. April 01.30 Uhr. Offiziell wurde dieses Ereignis nur in einer knappen Notiz am Ende des Tagesberichtes erwähnt.
Der Eintrag von der 90. Infanterie Division nach der Aktion lautete:
„ Kurz vor Mitternacht wurde das 345. FA Bn (Feld Artillerie Bataillon) nahe Grub (U734755) in ein Feuergefecht mit geschätzten 200 Deutschen verwickelt, die versuchten bei uns einzudringen. Die Artillerie riss die Zünder heraus und richtete ihre Kanonen in direkte Feuerstellung zum Wald wo der Feind lauerte. Mehrere davon wurden getötet und das bewirkte dass sich 150 Angreifer ergaben.“[12]

Der Report der 345. FA lautete:“ von 271200[13] bis 281200 wurden 12 Runden gefeuert. Diese Runden wurden alle von der „C“ Batterie abgegeben, durch Plan schießen und Beobachtungsfeuer zwischen 600 und 800 yards Entfernung. Gegen feindliche Truppen die einzudringen versuchten.
 Von 272400 bis 280150 Die Batterie “C“ machte 198 Kriegsgefangene bei dem Gefecht.“ (271200 bis 281200 der Eintrag bezieht sich auf 24 Stunden).

Ein Buch der 345. Field Artillerie, das gleich nach Kriegsende veröffentlicht wurde, bestätigt die Anzahl der Gefangenen mit 198. Außerdem wird von einem SS-Offizier berichtet der gefallen ist

Andere schriftliche Aufzeichnungen weichen etwas voneinander ab. Colonel Reimer, kommandierender Offizier der 343. FA, war zur gleichen Zeit in Wettzell stationiert. Sein Tagebuch vom 28. April meldet dass 55 SS Angehörige jene Nacht angriffen, 8 ergaben sich. Reimer berichtet dass ein deutscher Hauptmann getötet wurde und 75 Feinde ergaben sich später am morgen.[14]

Ein Interview mit Colonel Frank Norris, dem Kommandeur der 345. FA gibt einen interessanten Beitrag mündlicher Aussagen in John Colby’s Buch über die Geschichte der 90. Inf Div. „War from ground up“.[15]

“Als der deutsche Widerstand zerfiel März/April/Mai hatten die meisten von Hitlers “Supermen” ihren fanatischen Widerstand aufgegeben. Jedoch verblieben immer noch eine Anzahl überzeugter Nazis die sich weigerten sich zu ergeben und setzten den hoffnungslosen Kampf fort. Diese Männer, die meistens Reste der einst kampferprobten SS-Einheiten waren, formierten sich zu kleinen Gruppen von ungefähr 12 Mann (squad) oder etwas größeren Einheiten. und führten meistens nachts kleine Angriffe gegen US Einheiten durch.“

„Bis zu dieser Zeit, so unsere Geschichte der Artillerie Division, hatten wir den Wert der starken örtlichen Sicherheit mit den Maschinengewehren Kaliber 50 und solide taktische Planung als unsere wichtigste Waffe zur Verstärkung der Außenposten erkannt..
Ende April wurde unsere „C“ Batterie durch eine Anzahl von Nazi-Fanatikern angegriffen. Diese wurden ohne Schwierigkeiten zurückgeschlagen. Eine Anzahl von ihnen wurde dabei getötet oder verwundet. Auch einige unserer Männer der „C“ Batterie wurden verwundet, aber nicht ernstlich. Nach Beendigung des Angriffs ging ich zur Sanitätsstation um nach meinen Männern zu sehen. Glücklicherweise ging es ihnen gut.
„Der am schwersten verwundete Deutsche, ein junger SS Feldwebel (sergeant), der aussah wie einer von Hitlers Superhelden und den Angriff angeführt hatte, erlitt einen schweren Bauchschuss. Die Wunde blutete heftig. Aber mit Blutplasma und ärztlicher Behandlung von unseren amerikanischen Feldarzt gab es keinen Grund warum er nicht überleben sollte. Mein Bataillonsarzt Mitchel Weisbuch ein Fachmann, jüdischer Arzt aus Chicago, übernahm die Behandlung dieses Nazis. Dieser sprach gut englisch, verlangte zu wissen was Mitch unternehmen wollte. Mitch erwiderte, er würde ihm Plasma geben um das verlorene Blut zu ersetzen und das ihm überleben helfen würde. Der SS-Mann fragte bestimmt: Ist jüdisches Blut in dem Plasma? Mitch erwiderte, Ich weiß es nicht wie viel verschiedenes Blut im Plasma ist, es kommt von überall aus Amerika. Der „Kraut“ sagte kriegerisch: gut, wenn sie mir nicht sagen können dass da kein jüdisches Blut enthalten ist, will ich überhaupt keines haben. Mitch versuchte ruhig zu erklären wie kritisch es wäre kein Plasma zu verwenden. Ich hörte dem Gespräch zu und hatte genug gehört. Ich wendete mich dem SS-Typen zu und sagte ruhig, mir ist es wirklich egal ob er lebe oder nicht, aber wenn er das Plasma nicht nähme würde er wahrscheinlich sterben. Er sah mich ruhig an und sagte, ich würde lieber sterben als jüdisches Blut in mir zu haben und so starb er.

