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Samstag, 22. Februar 2014

Häuserchronik: Marktstraße 28




Die Geschichte des Hauses

Marktstrasse 28 in Kötzting

alte Hausnummer 19


Die Entwicklung Kötztings ist im Laufe der Jahrhunderte nicht gleichmäßig fortgeschritten sondern es lassen sich Zeiten mit einschneidenden Änderungen und Zeiträume unterscheiden, in denen sich das Gesicht des Ortes lange Zeit nicht veränderte. 
Wenn man von der Anfangsphase absieht, die für uns fast vollkommen im Dunkeln liegt, so lässt sich die Entwicklung in drei große Blöcke einteilen.
·         Von der Teilung der Urhöfe, noch vor 1179, bis zur obrigkeitlichen Aufforderung, eine Marktbefestigung zu errichten.
·         Kötzting der Neuzeit von ca. 1470 bis 1803 (teilweise bis 1867)
·         Das moderne Kötzting

Da die schriftlichen Quellen über Kötzting in den verschiedenen Archiven in der Mehrzahl mit der Neuzeit einsetzen, kann man leicht den Eindruck erhalten, die Struktur und Verteilung der Anwesen wäre über all die Zeit die gleiche gewesen. Es gibt aber einige Hinweise, die in manchen Fällen auf eine andere Häuserverteilung vermuten lassen. Vorab muss aber zum besseren Verständnis die Struktur der Kötztinger Einwohner beschrieben werden. Abgeleitet vom Besitz an Grund und Boden und damit abgestuft in den Rechten und Pflichten finden sich in Kötzting
·         Marktlehner
·         Söldner
·         Häusler
·         Inwohner
Schon im niederbayrischen   Herzogsurbar (kurz nach 1301) ist Kötzting als Markt bezeichnet und aufgeführt mit 36 Lehen und 10 Sölden. In den Vorläuferbänden der Urbarien (1231 und 1237) ist noch von keinem Marktrecht die Rede, so dass, laut Piendl, von der Marktrechtsverleihung um 1255, nach der ersten Landesteilung, ausgegangen werden kann. Wenn Kötzting 1255 bereits groß genug und würdig war, ein Markt zu werden, dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Aufteilung der Urhöfe in die verschiedenen Anwesen schon lange zurück lag und Kötzting bereits eine zentrale Funktion für die Umgebung eingenommen hat. Dies gilt umso mehr, als ja bereits 1179 den Kötztingern eine Kirche beglaubigt wird. Die historische Entwicklung und Ausbreitung des Ortes lässt sich nun anhand  vieler schriftlicher Quellen belegen. Diese Quellen lassen auch Rückschlüsse und Vermutungen auf die Lage der vier Urhöfe zu.
Im Marktrechtsprivileg Kaiser Ludwig des Bayern vom 11. November 1344 heißt es unter anderem: Von erst wan der Markt getheilt ist von dreu Höfen zu 36 Burglehen und in 12 Sölden, wollen wür, wer der Lehen eines mer oder minder inn hat, der soll arbeiten all die Arbeit, die den Markt angehört mit Fludern, Fleischwerken, mit Pachen, mit Schenken, mit Gastung und mit anderer Arbeit und Handwerken.
 Aus dieser Anfangszeit stammt also die Aufteilung in 36 Marktlehen, 10 (an anderer Stelle 12) Sölden und 20 Teile. Dass diese sogenannten  "Teile" in Wirklichkeit die späteren Leerhäuser darstellen, kann später belegt werden.
Was war nun das Besondere an diesen unterschiedlichen Anwesen ?
Die Marktlehner waren gewissermaßen die Oberschicht in Kötzting. Ausgestattet mit allen Rechten, die das Marktprivileg erlaubte, einschließlich des uneingeschränkten Brau- und Schankrechtes. Das heißt in Kötzting hatten Besitzer von 36 Marktlehen und nur  diese die Erlaubnis im Kommunebräuhaus brauen zu lassen, ein Wirtshaus zu betreiben und sie nutzen dies auch weidlich. Die Söldner hatten dieses Braurecht nur eingeschränkt, das heißt, sie durften nur festgelegte Mengen brauen (1 Sud pro Jahr) und dieses Bier auch nicht ausschenken. Die (Leer)Häusler hatten weder Brau- noch Schankrecht, und nur wenn einer dieser Bewohner eine Handwerksgerechtigkeit besaß, so durfte er seinen Beruf in diesem Haus ausüben. Noch schlechter gestellt waren die Inwohner, die am besten als Mieter zu verstehen sind. Zu diesen Inwohnern waren auch die  Alteigentümer nach der Übergabe zu rechnen.
Am unteren Ende dieser abgestuften Rechtsskala standen die Knechte, Mägde und Kinder.
Außerhalb dieser Ordnung, aber mit ihren Rechten am ehesten mit den Inwohnern zu vergleichen, waren dann noch die Bewohner, die man heute als Beamte und Angestellte bezeichnen würde, also zum Beispiel die Angestellten des Pfleggerichts, der Messner, die Klosterherren (ab 1636), um nur einige zu nennen. 
Die Marktlehner und Söldner konnten auch Grundstücksverkäufe an Inwohner und Häusler verhindern oder einen bereits erfolgten Verkauf nachträglich zu ihren Gunsten rückgängig machen, sie hatten ein Einstandsrecht und übten dieses auch regelmäßig aus.. Sogar die Viehhaltung war bei den Häuslern stark eingeschränkt, teilweise ausdrücklich verboten. Dies hatte seinen Grund vor allem in den sehr stark begrenzten Weideflächen, die den Kötztingern zu Verfügung standen.
Der Besitzer des Hauses an der Ecke Marktplatz und der Metzstrasse war einer dieser Marktlehner. Da die Steuerlisten der Kötztinger Grundherren, ob Kloster Rott, der eigene Magistrat oder auch der Regierung, in aller Regel immer die Gleiche Reihung der Häuser bzw. deren Besitzer beibehielten, können wir in den überlieferten Untertanenlisten des Kloster Rotts die ersten Besitzer des Hauses am Markplatz festmachen.


