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Sonntag, 25. November 2012

Kötztinger Geschichte(n)


In den bayerischen Archiven werden sehr viele Akten verwahrt, die einen Bezug zu Kötzting haben oder die von Begebenheiten berichten, welche Kötztinger Bürgern passiert sind.
Vieles Gerichtsakten sind darunter, manches Offizinaldelikt aber auch ganz gewöhnliche Nachbarschaftsstreitereien oder normale Rechtshändel.
Allein in Kötzting, als Sitz des Pfleggerichts, fanden sich früher, auch räumlich direkt nebeneinander liegend, sozusagen in einem Kräftedreieck, die Vertreter das Marktes Kötzting, des Klosters Rott als des größten Grundherren in der räumlich direkten Umgebung des Kötztinger Marktes in Personalunion auch als Kötztings Pfarrherr und der Pfleger als Vertreter der Staatlichen Ordnung wieder. Später, im 19. Jahrhundert, wurde aus dem Pflegamt das Landgericht äO, daraus folgend das Bezirksamt und noch später, bis zu seiner Auflösung mit der Gebietsreform, das Landratsamt.
Ein Zufallsfund bei Ebay: Mathias Heilmeier um 1900, Freizeitmaler und Fotograph (Bild in Privatbesitz)

Hier sollen nun  in unregelmäßigen Abständen sowohl solche kleinen Geschichten aus dem Gemeindebereich ausgegraben und aufgedeckt werden aber der Blog soll auch als Plattform dienen, um geschichtlich recherchierte Artikel aus der Tagespresse über den Tag der Veröffentlichung hinaus greifbar und abrufbar zu lassen.

Ich möchte den räumlichen Rahmen nicht zu eng ziehen, auch wenn in erster Linie Bad Kötzting mit all seinen 1973 hinzugewonnenen Umlandsgemeinden den Hauptinhalt stellen werden.
Damals wie heute aber gibt es viele Verbindungen der Bewohner aus dem engen Umfeld hinaus und so werden sicherlich auch die Gemeinden in der etwas weiteren Umgebung Kötztings in der Zukunft hier ihre Rolle spielen.

Eine frühe Ansicht von Kötzting:  1653

im Einzelnen siehe: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham, Band von 1998
Eine Ansicht Kötztings von 1653, diese diente bei einem Prozess um einen Mühlenneubau am Regen dazu, die Probleme, die der Kötztinger Magistrat durch die neue Mühle kommen sah, zu verdeutlichen. Staatsarchiv Landshut Rep 97e




Im Einzelnen sind ausgeführt:
Am Rande ein Teil des Marktes Kötzting mit 5 dargestellten Gebäuden , wobei 4 davon sich offensichtlich in einer Ebene befinden und eines davon um mindestens eine Geschosshöhe tiefer liegt , was auch durch die Darstellung des Geländes hervorgehoben wird. Gerade dieser Geländesprung , der ja auch heute noch zu sehen ist , könnte an anderer Stelle noch von Interesse sein , weil von unserer Seite aus vermutet wird , das an dieser Stelle sich ein Abwasserkanal befunden hat , der im Bereich der Herrenstraße Mitte des 18. Jahrhunderts in den Felsen getrieben wurde .
  
 

 
 
Im Anschluss daran die Anlage des Churfürstlichen Schlosses mitsamt der Pfarrkirche. Das Pflegerschloss selber wurde nicht gemalt. Deutlich sichtbar aber der damals noch vorhandene zweite Turm , daneben der Glockenturm der Kirche , noch mit der alten Dachform , die Pfarrkirche , die St. Anna Kapelle und die Mauer mit den Befestigungstürmen und den Wehranlagen. Gerade an der Darstellungsweise der Mauer sieht man die Absicht des Künstlers, schematisch den Sachverhalt darzustellen , da diese , eigentlich ringförmige , Mauer als kurzes , fast gerades , Stück dargestellt wird.
Außenherum ist dann der Schlossgraben dargestellt jetzt allerdings ringförmig und auch noch die Teile des Marktes umschließend . Hinter dem eher wulst- als grabenartig gemalten Schlossgraben läßt der Maler die Marktmühle und das Preuhaus herausschauen und noch ein nichtkoloriertes Gebäude , was wohl auch hier den Beginn des Marktes Kötzting zeigen soll.
Regenabwärts kommt nun die Marktpruck übern Regen und der Vormarkt und Heusl am Regen liegent". Dies ist der Bereich des jetzigen Spitalplatzes , und damals Ortsteil vor allem der Lederer und Färber.
Es schließen sich nun die verschiedenen Gewässer an , die der Maler aber, ungeachtet der wirklichen Breite, fast alle in derselben Art gemalt hat. Es sind dies im einzelnen der völlige Fluß des Weissen Regen , dann "zway Rinnsal so in Müllgraben flüssen und der Müllpach , der übrigens im Gutachten abwechselnd als der Gruber Mühl oder Kaitersbach bezeichnet wird. Über diese Landschaft aus Fluß- und Bacharmen führen nun mehrere Brücken , ein Regensteg dann ein PrukhStegel über den Armb . Bei dem dritten Übergang heißt es in der Legende : Müllpruckh , welche mehrers die gremain als der Müller genießt, und im Plan selber ist vermerkt : Pruckh über den Millpach welche miller Zuerhalten.
 
Flußabwärts nach dem zweiten Graben ist ein Schwellpamb vorgesehen , im Plan ist von der Mehrzahl die Rede , der erreichen soll , dass ihm die Plecher auf die Sag rinnen. An dieser Stelle wurden also mit einem quergespannten Baumstamm die angetriebenen Baumstämme aufgehalten und konnten dann einzeln den Mühlgraben hinauf zur Sagmühle gezogen werden.
In dem Dreieck zwischen Regen , Mühlgraben und Gruberbach ist eine Insel entstanden , und als des Sagmüllers aigenthümliche Wöhrwiesen benannt. Am linken unteren Ende des Bildes , an der Mündung des Gruberbaches ist Punkt (18) markiert . Hirher begehrt man die obige Sagmüll zu transferleren.
Am genauesten ist natürlich die Mühle selber dargestellt. Diese besteht aus zwei Gebäuden , der gemauerten Traidtmüll und der gezimmerten Sagmüll. Die Getreidemühle hat drei Mahlgänge und das, sogar mit einzelnen Sägezähnen , gemalte Sägegatter wird ebenfalls von einem unterschächtigem Mühlrad angetrieben. Das Wasser , das die insgesamt vier Mühlräder treibt , fließt auf dem im Bild noch dargestellten Ausschnitt in einer aufgesteltzen hölzernen Rinne.
Die weitere Umgebung des Bereichs ist nicht einmal in Ansätzen gemalt , die Fläche endet im Hintergrund mit einem willkürlichen Horizont.
Die Sachverständigen beschreiben den Ort des Neubaues an der Mündung des Gruberbaches und ergänzen :"als dan ain grosser Stain in dem burgerlichen Grundt ligt , an welchem der Hofmann die woerth sezen und anpauen will". Anstauversuche an diesem Ort bringen sehr schnell das Ergebnis , daß die vom Rat angeführten Argumente in keinster Weise stichhaltig sind und von Einschränkungen des Viehtriebs gar keine Rede sein könne weil die Auswirkungen möglicher Anstauungen gar nicht so weit den Regen hinauf wirksam sind. Aus diesem Grunde wurde der Markt verurteilt, dem Müller den Umbau zu gestatten und alle Kosten zu bestreiten.

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