Obwohl Gefangenzahlen und Vorfälle sich etwas unterscheiden, sind sich aber alle offiziellen Berichte sicher über die Einheit und das Datum. Es besteht auch Einigkeit über das Gefecht der 155. Haubitzen. Außerdem steht im Bericht der 345. FA dass Sgt. Charles A Trimbo mit dem “purple heart” ausgezeichnet wurde. Er erhielt es, weil er in Deutschland am 27. April 1945 verwundet wurde. Außerdem wurden noch weitere Soldaten ausgezeichnet. Der Bronze Star wurde an Sgt A Trimbo, Corporal Walter J Brent, PFC Joseph J Kowalski, PFC Ferdinand F Civetti, PFC Lewis O Tomilson für ausgezeichnete heldenhafte Leistung am 27. und 28. April in der Nähe von Grub verliehen.[16]

Der Regen begann irgendwann am Samstag morgen den 28. April zu fallen. Um 10.30 Uhr wurden die Gefangenen an die Division zur Weiterleitung überstellt.
Die übermüdete Mannschaft der „C“ Batterie packte ein und brach das Lager ab. Die 155. Haubitzen der 345. wurden nach Furth verlegt um den Kampf der 90. Inf. Div. zu unterstützen, das würde langsam das Ende eines langen Krieges sein.
Matschverschmierte Ketten wurden sauber gewaschen und so würden die Erinnerungen dieses anscheinend bedeutenden Gefechts verblassen.
Die Kinder des Ortes Grub würden schnell auf die Arndorfer Felder laufen um die Metallstücke und „Kinkerlitzchen“ und was noch so übrig geblieben ist aufsammeln und das Metall im Ort zu verkaufen. Es scheint dass der Lärm des Gefechts fast unbemerkt an den Frauen und Kindern vorbeigegangen ist, die zurückgelassen worden waren um die Bauernhöfe und die Felder zu bewirtschaften. Mit Ausnahme von einigen wenigen älteren Buben, die die Sperrstunde missachtet hatten und damit Zeugen des Gefechts wurden, wussten nur wenige der Einwohner von Kötzting dass sich etwas außergewöhnliches ereignet hatte.