Eine Kötztinger Bürgerin, genannt die Taschnerin, und Besitzerin sowohl eines ganzen wie auch eines halben Lehens dürfte 1445 die erste nachweisbare Besitzerin sein. Gleichzeitig nennt sie noch 3 Sölden in Kötzting ihr eigen und tritt bereits zwei Jahre vorher als  Bürgerin Dorothea Tascherin bei einer Zehentverleihung auf. Es war in dieser Zeit üblich, dass Kötztinger Bürger den
(Kirchen)Zehent umliegender Dörfer kauften. Das heißt die Bauern auf den Dörfern waren Abgabenpflichtig und zahlten mit Teilen ihrer Ernte. Nun wollte oder konnte zum Beispiel das Kloster Rott nicht diese Abgaben eintreiben und verkaufte den Zehent an Privatpersonen, die dann diese Abgaben auf eigenes Risiko und Rechnung eintrieben und den vorher festgesetzten Stiftpreis an das Kloster entrichteten. Das Risiko bei Missernten hatte natürlich der Stifter.
    
1462 tritt nun als Besitzer  Gundersdorfer Steffan auf. Auch er ist mit  1 ganzen und einem öden Lehen angegeben. Anschließend  ist eine große und lange Lücke in der Liste der Hausbesitzer, weil wir aus dieser Zeit keine Bürgerlisten kennen.

BayHstA  KL Rott 111             



Erst 1580 kennen wir wieder den Marktlehner im Haus Nummer 19, den Bürger Pachmayr Wolf, auch dieser ein Besitzer mehrerer Anwesen und vermutlich auch der Inhaber der Hofmark Haus.                
1584 sitzt ein Sebastian Weiss auf dem Haus mit anderthalb Lehen und 1597 hören wir wieder von einem Vertreter der Familie Pachmayr. Hans der Jüngere ist ebenfalls wieder mit 1 ½ Höfen angegeben und ist ebenfalls Besitzer der Hofmark Haus. Dieser Hans Pachmayr hat nun bereits in den Archivalien einige Spuren hinterlassen wird 1610 und zuletzt 1620 als Besitzer des Hauses angegeben.

 
BayHStA München KL Rott Lit 10          

 Durch dieses Haus, an einer markanten Stelle in Kötzting, können die Besitzer - und auch die der benachbarten Marktlehen -  bereits in den ersten Bürgerlisten seit ca 1440 regelrecht entschlüsselt werden.  Es können aber nicht nicht nur die Namen sondern auch besondere Verbindungen  zu umliegenden Orten und Hofmarken aufgezeigt werden, Kötztings Bürger waren immer auch mit dem Umland verbunden.Eine besondere Verbindung zu Kötztings Geschichte und Schicksal ist mit dem Namen Khieniger verbunden. Personen diesen Namens treten in Kötzting ab ungefähr 1580 auf und ein Mitglied dieser Familie dürfte der Hauptverantwortliche dafür sein, dass die "Schweden" Kötzting im November 1633 zerstört und den Großteil seiner Bewohner ermordet haben.


Hans Khieninger Bürger des Rhats und Mezgers alhier, seel: Erben haben 50 fl die sie lauth der Verschreibung de dato 22.Jenner Ao: 1647 auf Ihrer Behausung und deren Zuegehorig gründten verschrieben, iezt Georg Khieninger auch Bürger und Metzger alhier, und sein Hausfrau mit beschechner weiblicher Verzicht; erfolcht sich der Zins zu Lichtmessen 2 fl 30 xr BayrHStA München Kl Rott 111



Im Jahre 1650 ließ der damalige Probstrichter Adam Türrigl ein Buch anfertigen, dass zum ersten Mal nicht nur die Namen der Besitzer auflistete, sondern auch den genauen Ort bezeichnete. Das Haus des Hans Khieninger liegt zwischen dem des Wolf Kholbinger und Hans Kieninger  am Egg neben Hans Schindler, mit einer Seiten auf den Platz gegen den Wasserkhar mit der andern Seiten am Rindermarkt liegent.                                                            
Er besitzt auch noch ein Ödlendt oder Prandstatt , das Herr Hans Heinrich Stöckl von Ach, Landrichter von Hans Pachmayr dem Jungen erkauft hat.  Mit dem Straßennamen Rindermarkt wurde die heutige Metzstraße bezeichnet, weil am Ende der Straße bei der Fleischbank (=Rabl Fanny) die Kötztinger Metzger schlachten mussten und ihre Tiere vor dem schlachten an einem Pfahl zur Begutachtung anbinden mussten. Vor dem Haus war zu der Zeit ein öffentlicher Brunnen. Im Status Animarum,(1636) der Seelenbeschreibung, sozusagen eine Bürgerliste nach der Stunde Null, nach dem Schwedeneinfall, zeigt von der Familie Khieninger nur noch den Vater und den Sohn, beide Hans,  auf.                                                                                         
 In den Kötztinger Spitalrechnungen von 1680 finden wir eine Haus- und Schuldenübernahme vom Metzger Khieninger Georg auf seinen Schwager Österreicher Wolf Georg Bürger und Riemer. Wolf Georg Österreicher besaß auch ein Anwesen am Spitalplatz.
Dieser Wolf Georg Österreicher muss ein sehr impulsiver Mensch gewesen sein, weil er einige Male angeklagt war und so zum Beispiel 1683 einen halben Tag im Stock sitzen musste, weil er mit dem Degen auf die Gossen geloffen war, auch hat er im selben Jahr  den Kirchenpropst Hans Pachmayer wegen angefordertem Khyrchenzynss ainen Schoergen geschmaeht, weswegen selbiger ainen 1/2 Tag Gefenknuss  abgebisst.
Hierzu muss man wissen, dass der Scherge oder Amtmann ein unehrenhafter Beruf war und es deshalb eine Beleidigung für den Kirchenpropst darstellte.
Wir wissen aus den später einsetzenden Briefprotokollen (=Beurkundungen der Hausverkäufe), dass der Gerichtsprokurators Franz Paul Keser der Besitzer des Hauses zu Anfang des 18. Jahrhunderts war, so dürfen wir dessen Bürgerrechtsverleihung im Jahre 1684 als den Beginn seines Marktlehnerdaseins in Kötzting ansehen, seine Frau heißt Dorothea. Er wird an anderer Stelle als Marktprokurator, Markt Bräu- und Gegenschreiber und Schützenmeister ausgewiesen. Dieses Bürgerrecht war ihm 9 fl wert, eine ansehnliche Summe. Später übernimmt er auch das Propstrichteramt in Grafenwiesen. Dass er seine Rechte als Marktlehner auch wahrnimmt ergibt sich aus einer Kesselliste der bräuenden Bürger Kötztings.
Im spanischen Erbfolgekrieg ist es seine Aufgabe die kriegsbedingten Abgaben einzutreiben bzw. Auf die umliegende Landbevölkerung umzulegen, das heißt der Markt wurde von der österreichischen Regierung in Straubing dazu verurteilt Abgaben für die ganze Region zu bezahlen und konnte sich Teile davon von den Bauerndörfern der Umgebung zurückholen.






Paul Franz Keser, churfürstlicher Preuamts Gegen und Marktschreiber zu Kötzting, mußte für seine Anstellung beim Pfleggericht 300 fl. als Amtsbürgschaft stellen. Er, als Angestellter musste also zuerst mit seinem eigenen Vermögen in Vorleistung gehen um überhaupt auf diese Stelle angenommen zu werden.


Er garantierte also mit seinem eigenen Vermögen, dass es sein Amt korrekt und nachprüfbar durchzuführen gedachte. Der obige Schriftzug ist die Einleitung für eine Verleihungsurkunde mit der Paul Franz Keser in seiner Eigenschaft als churfürstlicher und Marktschreiber der hochverschuldeten Herrschaft Runding ein Kapital von Gulden verlieh.



eigenhändige Unterschrift und Siegel des Paul Franz Keser




Sein Haus übergibt er 1727 an seinen Schwiegersohn den Preuamts Gegen und Marktschreiber Johann Baptist Schreyer.




Kötztinger Spitalrechnungen: Übernahme der Hypothek durch den Schwiegersohn und Marktschreiber Johann Baptist Schreyer




Um 1600 fl verkauft er am 28.04.1727  das Marktlehen  neben denen aigenthümlichen Stücken als dem Akcher im Kroitt(=jetzt Schinderbuckel)  vorneher an den Pachmayerischen und neben ihro Gnaden Herrn  Pfleger von Mayer Leithenacker  stosent , dann den sogenannten  Gehstorfer agger gleich an der Farth und Herrn Mayers  Aufschlögers ackher ligent und das sogenannte Egglgartten neben  ainem 
im Tambach(=Dampfbach)  gelegenen äckherl gegen Zeltendorf item die  sogenannte Hauserwisen  warinnen ein öder Weyr mit 2 kleinen  Äggerln und die Wässerung von dem Hauserbach daraus geführt würdt                                                 
                                                                                           