Soweit der Bericht den Mr. Britt Taylor Collins zusammengestellt hat. auch die folgenden Schlussfolgerungen und Vermutungen sind von ihm angeregt worden.
 Die Frage bleibt warum die deutschen Truppen angesichts der allgemeinen Lage versucht hatten die US Truppen anzugreifen. Krottenthaler Josef berichtet über diese hektischen Tage, dass in Neukirchen „tausende deutscher Soldaten, durch den Ort zogen und versuchten nach Süden durchzukommen oder in den Wäldern des Bayerischen Waldes Unterschlupf zu finden.[17]
Das 357. Inf. Reg. war aufgereiht entlang der Straße von Steinbühl, durch Arnbruck bis nach Mooshof.
Parallel dazu, etwas nördlich stand das 359. Inf. Reg. auf einer Linie, beginnend bei Gleissenberg, über Ränkam, Arnschwang, Tretting und Rimbach. Die Spitzen dieser Kampfgruppe reichten bis Hohenwarth. Die US Truppen rückten ganz allgemein auf den Straßen vor, die den Tälern folgten, welche parallel zur Tschechischen Grenze verliefen. Zwischen Hohenwarth und Steinbühl jedoch war eine Lücke und genau in diese Lücke hinein stieß der Kaitersberg. Mit den Russischen Streitkräften Rücken und von den US Truppen bedrängt ist es leicht möglich, dass die abgedrängten und zersplitterten deutschen Truppen, durchmischt auch von SS Truppen, diese Lücke sahen und versuchten sich in der Nacht durchzuschleichen. Oder aber sie versuchten einen letzten Angriff auf einen schwachen Punkt des Gegners, auf eine Artilleriestellung, die von keiner Infanterie verstärkt und verteidigt worden war.
Eine andere Erklärung könnte sich aus dem Kriegstagebuch eines Angehörigen der 11. Panzerdivisiob ergeben.
Werner Drews[18], Oberstleutnant bei der 11. Panzerdivision berichtet über den 27. April 1945: Der Ia der Division meldete sich am 27.04. abends beim Div. Kdr. in Chodenschloss (7 km westlich von Taus) und erhielt folgende Einweisung. Die Kampfgruppe der Division stand seit 2 Tage in Kämpfen um Waldmünchen und Furth i. W.. Der Auftrag der Division, der in keiner klaren Formulierung vorlag, verlangte die Sperrung der Übergänge über den Böhmerwald im Abschnitt beiderseits Waldmünchen und Furth, d.h. die Verhinderung des feindlichen Vorgehens auf Pilsen über die Straßen auf den Höhen des Gebirges. Der Divisionskommandeur hatte versucht, diesem Auftrage vor dem Eintreffen der Masse der Division[19]mit der bei ihm befindlichen Kampfgruppe vorwärts, d.h. westlich des Böhmerwaldes gerecht zu werden. Der Erfolg dieser Maßnahme blieb nicht aus: die Division konnte im Schutz der bisher eingesetzten Teile (Raum Waldmünchen und Furth) an den Südwesthängen des Gebirges planmäßig eine Abwehrstellung beziehen. Klarer Anschluss nach rechts und links war nicht vorhanden. Einzelne deutsche Einheiten, die im Gebirge angetroffen wurden, konnten als zuverlässige Nachbarn nicht gewertet werden. Weiter berichtet er, dass, nachdem die Division Stellung bezogen hatte, sich die vorgeschobenen Teile über die neue Widerstandslinie hinweg absetzten. Es könnte sich bei den Soldaten, die auf deutscher Seite bei dem Gefecht bei Grub beteiligt waren also auch um Angehörige der 11. PD gehandelt haben.
Eine dritte Möglichkeit ergibt sich durch die Veröffentlichungen von Karl B. Krämer, der 1971 viele Details der letzten Kriegstage im ostbayerischen Raum zusammengestellt hat.[20]