die Wohnung in dem kleinen und bereits eingerichteten Stibl,  vorhandenes Zünn, Kupfer , Messig geschirr , hewöhr Mahlerey  Reittsattl sambt dergleichen zaumb, Sessl und Registraturkassten  ..                                               
Schulden waren vorhanden und mussten übernommen werden
50 fl zum Gotteshaus                                                            
80 fl zum Spital                                                               
als Zeugen firmierten Billich Hans Georg und Pachmayr Martin  beide Bürger in Kötzting. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Registratur des Marktes im Hause des Marktschreibers aufbewahrt wurde, ein Zustand, den erst 50 Jahre später Samuel Luckner beendete, der den Marktschreiber  dann auch dazu zwang im Rathaus seine Wohnung zu beziehen und eine Archiv einrichtete, welches auch brandsicher sein sollte.
Im Anhang werden die Familienbögen der beiden Marktschreiberfamilien Keser und Schreyer aufgeführt
Am 11.03.1732 verpachtete Johann Baptist Schreyer viele seiner Felder für 60 fl auf 6 Jahre an den Kötztinger Fludermann Johann Adam Greill; daraus wird sein damaliger Besitz deutlich:
den an vertten(= im vorigen Jahr) mit Gersten angebauten grossen Gehestorffer ackher  , das mit   
Sommer Waizen angesehte Claine Äckherl alda , sogenannten mit Korn bestandtenen  Schuelmaisteracker , nitweniger  den zur Wuhn gehörigen und in der Brach ligenten Ackher neben dem  ingleichen in der Brach liegenten Strohhofäckherl,  soforth den  mit Korn angebauthen Dämpfbachackher nitweniger Ruebackher , dessen mit Waizen angepauthen Grüberackher , sambt dem mit Korn  besambten Neubichel beim Ernsthof neben denen unterhalb des  Zieglstadtl mit Klee  angebauthe 2 Äckherl welches in erst das  obere alhers anvertten  , das unter  aber vor 2 Jahren angebauth  worden. Es sind dies also die oben ausdrücklich angeführten Grundstücke und die sogenannten Gruberhof Anteile. Dieser in der Ortschaft Grub liegende Bauernhof war zu Mitte das 17. Jahrhunderts nach einem längeren Schriftwechsel vom Kloster Rott angekauft worden und an die Bürger Kötztings anteilig verteilt worden. Sowohl der Strohhof als auch der Ernsthof liegen in Grub.
Eine Kleinigkeit am Rande, aus der Kloster Emmeramer Rotelsammlung kennen wir eine Keser Franziskus, der aus Kötzting stammte, m Kloster Oberaltaich lebte und 1742 starb.
So wie sein Schwiegervater Franz Paul Keser sich im Spanischen Erbfolgekrieg mit den Österreichischen Truppen herumschlagen musste, hatte nun Johann Baptist Schreyer als, im heutigen Sinne, oberster Kötztinger Beamter seine Scherereien mit den Besatzungssoldaten. Da er einige seiner Ausgaben vom Magistrat zurückerstattet bekam, finden wir in den Rechnungsbüchern einige Belege seiner Unannehmlichkeiten, die er für Kötzting auf sich nahm, so machte er 1743 1 ½ Gulden geltend, als ich by Herrn Hauptmann Diepold vom Battail. Regt. in Arrest gesessen habe in Trunckh bezahlen müssen . Er musste also, selbst eingesperrt für seinen Durst bezahlen. Wollten die Österreicher von den Kötztingern Geld und diese konnten nicht bezahlen, so schickten sie einfach Soldaten zur Einquartierung, besonders bei den wohlhabenden Bürgern, damit diese mit ihrem eigenen Geld eher herausrückten. So auch im Jahre 1743 wegen der von Herrn Obrist Mandelli mir wegen seiner ausstendigen Portionsgeltern eingelegte Requirer. Diese  haben am ersten Tag und Nacht in Essen und Trunckh  consumiert,  den andern Tag und Nacht ist an Fleisch Brodt und Prandtwein aufgangen Die Österreicher verlangten für Ihre Soldaten gestaffelt nach Rang gewisse Portionsgelder pro Tag. Kötzting konnte oder wollte nicht zahlen und so kamen die Requirierer und „soffen“ und „fraßen“, was das Zeug hielt, bis die Kötztinger bezahlten. Es kam noch schlimmer, als er zu Playbach durch die aldorth campierte Dragoner wegen Beschaffung Fleisch in Arrest genommen worden , hatte die Wacht verzöhrt. Sogar wenn anbefohlene Lebensmittel fehlten, musste der Marktschreiber bis zur Erfüllung der Forderung in Arrest und sogar noch seine Wachen bezahlen.

Nachdem  Johann Baptist Schreyer am 16.02.1752 verstorben war, verkaufte  1757 die neue Besitzerin, die Witwe Maria Anna Schreyer das Haus gelegen zwischen den Häusern des Sattlers Sebastian Frins(= jetzt Sperl)  und des Bäckers Paul Haselsteiner(=jetzt Marktstrasse 30)  um 1327 Gulden an ihre Tochter Anna Maria. Diese heiratete 1761 den Further Stadtschreiber
Johann Evangeliste Kaufmann.
Die eigenen Grundstücke sind auch hier wieder aufgeführt und an den neuen Namen sieht man, dass auch bei den anderen Besitzern der Generationswechsel stattgefunden hat, auch wenn die Struktur und die erwähnten Grunddienstbarkeiten, siehe Wässerung, gleichgeblieben sind.
der Acker in der Groith an des Egidius Fischers und Herrns  Pflegskommissars   
Gründ  den sogenannten Gehstorfer Acker gleich an der Fahrt und an Ferdinand Mayrs Agger, das in dem Dampfbach gelegene Äggerl gegen Zeltendorf und an  Qualbert Löckhers Grund stossend, die sogenannte Hauser Wiese worin die Wässerung von dem Hausinger  Pach mit dem Cammerer Luckner gemeinschaftlich zu nehmen und an  den sobetitelen Lucknerischen Golthauffen, den Stahlen Acker an dem Hausinger Weeg und des Mickhl Schneiders  Grund stossend                                                                       
Schulden bei der Übergabe                                                                                         

zum Spital 80 fl schuldig                                                      
50 fl Elisabeth Gämerin von Zeltendorf                                          
15 Theresia Altermann                                                          
15 Gogeislin zu Grafenwiesen                                                   
15 dem allhiesigen Schulmeister Daller                                         
                                                                      
 7 fl dem Messner an Funeralkosten(Beerdigungskosten)                                             
23 fl dem Luckner um Hopfen und andere Abrechnungen                            
in dem im heruntern Hausflöz vorhandenen Nebenstibl die freye  unvertriebte Herberge für die Witwe                                                         
Einschub: 

Der Kammerer Luckner beendete nach einem Brand in Kötzting den brauch, dass der Marktschreiber in einem eigenen Haus wohnen konnte. Er erbaute ein einigermassen feuersicheres Archiv und eine Marktschreiberwohnung im Rathaus. Dort hatte der Marktschreiber zukünftig zu wohnen.


                                                                                 
Zwei Monate später verkaufte die nunmehrige Further Stadtschreiberin Maria Anna Kaufmann ihr Kötztinger Marktlehen an den Bürgerssohn Johann Georg Auzinger, einem Abkömmling der großen Kötztinger Hammerschmidtfamilie Auzinger, von der sich mittlererweile auch eine Bäckerlinie (=Bäckerei Grassl) abgespalten hatte.
Neben den bekannten Feldgründen ist hier auch wieder einiges an Hausrat aufgeführt, nämlich  2 Disch 2 Süzstühl , 2 Zöchtafeln , 1 Eiserner Höllhafen und 1  blöcherne Röhren 4 gross und 6 kleine Birvässer . Das einem Marktlehner zustehende Brau und Schankrecht wird wohl weiterhin ausgeübt.                                               
 Die Schulden allerdings sind größer geworden:                                                                                         
 255 zur Kirche Kötzting                                                        
100 fl Spital                                                                  
50 fl Martha Auzinger                                                          
der verwitweten Marktschreiberin in der heruntern Stuben die  Herberge         
 
Ein Bruder der Anna Maria Kaufmann wurde der neue Kötztinger Marktschreiber Benno Schreyer. Von diesem Benno wissen wir, dass er, um seine Bezüge zu Erhöhen beim Markt eine Zuschuss beantragt hatte und            sonderbar ist deme auf underthäniges suppliciern in Ansechung der schlechten   
Diensterträgnuss und geringer Besoldung auf 6 Jahr eine addition von jährlichen 17 fl von gemainer Marktskammer verwilligt worden mit der condition iedoch das derselbe dagegen schuldig und gehalten sein solle die Rathauswohnung alsobald   zubeziehen und die Registratur in guette Ordnung einzurichten. Da nun er Marktschreiber die Rathauswohnung anheuer bezochen und mit Einrichtung der Neuen Registratur ohngesäumbt zu Werch gehen alsbald man ihme die notwendige Kasten und derlay Gemach hirzue anrichten würdet. Dies ist nun der Beleg für den Beginn des Kötztinger Stadtarchivs.                     
Unser Georg Auzinger scheint ein sehr reizbarer Mensch gewesen zu sein, da wir von ihm einige Einträge im „Strafregister“ finden, so zum Beispiel auch die Teilnahme bei einer Massenschlägerei, als er, Georg Meidinger und Wolfgang Greill alle Bürger alda, dann Georg Wensauer von Pöckhendorf, Peter Reythmayr von Liebenstein, Georg Reithmayr , Hans Georg Hunger  Bauernssohn und Mathias Schmaz alle von Niesassen , dann der sogenannte 
Foidl von der Hofmarch Grafenwiesen sich erfrecht auf den Marktsgründen ein    
allgemeines Geräuf zu halten , wobei Hunger und Schmaz von Niesassen die       
Anfänger gewesen. Auch wenn die Marktrechnungen berichten, dass die „Anderen“ angefangen hätten, so heißt es aber an anderer Stelle, dass er die Anna Pfeilschifterin uf dem Blaichanger  dergestalten mit Schlägen  zuegericht das der Bader lange Zeit zum Curriern gehabt. Für dieses Vergehen büßte der Bürger und Wirt Georg Auzinger auch mit 2 Gulden 17 Kreutzer und 1 Heller.    
Am 16.04.1766 heiratet Georg Auzinger die Magdalena, die Witwe des Kötztinger Braumeisters Adam. Für das Heiratsgut von 500 fl widerlegt er sein Marktlehen.                                                                             
Aus dem Jahre 1789 kennen wir eine Erbverteilung dieses Familienzweiges Auzinger 
Auzinger Marta ledige Bürgerin alhier, Schwester des Erblassers               
Kinder:                                                                        
Franziska Aschenbrenner Marktlehnerin                                          
Michael Auzinger Weissbäck zu Hohenwarth                                        
Helena Auzinger ledig                                                          
Rosina Fischerin Glaserin                                                      
Bernhard Auzinger unter dem Churfürstlichen Militair                            
Maria Anna Auzingerin in Mähren verehelichet, welche aber nach aller Mutmaßung bereits glaublich ohne nachgebliebene Leibserben verstorben.                                                         
1777 heiratete der Witwer Georg Auzinger Habrunner Gertrude aus Englmannsberg, welche selber dann als Witwe am 14.11.1796 das Marktlehen an ihren 17 jährigen Sohn  Michael übergab, allerdings mit der Maßgabe, dass, sollte der Übernehmer nicht richtig hausen, so könne die Mutter  das Anwesen ohne Rückfrage auch einem anderen Kind geben. Die Kaufsumme war 4300 fl und das Haus wird beschrieben als zwischen Josef Ploetz, Weissbäcken und Jakob Frins Behausung entlegen.
Seine Geschwister waren                                                    
            Maria Anna 14 Jahre alt                                                                  
           Johann Georg 10 Jahre alt                                                                
           Joseph 9  Jahre alt                                                                      
           Peter 6    Jahre alt                                                                    
Kötzting war zu dieser Zeit in zwei Lager gespalten. Nach dem Tode des Hofmarkbesitzers von Göhring sollte die Hofmark Reitenstein an den Markt Kötzting fallen. Da das Erbe aber überschuldet war, schlug der Markt den Besitz aus, sicherte sich aber die Grundherrschaft über die Reitensteiner Bauern. Mehrere Kötztinger Bürger nahmen sich Geld auf und kauften die zum Hofgut gehörenden Grundstücke. Andere, unter Ihnen der mächtige Kammerer Luckner wurden dadurch überrascht, gingen leer aus und hintertrieben das Geschäft, indem sie eindeutig Partei für die verbliebenen Reitensteiner Untertanen und gegen ihre Kötztinger Mitbürger nahmen. Dieser Streit eskalierte und dauerte erbittert mehrere Jahrzehnte. Die Familie Auzinger gehörte zu den Anteilseignern. Fünf Ehefrauen dieser Anteilseigner ließen sich dazu hinreißen den Kammerer(=Bürgermeister) Luckner in seiner Amtsstube aufzusuchen und zu verprügeln, wobei die Ehemänner auf der Kirchenmauer „Schmiere“ standen.[11]
 Dass es im Hause Marktstrasse 28 auch menschelte kann man aus einer Leichtfertigkeitsstrafe 1796 ersehen, als eine Reitensteiner Inwohnerstochter verurteilt wurde. Barbara Wührin,ledige Inwohnerstochter von Raittenstein ließ sich zu verschienenen(=vergangenen) Johanni von Nikolaus Baumann ledigen Dienstknecht bey der Georg Auzingerischen Gastgeberswitwe zu Kötzting ohne iemands conivenz schwängeren, welches bey ihr das erste Verbrechen ist.                                      
Strafe: 2 Wahlfarten nach Weissenregen und Schönbuchen mit der Auflage dort zu beichten und zu legitimieren. Die ledige Mutter, musste also zwei Wallfahrten durchführen und ihre Beichte und Wallfahrt auch dokumentieren lassen.  
Die Witwe Gertrud hatte wieder geheiratet und zwischenzeitlich war ihr Mann, Liebl Michael der Bürger und Wirt auf dem Hause am Marktplatz.