Er berichtet von einer Luftwaffeneinheit, die Angehörige der russischen Wlassow Armee ausbilden sollte und die am 27.04.1945 die verbleibenden 300 russischen Soldaten entwaffneten. Die russischen Soldaten sollten in Neukirchen sich den Amerikanern ergeben sie selbst allerdings sammelten sich in der Nähe von Lam und wollten sich in den Wäldern versteckt von den Amerikanern überrollen lassen, um dann sich dann in die Heimat absetzen. Auch Angehörige dieser Einheiten könnten in der nacht zum 28. April den Durchbruch versucht haben. Diese Einheit ist noch am 27. April in den Wäldern bei Schmelz nachzuweisen. Das Zellertal ist sicherlich in einer Nacht zu erreichen.
Das Unbekannte dieses Gefechtes bei Grub ist somit sowohl die Zusammensetzung als auch die Zielsetzung der angreifenden Kräfte. Da (noch) keine Verhörprotokolle der US-Dienststellen aufgetaucht sind, an welche die Gefangenen weitergereicht worden waren, kann über diese letzten Fragen nur gemutmaßt werden.
Wie aber ging es in den folgenden Tagen in und um Kötzting weiter:
Am 28. April zog das Hauptquartier um 10.40 Uhr weiter nach Thenried. Die drei Artilleriebatterien wurden zuerst nach Madersdorf befohlen, von dort aus bezog die A Batterie am 29. April um 05.40 Uhr Stellung in Neukirchen um Nayrsko zu beschießen. Die B und C Batterien verblieben in Madersdorf und feuerten von dort aus auf Rittsteig. Später am 29. April bewegte sich auch die A Batterie wieder zurück nach Madersdorf.
Von der Mittagszeit am 29. April bis mittags am 30. April feuerten alle drei Batterien von Madersdorf aus auf Kolmstein und Vseruby. Anschließend bis um Mitternacht beschossen sie Seugnhof, Vseruby und Hajek.[21]
Mit diesen abschließenden Kämpfen wurde die 11. Panzerdivision endgültig im Grenzraum eingeschlossen. Werner Drews[22] schilderte den Eindruck, den die deutsche Seite von den amerikanischen Verbänden hatte. Das Verhalten des Gegners ging aus den damals gewonnenen Kampfeindrücken nicht eindeutig hervor. Seine Angriffsspitzen waren – nach ihrem Verhalten zu urteilen- im Großen angehalten bzw. hatten als Angriffsziel die ehemalige Reichsgrenze zugewiesen bekommen. Daraus ergab sich in diesen Tagen ein örtlicher Kampf um die wenigen Quadratkilometer reichsdeutschen Bodens, die innerhalb des Divisionsabschnittes noch in eigener Hand waren. Schwerpunkte zeichneten sich im Raum nordostwärts und nördlich Waldmünchen und nördlich Furth i.W. ab. An diesen Stellen griff dann der Gegner am 29.04. mit starker Infanterie abseits der Hauptstraßen durch den Wald vorstoßend an. Dieser Vorstoß der Amerikaner stellte für Teile der 11. Panzerdivision den letzten harten infanteristischen Kampf Mann gegen Mann dar. Nach diesen Kämpfen bestand bereits die Gefahr der Umfassung des rechten Flügels durch die Truppen der USA. 
Diese Umfassung erfolgte auch und der vorherige Divisionskommandeur von Wietersheim, der sich, um eine Versetzung in den letzten Kriegstagen zu vermeiden, krankgemeldet hatte, übernahm am 02.05.1945 wieder die Führung der Division so erfolgte nach einer Kommandeursbesprechung am 4. Mai 1945 der Beschluss der freiwilligen Kapitulation unter bestimmten Bedingungen und der Übergang der Division in den Raum Kötzting. Somit endete Anfang Mai 1945 auch in Kötzting der zweite Weltkrieg und die schwierige Nachkriegszeit begann unter einem militärischen Bürgermeister Captain Sperl von der 2nd US Cavalry, da die 90th Infanteriedivision der Amerikaner, zu der ja auch die 343th FA gehörte, vorläufig noch den Vormarsch in die damalige Tschechoslowakei hinein fortsetzte.[23]



In diesem Beitrag wurden also im Wesentlichen die militärischen Aufzeichnungen der beiden Seiten berücksichtigt, wobei es naturgemäß vor allem die der Amerikanischen Seite war, 10 tage vor der Kapitulation waren die deutschen Truppen verständlicherweise etwas nachlässig mit ihrer Buchführung....

Aber es gibt auch von neutraler Seite eine Bestätigung dieses Vorganges UND ich hoffe, dass sich erneut die eine oder andere Person bei mir meldet, die vielleicht noch Erinnerungen an diese Vorkomnisse hat.

Dr. Rupert Sigl schrieb in der Kötztinger Zeitung über Conrad Krämer dÄ  und zitiert und berichtet dabei aus dessen persönlichen Niederschriften und Erinnerungen. 
In diesen Erinnerungen ist auch der oben beschriebene Zeitraum erwähnt und auch am Rande das Gefecht bei Grub, an dessen Ende Krämer durch die Ortschaft Grub zurück nach Kötzting fliehen wollte.
Kötztinger Zeitung von 1989 mit der Schilderung des Einmarsches der amerikanischen
Truppen in das Zellertal.









[1] Infanteriedivision im Folgenden Inf.Div. genannt
[2] KROTTENTHALER; Josef in Baumann Mathilde; Neukirchen b.Hl. Blut Markt und Wallfahrt am Hohenbogen Seite 90
[3] Jedes Infanterieregiment der Amerikaner bestand aus 3 Infanteriebataillonen. Jedes Bataillon wiederumgliederte sich auf in drei Kompanien und dieses wurde aus drei Zügen gebildet. Jeder Zug wurde schließlich in drei Trupps unterteilt. Wegen dieser gleichmäßigen Dreierschritte wurde dieses System, das übrigens heute nicht mehr gilt, das Dreieckssystem genannt
[4] DREWS WERNER, Oberstleutnant i. G. a. D. Die Kämpfe der 11. Panzerdivision zwischen Rhein und tschechischer Grenze vom 16. April bis 4. Mai 1945, zweiter Teil, Skizze c, in einer Zusammenstellung vom Sprecher des Traditionsverbandes der ehemaligen 11. Panzerdivision Karl-Heinz Loschke, 1996
[5] s.o. zweiter Teil Seite 7
[6] das 343. FA Bataillon blieb in Wettzell noch zwei Tage bis zum 29.04.1945
[7] Feldartillerie im Folgenden FA genannt
[8] Dieses Kommando ist der jetzige Nachfolger der früheren 90. Infanteriedivision
[9] http://homepage.internet.lu/ceba-lux/CEBA/TextUnits.html Tough Ombres nannten sich die Mitglieder der 90. Inf. Div..
[10] Zur Erinnerung eine solche Kampfgruppe wurde gebildet durch den Zusammenschluss eines Infanterieregiments mit einem Artilleriebataillon welches mit kleineren Haubitzen ausgerüstet war.
[11] 354th F(ield)A(artillery) After Action reports for April 1945 from the 
National archive 
[12] 90th Division After Action Reports for April 1945 from National Archives
[13]   271200 = 27. April 12.00 Uhr bis
[14] REIMERS Colonel D. K., A Diary of WWII by Ret., page 411)
[15] COLBY John, War from the Ground Up, published by Nortex Press, 1991, Seiten 461 und 462)

[16] (General Orders Number 14, 15 May 1945, Section I & II )
[17] KROTTENTHALER; Josef in Baumann Mathilde; Neukirchen b.Hl. Blut Markt und Wallfahrt am Hohenbogen Seite 91

[18] DREWS WERNER, Oberstleutnant i. G. a. D. Die Kämpfe der 11. Panzerdivision zwischen Rhein und tschechischer Grenze vom 16. April bis 4. Mai 1945, zweiter Teil, Seite 7 in einer Zusammenstellung vom Sprecher des Traditionsverbandes der ehemaligen 11. Panzerdivision Karl-Heinz Loschke, 1996
[19] Die Kampfgruppe sollte den Raum Taus sichern, bis die Masse der Division, wieder mit Treibstoff ausgerüstet, ab dem 25. April nachrücken konnte.
[20] KRÄMER, KARL B.  in Der Bayerwald 4/ 1971 Seite 201
[21] 345th After Action Reports für den Monat April 1945
[22]  DREWS WERNER, Oberstleutnant i. G. a. D. Die Kämpfe der 11. Panzerdivision zwischen Rhein und tschechischer Grenze vom 16. April bis 4. Mai 1945, zweiter Teil, Seite 9 in einer Zusammenstellung vom Sprecher des Traditionsverbandes der ehemaligen 11. Panzerdivision Karl-Heinz Loschke, 1996
[23] GANZ, HARDING, Prof. Ohio State in Deutsche Militärzeitschrift 35/2003 Seite64

Kommentare:

  1. Interessant. Mein Vater war in der 90. Infanterie und mein Urgroßvater war Josef Krottenthaler von Eging. Leider haben die Krottenthaler Links nicht funktionieren, so kann ich nicht in diese weiter zu suchen.

    Interesting. My father was in the 90th infantry and my great grandfather was Josef Krottenthaler of Eging. Unfortunately, the Krottenthaler links do not work so I cannot look into this further.

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    1. what do you mean with Krottenthaler links?

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