eigenhändige Unterschrift des Michael Liebl

1799, wieder herrschte Krieg und in Kötzting wurden französische Soldaten einquartiert, für deren Kosten der Marktlehner Michael Liebl 17 Gulden und 44 Kreutzer für Kost, Trunk, und Heizung im großen Zimmer ausgibt und dieses vom Landgericht wieder erhält und den Empfang quittiert
BayHstA GL Fasc 1837 Nr. 82 Quartierliste des Graf Morawitzer Feldbattalion: Im Hause Nr. 17 ( zu dieser Zeit, war die Nummerierung noch eine andere, Haus 17 ist später Haus 19)  bei Michael Liebl war 1801 das Regimentsquartier


1803 heiratet der Marktlehner Auzinger Michael Dreger Theres, die Tochter des Andreas Dreger. Sie bringt eine Heiratsgut von 2000 Gulden mit in die Ehe und er teilt mit ihr das am 14.01.1796 übernommene Marktlehen. 
1811 ist das Haus folgendermaßen beschrieben:
Besitzer Auzinger Michael, gemauertes Haus, Stall, Fassschupfe                    
Wert: Haus 1220 fl, Anw. 1839 fl                                                     
Sein Schwiegersohn Georg Rötzer, ein aus dem Militärdienst entlassener Bürgerssohn aus Neukirchen, ist nun ab 1828 der nächste Besitzer.
1831 bei der Anlage des Urkatasters wird das Anwesen Beschrieben :
Besitzer Georg  Gasthaus mit Marktlehen. Der Hausname ist „beim Rötzer“.
Georg Rötzer lässt den großen Sommer(=Eis)keller erbauen, und baut das Wirtshaus aus.


 
Marmorinschrift im Keller Marktstraße 28, Baumeister war der Kötztinger Mauerermeister Hummel



Der sogenannte Rötzersaal im ersten Stock wird zu einem beliebten Versammlungsort. Sowohl Musterungen, als auch Hundevisitationen, Impfungen und Vereinsfeiern finden dort statt.                                    
Hundevisitation:Wegen der Tollwut müssen die Hunde markiert und begutachtet werden. Zu diesem Zweck werden 1823 126 blecherne Zeichen bestellt. Jedes Jahr werden 2 Visitationen durchgeführt und genaue Verzeichnisse der Hunde angelegt. Der Wasenmeister(Abdecker aus Reitenstein), Gemeindediener und eine Person vom Magistrat müssen anwesend sein.                                                           
Zuerst wird von Haus zu Haus gegangen. Später dann wird in ein Wirtshaus vorgeladen. Ab 1855 müssen die Hunde im Gasthaus Rötzer vorgeführt werden. 
Ein paar Kuriositäten am Rande:
Eine Sammlungsliste für die Wallfahrt nach Arnbruck war im Umlauf in Kötzting, Zweck der Wallfahrt war die Bitte um schönes Wetter. Auf dieser Liste findet sich der Name des Georg Rötzers ebenso wie  auf der Sammlungsliste für die  St. Sebastiani Mess zur Verhütung von epidemischen Krankheiten .                          
1849 findet er sich auf einer ähnlichen Liste für die Wallfahrt nach Furth im Wald, der Florianiwallfahrt. 1859, wieder ist Hundevisitation, und hier kennen wir sogar den Namen des Haushundes im Hause auf dem Marktplatz: Nettl heißt er.  Diese Hundebeschau wechselte die Wirtshäuser bis 1831       Vorladung ins Rötzerische Wirtshaus. Ab 1861 im Lokal des Johann Mühlbauer  durch Tierarzt Wunder beim Osl. Ab 1866 im Hause der Witwe Anna Schwarz und ab 1868 wieder das Gasthaus Rötzer.
1860 übernehmen Georg und Anna Rötzer das Münsterersche Anwesen (Marktstrass 30) und damit sind zum ersten Mal diese beiden Marktlehen in einer Hand. Sie wollen das mit dem verganterten (=Konkurs) Münsterischen Anwesen verbundene  Tavern u Braurecht dem Kupferschmied Josef Ertl verkaufen. Nach Ablauf von 30 Jahren kann dieses Recht bei Rückzahlung der 400 fl vom Rötzer wieder übernommen werden.                                               
1866 versucht Georg Rötzer die Fleischbank zu ersteigern, bekommt auch den Zuschlag, bringt aber den Kaufpreis nicht auf, so dass der Zuschlag an den Marktlehner Dimpfl ergeht.
Am 30.08.1876 soll der Sedanstag feierlich begangen werden und auch dafür ist der Rötzersaal gut genug. In dem Akt heißt es 
Sedanfeier :                                                                   


um 1/2 9 Uhr Aufstellung vor dem Rötzerhause , hinach Kirchgang und             
Gottesdienst.  Abends 7 Uhr musikalische Unterhaltung im Rötzersaale.                         


Carl von Paur schreibt in seiner Kötztinger Chronik über das Rötzersche Wirtshaus:
Auch das Gasthaus des bräuenden Bürgers Georg Rötzer – dessen Gattin allgemein „Frau Bas“ genannt, eine gemütliche biedere Bürgersfrau war, wurde gern besucht.


Ein Sommerkeller zur Bierlagerung wurde erbaut und so war es nur Folgerichtig, dass Georg Rötzer daran dachte eine kleine Privatbrauerei zu errichten:
In dem Gebäudeteil, in dem jetzt die Hofeinfahrt und der Bordershop ist, sollte das Sudhaus entstehen.
Staatsarchiv Landshut Rep 164-8 Nr. 963

Aus dem Plan wurde nichts und nun kamen in schneller Folge die verschiedensten Wirtsleute auf das Anwesen.

 1896 gibt es neue Besitzer:
Karl Xaver und Johanna werden am 02.07.1896 im Grundsteuerkataster mit 20200 Mark angegeben.
Am  24.08.1897 dann Kermer  Alois 00 Theres  mit  22250 Mark





Während Alois Kermer der Besitzer des Hauses war, ereignete sich die letzte große Brandkatastrophe Kötztings. Der vollständige Häuserblock von dieser vorderen Gebäudekante bis gegenüberliegend das jetzige Haus mit dem Laden der Glaserei Fleischmann wurde ein Raub der Flammen. Darüber gibt es bereits Beiträge in den Kötztinger und Chamer Zeitungen.
Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Koetzting 1964
zum 100 jährigen Bestehen

Kötztinger Anzeiger:
Am 15.April brach in den Ökonomiegebäuden des Alois Kermer (Oberer Markt) Feuer aus, welches sich so rasch verbreitete, dass trotz der sofortigen Hilfe von 18 Feuerwehrender ganze zusammenhängende Gebäudeblock und die daneben liegenden Gebäude einem Flammenmeer glichen. Abgebrannt sind 7 vollständige Anwesen mit 27 Gebäuden, außerdem noch sieben Stallungen und Städel. Durch den Brand und die Löscharbeiten
sind im ganzen 23 Anwesensbesitzer mit 52 Gebäuden geschädigt worden, auch zahlreiche Inwohnersleute verloren ihre ganze Habe. Der Gesamtschaden beträgt ca. 400.000 Mark, welcher Summe nur eine Brandversicherung von 75.000 gegenübersteht. Leider ist auch der Verlust von 2 Menschenleben zu beklagen. Unmittelbar an der Ausbruchsstelle befand sich, in die Ökonomiegebäude eingebaut und durch einen hölzernen Gang mit dem Hauptgebäude verbunden, die Schlafkammer
der Bäckergehilfen Andreas Holzapfel,18 Jahre alt von hier und
Lorenz Rottenfusser,15 Jahre alt, von Hebertshausen. Diese wurden durch den Rauch betäubt und verbrannten. Erst am andern Tag gegen 5 Uhr konnten an der fraglichen Stelle Nachforschungen angestellt werden, da der Platz mit glühenden Steinen und brennenden  Holzteilen überschüttet war. Nach dreistündiger harter Arbeit gelang es , die gänzlich verkohlten Leichen auszugraben.
Ein Dienstmädchen, welches im oberen Stocke schlief und vom rauche bereits betäubt war, wurde von dem Steigerzugführer und
Sekondleutnant der Reserve Karl Lindner von hier unter Beihilfe der Steiger Franz Xaver Aigner, Schreinermeister von hier, und Heinrich Pongratz, Schreinermeistersohn von hier, unter eigener großer Lebensgefahr aus den Flammen geholt.
Die Entstehung des Brandes ist noch unbekannt, doch wird
Brandstiftung vermutet.
Der Steigerzugführer Karl Lindner wurde für seinen Einsatz mit
der Bayerischen Lebensrettungsmedaille ausgezeichnet.
Die Chamer Zeitung allerdings beschreibt ein etwas anderes Bild:

Cham, 17. April. 1899
 In nicht geringen Schrecken wurden am Samstag Nacht gegen 11 Uhr die Bewohner unserer Stadt versetzt als sie durch Feuersignale des Türmers und der Feuerwehr aus dem Schlafe geweckt wurden. Glücklicher Weise war durch eine am Himmel weithin sichtbare Brandröte sogleich bemerkbar, dass der signalisierte Brand auswärts sei und bald darauf lief auch schon von dem benachbarten Markte Kötzting ein Telegramm ein, welches besagte, dass der halbe Markt in Flamen stehe und Hilfe dringend erbeten wird. Auf verlangen wurde eine Lokomotive mit einigen Wägen hier hergeschickt welche um ½ 1 eintraf und schon einige Minuten später dampfte ein Extrazug von hier ab, der mit über 30 Feuerwehrmännern und ebensoviel Zivilpersonen besetzt und mit zwei Feuerspritzen beladen war. Bei Ankunft desselben bot sich ein trauriges Bild, ein ganzes Häuserviertel mit Hintergebäuden, Stallungen und Scheunen war von dem Feuer ergriffen und zum großen teil schon eingeäschert. Das Feuer war Nachts 10 ¼ Uhr in den Hintergebäuden des Gastwirts Rötzer ( jetzt Bäckerei Pongratz) am oberen Markt ausgebrochen und breitete sich nach der Kirche zu, sowie der Straße entlang nach rechts aus, so dass das Feuerherd ein vollständiges Viereck bildete, Im Ganzen sind 9 Wohnhäuser mit Hintergebäuden und 11 Scheunen ein Raub der Flammen geworden. Leider sind auch zwei Menschenleben zu beklagen; ein bei dem Bäckermeister Krämer in Arbeit stehender 14jähr. Lehrling und ein 19jähr. Bäckergeselle, der an diesem Tage dem Bäckermeister aushalf, welche beide im Hinterhause schliefen, sind im Rauche erstickt; deren Leichen wurden erst im Laufe des gestrigen Tages aufgefunden, dieselben waren ganz verkohlt. Die Kinder des Bäckers sowie das Kindermädchen, letzteres nur mit dem Hemd bekleidet, konnten nur mit knapper Not gerettet werden. Auf der Rötzerschen Gastwirtschaft  sind am Samstag Nachmittag junge Eheleute aus Teisnach als Pächter aufgezogen und in derselben nacht ist deren ganzes Mobiliar nebst
500 M Bargeld verbrannt. Getreide, Futtervorräte, Holz, Kohlen u.s.w. sind vernichtet, Mobiliar wurde vielfach gerettet; ein Pferd kam ebenfalls in den Flammen um. An der großen Verbreitung des Feuers war hauptsächlich Wassermangel schuld, denn die in der Nähe befindlichen Brunnen waren bald leer und eine Strecke weit her aus dem Regenflusse das Wasser herbeizuschaffen oder an den dort aufgestellten Löschmaschinen zu pumpen, dazu waren die jungen Leute zu faul, dieselben steckten lieber beide Hände in die Hosentaschen und standen als müßige Gaffer umher. Mehrere Spritzen sah man verlassen in den Straßen und am Regenflusse stehen. Mit wahrer Bravour haben nach ihrer Ankunft die Chamer Feuerwehr und Zivilpersonen gearbeitet und nur ihren vereinten Anstrengungen mit Hilfe der Feuerwehr Arrach war es zu danken, dass mehrere Stunden zwei Schlauchleitungen mit Wasser gespeist wurden. Noch im Laufe des ganzen gestrigen Tages züngelten die Flammen aus dem Schutthaufen hervor. Über die Entstehungsursache des Feuers ist Näheres nicht bekannt


 


Auf das Ehepaar Kermer folgten dann am 03.11.1911  Drexl Johann Baptist 00 Katharina mit einer Kaufsumme von  53000 Mark







Am 31.05.1912 finden wir einen Michael Krieger, der das Haus ersteigert hat und 1915 dann eine Krieger Maria, die im Zuge der Erbfolge das Haus erhalten hat. Wiederum auf dem Wege der Erbfolge treten Josef und Johanna Stemmer am 02.11.1922 den Besitz an, und der Stemmerbeck ist nun bereits ein Hausname, der auch in der Gegenwart noch dem einen oder anderen geläufig ist. (Siehe Heimatbuch Frau Dietrich) Mit dem Stemmer bricht vorläufig die Jahrhunderte lange Reihe der Wirte auf dem Haus ab und es beginnt die Folge der Bäcker, die bis dahin auf dem Nebenhause (=Marktstrasse 30) traditionell ausgeführt worden war.
Mein Großvater, ein Rodinger  Bäckersohn, kaufte am 21.12.1925 das Anwesen und Clemens und Anna Pongratz machten aus der kleinen Bäckerei einen Handwerksbetrieb, der in weitem Umkreis seine Kunden suchte.





Clemens Pongratz und Anna Meillinger aus Roding


Ansicht nach 1925, schon mit den neugepflanzten Kastanien und Linden, noch ohne Treppenaufgang


Er gründete damit die Dampfbäckerei Pongratz, wobei das „Pongratzbrot“ schon vorher in Kötzting gekannt war, weil mein Urgroßvater, der Rodinger Bäcker Heinrich Pongratz, bereits in Kötzting eine „Niederlage“ hatte.



Kötztinger Obermarktler von links Rabl(?), Sperl Poidl, Sperg Schorsch, Clmenes Pongratz der Hund war der Russl



Nach seinem Tod im Jahre 1957 ging das Haus auf Clemens und Inge Pongratz über und mit deren Ausscheiden aus ihrem Berufsleben  endete die Bäckertradition auf dem Anwesen und, als ob sich die Zeit zurückdrehen würde, sind jetzt im Haus am Marktplatz 28  wieder gastronomische Betriebe vereint, die die jahrhundertealte Tradition des Schankrechts hochhalten, nur das Braurecht wird nicht mehr ausgeübt, das können die modernen Brauereien sicherlich besser.


Hausansicht ca. um 1928, in etwa zu diesem zeitpunkt wurde die Garage im Untergoschoss eingebaut..Es ist vermutlich Spätnachmittag als das Bild geschossen wurde weil die Gänse von ihrem täglichen Ausflug vom Bleichanger gerade selbstständig zurückkehren. Russl, der Hund auf der vorherigen Aufnahme und die Chefin der Gänseherde wetteiferten übrigens INNERHALB DES  HAUSES um die Gunst meiner Grossmutter, was regelmässig zu Kämpfen zwischen Hund und Gänsin ausartete.
Deutlich auch zu sehen, dass in der Metzstraßße alle Häuser einen erhöhten Eingang haben, es ist zu vermuten, dass früher die Straße stark seitlich gekippt war.....die armen Unterlieger auf der linken Seite ......
EIne Winteraufnahme in den 50ern, noch mit den drei Kastanien und er einen Linde


Am Ende meines Beitrags  nun der Beginn des Umbaues von "Kötztings Guter Stube" Marktplatzumbau Mitte der Sechziger Jahre: